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Jüdisch-liberale Zeitung · 1934-10-12 · 82-83 (12.10.1934) · page 2

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
14 (1934)
Issue
82-83 (12.10.1934)
Date
1934-10-12
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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verblassende Begriffe aus der Welt des Geistes müssen durch gegenwartsnahe Bildungselemente ersetzt werden. Die Erziehung der Jugend im neuen deutschjüdischen Lebensbezirk muß auf eine Renaissance der deutschen . und der jüdischen Bildung in voraussetzungsloser, anschaulicher Begrifflichkeit gerichtet sein. {So und nur so ist eine Resonanz möglich, die den "Jon in verstärktem Schall zurückgibt. Das Bildungsstreben ist unter dem Druck der Not enger und zweckbetonter geworden. Aber es isf nicht erstickt. Der Anreiz zur Beschäftigung mit geistigen und kulturellen. Dingen ist da. Bei der Jugend und bei den Aelteren., Es kommt nur darauf an, in welcher Weise er gesteigert wird. In der jüdischen Reformgemeinde Einführung des Rabbiners Dr. Koppel ln feierlicher Weise wurde im überfüllten Gotteshaus in der Jdhannisstralie am let/ten Sonntag der neue Rabbiner der Jüdischen Reformgemeinde, Dr. Max Koppel, in.sein Amt eingeführt. Aus diesem Grunde war auch die Berliner Jüdische Gemeinde durch Kammergerichtsrat Wolff und die ‘Repräsentanz durch ihren Vorsitzenden, Rechtsanwalt Heinrich Stern, vertreten. Vorstand und Amtskollegen geleiteten unter Orgelspiel den neuen Prediger zum Altar, wo der Vorsitzende der Reformgemeinde, Sanitätsrat Dr. Alfred Pcyser, zunächst an den bereits in den Ruhestand getretenen Rabbiner Dr. *J e 1ski eine Ansprache hielt und ihm die Ehrenmitglied- Schaft der Reformgemeinde, die höchste Ehre, die diese Gemeinschaft zu vergeben hat,' überreichte. Inbewegten Worten' dankte Dr. Jelski für 'die ihm zuteil gewordene Auszeichnung. . Nunmehr begrünte Sanitätsrat Dr. Peyser den neuen 1 Prediger und wies ihn auf die hohen Aufgaben hin, die seiner harren. .Inseiner Antrittspredigt behandelte Dr. Koppel das Thema vom Anfang und Ende alles Seins. Er entwickelte in knappen Worten die Auffassung von seinem Amt und wandte sich dann an den Vorstand, die Kollegen, die Gemeinde und insbesondere auch an die Jugend, der er versprach, ein Berater, Helfer und Freund zu sein- Besonders ergreifend war es, als der neue Prediger zum ersten Male den Segen Gottes für seine Gemeinde erflehte, der er in reicherein. Maile beschiedcn sein möge als seiner armen früheren. Ai. Es wird gemeldet: Am vergangenen Mittwoch wurde der frühere Berliner Gemeindevorsteher, Berthold Kirstein, 70 Jahre alt. Der Jubilar, der sich stets rege im jüdischen Leben betätigt hat, widmet seine besondere Aufmerksamkeit dem Ausbau.des Schwesternheims am Jüdischen Krankenhaus und den sozialen Interessen der jüdischen Krankenpflegerinnen. * . Der ehemalige Leiter der Kunstabteilung an der Humboldt-Hochschule in Berlin, Professor C. Weiner, wurde an die Universität in Bombay berufen. '■* In der Repräsentantenversainmlung der Berliner Jüdischen Gemeinde sind Amtsgerichtsrat a. D. Dr. Kurt Tuchler und Dr. Sally Hirsch zu Mitgliedern des Gemeindevorstands gewählt worden. ' Die auf einem trocken gelegten Teil im Wieringermeer bestehende SchulsiedlungzurAusbildung junger Juden aus Deutschland in Landwirtschaft und Handwerk wurde, wie aus Amsterdam gemeldet wird, durch einen offiziellen Festakt, bei dem u. a. der vom Völkerbund eingesetzte Oberkommissar für Auswandererfürsorge, James, G. MacDonald, und der holländisch-jüdische Philanthrop van den Bergh Ansprachen hielten, feierlich eröffnet. An der Feier nahmen auch hohe Beamte der holländischen Regierung teil. * Iu