Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 14 (1934)
- Issue
- 35-36 (4.5.1934)
- Date
- 1934-05-04
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2613366-2613519-2613551--4898-2616589- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Unbradchbarmachen erzeugend hingeslellt wurden, gar nicht im Schulchan Aruch als solche verzeichnet sind. Und nun muli es gegen-alle irreführenden Behauptungen ausgesprochen werden: ln den maßgebenden Versuchen, die unter Assistenz orthodoxer Rabbiner und larhrerständiger Tierphysiologen angeslcllt worden sind, ist bei der Anwendung der neuesten Apparate für elektrische Betäubung nichts festzustellen möglich gewesen, was die Genußfähigkeit des dann geschachteten Tieres auch nach dem strengsten Religionsgesetz verbieten würde. Warum trotzdem die Anstellung immer neuer Versuche verlangt wird, warum trotzdem nicht glatt und einwandfrei erklärt ist: mit diesem und jenem Apparat kann man betäuben und dann Schächten, ist unerfindlich. Wenii man nicht annehmen will, dall die .Gemeinde-Orthodoxie Angst vor der Seperat-Orthodoxie hat und diese wiederum fürchtet, daß sie von der ausländischen Orthodoxie nicht mehrals voll angesehen wird. Es mul! gesagt werden: Hier offenbart sich eine völlige Impotenz der deutschen Orthodoxie. Und es muH ferner gesagt werden — und man hat die Beweise dafür in der Hand: würde die polnische Orthodoxie vor diese Frage gestellt, sie hätte längst bei dem Tatbestand, wie er heute vorlicgt, das erlösende Wort gesprochen. Es ist gar nicht mehr so, dal! man nötig hätte .zu sagen: cs ist zwar nicht möglich, in Deutschland koscher geschachtetes Fleisch — anders durch teuren Import — zu haben, also müsse man aus Gesundheits- und anderen Gründen den Genuß anderen Fleisches'freigeben. Nein, darum handelt es sich nicht mehr. Sondern es ist so, dal! man heute e n d lieh eine Met ho de der elektrischen Betäubung hat, die cs ermöglicht, dem S t a a t s g e s e t z Genüge zu tun und dabei einwandfreies koscheres Fleischzuhaben. Wenn die Orthodoxie es trotzdem nicht über sich bringt, nicht ihre Pflicht erkennt, dem Tatbestand Rechnung zu tragen, wenn sie über die Seelennot der Vielen, die koscher leben wollen, hinweggeht, wenn sie aus irgendwelchen Gründen den Notstand unter den deutschen Juden als unerheblich für das Gesamtjudentum erachtet, so begibt sie sich ihres Rechtes, das auch die Liberalen immer bereitwilligst anerkannt haben. Dann aber geht die Pflicht zum Handeln an andere über. Geduld, die lange geübt ist, wird erschöpft. Und: nicht für die, denen die Speisegesetze eine Gleichgültigkeit sind, sondern für die, die mit ihrem Herzen an ihnen hängen, muli es immer wieder und wieder gesagt werden: Bei aller Wahrung unserer Überzeugung vom Recht und Wort der alten Methode, es gibt heute die Möglichkeit, nach erfolgter elektrischer Betäubung zu Schächten und einwandfrei koscheres Fleisch zu haben. Man muß sich dabei ‘ allerdings in Gemeiiidekreisen von einer Vorstellung freimachen, nämlich der, dal! die bessere wirkliche Frömmigkeit bei der Orthodoxie ist, und daß, was sie nicht gestattet, eben nicht im Einklang mit dem Religionsgesetz steht, daß es den Liberalen um diese Dinge nicht ernst sei. Es kann leicht gesagt werden: „Ach, das steht ja nur in der „Jüdisch-liberalen Zeitung“, das ist nicht echt.