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Jüdisch-liberale Zeitung · 1934-04-10 · 29 (10.4.1934) · page 4

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
14 (1934)
Issue
29 (10.4.1934)
Date
1934-04-10
Page
– (sequence 4)
Language
German
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ln der nächsten Woche: Beginn des Hauptverfahrens im Arlosoroff-Mordprozeß Der l^ord am Strand von Tel-Aviv Wie (ins Jerusalem gemeldet wird, soll das Hauptverfahren im Arlosoroff-Mordpro2eß am 16. April vor : dem Joffner Gericht \cröjjnet werden. Bei der außerordentlichen Bedeutung des Prozesses, der voraussichtlich das \ längste bisher in Palästina durchgeführte Strafverfahren sein wird, glauben wir es unseren Lesern schuldig zu sein, '■ die verwickelte Vorgeschichte einmal im Zusammenhang darzuslclien, und zwar nach einem aktenmäßigen Bericht,; den die Wiener Neue Freie Presse veröffentlicht. Danach haben sich die Dinge folgendermaßen abgespielt. Gegen drei junge Juden richtet sich das Verfahren, die der Ermordung des Dr. Arlosoroff beschuldigt werden, gegen Abraham Sta_vsky , Zwi Rosen bl att und Abba Achi Meir. Acht Monate lang wahrte die Voruntersuchung. Um diesen Prozeß und um den Mord, mit dessen Aufklärung er zu tun hat, dreht sich seit!dem vorigen Sommer fast die gesamte palästinensische Politik, und es ist wohl kaum zuviel gesagt, daß der Prozeß das entscheidende Ereignis ist, von dem das Geschick der Nationalbewegung und Palästinas auf absehbare Zeit bestimmt werden wird. Das Opfer und die Angeklagten ' Arlosoroff war eine führende Persönlichkeit der Jewisli Agency. Er war Sozialist und Mitglied der Arbeiterpartei. Die drei Angeklagten sind Mitglieder der von Jabotinski geführten Revisionistischen Union, die im schärfsten Kampfe mit der Arbeiterpartei steht.- Einer von ihnen, Achi Aleir, gehörte dem Zentralkomitee des revisionistischen Landesverbandes in Palästina-als einer der bekanntesten Ideologen der Bewegung an. Kaum war der Mord geschehen, da wurde von sozialistischer Seite die Losung verbreitet: „Das haben die Revisionisten getan!“ Die Masse stand nach diesem unerwarteten Ereignis ratlos und verwirrt da und folgte dem, der ihr als erster dies Parole gab. Mit der Losung: „Die Revisionisten haben Arlosoroff ermordet!“ siegten die Sozialisten in dem vorher für sie aussichtslosen Wahlkampf zum letzten Zionistenkongreß. Die sozialistische Arbeiterorganisation, die Histadruth, und die mit ihr nun fast identische Jewjsh Agency identifizierten sich mit der Anklage, engagierten die ' vier bekanntesten jüdischen Anwälte des Landes, offiziell zur Vertretung der privaten Entschädigungsklage Frau Arlosoroffs, der Witwe des Ermordeten, gegen Stavsky, in Wahrheit jedoch zur Unterstützung der Anklagevertretung. Die Histadruth setzte ein besonderes Bureau ein, daß sielt mit der Beschaffung von Material gegen die drei Revisionisten befaßte. Die Freunde der völlig mittellosen Angeklagten mußten eine Sammlung veranstalten und einen Anwalt aus London, den Barrister Horacc Samuel, herbringen, um eine . ausreichende Verteidigung gegen diese Offensive zu sichern. .Wie spät ist es?“ In dieser überreizten politischen Stimmung begann die Voruntersuchung. Sie war öffentlich. Im Richterstuhl saß Kommandant Bodillv, englischer Friedensrichter von Jaffa, im Gerichtssaal, wenigstens in den ersten Wochen, ein Kopf an Kopf gedrängtes Publikum. Und mit der Voruntersuchung begann der große Umsclnvung der öffentlichen Meinung. H au ptb e 1 astun gs zeugin war Frau Arlosoroff. Sie erzählt, wie die Tat geschah. Am 16. Juni, abends, ging sie mit ihrem Mann den Strand von Tel-Aviv entlang durch eine menschenleere Gegend. Zwei Leute gingen vor ihnen." Ihr war das unheimlich, und sie veranlaßte ihren Alaun, . kehrtzumachen. Die beiden Leute holten sie schließlich ein. Der eine war groß und dick, derandere klein und schlank. Der Große fragte Dr. Arlosoroff hebräisch: „Wie spät ist cs?