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Jüdisch-liberale Zeitung · 1934-06-19 · 49 (19.6.1934) · page 2

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
14 (1934)
Issue
49 (19.6.1934)
Date
1934-06-19
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Es wird gemeldet: Fortsetzung von.der ersten Seite , - Es geht heute um etwas Anderes, im Grunde viel Primitiveres: Vor der Übernahme des Gesetzes erst einmal d i e Daseinshaltung zu übernehmen, auf die hin das Gesetz gegeben ist, und in der es im Heilssinne überhaupt erst wirksam wird. Es geht um das Gesetz vor den Gesetzen, das deshalb niemals als Verpflichtung kodifiziert oder als Dogma statuiert zu, werden braucht, weil es selbstverständlich war als die unausdrückliche Voraussetzung gesetzlichen Lebens. Die Jirat Adonai, die Gottesfurcht, die unsere Väter eben gehabt haben. Aber solange wir sie nicht haben, hilft uns auch das Gesetz letzten Endes nichts. „Das Zentralinstitut für Erziehung und Unterricht in Berlin“ veröffentlicht einen Aufruf, in dem es die Schüler und Schülerinnen der preußischen höheren Lehranstalten auffordert, sich bei ihren Direktoren zum innerdeutschen Schüleraustausch zu melden, n i c h t a r i s c h e K i n d e r sind davon grundsätzlich ausgeschlossen. ' / * Dir Gesellschaft für jüdische Familienforschung veranstaltet anläßlich ihres 10jährigen Bestehens eine Ausstellung, die charakteristische Stücke In der letzten Sitzung des Zentralausschusses der deutschen Juden für Hilfe und Aufbau, wurden Frau Lola H a h n- Warburg sowie die Herren Wilhelm Marcus und Dr. Michael T r a u b in das Plenum des Zentraläusschusses gewählt. * Der .auch in Berlin bekannte Pianist Salvador Ley ist in Guatemala als Direktor an das staatliche Kpnservato- .riuni berufen worden. Und dennoch hat unsere Zeit relativ größere Möglichkeiten als die eben vergangene, wieder zum’ Gesetz zu gelangen, weil wir seelische Erschütterungen und Umbrüche durchgemacht haben und dun.hma.dien, die uns auflockern für die Gottesfurcht und offen machen für das Wort der Schrift. Wir können wieder hören, weil wir Zuspruch nötig haben; aber gerade darum können wir nicht unkritisch übernehmen, was uns als Traditionsgut angeboten wird und unserem — ganz gewiß hellsichtig gewordenen Auge— nur als ein-Wust mehr oder minder unverständlicher — Vorschriften und Anordnungen erscheint. Vielleicht ist es schwerer, eine Stunde am Sabbat wahrhafter Beter zu sein, als alle Tage im Jahre Tefillin zu legen. Wenn wir das Wenige tun, was wir können, tun wir mehr für die Erneuerung unseres Judentums, als wenn wir mit einer untragbar gewordenen und darum ungeschichtlichen Totalitätsforderung Wirklichkeit und Gesetz auseinanderreißen. Darum glauben wir, den richtigen Instinkt zu haben, wenn wir den zweiten Schritt nicht vor dem ersten tun und uns zuerst einmal um die Erlangung der rechten Gottesfurcht' bemühen, wenn wir in unserer Sicherheit Erschütterten wieder hinhören auf das, was uns das Leben lehren und die Schrift erklären will. Und indem die Erfahrung'unseres Lebens sich in der Lehre der Schrift .widerspiegelt, hören wir deutlicher als die früheren Jahrhunderte heraus, was neben der gesetzlichen Bedeutung im Worte tauroh steckt: Die Lehre. Und um die Lehre mühen wir uns, gerade weil es uns um Verständnis der jüdischen Wahrheit und Geschichte geht, und weil wir Aufschluß haben 'möchten über Israels Aufgabe in .Gegenwart und Ewigkeit. Heute können wir, gerade weil wir es mit dem Worte der jüdischen Erneuerung ernst nehmen und mit seinem Gebrauch