Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 14 (1934)
- Issue
- 46 (8.6.1934)
- Date
- 1934-06-08
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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werden; und diese Stilreinheit und .Höhe kenn nur erhalten werden, wenn der. blut- und gesittuhgsmäßige Einfluß seelisch ganz anders^gearteter Rassen, wie z. B. des Judentums, ausgeschaltet wird. Unsere Maßnahmen gegen das Judentum, die sich übrigens auch auf alle anderen Fremdrassen erstrecken,"sollen alsö nicht etwa eine Herabsetzung der artgerechten Kulturen anderer Rassen sein; wir gönnen jeder fremden Rasse die ungestörte Entwicklung ihrer eigenen Kultur. Aber wir beanspruchen das Recht, auch unsere eigene artgerechte Kultur vor den Einflüssen fremder Rassenseelen zu bewahren, unsere eigene Kultur uns zu erhalten und unserem rassischen Stil entsprechend und nach unseren Bedürfnissen weiterzuentwickeln. . Unsere Maßnahmen gegen fremde Rassen sind ein Schritt der Notwehr gegen die.drohende Überfremdung.“ Wegen Nichtdurchführnng. von Arierbestinunungen Vorgehen gegen studentische Corps Wie die Frankfurter Zeitung aus Halle erfährt, hat der Führer der halleschen Studentenschaft nach Rücksprache mit dem kommissarischen Reichsführer der deutschen Studentenschaft, Dr. Zähringer, allen Mitgliedern der Deutschen Studentenschaft verboten, dem Corps „Borussia“ in Halle anzugehören, weil, wie erklärt wird, das Corps bis heute gegenüber einem jüdisch versippten Mitgliede die den Arierbestimmungen entsprechenden Folgerungen nicht gezogen habe. Ober das Corps wurde der Ausschluß verhängt. Gleichzeitig wurde das „Corps Borussia“ auch aus dem Deutschen Waffenring ausgeschlossen. Der Rektor der Universität Heidelberg hat jetzt auch seinerseits vorläufig (bis zur endgültigen Entscheidung durch das akademische Disziplinargericht) das Corps „V a n d a 1 i a“ verboten. Diese Maßnahme wird nunmehr damit begründet, daß die von dem Corps betriebene und in einem Schreiben.vom 30. Mai ausdrücklich zugegebene Opposition gegen Einrichtungen und Grundsätze des Nationalsozialismus eine erhebliche Gefährdung der nationalsozialistischen Gemeinschaft, der Universität bedeuteten. Die Heidelberger Polizeibehörde hat bis auf .weiteres das Tragen von Mütze und Coleurband dieser Verbindung verboten; der Führer der Standarte.110 hat verfügt, daß sämtliche der „Vandalia“ angehörenden SA-Männer aus dem Corps austreten müßten, widrigenfalls ihr Ausschluß aus der SA erfolge. Bei'dem Vorgehen gegen das Tübinger Corps „Suevia“ handelt es sich darum, daß es sich geweigert hat, zwei arische „Alte Herren“, die 1894 und 1917 nichtarische Frauen geheiratet hatten, auszuschließen. Der. frühere Ministerpräsident Venizelos erklärt: RassenhaB in Griechenland unmöglich Athen. Der Führer der Opposition in der griechischen Deputiertenkammer, der frühere Ministerpräsident Venizelos, erklärte in einem Gespräch mit Herrn Aron Sciaky, einem hervorragenden Mitglied der venizelistischen Partei Salonikis, die zwischen Venizelisten und Juden bestehende Spannung sei nichts als eine Frage des Parteikampfes. Der Gegensatz zwischen Juden und einer großen griechischen Partei