Jüdische allgemeine Zeitung
- Journal
- Jüdische allgemeine Zeitung
- Volume
- 14 (1934)
- Issue
- 91 (28.11.1934)
- Date
- 1934-11-28
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Erdgebundene Religion Von HEINRICH STEItN Man macht un> Niel ttziot listen die Liebe zu Palästina nicht leicht. Immer wieder wir«! der natürliche Wunsch ernsthafter Mitarbeit am Aufhau des „Allen Neulands*1 im Laude der Väter ins Schwank eil gebracht durch programmatische Forderungen und Schlagworte, mit denen . wir Religiös-Lilwraleii unmöglich mitkönnen. Mit der Tlieurie vom jüdischen Zentrum in Palästina haben wir uns schon oft auscinaiidcrgcsct/.t. Jetzt versucht man sogar, das Judentum als Religion auf den Hoden Palästinas zu projizieren. In einem Vortrag, den Rabbiner Dr. "Prinz kürzlich gehalten hat, führte eraus: „Es ist eine unlctmUtrc Tatsache. «lall zwischen Holismn und Nation Zuf-aiiimcDlifiüci! t*\sieheii. JecJe Itclfcioa ist a«'"Ii landschaftlich ^dmndcn und träet .Mets den Stempel ihrer Hcrkuuft au sieh. Der jüdische üotics^tauhp ist stark verbunden mit der . - ji;d5stin«u.sisclieu Landschaft. Zwischen diesem vulkanischen und cebir^j^ zerklüfteten Landstrich und dem in Feuer und Sturm sich uffenharenden Gott bestehen enge innere Zu^amuienhänire. Der Aufcrwfthlthritsglaitl'C sei das relitriuse Fundament des jüdischen Nationalismus. ....... In der Forderung der I'ruiihctcu nach Gerechtigkeit wird das Nationale zum AUsemcin- Meusehliclica durchbrochen." Es geht jnir eigen mit Herrn Dr. Prinz. Ich habe für diesen feurigen Redner als Anreger vieler gleichgültiger Großstadtmenschen persönlich. Verständnis und Sympathie. Er Imt aber den Kollier vieler großer. Volksredncr, schöne Sätze in die Welt zu schleudern, die ernster Betrachtung nicht standhalten, und denen man von Anfang an entgegentreten muß, damit sie sich nicht wegen der bestrickenden Form, in die sie gekleidet sind, in den .Köpfen Unwissender festsetzen. So fordert ■ auch hier fast jeder der — nach dem Bericht der Jta — zitierten Sätze zum Wider-, Spruch heraus. Ich will schweigen von der völlig unrichtigen Umbiegung des Glaubens an die Auserw&hlthcit ins Nationale; in der Forderung Gottes: „Ihr sollt mir sein ein Reich von Priestern" und ein heiliges Volk", auf der dieser Glaube fußt, liegt das Gegenteil von' dem, was wir Nationalismus nennen. Ich will schweigen von der eigenartigen Deutung der Propheten. Nicht ihre Forderung nach Gerechtigkeit — .diese ist ja schon eine der Grundforderungen der Tora — hat die National-Religion zur Menschheitsreligion erweitert, sondern ihre Lehre, daß Gott nicht nur. dem jüdischen Volke, sondern allen Völkern gehöre, ihr Vater und König sei. Alles dies sei nur angedeutet. Wie steht es aber mit der Behauptung, daß .jede Religion „stets" den Stempel ihrer Herkunft an sich tragt und daher landschaftlich gebunden sei, und mit der besonderen Anwendung dieses Satzes auf das Judentum. Der Protestantiaraus ist fast gleichzeitig in der norddeutschen Tiefebene und in den Schweiz« Bergen entstanden und hat seine bedeutsamen Vorginger In Südfrankreich — Waldenser —, in England — Wvclif — und im Mahrischen Gesenke — Hus— gehabt. Welche dieser Landschaften hat nun dem Protestantismus seinen Stempel aufgedrückt? Trögt der Buddhismus die Züge des tibetanischen Gebirges oder des indischen Fünfstramlandes? Diese Betspiele lassen sich beliebig vermehren. Mit seiner Anwendung auf aas Judentum hat Herr Dr. Prinz aber vollends Unglück. Abraham, der erste Jude, erlebte Gott' in seiner Heimat, im Ghaldaischen, und ist, dieses Geistes schon voll, in