Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 14 (1934)
- Issue
- 53 (3.7.1934)
- Date
- 1934-07-03
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2613366-2613519-2613568--5029-2616784- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Zur Londoner Tagung der religiös-liberalen Juden Lily H. Montaga-London _ gitoifdieSfrauenacbeit in &ngfon& Die jüdischen Frauen in England haben das Bestreben, alle soziale Arbeit gemeinsam mit den Männern zu verrichten. Weder für allgemeine noch’, für besondere Richtungen hält min getrennte Organisationen für notwendig. Dies gilt für Erziehungs- und Gesundheitspflege, für diS Distriktsärbeit (District work), für Club- und Settlementsarbeit, die äußerst große Anforderungen an die Aktivität der Frauen stellt. Die jüdische Zenlralwohlfahrtsstelle (Jewisli Board ot Guardians) hat unter dem Vorsitz einer Frau — Miß H. F. Cohen — große Fortschritte gemacht, während Männer und Frauen gemeinsam die Verantwortung in der Führung .aller andern großen Wohlfahrtsorganisationen tragen. Man hat jüdische Frauen in alle städtischen Körperschaften hineingewählt, aber zur Zeit ist keine jüdische Frau Mitglied des Parlaments. An jeder unserer liberalen Synagogen besteht eine Frauenvereinigung, um die soziale Tätigkeit der einzelnen Gemeinden nach den verschiedenen Richtungen zu fördern. Und die Frauen nehmen den gleichen Anteil wie die Männer an jeder Art von Verwaltungsarbeit. Ja, in den meisten unserer Synagogen sind sogar verheiratete, ebenso wie alleinstehende Frauen Mitglieder. In den Synagogen beteiligen sich auch weibliche j Laien regelmäßig beim Unterricht an der Sonntagsschule 1 und gelegentlichauch an der Leitung der Gottesdienste und an den K an zel p red i gten. Das. Ideal der jüdisch-sozialen Arbeit ist auf unsere Auffassung von der Heiligung aufgebaut. Jede menschliche Tätigkeit muß von dem Gottesgedanken durchdrungen sein. Die soziale Arbeit — ob von Männern oder Frauen, getrennt oder gemeinsam getragen — muß immer bestrebt sein, die menschlichen Lebensbedingungen in Einklang zu bringen mit unserem Glauben an Gerechtigkeit, Friede, Schönheit, und Wahitieit. Die Hoffnung, der Verwirklichung dieses Ideals näher zu kommen, macht die soziale Arbeit, selbst wenn sie noch so anstrengend und niederdrückend ist, freudig und der Mühe wert. bewußt, sie traten ein großes Erbe an, das sie fördern und lebendig erhalten w’ollen, um es einst einer späteren- Generation zu treuen Händen zu überlassen. - Zum Tode Naphthali Hamburgers Ein Vorkämpfer Im Alter von fast 80 Jahren verstarb dieser Tage Kommerzienrat Naphtali Hamburger. Mit ihm ist wieder.eine der markantesten Persönlichkeiten aus dem Posener Land und einer der unermüdlichsten Vorkämpfer für liberal-religiöses Judentum und deutsche Heimat dahingegangen. Ein Mann von großer kaufmännischer Begabung, des Wortes mächtig, von reichem allgemeinen Wissen, immer zum Kampf für seine Ideen - entschlossen, hätte er stets auch für jüdische Dinge Zeit und stellte bereitwillig Mittel dafür zur Verfügung. Er wurde in Posen und auch in Berlin mit mannigfachen Ehrenämtern betraut. Auch innerhalb seines kaufmännischen Gebietes genoß er das höchste Ansehen. Seiner Religion sowie seinem Vaterlande treu ergeben, war und bleibt er ein Vorbild gerade für unsere Zeit. Aber auch