Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 14 (1934)
- Issue
- 78-79 (28.9.1934)
- Date
- 1934-09-28
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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I STEMPEL — KLISCHEES ' Gravieransbüt Max Nehmitz NW 21, Rathenower Straße 23 | Berufung der Jugend nisches und brüderlicher Verhältnis zwischen der Christlichen ' und jüdischen Bevölkerung von Chisilau. herrscht. Dieses harmonische Verhältnis ist um so begründeter, als Christen und Juden zu einem gemeinsamen Gott beten und ein ethisches Gemeingut in der Bibel besitzen. _ Eine Anordnung des Berliner Polizeipräsidenten Die jüdischen Jugendverbände Der Berliner Polizeipräsident von Levetzow als Leiter der Staatspolizeistelle für den Landespolizeibezirk Berlin hat eine Anordnung erlassen, die sich mit der Tätigkeit der jüdischen Jugenvcrbände befaßt. Danach ist den Angehörigen dieser Verbände für die Zukunft folgendes verboten : 1. Das öffentliche Tragen einheitlicher Kleidung, Uniform, Kluft usw. Hierzu gehört auch das Anlegen einer Biindcstracht oder zu einer solchen gehörender Kleidungsfstücke und. Abzeichen unter Zivilkleidern sowie das Tragen jeder sonstigen auch nur teilweise einheitlichen Bekleidung, die als Ersatz für die bisherige Bundestracht anzusehen ist. 2. Gemeinsame Auf- und Ausmärsche, wehrsportliche und Geländeübungen, insbesondere solche in feldmarschmäßiger Ausrüstung sowie jegliches geschlossene Marschieren. —< Sportliche Ugbungen, Spaziergänge, Ausflüge und Wanderungen in kleinerem Rahmen werden von diesem Verbot nicht u m f a ß t, soweit hierbei jeder demonstrative Charakter fehlt. - 3. Das öffentliche Zeigen oder Mitführen von Fahnen, Bannern, Wimpeln sowie Feldzeichen aller Art. 4. Das Zusammenleben in" Wohngemeinschaften und jegljches gemeinsame Ucbernachten, insbesondere in Privaträumen und Zelten. 5. Die Herstellung und Verbreitung von Presseerzeugnissen aller Art,, insbesondere von Flugblättern und Filmen. Die Nichtbefolgung dieser Anordnung kann die Verhängung der Schutzhaft nach sioli ziehen. Unerlaubt getragene Kleidungsstücke und Abzeichen, unerlaubt geführte' Fahnen, Banner, Wimpel und andere Feldzeichen sowie unerlaubt hergestellte oder zur Verbreitung gelangende PrcsseerzeugniSse, insbesondere Flugblätter, ebenso Filme, können beschlagnahmt werden. Von Alf red. Hadra Führeitretfen des Deutschen Vortrupp ,Am 22. und 23.. September fand ein Führertreffen des „Deutscher Vortrupp, Gefolgschaft deutscher Juden“ statt, zu dem führende Personen "der Reichsvertretung, des RjF. und des BDJJ. als Gäste erschienen waren. Voran ging eine Freitagabendfeier, zu der Herr‘Rabbiner Dr. Baeck die DV.-Führer eingeladen hatte. Die besondere Bedeutung und Aufgabe des DV. wurde übereinstimmend in der Klärung .und Deutung der jeweiligen geistigen und politischen Situation gesehen, um" so dem dcutschbcwußtcn Judentum für die Erkenntnis der wirklichen Lage einen Dienst zu erweisen. Da eine solche Problematik weit über das Vermögen von Jugendlichen hinaus geht, wurde ausdrücklich festgestellt, daß die Aufgaben der Jugendpflege den dazu berufenen Verbänden überlassen werden müssen. Besondere Aufgabe des DV. bleibt es aber, die aus seiner Analyse erwachsenen Einsichten für die deutschjüdischc'Gesinnungsbildung und Neuorientierung fruchtbar zu machen. Zur Wahrnehmung dieser Aufgaben wurde u. a. die Einrichtung einer L e r n ze i t für die Jahreswende beschlossen, die für jedermann offen sein soll. Vorbehaltlich behördlicher Zustimmung soll im Frühjahr 1935 vom Vortrupp ein