“ Ob in dieser oder jener Zeitung: die Wahrheit bleibt .Wahrheit. An ihr ist nicht zu rütteln, sie kann jederzeit vertreten werden. Und wenn die Gemeinden nicht nach der Autorität liberaler Rabbiner handeln wollen, dann sind sie mit schuld am Untergang eines lebendigen Stückes praktischen Judentums. Heute mehr als je sind diese Liberalen die'wirklichen Konservativen. Stoße J)eutscfte tißer da& (Judentum In einem gewissen Sinne ist es unwiderleglich wahr, daß wir der mosaischen Religion einen großen Teil der Aufklärung danken, deren wir uns heutigestags erfreuen. Denn durch sie wurde eine kostbare Wahrheit, welche die sich selbst überlassene Vernunft erst nach einer langsamen Entwicklung würde gefunden haben, die Lehre von dem einigen Gott, vorläufig unter dem Volke verbreitet und als ein Gegenstand' des blinden Glaubens so lange unter demselben erhalten, bis sie endlich in den helleren Köpfen zu einem Vernunftbegriff reifen konnte. Dadurch wurden einem großen Teil des Menschengeschlechtes alle die traurigen Irrwege erspart, worauf der Glaube an Vielgötterei zuletzt führen muß, und die hebräische Verfassung erhielt den ausschließenden Vorzug, daß die Religion der Weisen mit der Volksreligion nicht in direktem Widerspruche stand, wie es doch bei den aufgeklärten Heiden der Fall war. Aus diesem Standpunkt betrachtet, muß uns die Nation der Hebräer als ein wichtiges universalhistorisches Volk erscheinen, und alles Böse, welches man diesem Volke nachzusagen gewohnt ist, alle Bemühungen witziger Köpfe, es zu verkleinern, werden uns nicht hindern, gerecht gegen dasselbe zu sein. Schiller. Kleinere historische Aufsätze: „Die Sendung Moses1'. Von jüdischem Wort und jüdischem Brauch Satze, die keiner Erklärung bedürfen Das 19. Kapitel im 3. Buche, das. am letzten Sabbatli vorgelesen wurde, ist einer der bedeutsamsten Abschnitte der Bibel. Mau hat bezeichnenderweise von ihm gesagt, es ist selbst eine Thora, will heißen, daß in ihm Inhalt und Forderung der Thora in einer klassischen Form in Kürze vereinigt ist. Es hebt an mit.den Worten: „Heilig sollt ihr sein, denn heilig bin ich, Adonaj euer Gott.‘* Mit diesem Wort ist als das Lehensideal, die Lebensaufgabe des Juden die Heiligung des gesamten Lebens hingestellt. Heiligung, das bedeutet in der Voraussetzung, die ihr zugründe liegt, cin Wissen darum, daß das Leben einen Sinn hat, daß es nicht um seiner selbst willen ist, sondern daß es dem Menschen gegeben ist, damit er e i n e Aufgabe in ihm erfülle, bedeutet die Aufgabe, mitzuarbeiten an dem Aufbau einer besseren Wirklichkeit, die Durchdringung des Alltäglichen durch das Göttliche, die Aufhebung des Unterschiedes vom Weltlichen und Religiösen, die Einheit der gesamten Lebensführung. Das Bibelwort selbst ist durchaus nicht leicht zu verstehen, der Mensch soll hach Heiligkeit streben, weil Gott heilig ist? Aber das ist ja gerade das Trennende und Unterscheidende zwischen Gott und Mensch, daß Gott heilig ist und der Mensch es nie sein kauii? Hier ist eine der großen Spannungen, aus denen jüdische Religiosität geboren wird. Gott und Mensch sind geschieden voneinander, und doch muß die Kluft überhrückt, doch muß das Getrennte vereint werden, und die Überbrückung der Kluft geschieht dadurch, daß Gott z \\ m V o r h i 1 d f ii r d e n M e it s c h e n wird, dem der Mensch naclizustrelien hat, so gut und so weit er es kann und seine Kraft reicht. Der Mensch soll nach' Heiligkeit streben, weil Gott heilig ist, damit wird zum Maßstab des . Sittlichen Gott und sein Wort gesetzt; er und sein Wort ist Maßstab,.und nicht der Mensch. Alle heidnische Sittlichkeit gehl -vom Menschen