Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 14 (1934)
- Issue
- 50 (22.6.1934)
- Date
- 1934-06-22
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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der Rat der Stadt dem Leopold Levi vom Sundgau, dem Hirtz Sehwob aus Buschweiler und dem Lehmann- Dreyfuß aus Hegenheim samt ihren Weibern und Kindern die" Erlaubnis zur Niederlassung. Schon 1805 lebten in Basel 22 jüdische Familien mit insgesamt 128 Personen. Diese waren der Kern der dritten Judengemeinde. Heute leben in Basel 2600 Juden. Das ist wenig und viel, wenig, gemessen am deutschen Hundertsatz der. jüdischen Großstadtbevölkerung, viel, gemessen am schweizerischen. Die Basler Gemeinde ist bei weitem nicht die größte der Schweiz, sie umfaßt nur ein Sechstel der Schweizer Judenheit. Aber während die Zürcher Juden mit ihren 6200 Seelen nur etwa 1 o/o' der dortigen Bevölkerung ausfnachen,‘hält Basel mit seinen ca. l,7o/0 anteilsmäßig'Svbhl die Spitze in allen Städten der Eidgenossenschaft und übersteigt den schweizerischen Durchschnittssatz von 0,5 o/o um mehr als das Dreifache. Und doch, diese Tatsache und diese Zahlen besagen nicht viel. Die Judenschaft der Schweiz, auch Basels, spielt im öffentlichen Leben kaum eine Rolle, sie lebt still und zurückgezogen, und wenn in neuester Zeit auch in der Schweiz die Judenfrage öffentlich diskutiert wird, so fehlen recht eigentlich die eklatanten Ansatzpunkte. Dies gilt auch für die berufliche' und soziale Gliederung der Juden, die dort nuringerin gern Maße ÄrzteundAdvokaten sind, die meist in kleinen, mitunter auch größeren, nie aber allzu exponierten Positionen des Wirtschaftslebens stehen und die, häufig selbständig, kaum je als lästig empfundene Konkurrenten ins Blickfeld der Umwelt treten. So ist das Basler Judenviertel nicht mehr als ein Geviert von Straßen, in denen geruhsame Menschen wohnen und ihrer Arbeit nachgehen, kaum beachtet und kaum bemerkt, abseits vom i Wege der Welt. ■ ■. 7 * 'Und doch ist es mehr. Niemand spürt es vielleicht, nicht der-, Basler Bürger, der da vorübergeht, nicht der Jude selbst, der auf gewohnten Wegen nur Alltägliches empfindet. Aber den Fremden, den Juden, der" von weither kommt, den rührt es an. Juden auch hier, in freiwilliger Enge um die Synagoge wohnend, kaum von der Umwelt unterscheidbar und dennoch unterschieden. Wo las ich es jüngst: Gott ist die Unterscheidung? Ich mußte es wieder denken, als ich durch diese Straßen ging, in denen Juden wohnen, unauffällig und schlicht. Dennoch, gerade diese Unauffälligkeit und Schlichtheit mögen sie ihren Mitbürgern zu einem guten Teil abgelernt haben; diesem bescheidenen und zähen Volk der Berge. Auch die Basler Juden sind Schweizerbürger und Schweizerbürger nicht nur nach dem Gesetz. Mir entgegen kam .ein Soldat, in graugrüner Uniform und hohen, schwär-'; zen Schaftstiefeln, das kleidsame Käppi der Miliz keck auf dem linken Ohr. Ein Schweizer war es, und als ich ihm ins Gesicht sah, erkannte ich in ihm den Juden, der da ganz selbstverständlich den Rock des Volkes trug: So ist es überall, in allen Dingen sind hier die Juden in 130 Jahren völlig eingewurzelt. Aber auch ihrem Glauben sind sie treu geblieben, bei aller Heimatliebe. Ihr Judentum ist ihnen selbstverständlich, ein Leben, das man lebt, ohne es problematisch in Frage zu stellen. Niemand schaut sich um, erstaunt und erschüttert, nur etwa der Fremde, ' wenn der Rabbiner