Freundschaft wußte er, wie ich persönlich bezeugen kann, treu zu halten. Uiid so gebührt ihm für alles reichster Dank über das Grab hinaus. „Das Andenken des Gerechten bleibt zürn Segen-“, ..Rabbiner Dr. B, Gottschalk. Der Lyriker Goldschlag gestorben .Rabbiner Dr. C Seligtnann Gin beftentfomes ßon&oner Meeting Am 4. November 1908, vor sechsundzwanzig Jahren, veranstaltete die Jewish Religious Union in London ein Meeting, zu dem der Verfasser dieser Erinnerungen und der Räbbin de l’Union Liberale, Louis Germain Levy in Paris, vom Präsidentender Jewish Religious Union, Claude G. Mont ef io re, eingeladen waren. Damals strebte die kleine aristokratische Gemeinde, die in einem' räumlich be-. schränkten Hotelsaal des Londoner Westend allwöchentlich ihre reformierten Gottesdienste abhielt, aus der Enge heraus. Unter Führung der rastlos tätigen, für die Sache des religiösliberalen Judentums geradezu fanatisch erglühenden Miß Lily Montage, die ihre ganze hingehende Arbeitskraft in den Dienst der von ihr als heiliges Lebenswerk angesehenen Sache stellte, wollte die kleine Gemeinde all die der alten Synagoge Entfremdeten um sich scharen, um sie, vor allen Dingen durch einen reformierten Gottesdienst, der Religion wiederzugewinnen. Abwechselnd predigten Montefiore, Lily Montagu, der gelehrte Israel Abrahams und andere bei diesen Gottesdiensten; eine Predigtsammlung, zwanzig dortselbst gehaltene Predigten umfassend, ist unter dem Titel „Truth in Religion“ von Claude G. Montefiore 1906 erschienen. ’ . Ich hatte für das-erwähnte Meeting eine Rede sorgfältig ausgearbeitet, worin ich das geschichtliche Werden und die seelischen Triebkräfte des liberalen Judentums in Deutschland zu schildern unternahm. Da besuchte mich einen Tag vor dem' Meeting Claude Montefiore in meinem Hotel und bat mich, statt aller theoretischen und historischen Auseinandersetzungen, dem englischen Publikum von dem Zustandekommen und der Einrichtung unserer neuen Westendsynagoge in Frankfurt zu berichten. Das habe ich denn auch unter großem Beifall der matter of fact-Engländer getan, und man sagte mir später, daß meine schlichten Erzählungen von dem Entstehen und der Tendenz unserer Frankfurter Synagoge viel dazu beigetragen haben, daß sich die Jewish Religious Union am 23. Juni 1909 zu einer Gemeinde konstituieren konnte, deren Grundsätze und Ziele der an der Spitze der Gemeinde stehende Claude G. Montefiore in einer bedeutsamen Denkschrift auseinandersetzte. Nachdem die Gemeinde an J. J. . Mattuck einen hinreißenden Prediger und bedeutenden Organisator gewonnen hatte, konnte sie.im Jahre 1911 das große und schöne Gotteshaus in St. John’s Wood Road erbauen und -wächst von Jahr zu Jahr an Zahl der Mitglieder und an Einfluß auf die englische und außerenglische Judenheit. Das erwähnte Londoner Meeting vom Jahre 1908, das mich mit den Führern des englischen Reformjudentums und mit Louis Germain Levy zusammenführte, reg.e in mir die Idee eines Zusammenschlusses der religiösliberalen Juden aller in Betracht kommenden Länder an. Ich stand darüber in einem lebhaften Gedankenaustausch mit englischen, amerikanischen, französischen, österreichischen, .belgischen und schwedischen Freunden. Eine Zusammenkunft in London wurde für August 1913 verabredet. Diese kannte aber aus äußeren Gründen nicht