“ Arlosoroff antwortete: „Warum belästigt ihr uns?“ Darauf leuchtete der Große ilun mit einer Tasclicnlaterne ins Gesicht und der Kleine feuerte einen Schult ab; der ihn niederstrecktc. Die beiden Alörder liefen sofort weg. Drei oder vier Tage nach dem Alord will Frau Arlosoroff in Stavsky den „Großen“, ein paar Wochen später in Rosenblatt Öen „Kleinen“ erkannt haben. Stavsky selbst behauptet, daß er in der 'Mordnacht in Jerusalem war, wollig er schon am Morgen fuhr, um eine Paßangelegenheit zu erledigen, wo er um hall) neun in einem kleinen Restaurant Abendbrot aß und dann in sein Hotel schlafen ging. Kosenblatt erklärt, daß er zur Zeit, da das Verbrechen geschah, in der Kolonie Kfar Saba, etwa drei Viertelstunden Autobusfahrt von Tel-Aviv entfernt, all einer Versammlung der revisionistischen Arbeitefgruppc teilgcnonimen habe. In der Rolle Zolas Da erschien der Alaun auf der Bildfläche, der in dieser Tragödie die Rolle Zolas spielt, der hebräische Schriftsteller Ben-Zion Caz. ln einer Broschüre: „Ich kann nicht schweigen!“ erklärte er, daß Frau Arlosoroff gleich nach dein Alorde mit Bestimmtheit behauptete, der Alaun, der den Sclmli abgegeben hatte, sei ein Araber gewesen, und daß sie bei verschiedenen Identifizierungsversuchen Leute von ganz anderem Typus der Täterschaft verdächtigt habe. Und seine Behauptungen werden hestätigt. Das verschwundene Protokoll Vor Gericht erscheint ein Ingenieur und sagt aus, Frau Arlosoroff habe erklärt, einer der Alörder sei ein Jude gewesen und bei dem anderen sei sie zu neunzig Prozent sicher, daß’er ein Araber war. Es erscheint ferner der erste Polizeibeamte, der mit Frau Arlosoroff an dem verhängnisvollen ■Abend nach dem Alord gesprochen hatte. Auf die Frage, wer -die Alörder waren, habe Frau Arlosoroff geantwortet: „Araber“. Der Polizeiheamtc erklärt, daß er nach dem Tclephongespräch Frau Arlosoroffs Schilderung der Ereignisse jenes Abends zu Protokoll näh in. Der die Anklage vertretende Polizeioffizier will von diesem Protokoll nichts wissen. Aber die Behauptung des Polizeibeamten, daß er Frau Arlosoroffs Angaben iiiedergeschriebcn und einem Vorgesetzten übergeben hatte, wird durch die Aussagen eines seiner Bekannten, der dabei war, und der Pensionsinhaberin bestätigt. Das erste Protokoll mit der ersten Aussage der einzigen Tat/eiigen-ist verschwunden. Die letzte Verabredung der Verschworenen Das- Publikum fragt: „Wie konnte Frau Arlosoroff zwei europäische Juden ganz und gar nichtarühischen Tvps als -Mörder erkennen, nachdem sie vorher erklärt hatte, daß die Täter, oder wenigstens einer von ihnen, Araber waren? Da kommen aber die Zeugen für Stavskys Identifizierung. Sie berichten, daß Frau Arlosoroff zunächst Stavskys Photographie mit einer Reihe anderer Bilder vorgelegt wurde. Frau Arlosoroff hatte gleich nach dem Alord der Polizei berichtet, daß der Große ein Alann mit Kragen und Schlips war. Sie tipte auf das Photo Stavskys, denn unter den Bildern, die man ihr vorgelegt hatte, kam der Kleidung wegen kein anderes in Frage. Darauf soll sie Stavsky selbst unter einem Dutzend oder mehr Leuten erkennen, die in einem Zimmer in Reih und Glied aufgestcllt sind. Stavsky ist dabei nach' Aussage eines Zeugen dadurch kenntlich, daß vor ihm ein Polizist aufgepflanzt ist. Frau Arlosoroff unterschreibt erst nach ein paar Tagen das