im feierlichen Gewand zum Gottesdienst über die Straße geht, ln ihren Bräuchen sirtd sie meist streng, die Basler Juden, konservativ wie ihr Volk, haften sie am Alten und lassen sich nur schwer überzeugen. Und dennoch, auch dies ist groß, und wenn des Freitag-Abends die Sabbatlichte aufleuchten und ein Kerzenschimmer durch alle Fenster dieses Viertels auf die dämmernde Straße fällt, so ist es dem Fremden, der vor den Türen steht, als halte die Prinzessin Sabbat selbst ihren Einzug, wie an tausend Orter, der Welt, in denen Juden-wohnen, auch hier, in dieser westlichen Stadt, verheißungsvoll und befreiend. . Der Kardinal-Primas von Polen predigt An der Statte der Warschauer Exzesse Warschau. Der Kardinal-Primas von Polen, Kardinal Erzbischof Kakowski, hat in einer Kirche des Warschauer Viertels Powonzek, wo es vor kurzem zu pogromartigen Ausschreitungen gegen die Juden kam, eine Predigt gehalten, in der er die Bevölkerung ermahnte, mit den jüdischen Einwohnern in Frieden zu leben.. Die Gesamt judenheit, erklärte der Kardinal, könne nicht dafür verantwortlich gemacht werden, waseinzelne von ihrem Glauben abgefallene Juden tun. An dem anläßlich der Überführung der Leiche des ermordeten Innenministers Pieracki erfolgten feierlichen Traueraufmarsch haben sich Abordnungen zahlreicher jüdischer Verbände beteiligt. Im Anschluß an den Aufmarsch fand eine Ehrung des Opfers der letzten Ausschreitungen im Powonzek-Viertel, Jecheskel Dalmann, durch die jüdischen Abordnungen statt. Wie der Ita aus Bialystok berichtet wird, verhaftete die Polizei den Schuster Bronislow Koziol, Mitglied der Nationalradikalen, unter der Beschuldigung, den Führer des „Bundes früherer jüdischer Frontsoldaten“ Mendel Lubinski im Verlauf der antisemitischen Exzesse ermordet zu haben. Koziol hat den Mord bereits eingestanden. Vermögen des Bundes der jüdischen Arbeitnehmer beschlagnahmt Der „Völkische Beobachter“ teilt mit: Das Geheime Staatspolizeiamt hat auf Grund der Gesetzesbestimmungen über die Einziehung kommunistischen bzw. -staats- und volksfeindlichen Vermögens das Vermögen einschließlich des Schrift- und Büromaterials des Bundes der jüdischen Arbeitnehmer mit seinen Unter- und Nebenorganisationen zugunsten des Preußischen Staates eingezogen. „Tosca“, „Boheme“, „Eugen Onegin“ und „Die Jüdin“ sang, hat sich einem Mitarbeiter eines Wiener Blattes über seine Pläne ausgesprochen. . „Nach meinem Wiener Konzert,“ erzählte Joseph Schmidt, „fahre ich nach London, wo unter Richard Oswalds Regie die englische Version des Tonfilms „Ein Lied geht um die Welt“ gedreht wird. In Wien hoffe ich bald in einer Operette auftreten zu können. Meine Bühnenlaufbahn ist ja bekanntlich durch meine kleine Statur, die mich nicht gerade zu Heldenpartien prädestiniert, einigermaßen beeinträchtigt. Doch werden immer wieder Operetten für mich bearbeitet; um mir Rollen zu schaffen, die sich für mein Körperformat eignen.“ Der jetzt, 29 Jahre alte Sänger erzählte sodann dem Journalisten über seine Anfänge im Synhgogenchör seiner rumänischen Heimat. „Meine künstlerische Laufbahn,“ schloß Joseph Schmidt, „hat vom Rundfunk ihren Ausgang genommen, und die Filme „Acht Tage Glück“, „Ein Lied geht um die Welt“ und „Wenn du jung bist, gehört dir die Welt“ haben mir internationalen Erfolg gebracht, der mich vor allem um meiner Eltern willen, die daheim in Rumänien noch immer nach wie vor ihr kleinbürgerliches Leben führen, ganz besonders freut.