stattfinden. So einigte man sich zu einem schriftlichen Aufruf, der folgenden Wortlaut hatte: „Die sichtliche Neubclebung der liberalen Bewegung innerhalb des- Judentums und die Vertiefung ihres Einflusses über die ganze Welt ist.eine Tatsache von außerordentlicher Bedeutung. Um “so notwendiger erscheint es deshalb, die mannigfachen Anstrengungen, die in vielen Ländern zur Förderung der liberalen Sache gemacht werden, zu organisieren. Eine große Anzahl von Problemen können am besten durch gemeinsame Beratungen gelöst werden. Viele historische und theologische Fragen bedürfender gemeinsamen Erwägung und Untersuchung der Führer des liberalen Judentums. Diese Überlegungen führten zu dem Gedanken der Schaffung einer Weltvereinigung des religiös-liberalen Judentums, die in- Zwischenräumen von etwa drei bis fünt Jahren zusammentreten müßte. Die erste Zusammenkunft soll im Sommer 1914 in Europa abgehälten werden. Zur Einberufung der ersten Zusammenkunft und zur Vorbereitung des Programms soll ein Komitee von fünfzehn bis zwanzig Persönlichkeiten gebildet werden. Wir bitten Sie, diesem vorbereitenden Komitee als Mitglied beizutreteh und geben uns der sicheren Erwartung hin, daß Sie dieser Einladung folgen werden.“ ‘ -Dieses Schreiben ging an etwa fünfundzwanzig bekannte Vertreter des liberalen Judentums und tand überall freudige Zustimmung. - - Nebenner lief ein zwischen Professor Abrahams, Claude G. Montefiore und mir selbst, als Schriftleiter der Monatsschrift „Liberales Judentum“, lebhaft erörterter Plan einer dreisprachigen (deutsch, englisch und französisch) theologischen Zeitschrift, die zur Verbreitung und .wissenschaftlichen Vertiefung religiös-liberaler Ideen und Forderungen - dienen sollte. Diese Zeitschrift sollte nicht abonniert werden, sondern es sollte eine internationale Gesellschaft für religiösliberales Judentum ins Leben gerufen und jedem Mitglied dieser Gesellschaft die Zeitschrift zugeschickt werden. Aus-allen diesen Vorbereitungen und Plänen ging der Beschluß hervor, die erste Tagung des religiös-liberalen Judentums vom 31. Oktober ms 3. November 1914 in Deutschland, und zwar in Elberfeld abzuhalten. Zahlreiche Delegierte aus allen europäischen Ländern, England,1 Frankreich, Italien, Österreich-Ungarn, Rußland, den Balkanstaaten, Dänemark und Schweden, wie auch aus den Vereinigten Staaten von Amerika, aus Südamerika, Südafrika, den englischen Kolonien hatten ihr Erscheinen zugesagt. Als" Redner waren in Aussicht genommen und hatten' ihre Bereitwilligkeit zugesagt oder in Aussicht gestellt Claude G. Montefiore für England, K. Köhler für die Vereinigten Staaten, Germain Lüvy für Frankreich, Ziegler für Österreich-Ungarn und Baeck für Deutschland. Besondere Referate waren Rabbi Mattuck-Londön, Professor Abrahams-Cambridge, Rev. M. Joseph-London, Sal. Reinach-Paris, Prof. Deutsch-Cincinnati, Schulman-New-York Vorbehalten. Da brach die Katastrophe des Weltkrieges herein. Aber der zähen und hingebungsvollen Arbeit, der rastlosen und unbeugsamen Energie von Miß Lily Montagu, die sich von. keiner Schwierigkeit zurückschrecken läßt, gelang es zwölt Jahre später, unbeeinflußt von den für die Vorkriegszeit angeknüpfteu Verbindungen und getroffenen Vorbereitungen, die große Londoner Konferenz im Juli 1926 vorzubereiten und einzuberufen, auf der die Gründung der „World Union for Progressive Judaism“ beschlossen wurde. Bianlct Hamburger ®os üertanft öos liberale SuDentora fcet»erlittet Hefonngeraefoüe? Ungeachtet der großen Schwierigkeiten haben die Führer des religiös-liberalen Judentums eine Tagung vom 6.