Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 14 (1934)
- Issue
- 86-87 (26.10.1934)
- Date
- 1934-10-26
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Weitere Ergebnisse der letzten Volkszählung 1933 gab es499682 Juden in Deutschland Von der Volkszählung von 1933 liegen jetzt' weitere Zahlen vor, die sich mit der Bevölkerungsbewegung der Juden im Deutschen Reiche befassen, ln Nr. 10 von „Wirtschaft und Statistik“ sind die Ziffern der jüdischen Bevölkerung in sämtlichen deutschen Ländern und im ‘Deutschen Reiche, in der 13. Sondernummer der „Statistischen Korrespondenz“ die Zahlen der jüdischen Einwohner in sämtlichen preußischen Großstädten, veröffentlicht. Im Deutschen Reiche wurden im Jahre 1933 nur noch *199 082 Juden gezählt. Diese Zahl dürfte sich naturgemäß durch die Abwandewaiidcrung und’ durch den Ste r be ii be rs c h u ß seit dem Stichtag der letzten Zählung, dem 10. Juli *1933, bis beute nicht unwesentlich verringert haben. Pur 1933 stellt sich damit der jüdische Bevölkerungsanteil im Deutschen Reiche auf 0,77«>, während er im Jahre 1025 noch 0,9«w betrug. In diesem Zeitraum zwischen 1925 und 1933 nahm die Gesamtbevölkerung im Deutschen Reiche um -1,5*0 zu; die jüdische Bevölkerung verminderte sich um 11,46*0. Diese Abnahme wird sich zu einem kleinen Teil aus dem Sterbeüberschuß erklären lassen. Allein in Preußen betrüg der Sterbeüberschuß in dieser Zeit mehr als 15 000 jüdische Seelen*- Es kommen einige tausend An st ritte aus dem Judentum hinzu. Der restliche Bevölkerungsverlust verteilt sich auf die Auswanderung und nicht zuletzt “auf die Rückwanderung, die bereits mit dem Beginn der Wirtschaftskrise in den Jahren 1927 bis .1929 eingesetzt hat. Von bisher nicht veröffentlichten Länderergebnissen dürfte insbesondere die Zahl der Juden in Bayern interessieren. Sie stellte sich im Jahre 1933 auf 41 939 Personen, was einem Anteil von 0,55",> an der Gesamtbevölkerung entsprach. Die Bevölkerungsabnahme bei. den Juden betrug 14.6Ö»/,: ' ' _ ln Hessen lebten bei der Volkszählung im Jahre 1933 nur noch 17 888 Juden. Damit stellte sich der Anteilder jüdischen Bevölkerung an der gesamten Einwohnerschaft Hessens auf l,25l». Er lag damit über der Quote der jüdischen Bevölkerung im Reiche. Das. gleiche gilt von Hamburg, wo der Bevölkerungsanteil l,39»b betrug. Es lebten dort im Jahre 1933( 16 973 Juden. Die stärkste Abnahme der jüdischen Bevölkerung war besonders in den kleineren Ländern und in Ländern mit einer ohnehin kleinen jüdischen Bevölkerung festzustellen.' So ging in Braunschweig die Zahl der Juden um 33,03"., zurück; in Mecklenburg verminderte sie sich um 28,7]»«. ' . Von den preußischen Großstädten interessiert besonders Berlin, dessen jüdische Bevölkerung im Jahre 1933 nur noch 160 504 betrug. Damit lebten in Berlin mehr als 40»o sämtlicher preußischen Juden und mehr als 30“/o aller Juden im Reiche; demgegenüber wohnte von der Gesamtbevölkerung Preußens nur Li» in Berlin, von der des Reiches nur etwa 6,5"/». Die Bevölkerungsabnahme der Juden in Berlin betrug 7,01 »u. Diese relativ geringe Bevölkerungsabnahme geht augenscheinlich auf die starke Binnenwanderung der Juden nach Berlin zurück. Breslau verlor 13,S6lo seiner jüdischen Bevölkerung. Es zählte im Jahre J933 20 202 Juden. An der Gesamtbevölkerung Breslaus waren die Juden mit 3,25»/» beteiligt. In Frankfurt a. M. ging die Zahl der jüdischen Einwohner um 11,80°> auf 26 158 zurück. Der Bevölkerungsanteil der Juden betrug in .Frankfurt a. M. 4.71o/o. In Köln ging die jüdische .Bevölkerung von 16 093 auf 14 816 Seelen, d. h. um 7,94o/0 zurück. . In diesem Zeitraum, zwischen 1925 bis 1933 sank der Anteil der jüdischen Bevölkerung an der Gesamteinwohnerzahl Kölns von 