Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 14 (1934)
- Issue
- 53 (3.7.1934)
- Date
- 1934-07-03
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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großer Angriffsboxer werden wird. Eine Mischung dieser beiden Pigliter wäre in der Tat unüberwindlich. Zwei Urteile Der Sieg des amerikanisch-jüdischen Schwergewichts- .boxers Max Baer über Camera hat in der Presse Zweifel an der. Richtigkeit der Entscheidung des New , Yorker Ringrichters aufkommen lassen. Der Kampf 'war, wie erinnerlich, in der 11. Runde abgebrochen worden, da der Ringrichter Donovan den Italiener als „technisch knock but“ erklärte, nachdem Camera in der 11. Kunde die Hand zum Zeichen der-Aufgabe erhoben hatte. Nun ist in England der Film des - Weltmeisterschaftskampfes vorgeführt worden. Die „Nachtausgabe“’ veröffentlicht im Anschluß daran einen Bericht des Boxsportjournalisten Frank Waters im Londoner Daily Express, in dem es u. a. heißt: „Ich habe soeben den Film des Camera-Baer-Kampfes um die Weltmeisterschaft gesehen. Jeder-Fachmann in London,, der ihn ebenfalls sah, ist gleich mir bestürzt über die Entscheidung zugunsten Baers. Baer gewann die erste und die elfte Runde, aber sonst kaum einen einzigen PunkL Carnerä dagegen gewann neun Runden durch sauberes, entscheidendes Boxen. Neun Runden hindurch traf seine mechanische, kolbenartig arbeitende' Linke Baers Göicht. Allerdings, obwohl Camera seinen Gegner ausklassierte und ihn traf, wann er nur wollte, schien er ihn nicht zu erschüttern. Seine Schläge brachten nicht einmal Baers Haare in Unordnung, obwohl der Italiener anscheinend in jeder Runde Gelegenheit hatte, Baer auszuknocken.“ „In dem Kampf-Film selbst,“ so heißt es weiter in dem Bericht-der Londoner Zeitung, „schien Camera niemals länger als drei Sekunden am Boden zu sein; zweimal wurde er, während er am Boden war, von Baer angegriffen und geschlagen. Wie Baer der Disqualifikation aus diesem Grunde entging, ist unbegreiflich. Mindestens ein dutzendmal schlug Baer Camera unterhalb des. Gürtels, aber der Unparteiische nahm keine Notiz davon. Wie — so fragen wir — hat Carnera denn nun verloren?“ Weiterhin heißt es in der Filmbesprechung: „Camera fiel in der ersten Kunde schwer und verletzte sich ein Fuß- 'gelenk. Während aller folgenden Runden, war er ersichtlich lahm. Trotzdem aber boxte er Baer völlig aus, wenn auch ohne ihn zu verletzen. Das ist seltsam, wenn man in Betracht zieht, was er mit Sharkey machte* zu einer Zeit, in der seine boxerische Fertigkeit noch unvergleichlich geringer war. Wer diesen Film sieht und nur etwas vom Boxen versteht, muß der Meinung sein, daß Baer Camera nicht nur nicht geschlagen "hat, sondern ihn auch niemals sdilagen wird, und sollte er .selbst warten, bis er so groß geworden ist wie Camera. Armer Primo, er scheint in allem den kürzeren zu ziehen.“ * Dem steht gegenüber, was die Zeitschrift „Der Boxsport“, das amtliche Organ des deutschen Boxsports, im Anschluß an zwei Fotos aus dem Kampf Baer-Carnera, die das Blatt veröffentlicht, schreibt: „Die ersten Bilder vom Weltfincilfhla Privatstunden zur Einführung in kaufmännisches «CMIUlla und wirtschaftliches Denken und die Elemente des kaufmännisidien Betriebes. Ausführliches Angebot unter F 528 an die „jüdisch - liberale Zeitung“, Berlin-Charlottenbiirg 4, Mommsenstralle 40. meisferschaftskampf im Schwergewicht sind jetzt in Deutschland angekommen. Oben sehen wir, wie die beiden Boxer in der Hitze des Gefechtes zu Boden gestürzt sind. Das untere Bild zeigt die Szene kurz vor dem Abbruch des Kampfes in der elften Runde. Camera zieht sich mit aller Mühe an den Seilen hoch, ist sichtlich noch völlig „weich“ in den Knien, während Baer durch den Ringrichter zurückgehalten wird. Nach diesem Photo war der Abbruch des Ka'mptes vom sportlichen Standpunkt richtig.