Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 14 (1934)
- Issue
- 62 (3.8.1934)
- Date
- 1934-08-03
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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14. Jahrgang .Nummer 62 JBöiftMUietale 3eiftmg Beilage 3. August 1934 PROBLEME DER EHE Dilemma Von Engen Tannenbanm (Balkon einer Zweizimmerwohnung. Frau Hannah ruht im .Liegestuhl; Karl begnügt sich aus Platzgründen mit einem Hocker, wie es sielt nach /falbjähriger Ehe gebührt. Sie starrt träumerisch in die grünen Blätter des wilden Weins, der sfe vor der Außenwelt verbirgt. Er ist mit einem Blatt zufrieden. Während er die Zeitung liest,-dringen aus offensiehenden Fenstern der Nachbarwohnungen Rundfunkmelodien. Dip. Petersilie im Blumenkästen ist infolge der Hitze verdorrt. Vis-ä-vis tippt ein Mädchen Schreibmaschine.) Hannah: Steht was Neues in der Zeitung, Karli? Karl: Ooch! Nö! (Pause.) ■ Hannah (bettelnd): Gib mir ’n Stückchen Zeitung! Karl: Du weißt doch, was der Arzt gesagt hat. Du darfst Dich nicht aufregen. Hannah: Ich reg mich doch nur auf, wenn du mir nicht ein bißchen von der Zeitung gibst. Karl : Dann liest du wieder Todesnachrichten und ... Hannah: Ich versprech dir, Karl, ich les nur die Verlobungsanzeigen. Die andern kannst du ja abreißen, wenn . du willst ... . Und natürlich die Geburtsanzeigen ,. Du, Karli, wenn erst unser Junge in die Zeitung kommt! Karl (liest weiter. Plötzlich:): Wieso'Junge? Wer garantiert dir für ’nen Jungen? Hat dir das der Di;. Großmann eingeredet? Kommt gar nicht in Frage. Soll wohl auch - so’n Rowdy werden wie der Sohn von deiner Freundin'Rosi Feibelmann? Hannah : .Aber Karli! Karl: Da — hast du die Zeitung. Interessiert mich nicht mehr. Hannah (nimmt das Blatt und liest), Karl (lauscht den Geräuschen der Straße): Wenn meine Sekretärin — was meinst du, Hannah, wenn die Levy mir halb so schnell schreiben würde wie die da drüben , . . Hannah: Du . . . Du, Karli, . . . wie findest Du Chaludwig? ’ Karl: Chaludwig? Was soll denn das nun wieder sein? Wie kommst du denn darauf? Hannah: Naj ich les da grad von Chaiuz . . . Standesamtlich müßte er natürlich Chaludwig heißen. Aber wir können ihn doch zu Hause Chalutz nennen. Kann uns doch niemand verbieten. Chalutz Jacobsohn . . . Klingt doch nett, sag, Karli, klingt das nicht nett? Karl; Bist ja . . . Hannah: Und dann liegt doch gleichzeitig auchetwas Symbolisches in dem Namen. Sein Lebensweg ist doch damit sozusagen schon vorgezeichnet. , . Karl: Hannah, das 'sag ich dir . . .. und wenn du dich auf den Kopf stellst — na, das wirst du ja nicht tun — aber wenn du — ich weiß nicht was tust: der Junge geht mir auf keinen Fall nach Palästina. H a n n a h :, Warum soll er denn nicht nach Palästina gehn? Karl : Hebräisch kann er nicht. Steine klopfen kann er nicht. Fliesen legen kann er nicht. Orangen essen — kann er auch hier. . Hannah : Er soll aber ein bewußter Jude werden! Karl: Kann man wohl nur auf Zertifikat? Hannah: Aber Karl, er kann doch tausend Pfund mitnehmen. Braucht er kein Zertifikat. Karl : Wenn du ihm so tausend