Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 14 (1934)
- Issue
- 39 (15.5.1934)
- Date
- 1934-05-15
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Minister Goebbels-fiber die Juden „Letzte Warnung" Mit eiiier groß angelegten Rede hat Minister Dr. Goebbels im Berliner Sportpalast den von der NSDAP angekündigten -Aufklärungskarapf »gegen Micsmachertum und Kritikasterei“ begonnen. In Bezug auf die Juden führte Dr.-Goebbels, nach dem Bericht des „Völkischen Beobachters“, dabei folgendes aus: „Es ist geradezu verbrecherisch, wenn 1 Menschen im Lande umhergehen und Leuten, die ohnehin schwer zu kämpfen haben, auch noch den-Mut nehmen. Wenn noch ein Teil des . Auslandes uns -mit dem anonymen Boykott begegnet und deutsche Waren nicht abnehmen will, so wissen wir sehr wohl, daß das auf unsere jüdischenMitbürger zürück- ' zuführen ist: - Ich kann aber nicht, weil die Juden im Ausland uns boykottieren, im Innern die Judengesetzgebung zurückziehen, sondern wir müssen diese Krise eben durchstehen. Die Juden meinen vielleicht, ihren jüdischen Mitbürgern in Deutschland damit einen Dienst zu tun. Sie tun das schlimmste, was sie überhaupt tun können, denn sie sollen nicht glauben, wenn sie in der Tat den Boykott so weit trieben, daß er wirklich, eine ernstliche Bedrohung unserer wirtschafte liehen Situation darstellen würde, daß wir deshalb die Juden frei ausgehen ließen. Wenn Deutschland der Welt erklären muß, daß es nicht mehr in der Lage ist, seine Schulden zu bezahlen und die Zinsen zu transferieren, so liegt die Schuld nicht an uns. Nicht wir haben die Schulden gemacht, sondern die uns -vorängegangenen Regierungen. Wir haben nichts gescheut, um das deutsche Volk von diesem Geschmeiß zu befreien. Die nationalsozialistische Regierung hat nichts unversucht gelassen, die schwere Krise, die ihr von ihren Vorgängern auf die Schultern gelegt würde, zu beseitigen.“ Dr. Goebbels rief dann das gesamte deutsche Volk auf, mit aller Kraft der Regierung zu helfen, die schwere Gefahr zu überwinden, die aus Krisen-Erscheinungen infolge der langen Arbeitslosigkeit entstanden sei, und fuhr dann fort: „Gefahren sind nicht nur auf wirtschaftlichem und politischem..Gebiete zu bemerken, sondern auch auf kulturpolitischem Gebiet. Das Volk selbst hat mit seinem Instinkt diese .Gefahren selbst gesehen. Wenn beispielsweise die Juden glauben, daß der unblutige Verlauf derdeutschen Revolution ihnen das Recht gebe, in altgewohnter Frechheit und Arroganz wieder das deutsche Volk zu reizen und zu provozieren, so sollen sie unsere Geduld nicht allzusehr auf die Probe stellen. Wir haben die Juden geschont. Wenn sie aber meinen, sie ■ könnten deshalb wieder auf deutsche Bühnen treten, um dem deutschen Volke Kunst darzubieten, wenn sie ^meinen, sie könnten wieder in den Redaktionsstuben auf- 'tauchen, um deutsche Zeitungen zu schreiben, wenn sie wieder über den Kurfürstendamm flanieren, als wenn gar nichts geschehen wäre, so mögen ihnen diese Worte als letzte Warnung dienen. Sie haben sich in Deutschland aufzuführen, wie sich das für Gäste gehört. Wir haben es nicht nötig, den Nationalsozialismus von Menschen ausdeuten zu lassen, die vom Nationalsozialismus keinen Hauch verspürt haben. Diesen Leuten gegenüber haben wir eine Milde gezeigt, die vielfach von unseren Anhängern gar nicht mehr verstanden worden ist.“ ..Anstandsunterricht für die geschonten und geduldeten Staatsbürger jüdischen Glaubens“ Unter der Überschrift „Was dürfen, sich Juden schon wieder erlauben?