“ Gefängnis für Ausschreitungen in Gunzenhausen Die Justizpressestelle des Landgerichts Ansbach gibt bekannt: Ais Folge der Ausschreitungen in Günzenhausen am Abend des 25. März fand in der Zeit vom 11. bis 16. Juni vor der großen Strafkammer des Landgerichts Ansbach eine Hauptverhandlung wegen schweren Landfr i e d e n s b r uc h s statt. Gegen 19 Angeklagte wurden Gefängnisstrafen von 3 Monaten bis zu 10 Monaten verhängt. Bei fünf Angeklagten erfolgte Freisprechung bzw. Einstellung des Verfahrens. Die Hauptverhandlung hat zu der jeden Zweifel ausschließenden Feststellung geführt, daß die Ursache der beiden Todesfälle Selbstmord gewesen ist. Joseph Schmidt filmt in England Der Tenor Joseph Schmidt, der dieser Tage von einer Orient-Tournee zurückgekehrt ist und im großen Musikvereinssaal in Wien im Rahmen der Wiener Filmtestwoch en ein Konzert gegeben hat, bei dem er Arien aus Wann? Wo? Am 23. Juni, abends 8.30 Uhr, im Haltse des Herrn Dr. Wongtschowski, Olivaer Platz, Hausveranstaltung mit Annemarie Hase, Uli Kann, Lola Polajewer, Eugen Henkin,. Egon Jacobsohn und Leo Taubmann. ■ ' . » Am 24. Juni, vorm. II Uhr, trägt dfy Berliner Sport-Gemeinschaft 1933 im Sportbund des RjF. gegen den dem Gau III angehörigeti Berliner Fußball-Club „M eteor Q6Ki auf dem Sportplatz am Schäfersee einen Clubkampf aus. Beteiligt sind die beiderseitigen AI. 2. 3. und Alte Herrenmannschaften. Am 25. Juni, abends 8.15 Uhr, findet in der^ Neuen Synagoge die Aufführung von „Awodass Hakodeschdem gewaltigen Gottesdienstoraiofium. Ernest Blochjs, statt! Ausgeführt wird das Konzert von dem verstärkten W^iti bau irischen a capella-Chor, dem verstärkten Orchester des Kulturbundes deutscher Juden und dem Baritonisten Hermann Schey. Vor „Awodass Hakodesch„Eitie Freitagabend-Liturgie" von Heinrich Schallt, Solo Oberkantor Hanns John, Orgel Ludwig Altmann. Am 26. Juni, abends 8.30 Uhr, spricht Hilde Aiarx- Peters in den Festsälen Emser Straße 12 13 unter dem Titel „Ein Stückchen Leben in Wort und Ton“ aus eigenen Werken. Am Klavier: Dr. Werner Liebenthal. .* ' ■ Am 27. Juni findet in der Synagoge Prinzr e g.e ntenstr aße ein Gemeindeabend des Synagogenvereins statt. Es sprechen: Rabbiner Dr. Swarsensky über „Unser Gotteshaus und seine Gemeinde", Rabbinutskandidat Graf über „Unser Gotteshaus und seine Jugendu und Rechtsanwalt Dr. Lamm über „Unser Gotteshaus und die Wohlfahrt^. Sprechchöre der Jugendgemeinschaft und Gesangsvorträge von Alice Hannes und Julius Peissachowitsch rahmen das Programm ein. Eintritt für alle Gemeindemitglieder frei. Gemeindewahlen ohne Wahlkampf Wieviel Juden gibt es in der Schweiz? Der Direktor des Eidgenössischen Statistischen Amtes, Dr. Carl Brüschweiler, teilte auf der letzten Tagung der Schweizer Statistischen Gesellschaft mit, daß „die Juden nach der letzten. Volkszählung mit 0,4 Prozent Anteil an der Gesamtbevölkerung eine noch kleinere Minderheit bilden als vor 10 oder 20 Jahren“. 