Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 14 (1934)
- Issue
- 40 (18.5.1934)
- Date
- 1934-05-18
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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scheiden müssen, ob sie sich einer neuen künstlerischen Vorstellungswelt unterordnen will. Man würdige den Aufbau des Kulturbundes nicht herab zum beliebten Diskussionsthema jener .redenden Leitartikler, die immer das Gras wachsen hören und immer den fälschen Tritt haben. Propheten mit so kläglichen Resultaten sollten nicht ein Unternehmen verwirren, das wenigstens tapfer genug ist, nicht nur der Not der Wirklichkeit ins Auge zu sehen, sondern produktiv dem Künstler und seinem Publikum zu helfen. Wenn die Geister des Zwiespaltes, die klug reden, im sie schützenden Hintergründe, gebannt sind, wenn diese Angst vor den verantwortungslosen Besserwissern nicht mehr den Zickzackkurs bestimmt, kann der Kulturbund daran gehen, seine Aufgaben umfassend und ungestört vor den Ratschlägen psychologischer ABCschützen. durchzuführen. Dann wird er auch den Film in seine Interessensphäre einspannen können, um mit der Vorführung interessanter Filme das Geld zu verdienen, das er dazu braucht, um endlich einmal auch die Jugend-zu Worte kommen zu lassen. Auch wenn er sich Stars heranholt, werden wir ihm bestimmt nicht böse werden. Nur die lederne Langweiligkeit ist verpönt, sie ist das Ende jeder Kultur, jedes Theaters, jeder Kunst. Danebenhauen ist verzeihlich, aber unverzeihlich bleiben jene falschen Olympier, die behaupten, mit dem Schmetterlingsnetz im Grase liegen zu können, wenn ringsum die Erde bebt. Der Brief des Schauspielers an die Bühnengenossenschaft Der Fall Bassermann Wie durch die deutsche Presse bekannt geworden ist, hat der Schauspieler Albert Bassermann seinen Austritt aus der Genossenschaft Deutscher Bühnenangehöriger, deren Ehrenmitglied er war, erklärt. In einem Brief an den Vorstand der Genossenschaft, den eine' ausländische Zeitung veröffentlicht hat, begründet Herr Bassermann, wie wir. der Frankfurter Zeitung entnehmen, seinen Entschluß damit, daß seine nichtarische Frau, mit der er während vieler Jahre in Deutschland gewirkt habe, zu einem Gastspiel an seiner Seite am Leipziger Schauspielhaus nicht zugelassen worden sei. Auf die Bemerkung eines Dresdner Blattes, daß dies von der Reichstheaterkammer veranlaßt worden sei, glaubt die „Germania“ feststellen zu können, „daß die Schwierigkeiten, die einem Gastspiel von Albert und Else Bassermann in einer mitteldeutschen Großstadt entgegengestellt worden sind, der Reichstheaterkammer und der Bühnengenossenschaft erst zu einem Zeitpunkt bekanntgeworden sind, als Bassermann schon seinen Entschluß ziim Austritt gefaßt hatte. Die Versuche, die Angelegenheit in einer für alle Teile annehmbaren Weise aus der Welt zu schaffen,“ heißt es . weiter, „sind dadurch leider -vereitelt worden, daß Bassermann, noch bevor die notwendigen Erhebungen abgeschlossen waren, schon seinen Austritt aus der Bühnengenossenschaft erklärte.“ Der Brief Bassermanns schließt mit dem Satz: „Was für Gefühle der Trauer dieser Entschluß in mir und meiner Frau auslöst, brauche ich hier nicht weiter auszuführen.“ Der „Montag“ schreibt zu diesem Fall Bassermann folgendes: „Dieser große Künstler hat seinen Austritt aus der Bühnengenossenschaft angemeldef und seine Ehrenmitglied^ Schaft niedergelegt. Er will nicht mehr in Deutschland spielen. Der Grund zu diesem Entschluß ist sonderbar. Bassermann Der Herr, Die Dame Elegante Maßschneiderei A. Berkowitz, Joachimsthalerstr. 