Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 14 (1934)
- Issue
- 56 (13.7.1934)
- Date
- 1934-07-13
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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-Dvz Feuersbrunff im Frankfurter Ghetto Der Frankfurter Gymnasialrektor Johann Jakob S c h u d t, lutherischer Theologe und Orientalist, hat im Jahre 1714 unter dem Titel .Jüdische Merck- Würdigkeiten“ ein großes Werk herausgegeben, das ein anschauliches Bild des jüdischen Wesens im Frankfurter Ghetto gibt. Aus diesem Werk bringt der ~ Schocken-Verlag demnächst eine geschickte Auswahl ■ heraus („V on der F rankj urter Juden Vergangenheit“), die Efraim Frisch besorgt hat. Mit Erlaubnis des Verlages veröffentlichen wir hier einen Abschnitt, ln dem der furchtbare Brand geschildert wird, durch den am 14. Januar 1711. „die. - gantze Juden-Gasse verzehret worden“. Durch was .Veranlassung dieser Brandt entstanden, sind . viele und unterschiedliche, insgesamt aber ungewisse /kleynungen . . . Soviel ist unstrittig und offenbahr, dal! das Feuer in des Rabbiners Hauß, so rechter Hand etwas oberhalb gegen der Synagog über gestanden, angangen, der also in 24 Stunden, wie nachmahls einige Juden gcschertzet, die gantze Gaß gelehrt (oder vielmehr leer und ausgelehrt) gemacht ... .Es ist'auch bekandt und unleugbahr, dal! die Juden aut Brod öder andere Dinge Charakteres machen, solche ins Feuer werffen und. selbiges damit löschen wollen, auch .offt würcklich. damit gelöschet. Und werden sie gewißlich auch allhie, an solchen abergläubischen Mitteln es gar nicht haben ermangeln lassen . . . wie sie dann den Brandt in del! Rabbiners Hauß eine Zeitlang vertuschet und selbst zu löschen bemühet gewesen, auch der Rabbiner selbst anfänglich keine Juden, in sein Hauß lassen wollen. Sogar auch nachmahls, da man von dem Pfarr-Thurm schon mit dem Feuerhorn geblasen und mit der Feuer- und Sturm-Glocke gestürmet, auch schon einige Häuser in vollem Brandt stunden, die drey Thore ihrer mit Mauren allerseits umbgebenen und wohlverwahrten Gasse geschlossen gehalten, aucli die von der Obrigkeit wegen geschickte Personen nicht einlassen wollen; ja als das Tnor geöffnet, sind durch die dahin postierte Soldaten mit Stockschlägen - einige zu Hülff lauffende Bürger abgetrieben wordenem dannenhero erbittert, sich vernehmen lassen, so mögte ' dann das Teuffels-Nest wegbrennen, wann sie Niemand zum löschen wolten einlassen; darbey aber der gantzen Stadt grosse Gefahr durch den anwachsenden Brandt zu besorgen gewesen. Unter dessen hat das Feuer durch diese Saumseeligkeit der Juden so überhand genommen, daß nicht mehr zu -steuren gewesen. Der Juden Absicht aber, daß sie die Gasse nicht eröffnen, noch die zulauffende Christen einlassen wollen, ja gar am Juden-Brücklein mit Steinen herauß geworffen haben, ist ohne Zweifel die Furcht einer Plünderung gewesen, wie ihnen vom unnützen Gesindlein in Stünnung der Juden-Gassen anno 1614 .wiederfahren, dessen sie dann sich zu besorgen wohl genügsame- Ursach gehabt, auch bey dergleichen Occasionen sicjh wohl eher zugetragen . . . inzwischen nun, da die Juden Niemand in ihre Gasse wollten einlassen, habet) sie ihre beste Mobilien,. sonderlich Gold, Silber, Oeld und dergleichen in ihre wohlgemauerte Keller unter der Erden