Jüdische allgemeine Zeitung
- Journal
- Jüdische allgemeine Zeitung
- Volume
- 14 (1934)
- Issue
- 90 (21.11.1934)
- Date
- 1934-11-21
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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iVhcn Thema für Orgel, gleichfalls \on Jl.Adlcr, eingeleitet. Die Aufführung findet am heutigen Mittwoch, abends 211 Uir: in der Neuen Synagoge statt. Leitung: Dr. (). Guttiuaun. Solisten: ■ Wilhelm Guiimaiut, Paula -lohn. Beruh. Ghrzclilzcr. I.udvrig Altrnann. Hans Haer, Meinhart Maur. Kammermufik und jLieder W illy I" r e v . erster Konzertmeister des Kulturbundon-holcr». drr, wie uir hüren, seine Kamincriiiusikgcfährleu in ein südamerikanisches Kngagement /.iehen lassen mußte, hat dafür in dem Gelüsten Stefan Aul» er einen neuen, ganz ausgezeichneten l'aiiin-r •rlundcu. Uuien gesellt .sich wiederum Josef liuscnslock, der sein Dirigentehpult einmal verläßt, tun am Klavier ]{eetho\en zu musizieren. Lind wie im ,.Kidelio*\ so trifft er aiieh im Tri» op. 'J7 die rechten Ileethmensehen Tarben; wundervoll kommt etwa drr dunkle, gesättigte Klang des Andante, eautahile heraus, wundervoll aher aueh der sinnlich reiehere Hrahmssehc Klaviersalz. Der Ollist ülierinsehte durch die vergeistigte Art .seines Spiels,-die gerade dein spülen ISeclhovcn so angemessen war, und erwies sieh auch sonst als äußerst gewiegter Kammermusikpurtner von starker dynamischer Anpassungsfähigkeit. Frey seihst hat eine frische, unproblematische Art zu musizieren, die sich oni vorteilhaftesten hei Schubert auszuwirken vermochte. Die Gcsamtwirkung war gekennzeichnet dureh straffen Aufhau. der sich nie in Einzelheiten w-rlur. Der \ollc Saal des Logcuhauses KIciststraÜc und die begeisterte Aufualime der Werke bezeugten das Interesse, das auch heute guter Kammermusik entgegengebracht wird. Auch in diesem Winter veranstaltet die Künstlerhilfe eine Mattliche Heilte von llaii.skonzcrlcu. Welch starke Notwendigkeiten dafür sprechen, das konnte man so recht den Worten »gon .1 :i e o 1> > o Ii 11 s entnehmen, der — in seiner Einführung zum Kon/eii hei Dr. Meyer — geradezu erschütternde Tatsachen von der entsetzlichen Notlage jüdischer Künstler licrichtete. Der Abend willst hrachte da» erstmalige Auftreten des .\ e u e n J ü d i s ehe u \ o k a 11\u n r t e 11 s (l)or'u bVnisleiu-Ilörmr. Hertha Goctz-Feige. Itirh;:rd Dresdner^ Dr. Leo Hai rzinskij. Man erlebte eine recht frische und saubere Wiedergabe der Hrahmsschen Liebeswal zcr. H. Dresdner sang dann mil auuchehmciii Tenor in sehr unmittelbarer, lebendiger Art einig«- liectho\cnlieder. Dr. L. Ilarezinski wulAte die humoristischen Züge bei Mahler wirkungsvoll herauszuheben; auch das Organ berührte sympathisch. Hertha Goetz- IVige, \ou- Tmdl Hermann begleitet, sowie-Dora Ikriislein-Börner gaben temperamentvoll SfHubert und Wolf; Paul Liehteustern war ein kultivierter Hegleiter. K. Repräfentanz und Reichs Vertretung Das Berliner Gemeindeparlament zur Organifationsreform Hie Sitzung «ler lierliuci lteirö»ea(:iuU'ii'Ver.»-imimitii:;. hUt Jercu Verlauf tU'r narlmteliemlc offizielle. Itericlil .Milleiliini: in:i''lit, vor der Iteir.ilssiuwj:; ijrx ItriWi.*-. viTtielim^. llu Inhalt i.