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Jüdische allgemeine Zeitung · 1934-11-14 · 89 (14.11.1934) · page 5

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Journal
Jüdische allgemeine Zeitung
Volume
14 (1934)
Issue
89 (14.11.1934)
Date
1934-11-14
Page
– (sequence 5)
Language
German
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2. Beilage 14. November 1934 JÜDISCHE AUGEHHNE ZEITUNG Im Spiegel der Handfehriß Graphologe deutet Besiehungen zwifchen Eltern und Kind Von HANS JACOBY , Der bekannte graphologische Sachverständige Hand J ä c o Ii y schildert hier zwei interessante Fälle aus der Praxis, die ein bedeutsames Erziehuagrspröblem behandeln. Bei allen Erörterungen der Erziehungsfragen ist c i n Problem ■ meist unangerührt geblieben. Dieses kardinale Problem besteht darin, daß die beste Erziehung, die Eltern ihren Kindern angedeihen lassen, versagt und scheitert, wenn die Eltern nicht sich mit ihren eigenen Lebensproblemcn auseinandergesetzt haben und nicht zur Reife gekommen sind. Die moderne analytische Seelenkutitle läßt uns erkennen, in wie starkem Maße das Kind teil hat am unbewußten Seelcngeschchcn der Eltern. Bis zum Erwachen der Individualität besteht das kindliche Erleben ausschließlich in dem Miterleben des Unbewußten der Eltern. Und auch dann noch, wenn das Kind schon längst seine eigenen Probleme erfährt und um ihre Lösung ringt,-nimmt es unbewußt stark an dem elterlichen Schicksal teil. Die Aktualität dieses Themas leuchtet sofort ein bei dem Gedanken an die seelische und wirtschaftliche Krisensituation, in der sich viele jüdische Familien heute in Deutschland befinden. Zwei praktische Beispiele sollen als Illustration dienen, und zwar vo-rj handschriftlichen Ausdruck der Ehern und Kinder her. Beide Fälle sind aus der graphologischen Prasis herausgegriffen. Das gefährdete Kind >f\- \xx.is ^x "i^KM VW^Üj^iU- -^-^MJ0Ju_ tkJHxiu{ ImA OmK^ -vc\t^QW|^. ^"-y/-^^v ^tvtä^wtJ^ Die Schriftabbildung 1 stammt von einem in seiner frühen Kindheil verzärtelten und verwöhnten vierzehnjährigen Mädchen: Bevor wir einen Blick auf die Schrift werfen, ein kurzer allgemeiner graphologischer Hinweis: Wir schreiben von links nach rechts,, vom Ich zum Empfänger, zur Umwelt, bin. Wir beginnen mit unserem Ich, dos links, am Zeilenanfang, am Wortanf&og sich registriert und sich ' mit' Linkabetonungen in die Vergangenheit zurückwendet. Zwischen Beginn So schreiben das Kind und seine Eltern und Ende einer Seite, einer (Abb. U.3) Zeile, eines Wortes, steht unsere Gegenwart. Und wo das Wort oder die Zeile endet, beginnt die Umwelt, das Du, die .Gemeinschaft, die sachlichen Aufgaben, die Zukunft. Die Abbildung 1 läßt nun in besonderer Häufung Linksbetonungen zutage treten: Linksschräglage ab Ausdruck der Furcht vor der Zukunft, der gewaltsamen Pose der Unabhängigkeit von der Umwelt; Enge der Buchstaben als ■weiteres Merkmal der Lebensfurcht, Gehemmtheit und kramplhaft verteidigten Selbstbestimmung; unregelmäßig zurückweichender Hechtsrand als Symptom angstvollen Zurückweichen» vor der Welt und der Zukunft- Tritt in diesen Zügen ein hoher Grad angstvollen Selbständigkeitsstrcbcns hervor, so zeigt die für ein Kind ungewöhnlich gewandte und verschliffene Buihstabenformttng .eine für eine Vierzehnjährige erschreckende einseitige, rein intellektuelle Frühreife. Dieses Kind weiß zu früh vom Leben, und