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Jüdisch-liberale Zeitung · 1934-10-19 · 84-85 (19.10.1934) · page 7

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
14 (1934)
Issue
84-85 (19.10.1934)
Date
1934-10-19
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Ludwig Vogelstein zum Andenken Von Professor I. Elbogen Lifdwig Vogelsleins unerwartetes Hinscheiden bedeutet nicht nur für allCj die ihm nahestanden, sondern für die gesamte. Judenheit einen schweren Verlust. Aus seinem Elternhaus — sein Vater war der unvergeßliche. Rabbiner Heinemann Vogelstein' in Stettin — hatte er Wärme der Religiosität, Weltoffenheit und Wohltätigkeitssinn mitbekommen; er hat dieses Erbe liebevoll gepflegt und sich zum festen Besitztum gemacht. Er trat als Lehrling in die altangesehene Metallfirma Aron Hirsch ft Sohn, ging nach langer Bewährung in der Halberstädter Schule . kaufmännischer und jüdischer Pflichterfüllung als Vertreter der Firma nach New York, wo er wirksam an ihrer Erhebung zur Weltgeltung mitarbeitete, und bis zum Eintritt der Vereinigten Staaten in den Weltkrieg mit ihr in enger Verbindung stand, allerdings schon damals als Glied des großen Konzerns, der American Metal Company, in der er einer der leitenden Köpfe war. Es war symbolhaft, daß Ludwig Vogelstein bei seiner Ausreise nach Amerika den damals in Berlin studierenden Räbbinatskandidaten- Samuel Sc h u lm an kennen lernte, mit dem er dann in New York mehr als dreißig Jahre in der Gemeinde Beth El, an der auch Kaufmann Kollier wirkte, zusammenarbeitete. Vogelstein warein tief religiöser.Mensch, die Erhaltung des religiösen Judentums, die Erziehung der Jugend zur Begeisterung und Opfcrwilligkeit für das Judentum war ihm Herzenssache.. Er hat das nicht nur in Richtung weisenden Reden ausgesprochen, sondern auch durch seine Lebensarbeit bestätigt. Man erkannte sehr bald, daß man in jeder ernsten jüdisch-religiösen Arbeit auf'seine starke Mithilfe rechnen konnte; auf dem Wege über seine Gemeinde kam er in die Union -of American Hebrew Congregations in Cincinnati (Ohio), die ihn, ungeachtet der räumlichen .Entfernung, vor einigen Jahren zu ihrem •Präsidenten' wählte und an ihm einen sicheren Führer hatte. In einer Zeit wirtschaftlichen Niedergangs, in der die Union einen harten Daseinskampf zu führen hatte, war es sein ganz besonderes Anliegen, die erzieherischen Leistungen der Union, die Religionsschulen und die für ihre Leitung vorbereitenden Institute, wie Rabbiner- . und Lehrerseminar auf der Höhe zu halten und immer mehr zu vervollkommnen. Als Vertreter der Union gehörte er auch zu den Führern des Weltverbandes .für liberales Judentum, und ob es schriftlich oder mündlich geäußert wurde, auf sein Wort wurde gewartet und geachtet.. Denn jeder wußte, daß es aus warmem Herzen und ernster Sorge kam. Weil er so dachte und handelte, war Ludwig Vogelsteins Einfluß nicht auf .den-Kreis der Reformgemeinden beschränkt, man kam zu ihm mit jeder jüdischen Sorge und war seiner Mitarbeit und Mithilfe sicher, wenn die Sache ihm einleuchtete. Nur der P a 1 ä s ti n a-A rbe i t stand er bis zuletzt ablehnend gegenüber, mit dem Gedanken der Jewish Agency konnte er sich trotz der Autorität Louis Marshalls, den er verehrte, nicht befreunden -- aber er stand dem Fortschritt des Palästina-Gedankens in-der Union nicht, hindernd im Wege. Vogelsteins Religiosität war gepaart mit jener Weltoffenheit, die den königlichen Kaufmann von jeher auszeichnete. Auf ausgedehnten Reisen hatte er die Welt und ihre Schönheit kennen gelernt. Er schwärmte für Kunst, ganz besonders liebte er die Musik, in seinem Hause in New York wußte er eine edle Geselligkeit zu pflegen, geistig und menschlich hochstehende Menschen um sich zit sammeln. Er lebte nicht nur für sich, sondern war sich seiner humanitären Pflichten sehr wohl bewußt. Zu den grollen Sammlungen, die zur Abhilfe an Notständen oder, zur Erhaltung vou Institutionen veranstaltet wurden, spendete er stets reichlieh. Aber weit bedeutsamer war, was er im "Stillen tat, um Menschen zu helfen — in den verschiedensten, Bereichen, wo er vou einer Notlage erfuhr. Es ist bezeichnend, daß an seiner Beerdigung, wie Freunde berichten, 3 <) junge Leute aus Deutschland teiluahmen, für die er in der letzten Zeit die Oberfahrt bezahlt