Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 14 (1934)
- Issue
- 75 (18.9.1934)
- Date
- 1934-09-18
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Der wahre Prophet Jesajas Zunge versagte, sein Auge war geblendet, sein. Ohr taub und seine Haut empfindungslos — aber tief drinnen in der-Brust war ein Tempel; der war erleuchtet, und der Schein seiner zahllosen Kerzen fiel hinaus ins Dunkle. Da kam vielerlei Lebendiges von allen Seifen, herbei, Tier und Mensch, und suchte einen Strahl des wärmenden Lichtes zu erhaschen. . Jesaja aber war wie ein stummer Mund, der redet, wie ein tiefer Brunnen, dar Wasser spendet, redet, wie ein tiefer Brunnen, der Wasser spendet, „Bist Du der Abgesandte üottes, der gekommen ist, die Ankunft des Messias zu weissagen?“ fragte ihn das Volk. Jesaja aber schwieg und hielt Zwiesprache mit dem Ewigen, seinem (Jolle. „O Barmherziger“, sagte er, „ist es wirklich wahr, dall Du Deinen niedrigsten Knecht erkoren hast, Zeugnis von Dir ab/.ulegen? Oder ist es anmaßende Ueherhebh'ehkeit, die mich glauben läßt, ich wäre, wissender als andere Menschen? Erleuchte mich, daß ich Wahres von Falschem scheide, Du Alles-Wissender, Alles-Verz.eihender!“ Da ward eine große Ruhe in Jesajas Brust, und die_Kerzen des Tempels bräunten noch viel strahlender und heller als vorher. So stark war ihr Schein, daß jeder, der sie sah, sich-die Augen mit den Händen beschatten müßte. Und alles Volk fiel anf’die Knie und wartete auf die kommenden Dinge. Denn lange schon, ehe Jesaja das erste Wort gesprochen hatte, ,fühlte cs, daß er der wahre Prophet Gottes sei. Herbert Comwr . Rosch Haschanah-LHuigie im polnischen Rundfunk Warschau. Der polnische Rundfunk hat wahrend des Rosch haschanah-Fcstes die Feiertags-Liturgie übertragen.. Die Feslgesnnge wurden von dem berühmten Oberkantor Gcrson Sirota vorgelragen. Für die S.ndung, die zwanzig Minuten dauerte, war eine späte. Abendstunde gewühlt worden, damit die Rundfunkhurcr in Amerika, für die die .Sendung in erster Reihe bestimmt war,* sie zu einer günstigen .Zeit hören konnten. Die Übertragung wurde von Sü Stationen in den Vereinigten Staaten, Kanada, Brasilien und Argentinien übernommen. Von der New Yorker Zentralstation bat der Leiter des' polnischen Rundfunks ein Telegramm bekommen, in dem der -Dank, für diese Sendung zum Ausdruck gebracht wird, die in Amerika von I lunderttausenden mit besonderer Ergriffenheit gehört worden sei. überfall auf eine Synagoge während des Feiertags-Gottesdienstes Athen. Der im -allgemeinen würdige Verlauf der Rosch hascliaiiah-Fcicrlagc in fl r i ec heil 1;rn d wurde durch einen von- Antisemiten provozierten Zwischenfall in Xautic gestört. Während des Abendgotfesdiensfcs griff eine Gruppe von Exzedenten die dortige Synagoge an und zertrümmerte sämtliche Fensterscheiben durch ein Steinbombardement. Von den Tätcm, die in der Dunkelheit verschwanden, konnte bisher keiner fcstgenommen werden. In. Saloniki ist es am Tage nach Rosch haschanafi zu einem Zusammenstoß gekommen, als antisemitische . Exzedenten versuchten, einen jüdischen. Leichenzug zu stören. Anläßlich