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Jüdisch-liberale Zeitung · 1934-05-29 · 43 (29.5.1934) · page 2

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
14 (1934)
Issue
43 (29.5.1934)
Date
1934-05-29
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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wir, .das Recht und die Pflicht zu haben, für uns zu arbeiten und zu schaffen und unsere Liebe zu bekennen, wenn dazu Zeit und Gelegenheit ist. Diese Antwort freilich, wie gesagt, birgt Gefahr in sich. Wir sollen dabei bleiben, wo es um geistige Dinge, um Fortschritt und Weiterentwicklung der , Menschheit geht — und es besteht also z. B. gar kein Anlaß, aus Gründen persönlichen Stolzes Vereinen wie der Berliner Medizinischen Gesellschaft, dem Deutschen Kunstverein, der Philologischen Gesellschaft usw. nicht länger anzugehören, die im Gegensatz zu den Organisationen der Juristen allen Juden weiterhin solche geistigen Positionen zu räumen, die wir heute nicht und. nie durch andere ersetzen können. . Aber wir sollen uns dessen bewußt sein, daß Teilnahme nicht gleich Hervortreten ist; es schadet uns und der Sache nichts, wenn Juden sich weiter mit allen diesen Dingen intensiv beschäftigen, aber zufrieden sind, erst einmal für sich zu-arbeiten, statt dem verständlichen Wunsch nachzugeben, auch andere vom - eigenen Denken zu überzeugen. Die große Leistung eines Juden wird auch so nicht verloren gehen. Diese Schranken, denen wir nicht als Einzelne, sondern als Teil der jüdischen Gemeinschaft unterworfen sind, sollten wir nicht vergessen können. Ein altes Zeitungsblatt lag kürzlich vor mir, auf dem -eine kulturpolitische Kampfversammlung angekündigt wurde, die denen, die sie einberiefen, gut und wichtig-erschienen sein mag. Auf der Rednerliste standen unter acht Rednern sechs jüdische Namen; jeder von diesen sechs mag an seine Pflicht geglaubt haben, aber klüger wäre er gewesen, er hätte gefragt, wer noch sprechen solle. Und wenn statt der sechs jüdischen Namen von Ruf und Ansehen nur zwei auf der Liste gestanden hätten — es würde nicht geschadet, sondern genutzt haben. Dies sollen wir für die Zukunft wissen; wir sollen dabei sein, wo wir uns hingezogen fühlen, aber. _ wir sollen uns vergewissern, daß unser Auftreten nicht für die Gesamtheit abträglich wirken kann. Daß ein Viertel der' Gäste bei Stefan Georges Totenfeier jüdisch war, das allerdings kann auch heute — jenseits —der Bewertung dieses Dichters, die jeder mit sich abzumachen - hat.— für uns alle nur ein Grund zum Stolz sein. Heinrich Wertheim. Wir lesen: Die Generalversammlung des Hilfsvereins der deutschen Juden Die Nürnberger Zeitung“ berichtet: „Der Direktor der Unterrichtsanstalt des Vereins. Merkur, Franz Kafitz, referierte in seinem Vortrag über das überaus aktuelle Thema der Judenfrage... Dem jüdischen Typus sei das Merkmal des Handelns, Feilschens und Täuschens eigen. Der Jude säe nicht, aber er ernte. Es sei der unbändige Wille des Juden, die Uneinigkeit und Spaltung des Wirtsvolkes herbeizuführen, um über dasselbe zu herrschen und es auszubeuten. Der Redner machte dann mit den Aussprüchen und der einschlägigen Literatur über die Judenfrage, angefangen von Jesus Christus, Tacitus, Treitschke, Fritsch und nationalsozialistische Vorkämpfer bekannt. Urteile von führenden Juden über ihre Rasse selbst und Worte aus denjüdischen Gesetzbüchern, dem Talmud, belegten schlagkräftig die vom Judentum heute abgestrittenen Ziele zur Vernichtung der rassereinen, arischen Völker. Das Bezeichnendste an Ueberheblichkeit und sittlicher und moralischer Verkommenheit des sogenannten auserwählten Volkes stellen die Sätze dar: „Du sollst die Völker der Erde fressen!" oder „der Nichtjude ist dem Viehe gleich!