Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 14 (1934)
- Issue
- 31 (17.4.1934)
- Date
- 1934-04-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Von jüdischem Wort und jüdischem Brauch Die Sefirab — das Zählen die TaleeTdfr Seff^h"mem7P-lS,Sach' Und W°<*enfest werden Gebot ihrefbtS™i i’«deS?ahlensgenannt. Das biblische ^n" cT.-K» ’ n ,w0IYdem weiten Tage des Pessach- End? dann w° lf 'fochenr abg«ühlt werden, an deren ,imderhM^?ni gefeiert wird. So wird es denn umerbruchlich auch bis heute gehalten, und zwar wörtlich: Sfs wil* J3g U"J. Jag„4blSx?Um neun' und vierzigsten Tage. |P„J.T vl u"bed,.nglc Notwendigkeit in den Zeiten, in;rt,ta ender n,cht fcst,ag> in denen der Tag der Feste darum nicht im voraus genau zu wissen war. Die Frage erhebt sich, was hat das alles für einen Sinn, wenn, wie heut, der Kalender festliegt, und man durch einen Blick in den in jedermanns Hand liegenden Kalender'— Luach — den Termin des Wochenfestes erfahren kann? Die rrage ist in dieser Form nicht nur eine heutige, sozusagen r!“ ,,en, ,ruc ,.en der Buchdruckkunst zusammenhängende. Der Kalender liegt seit rund 1500—1600 Jahren fest, ein “■™fm uber den Tag des Wochenfestes''ist seit dieser Zeit nicht mehr gegeben. Und wenn man auch sagen kann, daß die Frage insofern doch eine heutige, eine der letzten rationahstischen Epoche des Judentums ist, als man in früheren Jahrhunderten nicht nur das Gebot in seinem großen Zuge, sondern auch in seinen Einzelheiten als so unbedingt göttlich empfand, daß man diese Einzelheiten nicht der Kritik unterwarf, sie nicht aus zeitlichen Lebensverhältnissen erklärte, .also in jenem Zahlen, auch wenn es keinen praktischen Zweck' mehr “a“U, ein Gebot verehrte, immerhin es ist seit langem doch So, daß im Grunde das wort-wörtliche Tag um Tag geübte Zählenkeinen unmittelbaren Zweck mehr hatte und also m Frage stand. Es wird auch, wenn man noch so energisch von den vielen dem Brauchtum entfremdeten -Juden unserer Tage eine Umkehr und Rückkehr fordert, ein neues Verständnis für die Notwendigkeit von Formen, die persönliche Frömmigkeit und jüdisches Gemeinschaftsbewußtsein miteinander verbinden, bei dieser Form, dem Zählen der Omertage — so heißen die Tage in Anlehnung an - das Omermaß der neuen Gerstenemte, das am Pessach als Opfer dargebracht wurde. — nicht gefordert werden können, daß man buchstäblich zu ihr zurückkehre. Auch, bei einer neuen Schätzung des Irrationalen in dem Umkreis des Religiösen, wird der liberale Jude doch nie darauf verzichten können, daß aLles, was geschieht, sinnvoll Sri und nicht nur leeres Schema. Aber wenn man auch nicht wortwörtlich das Zählen übt, i-erden zu lassen, die bei den Alten und ihrer Sefirah n... schwangen, umsomehr als die Zeit der Sefirah eine besondere Betor.theit im Ablauf des religiösen Jahres hatte. Sie galt als eine Zeit geminderter Lebensfreude. Eine talmudische Legende berichtet von einem in diesen Wochen gewesenen großen Sterben unter den Kindern des Lehrhauses. Und darüber hinaus ist die Zeit zwischen Pessach und dem Wochenfeste im Gedächtnis der deutschen Juden eine Zeit der Schliere und der Trauer. Denn in eben diesen Wochen ereigneten sich während des ersten Kreuzzuges die traurigen Geschehnisse, denen damals die blühenden Gemeinden am Rhein zum Opfer fielen. Und daß es notwendig ist, an Zeiten der Bedrängnis, die zugleich Zeiten einer beispielhaften Treue und Standhaftigkeit waren, nicht zu vergessen und sie im Gedächtnis festzuhalten, wer wüßte und empfände das deutlicher als unser Geschlecht. Zählen — war Ausdruck des Wartens auf einen Tag der Lösung. Und zugleich der Hoffnung und Gewißheit, daß er kommen würde. Zählen — das war Ausdruck der Geduld, des Verzichtes