der Synagoge zu Prenzlau fand eine Abschiedsfeier für Rabbiner Dr. Bahr statt, der fast ein halbes Jahrhundert in seiner Gemeinde das Rabbineramt bekleidet hat. * In Lemberg kam es abermals zu einem a n t i jüdischen Attentat. Gegen den Verkaufsladen .der Enis- Parfum-Firma, deren Inhaber ein Jude ist, wurde eine Bombe geschleudert, die Schaden anrichtete, aber glücklicherweise Menschen nicht verletzte. Der Bombenwerfer wurde verhaftet. Wie aus Saloniki berichtet wird, werden dort auf Anregung des Führers der „Griechischen Jugend“ und der „Nationalen Emeuerungsbewegung“ Verständigungskomitees von Christenund Juden gegründet, die sich neben der Bekämpfung des Kommunismus die Förderung des konfessionellen Friedens zum Ziel gesetzt haben. * Nach den neuesten statistischen Feststellungen und Schätzungen werden Ende 1934 in Palästina rund 305 000 Juden leben, die 25 "o der Gesamtbevölkerung des Landes ausmachen werden. Wie aus offiziellen Mitteilungen hervorgeht,, wurden in den Monaten Juli und August 1 800 Auslandspässe, an türkische Juden ausgefolgt. Die Massenauswanderung türkischer Juden ist als eine Folge der neuen judenfeindlichen Welle in der Türkei anzusehen. * - Wie aus Wien gemeldet wird, wurde dort ein Komitee gebildet, das die Feierlichkeiten zum 8 0 0. Geburtstag des Maimonides vorbereiten soll. Alle Rabbiner Wiens werden Predigt-Zyklen über Maimonides in den Synagogen abhalten. Auch in den Schulen sollen die Schüler über die Persönlichkeit und das Schaffen des großen jüdischen Philosophen, Juristen und Arztes belehrt werden. * Im Zusammenhang mit der Lindbergh-Angelegenhei( erklärte, wie aus New York gemeldet'wird, der Staatsanwalt, daß der in der ersten Zeit zusammen mit dem Verhafteten Hauptmann vielgenannte Isidor Fisch mit der Erpressung an Oberst Lindbergh nichts zu tun habe. In der Liberalen Synagoge Norden Abschiedspredigt Dr. Hirschbergs Rabbiner Dr. Hirschberg, der als Rabbiner nach Oppeln, berufen Ut, nahm am Schemini azerct in der Liberalen Synagoge Norden mit bewegten Worten Abschied von der Gemeinde, an der er dreieinhalb Jahre gewirkt hatte. Das ScUIußfest, so führte er aus, sei das Abschiedsfest des Sommers, und auch für ihn sei es ein Abschlußtag, der einer ihm äußerst wertvollen Lernzeit ein Ende setze. Die Liberale Synagoge Norden sei eine einzigartige Lehranstalt für junge Rabbiner, in der sie vor einer geschlossenen Gemeinde, einer wirklichen Kehillo, standen. Deshalb habe er hier immer am liebsten gepredigt, und wenn er heute der Gemeinde seinen Dank abstatte, so wisse er sich , eins mit seinen Freunden und Studienkollegen, die auch durch diese Schule gegangen seien und nun das Gedenken an die Liberale Synagoge dankbar bewahren. In. besonders herzlichen Worten sprach er den Männern seinen Dank aus, die seine Tätigkeit all die Jahre hindurch als Lehrer und Förderer, als Freund und Kritiker begleitet haben. Allen rief er /.um Schluß be-. wegten Herzens ein Lebewohl zu und flehte auf sie_und die Gemeinde auch für die Zukunft den göttlichen Segen herab. Im Namen der Liberalen Synagoge Norden sprach am Schlüsse des Gottesdienstes Hermann Falkenberg ein Abschiedswort. , Auch die Gemeinde habe dem Scheidenden Dank abzustatten. In ihrem Bemühen, im Gottesdienst die richtige Synthese von Norm und Freiheit zu finden, habe sie gerade bei den jungen, ringenden Kräften Unterstützung gefunden. Dr. Hirschberg gehöre zu dieser Generation junger Rabbiner, die sich mit Freude und Liebe um das Werden und Ringen neuer religiöser Kräfte bemühen. Die Gemeinde wünsche dem Freunde ein segensreiches Wirken auch an seiner neuen Schaffensstätte, in dev eine große' Zahl 1 hervorragender Geister unter seinen Vorgängern, wie