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Jüdisch-liberale Zeitung · 1934-07-06 · 54 (6.7.1934) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
14 (1934)
Issue
54 (6.7.1934)
Date
1934-07-06
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Haben Sie schon eine Familienchronik? Die Umgestaltung der Dinge in Deutschland hat in allen Kreisen das Interesse für die Vorfahren geweckt und viele dazu angeregt sich einen S t a in m b a u m anzulegen. Gar manche Behörde und manches Archiv weiß davon, zu berichten, wie groß auch das Interesse der deutschen Juden an der Familienforschung geworden ist. Als im Jahre 1924 von dem Berliner Augenarzt Dr. Czellitzer die „Gesellschaft für. jüdische Familienforschung“ begründet würde, waren es nur wenige, die sich für ihre Arbeiten interessierten. Wie anders heute! Zahlreich waren die Vertreter der. großen jüdischen Organisationen und Verbände erschienen, um mit den Vercinsmitgliedem das 10jährige Bestehen der Gesellschaft zu befeben. Namens der Reichsvertretung der deutschen Juden egrüßte Ministerialrat i. R. Otto Hirsch die Gesellschaft,- die durch ihre Forschungen zur Erfüllung der großen Aufgabe beitrage, der Erhaltung und Entfaltung des Judentums. Die Bundes!eitung des R.j.F., die Zionistische Vereinigung für Deutschland, der C.V. hatten Glückwünsche überbringen' lassen..' Dr. Klee, der die Wünsche des Gemcindevorstands zum Ausdruck brachte, betonte den Wert der Fämilienforschung, der darin liege, daß sie die Solidarität, der Generationen verbürge. Für die Zentralwohlfahrtsstelle sprach Dr. Ollendorff. Als letzter Gratulant nahm Dr. Jacob Jacobson für das Gesamtarchiv der deutschen Juden und das Jüdische Museum das Wort. Er richtete an die Versammelten einen Appell, Material aus den kleinen Gemeinden zusammenzutragen, sooft sie dazu nur Gelegenheit hätten. Das Hauptreferat des Abends hielt Professor Ismar El bogen: „Aus dem ersten Jahrtausend deutscher Juden-. Siedlung“. Er gab einen Überblick über eine geplante Veröffentlichung, die unter dem Titel „Germania Judaicä“ erscheinen soll und die Geschichte des deutschen Judentums von seinen Anfängen bis zum 13. Jahrhundert darstellen wird. Die Juden sind mit den Römern nach Deutschland gekommen. Auf dem Römerweg Metz—Trier—Köln entstanden jüdische Gemeinden. Auch an der Donau, so in Regensburg und wahrscheinlich auch in Wien, gab es seit dem 4. Jahrhundert jüdische Gemeinden. Während sich die Judensiedlung in Köln durch die Jahrhunderte erhalten |hat, zerstreuten sich die. andern zumeist. Erst um das Jahr 900 werden <jie Judensiedlungen wieder urkundlich. Sie nehmen die gleiche Entwicklung wie das Reich, das jetzt erst erschlossen wird. Von Frankreich her kommen Juden und lassen sich an der Verkehrsstraße Metz—Trier—Köln nieder. Andere ziehen von Italien über die Alpen zum Rhein nach Mainz und Worms. Wieder andere lassen sich an der Donau nieder. Mainz, das den Schnittpunkt für den Verkehr zwischen Ost und West darstellte, wurde zur größten jüdischen Gemeinde. Im Jahre 1096 wohnen dort 3000 Juden, das ist wahrscheinlich mehr als ein Viertel der damaligen Bevölkerung. Über Main- Rhön—Saale kommen Juden zur Elbe. Um 960 finden wir jüdische Siedlungen in Magdeburg, Merseburg und Naumburg. Unter Heinrich IV. erhalten die Juden Freizügigkeit. Man sieht sie gern, und der Bischof von Speyer erklärt 1084 ausdrücklich, daß er