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Jüdisch-liberale Zeitung · 1934-08-28 · 69 (28.8.1934) · page 4

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
14 (1934)
Issue
69 (28.8.1934)
Date
1934-08-28
Page
– (sequence 4)
Language
German
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„Ich will keine falsche Versprechung machen, aber ich hoffe, in spätestens vierzehn Tagen haben wir wieder Arbeit.“ Ruth stand "schon'an der Tür. Tn diesem Moment klingelte das Telephon. „Warten Sie noch einen Augenblick, bitte! — Hallo, ja? Stenographie und Schreibmaschine. Eine Kraft, die selbständig arbeiten kann?! — Ja — ja. Ich glaube, ich kann Ihnen gleich jemanden schicken. — — Out. Vielen Dank, auf Wiedersehen!“ Und zu Ruth gewandt: „Also — hier Die. „UZ“ empfiehlt Ihnen: Bunter Büchertisch Kleine Köstlichkeiten, nicht mir ihrem Inhalt nach:, sondern auch in der lustigen, bunten Gewandung und in der Anordnung des Druckes — dabei leicht erschwinglich im Preis — sind die neuen Bändchen der Schocken*Büche- r e i, die gerade rechtzeitig zum Roschhaschanalifest tierauskommen. Vorwiegend aus dem Bereich der chassidischen Legende stammen Alartin Bubers „Gesellichten von Engeln, Geistern und Dämonen";. Klar erzählt, "spannend im Aufbau und getränkt mit tiefer Demut und starker Gläubigkeit. Klugen Blick und eine geschickte Hand verrät die gekürzte Neuausgabe der im Jahre 1800 veröffentlichten „Sprichwörter nnd Redeiisarten deutschjüdischer Vorzeit“ von Abraham Tendlau, der als Privätgelehrter in Frankfurt a. M. lebte und 1878 in Wiesbaden gestorben ist. In den über 100 ausgewählten Proben offenbart sich ein reicher Schatz an jüdischer Lebensweisheit und altem Brauchtum, an derbem Humor und lächelnder Weisheit So eröffnen diese Sprichwörter und Redensarten einen einzigartigen Einblick in jüdisches Wesen und Erleben einer, vergangenen Zeit, Ein alphabetisches Wörterverzeichnis ermöglicht auch dem Unkundigen das Verständnis der hebräischen und der deutsch-jüdischen Ausdrücke und zeigt darüber . •hinaus, daß viele von ihnen, fälschlich für „Mauscheln“ gehalten, altdeutsche' Spraclrförmen sind, die sich noch, heute vielfach in deutschen Dialekten erhalten haben. In die Finsternis des Ghettos führen die Darstellungen „Von der Franckfurter Juden.Vergangenheit“, die Ephraim Frisch aus den „Jüdischen Merckwürdigkeiten“ des Frankfurter Schulmannes und lutherischen Theologen Johann Jakob Scliudtausgewählt hat. Wenn auch vieles Reizvolle aus dem umfangreichen Werte in dem schmälen Bändchen des Schocken-Verlagcs . keine ^ufnahme finden konnte, so ergibt sich doch ein" lebendiges Gesamtbild vom Leben in dem alten Frankfurter Judenviertel, von Not und Elend, von Festen und Gewohnheiten, vom Leben und Sterben der Menschen, die nach den Stürmen und Zerstörungen des 30jährigen Krieges in den lichtlosen dumpfen Gassen ein gedrücktes Dasein führten. . Einen ergreifenden .Abschnitt aus der unendlichen Tragödie . des Judentums gibt Valeriu M a.r c u in seinem im Querido-Verlag, Amsterdam, erschienenen Buch „Die Vertreibung der Juden aus Spanien“. Mit dem Rüstzeug des Historikers ausgestattet, in der geschliffenen, er- RjF. . tuto-feRMlienst Berlin, Mittelstraße 12, D 1 Norden 2675 Ständige Qcsellschaftsfahrten nach Broalau, Hlrachberg, Hamburg, Beuthen O.-S. 13,50 12,— 12,— 21.