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Jüdische allgemeine Zeitung · 1934-11-07 · 88 (7.11.1934) · page 1

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Journal
Jüdische allgemeine Zeitung
Volume
14 (1934)
Issue
88 (7.11.1934)
Date
1934-11-07
Page
– (sequence 1)
Language
German
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BERLIN 7. November 1934 &liÖtl_x j J Berlin. I PREIS 25 PF. Nr. aa / 14. Jahrqan« JÜDISCHE AUGEMEINE Schiiltlciloas und Ge<e)iätl*aic))e: Jleriiri IV l:. Hibud-tr. l.>. rVrnruf: J 2 Oliva 6068. Bankkonto: Kreditverpirj für Hmi<fel uui] Ot-nerU' rtimhlj- Berlin SM..— Bezugspreis: HM. I.— monatlich (ziuüui. KM. -O.Iii Zeitungsgcbübr und liestelljrelü). I*>i .Stroiflianilv.T>aml xuziul. UM. II.3". V«rlaK: Verla^nc^'Hai-lian m l>i.iii~,'li[.iuil;tii^.^*i*:iT .hulrn rtinilill. uu iirüruhrosj. Berlin W 15. I''lil:tnil<.lr. Km. Ali/curiipieiM': H.e l'.'u>-^|Ktlt. ramüeile HM. 0.15. f. Paiuilu-uuiueiio-u ICM. O.r.'. f. 8tr1|ruip»ii>-lii> HM. 0.' H. 1W» mi^vr-cluiideter NieliU>i'Ui>ieriiiik' WMriit Uwu .lu.|>n»-U ant Yrrkiiiiuitu. NE UE FOLGE DER JÜDISCH - LIBERAL EN -ZEITUNG Warum , Jncli frlic Allgemeine4? Mit dieser Nummer erscheint die ...lüdisch-libe- . rale Zeitung1; in veränderter Form. Nicht als ein neues Blatt; nur der Titel der Zeitung ist ein anderer. Der Geist, die Gesinnung, die Haltung bleiben die alten. Der Weg ist abgesteckt. Die Richtung zeigt der Untertitel dieses Blattes. Das unverrückbare Ziel: Belebung und Vertiefung des jüdisch-liberalen .Judentums. Warum also „Jüdische Allgemeine"'V . Weil diesem Blatt nichts Jüdisches fremd sein soll. Weil es eindringen. will in alle Bezirke des jüdischen Geistes. . Weil es umschließen will den ganzen enger gezogenen Kreis des jüdischen Lebens. Weil es erhalten will unsere innere Verbundenheit mit der deutschen Heimat. Weil es erfassen will das Wirken und Schaffen jüdischer Menschen auf deutscher Erde. Des Akademikers und des Handwerkers, des Künstlers und des Torschers, des Kaufmannes und des Angestellten, der jüdischen Frau und vor allem der jüdischen Jugend. Weil es einbeziehen will das Schicksal von Juden und Judentum auch außerhalb der deutschen Erde., „Jüdische Allgemeine" bedeutet nicht etwa: ein Verwischen und Vertuschen unserer jüdischen Weltanschauung, nicht: Hinwendung zu einem Indifferentismus gegenüber einer jüdischen Krage, nicht Vcrflachung unserer Ideale, sondern Verbreiterung. Ausgeschlossen -aus ihren früheren Dnseinsgehkteh. haben zahlreiche Menschen jüdischen Stammes erst allmählich zur jüdischen Gemeinschaft zurückgefunden, ohne sich noch im geistigen und seelischen Kaum des Judentums zurechtfinden zu können. Tastende, die noch keinen festen Standort gewonnen haben. Nur eines wissen sie: daß sie als Juden ihr Leben in Deutschland aufrechterhalten wollen. Ihnen gilt es, ein jüdisches Weltbild bestimmter Prägung zu . entrollen. Die „Jüdische Allgemeine" will auch ihnen . Helfer und Halt sein, will ihnen zeigen, daß die Aufrcchterhaltung jüdischen Lebens auf deutscher Erde auch unter den veränderten Daseinsbedingungen ebenso ihre Pflicht als Deutscher wie als Jude