salviret, mehr aus Vorsicht gegen eine befürchtende Plünderung, als Furcht des Brandes, dessen, so weite Ausbreitung weder sie selbst noch sonst Jemand sich besorgete. Allein die erschreckliche Straffüad Zorn-Hand des Allmächtigen war so augenscheinlich, daß ’ sich der Wind gehlings drehete, nach der Bornlieimer Pforten zu, und selbige Häuser entzündete, und nachdem solche in Flamme gesetzet, sich so fort als ein Diener der seines Herrn Befelch ausrichtet, wieder hinauff nach dem Wollgraben zu gedrehet und das .Feuer weiter fortgetrieben; wie dann die Juden selbst Gottes Hand und Zorn-Gericht erkennen. Es war ein' erschrecklich Spectacul, und als ein klein in Brandt stehendes Troja oder Rom anzusehen, so viele hundert - Häuser in solcher grossen Flamme, in solchem Ge- Prassel und Knarren, ohne mögliche Hülffe, im Rauch und euer schauen auffzugehen. Das Feuer und Flamme war so groß Und erschrecklich, daß nicht nur die gantze Stadt und umliegende Gegend davon erleuchtet und. hell gemacht, sondern auch auf 20 Meil Weges verspühret jvordsn . . . Wir wollen: aber nun etwas genauer beschauen, wie so wohl die. in der Feuersnoth selbst steckende Juden, als auch die ihnen zu Hülff kommende Christen, sich bey solchem Brandt verhalten haben. Daß die Juden anfangs das Feuer zu vertuschen und selbst zu löschen getrachtet, auch nachmahls aus Furcht einer von liederlich gesinnten Leuten bey - solcher Confusion zu besorgender Plünderung anfänglich niemand einlassen, ist von uns erwehnet worden. Da mm aber das Feuer gar überhand nahm, suchten die meiste ihre beste Sachen in die Keller und Gewölber zu salvieren, einige würfen Gold und Silber in ihre Brunnen, andere trügens und führtens aus der Gasse unter die Christen. Die heilige Gesetz-Bücher oder Thora wurden aus dem Aron oder Schrank der Synagoge kümmerlich zum Theil errettet, der Bechör oder Ochs vom Kirchhoffe wurde weg in ein entfernten Christen- Stall geführt, da ihn unter Wegs die Hund zausten, dessen er noch die Mahl in den Ohren hat. Allerorten fiörte man nichts als ruffen, schreyen, klagen, heulen und winseln, sonderlich von Weibern und Kindern, - viele heuleten und raufften sich auff der Strassen die Haac auli, viele liefen auft ihren Kirchhoff bey die Gräber ihrer verstorbenen Eltern und Freunde, fielen zur Erden nieder und klagten. Viele haben für Schrecken ihre beste Freunde unter den Christen, die ihnen zu Hülff kommen, nicht gekandt und wohl mit harten Worten von der Thür weggewiesen, hingegen ihre. beste Sachen unbekandten eingehändiget; andere Konten für Schrecken gantz erstarret, nichts als seuftzen, und müste wohl ein mehr als steinhartes Hertz gewesen scyn, dem der Jammer,. sonderlich der in Kälte und Frost umher lauffenden und heulenden armen Kinder, nicht ein betrübtes Mitleiden erwecket; andere sähe man steinalte Leutlie oder Krancke, auch wohl Kindbetterinnen und kleine Kinder mit der Wiegen, unter kläglichem Heulen und Seuftzen fort schleppen, und wüsten doch nicht wohin -oder zu wem. Von der Christen Seiten müssen die Juden selbst rühmen die Überaul! grosse Hülffe und Gegenwehr, zufoderst unserer hochgeehrten Herrn und Oberen; dann auch der gantzen Löbl. Bürgerschaft ohnermüdeten Fleiß und Eyffer. Die Bürger haben ihnen ihre Güter helffen tragen und erretten; auch