“... Den Juden könne man auch durch das Taufwässer nicht zum Deutsche:; machen. Er werde immer Jude bleiben. Sein Handeln werde durch seine Blutzusammensetzung bestimmt. Der Redner wies im letzten Abschnitt des Referates die Herrschaft des Judentums auf allen Gebieten des deutschen Lebens in den vergangenen 20 Jahren (Revolte von 1918; Weimarer Verfassung, Kriegsschuldlüge, Versailler Vertrag, Inflation usw.) nach. Auch an der Spitze der Freimaurerei habe das Judentum gestanden“. * Der Niederdeutsche Beobachter“, ßostock, schreibt: „Hinsichtlich der Judenfrage in Deutschland ist in de|r jüngsten Zeit die Anregung gegeben worden, von j ü d i - « b M v u i d in h ic u um ai dui Mingciiucm n amen den Nachweis - zur Berechtigtuig des Tragens dieser Namen zu verlangen. Zu diesem Zweck sollen, der Anregung, zufolge, alle Juden mit arischen Familiennamen aufgefordert werden, einen Stammbaum bis zum Jahre 1800 vorzuweisen. Bei der Anregung, wird darauf verwiesen, daß früher planmäßig jüdische Familien sich für Geld Namen zulegten, die arisch klangen und so dem einzelnen Juden die Möglichkeit gaben, sich hinter arischem Namen zu verbergen und die Oeffentlichkeit im Hinblick auf ihre Rassenzugehöngkeit irrezuführen. Um in Zukunft eine solche Irreführung nicht mehr möglich sein zu lassen, soll es, wie in der Begründung der erwähnten Anregung noch ausgeführt wird, wieder soweit kommen, daß man bereits am Namen erkennen kann, ob man es mit einem Juden oder einem Arier zu tun hat. Ob die Anregung bereits irgendwelchen zu ihrer Durchführung in Frage kommenden Instanzen zugeleitet worden ist, war bisher nicht zu erfahren, ebenso wenig darüber, ob sich unter Umständen die Anregung verwirklichen lassen würde.“ in der „F r ä n hi s c h e nT a ge sze it u n g“, Närn- . berg, lesen wir: „Ohne in Privatangelegenheiten eines Volksgenossen uns hineinmischen zu wollen, darf behauptet werden, daß trotzdem ein Beamter es doch womöglich vermeiden sollte, eine Ehescheidung zu betreiben. Wenn er aber dann schon glaubt, sich unbedingt scheiden lassen zu müssen, dann darf es unter keinen Umständen passieren, daß man sich ausgerechnet als Beamter einen jüdischen Rechtsanwalt zur Durchführung des Ehescheidungsprozesses bestellt. Man komme ja nicht mit der Ausrede wegen Armenrecht und Zuweisung eines Rechtsanwaltes. Selbst wenn das Hohe Gericht den jüdischen Rechtsanwalt für Durchführung des im Armenrecht geführten Prozesses gestellt hätte, brauchte der Beamte diesen Rechtsanwalt noch lange nicht annehmen... Mag nun die Sachlage sein wie sie will, jedenfalls-beweist der Fall wieder, wie weit es doch oft gerade bei Beamten noch fehlt.“ Es wird gemeldet: „In der Hoffnung auf ein würdiges Weiterleben“ Auf der diesjährigen Generalversammlung des Hilfsvereins der Deutschen Juden, die unter außerordentlich starker Beteiligung stattfand, erstattete Generalsekretär Dr. Mark Wischnitzer ein ausführliches Referat, in dem er die weit verzweigte Beratungs- und Fürsorgearbeit des Vereins in Auswanderungsangelegenheiten schilderte und einen Überblick über Einwanderungs- und Agsiedlungsmöglichkeiten in überseeischen Ländern gab. Wie aus dem Finanzbericht hervorgeht, den Dr. Sigmund Wassermann erstattete, hat der Bahnliofsdienst