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Jüdisch-liberale Zeitung · 1934-05-15 · 39 (15.5.1934) · page 1

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
14 (1934)
Issue
39 (15.5.1934)
Date
1934-05-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Berlin, 15. Mai 1934 BaUäur-Semkar zi Berlin.. Einzelnummer 20 Pt. Nr. 39 gfirjieutjdies Qubcntum uitb gcHflidfcn »Hufbau . ._ 14. Jahrgang Bezugspreis: Monatlich 1,35 RM. zuzüglich Bestellgeld. Einzelnummer 0,20 RM. Abonnements werden bei allen Postämtern angenommen. — A nzeigen nach Tarif. — Bei Nichterscheinen infolge Streiks oder höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Nachlieferung oder Rückerstattung der entsprechenden Bezugsgebühren. J 1 — Herausgeber: Hanns Loewenstein - Die „Jüdisch-liberale Zeitung“ erscheint Dienstags und Freitags. — Redaktion und Geschäftsstelle: Berlin - Charlottenburg 4, Mommscnstraße 40. — Fernruf: J 6 Bleiotreu Sammelnummer 1545. — Bankverbindung: Kreditverein für Handel und Gewerbe e. G. m. b. H., Berlin N 24. — Postscheckkonto? „Jüdisch-liberale Zeitung'4, Berlin 227 G4. Die „Jüdisch-liberale Zeitung" erscheint zweimal wöchentlich» Dienstag und Freitag Keine Wahlen: das heisst arbeiten! Nach der Verständigung in der Berliner Indischen Gemeinde Eindeutig deutsch-jüdisch Von Dipl.-Ing. Bruno Woyda Lange und oft noch wird über die Vermeidung des Wahlkampfes in der Berliner Jüdischen Gemeinde gesprochen werden. Da werden die einen sagen, die unter anderen Verhältnissen vor Jahren gewählten Gemeindevertreter haben sich selbst ihre Mandate verlängert, andere werden resigniert feststellen müssen, daß die von ihnen so gern'als unerträglich hingestellte Berliner Gemeindeführung für die Vermeidung eines Wahlkampfes nicht einmal ihrer so freundlich beabsichtigten Mit- oder Einwirkung bedurfte, hier oder dort werden Syndici oder Vereinsführer, ihr Bedauern aus- oder unterdrücken, daß de'r Einfluß ihres Vereins, in der Berliner Jüdischen; Gemeinde nicht verstärkt sei, und zu diesen Kritiken werden sich auch sachliche Gegner der Verständigung gesellen: Jugendliche, die meinen, die geringere Zahl' der Lebensjahre erweise bereits die Notwendigkeit, die jetzigen Gemeindeführer — wenigstens zum .Teil — durch sie zu ersetzen, Extremisten auf der deutschen und auf der ' zionistischen Seite, die eine Vernichtung oder Ausschaltung der Gegenseite fordern. Man wird gut tun, über all jene Kritiker hinwegzugehen und sich der Arbeit 'zuzuwenden, deren Umfang ja heute größer denn je, deren Bedeutung heute restlose Hingabe erfordert. Nicht etwa, daß die Kritiker mit all ihren Einwändeh Unrecht hätten. Politik aber ist, und das gilt auch für die Politik in einer jüdischen Religionsgemeinde, kein Nachjagen, nach Wunschbildern, sie ist Wille zur Gestaltung der Wirklichkeit. Und es ist ein Zeichen politischer Kurzsichtigkeit, wenn jemand nur das zu .werten weiß, was schwarz auf weiß geschrieben steht, nicht aber das vielleicht viel Wesentlichere, von dem geschwiegen wird. Als einer derjenigen, die die Verhandlungen, die dem Abschluß der Verständigung vorhergingen, führten, darf ich wohl ihren wesentlichen Gehalt darstellen. Was bedeutet die Verlängerung der Legislaturperiode der Repräsentantenversammlung und des Gemeindevorstandes um zwei Jahre, und was bildet den Inhalt der Vereinbarungen zwischen der liberalen und der volksparieilichen Fraktion? Die Verlängerung der Legislaturperiode ist die Beibehaltung der deutschen Führung in der Gemeinde. Dam t soll keineswegs