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Jüdisch-liberale Zeitung · 1934-09-07 · 72-73 (7.9.1934) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
14 (1934)
Issue
72-73 (7.9.1934)
Date
1934-09-07
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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RADIO-LABOR. S. KLEIN Lie!7enbur*;er blraße i - J 1 Bismarck 2530 Fernernpfangsverbesserunj; - Sturbeireiung * Uadiorepnrmure n \\';r führen Ihnen jedes moderne Gerät in Ihr.;;;: Heim vor Arbeitstagung des Bundes Deutschjüdischer Jugend Heinz Keilermann Sobotkers Nachfolger Am 1. und 2. September trafen sich in Berlin sämtliche Landesverbands- und zahlreiche Ortsgruppen - Leiter des Bundes Deutsch]'ü-discher Jugend zu einer Aussprache über den zukünftigen Weg ihrer Gemeinschaft. In einem ausführlichen Bericht legte die Bundesleitung durch Norbert Wollheim Rechenschaft ab über die Entwicklung, die der Bund in der kurzen Zeit seines Bestehens genommen hat. Zur Zeit seiner Gründung im Dezember 1933 umfaßte er kaum 3000 Mitglieder in 35 Ortsgruppen; heute sind es 9000 Mitglieder, die in 105 Ortsgruppen, zusammengefaßt sind. In mühevoller Aufbauarbeit gelang es auch, in die Kleingemeinden vorzustoßen und den Menschen, die dort mehr als anderswo der Hilfe und Anlehnung bedürfen, die bloße Bundesgemeinschaft nahezubringen. Das Wachstum des Bundes, das organisch den inneren Gesetzen der Jugendbewegung folgte, hat ihn in wenigen Monaten zu einer jüdischen Großorganisation' werden lassen. Der Bundesbericht wurde ergänzt durch die Berichte der 14 Landesverbands* leiter, die den besonderen Stand der Arbeit in ihren Gebieten schilderten. Am zweiten Tage Umriß Heinz Kellermann in einem großangelegten Referat, dem er die Veröffentlichungen führender Bundesmitglieder zugrundelegte, die ideologische Stellung des Bundes und seine Aufgaben innerhalb der jungen Generation des deutschen Judentums. Die Diskussion ergab vor allem den starken Willen, das Verhältnis zum religiösen Problem und eine jüdisch betonte Lebensgestaltung zü finden. Die Arbeitstagung erhielt ihre besondere Bedeutung durch die Umbesetzung der Bundesleitung. Martin Sobotker, der in den vergangenen Monaten für den Bund rastlos gearbeitet und das unbedingte Vertrauen seiner Menschen gewonnen hatte, trat aus beruflichen Gründen zurück. Es war natürlich, daß seine engsten Mitarbeiter seinem Vorschlag gemäß sein Amt übernahmen. Neuer Bundesleiter ist Heinz Kellermann - Berlin; seine Stellvertreter sind Günter Friedländer und Franz Ros ent h a 1-Breslau. Diese Menschen geben Gewähr dafür, daß <lie bisherige Linie des Bundes fortgeführt wird. In voller Einmütigkeit ging die Tagung auseinander, nachdem über die Stellung des Bundes zu den jüdischen Groß- und Jugendorganisationen Beschlüsse gefaßt worden wären. Ein Schreiben des Reichswirtschahsministers - Die Beschäftigung von Niditanem Zur Frage der Beschäftigung von Nichtariem wjrd durch Mitteilungen in der Presse ein Schreiben des Reichswirtschaftsministers vom 5. April' 1934 bekannt, das erneut hervorhebt, daß Betriebsvertretungen und andere Stellen sich inWiderspruchzu den wiederholten Verlautbarugen der Reichsregierung setzen, wenn sie eine En 11 assung. j ü d ische r Arbeit nehmer wegen deren Rassezugehörigkeit fordern. Anlaß dazu boten, wie wir der Frankfurter Zeitung entbereits der Herr Reichsarbeitsminister und ich in einem Erlaß vom 21. Oktober 1933 Stellung genommen. Außerdem, hat der Herr Reichsarbeitsminister in einem Rundschreiben an die Treuhänder der Arbeit vom 24. November 1933 — Hlb Nr. 14 S72 33 (das damals im Wortlaut von uns veröffentlicht wurde. Schriftltg.) — darauf hingewiesen, daß Betriebsvertretungen und andere Stellen sich mitdcr_Forderung, jüdischeArbeitnehmerzuentfernen, in Widerspruch zu den wiederholten Verlautbarungen der' Reichsregierung setzen. Aus der Tatsache nämlich, daß nach dem Willen der Reichsregierung im Wirtschaftsleben zwischen arischen und nichtarischen Firmen zum Zwecke der Boykottierung nichtarischer Geschäfte nicht unterschieden werden solle, könne ohne weiteres abgeleitet werden, daß auch den nichtarischen Arbeitnehmern der Schutz der' Regierung zustehe...