Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 14 (1934)
- Issue
- 86-87 (26.10.1934)
- Date
- 1934-10-26
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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von Mortfefiore und Edgar lief empfunden und weihevoll, ein organisches Stüde des großen Ganzen,' dem sie sich einfügten in Rhythmus, Pathos, Stimmung, Gedankengehalt. Nichts Zufälliges oder davon Loszulösendes. Der Day of Atonement ward in doppelter Deutung des englisches Wortes zur Wirklichkeit: 'Atonement gleich Versöhnung und at-oneinent: Eins-Sein und -Werden mit sich selbst und seinem Gott. * Die Gottesdienste des La u b h fi 11 e ti f c s t es bringen ~ den vollen unbeschwerten 'Frohsinn, der ja auch im Judentum liegt, die heitere Dankbarkeit am Segen der Ernte, die Hingabe, und Freude an der Natur ganz stark tum Ausdruck. Die Sukka, von den Frauen der Gemeinde (von deren Aktivität ein andres Mal viel Rühmenswertes zu berichten sein wird) herrlich geschmückt, yoll Blumen und Fruchten, Zweigen und Beeren, in Buntheit, Fülle und Schönheit, — alles gespendet von den Gemeindcinitgliedern, meist aus ihren eignen Gärten und Feldern. Dort spricht Mr. Mattuck nach dem ersten Abend- und dem ersten Morgengottesdienst das Kiddusch, und die Gemeinde, vor allein die zahlreichen- Kinder greifen dann herzhaft den vielen kleinen 'Näschereien zu, die auf der herrlich geschmückten Tafel, voll Beeren und Blüten und Früchten stehen. Die Gottesdienste sind festlich-froh und bejahend, in Gebeten, Predigt und Musik und geben der tiefen Naturverbundenheit, der Dankbarkeit für den Segen der Ernte, beredten Ausdruck. Es. findet, wie_an allen jüdischen Festen des Jahres, nur jeweils ein Abend- und e itr-Morgengottesdienst statt, und man feiert auch jeweils nur einen Tag. (Ebenso wie in England die hohen Feste: Weihnachten, Ostern und Pfingsten auch nur einen Feiertag haben.) So sind auch die zwei letzten Tage des Laubhüttenfestes in einem vereint. Der Abendgottesdienst des letzten Tages stellt unter dem Zeichen der Gesetz esf r e ti d e. Die Thora wird von Männern und Frauen, von jungen Mädchen und Knaben, in festlichem Umzuge durch die' Synagoge getragen.!X*r letzte Morgengottesdienst — Simchat Thora - steht im Zeichen der Freude.; Das Wort,, das über dem Thoraschrcin eingegraben steht: „Dienet dem Ewigen mit Freuden“, wird . lebendig! Kinder bringen während des Gottesdienstes in " festlichem Umzug durch die Synagoge Blumensträuße und Früchte, Garbenbündel und Beerenzweige, die sie dann selbst äuDden Altar bringen. Unier den Klängen der Orgel und des Chorgesanges, schmücken sie ihn dann selbst voll Stolz uml~ Freude. Ein wundervolles Bild des Friedens und der Schönheit, der Freude und des. jungen Lebens! Die Kinder nehmen dann in den ersten für sie frei gehaltenen Reihen Platz, und die Ansprache, die.Mr. Edgar hält, ist an sie gerichtet. Aber ein jeder von uns hat mit den Kindern aufs neue das Wunder der Knospe, der Blüte und der Frucht erfahren, und dem Kinde werden die Schönheit und das Geheimnis der Natur und seine Wunder neu erschlossen. * Sirnchat Thora Tn der West Central Congregation. Eine andre Gegend, mit andern Mcnsdicntypcn, ist nicht minder feierlich tmd schön. L i 1 y M o n t a g u ist hier der edle, gestaltende Geist. In dieser Gegend wirkt sie in ihrem Settlement, und die Gcnieiiideinitglicder sind zu großem Teil auch Mitglieder dieser Genieinsclia-ft oder stehen ihr zum mindesten sehr nahe. Wie in 'jedem liberalen Gottesdienst in England •-(und auch andern Ländern), wird