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Jüdisch-liberale Zeitung · 1934-10-26 · 86-87 (26.10.1934) · page 5

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
14 (1934)
Issue
86-87 (26.10.1934)
Date
1934-10-26
Page
– (sequence 5)
Language
German
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■^"T" Es wird gemeldet: Nach einem.Bericht der „Fränkischen Tageszeitung1* sind in einem Freiheitsdenkmal in Hersbruck, das jetzt eingeweiht wurde, u. a. folgende Worte eingemeißclt: .„Errichtet vom Kreis Hersbruck der NSDAP inTzweiten Jahre des Dritten Reiches,, als Gauleiter Julius Streicher seinen Titanenkampf gegen den Juden führte.“ ’ « > In einem Kino in N e u s t a d t a. d. Haardt kam es, wie die „Rhein NSZ'Front“ berichtet, bei der Vorführung eines Werbefilms zweier jüdischer Firmen zu Zwischenfällen, die zur Folge hatten, daß das Theater geräumt und für den Abend geschlossen werden mußte. Das Warschauer Kreisgericht hat den Handwerker Szmietonsky wegen Ermordung des jüdische n Hausverwalters Ji/cluk Krongoldzu 10 Jahren Zuchthaus verurteilt. * Die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums hat beschlossen, anläßlich der SOI). Wiederkehr des Geburtstages von Maimonides eine Sondernummer der Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums dem Andenken des großen Gelehrten zu widmen. ' Kricgsministers eine Ansprache, in der er die Leistungen der jüdischen Soldaten im Kriege würdigte. Nach ihm sprachen Rabbiner Dr. Nurok, Rabbiner Polauskv und der Bürgermeister von Libau, Rimbcnyk. Nach der Enthüllung fand eine Gedenkfeier statt, bei der u. a. General yirscjtis und Oberst Escriuj sprachen. -Der Präsident der Republik, Kir-is, und der Justi/minister hatten Begrüßungsschreiben gesandt.' . Aus Furcht vor den Belästigungen Ein nichtarischer Geschäftsmann, der Anfang Juni 1033 Deutschland verlassen hat, hatte vom Auslände aus Beschwerde gefeit den gegen ihn erlassenen K e i c h s f 1 u e h t s t e ue r - Bescheid erhoben. Darin machte er geltend, dal! keine *■ Die Wiener Behörden haben die Aufführung des Films „Jud Süß“, in dem Conrad Veidt die Hauptrolle spielt, mit der Begründung verboten, daß es sich um einen jüdischen .Propagandafilm handele, der in dieser Form geeignet wäre,- öffentliches Ärgernis zu erregen. - * Professor Julius Guttmann, der von der Berliner Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums an die Hebräische Universität zur Übernahme der Lehrkanzel für jüdische Philosophie beurlaubt wurde, ist mit seiner Gattin in Jerusalem eingetroffen. . * An dem' Begräbnis König Alexanders II. haben, wie aus Belgrad .gemeldet wird, Vertreter aller großen 'jüdischen Gemeinden Jugoslawiens teilgenommen. Die Jüdische Gemeinde Bukarest veranstaltete in der Choral-Synagoge eine Trauergedenkfeier für den ermordeten französischen Außenminister Louis Barthou. * . Wie aus Jerusalem gemeldet wird, faind dort die feierliche Grundsteinlegung zu der Rothschiid-Hadassah- Universitätsklinik auf dem Skopusberg - statt. Die. hervorragendsten Persönlichkeiten der politischen und wissenschaftlichen' Kreise Jerusalems nahmen daran teil. Die Reden wurden nach der Feier im Amtszimmer des Universitätskanzlers vor dem Mikrophon zur Übertragung nach Amerika wiederholt. ' ‘ * In Recklinghausen hat die feierliche Amtseinführung des neuen Bezirksrabbiners Dr. Selig Auerbach stattgefunden. Die Einführung erfolgte durch Rabbiner ■ Dr. Julius Galliner, Berlin, den zuständigen Dezernenten des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden. * Nach