des jüdischen Neujahrsfestes hat der gegenwärtig in Saloniki weilende Bürgermeister von Athen, Konstantin Kodzias, in Begleitung von zwei Stadträten dem Oberrabbiner von Saloniki, Dr. Zwi Koretz, einen Besuch abgestattet und ihn gebeten, der jüdischen Bevölkerung seine Glückwünsche z.uin neuen Jahre zu übermitteln. Der Bürgermeister von Saloniki, Nikolas Manos, hat in sämtlichen Jüdischen Zeitungen einen in herzlichen Worten gehaltenen Neujahrsglückwunsch an;die Juden Salonikis veröffentlicht. Neuartiger Jugendgoltesdienst in Frankfurt a. M. Bibel mit verteilten Rollen . Frankfurt a- Al. Der vom Jugendrabbiner Dr. H. Lemlc 'geleitete Jugendgottosdicnst am 2. Rosch haschanah-Tag war ein erneuter Versuch, den Kindern die Größe, densittlichen Gehalt der biblischen Geschichten vor Augen z.u führen, und zwar durch Aufteilung der Thoravorlcsung (Abrahams Versuchung und Isaaks Opferbereitschaft) in Sprechrollen. Jugend, die sieh mit eigenen Worten und Gesten, mit eigenem Empfinden und Nacherleben die Erzählung ausdeutete, sprach zur Jugend in der Absicht, sie ihr durch eindringliche Darstellung, die dank ihrer Schlichtheit und Echtheit des Gefühls ergreifend wirkte, nicht nur für die Stunde zum Besitz zu machen. Diese Jugend wird beim Wiederlesen der Geschichte stets die Stimme frommer Ergebenheit Abrahams,, stets die zitternde Angst Isaaks im Ohr haben; weil sie einmal die anscheinend so weit zurückliegende Handlung in ihrer ganzen Menschlichkeit, in ihrer nächsten Nähe erlebt hat. Der Versuch, vor allem vom pädagogischen Standpunkt aus zu begrüßen, ist gut und fruchtbar, ebenso wie das Bekenntnis zur Reue, das Gelöbnis der Abkehr von alten Feldern, das eine 14jährige ablegte. Der Gottesdienst fand seinen Abschluß in einem Appell des Jugendrabbiners an seine Gemeinde, in seinem . mahnenden Ruf zur Sammlung aller, besonders der noch immer Außenstehenden, zum Judentum lind Judesein. L. H. Die Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland widmet ihr neuestes Heft ihrem leitenden Herausgeber, Professor Dr. Ismar El bogen, zu seinem 60. Geburtstag. Fachkollegen, Schüler und Freunde haben sich zur Ehrung dieses führenden jüdischen Historikers zusammengefunden. Das reichhaltige Heft enthält u. a. eine Arbeit von Dr. Selma Stern-Täubler „Die Juden in der Handelspolitik Friedrich Wilhelinl.“. Dr. Max Freudenthal schildert die Entwicklung einer jüdischen SieJltmg auf der schwedischen Insel Marstrand. Fritz Aronstein macht mit eitler unter dem Einfluß der sabbatianischen Bewegung entstandenen jüdischen Novelle von Grimmelshausen bekannt. Eine Skizze über Leopold Zunz als Historiker und andere gelehrte Beiträge vervollständigen den Inhalt der wertvollen, im Philo-Vertag erscheinenden Zeitschrift. Die Anekdote Das verkannteSchofar- In einer jüdischen Gemeinde Sowjet-Rußlands, irnwejt der Grenze, hat der, Vorstand große Sorge wegen der Beschaffung eines Schofars da ja im Soujetreich die Besorgung ritueller Gegenstände mit Schwierigkeiten verbunden ist. Der Vorstand sah sich deshalb veranlaßt, das Schofar aus dem Ausland zu beziehen; was aber mit nicht weniger Schwierigkeiten verbunden ist. Schließlich reist Reb. Jankel aus und kommt mit dem Schofar zurück. Als er die Grenze mit dem Schofar in der Tasche passieren will, wird er von den Zollbeamten angehalten: „Haben Sie was zu verzollen?