Jüdische allgemeine Zeitung
- Journal
- Jüdische allgemeine Zeitung
- Volume
- 14 (1934)
- Issue
- 91 (28.11.1934)
- Date
- 1934-11-28
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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2. Beilage 28. November 1934 JÜDISCHE AUGEHEINE ZEITUNG . Fünf Frauen und ein Mann Umfrage der ,Jädifchen Allgemeinen" über Gefelligkeit im jiidifchen Haufe nid empfing Lculc. Dir;rtmcä»(.*r für eine "cwiAüc ZimmrrfLl,?, I t?' Jud,,s.'ih1e" Geselligkeit hat sich «wandelt. Früher hatte „ranneine Molimin. .. m^U^MM. A^hanscscluld für gm undierte Wohlhabenheit, die Kostbarkeit der Einrich.u.* Werf, 6caclbd.ahl.che Stellung, d.e man «eh durch „Ein-großcs-Haus--führen" oft erworben zu haben glaubte . . ■re Leute H°,, C1J,mal en,?.c^ d»ß - »ci e» groß oder klein - ein 11 e i m. besitzen, kein« »t^dÄ^tr'j"! «llcn Gründen Ae ^ahl der Abendgesellschaften auf ein Minimum zusammenschrumpft i„, Tt ^deutetG^t jfJn^Cn/'f n'1,cI'»n Zw«k der \Vohnung: bewohnt zu sein! Sie Dring, Entspannung naH, anstreng-.»!,. E! < nach den Sorgen des tägl.chcn Lebenskampfes. Und weil min ganz für Sth nicht leben n.a» ^firzsrtt^stt -ä.^1* —^ *» * -* »» i andere Leute. 1 besinnt : Arbeit weil m«.. „.«.u^sci. ™—„..„.„ ,„„, „„„-unje.. bewahrt haben die ein geistiges Band verbindet — keine Leute, heuüger iüdiÄestii^Trezu äußert " '^ "nd sie gebeten, sich zu den verschiedenen Formen Camilla Spira-Eisner: Verinnerlichte Gefelligkeit „Ich habe sehr viel Besuch, aber immer nur höchstens sechs bis sieben Menschen auf einmal. Denn ich will mich ihnen allen richtig widmen können, zumal wir ia heute mehr denn je aufeinander angewiesen sind, einander brauchen. Ich habe noch nie in meinem Leben bisher so viel wirklich gute Freunde gehabt wie in der jetzigen Zeit, könnte sie auch nicht mehr missen. Durch das Spielverbot fällt für mich aucli der Theaterbesuch fort, denn es tut zu weh, ,zusehen zu müssen und nicht mitmachen zu dürfen. Auch schon aus diesem Grunde habe ich mich ganz auf die häusliche Geselligkeit konzentriert, wozu ich ja früher durch meine Bühnentätigkeit wenig gekommen bin, lade mir Menschen ein, die mir menschlichen Gewinn bedeuten. Auf das W i e der Einladung kommt es dabei gar nicht an. Die riesigen Diners von früher gibt man nicht mehr, und auf die kulinarische Seite der Einladung legt man heute erst in zweiter Linie Gewicht. Meine Freunde kommen alle gern, ob zum oder nach dem Abendbrot, ob zum warmen oder zum kalten Essen, das ist ihnen heute im Grunde ganz egal. Die Hauptsache ist allen: Mensehen sitzen zusammen, mit denen man über alles sprechen kann. Sie richten einander auf, trösten einander in sorgenvollen Stunden und freuen sich ehrlich, wenn der eine oder der andere einmal etwas Schönes, Erhebendes erlebt. Es ist eine mehr verinnerlichte Geselligkeit geworden ..." Berta Falkenberg: Harmonifcher Freitagabend „Unsere Geselligkeit ist und bleibt der — Freitag- ' abend. Es findet sich dazu immer eine Reihe von Menschen ein, die sich uns besonders verbunden fühlen, die kein Zuhause haben," und für die es ,11ns eine Herzensangelegenheit ist, ihnen, an diesem Abend ein Heim zu bieten. Freunde unserer Kinder kommen, Kollegen meines Mannes, die Themen werden angeschlagen, werden von allen Seiten aufgegriffen, de- bartiert, vom Hundertsten gerät man ins Tausendste. Es ist ein wundervolles Verstehen, zwischen den Menschen, die wir zu uns bitten, alle geben sich gänzlich zwanglos, passen völlig zueinander; ein Abend, der "uns glücklich macht, ein Abend voll schönster Harmonie." Eifa Ladendorff: Es geht auch ohne Mädchen „Als ehemalige Vorsitzende der, Berliner Hausfrauenvereine lege ich besonderes Gewicht auf die praktische Seite einer häuslichen Geselligkeit. Es versteht sich, daß jedes derartige Bebammensein sich heute in bescheidenem Rahmen abspielt. Man kann