Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 14 (1934)
- Issue
- 72-73 (7.9.1934)
- Date
- 1934-09-07
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Herr, Die Dame Elegante Maßsdtneiderei A. Bcrkowitz, Joidrimsthileistr. 38. J 1 Bismarck 7640 tender wird, der ihr in einer augenblicklichen 'Verzweiflung, halb wider Willen und gegen die Pflicht, Zweifel beichtet. Aber schmerzlos lösen sich alle Konflikte und Konfliktchen. Frau Josefa und ihr Vincenz werden 14 Tage ehelicher Beschaulichkeit in ihrem herbstlichen Garten genießen, der Sohn Eduard wird noch manchmal an seine Gusti, mehr aber an seine Schularbeiten denken müssen, der Priester Kranken und Sterbenden im Dorf zur Seite stehen. Und die angehende Schauspielerin wird ihre erfolgreiche Rolle weiter spielen, im Leben und auf der Bühne. Für die Künstlergattin setzt Jenny Schaffer eine empfindsame Mütterlichkeit, Fraulichkeit und Weiblichkeit ein und läßt durch Schleier eines milden Lächelns gebändigte Sehnsucht und ein Herz voll unerfüllter’ Wünsche ahnen. Ein Kaplan reinster Demut, in gleicher Weise himmlischen wie irdischen Dingen zugewandt, ist Martin Brandt. Heinz Friedeberg hat den Trotz und die Keckheit tines-Schuibubai und den Drang frischer Jugend zum ersten Abenteuer. Die junge Schauspielerin ist Mira Rosowsky: ein hektisches, haltloses junges Ding, das im Sein und im Schein.alle Verstellungskünsfe beherrscht. In kleineren Rollen: Fritz Wisten. Walther Hertnerund Emst Lenart. Neben .dem Regisseur Fritz J eßne r und dem Bühnenbildner Heinz Condell muß auch: der Veranstalter eines naturechten Gewitters, Hans Sondheimer, lobend genannt werden. Das Publikum zeigte sich dankbar. Von der Kunst zur Künstlerhilfe. Von der Sommerluft in’ die .Winterkluft.; „Ein Tag für die jüdische Frau“ war das Motto einer vielseitigen Veranstaltung, die die Künstlerhilfe der Jüdischen Gemeinde unter der Leitung von Lucy Gelber im Brüdervereinshaus inszeniert hatte. Ihr Sinn: die jüdische Frau in Kontakt zu bringen mit jüdischen Firmen, die Interessen der jüdischen Frau in die jüdische Wirtschaftshilfe einzubeziehen. Ähnliche Veranstaltungen sollen, wie Bruno Woyda in seiner Eröffnungsansprache mitteilte,. im Laufe des Winters folgen. Eine glückliche, gut dosierte Mischung von Ausstellung, künstlerischen Kosthäppchen, Modeschau und Gesellschaftspaiise. Das Brüdervereinshaus hatte sich in ein Warenhaus im kleinen verwandelt, zur Befriedigung weiblicher Schaugier und zum Anreiz femininer und, falls vorhanden, maskuliner Kauflust.’ Rund fünfzig Namen wies das Ausstellerverzeichhis auf. Vertreten durch (Rüth Samuels) Puppen und Pelze, durch Kosmetik und Keramik, durch Koschfcrwaren und Korbmöbel. Alles greifbar. - Vom bandgemalten- Taschentücbelchen Alice -Simons bis zum Luxusradioapparat. Von der Babywäsche bis zum Nerzmantel. Pullover und Bücher. Rahel Ruth Sinasohn bat eine festliche Sabbattafel gedeckt. Irma Cohn erweckt mit ihren Bildern die Lust, sich in Großaufnahme photographieren zu lassen. Eine Verkäuferin offeriert praktisch zusammenklappbare Einkaufstaschen. Da gibt es appetitanregende und hungerstillende Freßpakete für Junggesellen und Ehepaare. Hühner-Eier und Stopf-Eier. Kindergarderobe und Damenkonfektion. In der Nähe elektrischer Kochapparate liegen gerupfte Gänse in Erwartung des Neujahrsfestes. Auf einem Tisch sind Knallbonbons ausgebreitet. Sieht man näher zu, dann ist es eine Strumpfpackung. Eine