ist. Unseren alten und neuen Freunden wird es willkommen sein, wenn die- „Jüdische Allgemeine" nicht nur zu rein innerjttdischen Fragen Stellung nimmt, sondern darüber hinaus auch allgemeine Probleme in den Kreis der Betrachtung zieht, die -von außen her unsere Lehensform bestimmen.; So will die „Jüdische Allgemeine", die bishei unter dem Titel „Jüdisch-liberale Zeitung" erschienen ist, einen einheitlichen Willen zum religiösen Aufbau des deutschen Judentums erkennen lassen; aber sie will der Vielfältigkeit der Temperamente keine Fessel anlegen. So diene das alte- Blatt in seiner neuen Form der Unterrichtung und Vertiefung. Aber auch der Entspannung und Erholung, alles im Sinne gesammelter, doch entschlossener Lebensbejahung. Umfchau Lehrhaus eröffnet Anfpracfaen der Leiter — Dr. Leo Baeek halt die Eröffnungsvorlerung . K » * V. Mit einer eindrucksvollen Eröffnungsfeier begann am vergangenen Donnerstag das J fl d i - s eh e L eh rh n u a, das die Arbeiten der Freien Jüdischen Volkshochschule in . erweitertem Umfang und in vertiefter Form fortsetzen soll, seine verheißungsvolle Tätigkeit. Der große Saal des Logenhauses in der Kleiststraße reichte nicht aus, um die- Zahl der Er- , schienenen zu fassen, so daß als Filiale dieses auditoHura maxitnum noch der Gartensaal herangezogen werden mußte, in den die Ansprachen durch Lautsprecher übertragen wurden. Unter den Anwesenden bemerkte man außer dem Präsidenten der Reichsvertretung Dr. Leo Bocck, der denEröffnungsvoitrag hielt, u.a. Mimslciialrat a. D.- Dr. Otto Hirsch, Justizrat Dr. Julius Brodnitz, vom Vorstand der Jüdischen Gemeinde die Herren Rosenthal, Graetz und K a r e s k i, den Präsidenten des Preußischen Landesverbandes, Karamcrgerichisrat fl. D. Leo . -Wölfl, Dr. Mark Wischnitzer vom Hilfsvcrcin der deutschen Juden. Auch das Dozenten-Kollegium, dem eine Reihe fühlender Persönlichkeiten angehören, war neben zahlreichen. Rabbinern' vollzählig erschienen. Die Klänge Beethovens und ErnestBlochs,durch das Kroyt- Quartett übermittelt, waren -gleichsam Ausdruck der betonten Eigenart der Lehrmethoden de* Jüdischen Lehrhauses, nichtnur Jüdisches zu vermiUeln, sondern auch den Anschluß an die Kultur der Umwelt zu sichern. I )M ,. 1 \(/ ■;•! w % -. -*!*/ " | -•r"';;V-,A r*;\ '>■' X2? # "■- ' V . ^% s-. Dr. Baetk spricht phot. Sonnenfeld Als erster Redner ergriff Dr. Paul Eppstein, dem gemeinsam mit'Dr. Fritz Bamberger die Leitung de» Lehrhauses '.Fortsetzung auf Seite 2.) Von HEINRICH STERN Die Zeit der richtunggebenden Versammlungen ist vorbei. Die ruhige Winterarbeit in den Kommissionen und Ortsgruppen hat begönnet!. Itezüglich der verfassunggebenden Kommission der Ii e i r h s v e r t r r-- tung geht das große Rätselraten in den jüdischen Blättern weiter: wir meinen, man erweist den mit Umsicht ausgewählten Mitgliedern der Kommission wenig Ehre, wenn man sie schon vorher auf.ein bestimmtes Programm festlegt. Die Form ist nichts, die Sache ist alles. An der loyalen ernsthaften Zusammenarbeit von, Ueichsvertretung, .Organisationen und Gemeinden hat das ganze, deutsche Judentum ein Interesse. Das Wie soll man der Kommission überlassen und