—10. Juli in London angesetzt. Als Vertreterin der Jüdischen Reformgemeinde zu Berlin darf ich wohl für mich das Recht in Anspruch nehmen, unseren englischen Freunden besonders herzlich für diesen Entschluß und für die aufopfernde Arbeit zu danken, die sie damit auf sich genommen haben. Die äußere Verbindung der Reformgemeinde mit dem liberalen Judentums trat im Jahre 1926 in Erscheinung, aber die freundschaftlichen Beziehungen zwischen uns bestehen seit viel längerer. Zeit. Nicht mit Unrecht wurde unsere Berliner Gemeinde oft als „Muttergemeinde“ des gesamten liberalen Judentums bezeichnet, und tatsächlich bildet ja die Gründung der Jüdischen Reformgemeinde vor etwa 90 Jahren den Auftakt zu einer ganz neuen und großen Bewegung. So wie Geschwister sich nach ihren Neigungen, Veranlagungen und Bestrebungen unterschiedlich entwickeln, haben auch die Gemeinden in den verschiedenen Städten und Ländern rein formal keinen gleichen Aufstieg genommen. Aber die Lehre des Prophetismus als Fundament des neuzeitlichen Judentums haben alle re I i g iös-1 i b era 1 en Gemeinden von der Reformgemeinde übernommen. Tief religiöses Sehnen und Begeisterung für den Glauben der Väter zwang um 1840 Berliner Männer, neue Wege für Gottesdienst und religiöse Lebensführung zusuchen. Nicht nur die großen Führer des religiösen Fortschritts, wie Sigismund Stern, Leopold Zunz, Ludwig Philippson und Abraham Geiger traten begeistert für diese Bestrebungen ein. In den Akten jener Zeit findet man viele Briefe und Kundgebungen des Berliner Bürgertums, aus denen deutlich und entschlossen die Sehnsucht nach einem modernen Gottesdienste spricht, weil sie sich im Zeitalter der allgemeinen Aufklärung dem bisherigen innerlich entfremdet hatten, aber bewußte Juden geblieben waren. Manche dieser Dokumente sind inhaltlich und stilistisch so unbedingt wertvoll und zeitlos erhaben, daß man ihre Veröffentlichung in der Zukunft sicher dankbar begrüßen würde. Ich darf wohl erwähnen, daß mein Großvater, Joseph Loewenherz, einer der 12 Gründer der Berliner Reformgemeinde war, und daß die Verbundenheit mit unserer Gemeinde als stolze Familientradition bereits in der vierten Generation gepflegt wird. Daß die s. Zt. eingeführte Gebetsordnung auf die Dauer nicht unverändert bestehen konnte, entsprach vollkommen der Idee des Fortschritts, für den die Gründer sich eingesetzt hatten. Die deutsche Predigt, der Gesang mit Orgelbegleitung und der Gottesdienst an staatlichen Ruhetagen sind jedoch die Grundgedanken, die niemals zu erschüttern waren. Gerade in den letzten- Jahren hat man durch die Einführung einer neuen Liturgie, durch Wiederaufnahme altjüdischer Melodien und durch die Einrichtung eines Freitag-Abend- Gottesdicnstes den Wünschen und Empfindungen unserer Mitglieder Rechnung getragen. Wehmütig möchte ich an dieser Stelle der zwei Männer gedenken, die sich um die neue Liturgie besonders verdient gemacht haben: unseres vor ■ wenigen Wochen verstorbenen Vorsitzenden, Paul P i n c u s , und unseres Rabbiners, Dr. Joseph Lehmann, dessen ' Todestag sich unlängst zum ersten Male jährte. In den ersten Jahrzehnten stammten unsere Mitglieder fast ausnahmslos aus streng jüdischen Familien. Die Schnellebigkeit der Zeit brachte es mit sich, daß die ini Elternhaus gepflegten Gebräuche für sie kein religiöses Erleben bedeuteten. In späterer Zeit gehörten unsere Anhänger oft Kreisen an, in denen jüdische Tradition gamicht mehr vorhanden war oder allenfalls an hohen Feiertagen zu einer Scheinexistenz neu erweckt wurde. Hier hatte man nicht mit Menschen zu tun, die alte Formen kannten, aber ablehnten, sondern mit Suchenden, die niemals in ihre Religion eingeführt worden waren, die nie ihr Judentum wirklich, erlebt hatten, und die sich nach Belehrung und Vertiefung sehnten. Indem sie den Forderungen und Wünschen jeder Epoche Verständnis entgegenbrachte, hat die Jüdische Reformgemeinde ihre Existenznotwendigkeit in den neun Jahrzehnten ihres Bestehens immer von neuem bewiesen, sie hat durch Predigten und Vorträge, durch Religionsschulen, Jugendpflege und Sozialarbeit jüdisches Wissen gefördert und jüdische Interessen gepflegt, ja oft genug Zweifelnde gefestigt. In engster Verbindung mit der Berliner Jüdischen Gemeinde arbeitet die Reformgemeinde nach wie vor an dem großen Ziele, aufrechte deutsche Juden zu erziehen. Ihre Träger sind sich der Verantwortung, die sie übernommen haben, voll Der lyrische Dichter George A. Go 1 dschlag,:.ein Bruder des Komponisten Gerhard Goldschlag, ist am' vergangenen Freitag von einem lahgen Leiden erlöst worden. Goldschlag hat sich durch seine von.tiefer Innigkeit erfüllten Gedichte* nicht nur der jüdischen Öffentlichkeit bekannt gemacht. Er war ein tiefempfmdender Jude, der nicht erst in der letzten Zeit den Weg zur jüdischen Gemeinschaft gefunden hat, dessen Geistigkeit vielmehr von jeher im-Jüdischen verankert war.. Die erste Sammlung seiner Lyrik war ein Zyklus biblischer Gedichte. Außer einer lyrischen Anthologie und einem Zyklus „Eulenspiegel“ hat Goldschlag auch eine Balladensammlung unter dem Titel „Zeitzeichen“ veröffentlicht. ' George A. Goldschlag, ein geborener Berliner,,hat ein Alter von nur 38 Jahren erreicht. Nach Absolvierung des Französischen Gymnasiums studierte er Kunstgeschichte, Philosophie und Literatur und zog. 1914 als' Kriegsfreiwilliger ins Feld.. Eines der letzten Gedichte des ganz aut Innerlichkeit* und Menschlichkeit gestellten Dichters hat die „Jüdischliberale Zeitung“ in einer ihrer letzten Nummern veröffentlicht.. Es schloß mit den Versen: Jugendfrohes Selbstvertrauen Soll uns nun den Hausrat bauen, Der uns dienlich ist und not: Für des Alltags Glück und Plagen ~ Tisch und Stuhl und Schrank und Schrägen — Und ein Bett für Traum und Tod. Schneller als Goldschlag ahnen konnte, haben sich an ihm die letzten Worte seines Gedichtes erfüllt. George A. Goldschlag wurde gestern auf dem Jüdischen Friedhot in Weißensee zur letzten Ruhe gebettet. Alfred Savoin Tod Paris.