Jüdische allgemeine Zeitung
- Journal
- Jüdische allgemeine Zeitung
- Volume
- 14 (1934)
- Issue
- 92 (5.12.1934)
- Date
- 1934-12-05
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Steuern vor dem Berliner Gemeindeparlament ■Pic \Vorlfge eiajjizeiajg »»ngenemmen — ,Die P«r«MOhnK«ig <des ' tWinterkilfswerkes ,Zu (fcgNw «Aler letzten; Reprisen tanteoveretmm hing .widmete der '.VprHltwrie iBc^ttanwalt S;te;i!»i .den .ventotbwwi verdienstvollen Btp^nUnlen (Dr- Hans iund Dr. i Oskar Ccihn wanne JrVOTte <k» iG<*Mxm- .Im Werlailf der Sitzung jvWjI«» neige» «Alle VoCT«ari»mitgJie*l!Dr..-Sally iKi r s c b «eingeführt;und durch Handschlag verpflichtet. Nach der Entgegennahme einiger geschäftlicher Mitteilungen beschäftigt sich die Versammlung mit der. Festsetzung der Steuerquote für das Kalenderjahr 1934. Im Namen des Etatausschusses führt Rechtsanwalt Ko rowe r'(Jüdische Volkspartei — Jüdischer Volksbund} aus: Der Gemeindevorstand hat beschlossen, die Steuerquote wie im Vorjahre mit 20 °/o der Reicliseinkommensteuer 1933 festzusetzen. Dabei ist tu beachten, daß diese gleichgebliebene Steuerquote in summa erheblich weniger einbringen dürfte, weil die Einkommen der jüdischen Steuerzahlei im Jahre 1933 allgemein zu r ü ck gegon gen -sind. Trotzdem wurde von einer Erhöhung der Steuerquote Abstand gc- -'nommen, dafür aber beschlossen, die Vorauszahlungen der Gemeindesteuer 1935 derart zu erheben, daß zunächst 25 o/o der Einkommensteuer für 1933 zugrundegelegt werden. Davon wird je ein Drittel in den Monaten Januar, April und August 1935 eingezogen. Im übrigen war der Ausschuß der Ansicht, daß man ernstlich versuchen .müsse, auf der Ausgabenseite zu sparen. Mit Ersparnissen allein werden wir aber nicht auskommen und müssen .daher die Gemeindefinanzen geben, was erforderlich ist. Der gegebene Weg »Ar daher, zunächst einmal .die .Vorauazahlungsquote um 5 o/o zu erhöhen und die endgültige Festsetzung der Steuerquote der Verantwortung des Genieindevorstandes zu überlassen. Vom Tische des Gemeindevorstandes erläutert Dr. Breslauer die Vorlage: Wir waren uns einig darüber, daß der Rück- .gang 4er Einkommenverhaltniise unserer Gemeindemitglieder im Jahre 1933 gegenüber dem Vorjahre ein «ehr .erheblicher ist und deshalb eigentlich eine Erhöhung der Steuerquote hätte in Aussicht genommen werden müssen. Im Interesse der Schonung der Steuerkraf t und'Steuerfreudigkeit haben wir zunächst aber von einer Erhöhung Abstand genommen. Wenn hierjind da bei den Gemeindemitgliedern die jetzigen Vorauszahlungen als zu hoch empfunden werden, so wird es Sache aller Mitglieder der Gemeindekörperschaften und der Träger der jüdischen Öffentlichkeit sein, darauf hinzuweisen, was für die Aufrechterhaltung der . religiösen, kulturellen und sozialen Leistungen der Gemeinde '' dringend notwendig ist. - Herr Marcus: Zwar herrscht über die Steuervorlage Einmütigkeit, aber .wir stillten uns .klar darüber «ein, daß S t e u e r - erhöh u'nee-n .aucA .ib.