vorsichtig sein wollen, erst wenig sagen und müssen mehr, von Aufgabe als von Wirklichkeit sprechen. Wir grenzen heute erst einmal negativ ab,. was jüdische Wahrheit gerade nicht ist. Aber kann man denn abgrenzen, ohne sich gleichzeitig zum eingegrenzten Inhalt zu bekennen? und ihn in sein Leben hineinzuübernehmen? Heute, am Ende des assimilatorischen Fluchtversuches, wissen wir, daß wir als Israel zu leben haben. Gesetzliche Normen sehen wir noch nicht, nachdem die alten Normen mit ihrem -Totalitätsanspruch für den größten Teil der deutschen Juden keine verbindliche Geltung mehr haben. Grundnorm ist nur, daß die Verpflichtung, die aus der Erkenntnis’ erwächst, zu Israel zu gehören, sich in jedem Leben konkret — so oder so, weniger oder mehr — aus wirken muß. Wir leiden heute am Versagen der Reform im 19. Jahrhundert,; da mit der-Preisgabe des Corpus der Zeremonialgesetze auch die Lehrgehalte preisgegeben und umgefälscht worden sind. Durch die Entstellungen und Verdeckungen hindurch gilt es heute, erst wieder einmal zur wahren Erkenntnis vorzustoßen. Beinahe aber noch mehr leiden wir darunter, daß keine gültige neue _ Lebensordnung, die vor dem Sinngehalt der Tradition bestehen: könnte, die alte wahrhaft abgelöst hat. Hier liegen schwere Zukuhftsaufgaben, die weit über den Rahmen dieser Schrift hinausweisen. Es geht um ein neues Verständnis der jüdischen Lehre, die zu 'den Ikkarim, den Glaubenswurzeln, wieder vorstößt. Es geht um neue Lehrer, die die Lehre widerlegen können, um eine neue Lehrweise — Franz Rosenzweig hat einmal von der Notwendigkeit eines deutschen Schiur gesprochen — um neue Gesetzesformeln —■ . weist die üblich gewordene Feier des Oneg Schabbos nicht schon einen Weg? — und um eine neue, dem heutigen Lebensverständnis angemessene Festes- und Lebensordnung, die wieder institutionell und prägend werden könnte, wie ehedem. Das alles ist erst Wirklichkeit in den Anfängen — aber wir sind ja beim Kapitel „.Aufgabe“. Aus dem in den nächsten Tagen im Vortrupp-Verlag, Berlin S,Hasenheidc 5-1, erscheinenden Buch „Wir deutschen juden“ von Dr. Hans Joachim Schoeps. Norddeutsche Rabbiner-Tagung Hamburg. Hier fand die achte Tagung des „Norddeutschen Rabbinerverbandes“ statt. Nach einleitenden Worten, die Rabbiner Dr. Bamberger-Wandsbek sprach, begannen die einzelnen Referate, deren Hauptthema „Anspruch und Einfluß des Rabbiners auf die jüdische Schule“ war. Es sprachen: Rabbiner Dr. de Haas-OIdenburg, Rabbiner Dr. Schorsch- ‘Harinover, Landrabbiner Dr. Blum-Einden, Rabbiner Dr. Gärtner-Braunschweig,' und — zusammenfassend — Rabbiner Dr. Aber-Bremen. Nach der eingehenden Diskussion richtete Rabbiner Dr. Italiener-Hamburg Dankesworte an den Vorstand. Am 28. Juni, abends 8 Uhr, findet im Vorlragssaal der Synagoge t'asanenstraße die ordentliche Mitgliederversammlung des Elternhilfswerkes für die jüdische Jugend e. V. stall. aus dem Archiv der Gesellschaft, wie Stammtafeln, Dokumente, Eheverträge, Familienwappen, alte Familienanzeigen und Chroniken zeigen wird. Die Ausstellung wird am 27. Juni im Logenhaus in der Kleiststraße eröffnet. - . * " Unter Leitung des Vorsitzenden des Landesverbandes Berlin und Mark des RjF., Calhnann, fand in Berlin die erste allgemeine Kriegsopferversammlung für den ganzen Landesverband statt. Auf dieser Tagung wurden auch Mitteilungen über den Stand des geplanten neuen Kriegsopferrechts gemacht. Zu einer Mitteilung, nach der ein alter Korpsstudent für die schleunige Einberufung 'eines Kösener Kongresses eingetreten sei, um Stellung zu nehmen zur