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Jüdisch-liberale Zeitung · 1934-08-21 · 67 (21.8.1934) · page 5

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
14 (1934)
Issue
67 (21.8.1934)
Date
1934-08-21
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Heiterer Abend im Kulturbund »Sturm im Wasserglas“ Hs geht um einen Hund. Einen Hund? Um einen zottigen Bettvorleger mit vier Beinen. Ein grausiges Exemplar seiner Gattung. Aber er ist eine Herzensangelegenheit der Blumenfrau Rosa Valetti, der der Hundekorb näher steht als der Blumenkorb. Sie kann für ihren vermanschten und vermenschten Hund die Steuer nicht mehr aufbringen, so daß das Tier auf behördliche Anordnung in ein steuerfreies Jenseits befördert werden soll. Dies der Anlaß der Komödie. ln einem anderen Sommerstück ist Bruno Frank einmal über einen toten Hund gestolpert. Als Pallenberg da unter dem Bett einer fremden Frau ein verräterisch kläffendes Schoßhündchen erwürgte, gab es einen kleinen Theaterskandal. Auch der „Sturm im Wasserglas“ wird, wie 'gesagt, durch einen Hund hervorgerufen. Hier allerdings bestellt der Autor einen jungen Journalisten' als Anwalt für die unterdrückten Rechte einer Hunde- und Menschenseele und macht ihn zum Ankläger eines zielstrebigen Stadtrats, der für die Nöte des Volkes kein Verständnis aufbringt. Aus der Erkenntnis des Predigers Salomo, daß ein lebendiger Hund mehr wert ist als ein toter Löwe, bringt der Zeitungsmann den Städtrat zur. Strecke, indem er ihn der Lächerlichkeit preisgibt. Hund in Hand verlassen nach einem turbulenten Gerichtsakt drei Paare die Bühne. Im Mittelpunkt der Aufführung: Rosa Valetti. Rücksichtslos aufbegehrend gegen Umwelt und Obrigkeit, voll rührender Hingabe an ihren „Paule“, in ihren heiligsten Gefühlen verletzt, daß der gerichtliche Sachverständige den Verkaufspreis dieser Promenadenmischung nur auf acht Mark schätzt. Ein Geschöpf von gewinnender Einfalt. Ihr mannhafter Verteidiger in lächelndem Draufgängertum, von Menschengüte angetrieben, ist Ernst Le'nart. Kaethe Foerde r versteht es, mit Anmut ein angenehmes Teestündchen zu bereiten, ohne darüber die schärferen Akzente zu vergessen, die ihre Rolle als Mitstreiterin an der Seite des Journalisten verlangt. ' ' Um den Hund gruppieren sich noch Martin Brandt in der Haltung und Gebärde des brutalen kleinlichen Strebers, der behäbige Zeitungsherausgeber Fritz Lion und Max Roth, der den Magistratsdiener Brennecke mit behaglichem, trockenem Humor ausstattet. Dem Sturm (der Entrüstung) im Wasserglas folgte ein. Orkan (des Beifalls) im Zuschauerraum. Ein angenehmer Abend. E. Ta. Erweiterung der Polikliniken der Israelitischen Union Im großen Sitzungszimmer der Israelitischen Union fand eine Vorstandssitzung statt, an der u. a. die Herren Rechtsanwalt und Notar Dr. Arthur Donig, Geh.-Rt. Dr. Julius Stern, Prof. Dr. Max Rosenberg, Prof. Dr. Mamlok, Prof. Dr. Blumenthal, Prof. Dr. Engel, Rabb.' Dr. Heinrich Cohn und Rabb. Dr. Joseph teilnahmen. Qeheimrat Dr. Stern berichtete über die kinde r ve rschickung in diesem Jahre. Durch Gebefreudigkeit war es ermöglicht, 63 Kinder nach Hirschberg, Eimen, Misdroy, Kolberg und andere Kur- Wahrzeichen für Handwerk und Mittelstand # Die Mitglieder des Vereins selbständiger Handwerker jüdischen ' Glaubens e. V., Berlin und.des Reichsverbandes des jüdischen Mittelstandes sind durch die nebenstehenden gesetzl. geschützten Zeichen kenntlich. i orte zu verschicken. Auch die Poliklinik hat eine durchaus erfreuliche Entwicklung genommen. Die Zahl der Patienten hat sich gegenüber crem Vorjahre verdreifacht: Infolge des Anwachsens der Patientenzahl und der Sprechstunden ist eine Vergrößerung der Räume dringend notwendig geworden: Es wurde daher einstimmig beschlossen, die