hatte. So hat er durch stille Hilfe vielen zu einer Ausbildung und Existenz verhüllen. Vielen, die es vielleicht selbst nicht wissen, denn er hat namentlich begabte Künstler in den Lerujahren auf diskrete Weise unterstützt. Wenn seine Geschwister, wenn seine Freunde erzählen wollten, sie hätten von vielen schönen und edlen Worten zu berichten, die sie dank Vogelsteins Hilfsbereitschaft vollbringen konnten. Auch in Deutschland •haben Einzelne und Institute in reichem Maße seine Hilfe erfahren: er hat, um nur seine Verbindung mit einem jüngst Verstorbenen zu erwähnen, nie Oscar Wassermann, mit dem er geschäftliche Fragen zu besprechen hätte, verlassen, ohne ihm einen Scheck für wissenschaftliche Institute zu lassen. Ein Manu von Ludwig Vogelsteins Wollen und Tun wird drüben und hüben vermißt werden. Er gehörte in die Reihe der „Frommen und Männer der Tat“, von denen gerade das Sukkotfest berichtet, an dessen Eingang er entschlafen ist. Von ihm gilt das Bibelwort: „Wer Liebe sät, -hat sichern' Lohn.“ Stefan Zweigs Dank an den Kulturbund Stefan Zweig hat auf ein Telegramm des Kulturbundes nach der Aufführung des „Jeremias“ mit folgendem Brief geantwortet: Sehr geehrte Herren! Ich danke Ihnen von ganzem Herzen für Ihr freundliches Telegramm. Niemals konnte es mir erfreulicher gewesen sein, den „Jeremias". aufgeführt zu wissen, als im gegenwärtigen Augenblick in Ihrem Kreise, und ich bitte Sie, all den Mitwirkenden und Helfern am Werk meine innigste Erkenntlichkeit auszusprechen. Mit den besten Grülien Ihr sehr ergebener Stefan Zweig. Die jüdischen Frauen tagen In Bad Nauheim fand die Gesamtvorstandssitzung des J ü d i s c h e u Fra u e n h ti n d e $ statt. Als Auftakt begann zwei Tage vorher eine L e rüge m e i n Schaft, die* von der .Mittelstelle für. Erwachsenenbildung fiirden Bund veranstaltet war. Prof. Martin Buber und Dr. Emst Simon hielten Arbeitsgemeinschaften ab. Prof. Buber führte die Frauen in die Gedankenwelt der Bibel ein. An der Hand von neborahs Lied, Hannairs Gebet! und dem Antwortspruch der Frau aus Tekoah wurde die Abwandlung der Theokratie des Volkes Israel dargeTegt. In meisterhafter Art wurde durch Fragestellung das ganze Auditorium in die Arbeitsgemeinschaft einbe/ogen. Mit gleicher pädagogischer Meisterschaft gab Hr. Simon Einführungen in die Grundlagen des jüdischen Gesetzes. Von der Thora ausgehend, über Talmud,.Alisehue Thora bis zum Schulchan Aruch lehrte er Werden und Sein jiuli>chcr Gesetzgebung. Hie Fraucnbutidsarbeit stand unter dem Gesamtthema: Erziehung.mul Berufsausbildung. Sie begann mit einem Vortrag von Dr. Dora Eiliuger über „Persönlichkeitsbildung”, brachte dann zwei Vortrage über „Familie um) JugciuihiUlung” von* Frau Caro, Köln, und über „den Mut zum Erziehen'* von Frau Berge!- G r o u e m a n n , die eiiHgeriiiallen über-, spitzte Forderungen für eine Rückkehr zum gesetzestreuen Judentum aufstellte. Der nächste Tag brachte dann die eigentliche Geschäftssit/uug mit einem vorbildlich knapp gestalteten Geschäftsbericht vou Hannali Karin iuski. Der Geschäftsbericht zeigte deutlich die umfassende Arbeit, die im. gesamten I Knitschen Reich durch die IS Ortsgruppen und die angcschlosscnen Vereine vom Jüdischen Frauenbund geleistet wird. Besonders ist noch hervorzuheben, dal! der Jüdische Frauenbund nunmehr in den grollen Dachorganisationen des Judentums, wie in der Zentralw.ohlfahrtsstellc, Zentralstelle für Hilfe und Aufbau, sowie,im Beirat der ReichsvcrtreUmg der deutschen Juden vertreten ist. Es folgten dann die Referate über Berufsumschichtung, * haiiswirtschaftliehe Ausbildung und allgemeine Ausbildung*- fragen und ein sehr interessantes Referat über die Auswertung . der Lernzeit für die Bundesarbeit —* Den Rahmen für diese Tagung bot das behagliche Israe- - litischc Frauenheim in Nauheim. Wie immer, war das Zusammentreffen der Bmulesfrauen aus den verschiedenen Stellen des Reiches eine besondere Freude und Anregung. für all<* die, die sieh seit Jahren kennen und durch gemeinsames Streben verbunden sind.'So werden sicher alle Teilnehmer mit Freude und Dankbarkeit an die durchsonntcu Herbsttage in Bad Nauheim zuriiekdenken. Oretv Wat. BERLIN tmpfeMeaswecte tBezugsqueCCen BERLIN Öandagen — Orthopädie GEORG ANTON. 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