es zerbricht nahezu an seinem Wissen, weil es seelisch ohne ruhige Sicherheit, ohne Reife geblieben ist. Die aufgeblähte Größe der Anfangsbuchstaben und die nicht durchgehauene Größe der Kurzbuchstaben drücken nur ein unechtgcstcigcrtcs, zur Schau getragenes Bcdcutungsuedürfnis aus, kein gesundes Vertrauen zu sich und der Welt. Das I in „Ich" fällt charakteristisch gedrückt und klein ih sich zusammen. Die starre, gestützte Form der Girlande (Basisrundung der m, n, u) weist nur auf den Krampf einer unahhängigkeitshestrebten Haltung nach außen und wird Lügen gestraft von der labil bis zum Faden gellenden Auflockerung der Schrift, von der direktionslosen Unregelmäßigkeit, der müden Geknicktheit der unsicheren Strichführung; hinter aller Haltung wird in diesen Merkmalen die seelische Hilflosigkeit und Gebrochenheit des Lebenagcfühls, die Becinflußbarkeit und Direktionslosigkeit, das seelisch verschwommene, instinktirritierte Herumtappen im Leben sichtbar. Wie erklärt sich dieser unnaive und das Seelenleben des Kindes gefährdende Zwiespalt? Er ist nur zu verstehen aus der Situation der Eltern'gegenüber dem Leben. Wesentlich nicht an den eigenen Problemen, sondern an denen der Eltem krankt dieses Kind. Werfen wir einen Blick auf die Schrift der Eltern. Abb. 2 ist die des Vaters. Die Gestörtheit der Strichführung, das Fadigwerdcn der einst girlandigeh Bindung u. a. zeigen die eingetretene Widcrstandsschwächc und Lebensangst des sensiblen Mannes, dessen Seele nicht Halt und Sicherheit in sich birgt, um der notwendig gewordenen wirtschaftlichen Umstellung seelisch ausreichend gewachsen zu sein. Abb. 3, die Schrift der Mutter, drückt in der Verstricktheit, in den stereotyp kreisenden Ver- 'schnörkclungcn u. a. eine Seelenhaltung aus, die sich nur scheinbar den Anforderungen des realen Lebens anpaßt, in Wirklichkeit' aber Zuflucht und Ausflucht in wortreichem Kreise um die eigene Person und in gefühlsschwelgerischem und tatsachcnblindem Illusionismus sucht. Nun erstwird uns die Seelen Verfassung des Kindes begreiflich. Das Kind spürt utibewußt da.. Versagen der Eltern und bekommt Angst vor drm Lehen. Ks hilft nicht nur nichts, sondern schadet ihm. daß es von den Eltern verwöhnt worden ist. Die Hilflosigkeit der Eltern dem Lehen gegenüber stört das Unbewußte; des Kindes aus seiner Muhe-auf. Durch die I.ebcnsohimiacht der Eltern hat es nicht jene ruhisc Ge. borgenheit im Schoß der Familie erlebt, die zur Lcbcnssichcrhcil imllul, und aus der die seelische Ausrcifimg zur Bewältigung der Lebensaufgaben hätte wachsen können. Durch die Schwäche der Eltern wird das Kind zu gesteigerter Selbständigkeit imbcHtiüt getrieben. Durch dir Schwäche der Eltern fehlt ihm der Hoden für die ruhige Entwicklung zur Selbständigkeit. Soll der Graphologe in einer solchen unglückseligen Beziehung zwischen- Eltern und Kind den Ausweg weisen, so wird er den Hat geben: Herausnahme des Kindes aus dem elterlichen Milieu, das Htm keine llchütethcit und Geborgenheit zu gehen vermag, und behutsame psychotherapeutische Behandlung de» Kindes, welche vor allem die Aufgabe hat, das Kind von der nicht tragbaren Rclastung durch die elterliche Lcbensiliisieherlreit abzulösen und in vcrsclbständiglcr und gefestigterer l.ebcnseinstellung an die Lösung der eigenen Probleme licran/iiftihrrn. Das geficlierte Kind Ein völlig anderes Bild als-Abbildung 1 