Baeck, Voge*.stein, Goldtnann, Braunschweiger, eine ruhmvolle Tradition geschaffen haben.; Dr. G. PI. Tagung des Beirates der Reichsvertretung Die Reichsvertretung der Deutschen Juden teilt mit: Sonntag, den 14. d. AL findet in Berlin die zweite Tagung des Beirates der Reichsvertretung der deutschen Juden statt. Die Tagesordnung sieht außer einer Kundgebung des Präsidenten der Reichsvertretung, Herrn Rabbiner Dr. Leo Baeck, sowie den Berichten des Präsidialausschusses, über die einzelnen Arbeitsgebiete der Reichsvertretung, ein Referat des geschäftsführenden Vorsitzenden des Präsidiälausschusses, Herrn Ministerialrat Dr. Otto" H i rs c h , über „Die innere Lage des deutschen Judentums und seiner Organisationen“ vor. minister Macropoulos mit der Bitte gewandt, die kirchlichen Behörden um Rückgabe des Mädchens an die Eltern zu ersuchen. Obwohl sich der Innenminister beim katholischen Bischof von Athen Mgre. Philipucci persönlich um die Freigabe des Mädchens bemühte, hat dieser es abgelehnt, die Bitte der Eltern zu erfüllen. Jüdisches Mädchen als Nonne eingekleidet Athen. - Die Eltern des vor kurzem auf Veranlassung von Klosterfrauen auf der Insel Tinos zum Katholizismus übergetretenen jüdischen Mädchens Anna Levv, das als Nonne eingekleidet werden soll, haben sich an den Innen- Reinhardts Berliner Theater versteigert Max Reinhardts letztes Berliner Eigentum, die Grundstücke Schumannstraße 12, 13, 14 und 16 mit dem Deutschen Theater und den Kammerspielen sind nunmehr zur Zwangsversteigerung gekommen. Sie gingen für 150 000 Mark in den Besitz der Deutschen National Theater A.-G. über. „Damit ist“, wie der „Angriff" schreit», „endgültig eine Theiaterepoche. liquidiert, die zwar sehr viel Farbenbuntheit aufwies, aber weder ethische noch schöpferische Werte vermittelte.“ Der Dichter erzählt von seinen literarischen Plänen Max Brod über sein neues Heine-Buch Zum Ableben Leo Barons Gänzlich unerwartet ist infolge eines Herzschlages Dr. Leo Baron verschieden. Der Verstorbene, der sich ■ lange Jahre hindurch im Vorstand der Synagoge Friedenstempel bewährt hat, war ein treues Mitglied des Liberalen Vereins für die Angelegenheiten der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, dessen Vorstand er ängehörte. Er hat es verstanden, inj stiller und bescheidener Weise Gutes für das deutsche Judentum und für die leidende Menschheit zu wirken. Das Andenken dieses ausgezeichneten Mannes wird bei allen, die ihn .kannten, in unauslöschlicher Erinnerung bleiben. Beschädigung von Synagogen Königsberg. In der Synagoge in Rössel (Ostpr.) wurden von unbekannten Tätern mehrere Fensterscheiben zertrümmert. Es ist Anzeige erstattet worden; die Ermittlungen schweben noch. In die Synagoge von C h r i s t b u r g (Ostpr.) ist ein Einbruch verübt worden. 'Gestohlen wurde eine Decke und ein Leuchter- Prag. In einem Gespräch mit dem Prager JTA-Vcrtreter äußerte sich Max Brod über sein demnächst erscheinendes Heine-Buch. Auf die Frage, was ihn veranlaßt habe, gerade in der heutigen Zeit eine Heine-Biographie zu verfassen, antwortet der Dichter: „Ich begann vor einem Jahr an meiner Heine-Biographie zu arbeiten, unmittelbar nach Vollendung meines Romans „Die Frau, die nicht enttäuscht“. Man wird sich erinnern, daß ich in diesem Roman einen Typus geschildert habe, den ich als Distanz-Deutschen bezeichne, d. h. als den Juden, der sich durch Erziehung zum deutschen Kulturkreis hingezogen fühlt, ohne die Distanz zwischen Judentum und Deutschtum verschleiern zu wollen. Es mußte mich nun selbstverständlich interessieren,: den historischen Wurzeln dieses Typus in der neueren Zeit nachzugehen. Da bot sich als überragende Figur Heinrich Heine,, der erste Dichter jüdischen Stammes, der im deutschen