aus, nimmt ihn ' in seiner Art als das Gegebene, von dem ausztigehen sei, Frömmigkeit, wie das Judentum sie als solche atiffalU, ist da, wo der Mensch sich am Bilde Go'ttes formt und seinen Trieb an ihm bändigt. An jenem Kapitel sind zwei Dinge bedeutsam, seine korrn lind sein Inhalt. Seine Form: in ihm sind Sätze höchster sittlicher Forderung und neben ihnen Gesetze kultischer Art. Wir haben nicht das Hecht, einfach aus unserer Einsicht und unserem Urteil heraus, die einen als wichtig auzusetzen, die anderen als gleichgültig. l5aß diese zwei scheinbar getrennten Welten in dem Bibel-Wort nebeneinander stehen, durcheinander gemischt sind, begründet als Eigenart des Judentums das stete Miteinander der sittlichen Tat und der religiösen Form. Brauch und Gebot sind ebenso wichtig in der Erzielung eines Lebensstiles wie das Sittengesetz. Man kann der Form gegenüber seine Freiheit haben, das eben ist ja gerade liberales Judentum, die Form nicht zu vergotten, sie nicht als absolut hinzustellen und unabänderlich, aber bei aller Freiheit muß Bewußtsein sein von der Notwendigkeit und U ti ent b c U r l je h k e i t der Form und ihrem erzieherisch en,- W e rt. Sein Inhalt; er muß für sich selbst sprechen. Dies sind Sätze aus dem 19. Kapitel des 3.'Buches: Jedermann soll Ehrfurcht bezeugen seiner Mutter und t seinem Vater, tuid meine Sabbate sollt ihr wahren, ich bin | Adonaj euer Gott. . - Wendet euch nicht zu den nichtigen Götzen :wd i gegossene Götterbilder macht euch nicht, ich bin Adonai euer Gott. Wenn ihr die Ernte eures Landes aberntet, so . sollst du nicht die Ecke deines Feldes völlig abschneiden, und j die Lese deiner Ernte lies nicht nach; deinen Weinberg 1 pflücke nicht ganz ab, den Abfall deines Weinberges lies nicht auf, dem Armen und dem Gast überlasse sie, ich bin; * Adonaj euer/ Gott. Sichlet nicht, hehlet nicht, belüget nicht einer den : anderen, - - Schwöret nicht bei meinem Santen zur. Lüge, daß du den" Samen deines Goiies entweihtest, ich bin Adonaj. Presse nicht deinen Genossen, raube nicht; laß nicht den Lohn deines Tagelöhners bei dir weilen bis-zum Morgen. Huche nicht einem Tauben, vor einem Blinden lege . nicht einen Anstoß, hab Ehrfurcht vor deinem Gotte, ich bin Adonaj. Tut kein Unrecht im Gericht; bevorzuge nicht den Armcnf und verherrliche nicht den Großen, nach Recht richte deinen Genossen. Geh nicht als Verleumder umher unter deinem Volke, sich nicht still bei dem Blute deines Genossen, ich bin Adonaj. Hasse nicht deinen Bruder in deinem Herzen, zurechtweisen, ja zurechtweisen sollst du deinen. Genossen, daß du . nicht seincthalben Sünde trägst. ■ ' Räche~ilkh nicht und trage nicht nach den Söhnen deines Volke*, du sollst lieben deinen Genossen, er ist wie du, ich bin Adonaj. Meine Sabbate sollt ihr wahren, Ehrfurcht sollt ihr hüben vor meinem Geheiligten, ich bin Adonaj. Vor einem grauen Haupt sollst du aufstehen und verherrlichen das Antlitz eines Alten, Ehrfurcht sojlsi du haben vor deinem Gotte, ich bin Adonaj. Wenn ein Gast-bei dir gastet in eurem Lande, quälet ihn nicht; wie. ein Landeskind von euch sei euch' der Gast, der bei euch gastet, und du sollst ihn Heben dir gleich, denn Gäste wart ihr im Lande Ägypten, ich bin Adonaj euer Gott. , ’ Tut kein Unrecht im Gericht, im Maß, im Gewicht, im Hohl maß: Richtige Wage,-richtige Gewichte, richtigen Scheffel, richtigen Krug, so solls euch sein. Ich bin Adonaj euer Gott, der euch aus Ägypten geführt hat. Wahret alle meine Satzungen und alle meine