das Ansehen der Stadt tausendfach erhöhe, wenn er die Juden in die Stadt lasse. In der-Pfalz werden die Juden vielfach schön bei der Gründung in die neuen Städte hereingelassen. Das friedliche Einvernehmen mit den christlichen Mitbürgern nimmt 1096, beim ersten Kreuzzug, ein jähes Ende: es kommt zu schweren Judenverfolgungen. Aber schon bald. danach kehren Juden nach Worms, Mainz und Köln zurück. Die Bürger meinen, daß die Stadt Ruhe und Ordnung brauche, und halten somit auch jede Störung der jüdischen Kolonie für schädlich. Ebenso ist die Geistlichkeit den Juden wohlgesinnt. Zwei Jahrhunderte dauert das Zusammenleben. 1348 werden die friedlichen Judensiedlungen zerstört. Neue An- Siedlungen auf schmalerer Basis entstehen. Gegen Ende des 15. und zu Anfang des 16. Jahrhunderts werden die Juden aus den Städten — nicht aus Deutschland — vertrieben. Bischöfe-und auch weltliche . Landesherren ermöglichen , den Juden eine Niederlassung an kleineren Orten. So entstehen beispielsweise in Hessen neue jüdische Gemeinden, die sich bis heute erhalten haben. Dr. Czellitzer gab einen Rechenschaftsbericht über das erste Jahrzehnt der Gesellschaft für jüdische Familienforschung. Im Gegensatz zu früheren Bestrebungen liegt der Moderne Möbel Teppiche, Stoffe, 01«»,*’ Parzellen Einrichtung von Wodienendhäinera *. vernünftig. Preisen U —**iIiMniilnii Uhlinditr. 185-60 zwischen nons SOineiaer LletzcoburEerstr. n. Kurfürslend. Gesellschaft nicht nur an der Erforschung prominenter, sondern ebenso sehr an der Erforschung der namenlosen, unbekannten Familien. Die Gesellschaft sammelt nicht nur das Material, wie es sich in Dokumenten, Chroniken, Stammtafeln darbietet, sie verarbeitet es auch. Gerade im letzten Jahr wurde die Gesellschaft, die Mitglieder in vielen Staaten Europas, in Nord- und Südamerika, sowie in Palästina besitzt, besonders häufig um Auskunfterteilung bei Familienforschungen ersucht. Einen guten Überblick über die Familienforschung. gab eine A uss te 1 lung , die im Anschluß an die Festsitzung eröffnet wurde. Das Gesamtarchiv der deutschen Juden und zahlreiche Privatleute haben hierbei das Material der Gesellschaft für jüdische Familienforschung ergänzt. Man sieht viele — oft recht künstlerisch ausgestattete — Stammtafeln,' die Jahrhunderte weit zurückreichen. Das Quellenmaterial, das natürlich sehr verstreut ist, bekommt man auch in verschiedenen Formen zu sehen: Einwohner-Verzeichnisse, 'Geburtsregister, Totenlisten, Mohel-Bücher (Beschneidungs-' Listen). Ein besonders wertvolles Stück stellt eine Totenliste - aus Krotoschin dar, die die Namen der von 1675 bis zum 19. Jahrhundert dort Beerdigten, darunter sehr viele Auswärtige, enthält. Wichtiges Material bieten die Familienpapiere jeglicher Art. Aus dem Jahre 1630 stammt eiu- Passierschein für einen Juden aus Hameln, ausgestellt von Ti 1 ly, in dem befohlen wird, diesen Juden „aller Ortlien frey / sicher und unangefochten passiren und repassireu zu lassen“. Zahlreiche Schutzbriefe sieht man, wie der „vor den Juden Heymann Joachim alliier auf den Schutz hierselbst sub dato Darmstadt den -Iten Martii 1762“. Belustigend ist die Brautausstattung einer wohlhabenden Jüdin aus dein Jahre 1806. Jene Dame besaß nicht nur 8 Hauben mit Kanten und 12 Nachthauben, sondern auch 36 Paar baumwollene und 6 Paar seidene Strümpfe. Vom Bräutigam liegt eine hebräische Empfangsbestätigung vor. In