auf alles Drängen und Eilen. Wer in der Gewißheit zählt, daß ein erwarteter Tag kommen müsse, der wird nicht, um mit den Worten der Alten zu reden, „das Ende stoßen“, wird nicht in jäher Vordringlichkeit ein Ende vorwegnehmen wollen, ehe es gereift ist; er wird seine innere Ruhe nicht verlieren, und mit ihr das nicht zu erschütternde Vertrauen. Zählen — das ist schrittweises Sichvortasten auf seinem Wege, ist Bedachtsamkeit und Überlegtheit. Zählen — ist ein Stetiges, das nicht unterbrochen werden darf, wenn nicht das Ganze gefährdet sein soll, ist ein Wissen darum, daß es bei aller Ruhe nicht ein unbefugtes Verharren und Verweilen geben darf. Zählen, das ist Achthaben, Gesammeltheit des Gedächtnisses. Zählen" ist ein Wissen darum, daß der Tag und die Tage rinnen und genutzt werden müssen, daß was vorüberging nicht mehr zurückgeholt werden kann, daß jedem Tag sein Recht und seine Eigenheit zugemessen ist. Bei den Alten, die'naiv das Gebot dieses Zählens übten, schwang all dies mit, und jede Schwingung der Seele hatte naturgemäß ihre Nebenschwingungen, die auch mit jeweiligem Erleben zusammenhingen. Aber all das, was da mitschwang, ist es nicht auch uns notwendig, ist es nicht ganz und gar heilig? Das Zählen als Gebot mag uns als gestrig erscheinen, aber übrig bleibt trotz allem die Sefirah in ihrer Eigenart und Beseeltheit. M. D. . Was der Kulturbund im Sommer macht Dr. T. Simon: Mein erstes Interview , - Wir haben kürzlich unter der Überschrift „Was macht der Kulturbund im Sommer?“ ein paar launige Verse veröffentlicht. Hier ist die Antwort: Ich habe noch niemals jemand interviewt, ich selbst bin unzählige Male „ausgefragt“ worden. Meistens war eine stattliche Corona von Gelehrten um mich herum versammelt, und fragte, fragte; das letzte Mal hatte ich mich mindestens ein halbes Jahr auf diese Fragen vorbereitet. Trotzdem war 'ich froh, als das Examen, denn.darum handelte es sich, glücklich vorüber war! > Diesmal war es umgekehrt; ich, der Frager, hatte mich vorbereitet, hatte zu Hause ejnen ganzen Aktenbogen voll Notizen geschrieben und machte mich mit einiger Sicherheit auf den Weg. Ich erinnerte mich, schon einmal ein Interview großen Stils mitgemacht zu haben; damals war ich noch ein Junge, die Universität, Straßburg feierte ihr Jubiläum; Erich* Schmidt kam aus Berlin, um die Festrede zu halten und war in alter Freundschaft, im elterlichen Hause abgestiegen. Ermatte oben das Fremdenstübchen bezogen; ich half ihm beim Auspacken; er stand am Fenster, ließ den Blick über die 111 schweifen, dachte mit Wehmut des frühverstorbenen jüdischen Germanisten Joseph, dessen rötlich gestrichenes Haus man im Abendschimmer sah; dahinter breitete sich die , grüne Ebene weithin aus. Vor seinen Augen zog die Seesenheimer Landschaft vorüber, die eigene Studentenzeit, die -„Samstagsknetpe“, die „Friederikenlaube“ ... Es klopfte, nicht einmal, sondern wieder und wieder; hereintraten die Reporter der „Frankfurter Zeitung“, der „Voß“, des „Berliner Tageblattes“, des „Temps“, der „Times“, der „Kölnischen Zeitung“, der „Münchener Neuesten Nachrichten“. Sie alle bestürmten ihn mit Fragen, worüber er in seiner Festrede in der Aula sprechen würde; Erich Schmidt, der ' kein Manuskript hatte, der sich die Disposition während der Fahrt erst überlegt hätte, sagte kurz entschlossen: „Meine Herren, Fragen hat keinen Zweck; es kommt dabei nichts Richtiges heraus; ich werde Ihnen kurz erzählen, worüber ich zu sprechen gedenke; bringen Sie das, es wird vielleicht zutreffen!