“ Richtlinien zur jüdischen Berufspolitik Das Bestreben der jüdischen Jugend, Berufsumschichtung in bewußter Abkehr von der einseitigen Berufswahl früherer Zeiten zu treiben, hat den Zentral- . ausschul! der deutschen Juden für Hilfe und Aufbau veranlaßt, Richtlinien zur jüdischen Berufspölitik aufzustellen, die in der letzten Plenarsitzung verabschiedet wurden. Die Teilnehmer aii den Beratungen waren sich darüber klar, daß das Problem der Berufsumschiclitung gänzlich aus der innerjüdischen Weltanschauungsdiskussion herausgenommen werden muß, und daß die Frage der Berufsumschichtung nur im Zusammenhang mit den wirtschaftlichen Einordntmgs- und Unterbringungsmöglichkeiten behandelt werden kann, wobei selbstverständlich die Er Haltung, vorhandener Wirt-.; Schaftspositionen in Deutscli 1 and ein wichtiger Faktor der Berufspolitik sein muß. In den Richtlinien heißt es u. a.: Die jüdische Berufspolitik hat zwei Aufgaben zu erfüllen: a) Normalisierung der Berufsverteilung der Juden durch Ausbildung der Jugend in landwirtschaftlichen und handarbeitenden Berufen. (Berufsumschiclitung.) b) Erhaltung oder Schaffung der wirtschaftlichen Existenz. (Wirtschaftliche Eingliederung.) Aus diesen beiden Aufgaben ergibt sich die Zielsetzung der Berufsumschichtung. Sie muß so erfolgen, daß die Berufsumschichtenden nach ihrer Ausbildung eine Möglichkeit zu wirtschaftlicher Eingliederung finden, wo immer sie nach ihrer Entscheidung diese wirtschaftliche Existenz suchen. Berufsumschichtung im Sinne einer Normalisierung der Berufsgliederung der Juden erfordert in erster Linie landwirtschaftliche und handwerkliche Ausbildung. Die Herbeiführung einer normalen Berufsschichtung der jüdischen Bevölkerung in Deutschland ist namentlich in Bezug auf die Landwirtschaft außerordentlich gehemmt. Daher mul! bei allem Streben nach einer normalen Berufsverteilung der Juden in Deutschland die landwirtschaftliche und in gewissem Umfange auch die handwerkliche Ausbildung so erfolgen, daß sie die Berufsumschichtenden befähigt, den neu erlernten Beruf auch außerhalb Deutschlands überall in der Welt auszufüllen. ' Berufspolitik im Sinne der Eingliederung in die' gegebenen wirtschaftlichen Existenzmögliehkeiten in Deutschland wird sich auf eine Einordnung in die den Juden in Deutschland zugänglichen Berufen, also in erster Linie in den kaufmännischen und handwerklichen Berufssektor zu erstrecken haben, wo es die vorhandenen Wirtschaftspositionen zu halten gilt. Beim Handwerk werden folgende Möglichkeiten besonders in Betracht zu ziehen sein: die individualisierten Handwerksarten des sogenannten „ewigen“ Handwerks, das Reparatur-Handwerk und das Industrie-Handwerk. Eine solche Eingliederung erfordert eine entsprechende Fachausbildung all derer, die jetzt aus anderen Berufen ausgeschlossen worden sind, und die eine Neueingliederung in den deutschen Wirtschaftskreis suchen. Diese Fachausbildung zu fördern ist die zweite wichtige Aufgabe der gegenwärtigen