“ wird im „Angriff“ vorn 11. Mai äusgeführt: Es fällt allgemein auf, wie dreist sich zahllose Juden seit einigen Monaten wieder benehmen. Voriges Jahr war ihnen der Schrecken in die Glieder gefahren, sie zogen sich in die Stille zurück. Nun, da sie bemerken, daß ihnen weiter nichts geschieht, und daß die Deutschen denn doch ein mildes Volk sind, glauben sie wieder durch arrogantes Betragen auffallen zu dürfen. Zahllose Juden sind aus dem Auslande zurückgekehrt, zahllose verschafften sich neue Stellungen und neue Beziehungen. Sie treten ganz unverblümt nicht nur im Geschäftsleben, sondern auch privat auf, in einer lauten, aufdringlichen Art, wie wir sie von früher her kennen und die wesentlich dazu beigetragen hat, sie allgemein unbeliebt zu machen. Wir stimmen keinen Pogromgesang an,- wir rufen zu keiner Judenverfolgung auf, aber wir wollen zeigen, wie der Jude sich heute schon wieder benimmt und wie er sich zu benehmen hat. Es handelt sich also um einen Anstandsunterricht für die geschonten und geduldeten Staatsbürger jüdischen Glaubens. Bei uns liegt bereits eine Menge Material über die Angelegenheit vor. Fortlaufend erhalten wir Zuschriften. ■ Wir fordern nun alle Leser, Parteigenossen, SA-Männer und Arbeiter auf, uns jeden Fäll von jüdischer Unverschämtheit mitzuteilen, der sich in den letzten Monaten und Wochen ereignet hat, damit wir ihn im „Angriff“ veröffentlichen. Keiner rühre die Juden an! Aber jeder gebe acht auf sie, auf der Straße, im Freien, in den Lokalen, im Beruf, auf Reisen, überall, wo er einzeln, besonders aber, wo er in Scharen auftritt. Er ist ja nicht zu verfehlen. Und schreibt an den „Angriff“, was los ist! Jenseits der Grenzen große christliche Kirche derartige Ehen und seien doch die Juden die ersten gewesen, die sich von den übrigen Rassen durch .eine „höchst rituelle und egozentrische Religion“ abgesondert hätten. Zum Schluß faßt Davson seine Meinung dahin zusammen, daß es am meisten in England beklagt würde, daß auch solche Juden in Deutschland von den Maßnahmen der Regierung betroffen seien, denen weder Mangel an .Patriotismus noch an persönlicher Lauterkeit vorgeworfen werden könne. Wir haben jüdischerseits diesen Bemerkungen des angesehenen englischen Publizisten, die den Stempel der Wahrheitsliebe tragen,- nichts - hinzuzufügen, Wir freuen uns, daß die von Rudolf Pechei, Paul Fechter und Eugen Diesel herausgegebene „Deutsche Rundschau“ durch Veröffentlichung des Artikels dazu beträgt, die jüdische Frage in objektiver Weise zu behandeln und möchten für uns wünschen, daß die zukünftige Diskussion des jüdischen Problems in Deutschland in ebenso sachlicher Form ‘ vor sich gehen möge. Die Ahnentafel des Dichters Walter Flex Nachdem der Dichter Walter Flex vielfach als Judenstämm 1 ing bezeichnet worden ist, hat der Sachverständige für Rassenforschung beim Reichsministerium des Innern die Abstammung von Flex nachgeprüft. „Der Verdacht der jüdischen Abstammung“, so schreibt „Der Deutsche“, „entstand durch den Geburtsnamen der Mutter des Dichters, Margarethe P o 11 a k (geboren am 8. April 1862 in Rawitsch), da der Name Poilak häufig als Judenname vorkommt, er ist aber, wie auch andere Herkunftsnamen wie Hess(e), Sachs(e), Schwab(e) als Name rein arischer Geschlechter nachweisbar. So hat die eingehende Nachprüfung und Erforschung der Abstammung der Margarethe Flex geborene Poilak ergeben, daß diese einer angesehenen deutschen Familie rein arischen Blutes entstammt, die bis zu einem Namensträger festgestellt werden konnte, Umzüge, Spedition Massiver Lagerspeicher. Beratung kostenlos s. simonowitz, scliöneDerg, BrünemalflsH1.85 der um 1750. geboren wurde. Auch die übrigen Ahnen des Dichters sind rein arischer Abstammung. Das Gutachten des Sachverständigen für Rassenforschung beim Reichsministerium des Innern lautet: „Ich habe die Ahnen des Dichters Walter Flex, geboren am 6. Juli 1887 in -Eisenach, gefallen aut Oesei am 16. Oktober IQ 17, teilweise bis zu den Ur-(Jrgroßeltem und darüber hinaus nachgeprüft und festgestellt, daß sie evangelischer Konfession und arischer Herkunft waren. Der Dichter Walter Flex ist deutscher Herkunft und frei von jüdischem Blutseinschlag. Eine ausführliche Ahnentafel des Dichters wird demnächst durch den Sachverständigen für Rasseforschung veröffentlicht -werden.