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Jüdische allgemeine Zeitung · 1934-11-07 · 88 (7.11.1934) · page 2

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Journal
Jüdische allgemeine Zeitung
Volume
14 (1934)
Issue
88 (7.11.1934)
Date
1934-11-07
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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bereit .gestellt, welcheihren Lernenden die Grundlagen jüdischer Bildung unabhängig von ihrer innerjüdischen Richtung vermitteln. Darüber hinaus aber ist es Recht und Pflicht jeder bewußten jüdischen Weltanschauung, den Freunden das Weltbild aufzurollen, in dem sich für sie das Judentum ausprägt. In diesen.Tagen hat die Vereinigung für das religiös - Iibera le Judentum an alle ihre Gruppen die Aufforderung zur Weiterarbeit im Sinne religiösen Aufbaus in "Gedanken und Tat. hinausgeschickt Neben die Notwendigkeit, für Essen und Trinken zu sorgen, tritt heute mehr denn je die gebieterische Pflicht, unsern Brüdern und Schwestern die geistigen Grundlagen unseres Daseins in Deutschland unseres Hicr-Seins und -Bleibens immer wieder vor die Seele zu führen. Hieran mitzuarbeiten ist der religiöse Liberalismus in erster Linie mitberufen: denn ihm war und bleibt jede jüdische Arbeit gleichwertig, wo immer sie mit Ernst und Hingabe geleistet wird: am höchsten aber steht uns deutschen Juden die Pflicht, unsere cineinhalbjahrtauscndaltc Geschichte fortzuführen und unsere Kinder zu freien und willigen Trägern dieser Geschichte heranzuziehen. Noch ist das Urteil in Bern über die „Protokolle der Weisen von Ziem" nicht gesprochen. Schon jetzt aber hat die Beweisaufnahme, selbst wenn man nur die nichtjüdischen Zeugen in Rechnung stellt, mit vernichtender Deutlichkeit enthüllt, daß dieses Kernstück judenfeindlicher Propaganda nichts weiter ist ab eine politische Fälschung der alten - russischen Ochrana, hergeleitet aus einem Pamphlet französischen Ursprungs, das gegen Naopleon III. gerichtet war. Wir Juden sind gewohnt, uns und unser Judentum zu verteidigen. Wir können den Antisemitismus nicht aus der Welt schaffen. Mit dieser vergifteten Waffe aber werden hoffentlich ehrliche Judengegner nach den Erfahrungen von Bern sich und ihre Sache nicht mehr beflecken.- Lehrhaus eröffnet (Fortsetzung von Seite 1.) übertrage» wurde, das 'Wort zu einer Eröffnungsansprache. Mit Bemer Prozeßlvertagt Um die „Protokolle der Weisen Von Zion"Fälschung ans politischen Motiven den Toren dieses Lehrhauses, so führte er aus, wollen wir uns selbst aufschließen und eingehen an cino Statte, wo Lehren und Lernen uns eint. Das detitmehe Judentum werde in diesem Winter schwerer SchickuWeit einer grollen Schule-gleichen; durch Rückkehr zur L«hxe werde es frei werden in seiner Verbundenheit mit Deutschland, dem Lande der Geburt und der kulturellen Zugehörigkeit^der deutschen Juden, und ebenso frei in seiner Verbundenheit' mit Palästina, dem Lande seiner Jugend. Keine Judaistik solle im Lehrhaus getrieben, sondern ein Judentum gepflegt werden, das uns alle angeht.' Dos Lehrhaus sei Sache Aller, weil es nicht von außen -her Stoff vermittelt, sondern von innen her eine Gemeinschaft aufhauen will. In ihm sollen Menschen aller jüdischen Bichlungen zusammenarbeiten. „Wir wollen lernen", so schloß Dr. Eppstein, „wir wollen lernen, ganze Juden zu »ein!" Im Anschluß» an dieses schlichte Bekenntnis richtete Direktor Dr. Walter Alexander im Namen des Kuratoriums des Jüdischen Lehrhouses und des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde seinen Gruß vor allem au die Jugend, die jetzt mit _ dem Lernen beginnt. Das Lehrhaus gleiche einem schlichten Bau. der auf einer