-t durch mV Nieilersetzun;; iler -n^eniinuien Warhiiry-Komniis.siou 1"»» r tn e 1 1 ii 1. e r )i •■ 1 i. J>io in dem licrMil zum Ausdruck koijiiueutiu Stirn in u n z ilci Versammlum; mag 'aber der Ktimmis.-ion als M-liäuh.'rc* Material vnn ltedeutung sein. Uumtü Stullum; 7.11 d'-r zuy.ijiitcD Frage halten wir kürzlich veröffentlicht. Die Srliriftli'iiiin g. DciilM-hlands, nämlich II c r I i n , Krank furt a. AI. und II r e s - I a ii einhellig der Meinung sind, daß dirsr Rriclisvcrtrcluiig nicht das repräsentiert» was das heutige jüdische I.chrn erfordert. Ks muß doch stutzig machen, daß in dieser Keirhsverlrelung ein einziger Vertreter der Gemeinden Platz hat, nämlich Herr Direktor Stab I. Die Hcichsvertretmig ist sich klar darüber, daß sie in Zukunft in finanzieller Hinsieht die Gemeinden nötig haben wird. Ich finde es sowohl vom Standpunkt der Gemeinden als auch -vom nr*« «,n«„« i n l * V i\ - ii i , i Standpunkt der Heiehsvertretiuig aus beschämend, wenn man dar- Die Grundlage der Debatte ist ein Dringliehkcitsaiif rag der!- l- - i . i 7« n i..i»......u..t...u ,i:„ -- r - .... .._.....i r./lt:.A... die Konsequenz zieht, daß nur Hin Haushaltsatisschub die (»(ineimlen stärker vertreten sein sollen. Direktor H res! a u e r (Gem.-Vorst.): Ich habe den F.indruek. daß die Meinung der Versammlung sieh aus dieser Debatte nicht zionistischen Fraktion, der. deu Vorstand ersucht, grundsätzliche Beschlüsse, die mit der Beteiligung der Jüdischen Gemeinde an der Keichsvertrelung zusammenhängen, nicht ohne Mitwirkung der ficpräscntaiilcmer-iaminhmg zu fassen. Hierzu führt Dr. M ose* (ziouistinche Fraktion; aus: Wir haben diesen Antrag gestellt, weil wir hörten, der Gemeinde, vorstand beabsichtige, aus der Heiehsverlretung auszuscheiden. Wir werden uns freuen, die Sache dadurch erledigt zu sehen, daß der Gemeindevorstand erklärt, nicht ohne Mitwirkung der llc.präsenlantcnvcrsummhing eine so schvverwiegemle Eutseheiduug herbeizuführen.. Moritz H o so n t h a 1 i'Gem.-Vorst.): Der Gcineiudevorstaud hat wicdcrboW versurbt» mil der Heicb»\ertrelung eine Einigung zu erzielen, zuletzt dalnngehend. daß vier Vertreter der Gemeinden ■ dem PrüsidialausscHuß der Heichsvertretuug eingegliedert werden sollten. InzwieeHcn hol aber der Prüsldialaussebuß der Heirhsvertretunp he«-Wos»en. aul keinen FuU einer Vermehrung seiner MilgHcdcrzabl zuzustimmen. Nach allem, was bisher geschehen ist. glaube ich nicht, daß der Vorsitzende der Herh'ner Grmrinilr weiter dem 1'rasidial-Auschuft angehören kann. H.-A. Kozowrr: Ich verstehe den Antrag der zioiiistiscbni Fraktion dahin, «laß so schwerwiegende. Schritte wie ein Austritt aus der ncichsvertrctmig wohl hu Gciuciudcvorstaiid erwogen, auf keinen Fall aber' ohne Anhören der Kcpräscufauz imteniommeii werden können. Wir verlangen, daß der Geiuciiidcwirstand sicli nicht eher entscheidet, als bis alle Möglichkeiten einer Eiiiigunger>ehöpft sind. Wir slchen' allerdings auf dem Staiidjitiukt,'daß die Berliner Gemeinde in der Heichsverlrelung - mitzubestimmen und mitzureden hat.' Aber das, kann uns auf keinen Fall xdazu führen, den ^Zustand wieder herbeizuwüiiM-hcii. wie rr wir der Bildung <Ier Heit'H»\erlreluiig bestand, daß nämlich ein Konglomerat der versclucdenartig>len