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Jüdisch-liberale Zeitung · 1934-07-10 · 55 (10.7.1934) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
14 (1934)
Issue
55 (10.7.1934)
Date
1934-07-10
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Bialik gestorben „ Mitten hinein in . die Vorführung eines Palästinafilms in der Berliner Philharmonie drang die Kunde von dem plötzlichen Tod 'des hebräischen Dichters Chajim Nachman Bialik, dessen Haus in Tel A\vi\v und dessen lebendiges Bild gerade an den Zuschauern vorüb.ergezogen waren. In Wien; wo er sich vor kurzem einer gutverlaufenen Operation unterzogen hatte, ist er einem Herzschlag erlegen. Die Nachricht von dem unerwarteten Ableben Bialiks wurde in Wiener jüdischen Kreisen mit großer Anteilnahme aufgenommen. Die gerade tagende Sitzung des. Präsidiums der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde wurde sofort abgebrochen, die Mitglieder des Präsidiums eilten an das Sterbelager des Dichters, wo sich auch sämtliche Rabbiner einfanden. Der Bürgermeister von Tel .Awiw hat telegrafisch die sofortige Überführung ■ der sterblichen Überreste Bialiks angeordnet. » Wenn auch Bialiks Arbeit mit dem Werk des Zionismus aufs tiefste und unlöslich verbunden' war, so gehört sein dichterisches Werk der Weltliteratur. Man hat Bialik, den ersten hebräischen Dichter seit Jahrhunderten, nicht mit Unrecht Rabindranath Tagore an die Seite gestellt. Seine Dichtung ist vor allem lyrische Dichtung und ihr Rhythmus wird entscheidend bestimmt von jüdischem Schmerz, von jüdischen Freuden und Sehnsüchten. Sie ist aufwühlend und aufrüttelnd, gleichviel, ob es sich um ein Lyrisches Bekenntnis handelt wie in dem Gedicht, in dem er die Geschichte von der Schöpfung seiner Seele erzählt, oder um seine Dichtung „Die Toten der Wüste“, diese großen Aufrührer, die sich gegen Gott empörten, der das jüdische Volk so viele Jahre lang in der Wüste umherirren ließ, oder um die großangelegte Symbolik der magischen „Feuerrolle“, in der er verschiedene Sagen von der Zerstörung des Tempels geschickt zusammenkettet — das erste große Ch. N. Bialik klassische Dichtwerk der neu-hebräischen Literatur, das ein Kritiker „ein Ehrendenkmal für das Diaspora-' Judentum“ genannt hat. Bialik war nicht nur ein Dichter des Pathos und prophetischen Zornes, er fand auch in’volksliedartigen Gebilden den Ton des Einfachen und Volkstümlichen. Auch als Übersetzer ist er hervorgetreten. So hat er den „Don Quichote“ und Schillers „Wilhelm Teil“ übersetzt. Andere Aufgaben haben ihn der Dichtung entfremdet. Eines seiner letzten Gedichte erschien am Tage seines 50. Geburtstages als „Antwort“ und „Danksagung“ an seine Freunde und Leser. Chajim Nachman Bialik ist 61 Jahre alt geworden. Er war 1S73 in einem Dorfe Wolhyniens geboren und ist in ärmlicher Umgebung aufgewachsen. Früh schon hat er die Nöte des Lebens kennengelernt. Vom Stu-' dium des Talmud unbefriedigt, wandte er sich weltlichen Dingen zu. Er wurde zuerst Holzhändler, dann Lehrer. Sein erstes Gedicht veröffentlichte er im Jahre 1891.' Es führt den Titel „An den Vogel“. Später übersiedelte er nach Odessa und gründete 1905 einen hebräischen Verlag für Schullite'ratur. Hier fand er auch Gelegenheit zu einer fruchtbaren und vielseitigen literarischen Tätigkeit. Unter der Herrschaft der Bolschewisten mußte Bialik, der sich inzwischen die Stellung einer führenden Gestalt der hebräischen Literatur errungen hatte, Rußland verlassen. Nach wechselndem Aufenthalt in