Anhöhe errichtet bei. von der man Ausblick habe auf die weiten Felder jüdischen Wissens und Könnens. Aber nicht nur seine Fenster öffnen sich nach allen Seiten. Durch seine Türen finden auch alle Richtungen Eingang. Dr. Alexander stellte mit Bedauern fest, daß eine Richtung draußen stehe, die glaubte, eine eigene '. Lehrstätte für ihre Büdungszicle errichten zu müssen. Das Haus solle alle Richtungen unter seinem Dach vereinen, ohne Gegensätze zu vertuschen oder zu verkleistern. Beim Herausarbeiten des Trennenden müsse zutage treten, was uns-vereint. Nicht nur jüdisches Wissen solle vermittelt werden, sondern auch Wistjcn aus der Umwelt. . / Der folgende Redner, Dr. Friü Ba in berger, gab einen Überblick über die Mannigfaltigkeit des Arbeitsplan»; Das Lchrhaus wolle nicht Erkenntnisse und Meinungen fertig hinstellen. In den Arbeitsgemeinschaften müsse vielmehr der Stoff immer neu verarbeitet werden. Dr. Bamberger beendete die Cbcrricht über die Arbeitsgebiete des Lehrhauses mit einem Zitat: - .tSo lange die Stimme der Lernenden aus dem Lchrhansc ertönt, so lange wird Israel nicht untergehen." ' Dr. Baeck: Gefchichte und Gegenwart Von lebhaftem Beifall begrüßt^ begann sodann Itabbiiirr Dr.- Leo Bacirk mit seinem Vortrag über ,.Gcschichtc und Gegenwart'*, der den für die Donnerstage vorgesehenen Zyklus „Tradition und Leben** einleitete. Der Mensch, so begann Dr. Baeck, ist das einzige Wesen, das das Bewußtsein der Gescfficlitt hat. Eine Erbschaft wirkt auch im Tiere. Aber der Mensch allein besitzt Geschichte. 'Tradition. Manchmal wird dem Menschen die Traditioir genommen, zum Beispiel den Negern. Vielleicht das schlimmste Verbrechen, das die weiße Rasse an den Negern beging, ^ei ihre Losreißung aus ihrer Heimut und damit die plötzliche Abtrennung von ihrer Tradition gewesen. Ein ähnliches Verbrechen an sich selbst hätten beinahe die Juden des 19. Jahrhunderts verübt, indem sie sich.'dic Tradition genommen haben. In tiefschürfenden und wundervoll klar formulierten Ausführungen untersuchte Dr. Baeck sodann die Traditionselcmentc, die, still und redend, in unsere Zeit hineinragen und den Menschen des heutigen europäisch-amerikttüschen Kulturkrciscs formen. Der Dnzuverläs&iglceit der Ergebnisse auf Ausgrabungen basierender BERN. Der mit größter Spannung erwartete Prozeß um die „Protokolle der Weisen von Ziou", den die Israelitische Kultusgemeinde Bern und der Schweizerische Israelitische Gemeindebund gegen Leitung und Mitglieder verschiedener antisemitischer Körperschaften wegen Verbreitung von antisemitischen Schriften, unter denen sich 'auch die ..Protokolle" befinden, angestrengt hatte, Ui nach dreitägiger Vcrliaudlungsdauer vertagt worden. Den Beklagten wurde aufgegeben, dem Gericht baldigst mitzuteilen, ob der von ihnen vorgeschlagene dritte Experte einen Auftrag für ein Gutachten annehme oder nicht. Nach Ernennung des Experten soll dieser innerhalb einer FrUt von einem Monat sein Gutachten abgehen. Die „Geheimnisse der Weisen von Zion'" haben seit der Zeit nach der russischen Revolution von 1917, immer wieder neuen amisemitischen Zündbtoff in die Welt geworfen. Obwohl die „Times" bereits im Jahre 1921 diese Protokolle als eine Fälschung, als ein Plagiat entlarvt hau das auf ein im Jahre 1865 in' Brüssel veröffentlichtes Büch zurückgeht, ist immer wieder die Echtheit der Protokolle betont worden. Wenn auch die Verhandlungen vor dem Gericht in Bern jetzt nicht zu Ende geführt werden konnten, so wurden do«-h auf Grund der wichtigsten Zeugenaussagen \on neuen, die Kntslehung der gefälschten Protokolle enthüllt. Keine Scheinützungen Der als erster Zeuge vernommene langjährige Führer der