2,3 »o auf 1,961». — In einigen Städten war sogar eine, wenn auch nur verschwindend geringe Zunahme der Juden festzustellen; so in Erfurt und Remscheid um je 12 Personen. Die Zunahme dürfte auf Binnenwanderung zurückzuführen sein. Die stärkste Abnahme der jüdischen Bevölkerung in preußischen Städten weist Altona mit 24,3% auf. Weiter zeigt Wiesbaden einen Rückgang von 21,66 v. H. Hier könnte eine Wanderungnach Frankfurt a. M. in. Frage kommen, während der Rückgang der Juden in Altona anscheinend auf eine Konzentrierung der Juden nach Hamburg zurückzuführen ist. II Am 29. Oktober vor dem Strafgericht in Bern De» Prozeß um die „Protokolle der Weisen von Zion Verfahren gegen Irene Harand eingestellt Sfi&iWHibetole Seitung künftig liidisthe Allgemeine Zeitung Landesbischof von Hessen über das alte Testament Darmstadt. Auf der Herbstversammlung des Hessischen Landesverbandes der evangelischen Reichsfrauenhilfe sprach Landesbischof.Lic. Dr. Dietrich über das Thema „Altes' Testament und christliche Kirche“. Nach einem Bericht im „Darmstädter Tagblatt“ ging Dr. Dietrich zunächst auf die V.o-rwürfe ein, die heute gegen.das Alte Testament erhoben würden: daß es aus jüdischem Geist geboren sei und daher dem deutschen Volk nichts zu sagen habe, daß es den Begriff der Unsterblichkeit und des ewigen Lebens nicht kenne, und daß seine Moralbegriffe minderwertig seien*, endlich, daß in ihm das Volk Israel immer wieder als das auserwhälte Vo|k hingestellt werde. In einem kurzen' historischen Rückblick erklärte Dr. Dietrich, daß auch schon frühere Jahrhunderte Kritik am Alten Testament geübt hätten. Dr. Dietrich wandte sich, darauf gegen den Vorwurf, daß das Alte Testament aus jüdischem Geist, wie er heute bekämpft werde, geschrieben sei. Die wesentlichen Bücher des Alten Testaments seien in der Zeit vor der babylonischen Gefangenschaft entstanden; als das alte Israel noch ein nationales Volk von Ackerbauern gewesen sei. Auch sei das Bewußtsein der Auserwähltheit, das im Alten Testament zum Ausdruck komme, eine gesunde Erscheinung. Die Besten des Volkes, die Propheten, hätten immer wieder die Schwede der Verantwortung betont, die. sich daran knüpfe. Gegen "den Vorwurf der Unsittlichkeit, den man dem Alten Testament mache, sei einzuwenden, daß die Verfehlungen immer mit dem Ton des Schmerzes im Sinne einer Kritik geschildert würden. Wenn man das Alte Testament genau betrachte, so könne man darin auch an ’ manchen Stellen ein Wissen um das ewige Leben finden, und man sollte es nach diesen Höhepunkten beurteilen und nicht nach den minderen Teilen. Vor allem aber sei zu bedenken, daß das Alte Testament mit den Augen Martin Luthers zu lesen sei, der es nicht nur übersetzt, sondern, wirklich verdeutscht habe, so daß es nicht mehr das Bucheiner fremden Rasse, sondern ein echtes deutsches Blich sei. Zürich. Am 29. Oktober, wird vor. dem Strafgericht in Bern der Prozeß in Angelegenheiten „Protokolle der Weisen von Zion“ unter dem Vorsitz des Gerichtspräsidenten M. Meyer wieder zur Verhandlung kommen. Kläger in dem Prozeß sind der Schweizerische Israeli tische Gemeindebund und die 1 s r a e I i tis c h e Kultusgemeinde in Bern. Die gegen Mitglieder der „Nationalen Front“ und die Gauleitung einer anderen antisemitischen Vereinigung gerichtete Klage stützt sich auf Bestimmungen des Berner Kantonalgesetzes, die die Verbreitung von Hetz- . Schriften verbieten und gegen Zuwiderhandelnde ein Strafverfahren vorsehen. Gegenstand der Klage bilden die Propagandaschrift „Protokolle der Weisen von Zion“ und andere antisemitische Schriften, die . von Mitgliedern der beklagten Körperschaften in einer im Juni 1933 abgehaltenen öffentlichen Versammlung im Publikum verteilt.wurden. In