Rechtsordnungen. Übet sie. Ich bin Adonaj. Keiner dieser Sätze bedarf einer Erklärung, keiner einer Ausdeutung. Jeder ist aus sich selbst zu verstehen. Zwei darf man unterstreichen und sie sich nochmals eihprägen: den. Satz von der Nächstenliebe. Wie wenige wissen, daß er aus der Bibel, man muß ganz deutlich mit einem für uns fremden Ausdruck sagen: aus dem Alten Testament stammt, daß er jüdisches Erbgut ist. Und den anderen, daß man den Fremden nicht quälen darf, daß er gleich dem Landeskind ist. T±a$ jutefdfe &ntli$ Zwei Jahrtausende Leid, Erniedrigung und Unglück haben ihre Spuren in das jüdische Antlitz eingegraben. Aber noch immer scheint das Ewige, .Göttliche hindurch. Das jüdische Antlitz ist alt, sehr alt. Aus den Augen der Kinder schon scheint uns sagenhafte Vorzeit anzublicken. Die Haut erinnert bei vielen an Zeiten, da noch eine wärmere Sonne sie beschien. Die feingebogene Nase läßt auf Energie und Tatkraft schließen. Der üppige Mund atmet Lebensmut und Lebensfreude.. Nur die Augen, die halbverschleiert in die Welt blicken, scheinen dem übrigen Gesicht zu widersprechen. Es ist, als wollten sie sich von der Außenwelt zurückziehen -und eine empfindsame Seele schützen vor dem Anblick allzu großer Leiden. _ . | Dieses Auge ist es, das dem jüdischen Antlitz seine besondere, unverkennbare Eigenart verleiht. Wie ein tiefer See ruht es in sich und schließt die. Geheimnisse der Seele ein. Nur dem Vertrauten eröffnet es sich. Das jüdische Auge ist meist nach innen gerichtet, als suche es dort etwas. Auch wenn es die Dinge anschaut, sieht es so aus, als projiziere es sie in sich hinein. Das Auge des Juden verrät den Menschen der Selbstbetrachtung, der inneren Schau, der Meditation. Jahrtausendlange Weisheit liegt in ihm verborgen. Salomo, Jesaja, Ben Akiba — sie alle müssen aus ähnlichen Augen geblickt haben, wie der heutige jüdische Mensch. Erinnern wir uns heute daran, daß Hunderte von Generationen unser jüdisches Antlitz jebildet haben! Erinnernwir uns daran, daß unser eigenes Gesicht in hundert weiteren Generationen Wiederaufleben wirdl- Das jüdische Antlitz ist ein ewiges Antlitz. Unablässig schafft an ihm der Meißel der Zeit. ' - Herbert Connor. Der Jude mit dem Zauberstab Eine Berliner Zeitung brachte vor einiger Zeit unter der Überschrift „Hokuspokus“ eine heitere Skizze, in der von einem Zauberkünstler erzählt wird, dem bei einer Probe für ein Engagement bei 'einem Direktor eines Varietetheaters ein von ihm auszuführendes „Kunststück“ mißlang, so daß das Engagement nicht zustande kam. Trotzdem wurde der damals noch Unbekannte später ein Stern am Himmel der -Magie. Es war dies nämlich der weltberühmt. gewordene B e 11 a c h i n i. Nicht Vielen wird bekannt sein, daß Samuel Bellachini, der von orthodox jüdischen Eltern abstammte, und stets treu an der Religion seiner Väter festhielt, in Berlin auf dem jüdischen Friedhof in Weißensee begraben liegt. Seine Lebensgeschichte und die zahlreicher seiner Kollegen von der schwarzen Kunst erfährt man aus einer amüsanten und aufschlußreichen Schrift von Günther'Da m m a n n: „Die Juden in der -Zauberkunst“, die im Selbstverlag des Verfassers erschienen ist. Neben Bellachini, dem Hofkünstler Kaiser Wilhelms 1., der eigentlich Samuel Berlacli hieß und nach Heppner-Herzberg in einem Städtchen des früheren deutschen, jetzt polnischen Posener Landes das Licht der Welt erblickte, wird noch von zahlreichen jüdischen Berufszauberkünstlem und Amateuren berichtet. Zuerst