jüdischen Berufspolitik. Da Berufsumschichfung die gegenwärtige Hauptaufgabe jüdischer Berufspolitik bedeutet, ist das Bestreben der jüdischen Jugend, sich aus eigenem Entschluß handarbeitenden Berufen aller Art zuzuwenden, in jeder Weise zu begrüßen. In der Form der Erstausbildung in regulären Lehrstellen (Kollektiv- oder Einzelausbildung) ist dieses Bestreben so weit als irgend angängig ideell und materiell zu fördern. Ebenso zu fördern ist das Bestreben derjenigen Älteren, die-bisher in anderen Berufen tätig gewesen sind, sich handarbeitenden Berufen zuzuwenden, sei es, daß sie im Zuge der politischen und wirtschaftlichen Entwicklung ihre Position aufgeben mußten, sei es, daß sie ihre bisherigen Berufe aufgeben wollen. Bei den Älteren werden' allerdings zwei Momente zu berücksichtigen sein: Die obere Altersgrenze' für männliche Berufsümschichtende wird im allgemeinen nicht über 30—35 Jahre ausgedehnt werden können; bei weiblichen Berufsumschichtenden bestehen auch über diese Altersstufe hinaus weitere Möglichkeiten beruflicher Umschulung. Es ist selbstverständlich, daß die Berufsausbildung durch eine jüdisclie Erziehung vertieft werden muß. Berliner Boffesbienffe Freitag, 6. Juli: Lützowstruße 6.30 Uhr. Im Anschluß an den Hauptgoitesdienst Jugendfeier. Prinzregentenstraße 7.15 Uhr. Alte übrigen Synagogen mit neuem Ritus 7 Uhr. Predigt: Fasaaeuslra'ße: Dr. Salomonski. Ansprachen: Lindenstraße: Dr. Vogelslein, I.evetzowstraße : Dr. Seligsohn. Liberale Synagoge Norden, Schönhauser Allee 162 bis 10. August wegen Renovierung geschlossen. Liberale Synagoge' Osten, Kaiserstraße 30, 7.30 Uhr: Dr. Plotke. IJberale Synagoge Nordost, Prenzlauer Promenade 176, 7.30 Uhr: Zimet. Liberale Synagoge Westend, Kaiserdamm 78, 7.15 UJir: Dr. Kliersfeld. IJberale Synagoge Wedding-Reinickendorf, See strafte 4L, 7.30 Uhr: Graf. Jüdische Reformgemeinde, Joarhirnsthaler Straße 13, 6.30 Uhr: Dr. Gollschalk. Sonnabend, 7. Juli: Hauptgottesdienst in allen Synagogen mit neuem Ritus 10 Uhr. Predigten: Neue Synagoge: Dr. Hirschberg. Uilzowstraße: Dr. Prinz. Friedenstempel: Dr. Warschauer. Prinzregentenstraße: Dr. Wiener. Schmargendorf: Brasch. Außerdem Frühgottesdienst 7.30 Uhr in den Synagogen Lindenstraße, Levetzowslraße, Prinzregentenstraße. ' .Sonntag, 8. Juli: Jüdische Reformgemeinde, Johannis-- Straße 16, 10.30 Uhr: Dr. Gotischalk. 4 m 8. Juli führt der Jüdische Turn- und Sport-Club 1905 auf dem Sportplatz der Gemeinde im Qrunewald einen Klubkampf mit dem Gduvereiu ,Jugend- und Gymnasiikverein Schöneberg“ durch. Beginn der Veranstaltung' 3 Uhr. Umrahmt wird der Klubkampf von Staffelläufen sowie einigen Jugeudkonkurrenzen und einem Faustballturnier, das die ersten Mannschaften der Berliner Turngenossenschaft, Stern-Uchtenberg, Jugend- und Gymnastikvereins Schöneberg mit der des Veranstalters zusammenführl. Möbel- Kamerling N, Kastanienallee 56 E. FebrbelllnerStr. Eigene Werkstält. Augen aufl Speisezimmer, Schlafzimmer, bildschön. UObel aller Art, Küchen, kein Laden, dalurogl. blll. ' veltsstWeg lohnend Fiedler, Petersburgerstr. 85 I. Scbreibtiscbs billigst, verkauft Tischlerei Wetnbergsweg.22 Reparaturen, Anderangen. Modernisieren s&mtl. MObel Humen, Balkonu. Garteubepflinz. preiswert geschmackvoll R. Kurek, Charlbg, Kaiser Friedrichs*. 13, E. Grün. Tischlerei Bartels 0 Reparaturen, Umarbeitungen, Modernisieren. 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