-r-e .G-ren z-e.n 'haben müssen. .Unsere. Steuerverwaitung rauft damit rechnen, daß plötzlich die Steuereinginge stark nachlassen und -sich «dann ganz rändere Zahlen ergeben, als vorhergesehen. -Man darf uns .auch nicht, wie es leider nur allzu oft geschieht, mit -dem Einwand kommen, daß viele Provjr^emeinaeo <ei« höhere Steuerquote erbenen .als wir. Die .Dinge 'liegen ibei .der 'Berliner Gemeinde ganz anders jind .die Anfordczim^cq, die «an .die Berliner Juden gestellt ^werden, -sind •o uqtyhjtBnr.. -daft «arionn iStieueianlo^deiuMen zum X«U . daduceb. ^r!pM»iia»ii ^nVm <Wir kotmeo iWsteUcn, daH die Berliner Judao t,r*u zur Crern« i rud,e gehalten haben, .da» verpflichtet raber .auf .-der anderen :Seite den Gemeindevontand aueb ^cjnoBjc^a, *uf äup ßu*Ktkt*it Rücksioht zu nehmen. ■-' iP** •jggVa**'*' jg*V* i»;,in.<« >M»j»»om. ... „ - lta° jtmUihlt «ran .eine -Vortue KVgm #or Wfmißlnmg fler r Gaaejodp «m iRilnurbund :Deut*chor Juden .«attrick-elt «eh .eine ' Debatte Jlbcr .die Gestaltung .«Jea «KuJttiriwnde«. iHorr M«r c.ua (liberale .Fraktion) -regt .dabei .-an, .eine Art <3earingtStcIle zu scfairJfen, .dje .die doppelte -Besetzung von jAbettden jiurch jQilturbup4> JSünsUarbilfe .und Jtndere jüdische Organisatiooen ^verhindern i sollen. Der AnMchuß I soll nochmals die finanzielle .Gebarung des Kulturbundes prüfen. . GenUß .einer •DriogUchkeitavprUtge .des Gemeindevontandea werden 7000 RM. zur -geordneten Durchführung des Winterhilftwerkes dem Jüdischen Wohlfahrtsamt zur Verfügung gestellt Hierzu -führt Frau Fe lk-enb-erg .als Refercutiu jaa, daß die Versorgung unserer Hilfsbedürftigen mit Kohlen, Lebensmitteln und Kleidungsstücken .auch in diesem Jahre durch das Winterhilfswerk gewährleistet wird. Traveller Tod eines greifen Arztes Ein tragisches Geschick ereilte den bekannten Arzt und Schriftsteller Sanitltsrat Or. -SenerJiel -«Lissa am 76. Geharti- Ujsc- AU SanitJUrat Saberbel .von «inen Krankenbesuch in aeiae Wohnung in Lissa ^urfiekkebrte^ ttberrMehtc «r «dort uwhrese Einbrecher. Er wurde-von den Banditen xn Boden geschlagen und erlag -fcnrz darauf seinen schweren "Verletzungen. Mit dem Ableben von Simon Scherbe! erleidet das Judentum einen großen Verlust. Trotz seines hoben Atters war Dr. Seherbel geistig nochvollkommen auf .der Höhe. Er ist der älteste Sohn des Predigers und Dichten Moritz Seherbel. Schon im Elternhause erhielt er eine hervorragende jüdische Auabildung. Während seines Stadiums in- Berlin war er Schüler von Virchow, Mendel und anderen berühmten Professoren. Neben seinem Beruf entfaltete er eine rtege rV&ritetoiferjtobe TitigVit- £r war .mediziniacber Mitarbeiter der angesehensten deutschen Zeitschriften. Auoh in jüdischen Blättern «erathjenen .van;ihm Aufsitze aus . verschiedenen jüdischen Wissensgebieten. Während der Blütezeit der , .Allgemeinen Zeitung des Judentums" -brachte diese Zeitung häufig -beachtete Leitartikel aus seiner Feder. In den letzten Jahren bereitete 'Simon Seherbel ein Standardwerk ,3crühmte jüdische Ärzte der Neuzeit" vor. Schon früher erschienen -von ihm neben .zahlreichen .populärmediriniaohen Bachern: .Jüdische Arzte und ihr Einfluß auf .das Judentum" und' „Ehen zwischen Blutsverwandten". Simon Seherbel ist ein Opfer seiner Treue zur «Poaener Heimarprovinz geworden. Als Lisa« .durch den Verseiller Friedens- ' vertrag polnisch wurde, «blieb .ex, gleichsam als letzte 'Säule .des Poaener Judentums, in Lissa. Er geborte viele Jahre -dem Vontand der Iiaaaer Jüdischen Gemeinde an; er war lange Zeit Vorsitzender des fiepräsentanten-Kollegiums, dingender Arzt und Kurator des jüdischen 'Kranken- und Siecbenhauses und 