Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 14 (1934)
- Issue
- 53 (3.7.1934)
- Date
- 1934-07-03
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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14. Jahrgang Nummer 53 3&öifdMUietale 3eUtitig Beilage 3. Juli 1934 Judentum als Wissenschaft Anekdoten Gelehrsamkeit oder Ghetto? — ln der Werkstatt der „Germania Judaica“ Uie „Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums“ Nachdem im vergangenen Jahr die „Akademie für die Wissenschaft des Judentums“ zu bestehen aufhörte, stellt die „Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums", Berlin, die letzte und einzige große jüdisch-tvissenschafUiche Institution dar. Um die Wende des Jahrhunderts hatte die Woge des Antisemitismus;-' periodisch anschwellend, wieder einen Höhepunkt erreicht. Bücher erschienen, die mehr öder weniger direkt-das'Judentum angriffen und in weiten Kreisen der. Gebildeten durch tendenziöse Geschichtskritik, durch einseitige und willkürliche Deutung von Erscheinungen, Äußerungen, Handlungen des Judentums Verwirrung stifteten. Es konnte nicht felilen, daß das Judentum in den Augen aller Welt tief herabgesetzt wurde. " In den Reihen der Juden wuchs das Verlangen nach wissenschaftlich fundierter Abwehr. Man erwartete ein Buch, das mit. den Kritikern abrechnen sollte. Aber konnte ein einzelnes Werk diesen Damm , gegen eine Flut von Mißverständnissen errichten? Die gesamte jüdische Wissenschaft ' mußte mobilisiert werden. Das , Wort von Zunz, daß unser Ghetto erst mit dem Ghetto unserer Wissenschaft schwinden werde, war'zu beachten und zu beherzigen. Rabbiner Dr. Lucas in Glogau war es, der im Jahre 1902 den ersten Anstoß zur Gründung einer „Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums“ gab. In kurzer Zeit kamen die, jüdischen Gelehrten dem Ruf nach Organisierung nach eine einzig dastehende Vereinigung jüdischer Wissenschaftler! in allen Ländern — einzig und allein zu dem Zweck, eine gehaltvolle, lebendige jüdische Wissenschaft ins Sein zu rufen. Leicht gelang auch die materielle Fundierung der neuen Gesellschaft, denn es konnte in jenen Tagen keinem Zweifel mehr unterliegen, daß die Neugründung eineunausweichliche Notwendigkeit war. * Mehr als dreißig Jahre sind inzwischen vergangen. Die Zeiten haben sich geändert; aber viele Momente, die damals zu den aktuellen Problemen gehörten, sind auch heute wieder in der Debatte des Tages zu finden. Hat die Gesellschaft ihre Aufgabe erfüllt — und welche Aufgaben stellt ihr die Gegenwart? Großes ist durch die Förderung junger jüdischer Ge- . lehrter geleistetworden, reiche Werte sind durch Unterstützung und Herausgabe von ettfa 80 wissenschaftlichen Werken seitens der Gesellschaft geschaffen worden. Viele dieser Bücher haben in der jüdischen und nichtjüdischen Welt revolutionierend gewirkt, haben scharfe Geisteswaffen im Kampf um Gerechtigkeit und Wahrheit geliefert. Eine kleine Auslese der in den letzten Jahren mit Hilfe der Gesellschaft erschienenen Bücher mag dies zeigen: die „Sozial- und . Wirtschaftsgeschichte der Juden im Mittelalter und in der Neuzeit“ von G. Caro, der „Jüdische Gottesdienst in seiner geschichtlichen Entwicklung“ von J. Elbogen, die „Religion der Vernunft aus den Quellen des Judentums“ von Hermann Cohen. In Vorbereitung befindet sich ein besonders wichtiges, um' nicht zu sagen aktuelles Werk von A. Lewkowitz: „Das Judentum und die geistigen