Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 14 (1934)
- Issue
- 53 (3.7.1934)
- Date
- 1934-07-03
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Sprache, Bibel, jüdische Geschichte und jüdische Gegenwartskunde könne zum Entstehen eines neuen jüdischen Bildungstyps unter der jüdischen Jugend führen; dann sei es gewiß, daß sie auch durch die jetzige schwere Krise hindurdhkommen werde. Der Leiter der Veranstaltung, der Vorsitzende des Reichsausschusses der jüdischen ‘Jugendverbände, Dr. Friedrich Brodnitz, verband mit dem Dank an die Redner das Gelöbnis der jugend, dem an sie gerichteten Anrut folgen zu wollen. Die Seligkeit für 5 Pfennige Die Sandwüste des' Sportplatzes der Jüdischen Gemeinde im GruneWald hattesich in gelobtes Kinderland verwandelt. Dank Künstlerhilfe, Wohlfahrtsamt und Kulturbund. Die Eintrittskarte zu dem „Sommertag im Freien“ war zugleich ein Berechtigungsschein zum Bezug von Bonbons und anderen Süßigkeiten. Das Feld war gut beschickt. Alle Altersklassen waren vertreten., Vom Säugling bis zur Großmama. .. Stark umdrängt das Podium, auf dem die kleinen Stars vön Lucy Gelbers Kinderbühne allerlei Unsinn treiben, Ulkrätsel aufgeben, einen Boxkampf austragen, in bunter Uniform durch Megaphone Quatschlieder gröhlen. Und dann lockt der .Rummelplatz mit seinen von Künstlerfantasie ausgestatteten Attraktionen. Die Seligkeit samt Gewinn für fünf Pfennig. Ein Einheitspreis-Luftgeschäft. Eine kleine Anreißerin im Jockeykostüm animiert zum Hindernisrennen. Dreijährige springen umdie Wette über Seile, Podeste, Stufen. Ein. Kampf um Windmühlen und ähnliche erfreuliche Preise. . Kirschkerne spucken? Knorke! Aus dem zweiten Stock der 'elterlichen Wohnung auf die Straße , hinab ist’s. streng verboten. Hier schimpft keiner. -Hier ist’s ehrenvoll' und bringt Gewinn. Eine nandvoll Kirschen. Da läßt sich keiner madig machen.. . Oder: Wettbewerb im Knöpfe-Annähen. (Nur für Herren.) „Die Nadeln sind ■ eingefädelt“, erläutert eine Jungmädchenstinime als Anreiz für die . Kavaliere. Und Kampf um die Meisterschaft im Nägeleinschlagen (Nur für Damen). Hier wird der Rummelplatz leicht zum Schummelplatz. Aber der gute Onkel Pelz, der als Preisrichter seines Amtes waltet, drückt ein Auge zu. (Hinter der Brille sieht man’s nicht so genau). Überhaupt viele Onkels, die sonst aut Bühne und Podium spielen. Sie sind für diesen Nachmittag von Schauspielern zu Schaustellern geworden. Stehen hinter. Würfelbuden, in denen man Tiere aus der Arche Noah gewinnen kann, bewachen einen Tomboladen mit Briefpapier, Parfüm, Spielsachen, Sportartikeln, fungieren als Schiedsrichter beim Sacklaufen, bei Kletterpartien, beim Lassowerfen, während Dr. Scbildberger, Lucy Gelber und Egon Jacobsohn sozusagen als Elternhilfe die Oberaufsicht führen. Einmütige und zweisilbige Kritik aus Kindermund: Knorke! u. <j. Infolge eines Druckfehlers ist in einem Teil unserer Auflage in dem Leitartikel von.Wilhelm Marcus der Betrag, auf den sich der Etat 1934 der Berliner Jüdischen. Gemeinde aufbaut, unrichtig wiedergegeben worden. Es muß, wie . sich auch aus den übrigen Zahlen ergibt, natürlich 11696 000 Mark heißen.