Kulturkreis neben vielfacher Anfeindung doch auch große Popularität und Anerkennung gefunden hat. Hier also konnte ich das. Problem, das mich bewegt, historisch studieren, und ich gestehe, daß ich aus diesen Studien viel gelernt, meine Überzeugung durch neu erkannte Tatsachen gefestigt habe. Der Zustand des Berliner Judentums von 1810 bis 1820 findet beispielsweise in meinem Buch eine weite Darstellung, und ich glaube, daß icii einige Gestalten, z. B. R a h e 1 L e w i n und die geistreichen Jüdinnen ihres Kreises, doch etwas anderes sehe und darstelle, als man das bisher zu tun gewohnt war. Bei aller Würdigung ihrer hohen geistigen Qualitäten sehe ich in diesen Frauen Abtrünnige und Wurzellose, die für alle Kulturen der Welt Interesse gezeigt haben, nur nicht für die jüdische. Ist dies -auch aus den Zeitimiständen' durchaus verständlich, so muß man sich doch vor aller Verhimmelung dieser, intellektuellen Kreise in Acht nehmen.“ Sehen Sie auch die Gestalt Heines anders als es bisher in deutsch-jüdischen Kreisen üblich war? „Nach meiner Meinung überragt Heine das Geschlecht seiner Zeitgenossen, der ersten Assimilanlen, um Haupteslänge. Sogar jenen wackeren Männern, die sich zu seiner Zeit mit Eifer und Hingabe ex professo mit dem Judentum befaßten, obwohl er all diese Fragen entschieden leicht-. sinnig behandelt hat; aber in' seinem Leichtsinn steckt Genie, Vitalität und vor allem ein angeborener Stolz auf die eigene Art, der ihn nie verläßt. Wo andere irrten, findet Heine oft intuitiv das Richtige; kein einziger seiner Zeitgenossen kann ihn führen oder auch nur ihm raten. Sein einziger Führer ist die B i b e 1 - L e k t ü r e. In allen Epochen. seines Lebens hat er immer aufs neue zu diesem Buch gegriffen und immer neue Erkenntnisse aus ihm gezogen, die sich schließlich auf seinem Krankenlager bis zur echten religiösen Sei bsfbes'i n nun g .T m jüdischen Sinne steigern- Besonderen Wert lege ich auf eine der letzten Schriften Heines, die „Geständnis“ betitelt ist. In meiner Dar-, Stellung erscheint Heine als ein Vorläufer der jüdischen Selbstbesinnung.“ Sie haben, also eine Monographie über Heine als Juden geschrieben? „Gerade das wollte ich vermeiden; solcher Monographien gibt es genug. Ich verweise insbesondere auf die ausgezeichnete Materialsammlung von Biber „Heines confesslo judaica“. Was ich wollte, war etwas anderes; den Menschen Heine darstellen. Und gerade dadurch scheint mir sein jüdisches Wesen die richtige Beleuchtung zu erfahren, wenn man es nicht isoliert, sondern als Bestandteil seines .Menschentums ansieht. So beziehen sich Kapitel meines Buches ausführlich auf Heines Verhältnis zür deutschen Romantik, zum deutschen Volkslied, andererseits wieder zur französischen Politik, zum St. Simonismus usw. Ich wollte nicht eine jüdische Monographie über Heine schreiben, sondern glaube, daß gerade, wenn man all die mannigfachen Lebensverflechtungen, an denen Heine stand, darstellt, sein Schicksal als jüdisches Schicksal erkannt wird. ■- Welches sind Ihre nächsten literarischen Pläne? „Ich will mir zwar für einige Zeit Ruhe gönnen, werde aber wohl bald zu meinem Lieblingsplane zurückgreifen und an dem Buche „Die Nachfolge Platons als Antwort an die Zeit“ arbeiten. Fenier gebe ich gemeinsam mit Heinz Politzer eine sechsbändige Gesamtausgabe der Werke Franz Kafkas im Schockenverlag, Berlin, heraus. Demnäclist wird auch im Verlage der Barissia, Prag, eine Sammlung meiner Essays zum Thema „Judentum und R a ss e n t h eo r i e“ erscheinen.“ Teppichhaus Zentrum, CI2 Soandauerstr. 28 [grüner TspplciiiaiM Teppiche jeder Art. Läufer. Vorlagen. Steppdecken. Gardinen. Keine Aufmachung — niedrige Preise

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