“ Ein Appell des General Smuts Zugunsten des Judentums Johannesburg. Der südafrikanische Justizmisister und ehemalige Ministerpräsident General Smuts hat einen flammenden Aufruf zugunsten des Judentums erlassen. In dem Aufruf wird die nichtjüdische Welt aufgefordert, dessen eingedenk zu sein, daß die Juden der Welt die Bibel geschenkt haben. „Wir wollen nicht vergessen,“ schreibt General Smuts, „daß dieses außergewöhnliche.bochbegäbte kleine Volk den höchsten Beitrag zur Wohlfahrt der Welt geliefert hat. Die Bibel ist das bedeutendste Buch der Welf und das höchste Geschenk auf dem Gebiet der Kultur, des Denkens und der Religion der Menschheit. Kein anderes Werk der Weltliteratur kann mit ihr verglichen werden.“ Synagogen-Einweihung in Kfistrin Frankfurt a. O. Seit geraumer Zeit fand wiederum in Deutschland eine Synagogen-Einweihung statt. Trotz mannigfacher Schwierigkeiten war es der kleinen Gemeinde in Küstrin gelungen, den Bau ihrer Synagoge zu vollenden. Die Einweihung des Neubaus fand in besonders feierlichem Rahmen statt. Neben Teilnehmern aus den Nachbargemeinden sind insbesondere Rabbiner Dr. Sa I o m onsk i-Berlin als Vertreter des Preußischen Landesverbandes und der Berliner Jüdischen Gemeinde sowie Rabbiner Dr. Wien er-Berlin und die Rabbinen aus Frankfurt a. O. und Landsberg a. W. unter den zahlreich erschienenen Festgästen hervorzuheben. Die ewige Lampe wurde vom Vorsitzenden des Berliner Rabbinerverbandes, Dr. Martin Salpmonski, entzündet. Die Weiherede hielt der Prediger von Küstrin, Löwy. Besondere Verdienste um den Bau hat sich der Vorsteher der Gemeinde Küstrin, Müller, erworben. Zum 60. Geburtstag Dr. Katzensteins-Bielefeld Ein Kämpfer für das religiös-liberale Judentum Am 12. September dieses Jahres begeht Rechtsanwalt Dr. Katzenstein, Bielefeld, seinen 60. Geburtstag. Es ist eine Ehrenpflicht, seiner, an dieser Stelle mit herzlichen Wünschen zü gedenken. Dr. Katzeustcin ist einer der Begründer der Vereinigung für das religiösliberale Judentum und seit ihrem Bestehen Mitglied des Hauptvorstandes der Vereinigung. Klarheit des Denkens verbindet sich i(t ihm mit Vornehmheit der Oesinnung, Die. sechs Jahrzehnte seines Lebens bieten das Bild einer reichen Entwicklung, die auf das Judentum ausgerichtet ist. Von großer innerer Elastizität hat er einen Blick für das, was die Gegenwart erfordert, und ist bereit, das durch die Zeit Gebotene zu vertreten und zu verwirklichen: Von .einer-sich ständig vertiefenden Liebe zum Judentum beseelt, hat er, inr wahren Sinne modern, sich für den Aufbau des religiösen Lebens eingesetzt. - So hat er die üenteinde Bielefeld segensreich verwaltet, und wenn sie eine gedeihliche Entwicklung genommen hat, ist es vor allem seiner Umsicht und seinem Weitblick zu verdanken. Insbesondere für die Jugend und ihre Bestrebungen hat er ein tiefes Verständnis. In solchem Geiste hat er auch das jüdische Leben der Provinz Westfalen tatkräftig gefördert. Als Vorsitzender des Verbandes der Synagogen-, gemeinden Westfalens hat er sich die Fürsorge für das Wohl der kleinen Gemeinden, die Aufrechterhaltung des Kultus und Religionsunterrichts, die Hebung des kulturellen Lebens, die Schaffung von Lehrerbezirken angelegen sein lassen. In den letzten Jahren ist der Radius seines Arbeitsbereichs erheblich gewachsen. Die Not der jüdischen Gemein- ” schaft stand als Aufgabe vor ihm, an deren Lösung mitzuwirken er sich berufen fühlte. Der Soziale Ausschuß für jüdische Wohlfahrtspflege in Westfalen und vor allem die Provinzialstelle für jüdische Wirtschaftshilfe in Westfalen und die westfälische Dartehnskasse umschreiben sein Tätigkeitsgebiet. Darüber hinaus gehört er dein Hauptvorstand