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Jüdisch-liberale Zeitung · 1934-08-21 · 67 (21.8.1934) · page 4

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
14 (1934)
Issue
67 (21.8.1934)
Date
1934-08-21
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Sprüche, was ihm gerade einfiel, während er sich niederbeugte Und mit bebenden Fingern eine der Blumen brach. Er hielt sie fest umklammert, als er nun zurückhasietc, aufatmend-den lebendigen Widerhall seiner eilenden Füße in den Gassen des Städtchens vernahm. Ein Glücksgefühl überkam ihn: Gerettet! Und er hatte die Blume des Lebens...! Die Zwillinge schliefen noch ihren ruhigen Kinderschlaf. Und abermals legte Karel lauschend das Ohr an die Tür zum Zimmer der Eltern. Kein Laut drang heraus. Er wagte nicht, das Unfaßbare auszudenken .— sacht, zaghaft . drückte er die Klinke niedgr,. Die Eltern, die neben dem Bcttchen Benjamins saßen, sahen erstaunt auf, als Karel eintrat. Sie winkten ihm Ruhe zu, und als er in banger Frage die Augen, auf sie richtete, sagte die Mutter mit einem seligen Lächeln: ' „Der liebe Gott hat ein Wunder getan — Benjamin wird bei uns bleiben . . . Gerade als es zwölf schlug, hat plötzlich das Fieber aufgehört.. . .“ „Die Blume — die Blume des Lebens ...“, stammelte Karel in überströniender Freude und streckte ihnen das Pflänzchen entgegen.. Dann fingdie Mutterin weichen Armen den olm- - mächtig Zurücksinkenden auf ... „Mein Stück? Wann denn? Wo denn?“ - „Vor hundert Jahren — in Weimar . .“ * Auf dem Kurfürstendamm drängt sich einer an Felix Josky heran: . ' „Ich kaufe alte Kleider.“ „Schön,“ erwidert Josky, „aber ‘ in Ihrer Stelle würd’ ich nicht drüber sprechen . . .“ Anekdoten um Felix Josky Der Schriftsteller Felix Josky, dessen Tod wir in der letzten Nummer der „J!Z“ gemeldet haben, war nicht nur-in seinen Böhnehwerken,. sondern auch im Leben ein witziger Kopf, dessen Schlagfertigkeit nichts zu wünschen übrig ließ. Als im Kleinen Theater in Berlin die Erstaufführung seiner. Komödie „Die blaue Stunde“ bevorstand, traf er in - der Untergrundbahn einen Bekannten, einen Lebensmittel-.' großhändler, der immer das Bestreben hatte, auch in Geist »zu „machen“. Aus dieser Einstellung heraus begrüßte er Josky mit den freundlichen Worten: „Ich bin heut abend in Ihrer Premiere — können Sie mir nicht einen Tip geben, wo ich faule Eier kriegen kann?“ Und der Autor, ohne mit der Wimper zu zucken: „Gehn Sie. in Ihr Geschäft und verlangen Sie frische!“ * In einer Gesellschaft wurde der Sohn des Hauses in Parade als Pianist vorgeführt. Als nach der Produktion des wirklich begabten jungen Mannes der Beifall verebbt war, wendet, sich Felix Josky an die strahlende Mütter: „Mein Kompliment, gnädige Frau — ganz außerordentlich, wie Ihr Sohn spielt ... Und doch wird er nie ein Moriz Rosenthal werden.“ - „Wieso?“ lautete die etwas pikierte Gegenfrage. „Weil er Ernst Berger heißt . ..." * Ein andermal klagt ein Kollege, der einen Durchfall erlebt hatte, Josky sein Leid. Er schimpfte auf die Schauspieler, auf den Regisseur, auf die Kritik, auf Gott lind die . Welt, und er bezeichnete sich als einen ausgesuchten Pechvögel, dem eben nichts glücke. „Am liebsten,“ erklärte er, „würde ich Schluß machen... Wenn ich nur einen Revolver hätte ..." „Ich will Ihnen gern meinen pumpen,“ sagte Josky, „Sie müssen sich bloß, verpflichten, ihn mir wiederzubringen.“ ..... * •- Zu einem andern Kollegen, von. dem die Legende ging, daß er mit fremdem Kalb zu pflügen pflege, bemerkte Josky: „Gratuliere!- ‘Ihr Stück hat ja solchen Riesenerfolg! gehabt!