Frage der nichtarisch versippten Korpsstudenten und des Ausschlusses der fünf KSrps, die den deswegen ergangenen Anordnungen der Kösener Verbandsführung Folge zu leisten sich geweigert haben, bemerkt die Pressestelle des Kösener . SC-Verbandes, von der Einberufung eines Kongresses zwecks Behandlung der sogenannten Arierfrage oder Stellungnahme zu anderen studentischen oder Verbandsfragen sei keine Rede. _ Erwerbt die Beitragskarte für Hilfe und Aufbau! „Für die Säuglinge*1 Die Beitragskarte für Hilfe und Aufbau ruft alle Juden in Deutschland auf zur Tat durch Hilfe zum Aufbau. Keiner, der noch ein Einkommen hat, darf sich dieser Pflicht entziehen. . Die Werbung im Monat Juni soll das Hilfswerk „für die Säuglinge“ in das Bewußtsein der jüdischen Gesamtheit bringen. . - Wirtschaftliche Not und Sorgen . in . vielen jüdischen Familien lassen befürchten, daß die Zahl der Geburten, die bereits in den letzten Jahrzehnten von Jahr zu Jahr geringer geworden ist, immer mehr abnimmt. Solange wir an uns und unsere Zukunft glauben, haben wir das Recht und die Pflicht, in unseren Kindern weiter zu leben. Wir müssen uns der Verantwortung, die unsere ' Gemeinschaft für jedes jüdische Kind hat, bewußt werden. ' Die Pflege, die ein Kind in seinen ersten Lebensjahren erfährt, ist für seine Entwicklung von größter Bedeutung. Die richtige Ernährung im Säuglingsalter macht das Kind widerstandsfähig und bietet den besten Schutz gegen Krankheiten. Wir müssen deshalb dafür sorgen, daß unsere Mütter durch besonders hierfürgeschulte Aerzte beraten und belehrt werden, damit jeder Säugling die richtige Ernährung erhält. Es muß unser Bestreben sein, der Mutter zu ermöglichen, .so lange als .irgend möglich ihr Kind selbst zu nähren und zu pflegen. Ist die Mutter gezwungen, schon nach wenigen Monaten der Erwerbsarbeit nachzugehen, so muß durch Unterbringung in Krippen für eine sorgfältige und sachgemäße Pflege der Säuglinge gesorgt werden. Für kranke und elende Säuglinge oder für das Kind, welches ohne den Schutz der Familie aufwachsen muß, soll das Säuglingsheim, das Heim für Mutter und Kind, eine Zuflucht bieten. ’ Die Erhaltung unserer Beratungsstellen, Krippen, Säuglings- und Mütterheime, die Durchführung aller Arbeiten auf dem Gebiete des Säugliugsschutzes erfordern große Mittel. Wir können diese unsere Aufgaben nur erfüllen, wenn jeder nach besten Kräften daran mitwirkt. Erw'crb.t die Beitragskarte für Hilfe und Aufbau! Gemeindeabend in der Fasanenstraße Das Wort hat die Reichsvertretung Um das Wissen über die Organisationen der deutschen Juden in die breitere jüdische Öffentlichkeit -zu tragen, veranstaltet die Berliner Jüdische Gemeinde zwei Abende, deren erster der RCichsvertrefung der deutschen Juden galt. Als Direktor Heinrich Stahl den Abend eröffnete, war die Synagoge Fasanenstraße bis auf den letzten Platz gefüllt.! Zunächst sorgte Generalmusikdirektor Josef Rosenstock für" einen künstlerischen Genuß, indem, er Präludium und Fuge in g-moll von Bach und Brahms’ Rhapsodie in Es-dur spielte. Ihm folgte Hermann Schey, der drei biblische Gesänge, in der Vertonung, von Dvorak, in hinreißender Weise vortrug. Als erster Redner sprach das Mitglied der Reiche- Vertretung, Dr. Julius L. Seligsohn, über „Die Zeit und wir“. Er ging von der großen seelischen Not aus; die heute auf den deutschen Juden lastet. Jüdischer Tradition entspricht es von jeher, die Schuld für ein schweres Los bei sich selber zu suchen. Und so müssen wir uns fragen: Haben wir uns gegen unser deutsches Wesen vergangen? Diese Frage