“ Die Herren setzten sich um den Tisch auf Sofa und Stühle, und schrieben nach Diktat. Ich ■ dachte, haben die es aber bequem! In Erinnerung daran, beschloß auch ich, einen Mann zu interviewen, und zwar einen, der-im Mittelpunkt des jüdischen Lebens steht, der gewohnt ist, „ausgefragt“ zu werden, und der weiß, was er will. Ich ging zu Dr. Kurt Singer. ' Ich wartete im Vorzimmer. Eine Stunde vergeht schnell! Ich werde eingelassen. Ein breites, wohnliches Zimmer, dann der Flügel und der große Schreibtisch. Singers liebenswürdiger Gruß gibt mir die Gewißheit, daß er entschlossen ist, mir Auskunft zu geben. „Es wird Ihre Leser-ja wohl am meisten interessieren,“ beginnt er, „von den ,kommenden Dingen* einiges zu erfahren. Dem Geschmack des Publikums soll insofern Rechnung getragen werden, als demnächst ,Was Ihr wollt* gegeben Niemand braucht Angst zu haben, daß es im. Sommer'im Kulturbund eine Saison morte geben wird. Im Oegenteil, es wird sehr unterhaltsam werden. Ein Bunter Abend wird stattfinden, bestehendaus einem Einakter, einem Singspiel und einem richtig gehenden oder, besser gesagt, richtig tanzenden Ballett. Dann ist ein Kindertag vorgesehen, mit Vorführungen, Verlosungen und all dem, was jüdische Kinder begreifen und bejubeln werden Ende Mai findet unter der Devise ,Die schaffende Frau* eine kunstgewerbliche Schau statt; dazu gibt es einen einleitenden Vortrag und ein interessantes Rahmenprogramm. Ferner sollen, in anderem Zusammenhang, Vorträge aus dem Gebiete der Medizin und der Naturwissenschaften geboten werden. Daß Rosa V a 1 e 11 i verpflichtet ist, werden Sie vielleicht schön wissen, dal! auch einer unserer prominenten Schauspieler in unserem Theater auf der Bühne erscheinen wird, kann ich Ihnen unter dem Siegel der Verschwiegenheit anvertrauen. Gute Rätselrater werden möglicherweise wissen, wen ich meine, die andern mögen sich trösten; sie werden es aus den Ankündigungen rechtzeitig genug erfahren.“ Das Telephon geht. Ich verabschiede mich.' Der Vorsaal ist voll von Künstlern, die ihre Anliegen Vorbringen wollen. Auf der Bühne unten wird bereits das neue Stück geprobt. . bie Plakate für den „Judas Maccabäus“ werden gebracht. -Die Sommersaison des Kulturbundes kann beginnen. . Der deutsche Offenbach Im Anschluß an die Aufführung von „Hoffmanns Erzählungen“ im Theater des Kulturbunds deutscher Juden wird uns von einem Leser unseres Blattes geschrieben: Es dürfte gerade heute nicht ohne Interesse, sein, an einen Brief zu erinnern, den Offenbach im August 1870, als die deutschen Truppen bereits siegreich auf Paris marschierten, an den damaligen Verleger und Herausgeber des „Kladderadatsch“, Albert Hofmann, gerichtet hat, und dessen Inhalt zeigt, wie energisch der Franzose Offenbach sich gegen die Unterstellung wehrt, etwas Unfreundliches gegen .sein altes Vaterland unternommen zu haben. Der in deutscher Sprache geschriebene Brief lalltet in genauer Wiedergabe mit all seinen grammatikalischen Schnitgeschrieben habe. $aris verdanke ich meinen Ruf, ich bin ürger Frankreichs (seit dem 14. Jahre lebe ich in Paris), bin Witter der Ehrenlegion, und obschon alle dieses, würde ich es für eine Infamie halten, gegen meinem ersten Vaterland, gegen dem Land, wo ich geboren, gegen dem Land, wo ich viele nahe Verwandten und sehr gute Freunden habe, auch nur eine Note zu schreiben. Ich danke Ihnen, mir die Gelegenheit gegeben zu haben, Ihnen dieses zu erklären und an alle meinen guten .Freunden sagen Sie, was ich von dieser niederträchtigen ‘Lüge denke. - Meinen besten Gruß Ihr Jacques Of-fenbach. Dem Brief lag ein Zettelchen folgenden Inhalts bei: Ich bitte diesen Brief la plus grande publication zu feben — s’il v avait des fautes — corrigez les — seit 5 Jahren; daß ich in Frankreich lebe, kann ich ein bische« das Deutsche verlernt haben. ' Es ist nicht bekannt geworden, oh der Brief damals die gewünschte weiteste Verbreitung