Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 14 (1934)
- Issue
- 39 (15.5.1934)
- Date
- 1934-05-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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14. Jahrgang Nummer 39 $\oße J)mt&q&q tißer das Judentum „Und ich habe l^essing auch gekannt, ich will nicht sagen, daß er mein Freund gewesen sei; aber ich war der seine. Und ob ich gleich sein credo nicht annehmen kann; so halte ich doch seinen Kopf hoch. . Herrn Mendelssohns Bekanntschaft ist mir nicht beschieden gewesen. Aber ich habe ihn als einen hellen forschenden Mann mit vielen andern geachtet; und als Juden habe ich, wie man sagt, ein tendre für ihn, um seiner, großen Väter und um meiner Religion willen“. Matthias Claudius. Friedrich Wilhelm IV. und der Forscher Im Kaftan Der „maskierte“ Mathematiker Zum 75. Todestag Alexander von Humboldts ln diesen Tagen-"war der 75. Todestag, des genialen deutschen Naturforschers und Entdeckers Alexander von Humboldt. Aus diesem Anlali sei au seine Bekanntschaft mit dem hervorragenden Mathematiker und Astronomen Cli. S. Slonimski erinnert, der, in ßialystok geooren, im Jahre 1844 nach Berlin kam, um hier eine pny’sikäliscne Erfindung zu verwerten. Hier wurde er auch mit Alexander v. Humboldt bekannt," der an dem kenntnisreichen "polnischjüdischen Uelehrten außerordentlich Gefallen fand. Er zeichnete ihn bald durch sein besonderes Wohlwollen aus; Slonimski durfte den- Nestor der deutschen Naturwissenschaft in dessen Heim besuchen und ihm seine eigenen Forschungsergebnisse mitteilen. Die Bekanntschaft mit Alexander, von Humboldt zählte Slonimski zu den schönsten Erlebnissen seines Lebens; er war dein Schicksal dankbar, das ihn mit" dem Nestor der Naturwissenschaft zusammengeführt hatte. Von diesem Dankgefühl legt eine in hebräischer Sprache abgefaßte Schrift Slonimskis , „Ot sikaron. Alexander von Humboldt, eine biographische Skizze“ beredtes Zeugnis ab, die er dem Altmeister der Naturwissenschaft zu seinem achtundachtzigsteh Geburtstage widmete. , Als . Slonimski. im Jahre 1857 zum zweiten Male in Berlin weilte, überreichte er dem greisen Forscher die. biographische Skizze mit einem Begleitschreiben des Orientalisten Dr. Michael Sachs. Darauf erhielt Slonimski von Humboldt folgendes Dankschreiben: Verehrtester Herr Slonimski! Ich bin tief in Ihrer Schuld durch so lange Verzögerung des Dankes für eine Ehre, die Ew. Wohlgeboren mir so wohlwollend bereitet haben. Die imruhige Lage, in der ich lebe, in einer politisch -tind -gesellschaftlich "so bewegten -Zeit, kann mich kaum rechtfertigen. Eine Empfehlung von zwei berühmten, mir so teueren Freunden wie Sessel und Jaeoby, läßt einen dauernden Eindruck. Der hebräischen Literatur leider entfremdet, aber von früher Jugend an mit den Edelsten Ihrer Glaubensgenossen innigst verbunden, ein lebhafter und ausdauernder Verfechter der ihnen gebührenden und so vielfach noch immer entzo-' genen Rechte, binich nicht gleichgültig für die Ehre, die Sie mir erwiesen haben. Das Zeugnis eines tiefen orientalischen Sprachkenners, des vortrefflichen, so mannigfach ausgebildeten Dr. Michael Sachs, kann eine solche Auszeichnung nur erhöhen. Es ist für den biographisch Belobten fast eine Beruhigung, der Ursprache nicht mächtig zu sein. Ich' werdö vom Dienstag an einige Wochen wieder in Berlin wohnen, und vom Dienstag an wird jeden Tag zwischen 1 und 2 es mir eine Freude sein, Herrn Slonimski, falls er nicht schon nach Warschau zurückgekehrt ist, in Berlin zu empfangen und Ihnen den Ausdruck der innigsten Hochachtung mündlich zu erneuern, die" Ihren schönen früheren wissenschaftlichen Bestrebungen gebührt. Ew. Wohlgebofen gehorsamster Alexander v. Humboldt. Potsdam, den 12. Dezember 1858. .. .. Aus der ersten Zeit der Bekanntschaft Slonimskis mit Humboldt verdient noch eine lustige Episode mitgeteilt zu "crde^exander Humbolltt' der bekanntlich ein Intimus Friedrich Wilhelm IV.