Pfund in die Wiege legen kannst ... Hannah: Bist doch ein Dummes, Karli! Wiegen gibt es ja gar nicht mehr ... Karl: Also von mir aus. Jedenfalls bleibt der Junge | HaüaXQÜtHinQi (Hc&tamanU \ Maria Fein Im gritoea Zweig Im Hause der Scala, Lutherstr. Internation. Spezialitäten-Küche- Conditord-tatt Flau Wenlsdi (früher M. Dobrin) am Spittelmarkt 15 erwartet Ihren Besuch Alles irt bester Qualität A 6 Merkur 2085 Spelsehaus Charlott seit 18 Jahren Chartottanstr. 31 Hotel „DerKransenhof“ Berlin W8, Kmusenstr. 8 . Telefon A 6 Merkur 6321 Wegen seiner ruhigen Lage, ohgtoeh imMUUlpunkl (LOeschäits-JJanken- und ZeitungsvicrielM, das bevorxugte Maus für Geschäftsreisende und fbmtfen. Ausstellungsräume •u ardffnotl Großer Mittage- Abettßtlseh »irische B« R^l IÄCHLAO KOcte nur Ludwlgklrcbplatz 7 TeUf. Oliva 786 ^faafeRestanrant W ,Wittelsbach( Bayerischer Platx 2 die gute Küche II zeitgemäße Preise || nh. Oskar Aberbaefi Konditorei nemeiz nJUrteabader Wilmersdorferstr. 104 j Eis-Konfliiorel Passauer-EcH Pisuuentr. Eck» Ao|aborgaratir. 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Hannah, sag mal, wie findst du eigentlich den Namen Ursula? (Aus dem Rundfunk tönt das Pausenzeichen. Pas Klappern der Schreibmaschine hat auf gebärt. Hannah ist apf ihrem Liegestuhl lächelnd 'eingcsChta/rii.) e * ’ Ein Vierteljahr später stand in den jüdischen Blättern folgende Anzeige: Die Geburt eines gesunden -ZwiUiugspürchens zeigen hocherfreut au Karl und Hannah Jacnhsolui. tftutft rät: Frau R. in Gm. Anfrage: Mein Mann und ich stammen beide aus einem liberalen jüdischen Hause und haben wenig Beziehung zu den häuslichen Bräuchen gehabt. Nun sind meine beiden Kinder, ein Junge von 11 und ein Mädel von 8 Jahren, seit Ostern in einer jüdischen Schule und hören von ihren Kameraden und Lehrern viel vom Sabbat und vom Freitagabend. Ich möchte ihnen ja gerne den Gefallen tun, aber mein Mann arbeitet am Sonnabend und kommt auch Freitags nur zur gewohnten Abendstunde heim. Könnten Sic mir einen Rat geben, wie ich diese beiden verschiedenen Notwendigkeiten miteinander versöhnen kann, denn einerseits kann ich meinen Mann nicht mit besonderen Rücksichten auf das Haus belasten, andererseits möchte ich die Kinder nicht um ihre Freude bringen. Antwort: Die-Aussöhnung dieser beiden Notwendigkeiten ist nicht so schwer, wie es Ihnen scheint. Da Ihre Kinder vermutlich den Sabbat schulfrei haben, rate ich Ihnen, sie am 'Freitagnachmittag schlafen zu legen, damit sie für den Abend frisch sind. Sie selbst gewinnen damit die Freizeit, Haus und Tisch festiieh zu machen, und wenn der Vater nach. Hause kommt, können Sie den Freitag- ' abend mit Lichtern und Liedern feiern. Sie haben im Dampfwfiscbrrel Schnabel. KSpesIck, Grflnaneratr. 