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Jüdische allgemeine Zeitung · 1934-11-28 · 91 (28.11.1934) · page 10

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Journal
Jüdische allgemeine Zeitung
Volume
14 (1934)
Issue
91 (28.11.1934)
Date
1934-11-28
Page
– (sequence 10)
Language
German
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wenn er wirklirh •.'cwimicii sollte, nicht* i>ckotiiiiit, aber sonst;ni diu ü1jri»(- Familie tajtlvr und unentwegt ausbezahlt. \\ ozu js1.it der Vater! Strafe muß sein. AU Sj>iel«eld dienen Nüsse und iUmhons oder, was «lie äjiielfreude der Kinder noch sehr crhGht, echle blanke Pfeiini^e. ■ Ein -weiirres £i|»iel .i-t das Kallowcs, das schon vor .laliiliiiiitlcrti ri win deutschen Juden 11U (!haiail>ka-Xritverlr<'ib »esiiii-It wurde, uii.l hei dein durch \\ V»la>!>t-u nder Linslellen einzelner Worte oder Kurln-tabm eines, von einem der Mitspielenden gewühlten B i b c 1 s a t z e s eine Art Zahlcnrätscl entsteht. Die Lösung ergibt meist die Zahl 44, entsprechend der Zahl der Chanukkalichicr. Do dieses Spiel ziemlich hohe Kenntnisse von Hibel und Talmud voraussetzt, kommt es wohl für unsere heutige Jugend nicht in Frage. Wie im Altertum und Mittelalter, so sitzen Eltern und Kinder auch heute am Cliauukka, bei althergebrachtem Brauch und Spiel, zusammen, bis die Lichter der Menora. erloschen sind. Lilli Szkolny. Was Jollen wir lesen? Eine Frage und keine Antwort - Ort der Handlung: ein Ccmcnwhaftshcmi; l'hujtfc und Mittlere- -iprechen hier geinein^am über Fragen, die Alle ansehen. ,AVir haben uurh Zeil, können uir nicht einmal über Jtfn-hcr sprechen*!"* : „Gut, uieinetwegcn. AIm» warum lesen wir überhaupt ltücherV" ,.L m -uns die Zeil zu vertreiben." „Um von -fremden Menschen, Sitten, Landern und Zeiten zu . höreiiJ" ■ „Das kann mau gar nicht begründen, einfach weil sie knurke sind.*" „Natürlich kann man dasbegründen. Es gibt ja aueh noch andere Bücher; Bücher, aus denen mau die Entwicklung von Menschen kennen lernt, und aus dieser Entwicklung, in >ler man sieb sehr oft selbst erkennt, kann man für sieh lernen." „Warum sehreiben eigentlich Menschen-Bücher?" „Das ist ganz verschieden. Das sind zunächst einmal die' Menschen, die etwas" gesehen lud Jen, was nicht jeder Mensch sehen -kann. Nun wollen sie, daß die anderen Menschen von diese» Dingen wenigstens etwas hören. So stelle ich mir die Entstehung von lleisebeschreibtingeu vor.*1 „Ähnlich ist es sieher mit den Büchern von Menschen, die etwas Besonderes entdeckt hüben, was niemand weiß. Geschichtliche, wissenschaftliche Bücher entstehen so." „Schließlich ist es so mit den Büchern von Menschen, deren Lcbcu uus geschildert wird. Der, der sie liest, weiß genau: so kann es mir oder dir geschehen. Das ist sehr häufig der Sinn eines Hornaus/* .„Aber Romane: sind ja nie wahr." „Unsinn, Kurt! Bomauc können auch wahr sein, wenn nämlich das Geschriebene rielilig ist mid deshalb wahr sein könnte. Übrigens glaube ich. daß ein Schriftsteller doch irgendwie das, was er schreibt, selbst einmal erlebt hat.4" „Was ihr sagt, könnte mau also kurz so ausdrücken: Ein Dichter schreibt das, was er den anderen Menschen mitteilen muß, weil er glaubt, duß wir es wissen sollten." „Fritz meint natürlich .Schriftsteller. Schließlich braucht ein Schriftsteller noch lange kein Dichter zu sein. Ein Wissersehaftlcr ist es meist bestimmt nicht." „Wenn, die Schriftsteller ihre Bücher nur deshalb schreiben, heiße ich Haus.