'Vorsitzender des Lissaer Vereins für jüdische Geschichte und Literatur, der infolge seiner iinermüdlichen Arbeit noch beute in hoher Blüte steht, und in dem er selbst zahlreiche Vorträge über die verschiedensten jüdischen _ Wissensgebiete gehalten hat. ' IKc Beisetzung gestaltete sich zu einer Wallfahrt der jüdischen Gemeinde Lissas. Denkmal der Namen nnd Briefe Wk&a&dfre tfhprgabe Asf* ijjd^i*p<irifr fgetbäksneir drartEeher Jmäen jw «*Ue i&ffeamAkcit — BiAq&teit der «efijllciKin^latisrtik «nSefen flp.deriiriil düsterem Gtünaoutgeschmückten SynagogeIBrinzrcatrUowtrafte, in dieroi feterlitbeni Halbdunkel das .erste tChanukiialicht der 'Aietaaoa flackerte, »veranstaltete '.der iReiebihcmd firlischer iSrorasoldalen uua ^vergangenen. SonnUg teiae i.GeÜUcsenjcdenkfeicr, wobei die vom IljF. herausgegebenen „Kriegsbriefe;efallener deutscher Juden" in die Hände des Präsidenten der iteichsvertretung als des Vertreters der jüdischen Öffentlichkeit gelegt wurden. Als unter den Klingen der Orgel die Fahnenabordnungen ihren Einzug in das Gotteshaus hielten und auf dem Ahnemor Platz nahmen, war der weite Raum bis in den letzten Winkel von einer wehmutvoll-fcicrlich gestimmten Menge gefüllt, unter ihr die Vertreter sämtlicher großen jüdischen Organisationen und Verbände. In seiner Ansprache zeichnete Dr. Ernst Fraenkel von der Bundcsleitung die Atmosphäre und den Geist,-aus-dem heraus die Kriegsbriefe entstanden sind. Im Jahre 1933, so führte Dr. Fraenkel aus, Sellien vergessen zu sein, daß auch die Söhne aus Judas Stamm für ihr deutsches Vaterland gekämpft und ihr Leben hingegeben haben. „Wir haben noch einmal unsere Toten reden lassen, weil nichts ein besseres Spiegelbild'heldischen-Geistes.geben kann als diese Briefe, geschrieben ui bitterster Not und in beglückender Gemeinschaft. Diese Briefe sprechen von der .-Sehnsucht des Sohnes nach Vater und Mutter und der Heimat. Sie sprechen von jüdischem Stolz und jüdischem Selbstbewußtsein. Sie atmen den Geist der Makkabäer. Sie sprechen ferner vom ungebrochenen Willen zum Kampf und zum Sieg. Und nicht zuletzt sprechen sie zur jungen Generation im Sinne des Wortes des Propheten Micha: „Wenn ich auch falle, ich stehe immer und immer wieder auf." Es ergeht der Ruf an .die Jugend, nie die Männer zu vergessen, die ihre Zugehörigkeit zum Saterland und zum Glauben der Väter mit ihrem Blut besiegelt haben." Mit Worten des Dankes und der Ehrfurcht richtete sich Dr. Fraenkel zum Schluß an alle, die ihre Angehörigen hingegeben haben, und an die kriegsverletzten Opfer des Weltkrieges. Nach dem Largo von Händel, zu dem sich die Celloklänge Gottfried Zeel anders und der warme Bariton des Oberkantors Wilhelm Friedmann verbanden, nahm der Bundesvorsitzende Dr. Leo Löwenstein das Wort. Es sei ihm heilige Pflicht, derjenigen zu gedenken, von denen das Buch spräche, derjenigen, die auf dem Felde der Ehre gefallen sind. Bei diesen Worten erhob sich die Versammlung, um eine Minute lang schweigend der Gefallenen zu gedenken, während die Orgel leise jjlch batt' einen Kameraden" Bpielte. Im .Oktober 1933, fuhr Dr. Löwenstein fort, habe sich die Presse mit .der Zahl der jüdischen Gefallenen im Weltkrieg 'bcachlitigt. -Dabei-wurde die sog. Judenzählung im .deutschen Hoerc -.vorn .1. November 1916 zugrunde gelegt, die bei .