— Preise sind für Hin* und Rückfahrt1regenden Sprache des Essayisten, schildert er Ruhm und Sturz der Juden in der spanischen Inquisitionszeit, mit ihren Disputationen und Ritualmordprozessen, mit ihren Marranenschnüffeleien und allen jenen treibenden Kräften, die zur Kata- -strophe des Jahres 1492 geführt haben. Eines der bittersten Kapitel aus der Historie des Judentums, das das schmerzliche Erlebnis der eigenen Zeit mitschwingen läßt. Ein kunstvoll gearbeiteter Tatsachenbericht, dessen aufwühlender Wirkung sich niemand entziehen kann. . " Von der Geschichte zur Dichtung. Hermann Cohen hat einmal definiert: „In der Poesie ist Lyrik der tiefste Brunnen, denn sie ist das Erlebnis und das Bekenntnis der Liebe.“ Solche Bekenntnisse der Liebe sind die Gedichte, die Frieda Mehl er unter dem Titel „Vom Wege“ (im Verlag Berthold Levy, Berlin) veröffentlicht. Sie sind allen jüdischen Frauen und Müttern gewidmet. Zarte, behutsame Verse, aus dem Born mütterlicher Weisheit hcrvorquellcnd, von Glück und Qual, von Sorgen und Stolz erfüllt. Aus Zeitlichem hoffnungsfreudig hinausstrebend' in eine bessere Zukunft. Kluge, weise, lebensbejahende Gedanken einer jüdischen; Frau „an der Grenze des Lebens“, die in würdiger Form dargeboten .werden. Etwas abseits vom Wege der allgemeinen Bücherproduktion führt eine kleine Schrift „Naturschutz und ist die Adresse. Sie haben’ja das Gespräch mit angehört. Vielleicht haben wir da schön was. — Hals- und Beinbruch!“ Ruth stürmte die Treppe hinunter. Mit dem neuen Vertrag in der Tasche kam sie zu der Freundin hereingewirbelt: „Hanna, Du hast mir wieder den richtigen Rat gegeben!“ Ohne, die beiden Glückszahlen 1317 wäre es doch nicht geworden! — meinte Ruth. Aber das behielt sie. wohlweisilch für sich. Judentum“ (Verlag I. Kauffmann, Frankfurt a. M.), die ihr Verfasser, Dr. S. L i c h’t e n s t a e d t e r, ein vernachlässigtes Kapitel jüdischer Sittenlehre nennt. Unter Zuhilfenahme von Zitaten des biblischen Schrifttums verficht er die Idee, daß das Judentum eine sittliche Verpflichtung gegen die ganze Natur gelehrt hat. Nur fortschreitende Entfernung von der Natur konnte im Laufe der Zeiten dieses bedeutsame Kapitel jüdischer Sittenlehre seiner Aktualität berauben. Auch der anthropologische und linguistische Naturschutz liegt nach der Überzeugung des Verfassers in der Richtung eines fort-' schriftlichen Judentums. „Wenn es im Plane des Weltenschöpfers lag, die Menschheit mannigfach nach Rasse, Sprache usw. zu gestalten, so wird es in diesem Plane auch liegen, diese Mannigfaltigkeit zu erhalten — so gut wie die Mannigfaltigkeit in der Tier- und Pflanzenwelt.“ Dies ist die Schlußfolgerung des anregenden Büchelchens. Unter den Kalendern, die zum Beginn des neuen jüdischen Jahres 5695 erscheinen, — von dem kunstvoll aüsgestatteten Kalender des Jüdischen Frauenbundes, der das Motto „Das jüdische Buch“ trägt, war bereits früher die Rede — nimmt derjenige des Verlages Kedein, Berlin, eine besondere Stellung ein.' Es Ist der erste Tagesabreißkalender mit bürgerlichem und jüdischem Kalendarium. Er enthält u. a. außer den Fest- und Fasttagen die Wochen- und Prophetenabschnitte, die Sabbatanfangs- und Ausgangszeiten und wird so vielen ein willkommener Begleiter durch das jüdische Jahr sein. Das künstlerisch ausgeführte Deckblatt stammt von der begabten Zeichnerin Lily Szkolny. E. Ta. ■ ' * Ferner erschienen: Ne’man : Jüdische Politik, Betrachtungen, Mahnworte, Scheltworte, Trostworte (Gustav Engel, Leipzig). Ne’man: Geburtenregelung und Judentum^ (Gustav Engel, Leipzig). . Proskauer, Notar a. D.: Über Interessenkollisionen (Philo-Verlag, Berlin). Mißverstandene und mißdeutete Talmud- und Soharstellen. Herausgegeben