Palästina, eingewandert. Die Grundlage des Judentums, die Tora, ist, -wie man -weiß, gar nicht in paUatinft entstanden, „der vulkanischen und gebirgig zerklüfteten Landschaft", sondern sie ist das Werk Moses, der Pollstina nie betreten hat, in der Wüste entstanden und dort in die Seele des Volkes gepflanzt. Der größte der'Propheten, der aus der NflüonaJ-Heligion eine Menschheilsreüeion zu schaffen sieb bemühte, war der unbekannte Prophet des Exils, der sogenannte zweite Jesafa, der. ebenfalls.Palastina nie betreten hat Daß die großen Lehrer nach der Zerstörung des Tempels gerade die an Palästina gebundenen wichtigsten Bestimmungen „landschaftlichen Charakters** geändert oder beseitigt haben, daß endlich der Talmud nicht in dem gebirgig-vulkanischen Palastina, sondern in den Ebenen Mesopotamiens entstanden ist, weiß Herr Dr. Prinz besser als ich. Wenn ich boshaft wäre, würde ich auch Herrn Dr. Prinz daran erinnern, daß sich „Gott in Feuer und Sturm" nach der Erzählung unserer Tora zwar nm Sinai, das heißt außerhalb Palästinas^ offenbart ■ hat,, daß aber der palästinensische Prophet Elia den Ewigen gerade nicht in Donner und Sturm erlebt hat, sondern ab „Kaul demomoh dakoh", als „sanftes Sausen", das alles andere eher ist als. ein Zeichen jenes Donnergottes, der nun einmal sehr zu ..Unrecht in die Literatur übergegangen und auch von Herrn Prinz übernommen ist. Warum aber zerpflücke ich die schönen Redeblumen des Herrn Dr. Prinz? Sicherlich nicht aus Lust am Disputieren,, sondern aus einem andern sehr ernsten Grunde. Wir haben keine Lust, uns unser Judentum, das uns gerade in seiner aus dam Nationalen zum Übernationalen erwachsenen Grüße ans Herz gewachsen ist, -wieder rückbildcn zu lassen aus Gründen irgendwelcher Parteidoktrinen. Daß das Judentum Juden hraucht, Menschen von Fleisch und Blut, für die zu sorgen jüdische Pflicht ist, braucht uns Herr Dr. Prinz nicht zu sagen. Wenn er aber glaubt, daß er uns Palfistina lieber macht, wenn er dos Judentum an den Boden bindet, von dem es ausgegangen (oder vielmehr nicht ausgegangen) ist, so wollen" wir ihm sagen« daß er darin irrt. Ich gehöre zu denjenigen, die glauben, daß Palästina der religiösen Form und Idee noch einmal etwas gehen kann, dann nämlich, wenn erst einmal der religiöse Geist der Diaspora die Arcligiositut großer .Massen palästinensischer Einwohner überwunden hat/ Dann ' wird die neue Art des Zusammenlebens i'üdischer Menschen gewiß auch zur Fortentwicklung der Religion jeitragcn — wir warten darauf und gerade das erwarten viele von ..Palästina. Der Geist des Judentums ober, überzeitlich und übernational wie er ist, kann höchstens Palästina bilden und durcli- - 4euchtcn, nicht _ umgekehrt. Er ist fertig und ewig, .er 'weist in die Zukunft, und es ist für uns ganz unerheblich, ob er Züge der Ebene oder Züge des Gebirges an sich trägt, solange er nur eins bewahrt, den Geist des Ewigen, vorwärts weisend und cr- . hebend überall da, wo Juden' sich ihm" beugen. Menora — ftatt Weihnachtsbaum Wie das Lichtfeft entftand — Zwei Vorjchriften des Talmud — Aus Chanukkalampen iverden Chdnukkaleuehter Freude im Winter" Das erste Synagogenkonzert, das die Abteilung Winterh i 1 f£ der Jüdischen Gemeinde in der Synagoge Fasancnstroße veranstaltet hatte, stand auf hohem Niveau. . Der Leiter der Abteilung .Winterhilfe, Gundersheim, erläuterte nach einem Orgelvorspiel Ludwig .Altmanns den Sinn dieser Abende: Freude zu spenden und die Verbundenheit der Gemeinde mit ihren Mitgliedern zu vertiefen. Im Erleben der Gemeinschaft findet der ■Bedrängte die Kraft, den Kampf mit dem Leben aufzunehmen.'