des Hilfsvereins am Schlesischen Bahnhof im vergangenen Jahr 13 150 Aus- und Rückwanderer, davon 0213 Männer, 4478 Frauen und 2459 Kinder betreut. Im Namen des Zentralausschusses.der deutschen Juden für Hilfe und Alifbau dankte: dessen Vorsitzender, Rabbiner Dr. Leo B a e c k der Leitung des Hilf svereins für diegeleistete Arbeit. Er wies darauf hin, daß die Reichweite dieser Arbeit jetzt eine viel größere geworden sei. Es gälte, des Schicksals der. Jugend zu gedenken, ein neues Leben für sie aufzubauen. Alle seien dem Hilfsverein aufrichtig dankbar, daß er sich diese neue große Arbeit zu eigen gemacht und sie mit geschulten Kräften übernommen habe. Zu Beginn der Sitzung war ein Schreiben des am Erscheinen verhinderten Stellvertretenden Vorsitzenden- Max Warburg verlesen worden, in dem cs heißt: „Der Hilfsverein steht aut dem Standpunkt, dal! die deutschen Juden in ihrer Heimat, deren Schicksal das ihrige ist, in der Hoffnung auf ein würdiges Weiterleben ausharren wollen. Erscheint es aber deutschen Juden aus wirtschaftlichen Gründen und der Zukunft der Kinder wegen unmöglich, in Deutschland zu bleiben, und ergibt sich infolgedessen eine wirtschaftliche und ideelle Notwendigkeit zur Auswanderung, so legt der Hilfsverein größten Wert darauf, daß diese sorgfältigst vorbereitet wird. 00 000 Menschen sind vom Hiitsvereinum Laufe des Jahres ' 1933 beraten und mit Informationen jeder Art versehen worden. 7700 Personen wurden finanziell unterstützt durch Zuschüsse für Bahn- und Schiffskarten, Visen, Verpflegung, Transport von Gepäck, Hausgerätvon Maschinen und Instrumenten. Für viele Tausende wurde ein umfangreicher .Briefwechsel mit Behörden, Gemeinden und Hilfskomitees geführt. Der Hilfsverein betrachtet es als seine Pflicht, denen, die den schweren Entschluß gefaßt haben, ihr Vaterland zu verlassen, bei der Gründung einer neuen Existenz zu helfen. Der Hil/sverein berät Auswanderer nach allen Ländern mit Ausnahme von Palästina. Bisher hat er bei der Auswanderung nach 34 überseeische:; Ländern mitgewirkt.“ Die statutenmäßig ausscheidenden Mitglieder des geschäftsführenden Ausschusses: Generalkonsul Eugen Landau, Max Warburg, Willy Dreyfus, Professor Dr. Eugen Mittwoch, Berthold Israel," Rabbiner Dr. Leo Baeck, Rabbiner Dr. Leo Baerwald-München, Frau Lola Halm-Warburg, Dr. Felix Kauffmann-Frankfurt a. M., R.-A. Dr. I. Rosenak^Bremen, Dr. Paul Schottländer-Breslau, Salomon Simon-Detmold und Dr. _Benno Walter wurden einstimmig w i e d e r ge wä 1; 11. In das Zentralkomitee wurde Dr. med. Sänger-Stuttgart gewählt. - UnlerkunftsmöglichLeiten für jüdische Jugend Wanderer ' Seit dem Ausschluß der jüdischen Jugend. aus den - Jugendherbergen und Wanderheimen hat sich das Jugenddezemat der Jüdischen Gemeinde zu Berlin bemüht, Unterkunftsmöglichkeiten für die wandernde jüdische Jugend zu schaffen. Durch-das Entgegenkommen der kleinen Gemeinden in der Mark und Neumark konnten auf Wanderungen in den.Pfingstfecien erstmalig etwa 500 jüdische Jugendliche Quartier in 50 landschaftlich schön gelegenen Orten der weiteren Umgebung Berlins, finden. Dabei handelt es sich zum Teil um Sammelquartiere, zum, Teil auch um Freiquartiere bei den einzelnen jüdischen Familien in den Gemeinden. In einer Rede, die der schlesische Gausportführer Rennecker in Breslau gehalten hat, betonte er, daß die Juden bei der kommenden O ly mpiade ,starten dürften und daß Juden, die dem Staat gegenüber ihr Pflicht getan haben, sich auch in den sportlichen Reihen