Protokoll, daß sie ihn erkannt hat. Es erscheint ein wegen Viehschmuggels vorbestrafter Mann, in dessen Holzbaracke in Tel-Aviv Stavsky und Achi Meir ein Zimmer gemietet haben. Er will die beiden etwa vier Stunden vor dem Mord vom Hofe aus durch die halboffene Tür gesehen haben. Das war nach Anächt der Polizei die letzte Beratung der Verschworenen, deren Haupt Achi Meir gewesen sein soll. Neun Atänner aus den verschiedensten Kreisen, darunter in ganz Palästina bekannte Persönlichkeiten, erklären dagegen, daß sie Achi Meir um dieselbe Zeit oder eine halbe oder eine Stunde später in Jerusalem begegnet sind. Das Geständnis des Arabers Abdul Medjid ... Dann kommt die große Wendung: Eines Morgens erhebt^ sich der Verteidiger Horace Samuel bei Beginn der Ver-' handlung und erklärt, der Generalstaatsamvalt habe ihm bestätigt, daß ein Araber namens Abdul Medjid, der wegen Ermordung eines Barbiers in Haft sitzt, gestand en habe, er habe zusammen mit seinem Freunde Issa Derwisch den Mord an Dr. Arlosoroff begangen. An jenem Tage ist auf den Straßen Tel-Avivs ein Freudenfest. Fabriken uno Büros leeren sich, Massen sammeln sich vor dem Gebäude der sozialistischen Arbeiterorganisation an, und verlangen eine Erklärung für die Beschuldigung der Angeklagten. Ein sozia- 1 listischer Führer erscheint und erklärt, man forsche noch nach, was geschehen sei. . . . und der Widerruf Kurz danach können sozialistische Pamphlete, noch bevor das entsprechende Material dem Untersuchungsrichter vorgelegt wurde, mitteilen, Abdul Medjid habe der,Polizei gegenüber sein Geständniswiderrufe n und erklärt, er sei von den Angeklagten mit Hilfe eines anderen Arabers bestochen worden. Es stellt sich heraus, daß Abdul Medjid zehn Tage bei seinem Geständnis geblieben war und daß es der Verteidigung erst mitgeteilt wurde, als er es widerrufen hatte. Gleich nach dem Widerruf wurde er vor den Jerusalemer Untersuchungsrichter gebracht, wo man ihn die Rücknahme des Geständnisses beschwören ließ. Nach Ablegung des Geständnisses selbst war er nicht vor den Untersuchungsrichter gebrächt worden. Die Polizei gibt zu, daß man bei Issa Derwisch, der alles, was Abdul Medjid gesagt hatte, abstreitet, Nagan-Kugeln gefunden habe, und mit einer Nagan-Kugel war Arlosoroff nach ihrer Angabe getötet worden. Aber diese Kugeln sind von der Polizei nach ihrem Eingeständnis vernichtet worden. Map kann also nicht mehr feststellen, ob sie dasselbe Kaliber haben wie die, durch die Dr. Arlosoroff getötet wurde. Der belastende Anzug Abdul Medjid hatte in seinem Geständnis den Mord folgendermaßen geschildert: Er und Issa gingen am Strand von Tel-Aviv spazieren. Da sei ihnen nahe dem mohammedanischen Friedhof, der Mordstelle, ein Jude und .eine Jüdin entgegengekommen. Issa fragte den Juden, wie spät cs sei. Dieser antwortete, in der Dunkelheit könne man nichts sehen. Darauf habe er dem Juden mit einer Taschenlampe auf die Hände geleuchtet, und Issa habe den Revolver gezogen, um den Juden zu verjagen und dann der Jüdin Gewalt anzutun. Aber der Jude lief nicht weg, sondern ging auf Issa los, der darauf scholl. Daun liefen sie beide schleunigst weg. Vor Gericht sagen Abdul Medjid und Issa, sie wären nie in Tel-Avi v gewesen. Aber Samuel lädt Schutzleute als Zeugen vor, die erzählen, daß beide oft in Tel-Aviv waren, und Abdul Medjid der Polizei dafür b'ekannt war, daß er Frauen belästigte. Nach Abdul Medjids Geständnis trug Issa bei der Ermordung des Barbiers denselben Anzug wie bei der Ermordung Arlosoroffs. Man bringt diesen Anzug vor Gericht. Issa gesteht, daß er gefärbt ist. Ein englischer Sachverständiger stellt fest, daß er vorher hell