Meldungen aus Kopenhagen soll die Tätigkeit des dänischen Hilfskomitees für jüdische Auswanderer aus Deutschland am 1. Dezember wegen Mangels an Mitteln eingestellt werden. Man hofft jedoch, daß die "jüdische Gemeinde die Auswanderer, die am härtesten Not leiden, weiter betreuen wird. * In Prag ist der Leiter de Presse-Departements de Ministerrats-Präsidiums, Sektionschef Maurus Bloch im 74. Lebensjahr gestorben. Er erfreute sich in Pressekreisen hoher Achtung und Sympathie. * Im Anschluß an eine revisionistische Versammlung ist es, wie aus Haifa gemeldet wird, zu einem heftigen Zusammenstoß zwischen Revisionisten und Arbeiterparteilem gekommen', bei dem etwa 2 0 Personen, darunter.der Revisionistenführer Dr. Wolfgang von Weist, ver 1 etzt-wurden. * Nach einer Meldung aus Riga hat der lettische Innenminister für die Dauer des Belagerungszustandes die antisemitischeZeitung„Latvis“ wegen staatsfeindlicher Haltung eingestellt.,- * Anläßlich des Abschlusses der Levante-Messe in Bari wurde vom dortigen Senderaus die erste hebräische Ansprache am italienischen Rundfunk gehalten. Die schweren Beschuldigungen unbegründet Gauleiter Streicher über den Königsmörder Gauleiter Julius Streicher hat auf einer Kundgebung der Arbeitsfront in Nürnberg eine Rede gehalten, in der er, der Fränkischen Tageszeitung zufolge, u. a. ansführte: Den neuen Krieg wollen die, die da heimlich 'den Befehl gäben, jenen Königsbesuch durch einen Mord zu Ende zu bringen. Die, meine Volksgenossen, möchten Kriege haben, die im Sommer 19N mit der Kugel des Juden Prinzip das Großherzogpaar von Österreich zu Tode brachten. Die wollen Krieg, die in der letzten Zeit durch. Morde den Anlaß zu allen Kriegen gegeben haben. Jawohl, ein Jude war es, der das Herzogpaar erschoß, and dann flammte Europa auf, und-es kam zu viereinhalb Jahren Weltkrieg, der uns zwei Millionen der Besten nahm. Der Jude wollte den Weltkrieg, und durch den Mord an dem König von SüdsUxwien aufs neue den Anlaß schaffen zu einem neuen Krieg. Jawohl, der Jude wollte es.** Im , Anschluß an Berichte in der jüdischen Presse über das Attentat von Marseille uml die Widerlegung von Gerüchten, wonach der Mörder ein Jude sei, meint Gauleiter Streicher: Was lese Ich da? Eine Bestätigungfür das, .was ich vor kurzem meinen Freunden sagte. Als dir Nachricht kam, der König von Serbien sei toi, sagte ich: Diese Kugel kommt aus dem Revolver eim’s Juden. Ich freute mich nicht darufjer, daß der Mörder ein Jude war, freute mich aber, daß wiederum bestätigt ist, was ich schon immer gesagt habe. Der Drahtzieher all dessen, irns den Völkern bisher Leid gebracht hat, ist der ewige Jude. 1 Ohne auf weitere Einzelheiten der Rede des Gauleiters Julius, Streicher einzugehen, muß betont werden, daß die Annahme, die Juden hätten den Weltkrieg gewollt, ebenso haltlos ist" wie die Behauptung, der Mörder des österreichischen Erzherzogpaares sei ein Jude gewesen. Es ist' längst festgestellt, daß jtfner Prinzip ein serbischer Irredentist gewesen ist. Auch der Behkuptuftg, def Mörder von Marseille sei ein Jude, müssen wir widersprechen. ln nicht erwünschtem Nasse . *. Flucht vorliege, sondern, daß er aus Furcht vor Belästigungen ins Ausland gegangen sei. Der R e i c h s fi u a n / h o f hat diese Beschwerde als nicht begründet /uriiekgewiesen, (lila 311 31.) Im vorliegenden Falle, so sagt die oberste Instanz, könne von einem „Ausschluß der freien Wnieusbestiminung auf den Wolmsit*" .nicht die Rede sein. Bei den heute in Deutschland bestellenden Verhältnissen