von einem berühmten Magier des IS. Jahrhunderts, der unter dem Künstlernamen „Phüadelphus Philadelphia“ auftrat; Er, der Sohn jüdischer Eltern, die nach Amerika ausgewandert waren, hieß mit seinem bürgerlichen Namen Jakob Meyer. Regen Geistes, wie er war, faßte er Neigung zu Mathematik, Physik und der Kabbala. Er.gewann durch seine Experimente die Gunst des Herzogs Heinrich Friedrich von Cumberland, der ihn an seinen Hof_ berief, wo er ein „Mittelding zwischen Astrolog, Alchimist und Taschenspieler“ darstellte. Nach dem im Jahre 1756 oder 1757 erfolgten Tode seines Gönners trat Jakob Meyer an die Öffentlichkeit und durchreiste als „Zauberkünstler Philadelphia“ zunächst England, Irland, Portugal und Spanien. Im Jahre 1771 finden wir ihn in Petersburg, wo -sich die Kaiserin Katharina II. sehr für ihn interessierte, so daß er auf ihren Befehl von ihrem .Günstling Graf Orloff .zu einem Kongreß nach Fokschani in der Wallachei eingeladen wurde, von wo ihn Sein Weg weiter nach Konstantinopel zum Sultan Mustapha III. führte. Im Jahre 1773 präsentierte er sich Umzüge, Spedition^^ Massiver Lagerspeicher. Beratung kostenlos S. Simonowitz, SCllOlliiDBFfl, fiNlIlBWalflSli1. 65 in Wien und erhielt dort vom Kaiserlichen Hof für seine Leistungen ein namhaftes Geldgeschenk. Audi in Berlin und Potsdam trat der Künstler auf und errang reiche Triumphe. Friedrich der Große fand an Philadelphias Kunststücken außerordentliches Gefallen. Trotzdem wies der König ihn aus Preußen aus, weil er erfahren hatte, daß der Zauberkünstler Rosenkreuzer war und als solcher ein Feind der Monarchie sein müßte. Der König fürchtete, daß der Gaukler in der damals gärenden Zeit dem Staate gefährlich werden könnte. Darauf wandte sich Philadelphus nach Süddeutschland und erntete u. a. in Lauchstädt in Gegenwart des Kurfürsten und seiner Gemahlin Triumphe, die ihm fürstliche Belohnungen einbrachten. In der „Deutschen Chronik“, herausgegeben, von Chr. F; D. Schuberts (Augsburg 1775), heißt es von ihm, er habe es „in mathematischen, sympathetischen, magnetischen und Taschenspielerkünsten so weit gebracht, daß man ihn vor 100 Jahren als abscheulichsten Hexenmeister verbrannt haben würde“. - In Göttingen, wo Philadelphus im Jahre 1775 auftreten wollte, hatte er eine Kontroverse mit. dem großen Göttinger Physiker Professor Lichtenberg, dem „witzigsten Kopf seiner Zeit“, der die Vorstellungen zu verhindern trachtete, was ihm auch gelang. Philadelphus verließ Göttingen in aller Stille, und als in dieser Stadt bald darauf der Turm der Nikolaikirche einfiel, konnte Lichtenberg die scherzende Frage nicht unterdrücken, ob dieser Einsturz nicht ein Zauberkunststück des Philadelphus gewesen sei, durch, das er sich habe rächen wollen. Jakob Meyer-Philadelphia ist eine wahrhaftige Berühmtheit geworden. Abgesehen von dem Umstand, daß in dem Briefwechsel Lichtenbergs mit Schemhagen sein Name wiederholt genannt wird, dichtete der Mathematiker Kästner ein Epigramm auf ihn; E. T. A. Hoffmann erwähnt den Namen Philadelphia in seinem Buche „Brautwahl“. — In einem Briefe Varnhagens an Kerner findet sich eine Reminiszenz an den „Zauberer“. Auch Schopenhauer gedenkt seiner gelegentlich, und kein Geringerer als Goethe, der den Künstler in Weimar im April 1777 kennen lernte, machte in seinen Tagebüchern Eintragungen übef ihn. WflphonrlaT Möbel, Stoffe, Einrichtungsfvuiiiitjiiliö i gegenstände Hins Schneidei UMUfctltfe 165-166 zw. KurIürstend.u.LietzerTtotffgerttcjl Biimrek g|t £ rj. .