Arbeitsdienst für die gesamte deutschjüdische Jugend durchgeführt werden. Wir stehen am Ende unserer diesjährigen Herbstfeiertage. Am letzten Tage, am Feste der Gesetzesfreude, lesen wir, wie alljährlich, das heiligste Buch, das wir unser eigen nennen, die Thora, zu Ende. In diesem letzten Abschnitte hören wir vom Tode Moses, daß er. aber kurz vor seinem Ende bereits seinen Nachfolger bestimmt hat, damit das Werk, das er begonnen, in seinem Sinne und zugunsten der Israeliten vollendet werde. Möse, ein Greis von 120 Jahren, legt auf Josua, den Sohn Nuns, segnend die Hände, um ihm die Kraft zur Aüsführung dieses - Werkes zu geben. Josua nimmt die Stelle des Mose ein mit den Worten, die wir. im 1. Kap. Josua lesen: „So mache dich auf und ziehe über diesen Jordan.“ Auch wir wollen uns aufmacjien und wollen — zwar nicht über den Jordan — aber ins neue Jahr hinüberziehen. Wir besitzen heute keinen Mose und keinen Josua mehr. Darum ist es in unserer Zeit vielleicht ganz angebracht, daß'wiruns über die Persönlichkeit eines Mose Klarheit schaffen, um aus seinen Ideen und Taten für unsere Zeit zu lernen; denn Zweck und Aufgabe der Gegenwart ist es, das Alte hochzuhalten und nicht über Bord zu werfen, aber die Tradition auch mit dem Neuen, das uns erfüllt, zu verbinden. Diese Persönlichkeit haben unsere Vorfahren, als sie vor mehr als 3000 Jahren noch als Volksgemeinschaft zusammenlebten und durch die Wüste zogen, in Mose gehabt. Er hat sich aus den kleinsten Anfängen zu dem emporgearbeitet, wie wir ihn heute aus seinen Büchern kennen, und es ist interessant, in diesem Zusammenhang festzustellen, daß immer die größten Helden einer Gemeinschaft, sei es einer staatlichen oder religiösen, aus den einfachsten Volksschichten stammen, wie es auch bei' Mose der Fall war. Wie es nun in der Führung eines großen Volkes ist, so ist es auch im Kreise kleinerer Gemeinschaften, wie unserer jüdischen. Leider ist sie gespalten und jede der Richtungen innerhalb des Judentums, insbesondere der radikalen, glaubt, die Führung beanspruchen zu können. Aber nicht kleine Gruppen innerhalb des deutschen Judentums, sondern das gesamte deutsche Judentum-muß sich zusammentun, um die Persönlichkeit zu stellen, die wir benötigen. Es ist recht, wenn es auch unter den Juden Gruppen gibt, die eine bestimmte Weltanschauung vertreten. Aber im richtigen Augenblick müssen wir uns unter einer starken Hand zusammenfinden.. Was für das Gesamtjudentum gilt, das hat auch seine Richtigkeit für die Jugend. Dort ist es genau so wie in einem großen Volke oder einer religiösen Gemeinschaft. Auch dort'wird es Gruppen verschiedener Weltanschauung geben, aber auch sie müssen das Wort des alten Moltke „Getrennt marschieren, vereint schlagen“ auf sich anwenden, wie es ja auch zum größten Teil bereits im Reichsaüsschuß der. jüdischen Jugend verbände geschieht. Zu dieser Leitung ist nur der berufen, der über den einzelnen Richtungen steht, er muß handeln im Interesse der gesamten jüdischen Jugend; die Führung des Reichsausschusses besitzt darum auch .das Vertrauen der jüdischen Jugend. Wir dürfen dabei aber nicht nur auf äußere Dinge'achten, sondern wir müssen auch in das Innere der jüdischen Gemeinschaft blicken. Da erwächst uns eine große Aufgabe. Und damit komme Es wird gemeldet Aus Deutschland < ■ Wie aus Münster in Westfalen gemeldet wird, ist die Synagoge in Buer erheblich be schä d i gt. worden. Zahlreiche Scheiben wurden zerbrochen, und das Innere des Gotteshauses wurde verunreinigt. Der Synagogenvorstand Hat den Oberbürgermeister um Schutzmaßnahmen gebeten. * Die jüdische Gemeinde in Floß in der Oberpfalz kann am 2. Oktober auf ein 250jähriges B es te he n zurückblicken. Im. Jahre 1G84 ließen sich dort vier Juden mit Genehmigung der zuständigen Behörde nieder. Die Gemeinde ist dem Bezirksrabbinat Regensburg angeschlossen. Von einem Grabe, des jüdischen Friedhofs in Dortmund waren' vor einiger Zeit zwei Bronzeplatten gestohlen worden.