einer andern Vitrine sieht man unter vielen andern Dokumenten, daß der „Freiwillige Jäger Carl Raveck“ einen Orden tragen darf, denn er „hat den Krieg von eintausend achthundert dreizehn und vierzehn als ein braver Mann mitgemacht“. So geht jüdische in deutsclie Gesdhichte über. Mancher steht sinnend vor den vergilbten Blättern einer vergangenen Zeit und spürt, daß Geschichte etwas sehr Lebendiges ist . . . —nü—: iSUtlVil'typtc?icj t i lv SlCcmuftcim cBricf an 3ic „cfüciacfv-fiC’zrafc Szitmtg“ Mannheim, im Juli. Rabbiner Dr. Geis, der vor kurzem als Nachfolger von Dr. Lande hierher kam, hielt jüngst in der gut besuchten Hauptsynagoge seine Antrittspredigt. An den Wochenabschnitt anknüpfena, stellte er dabei Aron und Moses, d. h. das gesicherte Schicksal der Priester und das ungewisse, unsichere der Propheten einander gegenüber, uin_dann zUm ungewissen Schicksal der Juden in der Gegenwart überzugehen. Der heutigen Rückkehr so Vieler zum Judentum steht Dr. Geis, wie'er. u. a. betojite, was die gleichzeitige tiefere innere Rückkehr anlangt, etwas skeptisch gegenüber. Es genüge heute nicht, zum Judentum Ja zu sagen und zum jüdischen Schicksal, sondern'man müsse sich auch in vollem Umfange darüber klar sein, was es heute, nach_dem Jahrhundert der Emanzipation heiße, den Weg zurück zu gehen. Dabei sei es auch nicht mit dem hebräisch lernen und mit Geschichtskenntnissen allein getan, sondern es gelte, sich innerlich zu wandeln mit jener Kraft, die uns auch-das Leid und Schicksal dieser Zeit aufrecht wird tragen helfen. Nach dieser Antrittspredigt des neuen liberalen Rabbiners, die sichtlich nachhaltigen Eindruck hinterließ, wird Dr. Geis mit den einzelnen Jugendverbänden Fühlung nehmen. Über das Wirken . der „Arbeitsgemeinschaft derjfldischenVereinigungMannheims“ erschien jüngst ein Bericht, der die umfangreiche Arbeit der - im Vorigen Winter begründeten Organisation erkennen ,läßt. Neben der Erledigung zahlreicher Anfragen von, Künstlern und Kulturbünden, hat die Arbeitsgemeinschaft nicht nur Engagements für jüdische Künstler vermittelt, sondern auch einen• ständigen Terminkalender eingerichtet, der sich als sehr nützlich erwies und durch den in vielen Fällen die Anhäufung und Kollision von Veranstaltungen am selben Abend vermieden wurde. Besondere Erwähnung verdient die Durchführung einer Rundfrage bei den Mittel- und Kleingemeinden Badens, ob und in welcher Richtung ein Bedürfnis nach kulturellen Veranstaltungen in diesen Gemeinden besteht, eine. Anfrage, die fast allenthalben bejaht wurde, wozu aber den meisten Gemeinden die Mittel fehlen. Wie diese Rund-, frage als Vorbereitung für den Zusammenschluß südwestdeutscher Organisationen du'rchgeführt wurde, so wird die „Arbeitsgemeinschaft" in diesem Verband ’ für eine Finanzierung werben. Eineder vornehmsten Aufgaben der „Arbeitsgemeinschaft“ ist die produktive Kiinstlcrhitfe und die Förderung der einheimischen Kün'sU'er, die besonders bei kulturellen Veranstaltungen in „kleineren Gemeinden Betätigungsinöglichkeit finden dürften. —tut. c!> ii t lt tv ic i ii, iik cHo bo f?“, eVtci tu iv Gurt? -’bii-'f an vi.- ..j!ni-’.li-f11'.-:af.