der ersten Gerichtsverhandlung, die am 16. November 1933 stattfand,. wurde von den Klägern u. a. der Antrag gestellt, eine Expertise anzuordnen, die über Echtheit oder /Unechtheit der „Protokolle“ Aufschluß geben soll. Der Richter gab diesen Ahträgen statt und ordnete eine Expertise durch ein Dreier-Kollegium an. Je ein Gutachter wurde von deirbeiden Parteien bezeichnet, der dritte vom Gerichtspräsidenten ernannt. Die Kläger machten Prof. Dr. A. Baumgarten- Basel, die Angeklagten Pastor Münchmeyer aus Oldenburg namhaft. Zum dritten Experten ernannte der Gerichtspräsident den bekannten christlich-schweizerischen Schriftsteller C. A. Loos li-Bern. Der Experte der Kläger und der vom Gericht ernannte Experte haben ihre Gutachten ausgearbeitet, der Experte der 'Angeklagten jedoch, Pastor Münchmeyer aus Oldenburg, konnte, wie die Schweizerische Telegrapheh-Agentur meldet, bisher brieflich nicht erreicht werden. Der Gerichtspräsident hat sich daher im letzten Augenblick genötigt gesehen, von sich aus einen dritten Experten zu bestimmen. Der von ihm in Aussicht genommene Kandidat hat jedoch bisher den Auftrag nicht angenommen. Außer, den Expertisen wird das Gericht über eine große Zahl von Dokumenten verfügen, die ihm von den Klägern als Beweisstücke »vorgelegt wurden. Anläßlich der bevorstehenden Verhandlungen soll das Gericht eine Anzahl von bedeutenden ausländischen jüdischen und ' nichtjüdischen . Persönlichkeiten als Zeugen verhören, Unter den Zeugen aus der Schweiz soll u^ a. ein Vertreter der Schweizer Freimaurerloge „Alpina“ über die angeblichen geheimen Beziehungen zwischen Freimaurern und Juden vernommen werden. Wegen des großen Interesses, das der Prozeß hervorgerufen hat, werden die Verhandlungen im großen Schwurgerichtssaal stattfinden. Der Pro/.eß in Basel, der eine Beschlagnahme der „Protokolle“ und eine Ehrenbeleidignngsklage gegen Dr. Zander, den ehemaligen Redakteur des „Eisernen Besens“, und Genossen betrifft, wurde vertagt. Das Baseler Gericht wird warten, bis ihm das Beweismaterial aus dem Berner Prozeß zur Verfügung stehen wird. Wien. Der große Prozeß gegen Irene Harand, in dem auf Grund einer Ehrenbeleidigungsklage der früher in Wien erschienenen Zeitschrift „Stürmer“ die Frage der Echtheit der „Protokolle der Weisen von Zion“ sowie die Berechtigung anderer antisemitischer Verleumdungen vor einem Wiener Gericht zur Verhandlung gelangen sollte, hat ein unerwartetes Ende genommen. Das Gericht hat auf Grund einer Anfrage bei de.- Wiener Polizeidirektion festgestellt, daß der „Stürmer“, in dessen Namen die Ehrenbeleidigungskjage gegen Frau Harand angestrengt wurde, schon vor Wochen polizeilich eingestellt worden ist; da nun ein nicht mehr bestehendes Organ keine Klage führen kann, wurde das Verfahren wegen Mangels aktiver Klagelegitimation eingestellt. ' Wie der JTA-Vertreter erfährt, ist Frau Harand jedoch mit dieser Art der Prozeßbeendigung nicht einverstanden-. Sie besteht darauf, daß das gegen sie eröffnete Strafverfahren ordnungsgemäß durchgeführt wird, da sie den Wahrheitsbeweis gegen den „Stürmer“, den sie wegen seiner Verleumdung des jüdischen Volkes Lügner und Verleumder genannt hat, in voller Öffentlichkeit erbringen will. Ob das Gericht auf die Anträge Frau Harands eingehen wird, ist noch nicht bekannt. Die Judenfrage im Franken-Sender Nürnberg. Unter der Überschrift „Vorträge über die Judenfrage im Franken-Sender“ bringt die „Fränkische Tageszeitung“ folgende Ankündigung: -„In aller Welt ist es heute eine bekannte-Tatsache, daß Frankens Bevölkerung am ersten und am tiefsten Kenntnis und Sinn für die Lösung der Rassenfrage, der wuchtigsten Daseinsfrage eines Volkes, besitzt. Es ist das ein unvergängliches Verdienst des