- Schließlich wollen sie aueh etwas daran verdienen." „Natürlich, das konnte nur Ernst engen. Mcnschcnshind, wenn jemand schreibt, weil er verdienen will^ muß er in das** ^schreiben, was die Leute lesen wollen. Dann gäbe es bald Fast n uT noch schlechte Kriminalroman e. Aber ich will noch etwas anderes sagen. Die Bücher, meine ich, sollten nur von denen gelesen werden, denen sie auch etwas sagen. Es ist also ' Unsinn, wenn Liescl immer schwere Romane liest, von denen sie im besten Fall die Handlung, nie aber das, worauf es ankommt, versteht." „Daun ist es also richtig, wenn ich meinen Karl May lese, der sagt mir doch schließlich etwas.** „Sicher ist es richtig, solange bis du eben Bücher lesen willst, die dir mehr sagen." „Was soll jetzt ich dann aber lesen? Ich lese die Romane ja nicht wie bestimmte andere Leute, die sie nur lesen, um hinterher sagen zu können, natürlich, das kenne ich auch.* Was soll ich also lesen?" „Ja, was soll man wirklich lesen?" „Um, für unsere Pimpfe ist das verhältnismäßig einfach. Da sind zunächst die Jungengeschichten," „Wir keilen Bengl." Die Jungens von Heinz haben dies Buch gelesen, d. h, die Abteilung. Heinz hat es mir geliehen. Das kann mau jedem Jungen geben." „Hierher gehören auch die „Zeitgeschichten" von Luscrke." „Pimpfe sollten viel Tiergeschichten lesen. In den Erzählungen von Tompson Scaton lernt man wirklieh Tiere Heben und verstehen." „Die Tiergeschichten von Lühs kann man auch Mittleren schenken. Ich finde, sie sind die naturnohesten Tiergeschichten, die es überhaupt gibt." „Kennt ihr die „II o t c Koppel" von Svend Fleuron? Ein Buch von Füchsen, mein Lieblingsbuch. Teile daraus haben wir auch im Heim schon gelesen.'1 „Richtige Pimpfenbücher sind „Emil und die Detektive" und „Das fliegende Klassenzimmer". Aber schwierig wird die Sache hei den Mittleren. Denn es hat niemand ein Buch geschrieben, das uns jungen jüdischen Menschen in dieser Zeit etwas sagen soll. Es sind außer dem Buch von Prinz die „Geschichten der Bibel" kaum Jugendbücher erschienen. Hat von euch jemand dieses Buch, das zu den Pimpfenbüchern rechnet, gelesen?" „Ja, ich würde es nie einem Pimpf schenken. Es ist tot. Denn es spricht nicht unsere Sprache.- Wenn man überhaupt die Bibel für jüngere Menschen schreibt, so muß die Nacherzählung doch wenigstens sprachlich uns entsprechen. Es geht eigentlich alles verloren, was diese Geschichten zu biblischen Geschichten macht, ohne daß dafür etwas anderes gegeben wird." „Wenn es nun kein Buch -gibt, wie wir es brauchen, wie wäre es, wenn die; die wissen, was geschrieben .werden sollte, und die wissen, wie sehr diese Bücher fehlen, einmal mit denen sprechen, die so etwas schreiben könnten?" „Du meintest wohl, Franz, warum sollten wohl die nicht dieses Buch selbst schreiben?" „Ausgezeichnete Idee. Also, weil es keine Bücher gibt, die unsere "Bücher sind, schreiben wir ab morgen unser eigenes Buch." * Nachspiel. Abends beim Schlafengehen sagt der Vater