Berlin und Homburg v. d. H. übersiedelte er vor etwa 10 Jahren nach Palästina. Wie man auch immer zur politischen Erscheinung- Bialiks stehen mag, seine Dichtungen, in fast alle Kultursprachen übersetzt, sichern dem Heimgegangenen einen unvergänglichen Platz in der Geschichte der jüdischen Literatur. Wir veröffentlichen nachstehend eine autobiographische humoristische Erzählung des Dichters, die ein Bild von seiner Kindheit gibt. Wie ich das Alef Beth lernte ln der Kleinkinderschule hatte ich kein Glück. Ich sonderte mich von meinen Mitschülern ab und sie von mir, war immer in mich gekehrt und baute mir meine eigene Welt. Aber niemand wußte es, und keiner merkte etwas. Sogar der „Rebbe“ und sein „Belfer“ (Hilfslehrer) ahnten nichts. Sic kannten nur eines: schlagen, jeder auf seine eigene Art. Der Rebbe prügelte mit dem Riemen, schlug mit der Faust, stieß mit dem Ellenbogen oder mit dem Teigwälzer, kurz — er bediente sich jedes Gegenstandes, der Schmerz zufügen konnte. Der Belfer-hatte eine häßliche Angewohnheit; blieb ich eine Antwort schuldig, so spreizte er seine Finger, krümmte sie. mir ins Gesicht wie die Krallen eines Tieres und verrenkte den Hals. In solchen Augenblicken sah er-aus wie ein Raubtier, und ich bebte vor Angst. Ich fürchtete, er würde mir mit seinen scharfen Nägeln die Augen auskratzen. Der Schrecken' verwirrte mich, und ich vergaß alles, was ich gelernt hatte. Der Belfer deutete mit dem Finger aut einen Buchstaben und fragte: „Was ist das?“, ich zuckte mit den Augen, zitterte am ganzen Körper und schwieg, als ob ich das Sprechen verlernt hätte ... So hörte ich fast gar nichts vom Unterricht, er streifte nur meine Ohren, er glitt an meiner linken Schläfenlocke vorüber. - In mein rechtes Ohr dagegen drang ganz von selbst ein anderer Klang, der zwischen den. Zeilen des Siddur heraufstieg. Er fand ein Echo in dem, Was wie seit Ewigkeit m meinem Herzen ruhte. Die Zeilen und die Buchstaben waren nur äußerliche Andeutungen für diese Lehre. Schon am ersten Tage, als der Hilfslehrer mir die Alef-Beth-Tafel hinhielt, tauchten vor meinem inneren Auge sofort Buchstabenkolonnen wie Soldatentruppen auf, die jenen glichen, die zuweilen an unserem Hause vorbeikamen. -Sie marschierten mit dem Tambour an der Spitze-„tram tara tram . . .“ So kamen mir die Reihen der Buchstaben vor, das Alef, das Beth, das Gimmel, unter denen die Vokalbezeichnungen standen. Richtige Soldaten, vom Kopt bis zur Sohle bewaffnet. Die Alefs marschierten, die .Rucksäcke über die Schulter geworfen, etwas unter ihrer Last gebeugt, wie zum Manöver, - die Gimmel, standen da, das eine Bein einen Schritt vor- - gestellt, bereit zum Marschieren. Meine Augen blicken an den Rändern der Tafel entlang. — „Was suchst Du dort?“ „Den Tambour“, antwortete ich und suchte immer weiter. Der Lehrer ließ die Tafel fallen, faßte an mein Kinn, drückte es 'nach oben und starrte mich mit blöden Augen an, ließ mich aber gleich los und schrie: „Weg!“ Und dann stieg ein anderes Kind auf die Bank. Ich schlich, traurig in eine Ecke und begriff nicht, was der Lehrer eigentlich wollte. Den ganzen Tag aber mußte ich an die Soldaten denken. Am anderen Tag, als die Reihe wieder an mich kam, zeigte mir der Lehrer den Buchstaben Alef und sagte: „Siehst Du den Tragbalken mit den zwei Eimern?“ „Ja, so wahr ich lebe, einen Tragbalken mit zwei Eimern!“ „Das ist das Alef“ behauptete der Lehrer. „Alef“ spreche ich ihm nach. „Was ist das?