KörperM-haften torhauden war. die po-itiv iilHibaupt nichts erreichten. Dr. Fleischer: Die Berliner Gcmeimle könnte;dh* uiöglicheu Hr»chlü>H* .fassen, und zwar mil oder ohne Itcpnwutaiiicnver.tammluilg — bei der heutigen Ztwimmcu-.e(/.uug der Heiehs. \crtretimg würden un-ere Hodilü^e ohne jirdin Finfluß auf dii" Arbeil der Hrirh*\crtreiung bleiben. i>{ tatsächlich unrein -BcM-hluß der t*eiiieii)dc am IMatze: nämlich au-, th- Hing aus/usrhriden. Wir sind der Meinmis. daß Ib-iihsxertiedie Vrrhaiidliingsiiiöglirhkeilni schon hmte er-ehöpl'l *ind. F> kommt,uns nicht darauf an. ob irgendein Vertreter der Grnieinden mehr in der HeichMcrtretimg sit'xt. söudern es kömmt' $ uns darauf an. daß die H ei c h s v e r t r e t n u g;r u n <I s fi t z - —I ir-h a u f e i u e a n d e r e Basis gestellt wird. Kiur Heidw- ■ Vertretung k:inn nicht die Vrrireiung 'großer Organisationen! sie kann nur die Vertretung de--cn >cin. was wir heute in Deutschland au rechtlichen und ideellen Gütern besitzen. — und das sind die Gemeinde ii. W ir stehen auf «lern »anz nüchternen Standpunkt. daß das G«-. 1 d iuimtit Slnicniililcr. das wir au die Heicb^vertretung zahlen, uns verpflichtet, einen entsprechenden Ki ii f f ii ß in der Heirbsvertretuiig zti gewinnen. Meine Freunde sddageu Ihnen folgenden Beschluß vor: ,.Dic Berliner Gemeinde luxHUeßt, ihre Mitwirkung im »b»n Arbeiten der Heirb— ▼rrtretung der deutschen Juden sö lange einzustellen, bis die Grundlagen, auf denen mcIi «Iii- Heirh*\erlretung aufbaut, geklärt und geändert werden." Dr. Moses: leb sage nicht, daß .dir im -wirigeu Jahre gefundene Lösung -die einzig, uiügiii-he Lösung i>l und daß jede Änderung in der Zusammensetzung der Hcieh>wrtreluug ausgeM-hlossen erschein!. Aber iinverstäudlicli iM mir. WJ(. 'gesagt wrrden kann, es wäre eine Heiehsvertretung gesrhafTen worden, in der Herlin nichts zii sagen hat. nachdem der Vorsitzende des Berliner Grinrmdrvnrstandcs au-drücklich in dieser Fi^eiischaft in jlcn Präsidial-Aussehuß berufen worden ist. In den nianiiiularhen Erörlerungen. «lic jetzt stallgelundeu haben, ist nichts ■ angeführt worden, was die Forderung nach einer prinzipiellen Lmgrstallung der Heiehsvertretung rechtfertigen könnte. Bruno Woyda. (Gem.-Vorst.): Als Mitglied der allen H e i e h .s v e r t r e t u n g fühle ich mich verpflichtet, der % on Herrn Dr. Moses vorgetragenen Darstellung, als ob diese Heiehsvertretung ihr Mandat der neuen übergeben .Italic, durchaus-enlgepenzutroten. Wer die Verhandlungen kennt, der weiß, daß die neue Heiehsvertretung gebildet wurde, ohne daß die alte dazu Stellung nehmen konnte. Erst als bereits vollzogene Tatsachen geschaffen waren, hat die alte Heiehsvertretung geglaubt, zunächst einmal im Interesse der jüdischen Arbeit Gewehr bei Fuß stehen zu sollen. Vollkommen irrig, ist aber weiter die Auffassung, als ob nun die neue Reichs\ertretung deshalb schon als ein wertvolles . Gebilde dargestellt werden kann, weil sie im Gegensatz zu dem vielleicht blutleeren Gebilde der alten Reichsvertretuug steht. Fj muß .doch stutzig machen, wenn die drei größten Gemeinden klar herausschält. Es liegt zur Beratung lediglich ein Antrag vor. nach dem der Gcmeiiuicvorstuud grundsätzliche