— Das Wittenberg-Trio (Alfred Wittenberg, W. Goldmann, Poul Blumcnfeld) spielte anschließend, fein abgetönt, das Trio G-Dur von Mozart. Johanna Meyer rezitierte mit warmer Stimme jüdische Gedichte. Auch die übrigen solistischen Darbietungen. der Sängerin Agnes Lennach, Alfred Wittenbergs und des Cellisten Paul Blumenfeld fanden reichen Beifall. J. W. Yeranstsltanren der Seelischen Winterhilfe der Jüdischen Gemeinde %a Berlin. Kindcraachmittac. 28. 11. 31, 16.30 Uhr, Gesellschaftsbaus Eweat, Grolle Frankfurter Straße 30; Bunter Abend. 28. 11. 34, 20 Uhr, Gesellschaftsbaus Eweat; Chanukka-Abead^ 1. 12- 34, 20 Dhr« Synagoge Prinxregeatenstraße 63-70., Religiöses Fest — Volksfest — Lirhlurfu»t: es ist ein Dreiklang, der hei nahezu allen Völkern tönt. Allerdings kann dabei vielfach auch ein Wechsel vom religiösen /.um .Volksfest und umgekehrt festgestellt werden. Man denke mir. an Weihnachten uiid Karneval. Weihnachten, da* alle Lichterfcsl, das Fest der Sonnenwende, das Julfesl, ursprüuglieh also eigentlich ein reines Volksfest, . wurde zu einer religiösen Feier, während der Karneval — tarne vale — sieh fast ganz seines religiösen Charakters entkleidet hat und tich zu einem reinen Volksfest wandelte. Solehe Beispiele ließen sieh aus der Rcligions-- und Sittengeschichte der Völker mehrere anführen. Auch bei gewissen jüdischen Feiertagen läßt sieh das feststellen, wenn auch hei ihnen die Betonung des Religiösen sehr bald in den Vordergrund getreten ist, besonders seit jenem Tage, da die Juden unter die Völker zerstreut worden sind. Da zeigte sieh bald, dalÄ sie — was sie übrigens zum eigenen Schaden auch im Ileimatlande getan hatten — sehr rasch lernten, auch andere als die eigenen Feste zu feiern. An sich wäre das. nicht gar so schlimm gewesen, wenn es sich allein um Volksfeste gehandelt hätte. Aber in dem Augenblick, in dem man die Juden zwang oder sie sich sc IL) er dazu hergaben, heidnische Rvlijiionsfestc mitzufeiern, babylonischen, syrischen, griechischen, , römischen Göttern Opfer darzubringen, innen Standbilder zu errichten und zu ihren Ehren Prozessionen zu veranstalten, in diesem Augenblick waren Volkstum und Heligion in Gefahr unterzugehen. Diese Gefahr wurde wieder . einmal akut durch das Vorgehen des Königs Antiochus Epiphancs (175 v.), der jüdische Feste verbot und die Juden zwingen wollte, nur die heidnischen zu feiern. Der Aufruf, den Mattathias, ein bescheidener Priester in Modin im Kreise Judäa erließ, um gegen die Vergewaltigung, zu protestieren, war der Auftakt zunf Chanukkafest. Die Ncucinweihuhg des Tempels war ein so freudiges Ereignis für Israel, daß diese Feier als Gedenktag eingesetzt wurde. Es war ein Freudenfest und wurde darum, wie jedes Freudenfest, durch eine Illumination gefeiert.- In allen Häusern — und zwar am Fenster oder sonstwie auch von außen sichtbar ■ — sollten Lichter brennen. - * Von Sage und Legende umwoben ist dos Anzünden der Lichter in dem neugeweihten Tempel: die goldenen und silbernen Gerätschaften hatten die Feinde geraubt, aber das vom Hohepriester verschlossene und versiegelte Kästchen mit dem Krüglein heiligen Oles fand sich noch vor. Acht Tage long sollte die Lampe leuchten, doch: nur wenig Ol fand sich mehr vor, kaum für einen einzigen Tag reichend. Die aus dem siegreichen Kriege heimgekehrten Männer hatten Bich durch Töten — wenn auch für eine heilige Sache — verunreinigt: nach dem strengen Priesterkodex waren sie dadurch unfähig geworden, das*Ul für den Tempeldienst zu liefern. Vier Tage hätte es gedauert, bis geweihte Hände geweihtes öl bereitet hätten. Da