von der Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums. Hert mon-Verlag, Frankfurt a. M. Ernst Walter; Die Rechtsstellung der israelitischen Kultusgemeinden in Anhalt. Inaugural-Dissertation der Martin- Luther-Universität Halle-Wittenberg (Verlag M. Poppelauer). Lazarus Goldschmidt: Vollständige deutsche Talmud-Übersetzung. Band 9 (Jüdischer Verlag, Berlin). Der Jüdische Kulturbund Rhein-Ruhr hat mit Raoul. Auemheimers Lustspiel „Die große Leidenschaft“ seinen Kölner Mitgliedern einen vergnügten Abend bereitet. Ein teilweise recht witziger Dialog wirbelt die Spieler auseinander und wieder zueinander. Zum Schlüsse finden sich die zwei Pärchen: Gatte und Gattin — der Hausfreund und das Girl — ohne allzu große Leidenschaft. Alfons Hoffmann spielte frisch und führend den jungen, nur scheinbar trottelhaften Ehemann Vinzenz. Seine Gattin Sophie fand eine angenehme Interpretin'in Ruth Reimer, deren Gefahr aber eine gewisse Routine ist, Emst Rose sehr sympathisch als Hausfreund und Künstler. Interessant war vor allem Maria Bing in ihrer verhältnismäßig kleinen Rolle „als modernes, junges Mädchen. Es wäre verlockend, die Schauspielerin in einer ernsten Rolle kennen zu lernen, die ihre Fähigkeiten noch besser zur Geltung bringen dürfte. Das plakatartige Bühnenbild. Heinz Condells mit dem saisonmäßig verlockenden Ausblick in die österreichische Berglandschaft ließ die sommerliche Wärme des Saales vergessen. O. St. tffamiCien-4lftroHi(i (Aufnahmen, in diese Rubrik kostenlos.) Breslau. Salo Grabowsky und Frau Hedwig, geb. Hartmann, Trinitasstraße 6, begingen das Fest der silbernen Hochzeit. Fürth i. B. In Fürth, Bahnhöfstraße 9,. verschied der frühere Apothekenbzsitzer Siegfried Hirschheimer im 63. Jahre. Landsbergr. Frau Hulda Groddek vollendet am 1. September in körperlicher und geistiger Frische ihren 80. Geburtstag. Ihr verstorbener Mann hat den Feldzug 1870/71 mitgemacht; von ihren beiden Söhnen war der eine Decköffizier bei der deutschen Marine. Hioi antwortet die „OCSc*: Krise der Bildung. Der unter diesem Titel veröffentlichte Leitartikel in Nr. 66 der „Jüdisch-liberalen Zeitung“ hat Dr. Hans Epstein-Frankfurt a. M. (und nicht, wie es infolge eines technischen. Versehens hieß, Dr. Fritz Epstein) zum Verfasser. Dr. J., Charlottenburg. Besten Dank für Ihre im Anschluß an den in Nr. 65 der „J1Z“ erschienenen Aufsatz „Familienpäpiere“ uns zugegangene Mitteilung, daß die Einrichtung des Einjährig-frei willigen Dienstes im preußischen Heer schon lange vor dem Jahr 1842 auch von jüdischen Heeresangehörigen in Anspruch genommen wurde. . .. J. L..in N. Wenden Sie sich an das Gesamterchiv der Deutschen Juden, Berlin N 24, Oranienburger Straße 29, das Photographien jüdischer Kulturdenkmäler sammelt. E. K., Berlin. Aggrippa, der Neffe des letzten jüdischen Königs Aggrippa, ist nicht, wie Sie meinen, in.den Flammen des Ätna umgekommen; er fand vielmehr mit seiner Frau den Tod bei dem heftigen Ausbruch des Vesuvs im Jahre 7n, der die Städte Herkulanum und Pompeji unter einer Lavadecke begrub. M. L„ Mainz. Die Bezeichnung S ü n d f 1 u t für die im ersten Buch' Mose 6—8 geschilderte Überschwemmung der Erde ist eine'volkstümliche Umdeutung aus dem mittelhochdeutschen sintfluot, was sie viel wie große allgemeine Flut bedeutet. E. R. Nein, von der Orgel frage in der Synagoge ist im talinudischen Schrifttum nirgends die Rede. Wann? Wo? Am 29. August, abends 8.30 Uhr, verapsialtei der Sy nago genverein .F riedenste mpel-im Cafi Leon, Kurfürstendamm 