38. j 1 Bismarck 7640 fühlte sich gekränkt, weil man bei einem Gastspiel in Leipzig seine Frau nicht auftreten lassen wollte. Diese ist nicht nur Jüdin, sondern auch eine schlechte Schauspielerin. Bisher geschah es immer, daß Bassermann zur Bedingung machte, seine Frau müsse mit ihm spielen. Und als man sich nun einmal dieses Diktat nicht mehr gefallen ließ,- nahm Bassermann, beleidigt und verärgert, Abschied von der deutschen Bühne. Es war kein glücklicher Abgang, den er sich gewählt hat, denn er hat sich damit außerhalb der Gemeinschaft gestellt, die an dem Neuaufbau des deutschen Theaters mitarbeiten will. Unvergessen bleibt, was Bassermann, der iin September dieses Jahres 67 Jahre alt wird, durch vier Jahrzehnte für die deutsche Bühne geleistet hat, und man kann das Bedauern nicht-verschweigen, daß diese Arbeit durch die Schuld des Künstlers selbst ein so nüchternes und auch vorzeitiges Ende gefunden hat.“ Ein Schreiben an den Propaganda-Minister Reichsvertretung zur Goebbels-Rede Die Pressestelle der Reichsvertretung der deutschen Juden teilt mit: Die Reichsvertretung der deutschen Juden hat zu den Ausfuhrungen, die der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, Herr Dr. Goebbels, in einer Versammlung im Sportpalast zu Berlin am 1,1. Mai d. J. über die Juden gemacht hat, in einem eingehenden Schreiben an den Herrn Minister Stellung genommen. „Illegales Vorgehen abgelehnt“ * Wir haben in der letzten Nummer unseres Blattes unter der Überschrift „Anstandsunterri.cht für die geschonten und geduldeten Staatsbürger jüdischen Glaubens“ einen Aufruf des „Angriff“ wiedergegeben. Im'Anschluß an seine Kampagne schreibt der „Angriff“ in seiner Ausgabe vom 14. Mai: Die Aufforderung des „Angriff“ an alle Leser und Parteigenossen: „Was dürfen sich Juden schon wieder erlauben?“, hat in der Presse des Auslandes allgemeines Aufsehen erregt. Mehr oder weniger kommentiert wird der Aufruf fast überall wiedergegeben, vor allem in der schweizer . und englischen Presse. Ebenso zitiert die englische Presse die Sportpalast-Rede von Dr. Goebbels, teilweise in aller Ausführlichkeit. Obwohl die Rede nur eine letzte Warnung an die Juden enthält, sich in Deutschland bescheiden zu - benehmen, wollen einige Judenblätter oder solche, die von Juden abhängig sind, in der Rede eine „Pogromdrohung“ sehen, trotzdem Pg. Dr. Goebbels ausdrücklich den Gedanken eines illegalen Vorgehens ablehnte. Von der Anklage der Beleidigung des Reichskanzlers freigesprochen Gegen den Kaufmann R. aus Gilgenburg hatte, wie die Osteroder Zeitung berichtet, der Friseurmeister H. eine Anzeige durch die Parteileitung erstattet, weil dieser jüdische Kaufmann in dessen Geschäftslokal den Reichskanzler beleidigt haben sollte. Der Beschuldigte bestritt entschieden, zlie ihm zum Vorwurf gemachte Äußerung getan zu haben, behauptete vielmehr, daß es der jetzt als Belastungszeuge auftretende Zeuge war, der in seinem Geschäft politische Gespräche nicht einwandfreier Art geführt haben soll. Der Angeklagte war ein früherer Kunde des Belastungszeugen und [kam nicht mehr, nachdem er durch die Folgen eines Schlagänfalls behindert wurde. Vom Gerichtsvorsitzenden in ein Kreuzverhör genommen, machte der Zeuge vorsichtige Angaben und machte, über einen besonderen Fall befragt, von seinem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch. Der Anklagevertreter hielt den Angeklagten auf Grund der eidlichen Aussage des H. für überführt und beantragte eine Gefängnisstrafe von einem Jahre. Mangels schlüssigen Beweises fällte das Gericht aber einen Freispruch. In der Urteilsbegründung führte der Gerichtsvorsitzende aus, daß das Gericht an dem guten Glauben des Zeugen ■ nicht zweifelt, indes liege der Fall solange zurück, daß das Gedächtnis den Zeugen im Stich gelassen haben könne. Um einen Angeklagten zu verurteilen, muß der Beweis für seine Schuld zu hundert Prozent erbracht werden. Tagung in Herrlingen Jüdische Erwachsenenbildung Herrlingen.