geschah das Wunder: das vorgefundene Ol, so wenig .es war, es reichte die ganzen acht Tage des ersten Chanukkafcstcs. Der Talmud kennt zwei Vorschriften über-das Anzünden der Chanukkalichter: Schammai, der Strenge, lehrte, man solle am ersten Abend acht Lichter anzünden, am zweiten Abend Bieben und so jeden Tag eines weniger, so daß am letzten Tage nur mehr eines brennt. Hillel, der Milde, verordnete jedoch che um-- gekehrte Reihenfolge. Und noch dieser Vorschrift werden bis heute die Lichter der Menora angezündet. Ganz früh stellte -sich der Gebrauch ein, Chanukkalampen nach dem Vorbild der Tempelleuchter zu formen, und sehr bald bemühte sich das Kunstgewerbe, schöne, reich verzierte Formen au schaffen. Das ursprüngliche Brennmaterial war Oll * Die Lampen besaßen daher kleine tellcrartigc Gefäße,, die das Ol aufnahmen, und man legte einen primitiv hergestellten Docht hinein, um das Brennen und Leuchten zu ermöglichen. Als die ersten Kerzen aufkamen, wurden die Chanukkalampen zu Chänukkaleuehter n, achtarmig, mit einem neunten, hervorragenden Arm, in den man den Schamnies steckt, jene Kerze, die zum Anzünden.der anderen Lichter zu dienen hat.. Die Ch an ukk alichter sind Festlicht er. Man soll sie ansehen und sich ihrer freuen, aber sie sollen nicht profanen Zwecken, also nicht zum Erleuchten der Zimmer oder bei der Arbeit dienen. Eine Ähnlichkeit zwischen Chanukkalichtem und dem Weihnachtsbaum Hegt nicht nur, wie man annimmt, in der Gleichzeitigkeit dieser Lichtcrfcstc. Es ist bemerkenswert, daß das Weih nach tsfest das einzige christliche Fest ist, das — wie der Sabbat und alle jüdischen Feste — bereits am Vorabend zu feiern begonnen wird. Auch den Weihnachtsbaum zündet man acht Tage lang an und verbrennt ihn erst nachher, in. der Silvesternacht, Diese und andere gemeinsamen Züge waren die Ursache, daß mau sich in den ersten Jahrhunderten nach Einsetzung des Weihnachtsfestes — das geschah im Jahre 354 n. — gegen das Lichteranstecken wehrte. Der Tag selbst schwankte auch noch einige Zeit, bis Kaiser Justini an um 550 den 25. Dezember als Wcih- . nachtstag festlegte. Weihnachten hat sich die Herzen erobert — nicht zuletzt wegen der fröhlichen und schönen Sitte,, den Kindern und auch ' den Erwachsenen durch Geschenke eine besondere Freude zu bereiten. Auch als Gcschcnkfcst hat es schon einen alten Vorgänger: im alten, heidnischen Horn feierteman den 1. Januar mit Gelage und . mit Geschenken.. Man schmückte das Haus mit grünen Zweigen und stellte für die Angehörigen, die Sklaven und die Kinder Tische auf, auf denen allerlei Gaben aufgebaut waren. Ein Geschenk- und Lichterfest war auch das alte heidnische Julfest, das Fest der Wintersonnenwende, dem durch Anzünden des Julblocks eine besondere Weihe gegeben wurde. Religiöse Feste wurden also mit der Zeit zu Volksfesten. Auch die Juden in Deutschland glaubten vielfach, die deutsche Weihnacht mit feiern und einen Weihnachtsbaum anzünden zu müssen. Es' war gut gemeint und gut empfunden, aber unbedacht. Diese Juden vergaßen, daß es sich im Grunde doch um ein religiöses Fest handelt und daß sie selbst im Chanukkafest ein Lichterfest besaßen, an dem sie sich freuen konnten, und stolz sein auf die Taten großer und tapferer Ahnen, dankbar der göttlichen Fügung und-dem Heldengeist der Makkabäer. Heute weiß-jedes jüdische Kind, was Chanukka ist und zu bedeuten hat. Nur manche Eltern wissen es noch nicht oder wissen es nicht mehr. Die Zahl der jüdischen Kinder, die statt des Weihnachtsbaumes die Menora brennen sehen wollen, die Knaben und Mädchen, die sich ebenso an den Geschenken