selbstverständlich auch in engeren Grenzen alles sehr behaglich herrichten, und dabei braucht man, wenn man ökonomisch zu wirtschaften versteht, nicht allzuviel Geld auszugeben. Eines muß allerdings bei einer Geselligkeit klappen, auch wenn der Frau des Hauses kein dienstbarer Geist zur Verfügung steht: das Ser- , vieren. Es trägt nicht gerade zur Gemütlichkeit bei, wenn die Gastgeber abwechselnd aufstehen und herumreichen müssen. Wenn man nicht mehr als 6—8 Gäste bei sich hat, tut der fahrbare Serviertisch, auf dem die Hausfrau bereits vorher alles angerichtet hat, und der nun von "Gast zu Gast geschoben wird, gute Dienste. Daß er in der heutigen Zeit nicht unter der Last der Delikatessen zusammenbricht, dafür sorgt schon die Bescheidenheit, zu der uns das Leben erzieht." Franziska Bruck: Blumen und Bänder aber ■■ nicht en gros - „Geselligkeit wird es immer geben, selbst unter größten Einschränkungen. Auch bei der kleinsten Geselb>keit sollte der Blumenschmuck nicht fehlen. An einem festlich geschmückten Tisch — dabei kommt es nicht auf. die Masse und die Kostbarkeit der Blumen, sondern auf das einzig richtige. Arrangement an — unterhält man sich, glaube ich, angeregter. Die Schönheit des gedeckten und dekorierten Tisches erhöht zweifellos tlie Stimmung der Gäste. Im kleinen Kreis guter Freunde erzielt oft eine flache Schale auf dem Tisch, dicht bedeckt mit kleinen Blüten, außerordentliche W irkung. Nur bei einer größeren Anzahl von Gästen sollen Blüten- oder Blätterranken die Tafel unterbrechen. Etwas Band belebt das Bild reizvoll. Aber nicht zuviel. Meine Schülerinnen übernehmen sich dabei oft. so daß ich meine stehende Redensart anwenden muß: „Müssen denn die Leute gleich merken, daß euer Onkel Band- , fabrikant ist!" Frau Dr. London: Keine „Lieferantenejfen" mehr „Gesellschaften — die sogenannten „Lieferantenessen", wie sie in Ärztekreisen immer hießen — haben fast völlig aufgehört. Zu diesen Festen bin ich immer sehr ungern gegangen. Sie waren zu formell, zu gezwungen; man kam da mit Leuten zusammen, mit denen man eigentlich nichts anzufangen wußte. Es strich gemacht. Geselligkeiten aus privatem Anlaß gibt es nicht mehr für mich, auch wenn es noch st» gute Freunde sind. Geselligkeit ist für mich heute nur ein Mittel, um denen zu helfen, tlie ganz besonderer Hilfe (».'dürfen: den Künstlern. Sie herauszustellen, für sie Tees — ser es am Nachmittag oder nach dem Abendessen — zu geben, ihnen neben dem materiellen auch zum rein ideellen Erfolg durch Entfaltung ihrer IYt- . söulichkeit, durch Anerkennung ihres Könnens, zu verhelfen; das ist der Zweck, für den ich eine Festlichkeit — die übrigens nicht-immer in niciiuMn Hause stattfindet, sondern für die viele Dainen jetzt ihr Heim zur Verfügung gestellt haben — veranstalte." Handehgeriditsrat a. D. Alfred Solomon: ,My houfe is my caftle" .,Dicscii englischen Wahlspruch hahe-nuch ich mir zu eigen gemacht. Ich bin schon früher immer ungern ausgegangen, habe mich in Cafes, Restaurants nie recht wohlgcfühlt. Mein Heim ist und bleibt mein Alles, gewahrt mir Entspannung nach anstrengender Bürotätigkeit, verleiht mir immer wieder Auftrieb zu neuer Arbeit. Natürlich habe ich auch oft Besuch, allerdings nur sehr, sehr gute Freunde, -Kameraden aus dem Kriegerverein und den engeren Kreis der Verwandten. Sie alle kommen zu einem ~ einfachen, gemütlichen Butterbrot. Große feierliche Diners mit zig Gängen, wie man sie früher aus irgendwelchen geschäftlichen Rücksichten heraus zu entrieren pflegte, habe ich nie gegeben. Dafür war ich schon damals nicht zu haben und heute natürlich erst recht nicht. ich ™.™ „.„.. wäv...w.