«inet .Gesamtzahl von .damals 906 6125 Geialleaca 3411 gefallene .Juden raxudbt. .Hietaus wurde dann .für .die geaamte Kriegsdaucr der Anteil -der Juden auf rund 7000 Gefallene an den deutseben ,Ce*amtvcrlu<tcn -von 1 843 308 errechnet. Aus dieser Ziffer wollte- *umu .<J««i 'flsfrlrtg Wfeften, -daß die -in den' «fahren 4917—1921 von iden jüdiacben vOrgsniaationezl durchgeführte Aufnahme, die als 'Mtndestzüfer ,12000 jüdische Kriegerverluute der deutschen 'Wehrmacht ,im 'Weltkriege ergab, nicht stimme. ■Das iGctallenen-Gedenkbuch des RiF, das vor zwei Jahren der lOffentliehkeit übergeben wurde, weist jedoch bis zum 1. November 1916 die ■genauen Nomen von 5731 jüdischen Gefallenen mit 'Nummer der .-amtlichen Verlustlisten >aus. Insgesamt .verzeichnet .unser GedenkbucU '10 285 Namen von gefallenen deutschen Juden. Da :tn den (erwähnten Presse-YeröffentJiriiilagen. der 'Vorwurf «.enthalten .war, .daß das (Geülleimi<Ge<terztnuch \unrith«%e An- X«tben rmache, rizthra wir ^ei den zuständigen "Behörden eine Nachprüfung erbeten. Jeder wird ohne weiteres verstehen, von welcher außerordentlichen Bedeutung für Gegenwart und Zukunft des deutschen Judentums eine absolute Klarheit über «die Frage unseres Anteils an den Kriegcrvcrlusten sein muß. Ich darf Ihnen hier, wo wir zur Ehrung unserer toten Helden zusammengetreten sind, nun die Mitteilung machen, daß diese .Nachprüfung kürzlich atattg e f u n de n hat. Zum Zwecke der Klärung sind von .den in unserem Gedenkbuch verzeichneten 10 285 Namen 2200 als. Stichproben nachgeprüft worden. Hierbei hat'sich ergeben, daß von .den .2200 Nomen 90,2 v. H. einwandfrei als jüdische Kriegerverloste zu verzeichnen sind. Was die restlichen 9,8 v. H. -anlangt, so stellt die Nachprüfung lediglich fest, daß in 6 v. H. dieser Fälle mangels genauer Unterlagen ein schlüssiges Ergebnis hinsichtlich der Religionszugehörigkeit nicht zu ermitteln war. Die Zählung der Juden im deutschen Heer vom 1. November 1916 und' die daran geknüpften Rückschlüsse sind mit diesem uns gewordenen Bescheid endgültig als unzutreffend erwiesen. Dagegen muß die Mindestziffer von 12 000 jüdischen Kriegerverlusten als endgültig zutreffend gelten, wenn man berücksichtigt, daß unsere Liste erst ein Jahrztehnt noch dem Kriege aufgenommen wurde und die Gemeinden der besetzten Gebiete nicht mehr erreichbar waren. Aufgabe des RjF. sei es, soldatischen Geist in die Jugend zu pflanzen Mit den Dichterworten des vor genau zwanzig Jahren gefallenen österreichisch-jüdischen Reiteroffiziers Hugo Zuckermann „Laßt uns Makkabäer werden" übergab darauf der Bundesvorsitzende die Kriegsbrie'fe dem Präsidenten der . Reichsvertretung der deutschen Juden, Rabbiner Dr. Leo Baeck, der es mit Worten des .Dankes an Dr. Löwenstein und den RjF. übernahm. Zwiefacher Dank sei abzustatten, führte Dr. Baeck .aus, für das zwiefache Denkmal, das der RjF. in dem Buch der Namen und dem Buch der Briefe geschaffen habe. Diese beiden Bücher "bedeuten das Vermächtnis an uns eile. Sonst sei ein Vermächtnis ein Testament, in dem das Alter -zur Jugend spricht. Hier spricht Jugend zum Alter, zu denen, die mit den ernsten Tagen älter geworden sind. Tradition hüten, 'heiße hören; was die Lippen aus dem Grabe sprechen. Es sei ein doppeltes Mahnen: ein letzter Ernst und eine letzte Wahrhaftigkeit. Dieses -letzte Ernstnehmai der Pflicht und die letzte Wahrhaftigkeit, die den Mut hat, zu sehen, was ist, und zu .tun, was der deutsche Jude vor allem -tun soll, Tradition zu'hüten, ist eine Mahnung, die sich auch am Cbanukkafest an uns wendet Das Benigna 1 der Namen und-der'Briefe, so beendete :Dr. Baeck seine 'Ausführung«», ist ein-Zeugnis,-das nicht lügt. Als letzter .in der Reihe der Redner legte'Faul Mayer-ein •warmes Bekenntnis der Jugend ab,-immer der Toten zu.gedenken« .