stirnrunzclnd zur Mutter: „Der Bund bringt die Kinder nur noch auf verrückte Gedanken. Jetzt wollen sie sogar schon ein Buch schicibcu." — (übrigens wird das Buch wirklich erscheinen.) Günther Friedländer. Chanukkanacht \ Von IL CANSINOS-ASSENS Wir veröffentlichen nachziehend ein Kajutcl aus dem ■ Kuiiiau ,.Laa Lumiiiarias de Ilauukah" (..Die Chaaukkulichtcr") des in Deutschland nur wenig bekannten spanischen l)ieht«rs lt. Cans i ii<td'As sons-, der eint; Keilte von Werken KC-H-hrieiK-'U hat, die'sich mit jüdischen Stoffen befassen. Der 'DiHitrr, j-t-lhst luarniuischcr Abstammung, schildert in dem Ituman, der einen interessanten Einblick in die eif"cunritK(Mi reliuiüseu Vurslelhnmeu diesem Menschen ".mit jüdischem Hint. und katholischem Dunum cir?t, wie fein ' Held, ltafael lSeuasur, vnn Zweifeln über seine Herkunft RephiRt wird. Er fin>eiit iu den Familiouarehiven und entdeckt, daß jüdisches Hlut in seinen Adern fließt. Er schließt Sieh der eben ueutfeurfunlcleu Gemeinde in Madrid au, die am Chanukkafest die -Einweihung eines Bethauses begeht. Rafacl Bcnascr, der Nachkomme der Neuchristen, huttc nicht dem Chanukkafcste beigewohnt. Da er das Bundeszciehcn zwischen Abraham und seinem Gottc noch nicht empfangen hattc7 hielt er sich nicht für berechtigt, die Schwelle des Gotteshauses zu betreten. Obwohl jener Triumph seines Volkes sein Herz höher schlagen ließ, betrachtete er sich immer noch als einen Eindringling im Hause Israels; Als Abkömmling von Eltern, welche die Lehre Christi angenommen hatten,- konnte er diese Gestalt nicht vollständig aus seinem Tunern verdrängen. Christus erschien ihm als die höchste Inkarnation des; Passionsweges einer Basse. Nachdem nun in seinem Vaterlandc das Haus und der Tempel seiner Brüder wieder aufgerichtet war, hielt er die Sendung des Dulders für erfüllt. Die Schuld, die er seinen Ahnen, abzutragen^hatte, war getilgt. Künftig würden die Juden eine Heimstätte haben, wo sie sich freier bewegen könnten als ihre Vorfahren in Susa, ohne Furcht, von den Häschern der Inquisition ergriffen und auf den Scheiterhaufen geschleppt zu werden. In jener denkwürdigen ChanukUanacht war Rafacl zuhause geblieben. In Gesellschaft seiner jüngeren Schwester, die den - elternlosen Haushalt versah. Seine Seele schwang in Erregung. Seine Gedanken weilten bei seinen Brüdern, mit denen er sich im Geist vereint fühlte. Er hätte gemc an dem Feste teilgenommen, ohne aber diesem Akte einen religiösen Charakter zu verleihen^ .Die'nervöse Unruhe des -Bruders blieb der Schwester nicht verborgen. Erst nach langem Bitten gewährte ■ ihr Itafacl einen Einblick in seine Gemütsverfassung. Seine Worte trafen sie wie ein Mysterium. Die Hcraufbcscrmörung der Bibel, der Heldentaten der MekkabScr, die Lichter, die freudig in den israelitischen Häusern brannten, in der ganzen Welt, das alles versetzte sie in einen Bausch." Plötzlich sagte sie: „Die Makknbäer! Erinnerst du dich noch, wie unsere katholische Mutter sie wegen ihres Glaubens und ihres Heldentums bewunderte? .Wie sie uns gerührt von den Leiden der Brüder erzählte und von dem Heldentod Judos, der in die Berge zog, dort sein Volk sammelte und ein Heer aufstellte, mit dem er die Götzendiener