“ Juden als Exzentriks Von Hanns Brodnitz Seit dem Weltkriege hat sich, von Amerika ausgehend, der Exzentrik das Variete erobert. Eine eigenartige junge Generation amerikanisierten Judentums brilliert in einem neuen Stil. Solche Exzentriks wandern nicht mehr mit der großen Reisetasche, den rotbemalten Bäckchen und den traditionellen Requisiten des wasserplantschenden Spaßmachers durch die Welt, sondern sie. sind smarte Lebensphilosophen, meist aus Artistenfamilien oder kleinbürgerlichen Verhältnissen. In der Jugend von zu Hause ausgerissen, verfügen sie über reiche Erfahrungen im Kampfe'gegen den Hunger und haben sich mit allen möglichen Berufen und Enttäuschungen herumgeschlagen, bis sie ihren eigenen Stil fanden, der manchmal schon einen Vorstoß in die Welt des Märchens bringt. Die Menschen vom Variete — immer auf der Durchreise, heimatlos von Land zu Land gejagt, jeden Ersten in einem neuen möblierten Zimmer, nie zu Hause, gezwungen zum täglichen Training^ zur schärfsten Rücksicht auf die Erfordernisse ihrer Nummer — kennen den fragwürdigen Wert äußeren Ruhmes, den sie trotzdem nicht entbehren können. Lange'Zeit ist er ihre einzige Sehnsucht, bis es sie treibt, auszuruhen von der Jagd und irgendwo unterzutauchen zu einem beschaulichen Lebensfinale. Das amerikanische Nonstop-System hat sie gezwungen, durch drei- bis viermaliges Auftreten am Tage sich mit einer noch kürzeren Dauer ihrer Leistungsfähigkeit als früher abzufinden. Dieses Bewußtsein trägt in ihre Lebensanschauung den Charakter der Bescheidenheit und der Resignation. Sie fühlen sich als Menschen am Rande des Lebens. Sie enträtseln das Gesicht jeder Stadt. Wenn sie abends nach der Vorstellung in einer stillen Kneipe beisammen sitzen, vermutet niemand in ihnen den Artisten. In unserer Kinderzeit triumphierten die Clowns. Die Fratellmi waren der Inbegriff der Clownerie, heute sind ihre Späße längst überholt. Der Geist des Varietes hat sich der Entwicklung zum Grotesken nicht entziehen können, die der Film mit Chaplin, Lloyd und Keaton vorlebte. Als der Sinn für diese Art der Komik im Publikum genügend geweckt worden war, erlebten wir diejälüte des Exzentrik, den Groteskkomiker und -tänzer. Die ganze Lächerlichkeit unseres Getues entlarven sie durch eine Geste, ein paar Schritte, die den Ernst des Daseins um sein Pathos bringen und die sich so überlegen dünkende menschliche Vollkommenheit mit einem Augenzwinkern zu einer Farce machen, die wir alle verstehen. Der als Hausknecht verkleidete Komiker ist tot, der Spaßmacher, der die Maulschellen kriegt, ist gestorben. Der Geist der Parodie hat von Amerika aus das Variete ergriffen. Wir wissen, daß im Grunde jedweder Satire eine tiefe Tragik liegt, wir wissen^ daß der Spott nur eine 0b erw in dungsform'des Schmerzes bedeutet, daß nur der das Recht und das Können zur Persiflage hat, der tragische Erschütterungen abzureagieren gezwungen ist. .Die Entwicklung zu einem Knock-about-Stil der Körperkomik hat naturgemäß auch auf' das Sprechtheater übergegriffen, ihr sichtbarster Exponent: Curt Bois! Er gestaltet jene Komik, die in unsentimentaler Weise den alltäglichen Kampf des Menschen mit der Tücke des Objekts sichtbar macht und als Erlösung aus dem Dilemma den Trick, die Übersetzung ins Groteske bringt. In dieser Saison triumphierte in der Berliner Scala ein Musterexemplar der modernen Exzentrikklasse: Hatold Bo yd. Amerika ist das'unerschöpfliche Reservoir dieser Mark-Twainjünger. Viele Jahre hat die internationale Varietewelt und das Millionenpublikum der Wettkampf Zwischen den beiden jüdischen Exzentriks Hai Sherman und Harry Re so ergötzt. Der junge Harry Reso reiste Hai Sherman unentwegt