“ Heilstätten für jüdische Lungenleidende In einigen Städten blutig verlaufen Judenfeindliche Exzesse in Polen Warschau. Die traditionellen Feiern des Lag B’omer- Festes der. jüdischen Jugend in Polen sind infolge von Überfällen auf die .Festzüge in einigen Städten blutig verlauf e n. Zahlreiche jüdische junge Leute wurden verletzt. Die Exzedenten rekrutierten sich aus deni radikal-nationalen Lager. - Sehr ernst waren die Überfälle in, Bialystok. Im Stadtwald wurde der Feslzug der jüdischen Schuljugend überfallen, wobei mehrere jüdische junge Leute, auch kleine Kinder, verletzt würden. Spät abends wiederholten sich die Exzesse im Innern der Stadt. In einigen von Juden bewohnten Gassen sammelte sich die Bevölkerung zum Widerstand, es gab.auf beiden Seiten 20 Verwundete. In anderen Stadtteilen wurden ein jüdisches Mädchen, dann ein jüdischer junger Mann bis zur Bewußtlosigkeit geschlagen. Besonders schwer waren die Exzesse in der Alten Gasse und in der Artilleriegasse, wo die Juden sich zur Selbstwehr sammelten. Frühmorgens wurden die jüdischen Schächtbeamten auf dem Wege zum Schlachthaus überfallen und schwer mißhandelt. Der . Regierungskommissar teilte in einer Pressekonferenz mit, es * seien energische Maßnahmen gegen die Exzedenten ergriffen worden. Insgesamt wurden am Lag B’omer-Tage in Bialystok etwa 30 erheblich verletzte Juden in die Krankenhäuser gebracht. Die ßialystoker. Wojwodschaft teilt in einem Comraunique mit, daß eine geheime Zusammenkunft junger Nationaldemokraten, die Massenüberfälle auf Juden arrangieren wollten, ausgehoben sei, wobei 40 Personen verhaftetwurden. Die Leiter.jüdischer Organisationen entsandten eine Delegation zum Wojwoden, der energische Abwehrmaßnahmen versprach. In Czenstochau wurden Mitglieder des Brith He- .chajol. bei einem Waldausflug von etwa 200 Rowdies überfallen! Es entspann sich ein - erbitterter Kampf, hei dem es sieben ernstlich Verletzte gab. Die Warschauer Polizei teilt mit, (laß es bei den Überfällen auf Juden in den Ojadzdower Alleen i;i Warschau mehrere Verletzte gab. Wie weiter aus Warschau gemeldet wird, ist inzwischen in Bialvstok die Ruhe wiederhergestellt. Starke Polizeipatrouillen durchziehen die Straßen. Die Theater, die einige Tage geschlossen waren, weil sich die Juden nicht auf die Straße wagten, sind wieder eröffnet. Aus Wilna wird gemeldet, daß National-Radikale in den städtischen Gartenanlagen unter dem Ruf: „Schlagt die Juden, rettet Polen!“ über jüdische Passanten herfielen. Die Auflösung der jüdischen Gemeinden in Rumänien Bukarest. Nachdem der Verband jüdischer Gemeinden des Altreiches beim Kultusminister Einspruch gegen die Auflösung zahlreicher Kultusgenieinden erhoben hat, hat nun auch Großrabbiner Dr. Niemirower als der Vertreter des jüdischen Kultus im Senat in der gleichen Angelegenheit bei dem Kultusminister interveniert. Ihm wurde geantwortet, die Auflösung wäre rechtens auf Wunsch von Mitgliedern der Gemeinden selbst erfolgt; die Regierung lehne es ab, sich in die -inner i fidischen St'rc itigke iteh zu mischen. Hierzu ist zu bemerken, daß in Rumänien alle Körperschaften, je nachdem, welche Regierung am Ruder ist, wechselnd besetzt werden. Dieses System wurde an vielen Stellen auch auf die Verwaltung der ..jüdischen Gemeinden übertragen. ’ ♦ Die Zeitschrift „Wille und Macht“, das Führerorgan der nationalsozialistischen Jugend, "bringt in Heft 9 vom •- 1. Mai 1934 einen Aufsatz über den Führer der „Eisernen Garde“ Rumäniens. Wir entnehmen diesem Artikel einige interessante