„Indem wir .die Lebenden, denen die-Gefallenen 'Kameraden-waren, achten, ehren wir die Toten. Wir bekennen-uns jrum Soldatentum des Geistes und der Haltung und nehmen die Briefe als Mahnmal einer großen Zeit. Glaube und Haltung verpflichten uns dankbar gegenüber den Helden, die starben zu einer Zeit, da wir noch .als Kinder spielten." ■ - Der Gesang des „Moaus zur" schloß die .erhebende und verpflichtende Feier. Sdiädilverbot und Miete Ein .Urteil des Breslaner Oberlandeageriehts Im Anschluß an das Schäe,htve*b.ot ist die .Frage aufgetaucht, ob ein Mieter, der zum Zwecke des Schichtens Räume gemietet :hatte,.den Mietzins hierfür weiterzahlen müsse, obgleich das «Soh&chtverbot .«die Benutzung -der .Räume zu .ihrem im Vertrage vorgesehenen Zwecke unmöglich .mache. Nachdem das Kommcrfericht Berlin in einem ähnlich gelagerten Falle sich mit der rage befaßt hat, in welcher Weise das Schächtverbot auf einen Mietvertrag einwirke, liegt zu demselben Problem ein Urteil des .Oberlandeagerichts in Breslau vor. Die Syuagogengcmeinde JJreslau hatte -.von der Stadtgemeinde Breslau im Jahre 1930 in der Kleinmarkthalle Räume, .gemietet. In dem Vertrage war ausdrücklieb vorgesehen, daß diese Bäume zum Schlachten bzw. -Rupfen -von 'Geflügel dienen sollten. Nachdem durch das tReichsgesctc vom 21. April 1933 das Schichten warmblütiger Tiere .verboten' worden war, stellte die Synagogengemetnde die weiteren üietzahlnngen ein. Die Stadt verlangte von ihr Fortzahlung des Mietzinses, weil durch das Reichsgesetz nicht das Schlachten an sich, sondern nur das Schichten nach jüdischem Ritus .verboten worden .sei. Wenn .die Synsgogengemeinde «ine andere Art .des Schlachtens .nicht «ausübe, ao (berühre das die Vermieterin nicht. Es .seien weh Versuche im iGange, die Vorschriften des jüdischen Schlachtritus mit denen .des angefühlten Gesetzes in Einklang zu bringen. Die Svnagogengemeinde .möge also nachweisen, daß es keine Möglichkeit gebe, ihre Ritualvorsehriften den 'Bestimmungen des Gesetzes anzupassen. Tue sie das nicht, so müsse aie sich so behandeln lassen, als wenn die .rJinderungagründe nur in ihrer Person lägen.- Ha eigensinniges Festhalten eines jahrtausendalten auf die Verhältnisse eines orientalischen Hirtenvolkes abgestellten Brauches sei jedenfalls dann -nicht zu billigen', wenn eine Anpassung an die Gesetze des Staates möglich sei. Die Ablehnung einer .solchen Anpassung könne dann .auch bei objektiver Würdigung nicht mehr schutzwürdig erscheinen. Die Klage der Stadt Breslau wurde «abgewiesen, und zwar sowohl vom Landgericht als (Such vom Oberlandesgericht Breslau. In dem .Urteil «des Oberlandesgerichts vom 5. November d. J. heißt es -u. ,a., daß der beklagten Synagogengemeinde die weitere Benutzung .der Räume zu dem vertragsmäßigen Zwecke unmöglich geworden sei, da durch