gesagt sein, dass nationaljüdischen Kreisen in der Einheitsgemeinde nicht auch ihr Recht werden solL Aber die Führung und Tendenz der Berliner jüdischen Gemeinde wird fortan wie bisher eindeutig deutsch in nationaler Hinsicht orientiert sein. Und da Berlin im jüdischen Leben Deutschlands ja. ausschlaggebende Bedeutung zukommt, was im letzten Jahr mitunter von neuen Führern alter und alten Führern neuer Organisationen, aber auch von der- Berliner Gemeinde selbst nicht hinreichend beachtet wurde, so kann gesagt werden, daß mit der Berliner . Entscheidung auch die Entscheidung für die künftige Führung der Gesamtgeschäfte der deutschen Judenheit getroffen worden ist. Insofern läßt sich das Berliner Ergebnis mit dem anderer Gemeinden (Dresden, Frankfurt usw.) naturgemäß nicht in Parallele stellen, ln welcher Weise eine bewußt deutsche Gemeindeführung in Zeiten, wie wir sie durchleben, die Gemeindeaufgaben und die Gemeindearbeit zu gestalten hat, darüber wird in den nächsten Wochen noch eingehend zu sprechen sein. Und wenn ich betonen möchte: „-Keine Wahlen: das heißt arbeiten , so meine ich damit, auch, daß nunmehr^ neben der bisherigen Gemeindearbeit, die selbstverständlich fortgeführt werden muß, besonderer Wert der Pflege deutscher-Gesinnung und deutscher Kulturverbundenheit durch die Gemeindeführung wird beizumessen sein. Im Verhältnis zu der Sicherung der deutschen Führung in der Gemeinde für die Zeit bis Ende des Jahres 1936 müssen die getroffenen Vereinbarungen als durchaus tragbar vom deutsch-jüdischen Standpunkt aus gewertet angesehen werden. Die drei wesentlichen Fragen der Verständigung sind folgende: Erstens: Neben sieben liberalen und einem-orthodoxen Vorstandsmitglied werden dem Gemeindevorstand in Zukunft yier statt drei zionistische Vorstandsmitglieder angehören. Zweitens: An den jüdischen Schulen wird fortan in den oberen Klassen fakultativ in besonders intensiver Weise Unterricht in Neuhebräisdverteilt, insbesondere auch im Hinblick auf die zur Auswanderung nach Palästina Willigen. Drittens: Das Jugendpflegedezernat, das bisher von Herrn Graetz geleitet wurde, wird umgestaltet. Es erhält neben dem bisherigen liberalen Beamten auch einen zionistischen Sachbearbeiter und wird in Zukunft vom Vorsitzenden selbst, Herrn Stahl, geleitet. Es wäre zu wünschen, daß Herr Graetz seine wertvolle Arbeitskraft der Gemeinde auf einem anderen wesentlichen Wirkungsgebiet zur Verfügung stellt. Strikt wird darauf zu achten sein, insbesondere auxdi von der deutsch-jüdischen Jugend selbst, daß dieser aus der Umorgänisation keinerlei Benachteiligung erwächst. Zu Befürchtungen liegt in dieser Hinsicht, was ausdrücklich gegenüber anderen Äußerungen betont sei, kein,Anlaß vor. ~ Die Vereinbarung wurde getroffen von den Liberalen und der Jüdischen Volkspartei. Ihr widersprach lediglich die kleine, dreiköpfige zionistische Splittergruppe (Moses, Rau, Lubinski), die der' -Jüdischen Rundschau besonders nahestehen dürfte. Es ist bedauerlich, daß diese Gruppe bei den verschiedenen Gelegenheiten wiederholt politisches Verständnis vermissen ließ und sich schon mehrfach aus Verhandlungen hinausmanöverierte, bei denen ihr an sich besondere Bedeutung zukam. Weunpworauwohl nicht zu zweifeln sein dürfte, die Bestätigungder beschlossenen Satzungsänderung' durch die Aufsichtsbehörde erfolgt, so werden die diesjährigen Wahlen durch die erzielte. Verständigung hinfällig sein. Sie werden dann erst Ende 1936 stattfinden, zu einem Zeitpunkt also, zu dem hoffentlich die Judenfrage