- itiiII1 ■ Wuppertal-Elberfeld, im Juli. Audi die heißeste Sommersonne ist in diesem Jahre bisher nicht imstande gewesen, der jüdischen Arbeit in Wuppertal Abbruch zu-tun.. Es ist riskant, mitten im Sommer— eine Werbeveranstaltung eines Turnvereins in einer geschlossenen Halle vorzuführen, aber das gebotene Programm rechtfertigte den starken Besuch. Gezeigt wurden nicht nur Übungen am Barren für Herren, sondern auch Kccktiiriicn für Damen, Damengymnastik, und selbstverständlich auch Geräteübungen für Jungen und Mädel sowie Kiudcrturncn. -Jlcsonders interessant war dieTahiingsvorfüliriingeiner Boxgiuppe. Es ist dringend zu wünschen, tlall diese Werbeveranstaltung, die in eigener—Turnhalle stattfand, ihren Zweck erreicht,- und daß viele Außensrehende "die Gelegenheit walirnehmeii, selbst in die Reihen dieses Turnvereins euizutrctcii. Die Zugehörigzum Wuppertaler Turnverein llakoah bedingt keinen Gesinnungswechsel in jüdisch-politischer Beziehung. T4enn Aufnahme finden auch die' Angehörigen des RjF., auch sonst alle, die aut deutsch-jüdischem Boden stehen. Die Ortsgruppe Wupperlhl im RjF. beging in der Synagoge Elberfeld die Feier üires\ ldjährigeii Bestehens. Zahlreiche Gemcindemitglicdcr waTtn der Einladung gefolgt und ■-Schlosserei -Klempnerei Peyeraband, e 25 Kl. Aleianderstr. 10 Ft •rtlrrn .SV itnirrbiiullirh Sitmtl. AVjoi- . riititrtii, l'mltutfat it-sic. vii l'ill. /Yrw'i hörten einen fesselnden Vortrag von Dr. Emst Frankel- Berlin, des. Mitgliedes der Bundcslcitung. Umrahmt wurde die Gedenkstunde nach einer kurzen Begrüßungsansprache durch Gesang des Synagögenchörs und einen Orgelvortrag des Organisten und Kapellmeisters Kurt Heincmaun. , Der Kulturbund Rhein-Ruhr führte durch die Schauspielbühne das (hier schon besprochene) Lustspiel „Dame Kobold" nach Caldcron von Hugo von Hofmannsthal auf. Die Aufführung au sich war, wie immer, sehr gut, was bei der hohen :: Schauspielkunst von Friedei Münzer und Hermann Sc hin d- 1 e r vorauszusehen war. ■ Zum brennenden Thema der Berufsumscliichtung Ist besonders der Jüdische Frauenbund bemüht, Dr. Käthe- Mcnde ' aus Berlin hielt einen Vortrag, in dein' sie ausführtc, wie die— berufstätigen Frauen und Mädchen; die aus ihren früheren Verbänden ausgeschlossen wurden, oder die überhaupt nicht organisiert waren, in eine neue Organisation cingegliedert werden könnten. _ Unsere Hoffnung, die jüdische Jugend, arbeitet fleißig und benutzt die schönen Sommertage, um in gemeinsamer Fahrt jeden Sonntag durch körperliche Erholimg-den Geist frisch zu halten. tsrtoet. Dresden. Der Ortsausschuß der jüdischen Jugendverbände hat die S'po rt p f I ic h t für alle hündisch organisierten Jugendlichen eingeführt. Danach sind die Jugend- . liehen verpflichtet, sich für die Teilnahme an den Leibesübungen eines der. beiden in Dresden bestehenden jüdischen Sportverbände „Schild“ und „Bar Kochba“ zu entscheiden. Am 28. Juni entschlief sanft in seinem 80. Lebensjahr unser treu sorgender, geliebter und verehrter Kommtraltnral Naphthali Hamburger Berlin, Prager Straße 5 Im Namen der Hinterbliebenen Dr. Hans Hamburger Die Beisetzung hat seinem Wunsche gemlil In aller Stille statt gefunden | Haßaxott, Htnor (Hcstauxantb \ TANZ«STIMMUNG Wo Honen wir uns gut amüsieren! „Caf£ Trianon“ inh. Bornstein Bayerischer Platxl, Tel. B 6 0835 Mitgl. d. jüd. Gemeinde Täglich nachmittags und abends TANZ * Eintritt frei Anerkannt beste Wiener Küche bei ganz billigen'Preisen. Wochentags nachm. 1 Tasse Kaffee 33 Pf. Gedeck 55 Pf-Abends 1 Tasse Kaffee 46 PL SamsLu. Sonnt Abend 1 KSnnch -Kaffee62Pl- Vereinsu. 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