44. Tel. F4 K6f»alck 14» SoisMlUgste Behandlung! in drei Tagen zurück. PfnuAwieeba Lieferung - Abholung Montag u. Donnerstag frei Haus Frauenbund oder in der, Loge sicher eine gute Bekannte, die Ihnen Anweisung gibt, was nach alter jüdischer Sitte zu solch einem Freitagabend gehört. Viel Freude dazu und an der Freude der Kinder! Frau I. B. In L. A_n frage: Ich habe ziemlich viel Zeit übrig, weil mein Haushalt jetzt viel kleiner ist und die Kinder aus dem Hause sind. Da möchte ich nun gerne ein bißchen sozial arbeiten und weilt nichtyevht, wie ich es anfangen soll. Ich bin in keiner Schwesternloge und auch in keinem Bund. Antwort.: Ich sehe auf Ihren Brief immer noch mit gelindem Entsetzen. Ein „bißchen sozial“ arbeiten? Liebe gnädige Frau, für die bitter schwere Arbeit der Wohlfahrtspflege mit all ihren Zweigen braucht man ausgebildete Beamte und Beamtinnen. Die Probleme, die auf dein Gebiet gerade der jüdischen sozialen Arbeit an uns herankommen, sind, derart schwierig, daß sie für einen billigen Dilettantismus und Zeitvertreib nicht in Frage kommen.’ Wenn Sie aber einsehen wollen, daß aut diesem Gebiet auch die ehrenamtliche Tätigkeit gelernt und mit tiefem Ernst geleistet werden muß, dann gehen Sic auf das Jüdische Wohlfahrtsamt Ihrer Gemeinde — und lassen Sie sich aniernen. Vielleicht sind zunächst nur 500 Adressen zu schrei-' ben — aber aucli das inul! einer tun, und muß es gut tun. Wollen Sie wirklich dabei sein, diun muß Ihnen jede Arbeit recht kommen. Aber „ein bißchen“,- gnädige Frau, das ist zu wenig! Frau B. Anfrage: Meine Tochter,- ein gescheites und begabtes Mädel von 18 Jahren, das nach dem Urteil sehr ernster Sachverständiger ein bemerkenswertes Talent zur Musik hat, hat es sich unter dem Einfluß Ihrer. Freunde in den Kopf gesetzt, ihr Musikstudium zu unterbrechen und Haushalt, Geflügelzucht uaw. zu lernen, die „Umschichtung" mltzumachen, obwohl weder wirtschaftliche noch andere äußere Gründe ale dazu zwingen. Was kann man da tun, um das Kind wieder zur Vernunft zu bringen? ' Antwort: Leider Gottes haben sich" vlet zu viele junge Menschen von einer .Falschen Romantik und einer *Art Panikstimmung ohne Not zu. solchen Schritten bringen lassen. Ich halte das für völlig verfehlt. Denn einmal brauchen wir die Posten .landwirtschaftlicher und hauswirtschaftlicher Art dringend für die, die tatsächlich keinen anderen Arbeitsweg sehen, und zweitens halten solche raschen und törichten Entschlüsse wie der Ihrer Tochter meistens nicht lange vor. Ist sie wirklich eine Musikernatur, dann findet sie zurück — was sie inzwischen an Praktischen Am 28. Juli 1934 verstarb Herr Max Doemberger Inhaber des E. K. II ' Die Gemeinde Dortmund und die in ihr wirkenden, ihm weltanschaulich verbundenen Organisationen verlieren-in ihm einen hervorragenden Vertreter. Seine selbstlose Hingabe an die Allgemclnintcresscn, seine unermüdliche Arbeit, seih edler und gütiger Sinn sichern ihm bei uns ein bleibendes Andenken. im Juli 1934. SswisdmftTttsr ■. VsnUad dar UaUsdua «sllghsil—«hN« Ctairai-Vsrahi - Vsraüi Mr das tallglis-llbwila | <0ßr Stammkino | Emser Lichtspiele am Ludwlgkirchplatz Hotel auf dem Ozean u. Wann ich alna Million hAtto Oliva-Lichtspiele Olivaer Platz Paprika mltFnozlsk.aiir.Piul HOrblger, Heidemann, Liselotte Schaak Studio Tauentzienstr. 7 s Freitag et mit John Barrymo ab 11 Uhr vorm.: send um S e u. 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