dürfen wir wohl verneinen. Die jüdischen Gefallenen, Männer wie Ballin und Emil Rathenau; jüdische Wissenschaftler und Schöpfer sozialer Einrichtungen zeigen, daß wir unsere Pflicht gegenüber Deutschland getan haben. Ganz anders verhält es sich, wenn wir nach unserem jüdischen Wesen fragen. Durch die Emanzipation haben wir uns vom Judentum entfernt. Wir sind in der deutschen Geschichte zu Hause, wir kennen die deutschen Klassiker, beherrschen die deutsche Sprache, aber in rein jüdischen Dingen werden die meisten versagen. Unsere Ahnen wußten, warum sie ein Leid trugen, nämlich um ihres Judentums willen. Wir aber fühlten uns vielfach nur als Deutsche und empfinden es nun so schwer, daß wir zu unserm jüdischen Wesen zurückgedrängt werden. Der Inhalt des Judentums ist vielen so fremd, daß sie daran allein keinen Halt gewinnen können. Drei große Grundsätze, fuhr Dr. Seligsohn fort, gäbe es im nationalsozialistischen Deutschland, die zugleich zu Vorwürfen gegenüber den Juden werden: Einigkeit statt Zerrissenheit und Parteienkampf; Autorität statt entarteter Parlamentsspielerei und schließlich: Heldisches Streben statt bourgeoishafter Behäbigkeit. Auf diesen Gebieten seien die Juden von Fehlern nicht freizusprechen. Diese Fehler sind in Zukunft zu vermeiden. Wir müssen wieder zurückkehren zu den Idealen unserer Väter, ohne deshalb unserm geistigen Besitz an der deutschen Kultur aufzugeben. Nur so werden wir geläutert aus dieser Notzeit hervorgehen. Ein Schritt aut diesem Wegesei die Schaffung der Reichsvertretung gewesen. Entstanden aus dem Zusammenwirken der Gemeinden, Landesverbände und großen Organisationen habe sie die Aufgabe, den Einheitswillen des deutschen Judentums zu betonen. Sie erhebe den Anspruch auf Autorität, um die deutschen Juden zu führen. Vorbildlich, sei der Geist und die Loyalität, in der die Arbeit dieser neun Männer aus verschiedenen Lagern unter Führung von Rabbiner Leo Baeck und dem Führer der württembergischen Juden, Dr. Otto Hirsch, vor sich gehe. Die Reichsvertretung wolle den jüdischen Menschen helfen. Sie müsse auch die Auswanderung derer fördern; die keine Existenz mehr in Deutschland', finden könnten. Der Mehrheit der deutschen Juden sei jedoch eine Auswanderungaus ideellen und materiellen Gründen nicht möglich. Und so sehe die Reichsvertretung ihr Ziel darin, das deutsche Judentum auf deutscher Erde zu erhalten. „Wir sind das auch unseni Vätern, den Gefallenen des Krieges und der Ehre 'des jüdischen Namens schuldig“, schloß Dr. Seligsohn.' „Das werk ist schwer, aber wir werden es schaffen: Das Deutschland, das wir trotz allem lieben, wird auch die Heimat und das Vaterland unserer Kinder sein!“ - Ministerialrat i. R. Dr. Otto Hirsch sprach dann über „Die Zeit und unsere Arbeit“. Die Tätigkeit der Reichsvertretung ziele nach innen und außen. Die Arbeit nach innen stehe, unter dem Motto: Führung zur Gemeinschaft. Dem diene die Erziehung der Jugend zum Judentum. Die Reichsvertretung habe die jüdische Schule u. a. dadurch wesentlich gefördert, daß sie Richtlinien für die Erziehung hcrausgab. Auch der Erwachsenenbildung hat sie sich an-" genommen. In Zusammenarbeit mit dem Zentralausschuß für Hilfe und Aufbau werde die Ausbildung der Jugend und die Berufsumschichtung der Juden gefördert. Für Auswanderer werde gesorgt, indem die Möglichkeiten in anderen Ländern geprüft werden. Der Wohlfahrtspflege diene die Zusammenarbeit mit der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden. . Das Gebot der Arbeit nach außen heiße: Würde. Die wirtschaftlichen