Parfümeriefirma leistet sich sogar den Luxus, alle Besucher gratis mit Duft zu •bestäuben. Den optischen Eindrücken folgen die akustischen. Berthold Goldschmidt hat sein Orchester der Künstlerhilfe schon gut auf Offenbach, Johann Strauß und Abraham gedrillt. Charlie Brock, Marion Köegel und Annemarie Hase, von Alfons Fink angesagt, -bringen 'die Glanz- Köpenlcker Wflscherel Ernst Richter Köpenick, Msklsdorfer Straße 90 P 4 Köpenick 0263 Telef. Bestellungen täglich, »ti&er Freitsg u. Sonnabend, schonendste Behandlung nummern ihres kleinkünstlerischen Repertoires. Mit seinem machtvollen Bariton und seinem Humor versetzt Wilhelm Guttmann die-Hörer in figarosigste Stimmung, die durch Lucy Gelbers routinierte Kinderschar mit zwei lustigen Szenen der Dichter-Regisseurin bestens vorbereitet ist. (Werden hier die künftigen Stars des Kulturbunds gezüchtet?) Und zwischendurch läßt Elsa Herzog in gewandter Conference die kommende Wintermode in ausgewählten Exemplaren auf einem Laufsteg Revue passieren. Hoffentlich hat der zum Kaufen anregende Tag für die jüdische Frau keine unruhige Nacht für den jüdischen Mann im Gefolge gehabt. E. Ta. Rosch haschanah-WOns€he amerikanischer Staatsmänner Fortsetzung von der 1. Seite Der Gouverneur von Illinois, Henry Horner, schreibt: „Beim Eintritt in das neue Jahr freue mich,'meine herzlichsten Festtagsgrüße und Glückwünsche meinen Glaubensgenossen, wo immer sie leben, zu entbieten. Das jetzt zu Ende gehende Jahr war gekennzeichnet durch bedeutende Beiträge, die Juden auf vielen Gebieten zur allgemeinen Wohlfahrt geleistet haben, und war in einer'Reihe von Ländern von einem tragischen Schatten umdüstert. Durch die Jahrhunderte hindurch hat Rosch Haschanah immer die Melodie ewiger Hoffnung erklingen lassen. Aus dieser Hoffnung schöpfen wir den Mut, weiterzuschreiten und unserem Lande und der Welt das Beste, was in uns liegt, zur Erhöhung der Wohlfahrt der Allgemeinheit zu geben. Unser Glaube an das Morgen wurzelt in einer Vergangenheit, die Zuversicht rechtfertigt. Das Neue Jahr wird ein Markstein der fortgesetzten Ergebenheit der Juden der Vereinigten Staaten gegenüber den Idealen Amerikas und dem Dienst an ihm sein, die sie seit Gründung der Republik stets bewiesen haben. Möge das Neue Jahr allen Gesundheit und Glück bringen und die Welt näher an das Ziel der Gerechtigkeit und ded Friedens heranführen.“ Glückwünsche haben ferner entboten: George C. P e r - ry, Gouverneur von Virginia, Gouverneur Gifford Pichot von Pennsylvanien und der stellvertretende Generalstaatsanwalt der Vereinigten Staaten, William S.t a n 1 e y. Der „Stürmer" in Westfalen beschlagnahmt - Essen. Die Polizei in Kamen in Westfalen teilt mit: Die Zeitschrift „Der Stürmer“, Nr. 34, ist durch die Geheime Staatspolizei wegen des Artikels „Die Schande von. Kamen“, der Angriffe auf den Bürgermeister Brüning und .Baurat Reich enthielt, beschlagnahmt worden. Diese Mitteilung der Polizei bezieht sich auf einen Artikel, in dem dem Bürgermeister von Kamen vorgeworfen worden war, daß er einen langjährigen SA-Mann als Pflichtarbeiter mit Aufräumungsarbeiten auf dem jüdischen Friedhof beschäftigt habe. Der Bür- ■ germeister gab darauf eine Erklärung ab, daß dieser Vorwurf unzutreffend sei und auf einer Denunziation beruhe. Letzte Nachrichten Pensionskasse für die jüdischen Gemeindebeamten Nach langjährigen schwierigen Verhandlungen ist es dem Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden gelungen, eine Versorgungseinrichtung für die Ruhe- und Hinterbliebenen-Bezüge der jüdischen Gemeindebeamten zu schaffen.' Es wurde mit der Alten Leipziger Lebensversicherungs-Gesellschaft auf Gegenseitigkeit, ein Abkommen getroffen, durch das es den jüdischen Gemeinden und Organisationen im Deutsche Reich ermöglicht wird, die Alters- und Hinterbliebenen-Versicherung ihrer Beamten und Angestellten, einschließlich der ehrenamtlich tätigen Personen, durch ■ Abschluß von Renten-Versicherungen nach neu geschaffenen Tarifen sicherzustellen. — Wir kommen auf diese bedeutsame Einrichtung in der nächsten Nummer noch zurück. Zam Ergebnis der Volksabstimmung in Fürth Nürnberg. Die „Fränkische Tageszeitung“ brachte , in ihrer Ausgabe vom 25. August über die Volksabstimmung in Fürth eine Notiz, in der es hieß: „In einer Stadt, in der es schon ca. 4000 Juden gibt, wurden bei fast 46 000 Ja- Stimmen nur 3900 Nein-Stimmen, also eine Zahl, die ungefähr den jüdischen Einwohnern entspricht• abgegeben ... Die Nein-Stimmen in Fürth-Stadt dürften demnach ziemlich restlos auf das Konto der Juden zu setzen sein, über deren Einstellung zum Führer keine Zweifel bestehen.“ Hierzu erklärt der Vorstand der IsraelitischenKujtusgemeihde F ü r th : Diese Notiz ist schon deshalb irrig, weil in Fürth nicht, ’ wie angegeben, 4000, sondern höchstens 2100 Juden leben. Bekanntlich sind aber nicht alle wahlberechtigt, so daß es nicht angeht,'die in Fürth abgegebenen Nein-Stimmen als mit den. jüdischen Stimmen identisch zu erklären. - Klage der Westdeutschen Kaufhof A-G. Wie der „Angriff“ aus Köln meldet, hat die Westdeutsche Kaufhof A.G. ihre Klage gegen den „West-' deutschen Beobachter“, der das Unternehmen als „getarnten Judenladen“ bezeichnet und daraus entsprechende Folgerungen für die nationalsozialistischen Käufer abgeleitet hatte, zurückgezogen. _____ ' RIoiHar Eigene AteHers im HaHse lliito WltflUCI Vetter-Sobiüia. Strickwaren 11IILB Kurfärsfendamni 153 (Universum) J 7, 4902 B I Ha^a\cttfHlnot (Hebtautants | TANZ*STI MMUNG Wa köaxa wir ras got müsiamii „Caf6 Tricmoh“ inh. BonKtein Bayerischer Platz 1, Tel. B 6 0635 Mitgl. d. jüd. Gemeinde Täglich nichmItUg* und abendsTANZ * Eintritt frei Anerkannt beste Wiener Köche bei ganz billigen Preisen. Wochentags tuebmi 1 Tasse Kailee 33 Pf. Oedeck 55 Pf Abends 1 Tasse Kaffee 46 Pf. Sa'mst u. Sonnt Abend 1 KSnnch J<a!fee62Pf - Vereins« u. Unterhkltungsrlumllchkelten stehen zur Verfügung annoauaoaimmounimuiinuiimiminuuiimumunuuuuiwiiiHUiuijuiimiiuimuiuiu § -Zum Neuen Jahr gwünsdit seinen Gästen | i alles Gute . | I Restaurant Rublasteln g —JoachlmsthaUr Str. 41. Dorothee«- " s str. 77*78 Tel. J 1 Bismarek 1232 | s da* fflkrtitdi Jttrilscba Rwttarttt s Berlin» Auserwdhtte Gedecke für - £ die Feleriug^l^j} Konditorei Leon ZHim KurfOrsteniomm IBS Säle 40*800 Personen fassend für VtrshstaUungen jeder Arl frei PENSION ZIESCHE l Kurfürstenöamm 238 I Elegante Zimmer m. jedem Komfort billigst. Dauer* aufenthalt Sonderarrangem. | Cafd Uhlandeck am Kurfürsten dämm ^^raw* Wir »nrartaa Eacb'a^^^B Künstler-Konzert Billige Preise Konditorei» Eisdiele Winkler NW Flensburgerstr. 5, Ecke Claudlusstr. Feinst» QeilttatM Eisbein baa Angenehmer Aufenthalt Nwfa Ma ha giflara Zweig Im Hause der Scala, Liitherstf. lntemation. Spezialitäten-Küche Pension Marburg T»UMtzl«n»tr. \6 EIur, Msrburecrslr. Telefon B 4 Bavaria 8437 . . 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