einige, so Pferdt und Wagen gehabt, selbige so tort ihren bekandten Juden, mit denen sie -Handel treiben zugeschickt; man hat ihre Güter in die Häuser der Christen in sichere Verwahrung genommen. Die Obrigkeit hat so fort darauff öffentlich unter dem Trommelschlag zu zweyen) mahlen ausruffen lassen und befehlen, daß Niemand von der Juden geflüchteten Güther etwas solte entwenden, sondern solche oder wo er etwas davon auft der Gasse gefunden, treulich wieder herbey liefern, wie dann zu der Juden selbst höchster Verwunderung, vieles, auch gefundene Kostbarkeiten, wieder herbey getragen, auch einigen boßhafften Leuten durch Obrigkeitl. Befehl aus den Häusern geholet und denen Baumeistern zugestellet worden.. Viele, sonderlich arme und von Lebens-Mitteln entblöste Juden, haben sich (nach dem Brande) ’ auff die nah herumgelegene Oerter, Flecken und Dörffer fremder Hochgräfl. Herrschafften, als in Hanauische, Ködetheimische und Offenbachische, auch andere noch weiter zu wohnen begeben, sonderlich musten alle Juden, so keine Stättigkeit hatten, hinault. Deren doch aber ja nicht, wie damahls in denen holländischen Gazetten von hier auß berichtet worden, 24 800 gewesen, so aus der Stadt gezogen, da doch wohl nicht mehr als der halbe Theil solcher Zahl, liemlich etwan 12 000 Juden in allem, oder 15 000 in dieser Stadt gewesen. Ich kann nicht anders als hoch rühmen, daß -ich nicht einen eintzigen Juden unter so Vielen gesehen, der harte Reden wider Gott geführet oder gemurret hätte, sie haben cs in stiller Geduldt angenommen, ihre grosse Sünde, die solchen Jammer verschuldet, bekennet, sonderlich ihr Pracht und Hoffart, und dal! sie den Armen nicht besser fortgeliolffen hätten; sonderlich da sie sahen, wie .die daran stossende Christen-Häuser ohnbeschädigt blieben und' nur eine alte Scheuer im Bier-Hauß zum Langen Gang darauft gangen. Ja auch gar wenige haben harte Worte wider den R. Naphtali, der doch ihres so grossen und allgemeinen Jammers Ursach gewesen, ausgestossen, dadurch gewißlich manche Christen, .die in so schweren Unglücks-Fällen gleich murren, beschämet worden. Unter dein Verlust ihrer Güther haben sie sonderlich beklagt die grosse Anzahl tlieils rarer und kostbahrer Hebraeischen Bücher, so verbrandt sind, deren Verlust sie auft mehr als 100 tausend Reichs-Thaler schätzen. 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Frankl: Der böhmische Edelmann Simon von Laeme 1'befand sich gleichzeitig mit Goethe in dem Kurort Karlsbad und pflegte auf einer in einsamem Walde gelegenen Bank auszuruhen. Goethe, "der vorüberkam, gesellte sich grüßend zu ihm. Herr von Laemel tat, als ob er den Dichter nicht kenne und erwähnte, um dies in Karlsbad, wo Goethe von aller weit gekannt war, glaubwürdig zu machen, daß er erst hier angekommen sei. Goethe mochte an dem lebenserfahrenen Gespräche des feingeistigen Mannes, der in seiner Aussprache die jüdische Herkunft merken ließ, Gefallen gefunden haben. Sie fanden sich ohne Verabredung öfters an derselben Stelle und zu gleicher Stunde zusammen. „Erst jetzt,“ äußerte Herr von Laemel, „weiß ich, daß ich die seltene Ehre habe, mit Seiner Exzellenz dem Herrn Minister von Goethe zu sprechen.“ Dabei stand er auf und verneigte sich tief: „Ich bin der Bankier Laemel aus Prag.“ „Eine ausnehmend merkwürdige Stadt!