hier versucht, die Gottesdienste zu' ZeitenSzu legen,' zu denen die Menschen frei sind ■ und daran teilnehmen können. Können sie nicht zu den vom jüdischen Kalender vorgeschriebenen Gebetszeilen kommen: Nun, so muß eben der Sabbat- und Festtags-Gottesdienst so. gelegt werden, daß die Menschen auch kommen können! Das ist das Lebendige, das Geheimnis, warum die Gottesdienste den Mitgliedern und Freunden zu lieber Notwendigkeit geworden sind, warum sie gerne uiid freudig kommen und ihn aktiv mitgestalten! Während in der Liberalen Synagoge in St. Jolm's Wood Road der Vorabendgottesdienst um - 8.30 Uhr stattfarid und am kommenden Vormittag um 11 Uhr, ist es hier ganz anders. Der arbeitende Mensch kann sich nicht an einem Wochentag Vormittag zürn Laubhüttenfestgottesdienst frei machen. Und weil die meisten Mitglieder von West Central Congregation in schwerem Lehenskampf stehen; hat man dort allwöchentlich einen Sonnabend- Nachmittags-Gottcsdienst. Diesmal hat man ihn, einen Tag vor dem letzten Feiertag, ausgestaltet zuin Sukkot- Schludtag. Die von Frauen und Mädchen gezierte Laubhütte prangt in Laub und Frucht. Auch für den Altar haben die Frauen, die die ganze Woche über schwer arbeiten, Blumen und Früchte gestiftet und haben ihn selbst liebevoll und farbenfroh geschmückt. Der Gottesdienst ist besonders eindrucksvoll. Der Umzug steht im Mittelpunkt: Erst werden die Thorarollen von drei alten Männern getragen, die sie drei jüngeren Vätern übergeben; nach einem Rundgangdurch denBetraum überantworten diese sie drei Knaben, die sie dann wieder zum Altar zurückbringen. Weich tiefe Symbolik liegt in dieser Handlung! Die Lehre, von den Ahnen den Vätern, und von diesen den Kindern übergeben zu treuer Hut! Während der Predigt des jungen* amerikanischen Rabbiners Dr. Jacobson „A Garden in the Wilderness“ („Ein Garten in der Wüste“) begeben sich die zahlreich anwesenden Kinder in einen Neberiraum, wo ihnen von einer Lehrerin ihrer Religioiisschiile eine dem Alter und Verständnis angepaßte Ansprache gehalten wird. (Diese bemerkenswerte und nachahmenswerte Einrichtung hat man auch in der Liberalen Synagoge in St. Jolm’s Wood Road.) Am Schluß geilen die Kinder wieder zu den Eltern und Angehörigen ins Gotteshaus zurück, um dann mit ihnen mit dem Adaun. aulom gemeinsam die Feier zu beschließen. Es folgt in der Sukka ein feierlich-heiteres Beisammensein mit dem Rabbiner. Auch hier wieder hat mau den starken Eindruck, daß diese Menschen nicht nur eine Gemeinde, sondern eine innere Gemeinschaft bilden. Sie folgen alle ihrer Führerin Lily Montagu in Verehrung und liebevollem Vertrauen, die hier etwas für sie gestaltet hat, was ihnen wahrhaft Halt und Trost, Stütze und Mut für ihr oft gar schweres Alltagsleben gibt. * Tausende von Menschen haben in den liberalen Synagogen und Betsälen Londons ihre Feiertage verbracht. Die Gemeinde in St. JdWs Wood Road ist die größte in London überhaupt. Hunderte und Aberhunderte kommen, regelmäßig zu den Sonnabend- und Sonntags-Gottesdiensten. E i n Geist durchglüht sie alle. In Würde und Andacht sind sie versammelt. Kein Kommen und Gehen, kein Wort stört die innere Geschlossenheit des Großen und in sich Ganzen. Daß dem so ist: Es ist das Werk Dr. Mattucks. Er hat hier eine Gemeinde geschaffen, wie sie in dieser Einheitlichkeit, diesem inneni Zusammengehörigkeitsgefühl kaum jemals sonstwo gefunden werden kann. Jeder Einzelne fühlt sich verantwortlich, arbeitet mit und ist ein GlieJ in der geschlossenen Kette. Immer mehr hat man den Eindruck, daß es neben der großen Idee lediglich der starken Gestaltungskraft, dem Willen und der religiösen Glut, die den Leiter dieser Gemeinde beseelen, zu danken ist, wenn sich diese Gemeinde zu solch würdiger, in sich geschlossener, einheitlicher Gemeinschaft hin entwickelt hat. Die Worte, die wir über dem Thoraschrein lesen: Sie strahlen wider vom Antlitz jedes Einzelnen im' Gotteshause. „Dunet dem Ewigen mit Freuden.