-war, wußte den König für den jüdischen Gelehrten dermaßen zu interessieren, daß der Monarch ihn zu einer Privataudienz entbot. Humboldt benachrichtigte hiervon Slonimski und gab ihm den Tag an, an dem er ihn beim König einführen werde. Slonimski trug damals die polnisch-jüdische Tracht; da er nur vorübergehend in Deutschland weilte, sah er sich nicht veranlaßt, die „traditionelle“ Kleidung mit einer modern-europäischen zu vertauschen. Allein vor dem König mochte er denn doch nicht so erscheinen. Er verschaffte sich daher schleunigst einen schwarzen Gehrock, weiße Binde und alles andere was zun. „Modemenschen“ gehört. Zur bestimmten Zeit erschien er bei Humboldt. Dieser war nicht wenig erstaunt, einen völlig umgewandelten Slonimski vor sich zu sehen. Aber,'■ lieber Herr Slonimski“, . sagte Humboldt lächelnd, ’\vas fällt Ihnen denn ein, sich zu maskieren. Der König ist gerade auf den Forscher im "Kaftan neugierig.“ Slonimski mußte nach Hause eilen, den neuen „Modemenschen ausziehen und den alten „Kaftanjuden“ wieder anziehen So wurde — wohl zum ersten und einzigen Mal — ein Kattanjude von einem preußischen König in Privataudienz empfangen. JüÖifdMibeuile Reifung Beilage 15. Mai 1934 Aron Bernstein: Uhrmacher Kerkow Die nachfolgende Skizze ist der soeben im Schocken-' Verlag, Berlin, erschienenen Neuausgabe der einst sehr beliebten Novelle ,,Vögele der Aiaggid" entnommen, in .der der Verfasser Aron Berns tein, auf Berthotd Auerbachs Dorftresrhirhlt»n fn üvtut ■»»/»' flil/l,l,tlizi/l,l. fl »-7 uicmers, ist zuerst im Jahre ISob'int ,Jahrbuch für die jüdischen Gemeinden '■ Preußens auf das Jahr 56IS“ veröffenUehl und später immer wieder neu aufgelegt worden. Welchem wissenschaftlichen Reisenden es in den Sinn kommen sollte, einmal die Kehilla F. aufzusuchen, in der unsere Geschichte spielt, dem wollen wir im voraus einen Fingerzeig geben, sich nicht von dem Zustand des Städtchens am Sonntag oder Montag oder Dienstag oder Mittwoch oder Donnerstag zu einem Urteil über dasselbe verleiten zu lassen.- Wer nicht unsere gute Kehilla an einem Freitag oder Sabbat gesehen, der lege die Hand auf den 'Mund und schweige. Von welcher Seite man sich auch der Kehilla naht — man wird an jedem gewöhnlichen Wochentag meinen, eilt Amazonenreich zu betreten, das nur von Frauen regiert wird. Wäre Leeser Schlapp nicht allenthalben auf der Straße zu sehen oder noch mindestens zu hören, und ginge nicht dann und wann einmal ein Boclmr über die Gasse, könnte man auf die" Vermutung kommen, daß das Geschlecht der Männer vertilgt sei von der Erde. Aber am Freitag löst sich das Rätsel. Die- Männer sind seit Sonntag hinaus aufs Land. Nicht etwa, um dem Gewühl der Stadt zu entfliehen und der Ueppigkeit des Landlebens sich hinzugeben, sondern um draußen auf der „Medino“, auf Dörfern, Gütern oder Bauernhöfen ein bischen Tuch oder Kattun oder Stricknadeln foder Hosenträger oder rote Bänder und Schmucksachen, die den Hans in den Augen der Christel und die Christel in den Augen des Hans wohlgefällig machen, zu verkaufen und dafür ein bißchen Wolle oder Felle oder Leder oder Schweineborsten oder Hörner oder Wachs