habe mit Rassenhaß nichts zu tun; dieser sei in Griechenland unmöglich, da er in absolutem Widerspruch stehe zur Vergangenheit und dem Geist des hellenischen Volkes. Bezugnehmend auf die antisemitische Taktik der venizelistischen Zeitungen'Salonikis erklärte Venizelos: „Ich habe diese antisemitischen Angriffe von der Parlamentstribüne aus mit aller Strenge verurteilt. Ich habe kategorisch -eröffnet Wachtel, Kurfürstendamm 38 das Sporfmodengeschäfl, das die neuesten Sportmodelle in ersten Qualitäten bringt erklärt, daß die judenfeindlichen Angriffe dieser Zeitungen nicht dem Standpunkt der venizelistischen Partei entsprechen. Dies wiederhole ich auch heute.“ Bei dieser Gelegenheit wolle er, obwohl er sonst seine politischen Pläne nicht gern verrate, auch mitteilen, daß er die Absicht gehabt habe, anläßlich der letzten Gemeindewahlen in Saloniki einen Juden als venizelistischen Kandidaten für deri Bürgermeisterposten vorzuschlagen. -1“- Judenklassen in Oesterreich? Wien. Wie die Ita hört, soll die Absicht bestehen, in einzelnen Mittelschulen, in denen eine entsprechende Schülerzahl vorhanden ist, mit dem nächsten Schuljahrbegmn besondere Klassen für Juden und Christen einzurichten. .Mit der Absonderung der Schüler nach Konfessionen soll einer Annähcrung zwischen Juden und Nichtjuden eine Grenze gesetzt werden. Joseph Lehmann zum Gedächtnis Sei Du — al$ Deutscher! Sei Du — als lüde! Ein Jahr ist vergangen seit dem plötzlichen Tode von Joseph Lehmann. Es erscheint uns allen noch unfaßbar, daß dieser lebenskluge und lebensfrohe Mann nicht mehr unter uns «•eilen soll. Aber es wäre' nicht in seinem Sinne, wenn wir ob seines Todes resignieren würden, sondern in seinem S>inne ist es, weiter zu arbeiten für die Idee, für die er gestritten und gerungen hat und damit sein Andenken in seiner ihn nie vergessenden Gemeinde und weit über diesen Kreis hinaus bei allen, die ihn kannten und schätzten, wachzuhalten. Ein Jahr ist vergangen. Wenn wir Rückschau halten, so müssen wir sagen, was hätte gerade Joseph Lehmann uns in diesem Jahr alles sein können, wie hätte seine Persönlichkeit in allen Lebenslagen uns helfen können. Aber wir bemuhen uns alle, das Werk, das er geschaffen hat, fortzusetzen. Wir Menschen wissen, das alles, was wir hier auf Erden tun, nur Stückwerk ist, und wir wissen auch, daß kein Mensch das zuni Ziele führt, was er begonnen, sondern daß Menschen, die nach uns kommen, dazu berufen sind. Wir wissen aber, daß wir stets von Menschen, die vor uns in die Ewigkeit berufen werden, ein Vermächtnis übernehmen, ein Vermächtnis der Liebe und Treue. Dieses Vermächtnis haben wir auch von Joseph Lehmann übernommen, der uns allen, ob jung, ob alt. ob arm, ob reich, eine Stütze und Hilfe war. Dieses Vermächtnis in Ehren zu halten, ist unser aller Aufgabe, insbesondere aber die Aufgabe der Jugend, die er geliebt und «<e 1 "?