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Jüdisch-liberale Zeitung · 1934-09-04 · 71 (4.9.1934) · page 5

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
14 (1934)
Issue
71 (4.9.1934)
Date
1934-09-04
Page
– (sequence 5)
Language
German
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I 14. Jahrgang Nummer 71 38difd)'(Uieta(e Geltung Beilage 4. September 1934 Von jüdischem Wort und jüdischem Brauch - Rosth-hasthanah Von Rabbiner Dr. Max Dienemann Am Ajjend des 9.- September beginnt das neue jüdische Jahr. Sein erster Tag, das Neujahrsfest,’ist zugleich der Beginn der zehn Bußtage. Zwei Elemente fließen in dem Neujahrsfeste zusammen: Im Volksbe'wußtsiin ist es das Fest der Schicksalsbestimmung, an dem, um in der Bildsprache'des Gebetes zu reden, das Buch der Erinnerung aufgeschlagen ist, das Buch des Lebens. Der übliche Wunsch, mit dem -man sich an diesem Feste gegenseitig grüßt, ist darum der: leschono tauwo. tikossew — „mögest dü eingezeichnet sein zu einem guten Jahre.“ So das Volksbewußfscin. Die Absicht der geistigen Führer bei der Bestimmung des Festcharakters ging nach einer anderen . Richtung. Sie wollten in den Vordergrund gerückt wissen die Stimmung Ehrfurcht vor Gott als dem, um dessen Verehrung sicli die Menschheit .einen soll. So spiegelt es sich iVdem Kernstück der Liturgie für den Neujahrstag wieder: „Gib, daß die Ehrfurcht vor Dir, Herr, unser Gott, über alle Deine Geschöpfe komme und die Scheu vor Dir über alles, was . Du erschaffen hast, daß vor Dir Ehrfurcht haben alle Gesdhöpfe und sich vor Dir niederwerfen alle Geschaffenen, und d a ß sie alle einen Bund bilden, Deinen Willen zu tun mit ganzem Herzen . . . Mögen die Gerechten es schauen und sich freuen und die Redlichen frohlocken imd die Frommen in Jubel ausbrechen, .und das Unrecht seinen Mund schließen und. alle Bosheit wie Rauch vergehen.“ Der charakteristische Brauch des Neujahrstages ist das Schofarblasen. Man darf es nicht rational werten, sein Grund und Sinn ist verstandesmäßig nicht zu erklären. Schofar begleitete alle wichtigen Handlungen im alten Israel. .Nach der Oberlieferung erklang es am Sinai, nach der Prophetenverkündigung wird mit ihm der Tag des Messias, der Heimführung der Verbannten anheben. Mit seinem Hali würde das fünfzigste Jahr, das Jahr der Agrarordnung, eingeleitet; mit ihm kündete man das Nahen‘des SabbatS' ah, den Beginn der Arbeitsrühe. ..Alle Geschichte steht mit ihm in der'Seele zum Leben auf. . Die Liturgie des Neujahrstages hat als Kernstück außer dem oben Zitierten die Buß-Litanei owinu malkenu -- unser Vater, unser König. Die-Thoravorlesung handelt von Sarahs Begnadung mit einem Sohne, der Propheten-Abschnitt von Hannas Begnadung mit dem Sohne. Die Fruchtbürwerdung der Unfruchtbaren als Inhalt der Schrift Verlesung mag symbolisch die Erneuerung des Einzelnen in seinem Schicksal und seiner Gesinnung, der Gesamtheit in ihrem Wollen und ihrer Zielsetzung symbolisieren und die Bedeutung und Wichtigkeit dieser*Erneuerung unterstreichen. Der. Gottesdienst des Neujahrstages gipfelt und klingt aus in einem Gebet, das einer der Großen aus der Zeit der Entstehung des Talmuds, R a b mit Namen, im dritten Jahrhundert verfaßt hat. In drei Abschnitten handelt es von der alleinigen Herrschaft Gottes, neben dem alle Wahngebiide ins Nichts versinken, — Malchijot Huldigung heißt dieser Abschnitt — von dem Gedenken, das Gott jedem Geschöpf bereithält, und in das der Bund vom Sinai eingebettet ist, — Sichronot =- Gedenken heißt dieser Abschnitt — von den Offenbarungen, mit denen Gott Israel begnadet hat und begnaden wird, die alle vom Schofar begleitet sind, — Sciiofarot Schofarklänge heißt dieser Abschnitt. Die Schriflvorlesung des zweiten Tages handelt von Abrahams Ver suchung und Isaaks Opferbereitschaft, ihr Sinn ist der Aufruf zu steter Opferfreudigkeit. Gefährliche Schallplattenaufnahme! Der