des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Gtäubens au und ist Vorsitzender des Landesverbandes Ost-Wcstfalen-Lippe des C.V. Tatkräftig hat er jede Bestrebung gefördert, die dahin zielte, das deutsche Judentum durch Zusammenschließung und Organisierung zu festigen, und hat wesentlich -zu der Begründung des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden beigetragen. . Dem Rat des Landesverbandes gehört er als Mitglied an. Möge ihm auch weiterhin die Kraft zu seiner umfassenden und vielseitigen Wirksamkeit im Dienste des Judentums gegeben sein. Schnitzler im Kulturbund — Die Jüdische Frau im Brüdervereinshaus Sommerlüfte - Wintermode Arthur Schnitzler hat Hugo von Hofmannsthai versprochen, zur Premiere von „Jedermann“ nach Salzburg zu kommen, und er hat ihn gebeten, ihm zwei Sitzplätze reservieren zu lassen. Da aber Schnitzler bis zum Vortag der Aufführung nicht eingetroffen ist, telegraphiert Hofmannsthal, der Vergeßlichkeit des Freundes eingedenk: „Sitze besorgt. Salzburg Hotel Continental. Hofmannsthal.“ Worauf Schnitzler erstaunt zurücktelegraphiert: „Warum sitzst Du besorgt Salzburg Hotel Continental?“ sich um die Jungen und die alternden Menschen in dem -Sommerhäuschen des Bildhauers Friediein legt, und das beim ersten -Hauch zerreist und zerflattert. Die Bindungen reichen für eine schwüle Gewitternacht, für ein paar Sommerwochen, für die Dauer einer Spielzeit — vielleicht. Lächelnder Verzicht unter echten und falschen Tränen, Resignation, leise Ironie und die „leichtsinnige Melancholie“ Anatols sind die Bestandteile dieses verschlungenen Pusselspiels. nehmen, Angriffe gegen den Geschäftsführer einer Einkaufsgenossenschaft des Handwerks in einer großen südwestdeutschen Stadt wegen seiner Rassezugehörigkeit. Die Genossenschaft stellte in einem Rundschreiben daraufhin fest, daß das Interesse der Genossenschaft die Beibehaltung des jetzigen Geschäftsführers erfordere, und zwar wegen seiner bewiesenen Eignung und Tüchtigkeit. Zugleich gab sie den Wortlaut eines Bescheids des Herrn Reichswirtschaftsministeis vom 5. April 1934 bekannt, der der Genossenschaft auf eine frühere Eingabe wegen gleichartiger Angriffe.zugegangen war. In dem Bescheid heißt es: /„Gegen Einflußnahmen außerbetrieblicher Stellen auf die Einstellung und Entlassung von Arbeitnehmern, etwa Wegen deren'Rassenzugehörigkeit, haben Wir saßen zwar nicht besorgt, aber ein wenig bedrückt und betrübt in der Berliner Premiere von Arthur Schnitzlers letztem Bühnenwerk. Kurz vor des Dichters Tod ist es entstanden. Vor etwa fünf Jahren. Inzwischen starb eine Zeit. Das „Spiel der Sommerlüfte“ konnte dem alles aufwirbelnden Emst rauher Stürme nictifr Standhalten. Eine versunkene Welt geisterte auf der Drehbühne an uns vorüber. Und doch danken wir dem Kulturbund für diese Aufführung, ■ die uns die Bekanntschaft mit altvertrauten Gestalten Schnitzlers aus dem weiten Land der Seele erneuern ließ. Es sind keine starken Fäden, die die Handlung Zusammenhalten. Es ist ein zartes herbstliches Spinnetz, »das Während Prof. Friedlein den Drang zu seiner Bildhauer-_ Werkstatt und zu seinen Modellen verspürt, wird Frau Josefa, seine Lebensgefährtin, eine Frau zwischen zwei Altem, vom Hauch der Leidenschaft zu einem andern gestreift. Die Nichte Gusti, künftige Julia am Innsbrucker Stadttheater, wechselt ihre Rolle und ihre Partner wie auf ein Stichwort. Einer nimmt sie ernst; der Schuljunge Eduard wird an ihr zum jungen Mann; der Innsbrucker Leutnant, einem. Duell glücklich entkommen, wird ein paar nette Wochen mit ihr verbringen, da sie nichts gegen ihn einzuwenden hat. Bleibt Hochwürden, der Kaplan Ferdinand Holl. Er kommt oft in den Oärten der Künstlervilla, um an der Resignation der Frau Josefa mitfühlend Anteil zu nehmen; bis aus.dem Beichtiger ein Beich- OomAotl iBettfieai-i ichvtn Suitcalt, mit Lack*' versienmg u. Durchbradi., -v*. Dewanrtea CH -Prlp-rmt*

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