Warte- und Behandlungsräume erheblich zu vergrößern und das Büro in andere Räume des eigenen Hauses zu verlegen. Aut Antrag von Herrn Donig wurden für Sonderzuwendungen über den üblichen Rahmen hinaus anläßlich des Rausch-Haschonohfestes an arme Glaubensgenossen 2000 Mark zur Verfügung gestellt. Vor Schluß der Sitzung sprach der Vorstand Prof. Dr. Franz Blumenthal, der in Kürze einem ehrenvollen Rufe an die Ann Arbor Michiganuniversity folgen wird, seinen Dank für die uneigennützige und erfolgreiche Arbeit m der Israelitischen Union aus. Aus den Gemeinden Bad Kissingen. Unter großer Beteiligung der Gemeindemitglieder sowie der anwesenden jüdischen Kurgäste fand in der hiesigen Synagoge eine würdige Traut rfeier für den dahingeschiedenen Reichspräsidenten von Hindenbu r g statt. Im Mittelpunkt stand eine Ansprache des Rabbiners Dr. Ephraim, der den Verblichenen als einen wahrhaft Großen feierte, der nicht nur das Schwert zu führen verstand, sondern vor allem dem Wiederaufbau Deutschlands seine ganze Kraft widmete. Seine Persönlichkeit war gestaltet durch tiefe Religiosität, durch wahrhafte Gottverbundenheit, die sich oft im Gebet bewährte und die ihn bis in die letzten Stunden zu unseren heiligen Psalmen und Propheten hinzog. Er war ein Held der Sittlichkeit, Gerechtigkeit und Ritterlichkeit, auch uns Juden gegenüber und so hielt er seinen jüdischen Frönt-' kämpfem stets Treue gegen Treue. Die Feier war umrahmt von feierlichen Psahnvorträgen durch Lehrer Steinberger und von weihevollen' Gesängen des Synagogenchors unter Leitung des Herrn Heymann. Marburg (Lahn). Lehrer W i tt, der das hiesige Schülerheim einige Jahre leitete, ist in den Schuldienst der Berliner Jüdischen Gemeinde getreten. Zu seinem Nachfolger wurde Lehrer Köster aus Frankfurt a. M. gewählt. Es werden gesucht: Die Arbeitsgemeinschaft der Jüdischen Arbeitsnachweise teilt mit: Gesucht werden für Berlin: Perfekte Putzmacherinnen, Kleidernäherinnen für Konfektion (Mittelgenre), selbständige Musterarbeiterinnen für gute Konfektion (Kleider), Stepperin für Gummimäntel, Dämenmäntelstepperiimen und Handnäherinnen, Ausfertigerinnen und Futtermadherlnnen für e Tapeten Farben GEORG ADLER K A N : S T R A S S E 107 Faßbodenbelag Linoleum ü Auslegeo von Wohnungen und Trcppenhluiern Herrenkonfektion, Näherinnen für seidene Damenwäscher Kur-' belstlekerin für Betrieb, perfekte Sadkstopferin, Matratzennäherin mit Zuschnitt (Zellennäherin), perfekte Friseuse, Cellonlampenschirmarbeiterin, Dreibuchfalzerin, perfekte Kürschnermamsells, jüngere Lederausschneiderin. Für außerhalb Musternäherin für Seidenkleider, Putzmacherinnen, perfekte Plätterin. Dringende Arbeit für tüchtige Wäscheausbesserinnen, Hausschneiderinnen, für gewerbliche Fachkräfte aller Art sowie für ungelernte Arbeiterinnen, Kurbel stlcker, Nähmaschinenmechaniker (Llttauer, Blitz, Singer-NShmaschinen), MöbelpaCMer (gelernter Tischler), Möbellackierer oder Spachtier. Für außerhalb: Schneider für Lederjacken. Ferner werden Stellen gesucht für Handelshilfsarbeiter, Packer, Hausdiener und Facharbeiter jeder Art. Wann? Wo? s . Die Fußballabteilung des JTSC 05 hat das Training der Mannschaften wie folgt angesetzt: Mähnerabteitung: Jeden Donnerstag ab 17 Uhr Sportplatz Schönholz. Jugend- und Schülerabteilung: Jeden Dienstag ab!7 Uhr ■ auf dem Sportplatz Grunewald. Jeden Mittwoch ab 8.30 Uhr: Sitzung im Cafi ,(Zum Wiener“, Kommandantenstraße 44. letzte Hadiriditen Judensperre in einem Kölner Strandbad aufgehoben Köln. Wie kürzlich mitgeteilt, war der-Zutritt zu dem Kölner Strandbad Marien burg-Poll für jüdische Badegäste verboten Werden. Die Firma Ferdinand Linden gibt nunmehr folgendes bekannt: „Das antisemitische Plakat im Strandbad Marienburg-Poll ist entfernt, und es sind Maßnahmen getroffen, die es jedem ermöglichen, das Bad zu benutzen.