bietet Abbildung 4, die Schrift eines gleichfalls vierzehnjährigen Mädchens. Die weichen, vollen, ruhig-gleichmäßig geführten, runden Können sind noch wirklich kindlich und zeigen seelische Harmonie. Ruhe und Ungestörtheit der langsam-stetigen Entwicklung. Ist bei der Bewahrung dieses Kindes vor jeder Art Lebensirriticrtheit die wirtschaftliche Gesichertheit der Eltern das bestimmende Moment? — Nein. Der Vater, ehemals Bankprokurist, verlor seine Stellung, zog mit der Familie nach der Schweiz, zog mit der Familie nach ' Holland, lebt, wirtschaftlich gesehen, ohne Sicherheit des nächsten Tages. Was erlebt also dieses Kind anders als dos Kind der Abbildung 1 an dem Schicksal der Eltem? Ute Schriften der Eltern lassen es erkennen: Abbildung 5, die Schrift-de« Vater, und Abbildung G, <XcV&r~Ä>^~~ fc, die Schritt der Mutier, . y (} sind kennzeichnend für T5(3lvÄ£«^'3reja?*v zwei Menschen, die uberj O G 0\ ■1 . 'alle Schwierigkeiten im A^H^^^^r*>—■ } äußeren Lehen hinweg sich l] die innere Lebcossieher- _ - - . ■' heit bewahrt haben, sich »yMi^^A., ■ . unverändert gleich geblieben .sind: der Mann -, - ^- glciehmüßig strebsam und -O^C^C <&CCe* ~cf-^-<^ .pflichttreu wie je, die Schrift einer VlerzehnjlttriKen. .. , ,. Ihres Vater« und Ihrer Mutter (All», •f.ä.li) Frau gelassen, .ruhig, gleichmütig wie je. Sie tragen, wohin sie das Schicksal auch rührt, jene unbewußte Gleichmäßigkeit des Erlebens und des Verhaltens in sich, unter deren Schutz ein Kind den äußeiet: Lcbcnsvcrändcrutigen zum Trotz gedeihen und sich organisch entfalten kann. Das Kind hat bei aller unschuldigen Naivität doch schon in sich jenes ruhige Geborgenheitsgefühl und natürliche Selbstvertrauen erlebt, da» es unbewußt in der elterlichen Atmosphäre erfahren hat. Daß die Graphologie imstande ist, diese Elteru-Kind-Ile- . zichunger. bis in ihre feinen Verästelungen hinein zu verfolgen und zu -registrieren, scheint uns eine Illustration mehr für die Fülle det Aufschlußmöglichkciten, die die Handschrift in der Hand des rarsiehtit: abwägenden Graphologen zu biete» vermag. Von der Romantik bis zur Moderne Dem Licdschallcn junger jüdischer Komponisten holte die Künstlerhilfe verdienstvoll einen I>etr5chtlichen Teil ihre» Abend» gewidmet. Es ergab sirh stilistisch ein recht mannigfaltiges Bild: von der mittleren Romantik bis zur kühnsten Moderne waren alle Richtungen vertreten. Eine last durchgehende Gcrundethcit im formalen Bau sichert all diesen Stücken eine gute Wirkung-, am stärksten in der Konzeption sowie in der Intensität der Stimmung erschienen mir die beiden Lieder von Berthold Goldschmidt, namentlich die zarte, duftige Zeichnung des Morgcnstcmschcn „Nebelweber'-, doch verdienen auch die Namen der anderen Komponisten anerkennend genannt und vor allem unseren Sängern und Sängerinnen nachdrücklich empfohlen zu werden: G. Goldschlag, .1. Roth stein, E. Moritz — dessen Scherzo neulich im Kulturbund uraufgeführt wurde —, M. Kowalsky, E. Jacob söhn, A. Wolff und W. Hirschherg. — J. Schönberg hat wieder einige herrliche palästinensische Originallieder übertragen und mit seiner Bearbeitung Wege für eine neue jüdische Kunstmusik gezeigt. Paula I. i n d 1« e r » setzte für all diese Sachen ihre verinnerlichtc Kunst ein; auch stimmlich war ihr Gesang selbst in den äußersten Lagen eine reine Freude. Meisterhaft die Zusammenstellung der Schubcrllicdcr des