■ 8el*ebt hat. Er nat für sie geeifert, und kamen junge Menschen zu ihm, um in allen Schwierigkeiten des Lebens von ihm Trost und Rat zu empfangen, so ging keiner von ihm, ohne wirklich innerlich gestärkt zu sein. Und was er dem einzelnen bedeutete, das war er auch der Gemeinschaft junger Menschen. Wie er zu diesen jungen Menschen sprach, das lassen wir ihn, glaube ich, selber sagen; denn diese- Worte, die er zur Einsegnung 1932 sprach, charakterisieren vollkommen Joseph Lehmann. Er sprach: , „ ”?e,' Du — als Deutscher. Nicht halb hier und halb, dort. Deutsch auf dem Boden, der Dich getragen, deutsch in der Geistesluft, die Du geatmet, deutsch in dem Mutterlaut, der Dich gewiegt. _ J?e! Du als Jude!. Kein Auch-Jude, weil Du hineingeboren, aus etwas Pietät und etwas Gewohnheit, — kein Muß j ude, weil Du hineingezwungen, — kein Trotz Jude, weil die Empörung Dich treibt. Sei Jude, weil das Zehnwort des Mose in Dir hämmert sei Jude, weil Jesaias Heiligkeits-Sittlichkeitsruf Dein Handeln bestimmt, sei Jude, weil das Seetenwort Jeremias die Tiefen DeineiLSeele erklingen läßt. Sei Jude, voll Stolz auf der Ahnen Offenbarung, sei Jude, Stolz auf ihr glorreiches Märtyrertum, •Sri liiril» "vnll Pipmuf rrlpi/*h rl»p Pl»***«•* U voll ***** »»•» gtVIlVIVUU 1<MI lj( IUI lUIIl, Sei Jiide, 'voll Demut gleich der Demut unseres Meisters und’ Lehrers Mose, sei Jude, voll Demut als „Knecht des Ewigen“, wie Israel seine Sendung an jedes Menschenkind erfaßt. - Sei als Jude ein Ganzer, als Mitglied unserer Gemeinde, die die . Halbheit verschmäht, die Klarheit will und Wahrheit - fordert, Wahrheit in der Lehre und Wahrheit in der Form,'um so den Weg in die Zukunft zu weisen. — Das und nichts anderes ist das Wesen unserer Reform!“ Das sind seine Worte, nach diesen lebte Joseph Lehmann. Und auch wir geloben heute, an seinem Todestage, da wir uns in Liebe und Dankbarkeit seiner erinnern, ihm nachzueifern, denn nach dem frommen Spruchdichter „wirkt das Andenken des Gerechten fort in dem Segen, den er gestiftet hat.“ Alfred Hadra. Gedenkfeier für Paul Pincus Am vergangenen Sonntag hätte sich noch einmal eine große Trauergemeinde im Gotteshaus der Jüdischen Reformfemeinde in der Johannisstraße eingefunden, um an der teile, an der Paul Pincus Jahrzehnte hindurch gewirkt hat, seiner zu gedenken. Zahlreiche Persönlichkeiten des jüdischen Lebens nahmen neben den Verwaltungsmitgliedern der Reformgemeinde an der Trauerfeier feil, so unter'anderem vom Vorstand der Jüdischen Gemeinde Moritz Rosenthal, Dr. Breslauer und Dipi.-Ing. Bruno Woyda, von der Repräsentantenversammlung Landgerichtsrat Dr. Martin Lesser und Wilhelm Marcus, ferner sah man Rabbiner Du Galliner und Geheimrat Dr. Julius Stern. Rabbiner Dr. Gottschalk zeichnete mit treffenden Worten in. -seiner Predigt die Persönlichkeit des Dahingegangenen, indem er ihn als jüdische, deutsche und menschliche Persönlichkeit hinstellte. Paul Pincus lebte als ein guter Jude für seine Gemeinde, als ein guter Deutscher für sein Vaterland und als ein Mensch, geachtet bei allen, die ihn kannten, schätzten und liebten. So wird er weiterleben bei allen, und so gelobten alle, nach den' Worten des Predigers beim Glaubensbekenntnis,- in seinem Sinne zu wirken. Wann? Wo? Die Jugendgemeinschaft der jüdischen Reformgemeinde veranstaltet: Freitag, 8. Juni, abends 6-30 Uhr, im Logentempel Joachimthaler Str. 13 einen. Qedenkgottesdienst anläßlich des ersten Todestages voll Rabbiner Dr. Joseph Lehmann. Am gleichen Tage, aoends 8,30 Uhr, findet bei Benedick, Meinekestr. 