- Die Künstlerhilfe der Jüdischen Gemeinde hatte ein Preisausschreiben für den Entwurf zu einem jüdischen Kalender veranstaltet. Aus den Einsendungen wurde der Entwurf von Fritz S a 1 e n d e r .zur Ausführung angenommen und mit einem Preis ausgezeichnet. Auch die Arbeiten von Josef Avrach, Lilli Szkoliry und Heinz Wallenberg wurden mit Preisen bedacht. Am 4. Juli, 8.15 Uhr, findet in der Philharmonie ein Festkonzert des Orchesters des Kulturbundes Deutscherjuden statt. Es dirigieren Josef Rosenstock, Michael . Taube und Dr. Kurt Singer; außerdem spielen Rosenstock und Taube an zwei Klavieren das Doppelkonzert von'Mozart. Der Reinertrag fließt dem Orchester zu. Köpenicker Wäscherei Ernst Richter - Köpenick, Mahtsdorfer Straße 90 ] F 4 Köpenick 0263 Telef. Bestellungen tJgUch, außer Freitag u. Sonnabend, schonendste Behandlung Minister Rudolf Hess über den Boykott Anläßlich der Tagung der deutschen Außenhandel sk am me rn m Berlin hielt der Stellvertreter des Führers, Reichsminister Rudolf Heß, eine großangelegte Rede, in der er sich auch eingehend mit der Boykottfrage befaßte.' .Deutschland könne und müsse erwarten, daß die Umwelt sich freihalte von .jedem Versuch, sich in die inneren Verhältnisse Deutschlands einzumischen oder aufdie Entwicklung in. Deutschland Einfluß zu nehmen. Reichsminister Heß fuhr dann fort: " „Als einen solchen Versuch, der insbesondere auch mit den einst so laut verkündeten Grundsätzen des Selbstbestimmungsrechtes und der Freiheit der Nationen in schroffem Widerspruch steht, sehen wir den Boykott deutscher Waren im Auslande an, denn dieser Boykott soll doch einen Druck ausüben, .daß wir unsere inneren Verhältnisse nach.dem Willen des Auslandes regeln entgegen dem eigenen Wollen. Weite Kreise im Ausland haben im übrigen bereits erkannt, daß der Boykott eine zweischneidige Waffe ist und daß die ausländischen Luden, die ihre Gastfreundschaft genießen, sie in eine ige hineinbringen, die der Wirtschaft des Gastlandes schwersten‘Schaden zufügen kann.“ * Die „Jüdisch-liberale Zeitung“ hat jede Gelegenheit wahrgerommen, um auf die in jeder Weise schädlichen und nachteiligen Auswirkungen derartiger Boykottversuche aut das deutsche Wirtschaftsleben, mit dem das deutsche Judentum eng verbunden ist, hinzuweisen. . .......... Ausfflhrangtveroidnunff zum Tiersdurtzgeseb In der ersten Ausführungsverordnung zum neuen.Tierschutzgesetz, die der Reichsminister des Innern jetzt erlassen hat, wird u. a. verboten, zur Betäubung von Tieren elektrische Apparate oder Verfahrenzu verwenden. Die Verwendung solcher Verfahren ist nur bei Schlachtung oder Tötung erlaubt. Allerdings kann der Minister selbst für die praktische Erprobung von elektrischen Apparaten und Verfahren Ausnahmen zulassen und nach praktischer Erprobung diese Verfahren selbst gestatten. Im übrigen ist noch bestimmt worden, daß Betäubungen zur Vornahme schmerzhafter Eingriffe nur von einem approbierten Tierarzt ausgeführt werden dürfen. Devisenzuteilung an Auswanderer wird beschrankt Die Reichsstelle für Devisenbewirtschaftung hat durch Runderlaß an sämtliche Devisenstellen den bisher geltenden Höchstbetrag der Barzuteilung für Auswanderer Nvon 10000 RM auf 2000 KM herabgesetzt. Bereits erteilte verbindliche Zusagen über Beträge, die über 2000 RM hinausgehen, sind aufrechterhalten worden. Die' Bestimmungen für die Genehmigung des für die Einwanderung nach Palästina erforderlichen Vorzeigegeldes sowie das der Förderung der Ausfuhr von deutschen Waren nach Palästina in Verbindung mit der Auswanderung dienende sogenannte Palästina-Abkommen bleiben unberührt. / J Ein Sender in Jerusalem Jerusalem. Die Palästinaregierung hat. Pläne zur Errichtung einer großen Radiosendestation in Jerusalem, ausgearbeitet. Die Reichweite des Senders soll sich über alle Länder erstrecken. Wie es heißt, sind die nötigen Apparaturen bereits in England bestellt worden. Christliche Patienten und jüdische Arzte Im „Arzteblatt für Bayern“ wendet sich der Amtsleiter der organisierten Ärzteschaft Mittelfrankens, Dr. Streck, dagegen, daß in letzter Zeit die Inanspruchnahme jüdischer Arzte durch Volksgenossen zunehme. Wenn die zugclassenen jüdischen Arzte auch gesetzlich die gleichen Berufsrechte genössen wie