“ Reb Jankel schweigt . . . Er wird zum zweiten Mal gefragt. Reb Jankel schweigt . . . Der Zollbeamte verliert seine Geduld und schreit ihn laut an: „Haben Sie was zu verzollen?“ Reb Jankel zögert nun nicht mehr, 2ieht das Schofar aus seiner Tasche, legt es ans Oiir: „Wie meinen Sie?“ Der Beamte schreit in dasiSchofar hinein: „Haben Sie was zu deklarieren?“ „Nein,“ antwortet Reb Jankel und geht seines Weges weiter. . Berliner, öoffesbienffe ' Freitag, 21. September. Neue Synagoge, Lindenstraße, Friedenstempel: 6.15 Uhr. lützowstraße: 6 Uhr. . Fasanen- Straße: 6.30 Uhr. Levetzowstraße: 7 Uhr. Prinzregentenstraße: 7.15 Uhr. Jüdische Religionsgemcinde Charlottenburg: 6.15 Uhr. Liberale Synagoge Norden, Schönhauser Allee 162, 7.15 Uhr: Brasch. Liberale Synagoge Osten, Kaiserstr. 30, 7.30 Uhr: Ploike. Liberale Synagoge Nordost, Prenzlauer- Promenade 176, 7.30 Uhr: Goetz. Liberale Synagoge Wesfend, Kaiserdamm 78, 7.15 Uhr: Zimet. Liberale Synagoge Wedding-Reinickendorf, Seestr. 44, 7.15 UHr: Hirschberg. Jüdische Reform gemeinde, J oachimsihaler -Sir. 13, 6.30 Uhr: ' Goitschalk. Sonnabend, 22. September. Hauptgottesdiensl in allen Synagogen mit neuem Ritus 10 Utw. Ansprachenr Neue Synagoge: Warschauer; Lindenstraße: Salomonski; Lützowstraße : Wiener; Fasanenstraße: Sänger; Levetzowstraße: Lewkowitz; Friedenstempel: Prinz; Prinzrege'ntenstraße: Swarsensky; liberale Synagoge Norden: 10 Uhr; Lit.: Brasch. Sonntag, 23. September. Jüdische Reformgemcinde, Johannisstr. 16, 10.30 Uhr; Festgottesdienst zum Hüttenfest: Rosenthal. . * Wie in früheren Jahren nimmt der Verein Synagoge Lützowstraße nach den Feiertagen die Jugendfeiern nach dem Freitagabend-Gottesdienst mit dem 5. OK- ■ tober wieder auf; diese werden -von dem amtierenden Rabbiner und Oberkanior geleitet. Die Feiern finden im Trausaal der Synagoge statt. Wann? Wo? Am 22. September, abends 8.30 Uhr, wird unter dem Protektorat der Künstlerhilfe der Jüdischen Gemeinde im, Logenhaus, Kleiststr. 10, ein. musikalischer Abend unter dem Titel „Eine Soiree bei Bankier Meyerbeer“ veranstaltet. Ani 27. September, abends S Uhr, spielen Max Rosenthal, Joseph Langer, Leon Szabo and Oskar Manszyk im. Hause des Herrn Curl Salomon, Siegmundshof 16, Streichquartette von Felix Mendelssohn, Robert Schumann und Verdi. RossJsrii-Ungarischer PrJvaL- JHitfagsono Abcadtisch Spexintgmcht :>0 Tfg. Otdrck, 3 Gänge 70 Pf<J-, HU J'fg. Kein JlftliniuiiijRudJ. Kttfhe selbst! nar RanbestraBc 29 Zlgarrenhaut Sdiulz. Kantstr. 35 Ecke Wiela'ntfstr. C 1 Steinplatz 1079 Jedem Geschmack gerecht, cnv.Ihr.Hesuch Ankauf, Verkauf von Möbeln. Nachlässen, Wäsche. * Porzellan. Glas Frau ANNA JANK _Uhlan&str. 62 Buchhandlung Leihbücherei Dr. Lohmüllcr Schöneberg, Innsbrucker Str. 36 Q 1 Stephan 5832 Blumen and Gartenbepflanzungen preiswert, geschmackvoll R. 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