Sätze: „Für uns Deutsche, die wir eine Million unserer Volksgenossen in Rumänien wohnen haben, wird vor allem auch entscheidend sein, wie das junge Rumänien dieselben behandeln wird. Ein Artikel der Zeitung der Eisernen Garde „Axa“ befaßte sich ausführlich mit dem „Hitlerismus“ der Deutschen in Rumänien, der Bewegung unseres Volksgenossen. Rittmeister Fabricius in Hermannstadt. Man forderte in diesem Aufsatz Achtung der rumänischen Grenzen und Gesetze, versprach die Freiheit des Volkstums und begrüßte den gemeinsamen Kampf gegen Freimaurer und Juden. — Die eine Million Judenbevölkerung Rumäniens, die den wirtschaftlichen Reichtum des Landes in der Hand hat, stellt die junge Bewegung Rumäniens in viel größere Nähe, zum Nationalsozialismus wie zum Faschismus. Bekanntlich gefallen sich italienische Blätter wiederholt in Aussprüchen, wie sie kürzlich ein Diplomat machte: ,In Italien gibt es keinen Antisemitismus, weil alle Italiener klug sind/ Ein rumänisches Sprichwort sagt: Jeder Rumäne kann Dichter :e!n, bestimmt ist er aber Antisemit*.“ Eine Botschaft Roosevelts New York. Präsident Roosevelt hat an die in Washington tagende Jahreskonferenz der United Synagogue .of America eine Botschaft gerichtet, in der er’es als'-wün*. sehenswert bezeichnet, daß die Prinzipien der Gerechtigkeit und des Wohlwollens immer wieder verkündet und als Mittel, Verständigung, gegenseitige Sympathie und allgemeine Einigkeit herbeizuführen, dauernd gefördert werden. Im Mittelpunkt der Eröffnungssitzung der Konferenz stand eine große Ansprache Senator Wagners, der zu einer gemeinsamen Anstrengung zwecks Bekämpfung der Intoleranz in der Welt und Sicherung des Weltfriedens aufrief. Ein Engländer über die Judenfrage in Deutschland Die „Deutsche Rundschau“ veröffentlicht in ihrem Maiheft einen interessanten Aufsatz von William Harbutt Davson : „Englische Urteile über deutsche Probleme“, in dem auch die Juden frage ausführlich behandelt wird. Davson schickt seiner Betrachtung die Bemerkung voraus, daß es ihm weniger darauf ankomine, eigene Ansichten als die Auffassung seiner Landsleu'e wiederzugeben. Einen großen Teil der gegenwärtigen Beurteilung der deutschen Regierung infolge der Ariergesetzgebung, schiebt Davson der Unkenntnis und Gleichgültigkeit breiter englischer Kreise zu. Er selber mißbilligt sowohl die Unterhausdebatten über diese Probleme als die Boykottbestrebungen auf das schärfste und wirft gewissen Emigrantenkreisen vor, daß sie die in Deutschland lebenden Juden kompromittiert und ihre Stellung noch schwieriger gemacht hätten. Was die Ariergesetzgebung angehe, so herrsche, fülift Davson weiter aus, weniger Meinungsverschiedenheit über das Ergreifen besonderer Maßnahmen an sich, als über die Art ,der Anwendung. Die Bestimmungen, die am meisten Bedauern hervorgerufen hätten, seien die Ausschaltung aus bestimmten Berufen und vor allem die rückwirkende Folge dieser Gesetze. Viele der wärmsten Fürsprecher Deutschlands, die lebhaft die neue Einigkeit begrüßten und ihre Aufgabe darin erblickten, ihre Landsleute über Bedeutung und Notwendigkeit der großen Umwälzung aufzuklären, fänden ihre Aufgabe ungeheuer erschwert. Es müsse die Frage gestellt werden, warum bei der sprichwörtlichen Objektivität der deutschen Forschung die Maßnahmen so plötzlich und radikal getroffen worden seien. Was die praktische Monopolisierung gewisser Berufe durch die Juden in den vergangenen Jahren angehe, so herrsche in England die Vermutung, daß die Arier selbst daran schuld seien, wenn die Juden sich Vorzugsstellungen geschaffen hätten. Das Übergewicht der Juden besonders in der Finanz, das man wohl beklagen, aber nicht auf einmal ändern könne, müsse als eine Folge der durch Jahrhunderte gehenden Verfolgung dieser unterdrückten Rasse betrachtet