deutschstammige Arzte, so liege doch darin keine gesetzliche Verpflichtung, zum jüdischen Arzt zu gehen. Da auf Befragen Patienten erklärt hatten, daß .sie sich vergeblich um einen deutschstämmigen Arzt bemüht hätten, sei der Arztdienst so zu organisieren, daß ständig ein ' deutschstämmiger Arzt für vorkämmende Fälle zur Verfügung stehe. Letzte Hathridrten Eine Kundgebung der Reichsvertretung Die Reichsvertretung der-deutschen Juden hat folgende Kundgebung erlassen: ■ _ ' „ln Übereinstimmung mit der übergroßen Mehrheit der deutschen Juden und unter Zustimmung der Vertreter aller Organisationen hatte die Reichsvertretung der deutschen Juden an die verschiedenen jüdischen Gruppen die dringende Mahnung erlassen, in dieser ernsten Zeit den polemischen Kichtungskampf einzustellen. Die verschiedenen Gruppen hatten dann auch, ohne damit irgend etwas von. ihrer Eigenart auf* zugeben, bis vor kurzem diese gegenseitige Bekämpfung unterlassen. In letzter Zeit-ist-aber wieder bedauerlicher Streit ausgebrochen. Die Reichsvertretung muß deshalb mit allem Nachdruck feststellen:' Vaterländische Gesinnung und Zuverlässigkeit und Hingabe an das deutsche Vaterland sind, ebenso wie die jüdische. Gesinnung und Treue gegen das Judentum, kein Sonderbesitz irgendwelcher .Gruppe der deutschen Judenheit. Die Anhänger keiner Gruppe des deutschen Judentums haben es an vaterländischer Treue fehlen lassen. Keine Gruppe darf es für sich -allein beanspruchen, die vaterländischen Gesamtäufgaben des deutschen Judentums zu vertreten. Dieses Recht kommt der Reichsvertretung der deutschen Juden zu. Sie weiß es zu wahren und auszuuben.“ Englands Ilieste Synagogengemeinde an die Wormser Gemeinde London. Der Ältestenrat der Londoner Gemeinde spanischer und portugiesischer Juden hatte eine Sitzung ernberufen, um des' 900jährigen Bestehens der Synagoge von Worms zu gedenken. Der Vorsitzende betonte, wie bedeutsam es gerade in diesen Tagen sei, sich vor Augen.zu halten, daß in Deutschland-ein jüdisches Heiligtum stene, in dem Juden rund ein Jahrtausend lang gebetet haben. Die Mitglieder der Londoner sephardischen Gemeinde, die ihre Ahnenreihe in manchen Fällen bis auf, die Tage Oliver Cromwells zurückführen. seien ergriffen, wenn sie des wechselvollen Schicksals der Wormser Juden gedenken. Die Versammlung beschloß, an die Wormser Gemeinde eine Grußbotschaft zu senden. — Jüdischer Tranergottesdienst Iflr PleracM Kattowltz. Der aus Anlaß der Ermordung des -polnischen Innenministers veranstaltete Trauergottesdienst hat einen erhebenden Verlauf genommen. Die Synagoge war ganz in weiß gehüllt. Der Rabbiner schilderte msbesondete das Verhältnis des Ermordeten zur polnischen Judenheit. Die jüdischen Soldaten der Garnison waren vollzählig erschienen, auch Vertreter der Ortsbehörten waren anwesend. , Sarullankruimnl u. RtpantunuUlt I0r nibmhmi PsnsOMh lUlaial m««r Kitter«!, Brennerei, Schleiferei, Olaeblteerel. SneiUlltil: Nieten voa-Olee Marmor, Steingut Alabaster. Ergänzung aller Art an Nlppee usw. Seertenet lass MAX KLOSK. ■•Htm C H, ■■rtolntrnfS« T ftamUhH-cßfiroHi/l (Aufnahmen ln diese Rubrik kosten los.)— Am nächsten Sabbattage feiert Hans Weinberg, der Sohn der Frau Else,-geb. Strauß, in Dortmund seine Barmizwah. In Aachen fand die Vermählung von Herrn Hermann ' Burghardt und FraU Berta, geh. Makowski, statt Am kommenden Mittwoch wird Herr Sali W'e i s - b eck er in Aachen 70 Jahre alt. ln Berlin NO 43 beging am 1. Juli der Kapellmeister für jüdische Festlichkeiten, Max Schmerl, sein 65. Geburtstagsfest. - ln Bad Homburg v. d. H. fand die Verlobung von. Fräulein Friede! Scharatzick mit Herrn Gotthard Berget statt. 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