oder Honig oder Talg oder Federn und was sonst Reb Noach Brall im großen und ganzen ^verwerten kann, einzukaufen. Die Stadt bleibt die Woche über unter der Obhut der Weiber und der Kinder sehr wohl aufgehoben. Die paar Männer, die nicht „auf die Medino“ gehen, können durchaus nicht über.ein allzu böses Weiberregiment in den Tagen der Woche klagen. Aber am Freitag, da zieht, ein Vorbild der Zeit des Messias, wo das große Schofarhorn wird gehört werden an allen vier Ecken der Erde, die männliche Bevölkerung von über der Weichsel und über den Sandberg, von hinter de^i Begrähuisort und von. zwischen. den Scheunen wieder heiip, und es. ist ein Gewimmel und ein Getümmel von allen Serien her, daß, soweit man den Blick auch über den "Horizont schweifen läßt, .man nichts sieht als Himmel und Juden. Auch einige Christen wohnten hin und wieder zerstreut u^tgr ihnen; aber daß wir cs nur zur Beschämung aller christlichen Germanen sagen, in niiserm jüdisch-orientalischen Slaal, oder richtiger Städtchen, hatten die paar Christen'durchaus keine Ursache, über Glaubenshaß zu klagen. Sie waren vollständig emanzipiert, noch lauge vorher.emanzipiert, ehe die Nationen ringsumher beglückt waren durch die Grundrechte der Deutschen aus Frankfurt am Alain. _ Nur Ein. Christ lebte unter seinen "völlig gleichgestellten Brüdern, vier die Quelle religiöser Zwietracht war. Sem Name war zwar -Kerkoiv; aller der gute Wachtmeister versicherte bei_ jedem Schnüpschcu, das er am Schablnis m 'Jtidcuhüuscru , trank, und-das tat er nie, ohne auf gut jüdisch „Lvehajim!" zu sagen -- daß er schon hinter die „ Geschichte kommen werde! Der Name müsse falsch sein, deim " der Rosclio müsse" durchaus von l ilus oder I lam.iii oder Pharao ahstaiiimcn und hintergehe demnach die Ubrigkcd durch strafwürdige Täuschungen. Was denn eigentlich Kerkow wollte, war schwer zu ermitteln. Die Emanzipation der Christen war so vii.lst.uidig in I-"., daß sogar einmal zwei der Ratsniäuuer christlichen .Bekenntnisses waren. Mau behauptete zwar später, als bereits die. große Schandtat Kerkows, von der wir sprechen wollen, geschehen war, er habe einmal geäußert, er werde sich* für seinen Sonntag ebenso einen „Sonntag-jiiil" zum l.uiheizeu, Wassertragen u. dergl., w ie die Juden einen „SeliabU-s- Uoi“ halten; aber wir nehmen Anstand, ihm solche Peine onuc sichere Beweise zuzumuten, denn dieser Gedanke grenzt au Wahnwitz. Tatsache aber ist es, daß ‘Kerkow ursprünglich ein Grobschmied war, dann plötzlich mit dem Anspruch auftrat, als Schlosser zu gelten. . In diesem Punkte gab ihm die Kehilla — wir wollen nicht sagen:" mit RechF— nach und iieil sogar von ihm das große Schloß an der Schul einmal reparieren; Aber sein Stolz kanhtc bald keine Ofenzen: er wollte, nun auch der Uhrmacher für die Kehilla. sein. Und hier griff er in die Religion ein. •Die Uhren, die Kerkow reparierte, gingen untereinander in einem sehr verschiedenen Schritt; jedoch" in rder Masse glich sich’s aus. Was die eine vorauf lief, blich die andere nach. Er hatte aber auch die Frechheit zu verlangen, daß der Rabbi, Reb Jizchak Reb Simcha's, seiiie Uhr bei ihm zur Reparatur geben solle; dies jedoch tvar eben die Uhr der Religion; nach ihr klopfte man in die Schul," stand man zu Sselichaus auf, machte man Schabbos und Jomtow inurTnil man ain Taanis an, wenn der Himmel trübe 'über F. hing und kein Sternlicht zu sehen war. Diese Uhr konnte mau ~ seiner Hand nicht anvertraiien, ohne die- Religion zu gefährden, und darum fäßte die schwarze Seele Kerkow» einen Plan der Rache, würdig seines Ahnherrn, denn es War Ihm nicht genug, wenn er sich an dem Rabbi hätte "rächen könnendes sollte die ganze Gemeinde seine Bosheit fühlen. Gang in die Wirklichkeit Unsere jüdische Jugend" ist unphilosophisch geworden. Jeder einzeln« Jugendliche muß heute seinen Gang in die Wirklichkeit antreten; da geht es nicht mehr um Probleme, sondern um die Dinge, für die man sich entscheidet und einsetzt. 