- In dem jüdischen Landschulheim Herrlingen bei Ulm fand vom 10. bis 13. Mai 1934 eine Konferenz statt, mit der,die von der Reichsvertretung der deutschen Juden ^errichtete Mittelstelle für jüdische Erwachsenenbildung (Leitung Professor Buber) die Grundlage für eine Arbeit in größerem Wirkungskreise geschaffen hat. An der Tagung nahm ein Kreis von führenden Menschen aus allen Teilen des Reiches teil. Unter Leitung von Professor Buber wurden zunächst die grundlegenden Probleme und Arbeitsmethoden der Erwachsenenbildung erörtert; in Arbeitskreisen wurde sodann eine Reihe von Einzelaufgaben praktisch in Angriff genom- ■meii, insbesondere Bildungsarbeit für die Klein- Zi gor offen-Heim-Apparate Koatenloac Aufstellung In jedem Haushalt mit jeder Multi auch jedes Quantum uh ne Apparat Ire! Haus. Haap, PY.txburw.rwtr. to, 1t 7 Wllmersdort HD TV. Vertreter werden noch eingestellt. un d Kl e i ns t g em e i nd en , Schulung der Umschichtenden und jugendlichen Erwerbstätigen, Zusammenarbeit mit den Jugendbiinden in überbündischer Führerschulung, Beschaffung von Lehrmitteln und Hilfsmitteln für Lehrende. In diesen Frag«! wurden praktische Schritte vorbereitet, die schon in nächster Zeit zu sichtbaren Ergebnissen führen sollen. _ , A,ls Ergebnis der Tagung ist festzustellen, daß der (.jedanke.-der. jüdischen Erwachsenenbildung von allen Teilnehmern aufs stärkste bejaht wurde. Die lebendige Verbindung und Zusammenarbeit der Mittelstelle mit allen am jüdischen Aufbau arbeitenden Personenkreisen und Institutionen des deutschen Judentums darf als gesichert angesehen werden. B Neuer liberaler Rabbiner für Mannheim Mannheim. Als Nachfolger des nach Frankfurt a-. M. berufenen Dr. Lemle wurde Rabbiner Dr. Geis-München vom Synagogenrat zum Rabbiner in Mannheim gewählt. - Rabber Dr.- Geis, der geborener Frankfurter ist und erst im 28. Lebensjahre steht, hat in Berlin und Köln, wo er zum IJoktor promovierte, seine StudienahsoWiert. Er ist seit dem Jahre 1932 in München als zweiter Rabbiner tätig. Am 23. und 24. Mai, 20.15 Uhr, veranstaltet der K j Deutscher Juden für seine Mitglieder und für die Abwechsler als Sonderveranstaltung zwei Wiederholungen von Offenbachs „Hof f man ns Erzählungen*4. Die Aufführungen finden, in der Premierenbesetzung unter Leitung von Generalmusikdirektor Joseph Rosenstock statt. Wir erfüllen die traurige Pflicht, von dem am 15. d. M. nach langem, schwerem Leiden erfolgten Ableben unseres Vorstandsmitgliedes, Herrn Paul Schreier. ■ Kenntnis zir geben. Wir verlieren an ihm einen freuen Freund und Berater, dessen Andenken wir stets in Ehren halten werden. tUfskftint nd Vtatetf Ms t MaaM uf ■«—iti «. C e. h. M._ iimimiiiimniiiiiiimiiiimiummimiumoniUMiiiiiuu Verzogen nach Schflneberf, Eisenacher Sfr. 48 Neuer Femsprechanschluß: 0 1 Stephan 8441 KrnalRuban fjtruigeriehtsdirtUor am'LandgerirJU Berlin und Vurnüxmder am Lande»- arbeiitgrriaht Berlin o. Ü. ■ WlrtoCiiNibiftir irccbst. 3-4. sonst mdi Vcrslabar. | HaßaXQttfHinOf (Re&tauxantb jiimitiiniituiimHiiiiuiuMuiiuuiiiitHtiinmiitimiinninHiimiiiniiinuniiiiiutiiiimmmiM TANZ*STI M MUNG Wo k6ama wir um gut amüsieren! „Caf£ Trianon“ inh.Bornstein Bayerischer Platz I, Tel. B 6 0835 Mltgl. d. jüd. Gemeinde Täglich nachmittags und abends TANZ * Eintritt frei Anerkannt beste Wiener Küche bei ganz billigen Preisen. Wochentags nacbm. 1 Tasse Kaffee 33 Pf. Gedeck 55 PLAbends 1 Tasse Kaffee 46 Pf. SamsLu. Sonnt Abend 1 KJnnch.Kaffce62Pl- Vereinsu. Unterhattungsräumllchkeiten stehen 2ur Verfügung iimiiiiiittiiiiiiiHiuimtuiiiimiiHiiuuiiiiiiiiitiiiiiuiiiiiiiiiiiiiuiiiiiuiumiuiiiiiittiiitiiiiuuiu M-sr jffldlowk jflte apl.lt '!.▼ <aai.t.M LHs«Md.8CAltA Sonnabends 930 und 12 Uhr Sonntags 5.15 u. 930 Vorverkauf tlgl. ab 12 Uhr Shr Stammkino Emser Lichtspiele am Ludwlgkirchplatz Hein Herz nrtt udi Dir mit Jan Kiepura und Marta Eggerth Corso-Lichtsplele Uhlandstr. 48 Ecke Pariser Str. 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