Grundlagen sollten gesichert werden. Im Sinne der Reichsregierung liege es, daß der Arierparagraph nicht in der Wirtschaft eingeführt werde. Hier, seien große Schwierigkeiten zu. beseitigen. Die Arbeit der Reichsvertretung sei ohne den Unterbau Großgemeinden und Landesverbände nicht denkbar. Sie bediene sich der großen jüdischen Organisationen, die ihre Einzelarbeiten gemeinsam und unter Führung der Reichsvertretung verrichten. Der Aufrechtierhaltung der Würde diene die Schlichtungsstelle, die die Aufgabe habe, Mißständen unter den Juden entgegenzutreten oder sie zu verhindern. Nachdem Fritzi JokI Rezitative und Arien aus Haydns „Jahreszeiten“ mit ihrem glockenreinen Sopran zu Gehör gebracht hatte, schloß Heinrich Stahl,den Abend mit einem Appell zur Einigkeit in der Gemeinde. —ml—. Abschied von Erich Bayer Breslau.- Ein großer Kreis von Trauernden füllte die große Halle des Coseler Friedhofes in Breslau, um Erich Bayer Lebewohl zu sagen. Harmoniumspiel leitete die Abschiedsstunde ein, in der Gemeinderabbiner Vogelstein die Gedächtnisrede hielt. Er verstand es nicht nur, das sachliche Wirken Erich Bayers zu schildern, sondern betonte auch seine innere Wärme und Herzlichkeit, die allem und jedem, was von Erich Bayer ausging, das unvergeßliche Gepräge gaben. Der Redner schilderte dann, wie der" Verstorbene sich aus der Arbeit des III heraus bis zum Vorsitzenden des Liberalen Hauptvereins in Breslau und zum Mitglied des Hauptvorstandes der Liberalen Vereinigung emporgearbeitet hat. Er gab auch ein Bild von der ungeneuren Fülle von Arbeit, die der Verstorbene in der iemeinde zu leisten hatte. Er schilderte weiter, wie stets das Judentum die Grundlage seiner Weltanschauung gewesen sei und daß ihm das Judentum in . seiner religiös-liberalen Form unendliche Begriffswelten erschlossen hat. Es ist gerade das Menschliche, das Erich Bayers Verlust für uns alle so schmerzlich macht. Diesem Gedanken gab auch der zweite Vorsitzende des- Religiös-Liberalen Vereins, Herr Philipp Lachs, Ausdruck. Im Namen der Heinrich-Graetz- Logen gelobte Herr Dr. Paul R.o s e n h a i n am Grabe des Verstorbenen, auch weiterhin in'seinem Sinne fortzuwirken. Wichtige Beschlüsse des Zentralverbands jüdischer’ Handwerker Deutschlands Für ein Handwerker-Dezernat bei der Reichsvertretung der deutschen Juden Der Zcntralverband jüdischer Handwerker Deutschlands e. V., der im gesamten Reich über mehrere tausend Mitglieder verfügt, hat eine außerordentliche Hauptvorstandssitzung zu dem Zwecke abgehalten, seine entscheidende Mitwirkung beim Umbau der Wirtschafts- und Bern f sstruktur der deutschen Judenheit durch entsprechende organisatorische Maßnahmen zu sichern. In der Beratung wurde darauf hingewiesen, daß planmäßige Berufslenkung,. Betreuung der im Handwerk tätigen Jugend, systematische Ermittlung von Niederlassungsmöglichkeiten für junge Handwerksmeister sowie Sicherung und Förderung bestehender Handwerksbetriebe Aufgaben sind, die außerordentliche * Bedeutung für das künftige Schicksal der deutschen Judenheit haben. Der jüdische Handwerkerstand, seit über 40 Jahren in Deutschland fest organisiert, erhebe den Anspruch darauf, einen maßgeblichen Einfluß auf die Durchführung der wichtigen Aufgaben zu nehmen, die mit den ihn allein ungehenden Fragen Zusammenhängen. Ein umfassender Plan sieht den weiteren Ausbau des Handwerkerverbarides zwecks Erfassung aller in Deutschland ansässigen jüdischen Handwerker vor. Ferner soll die Bedes handwerklichen Nachwuchses noch

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