'Es bildet sich der ökonomische Typ des Jugendlichen, dem die Sorge um die Existenz, die Sicherung des Daseins das Primäre ist. Die Frage nach dem Sinn des Lebens scheint weltfremde Romantik. Und doch: Der Mensch lebt nicht von Brot allem. Es gibt in jedem Menschen Bezirke, die ins Ewige eingewurzelt sind, Bezirke, die den religiösen Wesensgrund anklingen lassen und den Menschen zum Kulturträger machen. Ich verstehe hier Kultur im Sprangerschen Sinne als Ausdruck von Seele, von ihrem einsamen Erleben tmd ihrem Emporringen zum Geistigen und -sehe als eine der dringlichen Erziehungsaufgaben, daß diese heiligen Bezirke ni-cht von den Alltagsnöten verschüttet werden, daß eine innere und höhere Normwelt im Jugendlichen spürbar bleibt. Man muß dem jungen Menschen den Glauben geben an jenes Geistige, das unverlierbar ist und jeden Wanuel überdauert. Gerade unsere Jugend, der die Welt schon wehe getan hat, der die Begegnung mit Menschen schon das Kückgrad verbogen, sie bedarf des Haltes an Werten, d;e jenseits von Zeit und Geschehen liegen. Vielleicht bricht dann. wieder durch, was ein Denker der Jetztzeit neben der Klarheit der griechischen Philosophen als richtunggebend in unserem Dasein empfindet: die Tiefe der jüdischen^ Seele. S. AL Auch zu anderen bedeutenden Juden unterhielt Alexander v. Humboldt rege Beziehungen, nicht zuletzt ™ '"«•«s Mendelssohn und dessen Familie. Humboldt schreibt selbst darüber In einem Brief: „Seit meiner frühesten Jugend hatte ich die Ehre, ln Deutschland Mit den hervorragenden Männern unter Ihren Glaubensgenossen, welche in der Plu osophie und Mathematik geglänzt haben,^“mSrfler <kr und einer unserer großen und ältesten ,- Freund Lessings, Moses Mendelssohn hatte auf die Erziehung, welche ich und ine i n B r“J,f r ,,u': licher Zeit genossen, Einfluß ausgeubt. Kajserlmg, der Verfasser.der besonders in der Jetztzeit wieder sc>Jesenswert gewordenen Biographie Moses Mendelssohns, nennt diesen deshalb auch mit Recht den eigentlichen Lehrer .der beiden Jünglinge. Cu Jüdische Jugend beim Sport Wer am Sonntag vormittag einmal bei schönem Wetter an den jüdischen Sportplätzen am Bahnhof G r-u n e w a 1 d vorbeigekommen ist, wird gewiß erstaunt gewesen sein über das Leben und Treiben dort. Auf vier verschiedenen, großen Flächen trainieren Fußballer, Hockeyspieler, Handballer und^Leichtathleten, Jungens und Madels in froher Gemeinsamkeit. Es ist ein überaus hübscher Anblick, und. manchen, der zufällig vorüberging, packte wohl schon die Lust, dabei zu sein und mitzumachen. Der jüdische Sport hat einen grollen -Aufschwung in Deutschland genommen. Nicht etwa vom Standpunkte der Rekorde aus gesehen (obschon, wie die Olympiade zeigen wird, die jüdischen Sportler keineswegs, hinter denen anderer Nationen zurückzustehen brauchen), sondern rein von der Freude' aus betrachtet, die breite Kreise der jüdischen Bevölkerung an der sportlichen Betätigung finden. Dieses allgemeine Interesse am Sport war immer schon vorhanden. Aber gerade heute, da die Betätigung von Juden in öffentlichen Sportvereinen unterbunden ist und jüdische Sportler gezwungen sind, sich