zionistischen WcUocganisa^on, Professor Dr. Chaim W e i z - ja a n n. erklärte, er könne aus dem Studium der Protokolle des ersten Zionistcnkongrcsscs in Basel auf das sicherste erklären, daß damals keinerlei Geheimsitzungen stattgefunden hätten, in denen die angeblichen Pläne zur Errichtung einer jüdischen Weltherr-, schaft die er für eine Ungeheuerlichkeit erklärte, besprochen worden seien. Es heiße die in der jüdischen Itcligion ruhenden sittlichen Gebote und Anforderungen völlig auf den Kopf stellen, wenn man glaube, daß das Judentum und seine Religion fällig seien, derartige unmoralische und niederträchtige Pläne durchzuführen, wie sie in den antisemitischen „Protokollen" den Juden zugeschrieben werden. Der nächste Zeuge, Graf du Chayua, der mit Sergius N i 1 u s , dem angeblichen Verfasser der russischen Ausgabe der Protokolle früher längere Zeit zusammen gelebt hat, teilte deni Gericht mit, daß die Protokolle nichts weiter sind als die teilweise verfälschte Obersetzung eines von dem französischen Arzt und. Politiker Joly seinerzeit herausgegebenen satirischen Pamphlets gegen Napoleon III. Von einem anderen Zeugen wurde ein gewisser Uaschtovslcy . ein Pariser Agent der Ochrana, als Hersteller der „Protokolle" bezeichnet. „Eine bösartige Fälfchimg" Zahlreiche Zeugen traten in dem Prozeß auf, darunter genaue Kenner der russisch-revolutionären Bewegung, der frühere russische Außenminister Miljukow , der greise Oberrabbiner Ehrenpreis aus Stockhohn, der jetzt in Paris lebende berühmte ruü&i&che Jurist Henri Sliosberg —: alle waren eich darin einig und belegten ihre Auffassung auf das eingehendste, daß es sich bei dem Protokoll um eine böswillige Fälschung handle, die selbst in russischen' Regie rungskreisen als solche erkannt worden sei. Einer der Teilnehmer des ersten Zionistenkongrctiscs in Basel 1897, Dr.J Mayer Ebner, bezeichnete den Inhalt des'Werkes als Wahnsinn. Es habe bei dem Kongreß weder eine Geheimsitzung stattgefunden, noch sei Über den Unsinn der jüdischen Weltherrschaft auch nur ein Wort gesprochen worden. Gewiß, so führte der Stockholmer Oberrabbiner Ehrenpreis aus, kenne das Judentum Protokolle. Diese Protokolle aber seien überschrieben „Unsere Heiligen Schritten*'. Der bekannte Schweizer Schokoladenfabrikant Tob ler, Nichtjude und führender Freimaurer, betonte, es sei eine schwere Verleumdung zu verkünden, Freimaurer und Juden wünschten eine Weltherrschaft. Auch einer der Stenographen beim ersten Zionistcnkpngreß, der nichtjüdische Jypograph Sieber aus Basel, erklärte, ebenso wie andere christliche Teilnehmer am ersten Ziomstenkongreß. die Sitzungen seien Öffentlich gewesen und über irgendwelche Weltmachtplänc der Juden sei nicht gesprochen worden. Führer jemals das Bestreben hatten, irgend eine revolutionäre oder sonstige politische Tätigkeit in den Ländern der jüdischen Diaspora zu entwickeln. Aus den Protokollen des . Zionistischen" Kongresses wie aus den Aussagen von noch heute lebenden Personen, die daran teilnahmen, ergibt sich, daß alle Verhandlungen im breitesten Licht der Öffentlichkeit geführt worden sind. Die Vorlage des Plagiats Das 1864 erschienene Buch des .Nichtjuden Maurice Joly ..Diulogues uux Eilfers ehtre Machjavel et Montesquieu" bildet das wichtigste Beweisstück zur Beurteilung der Hauptfrage nach der Fälschung der „Protokolle". Die „Protokolle", die aus dem •fahre 1897 stammen sollen, weisen für jeden unvoreingenommenen Leser eine unbestreitbare Ähnlichkeit und Verwandtschaft mit dem Buche Jolys auf. Alle wesentlichen Gedanken der Protokolle" sind, und zwar in genau derselben Reihenfolge, dem Buche Jolys. entnommen, dann aber je nach Bedarf