13, für die Mitglieder der Jugendgemeinschaft eine Freitagabend-Qedenkfeier statt. Teilnahme nur nach vorheriger Anmeldung. Sonntag, 10. Juni, Ausflug nach Erkner—Alt Buchhorst. Treffen 8.30 Uhr auf .dem Bahnsteig Schlesischer Bahnhof mit Fahrkarte nach Erkner. Montag, 11. Juni, abends 7.30 Uhr, Johannisstr. Ib, Kursus zur Erlernung der hebräischen Gebetssprache. Anschließend um 9 Uhr: Arbeitsgemeinschaft „Wir lesen Bibel". Leitung: Alfred Hadra. Am 14. Juni um 20 Uhu findet die nächste Zusammenkunft der Frauengruppe des Religiös-liberalen Vereins, Bezirksgruppe Wedding-Reinickendorf, statt. Es spricht Studiendirektor -Dr. I. Outmann über das Thema: „wie liest ein Religiös-Liberaler die "Bibel?“. Der-J ü d isc he Kulturbund Rhein-Ruhr veranstaltet Aufführungen des Lustspiels „Dame Kobold“ in Krefeld am 10. Juni (Theatersaal der Stadthalle), in Köln am 11. Juni (Rcichshallen-Theater), in Wuppertal am 12. Juni (Stadthalle), in Essen am 13. Juni (Kruppsaal des Stadt. Saalbaues), in Köln am 14. Juni (Weißer Saal der Bürgergesellschaft). Vortrag mit Lichtbildern von Dr. Max Osborn in Aachen am 13. Juni (Weinsaal der Stadt. Konzerthauses). _= Die Künstlerhilfe der Jüdischen Gemeinde zu Berlin veranstaltet im Juni folgende Abende: l-L-Juni, abds. 8.30 Uhr, Joachimsthaler Str. Ti Plaut-Abend. 25. Juni, abds. 8.15 Uhr, Neue Synagoge, Oränicnbiirger Str. 30, der verstärkte Weinbauin’sclie a capelta-Chor, däs auf 65 Spieler verstärkte Orchester des Kulturbundes deutscher Juden. Solisten: Hermann Schey, Oberkantor Hanns John, an der Orgel; Ludwig Altmann, Leitung: Alexander Weinbauin. Zur Aufführung gelangt: eine Freitag-Abendliturgie für Kantor, Chor und Orgel von Heinrich Schalit sowie „Avodass Hakodesch" Gottesdienst-Ortftorium in fünf Teilen für Bariton, Chor und großes Orchester von Ernest Bloch (Erstaufführung in '* Deutschland). 27. Juni, nachm. 3 Uhr, gemeinsam mit der Kinderbühne des Kulturbundes und dem Wohlfahrtsamt der < Jüdischen Gemeinde: „Sommertag der Kinder“ auf dem Sportplatz der Jüdischen Gemeinde im Qruncwald. Der W e rn l> a 11 m sc li e . a capella-Chor plant, neben der Pflege des a capelta-Oesanges.'für nächsten Winter die Aufführung größerer Chorwerke mit Orchester. Zunächst wird „Das Hohe Lied Salomonis“ (Schir haschirim), ein Meisterwerk Enrico Bossi's, zur Einstudierung gelangen. Zur Vergrößerung des bestehenden Chores wollen steh muslka- .lisch interessierte und stimmtüchtige Damen und Herren beim, Dirigenten Alexander Weinbaum, W 30,, Luitpoldstr.* 41,1 B'5 4656, melden. r Zlgursltsn-Hslm Kostenlose Aufstelluog ln Jedem- Hausbslt mit Jeder Merke tum ohne Appsrst frei Heue. Haas. Pteleburfaretr, mersdorf 8372. Vertreter werden noch eingestellt P p a ralal irka auch ladae Quaa- I •r»tr. M. H 7WII* I IngesUllt I KORPULENZ Entfettuankann» Behandlung von Rheuma,lach taaa.Neronichaama Korinth» na t KariitrtB« 16. Tat P 2. 3024 Frau Dtr.SxIborr l. Von» d. Landes«. Branden bg. Relchav. Deutsch. Heirat»* venn. EVJCaifgrtteaatr. IHi B 6 7307 Kaffee frei Haust H.A*Lutze)aue!fgemahtea,Schokoladen eiert Erwin Salomon. 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