155/156 einen Vortragsabend, bei dem Rab-, biner Dr. Emil Cohn über synagogale und kantorale Aufgaben sprechen wird. Oberkantor Karl Neu mann bringt alt-traditionelle hebräische Gebete zu Gehör. Atri Flügel: Hermann Schwarz. t Am 30. August, abends 8.30 Uhr, findet in der Neu e n Synagoge, Oranienburger Straße 30, ein Gemeindeabend unter dem Motto „De r - Weg zum J u den tu m“ statt. Redner: Rabbiner Dr. Warschauer, Direktor Heinrich Stahl. Gesänge: Alice Geisenberg, Oberhuntor Leo. Gollatiin, verstärkter Chor der Neuen Synagoge unter Leitung seines Dirigenten Dr. Oskar Guttmann. Bei dem Kleinkunstabend, den der Kulturbund deutscher Juden am 1. September im Bachsaal veranstaltet wirken mit: Camilla Spira, Annemarie Hase, Willi Prager, Fritz Eisenberg, Stella Hay und Alfons Fink. Am 2. September, abends 8.15 Uhr, veranstalten das Neue Streichquartett (Frey-Prager-Meyer-Weil), Hede Türk (Gesang) und Peter öradenwitz (Einführung) im Logenhaus Kleiststraße eine Arnold Schönberg-Feier. Am 4. September veranstaltet die Künstlerhilfe der Jüdischen Gemeinde im Brüdervereinshaus einen Hausf rauen nach mittag, bet dem Annemarie Hase,Marion Koegel, Charlie Brock, Alfons Fink, Wilhelm Gullmann und die Kinderbühne des Kulturbundes (Leitung Lucy Gelber) nütwirken. Die J üdisohe Kinderhil f e e. V., Auguststr. 14/15, teilt mit: Die Sprechstunde n des Nervenarztes und der Erziehungsberatungssteile finden von jetzt ab unter Leitung von Frau• Dr. Frieda Alexander am Dienstag und Donnerstag i»o« 3—4 Uhr statt. ' Ruth Woiffreim, zuletzt Stadttheater Dortmund, wurde als HocJiüramatische für die kommende Spielzeit des Kultii/bundes Deutscher Juden verpflichtet. Berliner 0otfesbienfte ■. Freitag, 31. August. Lützowstraße 6.30 Uhr. Predigt: Dr. Salomonski. Prinzregentenstraße 7.15 Uhr. Predigt: Dr. Galliner. Alte übrigen Synagogen mit neuem Ritus 7 Uhr. Predigt: Levetzowstraße: Dr. Levhöwitz. Ansprachen: Fasanenstraße: Dr. Wiener. Friedenstempel, Schmargendorf: Graf. .Liberale Synagoge Norden, Schönhauser Allee 162, 7.15 Uhr: Goetz. Ubsrale Synagoge Osten, Kaiserstraße 30, 7.30 Uhr: Dr. Hirschberg. Liberale Synagoge Nordost, Prenzlauer Promenade 176, 7.30 Uhr: Dr. Sänger. Liberale Synagoge Westend, Kaiserdamm 78, 7.15 Uhr: Brasch. Liberale Synagoge Wedding-Reinickendorf, Seestraße 44, 7.15 Uhr: Zirnet. Jüdische Reformgemeinde, ]oachimsthaler Straße 13, 6.30 Uhr: Dr. Rosenthal. Sonnabend, 1. September. Hauptgottesdienst in allen Synagogen mit neuem Ritus 10 Uhr. Predigten: Neue Synagoge: Dr. Warschauer. Lindenstraße: Dr.. Weyl. Liberale Synagoge Norden: Zirnet (Einsegnung), Sonntag, 2. September. Jüdische Reformgemeinde, Johannisstraße 16, 10.30 Uhr: Dr. Gottschalk. Bonzo-Friseur Tauentzienstr. 10 gegenüber Marburger Straße, B 4 1945 Dauerwellen RM. 3,50 Haarschnitt 50, Wasserwellen 75 Pfg. Im Herrensalon: Haarschnitt 50 Pfg. Irillqnften - Ankauf! Perlen, Pfandscheine, st« tott Uhren, konkurrenzlose Kassapreise!* ' TauanlxItnalBBt 14» hodiptr« illerhaus). Telefon: B 4 Bavaria 3271. Auch Verkauf Zlgamuluiii Schulz* Kantstr, 35 "Ecke Wielands tr. CI Steinplatz 1079 j>dimBi>cha»ek0tn>drt,erw.lhrJeauch Hubm und GartenbepfUnxüngftfl preiswert, geschmackvoll R- Kursk. Charit*, KalstrFHedrichstr. M,E.Otün ire Wäscherei: Profile HolwnzoUarndamm 1»1 , H 6 Emser Piste 5329 Abholung und Lieferung Irel Buch-Ankaul ARKOLO, Ublwdstnfi* ST H 7 Wiio. 1392 MÖbel- Kame rling N, Kastanienall ec 56 E-FehrbellinerStr. 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