- Der Schriftsteller und Dramatiker Alfred Savoir ist hier einer Erkrankung erlegen. .Savoir, der eigentlich Poznanski hieß und in Lodz geboren war, hat ein Alter von nui 51 Jahren erreicht. . Den Besuchern deutscher Bühnen war der witzige Bühr-enschriftsteller keineswegs fremd. Viele seiner Stücke wurden ins Deutsche übertragen und erfolgreich aufgeführt. Es sei nur an.die Komödie „Die Großfürstin und der Zimmerkellner“ erinnert, an die nachdenkliche Komödie „Er“, die mit Conrad Veidt in der Titelrolle zahlreiche Aufführungen in Eugen Roberts „Tribüne“ erlebte, und an den derber gezimmerten Schwank „Ritter Blaubarts achte Frau“, in dem Erika Gläßner und Käthe Dorsch in Berlin große Lacherfolge erzielten. Wenn Savoir auch nicht zu den großen. Bühnendichtern gehörte, so hat er doch erhebliche Verdienste um.die Bühne dadurch erworben, daß er den seichten Pariser Ehebruchsschwank durch kluge, geistreiche Behandlung mensdhticher Probleme abgelöst hat. Martin Buber an die Jugend Gemeinsrtiaftserneuerung durch Erwachsenenbildung Im Rahmen eines von den im Reichsausschuß der jüdischen Jueetidverbände zusammengeschlossenen Bünden im Berliner Logenhaus veranstalteten Vortragsabends sprachen Martin Buber und Dr. Ernst Simon zur Berliner jüdischen Jugend. Martin Buber betonte, Erneuerung des Menschen oder Untergang sei die Frage, die in einer Zeit der inneren Krise gestellt werde. Nur von einer Überwindung der inneren Krise her könne auch die äußere überwunden werden. Durch eine Umwandlung des Einzelnen solle die Gemeinschaft zu . einer solchen umgewandelt werden, die* überwindet. An di:se Erneuerung müsse heute herangegangen werden, denn der Mensch von heute sei bildsamer geworden als der aufgeschreckte von vor einem Jahr, und die Umschmelzuhg müsse so völlig sein, daß eine Gemeinschaft entsteht, die wert ist, deutsches Judentum, Judentum im deutschen Land zu heißen. Erhaltung des deutschen Judentums aber sei unmöglich als Erhaltung und nur möglich als Erneuerung. Im Gegensatz zur Erziehung in der Kindheit,wo es um das Einzelwesen, und in der Jugend, wo es um die Selbsterziehung Gleichgesinnter in einem beschränkten Kreis geht, handelt es sich bei der Erwachsenenbildung darum, verschieden Gesinnte und verschieden Strebende, aber gleich Verwurzelte innerhalb der Gemeinschaft zueinander in eine lebendige Beziehung zu bringen. Den auf gleich gerichtetem Erleben, aufgebauten Jugend bü n d e n stellte Buber die Parteien der Erwachsenen gegenüber, die keinerlei .lebendige. Gemeinschaft, sondern ein Gemisch von Menschen mit Realgesinnung und solchen mit Fiktivgesinnung darstellen. Es gelte nun, eine echte Gemeinschaft zu bilden, wie sie innerhalb der Parteien nicht möglich sei. Die verschiedenen Überzeugungen würden in solcher Gemeinschaft weiterbestehen bleiben. Nicht Grenzverwischung sei anzustreben, sondern Erkenntnis der lebendigen Mitte durch gemeinsames Werk an der Erneuerung des deutsch-jüdischen Menschen, um der Erneuerung der deutschjüdischen Gemeinschaft willen. .Dr. Emst Simon führte aus, es gelte, einen neuen Bildungstyp für die jüdische Jugend zu suchen. Nur tiefes Eindringen in das jüdische Bildungsgut, hebräische Von Berlin nach Berlin zarfick über München — Schweiz — Italien — Dolomiten - - München 10 Tage Abfahrten 13. und 21. Jnli. 3.» 11. and 24. Aagast asw. ffir ftJÄpIf f)AA SchU'F.it lUhnfahrt i>. Kliissrllsrlin-München-Berlin, Aufenthalt FlQlR »Wf* inut Verpflegung in Miinehm. Autofahrt München - Zürich - Lugano - Mailand - Verona- Vmetlig-Dt'iomilen-yfünchen mit Verpflegung tmrf Führung ein. Kartenverkauf. HANSEATISCHES REISEBUREAU Heinrich Schlle, Eisenacher Straße 113 Ä Erke M4\stras*f. B2 PttUas 2778