sei nicht an/Uüchmeii, daß dem Beschwerdeführer irgend welches Unrecht zügefiigt werde. Strafbare Handlungen habe er nach - seiner eigenen Angabe nicht begangen. Er hätte deshalb unbedenklich zurückkehren können, und zwar, wenn er seinen früheren Wohnort nicht wieder halte aufstichen wollen, an einen anderen Ort in Deutschland. — Die Stellung der österreichischen Juden und der Vertrag von St. Germain Lomiun. „Manchester Guardian“ befallt sieli im Leitartikel uiiL der Position der Juden im heutigen Österreich und kommt zu dem Schluß, das die Behandlung der Jiidcn durch die Organe der österreichischen Verwaltung' eine Vcrletz u u-g des Friedens Vertrages von St. Germain. durch den die Bundesrepublik'Österreich sich zu einer gleichen Behandlung aller ihrer Bürger und zur Gewährung von Kulturrechten an die 'Minderheiten verpflichtet hat,gedeutet. Die Köpenicker Wäscherei A. Wensch hb. Trocknet lm Freien. Solide Prelle. Fordern Sie I1'drilltet. Köpenick, Grünauer Straße 77, F4 Köpenick 1160 .HB Zeitung zäldt eine Reihe Tatsachen auf, die beweisen, daß im Zivildienst, an den Universitäten, im Mittclschulwcscn und an den Krankenhäusern eine Unterscheidung zu Ungunsteu der jüdischen Einwohnerschaft gemacht wird, die durchaus nicht in Einklang zu bringen ist ■ mit der jüngsten Erklärung des Bundeskanzlers Dr. Schuschnigg in Genf, wonach Österreich Bürger zweiter Klasse nicht kenne und die im Ausland verbreiteten Nachrichten über die antliüdUche Politik der österreichischen Behörden tendenziös seien. Die Proben zu Beethovens „Fidelio“, der Anfang-November im Kulturbund-Theater unter der musikalischen Leitung von Generalmusikdirektor'Rose n s tock und in der Inszenierung von Intendant Dr. Kurt Singer zur Aufführung kommt, haben begonnen. Die Vorstellungen des, „Jeremias** werden am 31. Oktober turnusmäßig enden, lfm zahlreichen Wünschen der Mitglieder Rechnung zu tragen, hat die Leitung Frankfurt a. M. Das „Kreisblatt für den Kreis Usingen“ veröffentlicht folgende Mitteilung aus dem Ausflugsort Schmitten im Taunus: „Da unser Kurort im vergangenen •Sommer von jüdischen Kurgästen in nicht erwünschtem Maße besucht worden ist, hat man jetzt an den Ortseingängen Schilder angebracht, die die Inschrift tragen: „Juden sind hier nicht erwünscht“. Davon verspricht man sich eine gute Wirkung für das nächste Jahr.“ Ehrung jüdischer Kriegsgefallener in Lettland - Riga. Anläßlich der Enthüllung eines Denkmals für die im lettländischen Befreiungskrieg gefallenen jüdischen Soldaten auf dem jüdischen Friedhof in Libau hielt Generar Virsejtis in Vertretung des Ministerpräsidenten und des •Schlosserei ,-Klempneref Fayarabtnd, C 23 Kl AlrrrrZrntr. 11 jbnäm 3t. rrrmrbtndllcl Xoslsrumselüo,. SCmil. lieparaturen, Umbauten um. xu bitL Preisen des Kulturbundes für den 1. November eine Sondervcranstaltung des „Jeremias" angesetzt, zu der Mitglieder und Abwecnsler gegen Zahlung von 1,50 RM Zutritt haben. Erbbiologische Sprechstunden.—Dr. W. Nußbaum hält mit behördlicher Genehmigung innerhalb der jüdischen Bevölkerungsgruppe Montags 9.30—11.30 Uhr unentgeltlich Erbbiologische Sprechstunden in der Potsdamer Str» 92.ah. Erbbiologische Beratung ist zur Verhütung erbkranker Anlagen und deren Auswirkung ins besonders dringend erforderlich vor der Wahl eines Ehepartners, vor dem Entschluß zur Fortpflanzung, vor der Adoption eines Kindes, vor der Berufswahl dzw. Berufsumkhichtung.! Sa&töiättoH Tanz-Kaffee Trianon W 30, Bayerischer Platz 1 * Inhaber S. 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