war und ein Zickzackmuster hatte. So hatte Frau Arlosoroff den Anzug des Mörders, der den Schuß abgab, beschrieben. Das Aussehen ,Abdul Medjids und lssas paßt zu der Personalbeschreibung, die Frau Arlosoroff von den' Tätern gegeben Streit um den Revolver Da gibt es eine neue Untersuchung . .. - „ „-, — „Kleine“ genau vor ihrem Manne stand, als er den Schuß abgab. Nach dem ärztlichen Befund ging der Schuß jedoch von scharf rechts in Dr. Arlosoroffs Seite. Rechts von ilun stand aber nach ihrer eigenen Aussage Frau Arlosoroff. ln der Aktenmappe des Toten hatte man seinen Waffenschein gefunden, aber nicht seinen Revolver. Dieser wird auf Verlangen Samuels .schließlich vor Gericht gebracht. Samuel behauptet, die Kugel, die in Arlosoroffs Körper gefunden wurde, passe zu dem Kaliber des Revolvers, wie es auf dem Waffenschein verzeichnet sei. Die Anklage bestreitet es. Schon lange vorher hatte Frau Arlosoroff vor Gericht behauptet, daß sie den Revolver zur Zeit des Mordes nicht bei sich hatte. Da erscheint als Abschluß der Voruntersuchung Ben- Zion Caz, der neue Zola, mit einer zweiten Artikelserie, in der er erklärt, ein bekannter Sozialistcnführer, jetzt Mitglied der Jewisli Agency-Exekutive, hätte kurz nach dem Mord dem Vizcbürgermeister’und einem Stadtverordneten von TeJ-Aviv hei einer Beratung berichtet, Frau Arlosoroff habe ihm erzählt, daß sie.zur Zeit der Untat den Revolver ihres Mannes hei sich hatte, aber vor Entsetzen versteinert war und ihn deshalb nicht gebrauchen konnte. Der Sozialistcnführer dementiert sofort in der Presse. Aber der Vizebürgermeister und der Stadtverordnete bestätigen, in. einem gleichzeitig veröffentlichten Brief ausdrücklich Caz’ Behauptung und erklärten nur, es sei nicht von dem Revolver des Mannes, sondern von einem Revolver im allgemeinen die Rede gewesen. - ln diesem Stadium der Dinge liegt der Fall jetzt dem Kriminalgericht vor. Uniformverbot für jüdische Jugendbünde Der Reichsausschuß der jüdischen Jugendverbände teilt folgendes mit: - Auf Wunsch der R ei chs jugendf üh run g weisen wir nochmals nachdrücklichst darauf hin, daß das Tragen von Uniformen oder uniformähnlichen Bekleidungsstücken für alle jüdischen Jugendbünde verboten ist. In Beantwortung zahlreicher Anfragen teilen wir mit, daß das Tragen von Koppeln jeder Art untersagt ist. Die von den uns angeschlossenen Bünden eingereichten Vorschläge für einheitliche Bundeskluft sind der Reichsjugendführung gesammelt zur endgültigen Genehmigung übergeben worden. Die Entscheidung ist in Kürze zu erwarten. Auslands- und Grenzlandsfährten bedürfen der Genehmigung durch die Reichsjugendführang. Die Anträge sind über den Reichsausschuß, der die vorgeschriebenen Antragsformulare zur Verfügung hält, bei der Reichsjügendführung einzureichen. ' Die bevorstehende Wanderzeit gibt der Frage der Unterbringung von jüdischen Jugendwanderern erhöhte Bedeutung. Wir richten daher an alle jüdischen Gemeinden und Organisationen die dringende Bitte, uns möglichst rasch übernachtungsmöglichkeiten — auch einfachster Art — mitrateilen. DieReichsjugendführunghat sich mit der Errichtung von Unterbringungsmöglichkeiten für die im Reichsausschuß organisierten Jugendbünde grundsätzlich einverstanden erklärt.. Gottesdienste Liberale Synagoge Norden, Schönhauser Allee 162 Freitag, 13. 4., abds. 7.15 Uhr. Predigt: Dr. Salomonski.— Sonnabend, 14.’ 4., vorm. 10 Uhr. Lit.: Dr. Salomonski. Im Jugendheim der Liberalen Synagoge Norden, Schönhauser Allee 31, II Jeden Dienstag, 7 Uhr: Treffpunkt für Mitglieder, Freunde und Interessenten. Liberale Synagoge Osten, Aula Kaiserstr. 30 Freitag, 13. 