“ sprach er noch einmal. „Ein Tragbalken und zwei Eimer“ .antwortete ich und freute mich sehr über das schöne Spielzeug, das der liebe Gott mir direkt geschenkt hatte. „Nein, sag nach: Alefschrie mich der Lehrer'an. „Alef, Alef!“. .„Alef, Alef“ sagte ich ihm nach. Als -ich wieder auf meinem Platze.saß, verschwand auch - das Alef aus meinem Gedächtnis, und ich mußte immerzu an Maruschka die Wasserträgerin denken. Den ganzen Tag schwebte mir ihr Bild vor Augen. Ich sah sie ständig vor mir mit den nackten Waden, den dicken Zöpfen, mit dem Tragbalken, an dem die beiden Eimer baumelten. Sie stand neben dem Brunnen, im Teich schwammen die Enten, und . daneben war auch der Garten von Reb Alter. _ Am nächsten Tag deutete der Lehrer wieder aut das Al et und fragte mich: „Was ist das?“ . . „Maruschka“, antwortete ich voller Entzücken. Erbost warf er die Tafel weg, .spreizte seine fünf Finger aus und . . ., dann brach er plötzlich ab, faßte mich am Kinn und rief:’„Goj, Alef, Alef!“ .. . „Alef, Alef“ sagte ich ihm nach. Auch den anderen Buchstaben verlieh ich allerlei Gestalten aus der mir bekannten Umwelt. Es waren Tiere, Vögel, Fische, Geräte und sonderbare Geschöpfe, dergleichen es überhaupt nicht auf der Welt gibt. Das Schin war etwa eine dreiköpfige Schlange, das Lamed ein Storch mit langgestrecktem Hals, der auf einem Bein steht, wie der, der im Sommer auf dem Baum hinter unserem Hause nistet. Das Gimmel glich dem Stiefel auf den Wichsdosen, den ein schwarzer Kobold ' ' - ' ... ein Bucl Tag verwandelte vollzog sich ganz unwillkürlich ohne jede Absicht meinerseits, ‘— er geschah von selbst. Hatte ich das Bild' lange genug fesehen, so verschwand es,-und ein anderes trat an seine teile. Dieser Wirrwarr lenkte mich vom eigentlichen Unterricht ab. Ich sagte zwar dem Lehrer jede Silbe nach, mein Herz aber ging seine eigenen Wege. Es verliebte sich in den einen Buchstaben, ließ den anderen verschwinden, ich träumte im Wachen. Manchmal verstrickte sich der Klang der Silben in das Netz meiner Träume, und dann, wechselten die Buchstaben Gesicht und Farbe, manchmal bildete sich während des Lesens eine Schar zum Lachen reizender Gestatten, und ich lachte filötzlich auf. Solches Lachen machte den Leäirer rasend, er ieß dann seine ganze Wut an mir aus, aber ich verstand gar nicht, was ihn mein Lachen überhaupt anging. Die anderen Kinder im Cheder beachteten mich kaum, und ich kümmerte mich nicht uni sie. Saßen sie im Zimmer und spielten, dann verkroch ich mich in eine Ecke und gaffte vor mich hm, oder ich saß an der Seite und lutschte am Daumen. Meine Phantasie gaukelte mir ein ganzes Reich von Gestalten aus dem Siddur vor. Ein herrliches Spiel verschiedenartigster Figuren entfaltete sich vor meinen Augen. Wenn die anderen Kinder draußen im Hof spielten, suchte ich mir ein Versteck aus, dort saß ich einsam und spielte mit mir selbst. Wenn beim Lesen die Reihe an mich kam, mußte man erst lange nach mir suchen, manfand mich dann im Hof irgendwo hinter dem Gitter oder in der dunkelsten Ecke des Ganges, dort saß ich und lutschte an meinem Daumen. Ein paar vergessene Sätze Mit der Frage nach Art und Sinn der Juden haben sich nicht nur in unseren Tagen die führenden Gcistcrbefalit. Nicht alles, was gesagt wurde, auch von Wohlwollenden, war erfreulich. Auch in einem Aufsatz des alemannischen Dichters Johann Peter Hebel, „Sendschreiben an den Sekretär der Theologischen Gesellschaft zu Lörrach“, stdht manches, was wir gern anders läsen. Aber Sätze sind darin, die wohl verdienen, der Vergessenheit entrissen zu werden; hier einige davon: - „Was aber den Jesaias betrifft, so behaupte ich nur so viel, daß, wer ihn vom 40. Kapitel an lesen kann und nie die Anwandlung des Wunsches fühlte, ein Jude zu sein, sei es auch mit der Einquartierung alles europäischen Ungeziefers, ein Betteljude, der versteht ihn nicht, und solange der Mond noch , an einen Israeliten scheint, der diese Kapitel liest, solange stirbt auch der Glaube an den Messias nicht aus.