weder voreilig. Lorbeer , noch Steine bereit halten. In einer ausgezeichneten Hede hat sich der Vize* Präsident des C. V., Dr, Bruno Weil, zu dem selbstverständlichen Grundsatz bekannt, daß die Tatsachen - und die Ergebnisse der Emanzipation für die deutschen Juden zu bewahren, zu. verteidigen und, wenn nötig, neu zu erkämpfen seien. Ks ist erfreulich, daß sich auch die „Jüdische Rundachnu" zu die»er Forderung bekennt, aber unverrrtandlich, dWu> tue; behauptet, mit diesem Anerkenntnis in die Linie, der bisherigen zionistischen Politik geblieben zu.sein. Die Zeit ist noch nicht so lange her, daß führende Zionisten sich gegen das Verlangen nach Emanzipation und ihre Ergebnisse, selbst nicht nur historisch-kritisch ausgesprochen nahen.' Wenn die Herren von der fliincfsohnu die Broschüre von Max Kollenscher zur letzten Berliner Gemeindewahl durchblättern, so werden sie, faofYentUcb zu ihrer Genugtuung, finden, daß de^Weg von dieser Broschüre zu dem lieferet über den Vortrag? Weil« ein recht bedeutendes Um- und Zulernen bedeutet. * - In diesen Tagen hat der Zen t ra laausschuß für Hilfe und Aufbau einen bedeutsamen Rechenschaftsberichtversandt, aus dem zweierlei hervorgeht i Die hervorragende Arbeit, "die die deutschen Juden in wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Seite geleistet haben und die unumstößliche Notwendigkeit, sie zu erhalten und zu verstärken. Die in die Wegj^. geleitete Werbeaktion des Z.A. darf der unbedingten Unterstützung all unserer Freunde gewiß sein, wobei man sich freilich darüber nicht im unklaren sein darf, daß eine noch so gut geleitete Werbeaktion, verstärkt durch die Hilfe des Auslandes, soweit sie noch erreichbar ist, den Gemeinden die Pflicht und die Last nicht abnehmen wird, die zentrale ■Aufbringe-Organisation von sich aus zu finanzieren. Die Zeit dürfte nicht fern sein, in der sich die Großgemeinden ernsthaft mit der Frage beschäftigen müssen, ob sie diese Pflicht nicht \ auch ihren Steuerzahlern gegenüber offen und unverhüllt auf ihre Schulter nehmen sollen. Da» wird die Gemeinden und die deutschen Juden Oberhaupt bedeutende Opfer kosten, aber mehr denn je gilt für uns deutsche Juden heut'das schöne Goethe-Wort: „Wer Opfer heut zu. bringen scheut, verdient erat seine Bande!" . __ Neben den Opfern für die eigene Gemeinschaft haben, es sich die deutschen Juden stet» zum Ruhm' angerechnet, auch in den allgemeinen Wohlfahrtoorganisationen mitzuarbeiten, vielfach hat die-veränderte politische Lage eine solche Zusammenarbeit leider unmöglich gemacht. Desto erfreulicher und ent-, schiedener sollte sich die Solidarität der Herzen bei der Winterhilfe, diesem herrlichen Werk gemeinschaftlicher Barmherzigkeit, offenbaren. Da hier auf der Seite der Bedachten nur der Maßstab der Bedürftigkeit angelegt wird, dürfen und sollen auch auf der Seite der Geber alle mitwirken, die noch, irgend dazu in der Lage sind. Neben die soziale und wirtschaftliche Aufbau-; arbeit, man möchte fast sagen: vor sie, soll der geistig-seelische Wiederaufbau des deutschen Judentums treten. Für ihn sind Schulen und Lehrhäuser

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