“ „ Zwei jüdische Mützenmacher klagen auf Wiedereinstellung Danzig. In einem Danziger Betrieb waren zwei jüdische Mützenmacher entlassen worden, nachdem in einer Versammlung der Betriebszelle gegen Weiterbcscliäftigung von Juden protestiert worden war. Sie haben nunmefir Klage beim Danziger Arbeitsgericht eingercicht mit dem Antrag auf Wiedereinstellung bzw. Zahlung eüier Entschädigung. Sie gründen ihren Klageanspruch insbesondere auf die Vcrletzimg der im Herbst 1933 zwischen Danzig und Polen abgeschlossenen Abkommens, in dem ausdrücklich die ungestörte gewerbliche Betätigung der polnischen Juden gewährt worden sei. Der Beklagte gab zu, dal) er beide Arbeiter Köpenicker Wascherei Ernst Richter KBpcnlck, Mahladorfer SIraBe 00 P 4 KOpenlck <KS3 Telcf. Beitdlun^n tSeHch. auller t-'rellae u. Sunnabend, schonandste Behandlung entlassen habe, weil sie Juden seien, erklärte aber, sie hätten Schwarzarbeit ausgeführt. Das Gericht gab dem—Beklagten auf, für die Behauphing der Schwarzarbeit Beweise anzutreten. Die Verhandlung wurde vertagt. Vor Entsetzen über die Vorfälle in Constantine iminnig geworden Paris. Der aus Algerien stammende jüdische Friseur Adolphe Guedj erfuhr in Paris, daß sein Friseurladcn in Constantine während des Pogroms aus geplündert und zerstört worden sei. Er begab sich sofort aut die Heimreise, erlitt jedoch unterwegs, in Marseille, infolge der Aufregungen auf offener Straße einen Tobsuchtsanfall und mußte in eine- Anstalt eingeliefert werden. Wie aus Algier berichtet wird, haben die mohammedanischen Mitglieder des Gemcmderats von - O r a n eine Kundgebung erlassen, in der sie nach den blutigen Vorfällen in Constantine ihren Willen bekräftigen, daß Frieden zwischen den Rassen und Religionen herrschen möge. Sie erfahren, heißt cs in der Kundgebung weiter, mit Bedauern den Entschluß des Generalrats Ottighi, des einzigen jüdischen Stadtrats von Oran, bei den nächsten Waiden nicht mehr zu kandidieren und sprechen den Wunsch aus, daß ein jüdischer Kandidat für den. frei werdenden Posten sich zur Verfügung stelle. Da GhighL bei seiner Weigerung verblieb, wurde der jüdische Advokat Karsenty zum Mitglied des Stadtrats nominiert. Die letzte Fahrt des Gesandten Paul May Washington. Unter militärischen Ehren wurde der Sarg mit den sterblichen Überresten des früheren belgischen Gesandten in Washington, Paul May, aus der Gruft auf dem jüdischen Friedhof von Arlington, wo die provisorische Beisetzung erfolgt war, gehoben, um nach Belgien übergeführt zu werden. Der Sarg wurde an Bord des Kreuzers „Pensacola“ gebracht. Als persönlicher Vertreter des Präsidenten Roosevelt begleitet Botschafter David Morris den Sarg auf der Überfahrt. Ulrich Wolf f Theo Wolff geb. Frankfurt,? Vermählte Beriin-Charlottenburg Kastanienallee 35 BERLIN tmpfeMeaswecte IBezugsqueUen BERLIN * Qualltfitswfiadie Brusendorf ' KBpenidc OartSBStr. 47 \ liefert Im Freien oetreeknete sehnen* l sreifie Wische, «ehenendsta Behtodlg. i AucbPfundwäscbe 25 Pf. an F 4 1541 BOgelanatilt nNeatori*, Chem. Reinigung i Bügelu. Reparatur-Werkstatt slmtl. Herrenu. Dameu-Oarderobe. Halenaee, Nestorstr. 21, Ecke Paulsborner Str. Telefon J 7 Hochmeister 3762 Johann Selter, Berlin W 62 Schillstr. 8, B 5 Barbar. 5229 Feine Herrenu. Damenmoden Aenderungen, Modernisieren Obst, Räucherwaren, Delikatessen Engelhardt Halsnsss, Johann Georgstr. 14 Uefarun« fmi Kaut:« Bsndsgen - Orthopldl« OEORO ANTON, Bandafiat Berlin NO 59, Blbinger Straße 57 Bruchbänder, Leibbinden, Senkftuu-Eintogm uaw. mtr noch Afoaa. Langjährig. Mitarbeiter v. Dr. Pulvermacher, Augsbgttr. Drooenhaiis Rinke mm Efssnsshnstp. BE Ecke Paulaboraaratraße Tel. 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