Schriftsteller A. Z. Idelsohn, der sich mit der Erforschung des orientalisch-jüdischen Gesanges beschäftigt hat, erzählt von einer amüsanten phonographischeu Aufnahme, die er vor Jahren unter den Juden Vorderasiens machte, um die Gesänge näher zu_studieren, und die erkennen läßt, wie sehr der Aberglaube dort verbreitet ist. Als die Jemeniten hineinsingen sollten, wandten.sie sich an das Rabbinat mit der Frage um Erlaubnis. Das Rabbinat erlaubte ihnen nur solche Gesänge ins Grammophon zu singen, die nicht kabbalistischen Inhalts sind. Diese Lieder durften deshalb nicht gesungen werden, da nicht sicher sei,' ob nicht etwa das Grammophon von unreinen Geistern inspiriert wäre. ~ ln derselben Woche, in der zwei Sänger auf Schallplatten gesungen hatten, starb die Frau des einen und ein Kind des anderen Sängers. In-derselben Woehe träumte der Oberrabbiner, daß diese beiden Sänger kabbalistische "Lieder in den Apparat gesungen hätten, und gleichzeitig wurde ihm im Traumder Ausbruch einer Epidemie angekündigt. Am nächsten Tag ließ er die Sänger rufen, und sie gaben zu, die verbotenen Lieder gesungen zu haben. - Daraufhin versammelte." der Oberrabbiner alle Sänger in der Synagoge und beschwor. sie vor geöffneter Lade, niemals mehr ins Qrammophon hineinzusingen. - T.isoiiLEE-Ei „Dzis gute möbel* G. LOREK - A.1J1TTMANN - INNENARCHITEKTEN BERJJN-SCHÖNEBERG, WARTBURGSTR. 10, FERNRUF G 1, U!iO0 Wussten Sie das? Der Brauch der Kopfbedeckung beim Gebet wurde erst lange nach der exilischcn Zeit zum Oe setz erlioben.' ln Babylonien entsprach die Kopfbedeckung zwar der allgemeinen Sitte, sie war aber nirgends als religiöser Brauch vorgeschrieben. Es kam vor, daß in Palästina in nachtalmudischer Zeit Stücke des Gebets oder der Priestersegen mit unbedecktem Haupt vorgetragen wurden, was allerdings nicht den allgemeinen Beifall fand; denn es gilt als , unzulässig, "den Gottesuamen unbedeckten . I lauptes auszusprechen. Auch in Europa scheint die Kopfbedeckung zuerst im mohammedauischeu Spanien streng diuehgeführt worden zu sein. In Frankreich war es am Anfang des 13. Jahrhunderts sogar üblich, am Thorafeste Knaben, ohne Kopfbedeckung zur Thora zu rufen. In Europa’ hat. die Einrichtung der Barhäuptigkeit, wie sie die Berliner Rcformgemciiidc in ihrem Gottesdienst vorschreibt,-uirgemKvo Nachahmung gefunden, dagegen ist in vielen Kcforuigcmciudcu Amerikas die Kopfbedeckung in der Synagoge abgeschafft. Zur Zeit der Feldzüge des korsischen Eroberers . beschäftigten sich osteuropäische Juden damit, aus der Bibel, wo sich irgend Wortankliinge an .den Namen Napoleon fanden, Prophezeiungen seines Untergangs .heraus/iilesen. Ein polnischer Rabbiner bezog auf ihn die Worte_2. Buch Mose. 18, 8: „na bol tibbol („ermüden wirst du"), und ein anderer die 'Voraussagung au Hamann (Esther (>, 11).: „n a p o 1 'tippol“ („fallen wirst du“). " . * Eine von den mancherlei Deutungen de» judenfeindlichen Ausrufs „H e p,, Hep". ist folgende: ‘ Die Redewendung „Gehüpft wie gesprungen“ wird init dem grausamen Brauch erklärt, der im Mittelalter die Juden zwang, zur Belustigung ■ der Leute zu hüpfen, wollei ihnen" „llep, llcp!“ zugerufen wurde. * - Die erste gewaltsame Umwandlung einer Synagoge in eine Kirche erfolgte in Byzanz. Bei der Eroberung des. Vandalenreiches im Jahre 535 gab Kaiser Justinian den Befehl, aus zahlreichen Synagogen. Kirchen zu machen, ln Spanien stehen noch heute zahlreiche Kirchen, "die einst Synagogen waren, darunter die beiden monumentalen Bauten von El Transite und San Maria la Blancp ln Totodo. In Deutschland verfuhr man meist so, daß. bei Vernichtung . der jüdischen Gemeinden die Synagoge zerstört und auf Ihren Platz eine Kirche gebaut wurde." BERLIN QualltBtawasdia Bnnemtorf KUpanldc Saitaratr. 47 gefeit Im Freien getrocknete Schnee- , wette Wiechs, »chonendets Behandlfl. 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