- Der Schuldige wurde wegen Rückfälldiebstahls und Grabschändung zu 1 J ahr 6 Monaten Zuchthaus venirteilt. * — Otto Wall bürg, dessen Auftreten in einer Operette im Berliner Theater am Kurfürstendamm, wie gemeldet, verboten wurde, wird demnächst in Wien die Hauptrolle in der Zirkusrevue „Der Stern der Arena“ spielen. Aus dem Ausland Für den Ort des. palästinensischen Senders in Jerusalem wurde eine Stelle gewühlt, die etwa sieben englische Meilen nördlich der Stadt liegt. Die Station erhält' eine Kraft von 20 Kilowatt und wird nach dem Luzemer Plan mit einer Wellenlänge von 449,1 senden. Übertragungen sollen in englischer, hebräischer und arabischer Sprache stattfinden. * Aus Amsterdam wird berichtet: Am 3. Oktober wird das deutsch-jüdische Arbeitslager im Wieringermeer-- Polder (früher Zuider-See) offiziell eröffnet werden. Das Lager wurde durch Vermittlung des Komitees für spezielle jüdische Interessen mit Hilfe der holländischen Regierung geschaffen. 150 Kolonisten befinden sich bereits in dem Arbeitslager und werden eine dreijährige landwirtschaftliche Ausbildung erhalten. ' * Die Postbehörden der Sowjetunion haben drei neue Briefmarken mit den Bildnissen der verunglückten Stratosphärenflieger ausgegeben. Eine der Marken trägt das Bild des jungen jüdischen Forschers Ussischkin. * Auf einer nächtlichen Fahrt im Schnellzug Bukarest— Czernowitz wurden jüdische Reisende auf der Strecke zwischen Ploesti und Marasesti von antisemitischen Exzedenten derart mißhandelt, daß einige von ihnen schwere Verletzungen davontrugen. * ' . Auf Anordnung der polnischen Behörden wurde der „Frankfurter Zeitung“ zufolge das Buch „Die Wahrheit über Hitler und die Juden“ beschlagnahmt. Das Bild auf der Titelseite stellt eine besonders krasse Verunglimpfung d?s deutschen Staatsoberhauptes dar. ich auf ein Gebiet, das heute überall an erster Stelle steht, das ist das Gebiet der sozialen Arbeit. Die jüdische Jugend ist als erste mit dazu berufen, sich unserer jungen jüdischen Arbeitslosen anzunehmen, sie in einzelnen Gruppen zusammenzufassen und ihnen im kommenden Winter geheizte Zimmer und Essen zu geben, mit ihnen uns über Bibel und Tagesfragen zu unterhalten und mit ihnen zu basteln, damit sie das, was sie gelernt haben, nicht verlernen. Wir müssen für sie-an Nachmittagen oder Abenden Lichte Stunden veranstalten, damit sie aus dem Elend des Tages herauskommen und vergessen, was ihnen der morgige Tag bringen kann. Aber nicht nur um unsere jüdische Jugend sollen wir uns kümmern, sondern auch um die alten Leute, denen es früher besser ging, und die vieles, wenn nicht alles verloren haben. Das ist die vornehmste Aufgabe, die der jüdischen Jugend zufällt, und die sie glänzend erfüllen kann, wenn sie sich unter der Persönlichkeit sammelt, die versteht, solche Arbeit zu leisten. Dafür kommt der Zentralausschuß für HilfeundAufbau in Frage. Ich weiß, daß viele sagen werden, ich habe dazu keine Zeit, gerade jetzt muß i.eh selbst sehen, wie ich durchkomme. Ich glaube aber, daß jeder einmal in. der Woche ein Stündcjien für diesen Zweck opfern kann und muß. Denn er möge daran denken, daß ihn vielleicht jede Minute das gleiche Schicksal treffen kann; dann handelt er nach dem alten Grundsatz unserer Religion: „Liebe Deinen Nächsten, wie Dich selbst.