unentwegten und vom Juden und seinen Trabanten am meisten gehaßten Vorkämpfers des Frankenführers Julius Streicher, der seit 15 Jahren in Wort und Schrift, vor allem durch .seinen „Stürmer“, die jüdische Fremdrasse und ihre Verbrechen am deutschen Volk gezeigt hat. Auch jetzt gilt es für alle Volksgenossen als Pflicht^ ihre Kenntnisse in der Judenfrage zu erweitern und zu vertiefen, um'ihr Wissen hinauszutragen in alle deutschen Gaue und zu allen auf diesem Gebiet bisher blinden Mitmenschen. Diesem Zweck dient eine Vortragsreihe,. die der Frankensender in Nürnbergpübemommen hat. Es werden zwei Vorträge geboten über;,Altnürnberg und die Judenfrage“. Vortragender ist der Mitarbeiter am „Handbuch der Judenfrage“ Dr. L. F. Gengjer-Nümberg. Der erste Vortrag am Mittwoch um 14.50 Uhr behandelt „Mittelalterliche Wucherjuden und ihre Bekämpfung“. Der zweite Vortrag folgt eine Woche später.“ Gegen Auswüchse des Rassegedankens Auf einem Schulungskursus des Rassepolitischen. Amtes des Gaues Magdeburg-Anhalt der NSDAP wandte sich, einem Bericht der Frankfurter Zeitung zufolge, Ministerialrat Dr. Bartels dagegen, daß fanatische Anhänger des Rassegedankens den nordischen Menschen „züchten“ wollen. Derartiges liege n i c h t im Rassewollen des Nationalsozialismus. Es wäre auch ganz gleichgültig, ob in einem Volksgenossen eine fälschliche oder ostische oder dinarische „Überlagerung“ Vorhänden sei. Es gingen im deutschen Volke jetzt Fanatiker herum, die, obwohl sie vorher kaum gewußt hätten, was arisch und was semitisch sei, jeden Mitmenschen als nordisch oder baltisch oder sonstwie bestimmen wollten. Das seien Auswüchse, dfe nicht genug bekämpft werden könnten. Denn das nationalsozialistische Rassewollen stehe zu hoch, um daraus einen „Versucliskaninchenstall“ zu machen. Wozu in 1000 Jahren eine nordische Rasse gut sein könne, wisse niemand von uns, es sei auch gleichgültig, ob sie durch Züchtung zu erreichen sei, wichtig sei nur eins: daß der erbbiologisch gesunde deutsche Mensch erhalten und gefördert werde. An einem Beispiel aus seiner Praxis zeigte Dr. Bartels, wohin das Arbeiten allzu eifriger Rasseforscher schon geführt habe. Zu ihm sei eine junge Frau gekommen, die gebeten hätte, sterilisiert zu werden, weil sie ostisch „überlagert“ sei. Die jüdische Morallehre Über einen von Dr. Johannes von Leers in einer Generalmitgliederversämmlung der NSDAP gehaltenen Vortrag berichtet „Der Deutsche“, das Organ der deutschen Arbeitsfront; „Pg. von Leers erklärte an Hand dokumentarischer Bibcl- und Buchstellen antiker Schriftsteller, wie es die Juden'immer verstanden haben, sich an den Drehpunkt der Wirtschaft zu setzen. Die jüdische-Morallehre ist unserem Wesen völlig entgegengesetzt. Solche „Taten“, wie sie Abraham und Jacob begangen haben, würden bei uns vom Staatsanwalt verfolgt. Die Geschichte jüdischen Wuchers und Betruges erstreckt sich über alle Zeiten und Länder. Und die scharfe Stellungnahme gegen das Judentum im neuen Deutschland ist, wie der Redner belegte, nur eine Schutzmaßnahme für das deutsche Volk. ,Wir wollen den Juden gar-nichts tun. Wir gönnen ihnen ein Land, in dem sie ihre Heimat finden können. Wir haben nur einen Wunsch, daß es möglichst w;eit von uns entfernt liegt.“ “ Jüdische Arzte und Rechtsanwälte Der jüdische Anteil in den sogenannten freien Berufen hat sich, w-ie eine Erhebung vom 1. Januar dieses Jahres ausweist, so gestaltet, daß der Anteil der nichtarischen Rechtsanwälte 17,5 Prozent betrug. Von den Kassenärzten Berlins waren im Februar dieses Jahres noch 46,8 Prozent Juden. Teppichhaus Zentrum, C 2 Spandauersir. 28 (grüner Teppichladen) Teppiche jeder Art. Eäufer. Vorlagen. Steppdecken. Gardinen.. Keine Aufmachung — niedrige Preise