“ sagte Goethe, ohne auf die Erkennungsszene einzugehen. f,üie Synagoge, wenn sie auch nicht so alt ist, wie die gerne übertreibenden Juden meinen, ist ein interessanter gotischer Bau, vielleicht aus dem zwölften Jahrhundert. Und der. Friedhof Aiit seinen ehrwürdigen Monumenten! Er verdient gezeichnet und die Inschriften erhalten zu werden. Im Laufe der Zeiten geht so Ehr- und Denkwürdiges doch verloren.“ Ein jüdisches Thema war so' angeklungen, und Herr von Laemel sagte ohne jede Vermittlung: „Der Schiller, Euer Exzellenz, hat uns Juden mit seiner Abhandlung „Die Sendung Mosis“ sehr'wehgetan, und, , was das Schlimmste ist, er hat uns gekränkt, weil er die Sache gar nicht verstanden hat.“ Goethe, ohne in eine Meinungsäußerung einzugehen, doch bei dem Thema bleibend, äußerte: „Der Eindruck, den ich in früher Jugend in meiner Vaterstadt empfing, war mir ein mehr erschreckender. Die Gestalten der engen und finstern Judenstadt waren mir gar sehr befremdliche und unverständliche Erscheinungen, die meine Phantasie beschäftigten, und ich konnte gar nicht begreifen, wie dieses Volk das merkwürdigste Buch der Welt aus sich heraus geschrieben hat. Was sich allerdings .in meiner früheren Jugend als Abscheu gegen die Juden in mir regte, war mehr Scheu vor dem Rätselhaften, vor dem Unschönen. Meine Verachtung, die sich wohl zu regen pflegte, war mehr der Reflex der mich umgebenden christlichen Männer und Frauen. Erst später, als ich viele geistbegabte, feinfühlige Männer dieses Stammes kennenlernte, gesellte sich Achtung zu der Bewunderung, die ich für das bibelschöpferische Volk hege, und für den Dichter, der das hohe Liebeslied gesungen hat. — Beide Bücher haben mich mannigfach beschäftigt.“ Die Erfahrungen der Reife hatten also die Anschauungen berichtigt, die — von einem ästhetischen Ausgangspunkt aus — schnellfertige Jugend in dem Dichter hatten großwerden lassen. R.W. . Leo Leuner 60 Jahre alt. Am 26. Juli begeht der Breslauer Schriftsteller Leo Leuner seinen 60. Geburtstag. Tn tief empfundenen Gedichten, die in bedeutenden Zeitschriften des In- und Auslandes, zum Teil auch in Buchform (unter dem Titel „Gott und Mensch“) erschienen sind, kommt seine starke Religiosität und seine Liebe zu Deutschland zu ergreifendem Ausdruck. Aber auch in zahlreichen Prosaaufsätzen hat er stets mit glühender Begeisterung sein Ideal verfochten, nämlich eine Synthese von Judentum und Deutschtum. Trotz, ernster Krankheit und schwerer wirtschaftlicher Sorgen in den letzten Jahren hat er sich seihe Schaffensfreudigkeit und seinen gläubigen Optimismus bewahrt. Die Berufung seines zweiten Sohnes Kurt als Bühnenbildner an die Bühne des Kulturbundes deutscher Jilden beglückte ihn als die Erfüllung eines seit.langem sehnlich gehegten,Wunsches. 6$in>er-$aus»5toifet Berlin-Hohenschönhausen, Berliner Straße 8-14 Werkstätten moderner Glas- und Eisensch'äder Ausführung jeglicher moderner Lichtreklame Ladenbau »« Autolackiererei - Twlwfon« ■ O HohantehBnhouaen 4098. 11 J)ien6t am CLuto || IAutovermietungdesWestens I H 7 Wimersdorf 8076 I EUg. Privatwagen für Stadt u. Reis$ I (Mercedes, Packard, Maybach) sowie I . Eil- und Ferntransporte billigst I RudolstädterStr.5 (a. BhfSchmartjdf.) | B. M. W. 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