Beschlüsse zur Frage der Hciebsverlreiiing nicht ohne .Mitwirkung der Hepräsentautciivcrsammlung fassen soll. Ich bin persönlich der Meinung, daß der Vorstand, wenn er zur ultima ratio greift, sich dazu nur entschließen kann, wenn er eine einige Gemeinde hinter sich hat. und daß er deshalb seine Beschlüsse nicht ohne Mitwirkung der HcpräFeiitauleuvcrsammhing fassen wird. Ich erinnere daran, daß bereit-i bei den Etatberattmgeu ein gemeinsamer Antrag der Fraktionen angenommenwurde, worin es hieß, daß die Gemcrindc an de n A r b c i tv. n der II cichsvc rtrutu n g m a ß - gebend beteiligt sein soll. An der hierin zum Ausdruck gekommenen Auffassung werden die GemeindckörperscHaften a u e Ii in Zukunft festhalten. K rcinillcr : Noch bevor das entscheidende Wort vonseiten der Heiehsvertretung fällt, muß es hier ganz klar und deutlich ausgesprochen werden, daß es der Wille der Berliner Gemeinde i.-t. nicht au einer Körperschaft mitzuwirken, bei der sie irgendwelche Kutsehcitlungsmuglichkcilcn praktischer Art nicht hat.' Es handelt sich nicht nur darum, die Verwendung der Gelder, sondern die Führung der Politik zu überwachen. Wer es wirklich ehrlich mit der Heiehsvertretung meint und wer will, daß sie im jüdischen Lehen die ihr gebührende Holle spielt, muß daran mitwirken, der Reichsverirclimg ilie Autorität zu verschaffen, die sie braucht. . W as die Heiehsvertretung bisher getan hat; waren nicht entscheidende Maßnahmen, sondern .Erklärungen, und zwar Erklärungen, die verpuffen mußten, weil dahinter nicht der gesammelte W üle des deutschen Judentums stand. Die Hcprä=eutaulemcrsaiiinihmg muß die Gelegenheit der heuligen Beratung benutzen, um der Heiehsvertretung mil aller Entschiedenheit zu erklären, daß sie keine Möglichkeit einer Zusammenarbeit mehr sieht, wenn die Voraussetzungen dazu iiichl geschaffen werden. Diicktor K a r e? k i .[Gcin.-Vnr»!.}: Wir wollen eine Heichsvitrettmg haben, die nicht bloß in gewissen Kreisen als Ausdruck der Interessen des deutsehen Judentums angesehen wird, sondern auch hei den maßgebenden Stellen. Es liegt nicht im Interesse des dentMhen Jnthniums, daß der Zustand der Einflnßlosigkeit und de-, mangelnden Ansehens bei den maßgebenden Faktoren andauert. Die Stärkung der Heiehsvertretung wird eintreten, wenn den Groß- ^eineiitilen ein verstärkter Einfluß gegeben wird. Di. l.ubinski: Man mag zur Hciebsverlreiiing stehen, wie man will, so wird man doch zugeben müssen,, daß in ihr zum er>;eu Mal wieder der Versuch einer Zusammenarbeit zwischen «länzlich \ei>rhiedenen Richtungen gemacht worden i>t. Ich »laube. wir sind verpflichtet, darauf hinzuwirken, daß die Heiehsvertretung besteben bleibt und daß sie mit gestärkter Autorität aus diesem Kampfe hervorgellt. Dr. F I e i s e h e r beantragt eine kurze l*aiise. damit die Fraktionen sich über ihre Stellungnahme -rhlüsr-ig werden. Nach Wiederaul nähme der Sitzung \urd eine gemeinsame Resolution wirgelegt und mit allen Stimmen gegen eine angenommen, die folgenden Wortlaut hat: Die Reiebsvertrctuiig der deut- -clien Juden wolle Kenntnis nehmen win folgenden IlcschhWn: I. Die Heiehsvertretung muß die Autonomie der (•( uieitideu unangetastet lassen. '2. Die Hciehs\ertretung muß sich grundsätzlich auf iler Grundlage der jüdischen Gemeinden aufbauen, und -ie kann daher auf die organische Eingliederung der Gemeinden nicht verzichten. Die Umgestaltung der Reichs Vertretung soll ein getreues Spiegelbild der im deutschen Judentum vorhandenen Kräfte darstellen.