besiegte? Dos ist auch unser Fest, Rafacl!" -Nach einer Weile fuhr das junge Mädchen fort: „Unseren Ahnen ist schweres Unrecht zugefügt worden, weil man bic zum Abfall vom Glauben gezwungen hat. Bewunderte Mutter nicht ebenso die Tuten der Makknbäer wie die. der christlichen Märtyrer? Die Inquisitoren verfuhren wie die Heiden. Christus, der sich weigerte, den ersten Stein auf die Ehebrecherin zu werfen, konnte diese Missetaten, die unter Berufung auf seinen Namen vollbracht wurden, unmöglich billigen. Sicherlich lächelte er vom Kreuz herab mit seiner Duldermiene den unglücklichen Opfern zu. Mich graust, wenn ich an die Leiden denke, die den Juden zugefügt worden sind. Mir ist manchmal, als empfände mein Körper noch einmal die Schmerzen, die unsere Almen erleiden mußten. Mein Herz aber jubelt bei dem Gedanken, daß trotz allem die Lichter des Makkabäcrsicgcs heute in Spanien entzündet werden. Die frühere Zerrissenheit und Bitterkeit ist einer Ruhe und Abgeklärtheit gewichen, die mir als etwas Rätselhaftes, kaum Faßbares erscheint. Warum zwang man uns eigentlich, unsere Abkunft zu verbergen? Warum sollen wir uns Schweigen über unseren Adel auferlegen? Einige Freundinnen haben entrüstet gemeint: „Ist es wahr, daß Ihr Juden seid?" Weißt du, Rafacl1, was ich ihnen geantwortet habe? .,Ja, wir sind Juden, sind Blutsverwandte von David und den Propheten, die -Christi Ankunft vorausgesagt haben. Welcher Adel in der Welt ist dem unseren vergleichbar? Wer"könnte sagen, daß er Christus näher stände?. Und ohne ihn, der ans Kreuz geschlagen wurde, aufzugeben, kann ich in unserem Hause die Chanukkalichter entzünden.** ' Sic war in schwärmerische Verzückung geraten. Ein Glorienschein schien von ihr auszustrahlen. Hoch aufgerichtet stand sie da, die schwarzäugige Gestalt, wie eine Sulamith, die ihre alten Gewänder abgestreift hatte. Die Wüste und die orientalische Landschaft hätten den geeigneten Hintergrund für ihre Gestalt abgegeben. So erschien sie ihrem Bruder wie eine biblische Erscheinung., eine unmutige Wasserträgerin oder Hirtin. Mit zitternder, feierlicher Hand entzündete sie nacheinander die Chanukkalichter am Fuße des Kruzifixes, das in ihrem Hause gleichsam ein Wappenschild des Glaubens war. Traumversunken blickte Rafacl Bcnascrin die dunkle Winternacht hinaus. Im Ccwmkcl der Gäßchcn gewahrte er den matten Schein vieler Chanukkakcrzcn, die wohl seit Jahrhunderten zum ersten Mal wieder im Land der Inquisition erstrahlten . . . (Aus dem Spanischen übertrapen von Studienrat i- R. M. Simon.) Das Jüdische W at*b 1 f ah r t s - und Jugendamt, Bczirks5tcllc Osten, hatte zu einer Filmmotincc in die „Märchcnbrunnen-LichtspicIc" geladen, die zugunsten der Hilfsbedürftigen vcianstellet wurde. Rechtsanwalt Dr. Hambuxgcr, der Vorsitzende der Bczirksstelle Osten, begrüßte die zahlreich Erschienenen und sprach von der Nachfreude, die die hier gebotene Freude bringen werde. — Es schloß eich die Vorführung eines Kulturfilms sowie die des Gitta AIpar-Films „Gitta entdeckt ihr Herz" an. J. W, 400 Seiten jüdifches Wijfen Ein paar Bemerkungen zum neuen Phtlo-Lexikon In einer Normalschulc im Staate Wisconsin (siehe Atlas unter ■• Vereinigte Staaten von Amerika) wurden die -Zöglinge der Anstalt, angehende Lehrerinnen, einer Vorprüfung unterzogen, wobei sie auf die gestellten Fragen die folgenden erstaunlichen Antworten gaben: Obcrammcrgau — großer deutscher Politiker; Lloyd George — König von England; Mussolini — Bezirk im südlichen Eurasien; Fiumc — Berg in Japan. Bitte, lachen Sie nicht! - r- Wissen Sie, was Aachen ist? Gut! Setzen! Aber Isaak" aus Aachen? Nein — nicht der, den Sie vielleicht meinen! Isaakaus Aachen war Dolmetscher der Gesandtschaft Karls des Großen bei Harun al Raschid (7(J7) uud der erste mit Namcu bekannte deutsche Jude. . Man soll mit seiner Uildung nicht protzen.' Ich Ii ab es bis - vor ein paar Tagen auch nicht gewußt. Aber da brachte die Post das neue Handbuch des jüdischen Wissens, das l'hilo-Seiniüsche - Lexikon (Philo-Verlag, Berlin), das mit Aachen anfangt und mit Zypresse . aufhört. Zum Unterschied von meinem vierbündigm Brockhaus, der mit dem Buchstuben a beginnt und (im Nachtrag) mit Zwangsanlcihc endigt. Es gibt noch mehr Unterschiede. Etwa: Der Brockhaus-Alba heißt im Philo-Lexikon Albo. Nicht als ob sich der Brockhaus der ncuhcbräischcn Aussprache befleißigte, während das jüdische Nu chsch luge werk . , . Beide stammen uus Spanien. Sie sind jedoch nicht nur durch ein Jahrhundert voneinander getrennt, sondern aueh durch ihren Beruf: jener war Feldherr, dieser Rcligionsphilosoph. * Das Philo-Lexikon ist mehr als ein verdienstvolles Werk. Es ist eine Notwendigkeit. Mit seinen 400 Seiten, seinen zahlreichen Abbildungen, seinen instruktiven Tabellen, Tafeln und Karten enthält es vieles, was dem jüdischen Menschen heule (neben dem Brockhuus) zu wissen nötig ist, ohne daß das Buch in seiner Gedrängtheit die geistige Konsumkraft und die Kaufkraft des Interessenten — und wer wäre das heute nicht? — allzusehr in Anspruch nimmt. Es Ist ein abgekürzter Rechenschaftsbericht über eine Welt, die in der alten Gestalt nicht mehr für uns 'Juden besteht, über eine neue, gegenwärtige, die sich immer deutlicher gegen die vorherige abgrenzt. Sein Stoffgebiet reicht von Adams Zeiten bis in die letzten Wochen hinein. Es verzeichnet noch den vor kurzem erfolgten Tod Felix Goldmanns und des Verlegers Samuel Fischer und berichtet schon (oder noch) über die zurzeit in ,Bcrn und Basel schwebenden Prozesse zum Beweis der Fälschung der Protokolle der Weisen von Zion. Wortkarg, aber in der Synthese möglichst gewissenhaft, wallet das Philo-Lcxikon, hübsch in helles Leinen gebunden, handlich, sauber im Druck, klar im Satzspiegel, seines Amtes. Ein saures Amt, und heut zumal! Wichtiges auszuwählen, oline Wesentliches wegzulassen. Die 90 Mitarbeiter und die Redaktion haben zweifellos ihr Bestes getan, um in wohlüberlegter Art dem Verlangen weiter Kreise nach einem komprimierten . jüdischen Wissen nachzukommen. Aber da dem: Lexikon eine Postkarte beigefügt ist, auf der Anregungen zu künftigen Verbesserungen erbeten werden, soll hier bereits ■ auf einige, willkürlich herausgegriffene Stichwortc mit — Stichworten geantwortet werden: Der jüngst Verstorbene Internist Professor Rosiu hieß nicht Hermann, sondern Heinrich. Der Filmregisseur E. A. Dupont ist nicht Jude, sondern stammt aus einer Hugenottcnfamilic. Fritzi