Strömungen des 19. Jahrhunderts“. Ein besonders bemerkenswertes Standardwerk'der jüdischen Wissenschaft aber, das hier in mühseligster, unermüdlicher Arbeit geschaffen wird, ist die „Germania Judai c a“, deren erster Band seiner Vollendung entgegengcht. Es ist ein alphabetisches Verzeichnis aller Ortschaften des Deutschen Reiches, an denen von den ältesten Zeiten bis zu den Wiener Verträgen jüdische Ansiedlungen bestanden haben, deren Geschichte, auf Grund der Quellen wissenschaftlich dargestellt ist. Der erste Band, der die Entwicklung von den ältesten Zeiten bis 1238 schildert und in einem Artikel „Deutschland“ zusammenfaßt, bietet eine Überfülle von historischem und kulturhistorischem Material, das als grundlegendes Bildungsmittel über die Geschichte des deutschen Judentums gelten darf. Ständiges Publikationsorgan der Gesellschaft ist die „Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums“, die, seit 1853 erscheinend, bei Gründung der Gesellschaft als mühsam dahinvegetierende Zeitschrift mit winziger Auflage, übernommen wurde und heute in planvoller Arbeit, fundierter Gelehrsamkeit und doch schlichter Verständlichkeit die schwierigsten Aufgaben jüdischer Wissenschaft zu meistern versteht. Wer zum Beispiel den im letzten Heft erschienenen Aufsatz von Friedländer „Der Kampf um die preußische Judenemanzipation im Jahre 1833“ aufschlägt, wird gefesselt sein von der Menge interessanten, in der Öffentlichkeit fast unbekannten Materials über jene Probleme vor ■ hundert Jahren, die Wieder zu den Problemen von heute geworden sind. «’ Die wirtschaftliche Entwicklung der letzten Jahre hat die Gesellschaft besonders stark mitgenommen. Die Reihen ihrer Förderer, Spender und Mitglieder sind' infolge der immer schwieriger werdenden Verhältnisse dezimierf worden — im gleichen Verhältnis, wie das Interesse an jüdischen Dingen wuchs. Die Arbeit ist daher nach der wirtschaftlichen wie der kulturellen Seite hin schwerer und verantwortlicher geworden. Große jüdische Organisationen, durch andere Beanspruchungen belastet, mußten die Unterstützung der Gesellschaft aufgeben; anderseits aber stoßen viele jüdische Gelehrte, denen heute der Weg zum Katheder an deutschen Hochschulen versperrt ist, zu den Reihen der jüdischen Wissenschaftler. Auch das Interesse der nichtjüdischen gelehrten Welt ist — das sei besonders hervorgehoben — keineswegs - geringer geworden, und auf manchem Gebiet wird nach wie vor ersprießlich zusammengearbeitet. Während jedoch die großen jüdischen Gemeinden Deutschlands, die bisher die Gesellschaft unterstützten, infolge „praktischerer“ Hilfstätigkeit sich vielfach zurückziehen mußten, haben gerade die kleinen und kleinsten Gemeinden ihre Anhänglichkeit in rührender Treue bewahrt. Immerhin zählt die Gesellschaft noch über 1300 Mitglieder in aller Welt. In .den entferntesten Ländern sitzen Freunde, Mitglieder und Leser. So schreibt aus irgend einer Ecke im australischen Busch nach jeder Nummer der Monatsschrift ein alter Missionspastor lange Briefe, in denen er sich mit den behandelten Problemen auseinandersetzt, Anregungen gibt und immer wieder betont, welches „great pleasure“ für ihn diese Zeitschrift sei . . . In opferbereiter, meist ehrenamtlicher Arbeit fördert man das Werk der jüdischen Wissenschaft, kämpft man mit aller Kraft gegen die Ungunst der Zeit, sucht man die gewaltigen Aufgaben zu bewältigen — etwa die Herausgabe der Gesammelten Schriften von Moses Mendelssohn, von denen in eine.