das Gesetz vom 21. April 1933 das «Schlachten von -warmblütigen Tieren durch ülutenteiehung ohne vorherige Betäubung verboten «Orden sei, die «Besonderheit des Schächtens aber gerade in dieser Art des Schlachtens bestehe. Im vorliegenden Falle sei im Vertrage ausdrücklich die Benutzung zum Schichten vereinbart worden. Damit sei aber die Möglichkeit des Schächte« zur auflösenden Bedingung des Vertrages gemacht worden und dieser durch das Schächtverbot nach § 156 BGB. erloschen. Wenn man auch annehmen wollte, daß eine echte Bedingung nicht vorliege, so sei doch die Möglichkeit des Schächtens von beiden Parteien zur Vertragsgrundlage gemacht .worden. Durch .das Verbot des Schächtens sei diese Grundlage, von der die Wirksamkeit des Vertrages abhing, weggefallen. Die beklagte Synagogengemeinde sei daher von der Verpflichtung der Zahlung des 'Mietzinses frei geworden. „Die Gemeinde kommt zu Euch" JJine Aktion der 'Betreuungsstelle für die Berliner 'Vororte . der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden mitteilt, ist auf Grund eines Obereinkommens mit der Jüdischen Gemeinde zu Berlin -vor einiger Zeit beim Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden eine Betreuungsstelle für die Berliner Vororte eingerichtet worden. In den Vorortsbezitken der Beichshauptstadt leben jüdische Gemeindemitglieder .oft in einer Seclenzafal, die derjenigen mittlerer Provinzgemeinden gleichkommt, die jedoch mit Ausnahme des Religionsunterrichts fast völlig -auf die im Zentrum gelegenen Geratadeeinrichtungcn angewiesen und. Aus diesem Grunde hoben die Gemeindekörperschaften beschlossen, für das geistige Leben sowie auch für jdie Beratung und Betreuung der Gemeindemitglieder in den Vororten Vorsorge -zu treffen. " j Die Betreuungsstelle tür die Berliner Vororte -will je nach den Bedürfnissen, die in den einzelnen Bezirken bestehen, bottesdi.en.ste, GemeindeaJienJe., Beratuaiigssteilen, Jugendheime u. dgl. einrichten. Begonnen wurde die Arbeit in den nördlichen, sich um Tegel gruppierenden Vororten. Hier fand unter dem Motto „Die Gemeinde kommt zu Euch eine Veranstaltung statt, bei .der der Vezhandstags- .abgeordnete George Goetz und Magistratsrat .Gossels .von^der Berliner Gemeindeverwaltung referierten. Die Veranstaltung war von musikalischen Darbietungen umrahmt. Eine' Reihe ähnlicher Veranstaltungen in weiteren Berliner Vororten soll folgen. Hefairidt Stahls Orientreife Saloniki. Der Vorsitzende der Berliner Jüdischen Gemeinde, Direktor Heinrich Stahl, der vor kurzem eine Orientreise angetreten hat, ist, von Btambul kommend, in Saloniki eingetroffen wo .er sich zwei läge lang aufhielt. Dun wurde durch den Selomkier Oberrabbiner Dr. Zwi Koretz, der aus Deutschland stammt, und den Bat der Salonikier Jüdischen Gemeinde ein herzlicher Empfang bereitet. Die Gemeindeiltesten legten Direktor Stahl die äußerst schwierige Finanzlage ihrer-Gemeinde dar, in die-sie infolge - der fortschreitenden Verarmung ihrer Mitglieder geraten ist._ Direktor Stahl versprach, sich bei der JCA, dem Joint Distribution Committee und der amerikanischen Hilfsorganisation Hias dafür zu verwenden, daß diese der Gemeinde in ihrer bedrängten Lage beispringen. Von Saloniki aus hat sich Direktor Stahl nach dem Piräus begeben, von wo er die Uberfahrt nach Palästina autritt.