in Deutschland ihre Klärung erfahren haben wird. In der Zwischenzeit aber gilt es für die verbleibende liberale Mehrheit, ihrer Verpflichtung in tiefem Ernst stets gegenwärtig zu sein und sic zu' erfüllen: zu arbeiten und zu'führen. Es wird gemeldet: - Das Nürnberger „8-Uhr-Abendblatt“ schreibt: „Wie in Ansbach mitgeteilt wurde, ist der Kreis Hersbruck jetzt vollständig frei von Juden, was nicht zuletzt ein Verdienst des dortigen, Bürgermeisters Sperber ist, der einer der verdienten Mitkämpfer Julius Streichers seit Jahren ist * Professor Dr. Franz B1 u m c n t h a I, der Bruder des bekannten Krebsforschers, hat einen Ruf an die Ann Arbor. Michigan University erhalten. Der hervorragende Arzt, der in jüdischen Kreisen besonders bekannt geworden ist durch die Leitung der Dermatologischen Abteilung der Polikliniken der Israelitischen Union, leitete auch über drei Jahre die Universitätshautklinik der Charite. Der ausgezeichnete Gelehrte ist geborener Berliner; sein Vater war der Repräsentant der Berliner Jüdischen Gemeinde, Geheimrat Julius Blumenthal. * Wie das Deutsche Nachrichtenbüro aus Moskau erfährt, uurde auf Beschluß des Zentral-Exekutiv-Ansschusses der Sowjetunion das jüdische Nationalgebiet B i r o ,B i d s c h a n in ein autonomes jüdisches Gebiet -innerhalb des Fernöstlichen Gaues umgewandelt. * In Lima wurde von der dortigen jüdischen Kolonie der „Tag des südamerikanischen Judentums“ gefeiert, der vor drei Jahren zum ersten Mal als Symbol der Einigkeit des südamerikanischen Judentums eingeführt wurde und seither jährlich begangen wird. * Der Auto-Club 1927 stellt Triptiks und Carpets ohne Bürgschaft für seine Mitglieder aus. Durch Entgegenkommen des DDAC ist es gelungen, nunmehr die Ausgabe, die bisher in München, erfolgte, in Berlin sicherzustellen, so'daß in allerkürzester Frist die Ausgabe erfolgen kann. Die- Grenzdokumente sind ausnahmslos bei der Agrippina rückversichert. Antragsformulare sind beim Auto-Club 1927 E. V., Berlin-Charlottenburg 2, Hardeubergstralle 18, Telefon: C 1 Sfeinphjfz 8066, erhältlich. Dezernat für Handelsvertreter Nachdem die jüdischen Handelsvertreter in den neuen allgemeinen Handelsvertretvrverband, den Reichsbund Deutscher Handelsvertreter und Geschäftsreisender, der auf dein Arierprinzip füllt, nicht aufgenommen werden, ist bei der R e i c h s v e r t r e t u n g der deutschen Juden ein Handelsvcrtretcrausschul! gebildet_wordcn. Gleichzeitig wurde im Aufträge der Reichsvertretung beim Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens E. V. ein Dezernat für Handelsvertreter errichtet, das allen jüdischen Handelsvertretern, unabhängig davon, welche innerjiidische Richtung der einzelne hat, zur Verfügung steht. Das Dezernat wirkt im Interesse aller jüdischen Handelsvertreter für die Sicherung und Förderung ihrer Existenz- und Betätig u n gs m ög I i c li k e i t und dient der beruflichen Unterrichtung und Beratung,des einzelnen jüdischen Handelsvertreters. Endlich wird sich das Dezernat die Betreuung vbii in Not geratenen jüdischen Handelsvertretern und der Hinterbliebenen von verstorbenen Handelsvertretern angelegen sein lassen. Das Dezernat wird von dem bisherigen langjährigen Syndikus des Centralverbandes Deutscher Handelsvertreter-Vereine, Diplomkaufmann A. Juliusburg, betreut. Vergessen Sie nicht die Einlösung der Abonnements - Quittung für Juni. — Nur pünktliche- Ein'* lösung sichert regelmäßige Zustellung der ' _ „Jüdisch-liberalen Zeitung“.

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