des Chanukkamännchens erfreuen, wie früher an denen des Weihnachtsmannes, ist erfreulicherweise stark im Zunehmen. Daran sollen und müssen die Eltern denken. Und es sollte heute nicht genügen, auf den Weihnachtsbaum zu verzichten. An seine Stelle gehört im jüdischen Haus die Menora, auch bei jenen, die bisher vielleicht nur den Weihnachtsbaum gekannt haben. Juden müssen umlernen und müssen wieder ihre Feste feiern. Bei aller Achtung vor anderen müssen sie in bezug out ihre Feiern wieder ihr eigenes Leben führen. Und wenn es nicht Schwereres für die Juden gäbe, als statt des Weihnachtsbaumes die Menora anzuzünden und darunter die Geschenke aufzubauen, dann dürfte Chanukka wirklich ein Freudenfest werden. Dr. S. Elbe. Brief aus Frankfurt am Main Bericht für die „Jüdische Allgemeine" Frankfurt a. M. Nach Erweiterung undt Renovierung der Hfiumc durch Gcmcindcarchitckt Schragcnheim konnte die A r - nöld-LazaTus-Halle (die jüdische Toynbcc-Halle Frankfurts; wiedereröffnet werden. Nachdem Julius Bloch, dessen Wirken die Wiedererrichtung dieses Werkes noch dem Kriege zu verdanken ist, namens des Vorstandes der Gemeinde die Anwesenden willkommen geheißen hatte, sprach Rabbiner Dr. G. Salzbcrgcr als Vorsitzender der Arnofd-Lazarus-HoIIc, aber vor allem als Seelsorger warme und gute Worte. Er erhöh 2um Ziel dieser Abende das Zusammenwachsen aller zu einer ununtcrr scliicdlichen Gemeinschaft, die Hoffnung, daß sie mit ihrer Kunst, ihrer Freude, Kraft und Zuversicht verleihen möchten. Die Darbietungen wurden von ersten Frankfurter Künstlern (Franziska Schmucklcr, Alice Rosenbaum, Helene Lorsch-Morgenstern, Marie Lcnhcim,. Hans Assenheim und Dr. Willy Solomon; bestritten. — Der Bariton Hans Assenheim, der Geiger Theo Ratner und der Pianist Dr. Willy Salomon vereinigten sich zu einem „Slawischen Abend", dessen Programm ein großes Publikum angelockt hatte. Werke von Dvorak, Borodin, Grctschaninoff, Tschaikowsky und Toncjcw, sowie ungarische, polnische und tschechische Volkslieder kamen zu Gehör und fanden herzlichen Beifall. In der letzten Sitzung der Gemeindevertretung wurde Felix Meyer einstimmig als Stellvertreter zum Haushaltsausschuß der Rcichsvcr tretung gewählt- In der Fassung des Stcucrbeschlusscs vom 31. v. M. mußte eine .redaktionelle Änderung gemacht werden: es handelt sich demnach um eine nachmalige Erhöhung des Steuersatzes um ein zusätzliches halbes 5. Steuerquartal. Die Aufführung des „Jeremias" im Kulturhund Rhein- Main, die mangels eines geeigneteren Raumes in einem Musiksaal gespielt werden mußte, gestaltete sich trotz kleiner Mängel zu einem schönen Erfolg. Für das Fehlen der Kulissen fanden Leopold Sachse, der auch die Hauptrolle verkörperte, und Kunstmaler Alfred Oppenheim einen glücklichen Ausweg: sie schufen ein Bühnenbild ganz aus Licht, das den sakralen, kultischen Charakter betonte. Die Aufführung selbst, zum Besten erwerbsloser jüdischer Schauspieler, wurde, abgesehen von denführenden Rollen, von Frankfurter Künstlern getragen- Zum schönsten Erleben des Abends gehörten die Volksszcncn. — Dem Gedächtnis Franz Rosenzweigs, des Begründers des" Jüdischen LehrhauBcs, war am Jahrzeittag, dem 8. Kislcw, eine Lernstunde gewidmet. Unter der Leitung' von Martin Ruber beschäftigte man sich mit der zweiten Rcsponsion der Keduscha, dem cSegensspruch des Jecheskcl: „Gelobt sei die Erscheinung Gottes von ihrem Orte aus" (Jech. 3,12), den Martin Bubcr im,Sinne eines Aufsatzes, von Franz Rosenzweig interpretierte. In einer Generalversammlung des Freisinnigen- Vereins für jüdisches Gemcindeleben c. V., die eine Reihe von