Massary Bind sechs Zeilen eingeräumt. Warum nicht -— mit dem gleichen Anspruch — auch Gitta Alpar und Alexander Kipnis? Ein paar Kleinigkeiten — aber zur Ersparung der Postkartei Und noch eines: Unter den Abkürzungen sind Zeichen für Nichtjuden, für jüdische Abstammung und für antisemitische Einstellung angegeben. Es wäre vielleicht angebracht, bei einer Neuauftage auch die getauften Juden kenntlich zu machen. Bei einigen Persönlichkeiten ist dies zwar vermerkt, aber nicht (wie z. B. bei Maximilian Ilardcn, Max Dcssoir, Michael Bcrnuy, Leo Blech und vielen, anderen) konsequent durchgeführt. "Auch das ist in manchen Fällen wissenswert! * , Als der berühmte Held von Karl Emil Franzos* Erzählung ,;Dcr Pojaz" in einer verstaubten Klosterbibliotliek in die. Geheimnisse dcr^dcutschcn Sprache und Bildung einzudringen versucht, gerät er auch an ein Konversationslexikon; Da erfährt er, daß Aa ein Fluß in Frankreich sei, Aul ein schlnngcnförmiger Fisch und Abbotsford der Landsitz eines Herrn Walter Scott, den er aber nicht kannte. Verwundert stößt er auf das Wort Akiba. .,Akiba — was? Er meint doch nicht den Rabbi Akiba? Er -wird doch mir nichts vom Rabbi Akiba erzählen wollen?! — ,dcr Sohn Josephs, Schüler des GnmalicP — also doch, es ist wirklich der Rabbi Akiba •— ,war ein berühmter Rabbi' — wirklich?! Neuigkeiten weiß der einem zu erzählen! — ,der der Hauptgründer' der Mischna wurde* — Und das . ist alles, und. mehr weiß er nicht?!" Die Benutzer des neuen jüdischen Lexikons sind in der umgekehrten Situation wie der in der Abgeschiedenheit des östlichen Ghetto aufgewachsene Sender Kurlunder, Pojaz genannt. Ihr Wissensdurst in jüdischen Dingen wird, gestillt '»Verden. ■Eugen Tannenbaum. Am Bücherkarren Bescheidene Menschen wie ich decken den spärlich gewordenen Bedarf an Büchern am Wagen. Irgendwo, in einer stillen Straße in der Nähe der Universität oder der Potsdamer Straße oder der Schloßfreiheit steht der Bücherkarren. Nach dem Gesetzder Duplizität der Fälle tritt er meist paarweis auf. Gewöhnlich steht noch ein zweiter neben dem ersten. Führt dieser wissenschaftliche Bücher, so bevorzugt der andere Belletristik. Berlin unterscheidet sich darin vom Rivc gauchc der Seine in Paris, wo endlos beinahe Bücherstand sich an Bücherstand 'drängt, unterscheidet sich auch von London, wo die fliegenden Buchhändler meist in Soho massiert stehen. In London gab es schon frühzeitig Spezialisten. Da waren so vor dreißig Jahren schon Buchständc, die nahezu ausschließlich Judaica führten; -auch in Paris gab. es Fachleute am Wagen, die es im hebräischen Wissen und in der Kenntnis der jüdischen Wäscherelbetrieb Wilhelm Mertitz Berlin-Adlershof, SeichowstraBe 15 F3Adlershof7347 iGagrSndat IIBJI Köpenicker Wäscherei Ernst Richter KSpenlck, Mahndorfer StraBe 90 P 4 Köpenick 0263 Telef. Bestellungen UgUch, außer Freitag u. Sonnabend, schonendste Behandlung Johannes THOM, Halensee, Eisenzahnstr. 54 Auto-Reparatur-Werkstatt ^^^^2^SS£m^^iLl^Sl^^mm^^m^2l^^S^^J^^^^^^m^m Heinrich KQnnemann seit 1905 Papierhandlung — Bacbdrnckerel — Bflrobedarf — Monogramm-Prleerei Berlin W 15, Uhlandstr. 31, Fernsprecher: J 1 Bismarck 1368

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