- Neue Wege zum Aufbau Erfter Gemeindeabend der Liberalen Synagoge Norden Im überfüllten Gotteshaus der Liberalen Synagoge Norden fand — wie bereits kurz gemeldet — in gemeinsamer Veranstaltung mit der Bezirksgruppe Norden des Liberalen Vereins der erste Gemeinde abend statt. Nach Begrüßungsworten durch den Vorsitzenden Ilermann Falkenberg nahm Moritz lloscnthul vom Berliner Gemeindevorstand das Wort. Er gab einen Cbcrblirk über die finanziellen Verhältnisse der'' Gemeinde, sprach über Bccrdigungs- und Schulwesen, wies darauf hin, daß eine große Anzahl junger Menschen, vor allem junger Mädchen, auch , in Deutschland Stellung finden könnten und nicht nötig hätten, auszuwandern. Er ermahnte zum V e r t r a n e u in «lic Zu k u n f t. Nach ihm sprach Rabbiner Dr. Gottsehalk über ..Neue Wege zum Aufbau'". Er knüpfte an die Ausführungen über die Genieindeverhältnisse an und betonte, ohne den religiösen Lntergrimd habe aller Opfersinn keinen Wert. Er wolle sich mit dem Ausdruck ..Neue Wege" nicht denen anschließen, die nun seit Jahr und. Tag alles bishci auf liberalem Gebiete Geleistete für wertlos erklärt hätten, ja, die teilweise so weit gehen, falscher Auffassung von jüdischer Religion die' Schuld an der heutigen jüdischen Lage zuzuschreiben. Er betonte nachdrücklichst, daß die von den besten führenden Köpfen aufgestellten liberalen Grundsätze nach wie vor ihre Gültigkeit behalten müßten. Nicht so sehr auf neue Wege komme es au, wie auf e r u e u e r t e Wege z u r H e I i g i o s i - tat. Die ganze Zeil, ihre Leiden, ihr geistiger Kampf und auch das Verhältnis zu Deutschland müsse in erneuertem religiösem Liebte betrachtet werden. Dr. Gotlschälk sprach dann von der Notwendigkeit der Gern e i n d e b i 1 d u n g , der E r w a e H s c n c n b i 1 d tt n g , der J u g c ii d b i I d u n g und bezog das immer wieder, auf die Bildung zur Religiosität. Er warnte davor, einen neuen liberalen Typ heranbilden zu wollen, der Bildung gleichsetze mit Frömmigkeit. Für die jüdischen Schulen verlangte er den getrennten Religionsunterricht nach orthodoxen und liberalen Gesichtspunkten. Den .Jugeudbünden solle man in allen Gotteshäusern Gelegenheit geben, zu besonderen /eilen eigene religiöse Veranstaltungen vornehmen zu können. Dieses religiöse; Sondcrleben dürfe sieh nicht mehr im Winkel abspielen, vielmehr sei es Pflicht des Liberalismus, die.=c Bestrebungen aufzufangen und seinen Lebens- . bezirk dadurch zu erweitern. Weshalb wir. trotz allem, an Deutschland hängen? Der Redner wies liier nachdrücklich darauf hin, daß auch diese Zusammenhänge in der religiösen Einstellung ihre letzte Grundlage haben. Ist jeder Ort, an dem Gottes Name erwähnt wird, heilig, dann ist Heimatboden Gottes Boden. Muttersprache Gottessprache. Er warnte weiter davor, den Begriff der Autorität sehematiscb auf .das religiöse Gebiet zu übertragen. Autorität in religiösen Dingen sc! das Schwierigste, ja* das Heiligste, das