ersten Teils; im Grillparzerschen ..Ständchen" sab es ein entzückendes Musizieren mit Mitgliedern der Neuen" Madrigalvereinigung (Leiter: Dr. Misch), die ihre Aufgabe ausgezeichnet lösten. — Georg -Bertram eröffnete den Abend mit der Appassionatn; seiner klaren, klanglich schönen Darstellung fehlt freilich das Elementare. Um so herrlicher war dann der Chopin; hier entfaltete Bertram die ganze reiche Farbenpracht seiner Anschlagskunst, ohne je die großen Linien aus den Augen zu verlieren. In ihm wie in B. poldschmidt hatte Paula Lindberg denn auch, wahrhaft adäquate Begleiter. Alles in allem: wiederum ein vorbildlich gelunscncr Alw'nd, wie man ihn erwarten durfte. F. * « Der Jude - In einer iir.il.Vti »c-ildcutsclicu Zeiicird verbrannt tun« vom ."!. Novrmber findet sich ein HiM. .las int Stil der Historienmalerei des vergangenen Jahrhunderts einen Scheiterhaufen mit verbrennenden Menschen darstellt, umsehen von ('.eist-., lichkeit und Volksmenge: - ' ' Oberum! Unterschrift zu diesem Hilde lauten lolgcudcrmalÄen; ...luden neiden iVihiaum. S.. lallt« „,ali die Judeu Uli Mit.rtnlier an. lliitcr ,1er Zustuiiiiiuii..- di.-sei crluf icrlcli t:,.lk~ilu-iu« ««ur.t.-ii , ,1«. M-Miiiea-t.-ii .li.-cr «niclu-ruilcu t'rcliulliiutc >.-i l.raiiut. Wieviel Immuner „i dwt.-ii ,1,-t i,;,l i..iial„.riali,i i«cn« Sunt, der diesen Vidkaiciudcu. «etin .i« «ich auch nur ein wctiia. auslandn.- IkiicIiiiicii. nicht mir rlatlasirecht kkwüIiiI. Mindern ihnen «war die Hei«. Ausulmm; de» llcruf» ucMaltuf. tl.....r llihl - /.•Mt eine .ludeiirerhrcuniini,- in Hcrlm auf .tcni Nciii-n Markt." Der letzte Satz dieser Bemerkung tlenlel darauf hin. dul> sieh das Hild auf folgendes Geschehnis bezieht: Anfang 1510 brach ein Kesselflicker aus Hemmt in die Kirche tles bavclländiselien .Dorfes Knoblauch ein und stahl die vergoldete Monstranz .mit tler geweihten Hostie. In dem Gerichtsverfahren behauptete er, die Hostie auf Geheilt Brandeiihurgischcr Juden gerauht und »ie ihnen verkauft zu haben. Bischof uiiil Kurfürst von Brandenburg nahmen diese Anklage auf und vermehrten Hie durch die Anschuldigung des Kiude.smords. Nach Folterung zahlreicher verhafteter .Juden fand die Gerichtsverhandlung in Berlin statt; 38 märkische und Berliner .luden wurden zum Tode verurteilt und sogleich auf dem Neuen Markt am 19. .Juli 1510 verbrannt. Daß die märkischen Juden au dem Verbrechen des Kesselflickers und an den anderen ihnen vorgeworfenen Vergehen völlig - unschuldig waren, hat. später der grot&e Humanist und Reformator Mclanch-' thon, der „praeccptor Cermaniae", nachgewiesen. Diese Tatsachen .kann jeder ohne Mühe in den ein- ' schlägigen historischen Werken feststellen. Vergleicht man den historischen. Tatbestand mit dem eben zitierten Kommentar zu dem Bilde, so stellt sich, leicht dam Wort Leasing» ein: ,,. . . der lüde wird verbrannt." Hahaknk. Unbeliebt —- aber^erwünfcht B«benntni»»e eines PrsuiiubotogripAiiil Von ARNO K1KOLER Ausnahmsweise preife ich zur Feder, mit der icli-viel ■rii/ecfi*j tcr umzusehen vorstehe als mit meinen Schnappvernchlni«j.eii Mini meinem Eiittfiekler. Es sei . . Sic kennen mich nicht? Dabei stellt mein Nanm »ehr oft in den jüilisehcii Blättern, wissen Sie, so unter den. Bildern; einmal unter einer »holographierten Gcmciildeabcitdveraamtnlttng, dann unter einer Thcnterszeiic oder einer religiösen Zeremonie. Wenn Sie wüßten, wie