- prachtvollen Ausgabe bereits sechs Bände erschienen und die übrigen Tn Vorbereitung sind. Hier dient man der „reinen“ Wissenschaft, abseits jeder Tendenz — aber gerade diese Arbeit ist es, die in unserer Zeit eine besonders dringe liehe Aufgabe erfüllt: das Ansehen der deutschen Juden zu verteidigen und zu heben, die seelischen Kräfte unserer Gemeinschaft zu - stärken und dazu beizutragen, daß die Achtung vor der jüdischen Vergangenheit in Deutschland und der ganzen Welt gemehrt wird. —r. 3tm ftrOtter: 9Rox uitö SRax Zwei Jüdische Weltmeister — Zwei Systeme Als kürzlich in der überfüllten Arena der Madison- Scpiare-Garden-Bowl der letzte Gongschlag des denkwürdigen Kampfes Bacr-Carnera verklungen war, da stand im grellen Schein der Tiefstrahler ein junger Athlet, der den Kampf und die Weltmeisterschaft in der Hauptsache durch seine ungestüme Naturkraft gewonnen hatte.. Man verstehe mich nicht falsch.. Es ist selbstverständlich, daß ein-Boxer, der es soweit gebracht hat wie Baer, auch über eine gehörige Portion „brain“, d. h. Überlegung und Intelligenz verfügt. Niemals jedoch würden die boxerischen Kenntnisse des neuen Weltmeisters allein imstande sein, ein Championat zu gewinnen. Max Baer ohne jenes Temperament, mit dem er seine Gegner anfällt wie ein Tier seine Beute, wäre sicherlich -nur ein Durchschnittsboxer,1 der sich für seine paar .Dollar mühselig heruinschlagen müßte. Anders der jüdische Weltmeister im Halbschwergewicht Maxie Rosenbloom.. Der Beiname, mit dem ihn der amerikanische Volksmund belegt hat, sagt eigentlich alles. Rosenbloom ist der „Watschentänzer“. Auf den ersten Blick möchte man eigentlich versucht sein, einen Menschen,-der diese Bezeichnung verdient, auf der Alm zu suchen. Maxie Rosenbloom ist nichts weniger als ein „Bua“, der mit Lederhosen und Kniestrümpfen bekleidet durchs Leben zieht; Im Gegenteil, ebenso wie sein. großer Kollege Baer liebt er es durchaus, sich in großer Aufmachung und im Kreise eleganter - Bewunderer, in den Lokalen New-Yorks sehen zu lassen. Warum aber dann „Watschentänzer“? Der Champion im Halbschwergewicht ist kein über- - triebener Freund des allzuharten Kampfes. Blitzschnell ist er am Gegner dran, blitzschnell schlägt er einige leichte Schläge — die nicht immer allzu korrekt sind — und blitzschnell ist er wieder in einer Entfernung, in der er nur vermöge eines langen Rapiers öder hoch besser mit einem Lasso zu erwischen, ist. Dort tanzt er seelenruhig herum, pendelt und duckt, um 'wieder aut eine günstige Gelegenheit zu warten, den-Gegner mit einer „Watschen“ zu beglücken. . Ist ein Treffer von Baer imstande, jeden — auch den härtesten — Boxer von den Füßen zu holen, so kann Rosenbloom, wie der amerikanische Boxsport-Volksmuml so schön sagt, nicht einmal „die Kruste einer Pastete einschlagen“. Übertreibungen, und mögen sie auch noch so sehr als solche kenntlich sein, haben meistens einen wahren Kern. So ist es -auch hier. Sicherlich würde die Bekanntschaft mit Rosehblooms rechtem Haken einen harmlosen Privatmenschen vor allerhand Rätsel stellen, aber im Ring hat sich der Punch des Weltmeisters immer noch als ungefährlich herausgestellt. ' Kaum einer, hat er vor der Distanz schlagen können, kaum einmal konnte er vor Ablauf der letzten Runde den Ring als Sieger verlassen. Wie oft kam es vor, daß er seinem Gegner haushoch überlegen war, und trotzdem mußte er die ganze Strecke mit ihm absolvieren, bevor'er zum Punktsieger aus- ' gerufen wurde. Das ist nicht nur mit mangelnder körperlicher Kraft zu erklären. Der Grund liegt hier vielmehr in der Psyche des Boxers. Dort, wo Max. Baer den Gegner unter allen Umständen fällen will, auch auf die Gefahr hin, selbst hart getroffen zu werden,' möchte Rosenbloom jedes Risiko vermeiden. Seine Parole „Nur nichts einstecken!