durch religiöse Persönlichkeit und durch tiefstes- Golterleben allein errungen werden kann und deshalb nur ganz wenigen Menschen zugestanden werden könne. Der.Redner schloß mit ircm Worte Wolfskchls: .,Traurc nicht, treue Seele." Gello-Vor!rüge des Ilerrn- Rechtsanwalt Ball unter Ilarinonium-Beglcituug des Herrn Alfred Loewy gaben der Veranstaltung einen stimmungsvollen Rahmen. Auftakt zur Winterarbeit Norbert Wollheim im Liberalen Verein über die jüdifche Jugendbewegung ' Den Auftak* zur diesjfthrigen Whilcrarbcit des Litcralt- Vereins für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde zu Berlin E. V. gab die Bczirlisgruppc W e d d i n g - R c i n i e k c n - dorf mil ihrer Veranstaltung.im Restaurant Stcinäcker." Daß die , VeinniCaUung von Mitgliedern und Freunden nach der Sommerpause freudig begrüßt wurde, zeigte der überaus gute Besuch. Das von Norbert Wollhcim gewählte Thema ...Jüdische Jugendbewegung — Gestern und Heute" halte auch die' Jugend in starkem Maße herbeigelockt. „ Nach einer Begrüßungsansprache des zweiten Vorsitzenden der Bezirksgruppe Wcddiiig-Reinickendorf, Herrn Gesenberg, der bemerkte, daß die lange Pause nicht in der Absicht des Vorstandes gelegen hätte, daß aber verschiedene Gründe dazu gezwungen hätten, stellte Norbert Wollhcim, an die Worte der- 'Vorredners anknüpfend, fest, daß-zwischen der alten und jungen Generation schon darin ein Unterschied bestehe, daß die junge Generation im Sommer nicht gerastet hätte. Wollhcim gab dann ein ausführliches Bild über die Entstehung und das Wirken der Jugendbewegung. Es ging dabei nicht ohne Auseinandersetzungen zwischen Elternhaus und Schule ab. Die jüdische Jugendbewegung. .-ei eigentlich im Kriege entstanden. Nach 1932 schloß sich Jude an Jude. Aus dem Gefühl der Gemeinsamkeit kam die Forderung jüdischen OrganiKitinnsIehcus. 70» o aller Jugend sei von jüdischen Orgj.ui'alioiien erfaßt worden. Ohne einen K e r u t r u p p hätte es keine Jugendbewegung gegeben. In den Zeiten, da Schweres über das Judentum kam, fühle man, daß nicht der Einzelne da.» ■ Schicksal trägt, sondern die Gemeinschaft. Die Existenz des deutschen Judentums hänge entscheidend von der jüngeren Gcne- Zwri Tage für die jüdische Frau. Die Küustlerhilfe veranstaltet am 27. und 28. November im Brüdervereinshaus unter Leitung von Lucy Gelber eine zweitägige Ausstellung ..Alles für Chanükka". Ferner Wintermodenschau, Konzert des Orchesters der Künstlcrhilfe und so Iis tische Darbietungen. Abends Tanzt reflen. Der Nachmittag des zweiten Tages bringt eine Kindcrrevne. Am 28. November findet ein Gesellschaftsahend statt, dessen Reinertrag dem Winlcrhiltswerk des deutschen Volkes zufließt. Chanuhhah Dit 3eit Des 6d]cnhcn£: Man schenkt und erfreut durch; cF&vüge fäe&leidutig' von Kopf bis Fuß für Damen. Herren und Kinder ■S^v6llcÄe Ct>v6i&el für die behagliche Einrichtung ihres Heimes; wie Lmrdinen, Teppiche, Dekorationen, Tisch-, Leib- und Bettwäschel — Wirtschaftsartikel, Glas. Porzellan, Steingut, Emaille, Aluminium. Lampen elektrische Geräte, Sprechapparate, Schallplalten. Kaaio — Spielwaren usw. ^^dW// Ste^Mli&pyteiöe! wJ r"1,1''"" ^o$eptu H SU KÖLLN AM » A T H A U p ^^^«ai^^^^^-"-»^^*a^>=gig^n;if.^3fc^sg^--;