teuer «licscr Nauiciisilriiek, der meine Aulowhafi au de» Bildern verrät, erarbeitet, errnnnt,. ersehwitzt ist, Wörden Sie mit ehrfurchtsvollem Staunen das Wort K . . . betrnrhteli. nlMlnlt darüber hinwcgzulesen. DulJ die llcporlcr. die in den Filmen immer mit Notizbuch und Drille karikier! «erden, die unbeliebtesten Zeitungsente, das notwendige. Obel, darstellten, das war einmal. Längst haben ihnen die Plintograplieu mil dem Presseausweis den Hang streitig gemacht. Es ist nämlich ein Unterschied, oh j( iiiauil mit einem völlig gcrünn-hlmrii Niilizlmrh nrbeilel und . die Leute lediglich suggestiv bittet, sirli möglichst BtwftHirlieh zu äußern oder «IiTer mit Blitzlicht, Kamera und ähnlichen Alurter- Werkzeugen antritt und die Objekte »ehr eniygiirh um Hube und '' Stillstehen ersucht. Ob ich — »ci es in der Itcpräneiitiutlcttyernaiiitiilung, bei einer Kulturbundpremicri: oder irgend einer Tagung — meinn Kamera hei mir trage oder nie zunäch»t in der Garderobe Verstecks halte, oli ich in. ilramllii'licr Aufmachung (mit Schulterriemen für die Kamcratasclie) oder in der Uniform der Zivilgewaltett, im Smoking, erscheine: für mich gibt c» kein .Mimikri (k(ln>tlichen Schnurrbart halie ich allcnlingi noch nicht probiert), »tetit wenie - ich all» Feind betrachtet, al» freundlicher Feind, der im fremden Revier .mit gcfährliiher Waffe jagt — »leine Linne trifft immer, und viele fühlen nieh' „getroffen". . Ich gebe zu: ich »lOrc. Ich störe mich nogur «Iber: wenn einer von unseren Herren Ilcprünentanten eine hegcintcnide Ansprache hält, so störe ich mich, .wenn ich gerade die packendste Stelle der Hede durch Phototcchnik entweihe. . Ich störe mich auch, wenn ich eine Sportszene photographiere, anstatt Beifall zu klatschen, kurz, ich-würdc midi auch lieber bilden, umüsieren, interessieren, als in „banausischer" Art. Photos zu machen. Alier ob ich nun etwas Andere» lieber mochte, ob. »ich der Hcnrüsentant IwlSstigt fühlt, ob die Schauspieler nach der Premiere lieber nach Haus gehen oder auch nicht nach Hau», al* daß sie mir Objekt stehen, ich komme nicht darüber hinweg, für mich sind die Itcprüscnlaiilcn erst dadurch Repräsentanten, "daß sie von mir geknipst werden, und ein Schauspieler, den ich nicht zu photographieren wünsche, ist einfach kein Schauspieler. Eiti Fest, auf dem ich erscheine, hat nicht stattgefunden. Jawohl, Sic haben recht: da» ist in gewissem Sinne Terror — aber nicht durch mich. Wenn man mich trotzdem lielieiiswürdigerweise arbeiten läßt, wo man mich doch in hohem Bogen vor die. Tür befördern könnte, ... wo es doch so scheußlich störend ist, so kommt dos daher, daß man heute vielfach der Ansicht iat: ein Ereignis, dos nicht im Bild wiedergegeben wird, ist zumindest__ zweitrangig, ein Redner, der nicht im Konterfei erscheint, hat sich gewissermaßen der weiteren Öffentlichkeit nicht vorgestellt. Es besteht also sozusagen ein Zwang zum ■ Photogruphie'rtwcrden, - dem sich nur ganz wenige, sehr Standhafte und entsetzlich Prominente zu entziehen vermögen («He haben da» Pllbtogruphisrtwerden satt und hinter sieb). Bei den meisten mache ich mich unbeliebt, wenn ich sie photographiere, aber wehe mir, wenn-ich es nicht lue. ~5 . Leider habe ich nie Gelegenheit zu beobachten, wie die Photographierten ihre Bilder in der Zeitung suchen. Sicher macht e»

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