“ geht soweit, daß er den Kampf mehr mit den Füßen als mit den Fäusten macht. Ist Baer hart getroffen worden, so geht er noch verbissener ran, um den Kampf möglichst schnell zu entscheiden. Anders Rosenbloom. Er „flitzt“ in diesem Fall mit einer Eile im Ring herum, daß es fast unmöglich ist, ihn zum Kampf zu stellen, und erst wenn er die letzte Wirkung des gegnerischen Schlages überwunden hat, geruht er wieder, langsam vorwärts zu gehen. Rosenbloom ist ein Gegner der „rohen Gewalt“, er hat gewissermaßen ein wissenschaftliches System, dem er treu anhängt,-und das ihm, wenn auch nicht gerade die höchste. Sympathie der Massen, so doch immerhin die Weltmeisterschaft eingebracht hat. Denn genau so wie Max Baer niemals mit seinen boxerischen Kenntnissen allein Champion geworden wäre, reichen diese bei Rosenbloom aus, ihm den Titel zu bewahren. UMPALLENBERG Pallenberg besaß eine Leidenschaft: die elektrisch aufgenommenen Schallplatten.. Er war imstande, sich stundenlang allein vor den Apparat zu setzen und sich eine Platte nach der andern vorzuspielen. Wie jeder'echte Schallplatte!» Iiebhaber wurde auch er furchtbar wütend, wenn jemand, während eine Platte lief, laut sprach. In dem Häuschen, das er in Garmisch-Partenkirchen mit seiner Gattin, Fritzi Massary, bewohnte, war eincs-Tagcs ein Freund, ein Schriftsteller, zu Gast geladen. Auch der Schriftsteller war ein Plattciifauatiker. Sehr schnell hatten sRJi beide verstanden. Sie saßen bereits seit zwti'Stunden vor dem Apparat und lauschten der fünfzigsten Platte. Da geht die "Tür auf, Fritzi Massarv tritt herein und sagt:. . . „Bully, möchtest Du nicht . . .“ Pallenberg schreckt auf, dreht sich um und antwortet eisig; ohne seine Frau änzuselfen: , „Ein Mensch, der imstande ist, während des Spiels einer Schallplatte laut zu sprechen, ist unmusikalisch.“ Ganz still und fein geht die Massary aus dem. Zimmer. Nachdem sie die Tür leise geschlossen hat, meint Pallenberg, -ganz versonnenem seinem Besucher: „. . . und das Merkwürdige ist: sie ist gar ■ nicht unmusikalisch . . .“ Pallenberg hat beim Bankier X. ein Konto. Nicht das große, sondern das für den Tagesgebrauch. Eines Tages ruft ihn der Bankier an, sagt ihm: „Herr Pallenberg. Ihr Konto ' ist um fünfhundert Mark überschritten.“ „Herr, sehn Sie einmal nach, wie mein Konto im Monat vorher stand.“ Darauf der Bankier: „Da hatten Sie allerdings ein Guthaben von einigen tausend Mark.“ Worauf Pallcnberg: „Vereintester, gütigster Herr Bankier, hab’ ich Sie da deswegen vielleicht angerufen?“ . Max’ Pallcnberg ließ sich nur 'ungern interviewen, aber er konnte es natürlich nicht verhindern, daß Journalisten - sich an ihn heranmachten. Als er gerade wieder mal in grantiger- Laune war, erschien einer, spitzte den Bleistift, zückte den Block und fragte: „Was spielen Sie am liebsten, Herr Pallenberg?“' „Billard.“ - „Nein, ich meine, welche Rolle?“. , „Die Hosenrolle.“ „Aber nein, ich meine welches Stück Sic am liebsten . haben?