“ Wann? Wo? Am 27. Oktober, abends 8.30 Uhr, findet in der S y na g ° ge Li nd c nst r a ße ein Konz/rt unier Mitwirkung von Oberkantor Ijtwamlowski, Margit Sternberg, Gottfried Zcelamier und Alexander Weinbaum statt. Ansprache: Rah- Inner Dr. BlamenthaL Am 28. Oktober, 15 Wir, findet im Stadtbad Charfvttenburg, Krnmmestraße IO das I. Jüdische Hallenschwimmfest der ‘SchwimmabteiUmg der Berliner Sportgemeinschaft 1933 im Sportbund des RjE. statt. Zahlreiche Meldungen aus Berlin und dem ganzen Reiche sind cingegangen. Unter anderen hat die akademische Weltmeisterin Fräulein Lolo Bacr ihre Nennung abgegeben, außerdem haben sämtliche bekannten Schwimmer gemeldet, sodaß interessante Wettkämpfe zu erwarten sind. Am 28. Oktober, vorm. II— I Uhr, findet die 2. Somlcrveransialtung des Kulturbunds Deutscher Judnt für die Bildende Kunst statt. Der Keramiker und Maler Emil P o t hier zeigt in seiner Werkstatt C/iarfoitcnburg, Srhu!- straße JO, seine Arbeiten. Von 11—12 und 12—1 wird der Künstler selbst die Besucher fuhren und die Herstellung der Keramik erläutern. Anmeldung im Süro Kochstr. 64. Ein Verwulhuigsbfitrag von 30 Pfg. wird beim Ein/ritt erhoben; die Mitgliedskarten sind vorzalegcn. Anv 30. Oktober, abends 8.30 Uhr, veranstaltet der lJindcsvcrband Groß-Berlin des C. V. im Logenh^us, U; 26, Kleiststraße 10, einen Vortragsabend. Redner: Dr. Bruno Weil; künstlerische Umrahmung. Am 30.’Oktober, abends 8.30 Uhr spricht Herbert ■ Pranken stein im Tempelsaal des Logenhauses Joachimsilinierstr. 12a über: „Die Zukunft der jüdischen Eheu. Jüdische Gesänge: Oberkantor Leo Gollanifi und Toni Türk. Außerdem das Streichquartel Rosenthal-Lange- Szabo-Mancyk. Eintritt M. 1.— und 0,75. Karten bei den Kastellanen der Synagogen. ■ Ant I. November findet das erste Hauskonzert „Die Familie Bachu unter dem Protektorat der .Jüdischen Kiänsilerkilfeu unter Leitung von Hans Baer im Hause- Baer, Motzstr. 80 statt. Mitwerkende: Dr. Oskar Gutlmann, Hans Baer, Dr. Fritz Safomonski. Am 1. November beginnt in der Jüdischen Kinderhilfe E. V. sin einjähriger Kursus zur Ausbildung in der Kinderpflege und Hauswirtschaft für Familie ods:r Heim. Kosten 25 RM. monatlich einschl. Mittagessen und NaNimiitagsgelränk. Schriftliche' Meldungen sind an die Leiterin Fräulein Neufeld, Augusistraße 14! 15, oder an das Berufsamt der Jüdischen Gemeinde, Berlin C 2\ Rosenstraße 2 4, Fräulein Zobel, zu richten. ' Prof. Dr. Franz Landsberger, bekannt durch seine Vorträge im Kulturbund Deutscher Juden, wird eine Reihe von Führungen durch das Kaiser-Friedrich- Museum halten, und zwar an den Donnerstagen, des I., S„ J5., 22. und 29. November, vorm. II Uhr präzise. Das Thema lautet: „Einführung in die italienische Renaissance“ (Plastik und Malerei). Das Honorar für die 5 Führungen beträgt 5 M. Anmeldungen werden erbeten an den Vortragenden: Pariserstraße .20. Am 3. November, abends 8.15 Uhr, findet im Berliner Theater der dritte Kleinkunst'-Abenu des Kulturbundes unter dem Motto „Berliner und Östlicher Bilderbogenstatt. Es wirken mit: Annemarie Hase, Hedi Haas, Gerda Koeppler, Hanoi Rosen, Werner Seelig und Heinz Fenster, ferner Ruth Anselm, Nelly Hirth, Liselotte Jacoby, Hannelore Jeßner, Gina Pelruschka, Edgar Alexander, Berthold Bernd, Werner Herrmann, Max Koninski, Ernst Lenart, Rolf Ray,, Else Dtiblon. Am 4. November, nachm. 