betätigen können. Die im gleichen Sinne lautenden Ausführungen, die Exzellenz Lewald kürzlich in Athen gemacht hat, haben wir in der letzten Nummer unseres Blattes veröffentlicht. *. Dem Gedächtnis des vor kurzem verstorbenen Erforschers des Volks- und Kunstliedes, Geheimrat Max Friedländer,' widmeten in der letzten Sitzung der „Gesellschaft für deutsche Literatur“ der Vorsitzende Professor Dr.Max Herrmann und der langjährige Freund und Mitarbeiter des Toten, Geh. Studienrat Dr. Johannes Bolte, warme Worte der Teilnahme. * Im Zusammenhang mit dem mehrstündigen Streik als Protest gegen die Einwanderungsbestimmungen in Palästina wurden bei Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Polizei in Tel-Ay.iv insgesamt 52 Personen verletzt und ins Krankenhaus gebracht. - m in der an der polnisch-tschechischen Grenze gelegenen ■ Ortschaft Cieszvn ist es, wie aus Warschau gemeldet wird, zu schweren judenfeindlichen Ausschreitungen gekommen, bei denen Schaufensterscheiben jüdischer Läden zertrümmert wurden. In zwei Synagogen wurden die Fensterscheiben eingeworfen. Eine aus Kattowitz entsandte Polizeiabteilung stellte die Ruhe wieder her. 16 nationaldemokratische Studenten und ein. Revisionist wurden verhaftet. , Nach einer Mitteilung des Präsidenten des jüdischen Konsistoriums Bulgariens, hat die neue bulgarische Regierung den jüdischen Stellen erklärt, daß sie die Garantie für aie Sicherheit der bulgarischen Juden und die Aufrechterhaltung ihrer vollen bürgerlichen und politischen Rechte übernehme. * Der neue Gesandte Österreichs in den Vereinigten Staa-, ten, G. L. Prochnik, hat bei seiner Ankunft in New York einem Vertreter der Jewish Telegraphie Agency erklärt, die österr eichischen Juden würden in Zukunft d i e s e 1be Stellung behalten, die sie bisher innegehabt haben. Der Status der Juden werde durch die neue Verfassung nicht geändert. Befürchtungen wegen der Propaganda radikal-antisemitischer Kreise seien unbegründet. * In Warschau kam es an mehreren Stellen zu Angriffen von National-Radikalen auf jüdische Händler. In Wilna haben nationalradikale Exzedenten die Fensterscheiben im Ansky- Museum, das sich im Hause der jüdischen Gemeinde befindet, eingeschlagen. Insgesamt sind bisher 380 Mitglieder der national-radikalen Partei ver h af t et worden. Nach einer Meldung aus Riga haben zwei Mitglieder der neuen lettischen Regierung erklärt, daß die neue Regierung den Anise mitismus nicht dulden werde. * In, Jungbunzlau in der Tschechoslowakei fand eine Gedenkfeier für den vor genau 300 Jahren auf dem dortigen Friedhof begrabenen Jakob Bässevi von Treuenberg statt. Bassevi war der erste Jude, dem der Adel des römischdeutschen Kaiserreichs nebst einem Wappen verliehen wurde. Paul Pincus* Beisetzung Unter großer Beteiligung wurde am Donnerstag Mittag der im Alter von 74 Jahren verstorbene erste Vorsitzende der Jüdischen Reformgemeinde, Paul Pincus, in Weißensee zu Grabe getragen. Die Trauerfeier wurde durch Chorgesang eingeleitet und beendet. In seiner groß angelegten Trauerrede zeichnete Prediger Dr. Karl Rosenthal das Lebens- und Charakterbild dieses vom sittlichen Gebot der Pflicht erfüllten Lebens. „Noch nicht ein Jahr nach Dr. Lehmanns Tod,“ so führte Dr. Rosenthal aus, „hat uns mit dem Ableben von Paul Pincus ein neuer, unersetzlicher Verlust getroffen, und noch wissen wir.nicht, wie wir ihn ertragen können.