^' »uBic. cs ihciu zu nai.cn und ncule nuturlich erst recht nicht, ging den andern Geladenen sicher genau so wie mir,. Aber ich muß offen gestchen, daß ich, so gern ich und doch wußten wir alle, daß dieses Beisammensein auch hebe Freunde um mich sehe, mich am (Bückaus Standesrücksichten notwendig war. Aber seit den -liebsten allein im Kreise meiner Familie fahle, in letzten anderthalb Jahren habe ich unter die sogenannmeinem schönen Heim. My houae is my Castle., ten gesellschaftlichen Verpflichtungen 'einen Schluß- Hilde Rosen. B^BDM FCSIS E>flE JCP@Ei Spiel im Kerzenfehein Wenn das Trendelchen fich dreht Vicrundvicrzig Kerzen liegen in jedem Hau» für Chanukka bcieit, der Leuchter wird in greifbare Nabe gerückt, geputzt, blank gerieben — und die Kinder sind in höchster Bereitschaft, jeden Augenblick, sobald die Lichter angezündet Werden, ihre Schulbücher in die Ecke zu feuern und beim Trcndelspiel alle .Dezimalbrüche und Vokabeln blitzartig zu vergessen. Kinder Bind immer, zum Unterschied von den Erwachsenen, aufgelegt, alle Sorgen über Bord zu werfen; sie wollen sich nur über irgend etwas freuen können — aber die „Großen" — unter uns gesagt __haben es genau so nötig. Und noch etwas Gemeinsames haben Väter mit ihren Sprößlingen: sie spiele» zu gerne selbst, sin begnügen sich nicht mit dem Zusehen — sehr zum Leidwesen , ihrer Herren Sühne. ' Denn wenn der „alte Herr" erst mal wieder wie in seinen Jungenstagen richtig auf dem Boden sitzt vor einem knorken Baukasten, dann vergißt er Valerwürdc, vergißt, daß er vielleicht nur eine Anregung Um» beliebteste Chanukka-Spieli 1 rendelchen pbot. HvDDuu.eid. viei.eicnt nur eine ■Anregung .,.1 geben sollte, vergißt, daß sein kleiner Junge gelangwe.lt neben ihm sitzt, kurz, er spielt ganz allein, er braucht den Sohn gar . nicht mehr, höchstens zum Aufräumen. Gott sc. Dank ■ haben Väter nicht allzuoft Zeit, ihren Söhnen auf d.ese W e.sc ins Handwerk zu pfuschen. ' Wenn sie an Feiertagen ein b.ßchcn früher als sonst von vieler Arbeit müde nach Hause kommen, haben sie. wohl nicht mehr genügend Initiaüve für eigene üauunternchmen, dann sind sie schon zufneden wenn sie sich mit all ihren Lieben hübsch bequem zu einem Gesellschaftsspiel um den Tisch setzen können, so wie es me.st an Chanukka-Abcnden beim beliebten Trendelchen-Spiel geschieht. ... Drei Spiele sind es, die nauptsächheh für d.e Chanukkatage in Betracht kommen. Davon ist das Trendelsp.el das beliebteste. Es hat sich so als Unterhaltungsspiel eingebürgert, daß es^ schon zu den Sitten und Gebräuchen dieses Festes w.e selbstverständlich dazugehört. Auf den vier Seitenflächen des Würfels stehrder ■Reihf nach je eine,, der Worte de. hebräjschen1 Satze. Nes. können beliebig viel Partner teilnehmen, und zwar »etzt jeder aut eines der vier Worte. Das Trendel wird nungedreht, und die Spieler haben gewonnen, deren Wort beim Fallen de». Trendels auf der oben sichtbaren Würfelfläche steht. . Am Chanuk!:a-Abcnd kommt es sogar vor, daß den Kindern mit Begeisterung ein Kn'rtcn'spiel beigebracht wird, aber es ist ein ganz harmloses, eine» das schon Vater und Grottvater gespielt haben, und zu dem man sich" selbst die Spielkarten ausschneiden und sie mit schön gemalten Zahlen von ein» bis zwanzig numerieren muß. Das Schwierige daran ist, daß die ABC-Schützen dazu schon das Einmaleina beherrschen müssen; denn alle Zahlen, in denen fünf enthalten ist, sind al» Trümpfe, die alle anderen Karten schlagen, mit einem Halbkreis zu versehen. Eine höhere Zahl schlägt jeweils die niedere,; eine gekrönte Karte die gewöhnlichen. Die höhere Gekrönte natürlich die niedere .Gekrönte. Zum Spielen werden die Karten gedeckt verteilt und dann der Reihe nach wie bei anderen Spielen aufgelegt. „ Wer am Schluß d» "die Eltern und i'W",, „w<l,r Worte des hebräischen Satze. ,,r«es» naen 'wie'bel'anderen Spiefen aufgelegt., Wer am Schluß die Redie nach j«. emes der Worte dessen ^f^er größte Summe hat, ist Sieger. Haupt-Spielregel:, d.e Eltern sind dTe'ÄgsÄ^ An iJ Spiel L besiegen. Meisten, wird*«, wohl » gehalten, daß der Vater,