erweitert. Die Ifauptfälschung bei-lebt darin, duß überall da, wo Joly in seinen ..Totengesprächen" Napoleon III., seine Regierung und seine Politik meint, ohne sie zu nennen, in den sogenannten ^Protokollen1' die Judenschaft der ganzen Welt an Stelle der von Joly gemeinten Personen und Verhältnisse unterschoben wird. * Seit dem Zusammenbruch des zaristischen Rußland besteht der Zweck der ..Protokolle" darin, die Öffentlichkeit aller Länder zu überzeugen, die gesamte Judcnhcit unterstehe einer geheimen, nichts weniger ■ als die Weltherrschaft mit allen, auch de« verwerflichsten Mitteln anstrebenden Oberleitung. Diese Anklagen sind so ungeheuerlich, daß man voraussetzen dürfte, diejenigen, die sie erheben, seien davon restlos überzeugt, und auch namentlich in der Lage, die Beweise der Echtheit der „Protokolle" zu erbringen. Dieser Mühe unterziehen sich die Herausgeber nicht. Als erwiesen ist zu betrachten, daß die „Protokolle11 in ihrer annähernd endgültigen, französischen Fassung unter der Anleitung Ratschkowskys. Leiter der russisch politischen Geheimpolizei im Ausland, im Jahre 1905 , in Paris angefertigt und später noch ergänzt, wurden. Die Fälschung sollte dem Zaren beweisen, daß die Juden es seien, die sich gegen die damalige russische Staatsverfassung verschworen . und die jüdische Weltherrschaft angestrebt hätten. Der Text der ..Protokolle" wurde dann später noch von S. A. Nilus erweiternd gefälscht. Beweife für die Fälfchung Die Frage, ob Beweise vorliegen, daß die „Protokolle" gefälscht worden sind, muß bedingungslos bejaht werden. Der Sachverständige stellt in Übereinstimmung mit einer im Jahre 1921 von der. „Times" durchgeführten Untersuchung fest, daß die .»Protokolle" juden feindlichen und anderen politischen Zwecken dienten. Sie boten den Anlaß *zu Judenpogromen und schürten im Volke, auch außerhalb Rußlands, den Haß gegen das Judentum. Die Vertagung Zu Beginn der dritten Vornihtags-Sitzung gab der Anwalt des Schweizerischen Israelitischen ' Gcmcindcbundcs, Professor Dr. Matti, die Erklärung ab. e.r wünsche festzustellen, daß der Gegenpartei in der ersten Verhandlung vom IG. November 1933 Gelegenheit gegeben worden ist, durch den Richter einen Experten vorzuschlagen. -4?cr von der Beklagtschaft genannte Experte' Alt-Pastor Münchmeyer in Oldenburg konnte aber durch die . Podt nicht aufgefunden werden, und der zweite Experte, Professor Hausheer in Zürich, lehnte eine diesbezügliche Einladung des Gc rieh Up rät-idc »ten ab. Dp die Klägerschaft jedoch volles Licht nicht zu scheuen hat. so erklärt sie sich, trotzdem das Vcrschlcppungsmanöver offensichtlich ist, mit einer Vertagung der Verhandlungen einverstanden, damit der Bcklagtschaft noch einmal Gelegenheit geboten werden soll, ihren Experten" zu bezeichnen. Die Dcnkfchrifl des Obergutachters Die Grundlage der vom Vorsitzenden für Mittwoch, den 31. Oktober, ungesetzten Sachverständige h y e r n c hr - m u 11 g bildet vor allem die 200 FoHoscUcii umfassende Denk-. schrift des vom Gericht neben den Sachverständigen der Prozeßparteien bestellten Obergutachters C. A. L o o s 1 i. Der Inhalt des Gutachtens läßt sich folge «dermaßen zusammenfassen: Der Sachvcständige verneint kategorisch, daß die zionistischen Die- Verbreitung dieser Schrift; hat also überaß^ wo sie sich auswirkte, furchtbare Folgen gehabt. Nicht eineeinzige Behauptung der Befürworter der Echtheit der „Protokolle" hält ~ einer unbefangenen, ernsthaften Prüfung stand. In einem besonderen Abschnitt des Gutachtens behandelt der Sachverständige die Freimaurer-Frage, insbesondere die Frage über die Zusammenarbeit der ■ Freimaurer-Logen mit der behaupteten sogenannten „geheimen jüdischen Regierung". Dabei kommt das Gutachten zum Schluß, daß für ein solches Zusammenwirken nicht die geringsten Anzeichen vorhanden sind. Das Gutachten von Profeflor Baiimgarten Das von Prof. Baumgarten abgegebene Gutachten gelangt ebenso wie das C. A. Looghs zu dem Schluß, daß die ..Protokolle" eine unzweifelhafte Fälschung darstellen und von vornherein 'als solche konzipiert wurden. „Die angeblichen Enthüllungen, die uns in diesem Elaborat gemacht werden; sind ein March cn*% so schreibt Prof-'Baumgarten, „das läßt sich mit dem Grade von Bestimmtheit sagen, über den eine gerichtliche' Feststellung 'kaum je hinausgehen kann und .auch nicht hinauszugehen braucht. Die vom Gericht gestellten einzelnen Fragen werden in dem Gutachten dahin beantwortet, daß die „Protokolle40 eine Fälschung und ein Plagiat seien. Nach Zitierung einer Stelle aus _dcr Einleitung einer der. , Ausgaben, in der es u. a. heißt: 1 ..Das Judentum darf nicht länger unter uns geduldet werden. Es ist eine Ehrenpflicht der gesitteten' Nationen, dieses räudigt Geschlecht auszuscheiden, du es schon durch seine Anwesenheit alles verpestet", erklärt der Gutachter, der Herausgeber habe das. Gegenteil dessen getan, wozu jemand verpflichtet wäre, der mit der. .Möglichkeit der Echtheit der „Protokolle" rechnet, nämlich sie als bedeutungsvolles .historisches. Dokument in objektiv kritischem Geist und mit Verantwortungsgefühl zu behandeln. Der Herausgeber habe „die besonderen Anstandsregehi verletzt, die auch für geschichtliche Schriftstücke bestehen, er hat zudem in der Art und Weise, wie er auf Grund der .Protokolle" die gesumte Judcnhcit verurteilt, die allgemeinen Aiistandsrcgeht und das Gebot der Menschlichkeit. außer Acht gelassen." Daher sei die Aufgabe als Beitrag zur Schundliteratur zu bezeichnen. vorgeschichtlicher Forschung für die Erkenntnis des L:r.-prungs kultnrschöpfcrischer Kräfte stellteer entgegen, daß Ku^nr und Kunst auf Ägypten und Mesopotamien zurückgehen, deren Kultur-' inhalte durch"Griechenland ihre Prägung erfahren haben. So sind das Erbe Sems aus Mesopotamien, Harns aus Ägypten gestaltet durch Japhet, dem Mcuscbxu aus Griechenland, jener Kulturgrund, auf dem jeder heute Lebender, möge er es wollen oder nicht, fußt. Jeder Mensch heute sei in diesem Sinne ein Kind Ndbs. Im weiteren Verlauf seiner Vorlesung schilderte Dr. Baeck das Judentum als den grandiosen Versuch, Tradition und Revolution; Leben und Geschichte, miteinander auszusöhnen und zu verknüpfen. Diese geistige Funktion des Judentums erläuterte er an der Verschiedenarügkeit jüdischer und griechischer Geschichtsauffassung. "Während in der griechischen Sage Krpnos die eigenen Kinder verschlingt, Miuiit jede.kaum erst geborene Gegenwart in die Vergangenheit als etwas Abgeschlossenes und Abgestorbenes versenkt, steht im Anfang. der jüdischen Geschiehtsübcrlicfcrung die in die Zukunft weisende Verheißung Abrahams. So wie Abraham Immer im Zusammenhang mit Isaac und Jakob genannt wird und alle Verheißungen seinem „Samen" gelten, — es ist der Samen der wäclist und weiter wächst, so meine -die jüdische GeschiehtsVerbundenheit nicht Vergangenheit und Abgeschlossenes, sondern Hoffnung und Zukunft. Mit der Idee des¬ Judentums sei die Idee der Zukunftshoffnung verknüpft, auf die die Welt nicht verzichten könne. Die Ausführungen Dr. Baccks hinterließen einen tiefen Ein-' druck und boten eine vielversprechende Verheißung für die beginnende Arbeit des Jüdischen Lehrhauses. Teppichhaus Zentrum, C g Spandauerstr. 28 [grüner Teppichladenl Teppiche jeder Art. Läufer. Vorlagen. Steppdecken. Gardinen. 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