“ „Das Goldstück“, sagte Paltenberg und ließ den Interviewer stehen. ' « Pallenberg geht mit Fritzi Massary einkanfenT-Siie kommen in ein parfünieriegcschäft. Fritzi Massary verlangt einen Lippenstift. Pallenberg: „Geben Sie einen mit Himbeergcschmack; die Himbeere ist meine liebste Frucht.“ Pallenberg kommt mit Fritzi - Massary aus der Stadt nach Hause.. Als er„cJen Chauffeur bezahlen will, fragt der, auf seine soeben ausgestiegene Frau deutend: „Ist das nicht die berühmte Massary?“ „Jawohl“, meint Pallenberg. „Mensch, det wird aber eene Stange Jeld kosten“: warnt väterlich der Droschkenkutscher. „Gestern hörte ich,“ erzählte Max Adalbert am Stammtisch, „wie eine Dame im Autobus dem Schaffner zuflüsterter.-Da drüben sitzt der bekannte Komiker Max Adalbert; er fährt schon fünf Minuten mit und hat noch, keinen . Fahrschein gelöst.“ .„Das ist gar nichts,“ sagte Harry Liedtkc, „wenn du glaubst, daß das ein Beweis deiner Popularität ist — kann ich nur ironisch lächeln. Ich war zu Filmaufnahmen in Tunis. Als wir eines Tages außerhalb der Stadt arbeiteten! kam eine Kavalkade Araber angesnrengt, der Anführer sprang vom Pferd und rief: „Araniik liofdii schapski Harry Liedtke Dorschek iumji sparatrap.“ Wißt ihr, was das heißt? Ich liab’s .mir übersetzen Tassen: Wir begrüßen unsern Kinnliebling, den vergötterten Harry Liedtke, den Gatten der Dorsch, m unserer sonnigen Heimat.“ Das darauf folgende Schweigen wurde von Max P a I -- 1 e n b e r g unterbrochen. „Armselige Gesellschaft! Also paßt auf, ich werde euch sagen, was Popularität ist. Ich geh einmal in Ischl mit dem alten Kaiser Franz Josef spazieren. Was, meint ihr, haben die Leute am Abend in der Stadt gesproclicit, gctuschelt,' geraunt? Folgendes: 'Wer war eigentlich der reizende alte Herr mit weißem Bart, mit dem-der Pallcnberg heute über die Promenade ging?“ Pallenberg geht in gemsledemen Hosen, grünem Gürtel, utul Lodenhütclien in Garmisch spazieren. EiTie Gruppe Berliner macht sich über ihn lustig. Da geht er aut sie zu und dröhnt sie an: „Lachen Sie nicht, ich bin doch d e r P a 11 enbe r g!“ Und noch ein großer Unterschied besteht zwischen den beiden Weltmeistern. Baer. kennt in jedem Kampf nur eins: den Sieg. Rosenbloom läßt sich jedoch im -Verlaut des Jahres in größter Seelenruhe einige Male schlagen. Erst wenn erseinen Titel verteidigen muß, befindet er cs wieder für nötig, in Weltmeisterform in den Ring zu kommen. Und immer wieder schafft er es, wenn er vvirklich will, Manch einer hat Rosenbloom schon einige Male schlagen können, aber wenn er dann im Titelkampf mit dem Champion zwischen den Seilen stand, mußte er die überraschende Feststellung machen, daß er nur sicherer Zweiter werden konnte. Zwei Weltmeister — zwei Systeme. Wohl an keinem Beispiel können strategische Unterschiede im Boxsport so grundlegend und so hundertprozentig aufgezeigt werden, wie an den beiden Weltmeistern. Eine Kritik an den Kamptarten erübrigt sich, denn schließlich haben beide zum höchst möglichen Erfolg ^geführt. Nur auf eins soll noch einmal deutlich hingewiesen werden. Während der Naturfightcr Baer eine gewaltige Zugkraft ausübt und auch imstande ist, großes Geld zu verdienen, kann der trickreiche Rosenbloom keine großen Häuser erzielen. Selbstverständlich -wirkt sich! das auf seine Einnahmen entscheidend aus. Aber bei ihm zeigt es sich wieder deutlich, daß kein Boxer aus seiner Haut heraus kann: und genau wie Baer nie einen zaghaften Fight liefern wird, ist es sicher, daß Rosenbloom nieein