werden. Die Frage des Verbotes der Mischehe, meint Davson, könne sachlich diskutiert werden, mißbillige doch selbst eine Die Zentralwohlfahrtsstelle, der deutschen Juden teilt ■ mit, daß Lungenleidende in zwei vorzüglich ausgestatteten, fachärztlich geleiteten jüdischen Anstalten, der Rothschildschen Lungenheilstätte in Nordrach in Baden (nur für weibliche Kranke) und der Kuranstalt für Israeliten in Bad Soden im Taunus (für männliche und weibliche Kranke) Aufnahme finden können. Die Kuranstalt in Bad Soden ist neuerdings weitgehend modernisiert und auch ärztlich ausgebaut worden. Privatpatienten, Versicherte und von jüdischen 'rganisationen verschickte Patienten finden Aufnahme und ärztliche Betreuung zu mäßigen Sätzen. Die Reichsversicherungsanstalt für Angestellte belegt die Anstalten seit vielen Jahren. In diesem Zusammenhang wird darauf hingewieseti, daß Versicherte, die ihre Stellung verloren und das freiwillige Weilerkleben der Beitragsmarken für die Reichsversicherung unterlassen haben, ihre Anwartschaft aut Versicherungsleistungen wieder hersteilen können, wenn sie innerhalb von zwei Jahren nach Verlust der Stellung die fehlenden Marken nachkleben. Die Liberale Synagoge Nordost hat ihren ersten Gemeindeabend im neuen Beträum veranstaltet. Rabbiner Dr. Swarsenskv sprach über „Jüdisches Schicksal in dieser Zeit“. Man muß unterscheiden zwischen Judenfrage und Judentumsfrage. Die Judenfrage besteht seit vier Jahrtausenden; sie sei eine politische. Es sei gar nicht darüber zu streiten, daß es keinen einheitlichen jüdischen Typ gibt; es gäbe den Typ des französischen, englischen, polnischen, deutschen Juden usw. Alle tragen eine doppelte Prägung in sich, das 4000jährige jüdische Schicksal und die Schicksalsverbundenheit der jeweiligen Umwelt. Die Jüdenfrage rollt vor allem soziale, materielle, wirtschaftliche Probleme auf. Die Judentumsfrage, führte Dr. Swarsenskv aus, ist von jeher eine religiöse gewesen. Das religiöse Element war seit hundert Jahren stark in den Hintergrund getreten. Erst die letzte Zeit hat neue Ansätze zu religiösem Leben hervorgebracht. Reicher Beifall lohnte dem Redner. Der Vortrag wurde umrahmt durch Gesangsvorträge von Kantor Max Neumann, auf dem Harmonium von Heinz Schneemann begleitet. . —dl: Chemische Reinigung Erich Krause Kaiserallee 13 Ecke Meieroltostraße Wollkleid 2,50 bis 3,— Seidenkleid 3,50 bis 4,— Rufen 81« am J a Oliva 3341 u Die Arbeitsgemeinschaft der jüdischen Arbeitsnachweise sucht dringend handwerkliche .Lehrstellen für Knaben und Mädchen. Für besonders gute Lehrstellen können kleine Beihilfen gezahlt werden. Außerdem werden P a t e n gesucht, die bereit sind, die Jugendlichen durch Zuzahlung von Lehrbeihilfen zu unterstützen. Sprechstunden der. Berufsberatung finden statt: Montag bis Freitag, außer Mittwoch, Rosenstraße 2/4. Für Knaben von 9.30 Dis 12.30 Uhr, für Mädchen von 10.30 bis 1 Uhr. Sondersprechstiuide für Knaben und Mädchen Dienstag nachm, von 3 bis 5 Uhr, Rosenstraße 2 4. Sprechstunde Donnerstag nachm, von 4 bis 7 Uhr, Bleibtreustraße 2. „Wirtschaftsförderung.“ Die vor einigen Wochen unter dem Titel „Wirtschaftsförderung“ angekündigte Gesellschaft hat ihre Tätigkeit aufgenommen. Die Firma lautet: „F. W. I. Gesellschaft zur Förderung wirtschaftlicher Interessen von in Deutschland wohnhaften oder wohnhaft gewesenen Juden mbH“. Sie beschäftigt sich in erster Linie mit der Verwaltung -und Verwertung von Vermögen sowie allen dazu gehörigen Geschäften. Anfragen sind zu richten an die Adresse der Gesellschaft, Berlin-Charlottenburg, Kantstr. 15S. Herrliche 5 - Zimmer - Wohnung schöne große Zimmer, gute Wohnlage am Kaiserplatz in Wilmersdorf, mit allem Zubehör, Zentralheizung, Stadtparknähe, II. 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