“ „Sie könnten aus ihrer Heimat vertrieben werden, das war Gottes Gewalt. Aber ihre Heimat und die Würde und Freiheit des Volks Gottes an einem Sägebock oder hinter einem Schubkarren verleugnen, das können sie nicht. Sie können hungern, sie können verschmachten, wenn's sein soll, aber ihr edles Blut, einst in den Adern der Väter an einer bessern Sonne gebraut, in knechtischer Arbeit' verdampfen, das können Abrahams Kinder nicht und sind und bleiben zu dem Ausspruch: ,Sorget nicht für den andern Morgen“ die lebendige Exegese.“ Wie Leutnant Burg das Ritualmerdmärchon widerlegte Es war um'das Jahr 1823. Der Bruder, meines Urgroßvaters, der damalige Lieutenant! Bürg, geht mit dem Hauptmann von Frankenberg Unter den Linden spazieren. Zu ihnen gesellt sieh der Portepeefähnrich v. C., der sich darüber verbreitete, daß in der Provinz- Posen die Juden für ihre Ostertage christliche Kinder schlachteten, da sie, nach ihrem Gesetz, das Blut zu ihren Osterkuchen gebrauchten. Eisiges Schweigen, v. C. bereut sofort seine unbedachte Äußerung, kommt am nächsten Tage aut Burgs Zimmer, um sich zu entschuldigen, erklärt ihm elirenwörtlich, daß die Eemerkung absichtslos gefallen und 'ihm die Äußerung eine - unruhige Nacht bereitet hätte. ■ „Ich gab ihm,- schreibt" Burg in der „Geschichte meines Dienstlebens“, „nun meine heiligste Versicherung, daß er in dieser Beziehung vollkommen ruhig sein könne, daß seine Mitteilung mich zwar nicht verletzt, aber im hohen Grade in Erstaunen gesetzt habe, daß ich übrigens solche wahrhaft unsinnige Behauptungen schon manchmal hahe hören müssen und vielleicht noch oft hören, aber stets unbeantwortet Jasseii werde. Denn eine Behauptung, deren Inhalt so sclmutstraeks gegen die Gesetze der jüdischen Religion sei, wäre ebenso unerfreulich zu widerlegen, als cs unnütz sein würde! so krasse Vorurteilc-durch Worte beseitigen zu wollen“. Burg fügt hinzu, daß des Portepeefähnrichs v. C. „dienstliches Verhalten auf der (Artillerie-)Schule von der Art war, daß ich auch in der Folge niemals Veranlassung fand, mich tadelnd gegen ihn 'auszulassen, was mir nach dem hier initgetciltcn Gespräch nur um so lieber sein konnte." ür. T. Simon. Zwei deutsche Dichter Wilhelm v. Scholz wird am 15. lull sechzig Jahre alt — Frank Wedekind wäre am 24. Juli siebzig geworden Beide haben im jüdischen Gleichnis eigenes dichterisches Erlebnis ausgedrückt — im dramatischen wie im epischen Schaffen. t; Wilhelm von SchofJ hat das Schauspiel „Der Jude von Konstanz“ und den Roman „Der Weg nach llok“ geschrieben, Frank Wedekind'das Schauspiel „Sims o n“ und die Erzählung „R a b b i E s r a“. Bei beiden Dichtem handelt es sich nicht um ein Thema unter vielen Themen, vielmehr stehen diese jüdischen Stoffe zentral in ihrem Werk. Als Wilhelm von Scholz vor zehn Jahren von der Stadt - Konstanz gefeiert wurde, machte er ihr das Manuskript des Janiben-Dramas „Der Jude von Konstanz“'zum Geschenk — mit den Worten, er habe sich mit diesem Werk seine Heimatlosigkeit vom Herzen geschrieben. In Berlin geboren, Schlesier