1920 bildeten die Juden mit 20-955 Seelen noch 0,54 Prozent der vier Millioncn-Bevölkcrung der Schweiz. Neue Synagoge in London London. Ein erfreuliches Zeichen für das rege Leben der religiös-liberalen Bewegungin England (über das vor vor kurzem Leslie E. Edgar in diesem Blatt berichtet hat) ist die Einweihung eines neuen Gebäudes der West London Syua'gogue „Berkeley Street“, die jetzt erfolgt ist. Das Gebäude enthält neben einer kleinen Synagoge Ver-. waltungsbüros, Schulklassen und einen großen Versammlungs- Die Schulabteilung der Reichsvertretung der deutschen Juden veranstaltet in Verbindung mit der bei ihr errichteten Mittelstelle für jüdische - Erwachsenenbildung vom 1. bis 8. Juli 1934 in Lehnitz eine Lehrerfortbildungswoche. Eröffnung Sonntag, 1. Juli, nachm, 4 Uhr, durch Professor Buber, sechsmalig über die 4 Grundformen, biblischen Stils (Erzählung, Prophetie, Psalm, Spruch), Geschichtskurs von Dr. Ernst Simon, unter Mitwirkung von Dr.' Erich Rosenblüth, sechsmalig über „Allgemeine und jüdische Geschichte in ihrer Wechselwirkung“.“behandelt an Jochanan ben Sakkai und Jossel von Roslieim, sowie ein Hebräisch-Kurs. Ferner findet eine Reihe von Aussprachen statt. Der Beschluß der Gleiwiizer Repräsentanz — Ein jüdischer Kulturkreis Oberschlesien — Arierparagraph im Naturheilverein . cBricf oit?iz ,,el|"i?i.tcfi-fi&ciafc Reitling“ G 1 e i w i t z, im Juni. Das hiesige jüdische Leben der letzten Wochen beansprucht in mehrfacher Hinsicht das allgemeine Interesse. Die Neuwahl der Gemeindevertretung steht vor der Tür,: und in der letzten Repräsentantensitzung machte der Vorsitzende, Sanitätsrat Schlesinger, über die Richtlinien und den Zeitpunkt für das Zustandekommen dieser Wahl grundsätzliche Ausführungen. Er betonte, daß man — entgegen irgendwelchen Vermutungen — die Wahl nicht verzögern wolle, aber unter allen Umständen einen unerfreulichen Wahlkampf vermeiden müsse. Selbstverständlich solle in der neuen Zusammensetzung jede der vorhandenen Weltanschauungen zur Geltung kommen, aber man dürfe im Hin- . blick auf den erweiterten und verantwortungsvollen Aufgabenkreis der Gemeindeverwaltung nur solche Persönlichkeiten wählen, die, abgesehen von persönlicher Makellosigkeit, befähigt und arbeitswillig seien. Die Herren der Büroverwaltung erhielten den Auftrag, hierüber zu beraten und der Repräsentanz nähere Vorschläge zu unterbreiten. Die Bürowahl für das laufende Jahr ergab: Vorsitz: Sanitätsrat Schlesinger; Stellvertreter: Großkaufmann Paul Cohn; Schriftführer: Großkaufmann Egon Juliusburger; Stellvertreter: Rechtsanwalt Ehrlich. Die Verlesung des Berichtes der Wirtschaftshilfe, die nun etwa ein Jahr besteht und von Herrn Förster und Fräulein Salomon vorbildlich geleitet wird gab ein Bild von dem umfangreichen sozialen Wirkungsfeld dieser Einrichtung. Es wurden — um nur einige Zahlen zu nennen — in dieser Zeit etwa 5000 Besucher der Geschäftsstelle mit Rat und Tat unterstützt und ungefähr 950 Hausbesuche gemacht. Zum Abschluß der öffentlichen Sitzung widmete der Vorsteher der Synagogen- Gemeinde, Justizrat Kochmann, den kürzlich verstorbenen verdienstvollen Gemeindemitgliedern Fabrikbesitzer Kuschnitzkv und Emma Bujakowski einen ehrenvollen Nachruf. Die kulturellen Bestrebungen in der Gemeinde sind vielseitig und erfüllt vom Geiste hingebungsvollen Schaffens. Nach einem wohlgelungenen Elternabend der jüdischen Schule, nach einem Orchesterkonzert unter Leitung von Sanitätsrat Blumenfeld, nach der Begründung eines gemischten Chores — worüber bereits berichtet worden ist — konnte die „Oberscßlesische jüdische S p i e 1 s c h a r“ auch mit ihrer zweiten Aufführung: „Die spanische Fliege“ einen hübschen Erfolg verzeichnen. In Gleiwitz und Beuthen wurde „Hoffmanns Erzählungen“ durch den „Kulturbund deutscher Juden“ unter erstmaliger Anwesenheit von Dr. Kurt Singer in Oberschlesien aufgeführt. Dr. Singer entwickelte vor Beginn des Spieles den Zuhörern