gefunden hat. Jedenfalls zeigt er eine erfreuliche Haltung und Gesinnung des Verfassers. Hiet antwortet die <£•* * Sportfreund. Daniel ,M endo z a war ein Kollege von Max Baer. Er war 1701 als Sohn armer Eltern in einem Londoner Vorort geboren und wurde später einer , der bekanntesten englisch-jüdischen Boxer, der auch den Weltincistertitel errang. Mendo/a hat viel zur Verbesserung der Boxtechnik seiner Zeit, beigetragen. A. N. Berlin. Die erste vollständige Gehetsamm-* 1 u n g legte üaon Ainrani au, der von SOU bis SSO Oberhaupt der Hochschule in Sura in Rabvlonien war. Der Grund zu einem Gebetbuch wurde bereits zu Esras Zeiten um das Jahr 451) vor der gewöhnlichen Zeitrechnung gelegt. Die erste gedruckte Tefilla wurde anfangs des sechzehnten Jahrhunderts in Italien von der jüdischen Druckcrfamilic Souciuo hergestellt. H. K. Es freut uns, daß Ihnen die Abschnitte, die wir aus Anlaß des 70. Geburtstages von Professor Franz Oppenheimer aus seinem Buch „Erlebtes, Erstrebtes, Erreichtes“ veröffentlichten, gefallen haben. Das Buch selbst ist als Publikation des Heinebundes, Berlin, erschienen. Historiker. Eine sehr hübsche mul bequeme Übersicht über alle wissenswerten Daten der jüdischen Historie Finden Sie in den „Zeittafeln der jüdischen Geschichte und L11eratu r“, die in der Bearbeitung von Dr. Moritz Stern soeben in dritter vermehrter Auflage im Verlag Hausfreund erschienen sind. Das Werkelten enthält auch Daten aus der allgemeinen Geschichte. _ In den oberen Räumen des Cafe Leon, Kurfiirstendainm t Mittwoch, 18. April, nachmittags 4.30-Uhr, .. - r Künstlerhilfe der jüdischen üeunter dem Protektorat d _ ,... meinde ein Hausfrauennachmittag veranstaltet. Hans . Meyer konferiert, Alice Klein (Klavier), Irmingard Wiln ,t—s *=--*■ *-*-ä Hilde Marx (Rezitationen). (Tanz), Ernst Hopp ui Umzüge, Spedition Massiver Lagerspeicher. Beratung kostenlos s. simonowitz, schOMDerg. Brunewaidstr. 65 staati. Lotterie-Einnahme Für Mk. 3,- Hlrscfiberg '/«-Los nur 3 RM. Ziehung L Kl. 20. u. 21. April 1034 |s LOS •In VermBgen d. «• matt. Urttarie Denan« *a AnnlafospUtt Gottesdienste Liberale Synagoge Norden, Schflnhauser Allee 162 Freitag, 20. 4., 7,15 Uhr. Predigt: Dr. Hirschberg. — Sonnabend, 21. 4., 10 Uhr: Ziinct (Einsegnung). - Im Jugendheim der Liberalen Synagoge Nordqn, Schönhauser Allee 31, lF Jeden Dienstag, 7 Uhr: Treffpunkt für Mitglieder, Freunde und Interessenten. . Liberale Synagoge Osten, Aula Kalsentr. 30 Freitag, 20. 4., 7.30 Uhr. Predigt: Dr. Plotke. Liberale Synagoge Nordost, Prenzlauer Promenade 176. Freitag, .20. 4., 7J5 Uhr. Predigt: Zimet.; Liberale Synagoge Weddlng-Reinlckendorf, SeestraBe 44 Freitag, 20. 4., 7.30 Uhr. Predigt: Wrgszinski. Jüdische Reformgemeinde Logenhaus, Joachlmsthaler Str. 13 Freitag, 20. 4., 6.30 Uhrr Dr. Gottschalk. Jüdische Reformgemeinde JohannlsstraBe 16 Somjtag, 22. 4., 10 Uhr: Dr. Rosenthal. 3amMoH-<ekroHl& (Aufnahmen In die«« Rubrik kMtenloi.) In Hamburg feierten Herr Abraham Hammer und Frau Rosa, geb. Kasten, die Barmizwah ihres Sohnes Jacob. Fräulein Lotte Ka I w a r.is k i. und Herr Gerhard Gerechter begingen in Berlin NO ihre Verlobung. Herr Max Jonas vollendete dieser Tage in Berlin- Charlottenburg sein 70. Lebensjahr.- In Altona-Ehrenfeld feierten Herr Bernhard Ne'umann und Frau Dora, geb. Brzezinski, ihre Vermählung^ Frau Mathilde Weil und Frau Laura Levy können in Landsberg (Warthe) in diesem Monat ihren.80. Geburtstag feiern. Frau Adele Hi.rschfeld, geb. Preuß, begeht in dieser Woche in Breslau ihren 70. Geburtstag. Leopold Aschner Dem Vorstände d« rtckhaltunc^uml' perrOnlkbe' Beicheidenhe liebem Stolz und Orzdhelt der Lebemführu zutrüh Dabingeschledeoen stets ein enrendi Der Vorstand der Syi