seinen Ursprüngen nach, wurde Wilhelm von Scholz Konstanz zur Wahlheimat, wie dem edlen Juden Nasson, der, um als Arzt-fürdlc Menschheit wirken zu können, seinen Glauben aufgab, aber, als er die Seinen vor einem Pogrom warnt, sie mit einem jüdischen Gebet beschwört, damit sie ihm vertrauen, als Rückfälliger vor ein- Ketzergericht gezogen wird. Der Bischof, der ihm sein Leben verdankt, will ihn retten, aber, nachdem er die Geliebte verloren, die das letzte Band war, das ihn an die Juden band, und Christin werden wollte, ist die Gemeinschaft mit den ‘Juden wie mit den Christen zerrissen, nur durch das; Aufgehen im AH kann ' er eine neue Heimat finden, und besteigt den Scheiterhaufen. Der Nasson von Scholz und der Empedokles - von Hölderlin, dem Scholz in seiner Bühne.ibearbeitung das deutsche Theater gewann, reichen einander die Hände, der Ätna und der Scheiterhaufen in Konstanz sind sinnbildlich für die gleiche transzendente Heimat, die der Dichter sucht. Der Held des Romans „Der Weg nach llok“ ist der schlesische Savonarola Johannes von Capistran; der in Breslau Ketzergericht über die Juden hält und sich den Hussiten gegenüber tolerant verhält — aus Politik, wegen der Rückendeckung aus Prag. Engel warnen ihn, aber er übt ungerechtes Gericht auf einer wahnwitzigen Närrin 'Wort. Heiligkeit und Grausamkeit wohnen bei ihm nebeneinander, ja beide Eigenschaften-bedingen einander wie Vorder- und Kehrseite einer Münze. Scholz zeigt eine mittelalterliche Welt, in der Vernunft und Aufklärung schwache Kräfte sind, die Umkehr Capistrans erfolgt durch ein Wunder, durch eine Krankheit, in die iln»- der Anblick des Juden Ephraim, der unschuldig gefoltert den Scheiterhaufen bestieg, und die Erkenntnis vom Wahnsinn und von der Narrheit seiner, Hauptzeugin, warfen. Geheilt ruft er zur Befreiung Belgrads vor den Türken auf und stirbt in dem südslawischen Kloster llok, er entschwindet den Augen seines Dieners, von zwei Erscheinungen begleitet, die Gottsucher wie er waren: Johann Hus und der Jude Ephraim. Frank Wedekinds Simson-Drama führt den Untertitel „Scham und Eifersucht“. Den Oegensatz der Geschlechter kleidet der Dichter ins biblische ’Oewand. Die elementarsten Gefühle der Liebe tragen das dramatische Geschehen um den jüdischen Heraktes. Die Begegnung mit einer Schönen reizt sein Begehren, doch ehe er sich ihr nähern kann, wird sie erschlagen. Die Tote lebt in seinen Augen fort. Die eifersüchtige Delila entlockt ihm sein Geheimnis, schert und blendet ihn: „In Simsons Augen lebt ein Weib, das ewig treu drin eingeschlossen bleibt“ Die Philister sähen ihren Feind lieber getötet, doch Delila rächt sich und tauscht die Rollen: war sie.ihm Besitz, so ist er Ucbebedürftig nunmehr ihr Besitz geworden. Und sie nutzt ihn im Spiel mit dem Philisterfürsten Og von Basan, seine Eifersucht zu reizen, dg schämt sich dessen, und weil er Scham für keine Herrschertugend hält, die Scham aber seiner Eifersucht auf den Geblendeten entspringt, trachtet er Simson nach dem Leben. Der Schluß mündet ganz ins biblische Geschehen undsteht mit dem besonderen Thema Wedekinds in keinem Zusammenhang: der Säuleneinsturz. Aber der blinde Simson, singt ,das schwermütige Lied, vpm Krieger, in dem Wedekind auf sein eigenes Leben, Rückschau-hält. In der Erzählung „R a b b I E s ra“ teilt der junge Moses seinem Vater mit, daß er heiraten wolle. Der alte Rabbi erzählt dem Sohn, damit er sich prüfe; die Geschichte seines

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