den Sinn des Kulturbundes und warb um Liebe und Verständnis für „dessen Idee und Leistung. Die Oper, wurde mit großem Beifall aufgenommen. Das Verständnis der Oper wurde gefördert durch einen der üblich gewordenen Einführungsabende, bei dem Heinz Ucko, gesanglich unterstützt von Oberkantor Cohn und an Hand einiger Schallplatten', einen instruktiven Vortrag über Offenbachs musikalisches Genie und das angesetzte Werk hielt.. Zum Zwecke der Gründung eines „Jüdischen Kulturkreises-Oberschlesien“ im Anschluß an den Kulturbund fand im Gemeihdesitzungssaale eine Zusammenkunft von Vertretern der oberschlesischen Gemeinden und verschiedener Organisationen mit Vertretern des Kulturbundes statt. Die Aussprache bezog sich auf die Notwendigkeit, die Aufgabe und die Organisation einer solchen Einrichtung. Eine wesentliche Aufgabe des oberschlesischen Kulturkreises sei die Programmauswahl, damit gegenwärtig weniger interessierende Stücke wie z. B, „Othello“, „Die Wildente“ und „Sonkin und der Haupttreffer“ von vornherein ausgeschaltet werden könnten. Rabbiner Dr. Ochs vertrat den Standpunkt, daß heutzutage neben den Werken der deutschen und Weltliteratur vor allem Stücke jüdischen Inhalts vermittelt werden müßten und wies verschiedene Möglichkeiten nach. Er machte auch den Vorschlag, sich an die Berliner Zentrale nur bei Theater- und Operngastspielen zu binden, für musikalische Veranstaltungen und Vorträge in kleinerem Rahmen dagegen auch die Provinz nach freiem Ermessen beranzuziehen. Justizrat Kochmann, der Vorsitzende des oberschlesischen Synagogen-Gemeindenverbandes, erhielt von der Versammlung den Auftrag, die Gemeinden zur Bildung von. Kulturausschüssen anzuregen, die ihrerseits einen Dachausschuß aus ihren Reihen wählen sollen. Eine Geschäftsstelle ist zu errichten und eine Besucherorganisation ins Leben zu rufen, die jedem Mitglied gegen einen mäßigen ' Monatsbeitrag eine. Reihe von Veranstaltungen zu bieten vermag. Dankbar anerkannt wurde noch die unermüdliche propagandistische Tätigkeit des Gleiwitzer Oberkantors Richard Cohn,für den Kulturbund; sie war die Voraussetzung für die Ermöglichung der bisherigen Gastspiele. Der Naturheil verein, Besitzer des Freischwimm- und Sonnenbades Gleiwitz-Richtersdorf, hat, kürzlich in einer außerordentlichen Generalversammlung, zu der allerdings von etwa 300 Mitgliedern nur 50 Mitglieder erschienen waren, den Arierparagraphen eingeführt und . seine letzten 6 jüdischen Teilnehmer — etwa 40 sind bereits im vorigen Jahre ausgetreten — nach erregter Debatte ausgeschlossen! Es handelt sich bei diesen durchweg um Frontkämpfer, darunter einen Schwerkriegsbeschädigten. — Der bisherige langjährige und verdiente Vorsitzende des Vereins, Studienrat a. D. Sylvester, wurde wegen seines Eintretens für' den Verbleib der jüdischen Mitglieder im Verein seines Amtes enthoben. Studienrat Sylvester erklärte, daß er zwar auf dem nationalsozialistischen Standpunkt des Rassenprinzips stehe, aber der Führer der Naturheilvereine-habe die bezügliche Anwendung des Arierparagraphen als nicht notwendig erachtet, weswegen eine Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Naturheilverband bisher im allgemeinen nicht erfolgt sei. Der Verein erfreute sich seit seiner Begründung der ideellen und materiellen Förderung vieler Juden. Herbert Buky. eröffnet Wachtel, Kurfüvstendamm 38 das Sportmodengeschäft, das die neuesten Sportmodelle in ersten Qualitäten bringt