nach, kaufte sich in jeder Vorstellung eine Karte und studierte die Tricks. Jetzt wissen beide nicht mehr, wer von ihnen die einzelnen grotesken Einfälle gehabt hat. Dafür sind die beiden von einem Heer von Kopisten ■ in allen Ländern imitiert worden. Alle diese großen Exzentriks regierte bis vor kurzem von New-York aus William Morris, der einflußreichste Varieteagent der Welt. Aus Schmerz, Humor, “modernem Weltstadtgefühl und einem unbewußten Rest jüdischer Sentimentalität, aus Spott und Unruhe ist dieser jüdische Exzentriktyp entstanden; diese kleinen, mit äußerer Schönheit nicht-gerade gesegneten Komiker gehören zu den stärksten Spaßmachern unserer Zeit. Fast jmmer sind diese Meister des Witzes und seiner körperlichen Gestaltung im Leben melancholisch und depressiv. Niemand kennt so die Vergänglichkeit der- Konjunktur; des Applaus’, der Mode, wie .sie, die all das am eigenen und fremden Leibe erfahren haben. Sie haben die großen Varietehäuser der Welt gekannt, als noch nicht allabendlich. aut der Beleuchterbrücke ein Heer von Scheinwerfern dirigiert wurde und die Fassaden *in aufdringlichen Reklamen erstrahlten. Für sie ist das Gelächter der anderen — besonders'der Kinder — der Höhepunkt eines seltenen Glücksgefühls. Wenn ihre Nummer längst veraltet; ihr Ruhm längst verblaßt ist, wiegen sie sich noch in der Erinnerung auf den Wellen der beglückenden Heiterkeit, die von ihnen ausging. Agenten und Direktoren sind unzuverlässig wie der Beifall, verläßlich scheint nur die Freude, Menschen erheitert zu haben. Über die Politik zucken sie meistens mit den Achseln. Kaum jemand weiß so gut wie sie, daß jenseits aller Grenzen das. Reich des Lachens und Weinens unendlich ist in der Gleichheit und Verwandtschaft menschlicher Empfindungen. Diese großen jüdischen Karikaturisten des Heute, diese Narren aus übervollem Herzen überwänden die Unrast ihres äußeren und inneren Vagabündenlebens durch Übersetzung ihrer seelischen Nöte iq die Welt der artistischen Gestaltung. Schalom Asch gegen Aufführung seines „Gott der Rache“ Prag. Schalom Asch hat zu einer Aufführung seines Dramas „Gott der Rache“ im Budapester Theater am Bethlen -Platz seine Zustimmung mit folgender Begründung verweigert: „In der heutigen Welt, da es in konfessionellen Dingen Dingen so viele Reibungsflächen gibt, will ich nicht,- daß mein Stück mißverstanden w|erde. Die Aufführung des Stückes könnte .eventuell zu Gehässigkeiten Anlaß-bieten. Als ich das Stück schrieb, war ich bemüht, objektiv zu s|>in. Seither haben sich die Zeiten geändert, Dinge, die damals harmlos waren, erhielten seither eine ganz andere Bedeutung. Ich muß daher meine materiellen Interessen zurückstellen und die Aufführung des Stückes untersagen.“ ’r' . 1 v t?' f; Nass •rBffnoli Rosenbelmer Sir. 21 (am Bayr. PL) B6 Cornelius 2061 Fleisch. . Wurst OsflO^sl (Fleisch von elektr. betäubten geschichteten Tieren) Siegfried Bernstein, Hauptgeschäft: Clurlottcnburg, PestaloZristraGe 93 — C1 S. ein platz 7241 Russisch-Ungarischer Privat- Mittags- und Abcudtlaeb Spexiatgmeht 50 Pfg. Gedeck, 3 Gänge 70 l*fg., DO ifo. Kein Jkdienungsgrld. Koche selbst! nur RankestraBc 29__ .Schuhmacherei Mäfc u. Reparatur-Werkstatt M. Mayer, Schleswiger Ufer 5 - Möbel- Kamerling N, Kastanienallee 56 E. FefarbelUnerStr. Eigene WcrkstitL 1. Szarvas Tischlerei f. sämtL Tischlerarbeiten Berlin SO. 36, MauteuttdsL58, Tel. F 8, 6467 Augen aut 1 Speisezimmer, Budi-Ankaul ARNOLD. UMudstrate 87 H 7 WUra. 1392 »chßn. Mßbel aller Art, Wehen, kein Laden, dab.uagl.bill. «eltesLWeg lohnend Flsdier, Petersburgerstr. 85 I. 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