“ . Wenn wir mit diesen Vorsätzen am Ende unserer Herbstfeiertage wieder ins Alltagsleben hineingeheri, dann wird es uns gelingen, den Winter zu überwinden, der uns vor harte Aufgaben stellen wird, wie es in dem Gebet am Schlußfeste heißt: „Zum Segen und nicht zum Fluche, zur-Sättigung und nicht zum H.unger, zum Leben und nicht zum Tode.“ Wir können auch hier von unserem Lehrer Moses lernen, den sein Gottesvertrauen nie den Mut verlieren ließ, sich durch das Leben hindurchzukämpfen. Nach dem Wort des Josua „So mache dich auf und ziehe über -diesen Jordan“ wollen auch wir, für .eine gute Sache kämpfend, in den Alltag des neuen jüdischen Jahres ziehen. Die Zahl der Juden in Bayern München. Wie vöm Statistischen Landesamt mitgeteilt wird, wurden in Bayern im Jahre 1933 insgesamt 5 370 815 69,9 Prozent Katholiken gezählt, das bedeutet eine Zunahme gegenüber 1925 um 207 709 oder um 4 Prozent. Dem evangelischen Bekenntnis gehörten an 2 203 392 Personen 28,7 Prozent. Die Zunahme gegenüber 1925 stellt sich auf 76594 oder 3,6 Prozent Stark gesunken ist die Zahl der an sich mit geringen Beständen vertretenen „sonstigen Christen“ und die der Israeliten, wobei aber zu beobachten ist, daß die Nachweise lediglich Personen mosaischen Bekenntnisses, nicht aber Angehörige der jüdischen Rasse betreffen. Die Verschiebung des Dortmunder Viehmarktes »Warum Rücksicht auf jüdische Feiertager Die Westfälische Landeszeitung Rote Erde, Dortmund, schreibt: „Von verschiedenen Seiten wurde bei uns angefragt, weshalb man im nationalsozialistischen Deutschland immer noch mit Rücksicht auf jüdische Feiertage den Termin für die Abteilung des Dortmunder Viehmarkts verlege? Dieser Viehmarkt fände regelmäßig Mittwochs statt; in dieser Woche aber sei er auf den gestrigen Donnerstag anberäumt worden, weil am Tage vorher die Juden ihr Ve rsöhnungsf e s t gefeiert hätten! Da auch wir eine Verschiebung des - Viehmarktes aus diesem Grunde eigenartig finden, erkundigten wir uns telephonisch bei dem zuständigen Direktor des Städtischen Schlachthofs, der uns dahin aufklärte, daß diese Ab- ■machung noch aus der Zeit des früheren Systems herrühre (1), der Viehmarktkalender sei bereits vor zwei Jahren festgelegt worden, 1935 würde er geändert. ‘ Wir müssen schon sagen, daß uns, nachdem Deutschland seit nunmehr eindreiviertel Jahren nationalsozialistisch ist, eine derartige Verbeugung vor jüdischen Viehhändlern doch komisch anmutet. Die sich zur Zeit noch in Deutschland aufhaltenden Juden mögen ihre Festtage unter sich feiern, das interessiert uns nicht. Jedenfalls aber wäre die Versorgung der Dortmunder Bevölkerung mit Fleisch nicht in Frage gestellt worden, wenn die jüdischen Viehhändler von dem Viehmarkt weg geblieben wären.“ Der Polizeiinspektor von Whitechapel London. Vor kurzem ist hier der Polizeiinspektor E vson gestorben, der 26 Jahre lang das Pölizeikommissariat in Whitechapel, dem jüdischen Viertel von .London, geleitet hat. Obwohl Evson kein Jude war, sprach er doch ausgezeichnet jiddisch und hebräisch. Er kannte lange Stellen aus den Propheten auswendig, ebenso ganze Abschnitte aus dem Alten Testament und wußte zugleich, wo die Stelle sich in der Bibel befindet. Wenn er mit einem Juden sprach, so geschah es kaum einmal, daß er dabei nicht ein biblisches Zitat erwähnte. Teppichhaus Zentrum, C 2 Snandnuerstr. 28 (günet Teppichladen] Teppiche Jeder Art. Läufer. Vorlagen. Steppdecken. Gardinen. Keine Aufmachung — niedrige Preise