im engeren Kreise ihrer Glaubensgenossen zusammenzufinden, fällt es naturgemäß besonders ins Auge. Viele kommen heute auf die jüdischen Sportplätze, die vielleicht noch vor einem Jahre in irgendeinem großen deutschen Klub zur sportlichen Elite gehörten und die -sportliche Ehre ihres Vereins erfolgreich im Auslande verteidigten. Sie alle, mögen sie heutejüdischen Vereinen angeboren oder als freie Sportler train.eren, arbeiien emsig weiter an. ihrer technischen und körperlichen Ausbildung. Sie fragen nicht danach, ob und wann und wie" ihre Mühe einmal belohnt werden wird: Sie tun es aus Freude au der Sacht-, aus Lust und Liebe an der . sportlichen Betätigung. Wenn man stell die braungebrannten, sehnigen Gestalten jtn Gruriewald näher auscliailt, "findet man vicic Gesichter, denen unverkennbar der Stempel des Geistigen aufgedrückt ist. Intellektuelle aller Berufe suchen und linden liier ihr gesundes Gegengewicht gegen die Einseitigkeit einer nurgeistigen Betätigung. Es ist ja gerade das Wunderbare am— Sport, daß er gleichermaßen an "die körperliche Gewandtheit wie an die Intelligenz des Ausübenden die höchsten Anforde- . rungen stellt uiid somit den ganzen Menschen erfordert. Besonders1 bei den sogenannten „technischen“ Übungen (Kugel*, Speer, Stabhochsprung und vor allem Ikskuswerten) ist .dies der Fall. Nur der wirklich ernsthaft ArhcilendtTTviril . es hier zu einer halbwegs sichtbaren Leistung bringen. Es'ist schließlich kein Zufall, daß sich unter den Leichtathleten die geistige Elite der jüdischen Sportler befindet. Das war (rüber so in den öffentlichen Klubs (Nathan «ml Gerber im S.C.C.I) und ist heute noch , so in-den jüdischen Vereinen. Sehr wesentlich für den jüuischcn Sporttreibenden ist es, daß er im ürunewald das Gefühl einer Gemeinsamkeit und einer fachgemäßen sportlichen Anleitung hat. Als Einzelgänger zu trainieren, ist auLdie Dauer unmöglich. Anreiz zu. weiterem Fortschritt gibt einzig und allein die Gemeinsamkeit der Arbeit und die Vergleicnsmöglichkcit milllen Leistungen anderer, ganz zu schweigen davon, daß erst der Wettkampf die letzten Kraftreserven aus dem Sportler hcrausholt. Wer zeitweise allein arbeiten will, findet dazu Gelegenheit genug. Noch wichtigerfast als die Trainings- Gemeinschaft ist das Vorhandensein einer fachgemäßen Kontrolle. Wer nicht auf Abwege geraten und sich in seiner Technik verrennen will, bedarf immer wieder des prüfenden Trainers. Einen guten und einfühlenden Trainer zu linden, ist wohl mit das schwerste Kapitel'für jiden Sportler. Ex jlarf hier gesägt werden, daß in dieser Beziehung auf den Spielplätzen im Grunewalil bestens Vorsorge getroffen worden ist. Die jüdische Gemeinde" hat sich mit der Errichtung der Sportplätze im ürunewald ein großes Verdienst um die Förderung des jüdischen Sports in Deutschland erworben. Um so notwendiger ist es, daß diese Plätze als die einzigen ihrer Art in-der Umgebung Berlins mit all jenem Komfort ausgestattet werden, der zur sportlichen Ausübung notwendig ist. Besonders wichtig und dringend ist es, daß gute Brausc- und Waschanlagen geschaffen werden. Auch für Ur.isflädien auf den für die Handballer und Werfer bestimmten Platzen müßte gesorgt werden. .Wenn diese beiden l aklorcii erfüllt sein werden, wird man die Plätze im Oritnewald ihrer ganzen Lage nach als ideal ansprechen können.. Wer sich das Lehen und Treiben dort ansicht, wird eine I e b e n s b e j a h e n-d e , ihrer Werte bewußte Jugend äntreffen, deren Kräfte durdi keinerlei Schicksalsscliläge zu brechen sind. Leviuthun.