5 Uhr, findet die diesjährige Generalversammlung des Bqruch Auerbachschen Vereins in den Räumen des Baruch Aucrbachschcn Waisenhauses, Schönhauser Allee 162, statt, im Anschluß daran gemütliches Beisammensein, bei dem Josef Plaut vorträgt. Am 7. November, abends 8.15 Uhr, findet im Logenhaus, Kleiststraße 10, das zweite Sonderkonzert der Kunstlerliilfe der Jüdischen Gemeinde statt. Ausführende: Paula Lindberg, Alt; Georg Bertram, Klavier. Dieses Konzert bringt in seinem Programm zum ersten Male in großem Umfange Lieder lebender jüdischer Komponisten. lr<-' Am 21. November (Bußtag) findet die Berliner Erstaufführung der biblischen Szene „Bai ah und Bilamu von Hugo Adler, in der Neuen Synagoge, Oranienburgrstraße, statt. Am I. Dezember veranstaltet die Berliner Sport- Gemeinschaft '1933 im Sportbund des RjF. in den Räumen des Logenhauses, Ktciststraße 10, einen diesjährigen C. Iran uk kah ba 11. Kartenbestellungen und Vorausbestellungen von Tischen werden schon jetzt in der Geschäftsstelle Bnrgsiraßc 29, Zimmer 4, Tel. D 2 Weidendamm 2623, entgegen genommen. Führcrschulungswoche in Lehnitz. In den Tagen bis zum 31.*Oktober findet eine von der Mitlelstelle für jüdische Erwachsenenbildung . veranstaltete . Führcrschulungswoche in Lehnitz statt, deren Organisierung und .Durchführung der Reichsausschuß der jüdischen Jugend verbände übernommen hat. Das Arbeitsprogramm umfaßt u. a. Bibel-, Geschichtsbild Singkurse, Gegenwartskunde und pädagogische Arbeitsgemeinschaften. Erklärung des türkischen Außenministers Ein Stück Vergangenheit Saloniki. Der türkische Außenminister T e w f i k Ruschdi Bey, der die türkische Regierung bei den Feierlichkeiten anläßlich der Beisetzung König Alexanders II. in Belgrad vertreten hat, empfing auf der Durchreise in.. Saioniki’Vertreter der jüdischen Presse, die ihn über die antisemitische Bewegung in Türki’sch-Thrazien befragten. Der Minister erklärte, die Ausschreitungen in diesem Gebiet seien ein bloßer Zwischenfall gewesen, d r endgültig der Vergangenheit angehört. Aus dem von der türkischen Regierung veröffentlichten Commimiqne sei'. zu ersehen, mit welcher Schnelligkeit die Regierung den antijüdischen .Ereignissen en t gegonge l ret eil sei. In unserem Lande, schloß der Minister, ist es niemandem . erlaubt, unter welchem VoTwand immer Ruhe und Ordnung zu stören. Wir lieben Frieden und Disziplin; bedauerliche Ereignisse wie die .judenfeindlichen Ausschreitungen in Tlira-' zien können sich nicht mehr wiederholen. Die Erklärungen des türkischen Außenministers wurden in der jüdischen Öffentlichkeit Salonikis mit Genugtuung aufgenommen. ZMlspedltlon B. tiacnmansson NW40, Lüneburger Straße 1 Stadt- und Aaslandsumzüge Zollabfertigung usw. Hansa 243 Drogen-Krieg Inunl austL J\irfiims, Toilette- und . Wasehartikcl. Der Fachmann für Farben u. Jjtcke. _ .Charlbg. 5, Schloßstraße 4 Wäscherei O. Molitor Hatensee, Küstriner Straße 15 J 7 Jluciinu 5588.. W’iuirhf iuvj) Om'icki. - Al>pntur,FeinptätUni.(>nriJintnu.S}'üxm Wäscherei, Feinplltlerei, Gardinenspannerei - B. Hulhmann Schönebg., Martin-Luther-Str.43 Freie'Abholung auch Ui kleinsten ibsten Möbel- Kamerling N, Kastanienallee 56 E. FehrbellinerStr. Eigene Werkstatt. Eigene Modelle in Couchet, Stllgarnltaren.Klelamobcln Laxarldes Marbarger Str. 16 EckeTanentzIcnstr. B 4 8480 Dekor. Aufarb. 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