“ Seit dem Jahre 1921 war Paul Pincus erster Vorsitzender der Reformgemeinde. Als Nachfolger von Georg Minden war er berufen, die glanzvolle Tradition von Rudolf Messe und Minden fortzusetzen, und in all den Jahren hat er sich in seinem hohen und heiligen Amte bewährt. Er wußte" diese schwere Aufgabe zu meistern, weil er Jude war und der jüdischen Gemeinschaft diente. Ein dreifaches Ziel, fuhr der Prediger fort, habe Paul Pincus vorgeschwebt. Erwollte den Charakter des Reformjudentums erweisen. Ihm lag ferner am Herzen, das Ansehen der Jüdischen Reformgemeinde im Rahmen des Gesamtjudentums zu heben. Paul Pincus wollte niemals etwas von Stillstand wissen, ln allen Einrichtungen sollte sich das Gesetz der Entwicklung auswirken. So sei die neue Liturgie entstanden, -die seiner Initiative entsprang, so habe er der Jugend der Reformgemeinde seine Arbeit gewidmet. Seine dritte Lebensaufgabe bestand darin, ein freundschaftliches Verhältnis zwischen Reformgemeinde und der großen Jüdischen Gemeinde in Berlin zu schaffen, wobei für ihn das Gemeinsame im Vordergrund stand und nicht das Trennende. So sei sein Leben bis zum letzten 'Atemzuge mit jüdischem Geist erfüllt gewesen. Im Namen des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde übermittelte Direktor Heinrich S t a h I mitempfindende Teilnahme an dem unersetzlichen Verlust. In Dankbarkeit müsse betont werden, daß Paul Pincus, sobald der Ruf der Gemeinde in Not erging, stets da war, um zu helfen. Es sei auch dem Verstorbenen gelungen, den Weg, den seine Vorgänger beschritten, erfolgreich zu Ende zu gehen, mit dem Ziel, zwischen der Reformgemeinde und der Muttergemeinde ein Zusammenwirken herbeizuführeri. Nach Heinrich Stahl Iegfe: Rechtsanwalt G a 11 i n e r ein Bekenntnis der Dankbarkeit der Reformgemeinde für ihren verstorbenen Führer ab. Mit dem Gebet am Grabe schloß Rabbiner Dr. Jelski die weihevolle Trauerfeier. Neben den Verwaltungsmitgliedern der Jüdischen Reformgemeinde und zahlreichen Gemeindemitgliedern waren zu der Beisetzung auch führende Persönlichkeiten des jüdischen Lebens Berlins erschienen, an ihrer Spitze der Präsident des Preußischen Landesverbandes, Kammergerichtsrat Leo Wolff und vom Vorstand der Jüdischen Gemeinde neben Direktor Heinrich Stahl Herr Moritz RosenthaL Unter dem Trauergefolge sah man ferner den Vorsitzenden des. Zentralvereins Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Justizrat Dr. Brodnitz, die Gemeinderabbiner Dr. Galliner und Dr. Blumenthal und den Führer der religiös-liberalen Vereinigung, Rechtsanwalt Heinrich Stern. Beratung über das Schächtproblem ln Fortsetzung früherer gemeinschaftlicher Sitzungen hat dieser Tage eine Sitzung der Vertreter der „Vereinigung traditionell gesetzestreuer Rabbiner Deutschlands“ und des „Orthodoxen Rabbinerverbandes“ in Berlin stattgefunden, um den Stand der Fleisch Versorgung, insbesondere der Untersuchungen in der Schächtsache und den Plan für die Weiterarbeiten zu prüfen. In ausführlichen Verhandlungen wurde festgestellt, daß die bisherigen Ergebnisse bezüglich der Betäubungsfrage keine abschließende Maßnahme nach der positiven oder negativen Seite gestatten. Es wurde beschlossen, die Arbeit auf technischem, wissenschaftlichem und relifionsgesetzhchem Gebiet weiterhin mit Nachdruck zu etreiben, um frühmöglichst die endgültige halachische Entscheidung herbeizuführen. - * - Sollte die in der „Jüdisch-liberalen Zeitung“ geführte Diskussion über das dringende Erfordernis, die Schächtfrage mit größter Beschleunigung zu lösen, doch etwas genutzt haben?!

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