4., abds. 7.30 Uhr. Predigt: Dr. Sänger. Liberale Synagoge Nordost, Prenzlauer Promenade 176 Freitag, 13. 4., abds. 7.15 Uhr. Predigt: Dr. Vogelstein. Liberale Synagoge Wedding-Reinickendorf, Seestraße 44, Freitag, 13. 4., abds. 7.30 Uhr. Predigt: Brasch. Liberaler Gottesdienst Schmargendorf Altersheim Berkaer Straße 32 Freitag, 13. 4., 10 Uhr; abds. 6.45 Uhr. — Sonnabend, 14. 4., 10 Uhr. 1 Jüdische Reformgemeinde Logenhaus, Joachimsthaler Str. 13 Freitag, 13. 4., 6.30 Uhr: Dr. Rosenthal. Jüdische Reformgemeinde Johannisstraße 16 Sonntag, 15. 4., 10 Uhr: Dr. Jelski. Jüdische Religionsgemeinde Charlottenburg, Schulstraße 7 Freitag, 13. 4., 7 Uhr. — Sonnabend, 14. 4., 9.30 Uhr. Neumor.dsfeier und Predigt: Dr. Salomon. — Sonnabend, 14. 4., 3.30 Uhr: Jugendgottesdienst Dr. Salomon. letzte Nathrichlen Die Situation in Oesterreich Wien. Wenn sich auch eine grundsätzliche Änderung der Situation des österreichischen Judentums bisher nicht feststellen läßt, so mehren sich doch bedauerlicherweise die. Stimmen, die auf eine Verschlechterung der Lage hinzudeuten scheinen. So veröffentlicht das offizielle Organ des österreichischen Heimatschutzes einen ungewöhnlich scharf gehaltenen Artikel, in dem es heißt: „Die Juden haben, zumal seit dem Kriege, bei uns eine Übermacht erlangt, die g e b’r o c h e n werden muß, wenn wir anderen nicht ersticken sollen. Es geht jetzt nicht um die Enteignung, Vertreibung oder Gewalttätigkeit, sondern üm Einschränkung des beängstigend Wuchernden. Den Juden, die sich überall ein- und vorgedrängt haben, an zahlreichen Stellen sogar ein Monopol behaupten, ist ihr Platz anzuweisen und der Raum abzugrenzen.“ Im Zusammenhang wäre daran zu erinnern, daß Starhemberg erst kürzlich betont hat, daß die Judenfrage in Österreich weder durch Gewaltmethoden noch durch eine Art Numerus clausus gelöst werden könne. Italienische Finanzgruppe erwirbt „N.W.J.“ Wien. Die Aktienmehrheit des „Neuen Wiener Journal“ wurde von einer italienischen Finanzgrappe erworben. Das Blatt, soll zum Heimatschutzblatt ausgestaltet werden. Der Rest der Aktien wird in den Händen des bisherigen jüdischen Besitzers Lippowitz verbleiben. Meisterboxer Rotholz Warschau. Der jüdische Boxer Rot holz hat den bisherigen polnischen Meister Czortek geschlagen und damit den Meistertitel errangen. Rotholz wird Polen bereits auf den nächsten Internationalen Boxturnieren in Budapest und in den Vereinigten Staaten vertreten. Pessach-Ausklang im „jüdisch-liberalen Verein“ Meinhart Maurs Name’ hatte eine große Schar, von Zuhörern-in das Logenhaus in der Kleiststraße gelockt, wo der Liberale Verein für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde zu Berlin einen Kunstabend arrangiert hatte. Von seiner Sprachkultur und starken mimischen Ausdrucksfähigkeit unterstützt, bot der Künstler Biblisches, Talmudisches, Heine, Proben aus Wassermann, Gabriel Rießer u. a. und verstand es, die Hörerschaft in den Bann seiner temperamentvollen Vortragskunst zu ziehen. Über den wohlgelungenen Abend, den der Vorsitzende des Liberalen Vereins, Landgerichtsrat i. R. Dr. Lesser, mit einer Ansprache eingeleitet hatte, in der nächsten Nummer noch ein paar Worte. ' Herausgeber: Hanns Loewenstein, Berlin-Charlottenburg 4. Hauptschriftlciter und verantwortlich für den gesamten redaktionellen Text: Dr. Eugen Tannenbaum, Berlin- Wilmersdorf: Leitung der Anzeigenabteilung und verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: G e o r g M i c h a e 1 so h n , Berlin-Charlottenburg. DA 5000 II1/34. — Druck: Sonnendruckerei GmbH (Felix Wolf), Berlin-Charlottenburg 4, Weimarer Straße IS.

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