Neuwahlen auch in den Vorstand ergab, wurde Dr. A. Ettlinger wieder zum Vorsitzenden und Dr. R. Merzbach zum Stellvertreter gewählt. Nach einer längeren Aussprache über die Ziele des religiösen Liberalismus wurde ein Aktionsausschuß gebildet, der das Winterprogramm festlegen und die Bildung von Arbeitsgemeinschaften erwägen soll. Anläßlich seines 25jährigen Bestehens veranstaltete der Verein selbständiger israelitischer Handwerker., und Gewerbetreibender e.V., Frankfurt a. M., eine Feier, an dci eine stattliche Reihe von Gemeindemitgliedern, Rabbinern, Vertretern von Logen, Anstalten, Verbänden und Vereinigungen auch von auswärts teilnahmen. Den Mittelpunkt der Feier bildete eine Rückschau von Wilhelm Marcus, Berlin, auf die Arbeit des Verbandes, der sich bei der Umschichtung aus kaufmännischen und akademischen Berufen außerordentlich bewährte, und er wies auf die Notwendigkeit und Verpflichtung hin, das jüdische Handwerk zu unterstützen. Weitere Ansprachen brachten dem Verein Glückwünsche und Dank und unterstrichen die positive Einstellung des Judentums zum sittlichen Gehalt der Arbeit. In Offenbach a. M. fand eine Arbeitstagung der süd- und westdeutschen Beratungsstellen für jüdische Wirtschaftshilfe und Wohlfahrtspflege statt. Es wurden die praktischen Fragen der Wirtschaftshilfe erörtert, insbesondere die allgemeine Finanzlage und die Möglichkeiten der Kreditgewährung durch die Darlehenskassen und die Beratungsstellen, sowie die Zusammenarbeit mit der öffentlichen Fürsorge und dem Winterhilfswerk. L. H—r. Aus änderen (Gemeinden Bielefeld. Zwischen den jüdischen Schachvcrcmen wird in diesem Winter der Kampf um die Mannschaftsmeisterschaft der jüdischen Schachvereine Deutschlands ausgetragen. Als erster Kampf in dieser Reihe fand in Rheda i. W. der Wettkampf zwischen dem jüdischen Schachverein Dortmund und der kombinierten Mannschaft der jüdischen Schachvereine Bielefeld und Rheda statt. Nach vicreinhalbstündiger Spielzeit endete der Kampf mit 4,5 zu 4,5. Die Partie am ersten Brett zwischen Dr. D r e y c r - Bielefeld und Walder jun.-München wurde abgebrochen'und ist dem Leipziger Verein zur Abschätzung übersandt worden. Sie ist für den Ausgang des Wertkampfes entscheidend Für Dortmund gewannen Wilzig, Heymahn, Jah und . Flatow, für _ Bielefeld-Rheda gewannen R. Dreycr-Biclefeld, Dr. Abramo witsch-Rheda, Schürmann-Biclefeld und Grunewald- Bielefeld. Die Partie zwischen Dr. Meyer-Rheda und Moses-Dortmund endete unentschieden. Essen. Wie im vorigen Jahr sind auch in diesem Winter wieder Bildungskurse der Synagogen gemeinde eingerichtet worden, deren Leitung Rabbiner Dr. Hahn innc hat- An jedem Montag- * Abend finden zwei Lchrkursc statt. Mehr als 150 Personen nehmen durchschnittlich an jedem Montag-Abend an diesen Kursen teil. Alle Jugendlichen von Sexta bis Untertertia einschließlich sind hier vom Sonnabend-Unterricht befreit. Nach dem Sabbat-Vormittag-Gottesdienst, der von den Schülern und Schülerinnen regelmäßig besucht wird, finden im Gemeindehaus Sabbat- Feiern für die Jugendlichen statt, zu deren Gestaltung sich, die Lehrpersonen der Synagogengemeinde sowie die Lehrer der hiesi- . gen städtischen Israelitischen Volksschule zur Verfügung gestellt haben. Chemnitz;' Die beiden Gemeindekollegien haben beschlossen, die Ende des Jahres fälligen Wahlen auf zwei Jahre zu verschieben. Gleichzeitig haben sie in einerprotokollarischen Erklärung festgelegt, daß die seit elf Jahren bestehende Trennung der Wahlberechtigten nach Liste A (17 Verordnete für deutsche Staatsangehörige) und Liste B. (4 Verordnete .für Ausländer)