Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 14 (1934)
- Issue
- 27-28 (6.4.1934)
- Date
- 1934-04-06
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Die jüdische Frau als Veranstalterin künstlerischer Hausabende Wer ein Dach und ein Herz besitzt Von fi : London Wir baten Frau Dr. London, die eine Reihe geglückter Kunstveranstallungen in ihrem Heim arrangiert hat, sich als Veranstalterin zu diesem Thema zu äußern. Die jüdische Hausfrau hat heutzutage mehr als je zuvor <lie . Pflicht und Möglichkeit, ihre künstlerisch geselligen Begabungen in den Dienst der guten Sache zu stellen. Die Zeitumstande haben es mit sich gebracht, daß die Geselligkeit innerhalb des Privathauses wieder aufblüht, und daß man diese erfreuliche Sitte für die Fürsorge notleidender Künstler a“i ,a,I.le,n Gebieten ausnutzen kann. Wer noch jetzt in der S*1*11 Lage ist, sein Heim für einen gemeinnützigen Unterhaltungsabend hergeben zu können, der soll es auf alle ralle auch tun, allerdings sind bei jeder dieser Veranstaltungen, gleichviel auf welchem Gebiete sie sich auch bewegen, mancherlei notwendige Voraussetzungen zu. erfüllen. . , Es genügt nicht, daß man als Hausfrau sagt-: „Gut, ich bm einverstanden, ich gebe, meine Räume füieine Wohltahrts-yorstellungDa muß man sich schon selbst um die Art der geplanten Veranstaltung regsam bekümmern, muß an •I -, ’gsteHung und Vollendung des Programms gestaltend mnwirken, muß sein Augenmerk darauf richten, daß erstens einige wahrhaft interessierende prominente Kräfte und zweitens mehrere notleidende Künstler beteiligt werden daß aber trotz aller Rücksichten die Gesamtwirkung höchsten Erwartungen entspricht. Gerade in diesem Punkt muß die Hausfrau mit aller Energie für eine gerechte und richtige Mischung eintreten, will sie nicht schon von Anfang an den Erfolg, ihres Abends (denn nunmehr ist es „ihr" Abend) gefährden. Einzelne Veranstaltungen, die leider nicht den erwünschten glückhaften Ausgang nahmen, weil die Dante des Hauses sich nicht um die Zusammensetzung gesorgt hat, haben den folgenden Abenden böse geschadet. Nur wenn man tatsächlich ein „gesellschaftlich populäres“ — diese Mischung ist nun einmal notwendig, um Aufmerksamkeit zu erregen! — Programm zustande bekommt, darf man angesichts der Fülle dieser Darbietungen auf einen Sieg rechnen. Wenn ich hier von mir reden darf, so habe ich bisher stets allen Proben meiner bei mir auftretenden Künstler, beigewohnt, habe immer und immer wieder die verantwortlichen Leiter gebeten, für ein erfreuliches Niveau .und ein erquickliches Amüsement zu sorgen. Wie oft sind dann gleich . , Hause _ _ _ . _ : haben gebeten, daß ich sie „meinem“ Ensemble einfüge, "—n besonders schlecht ergehe, und wie oft habe mich den Herzens ablehnen müssen, weil ich nicht durch Mitleid an falscher Stelle die Belastung fahrlässig schlecht verteilen wollte . . . Aber ich habe gerade in der letzten- Zeit, da und dort gefunden, daß man diese Vorsicht nicht hatte walten lassen, daß man Auch-Künstler heranzog und durch ihre mittelmäßigen, uninteressanten Leistungen das Ganze störte. Das Publikum von heute, das sich in Privathäusern einfindet, stellt mit einem gewissen Recht hohe Ansprüche und bleibt erfahrungsgemäß späterhin einfach fort, wenn es erst einmal bemerkt hat, daß man ihm nicht die besten Kräfte vorsetzt. Das ist nun einmal so, und mit dieser Tatsache muß man sich abfinden oder — den Abend trotz aller besten Absichten aufgeben. Die zweite Aufgabe einer Hausfrau,, die sich für derlei Bestrebungen in ihrem Heim einsetzt, besteht' in der werbenden Tätigkeit. Unter ihrer Leitung muß der Absatz der Eintrittskarten durchgeführt werden. Es ist keineswegs eine leichte Arbeit, zunächst seine näheren Freunde und sodann die weiteren Bekannten anzurufen, aufzusuchen und ihnen klar zu machen, daß sie tatsächlich etwas verlieren, wenn sie sich nicht zum Erwerb einer oder möglichst mehrerer Einladungen entschließen können. Da heißt es auf alle Aus reden .und Entgegnungen sogleich schlagfertige Antworten auf Lager zu haben, da muß i Ansichten vemim....,_ Denken schließen Tassen. Hat man auch für den wirtschaftlichen Erfolg ausreichend gesbrgt, so darf man noch längst nicht die bereits müde gewordenen Hände in den Schoß legen; denn nun beginnt abermals eine gewichtige Arbeit: man muß an eine gemütliche Ausgestaltung denken, man muß dafür sorgen, daß. sich die Gäste am Abend, unter allen Umständen wohl fühlen. Hier habe ich mich bisher stets mit einigen verständnisvollen Helferinnen in Verbindung gesetzt und gemeinsam mit ihnen für den angenehmen „Hausgeist" gesorgt. Wir haben meist nach den Darbietungen hoch Tee mit Gebäck geboten. Hierzu ist eine Opferbereitwilligkeit notwendig. Bisher haben einige bekannte Damen die bescheidenen Erfrischungen beschafft und am Abend selbst gereicht.' Nur wer efnmaLbei so einer Veranstaltung hernach im gemütlichen Beisammensein mit den „Schuldigen" und den anderen Gästen die Freuden einer solch gepflegten Geselligkeit empfunden hat, wird verstehen, wenn ich als nächste Hauptforderung aufstelle: stets ein einfacher Tee mit etwas Gebäck, Himbeer und Zitrone' mit Selter nach einer derartigen Hausveranstaltung! Die Halisfrau soll sich dabei frei halten, soll sich den Gästen widmen, soll für die angenehm heimische Stimmung sorgen, soll dem Abend die gewünschte friedlich-freundliche Färbung verleihen. Nach meinen bisherigen Beobachtungenhat man sich von reinen musikalischen Vorführungen nicht allzu großen Erfolg vom Standpunkt der Wohlfahrt zu versprechen. Die Zahl der wahrhaft Musikverständigen, die für derlei Darbietungen in Frage kommen, ist leider nicht ausreichend. Sehr beliebt sind Bunte Abende, aber, bitte, bitte, mit Niveau! Hier darf jegliche Hausfrau ihre Phantasie vollauf beweisen, darf sich die bisher noch nie 'gewagten Mischungen von. Kräften aus allen Gebieten gestatten. Meine Lieblingsidee ist schon immer gewesen: einmal einen Abend zu bieten, an dem ein Sänger singt, ein Pianist spielt, ein Dichter rezitiert, ein Wissenschaftler ernsthaft, aber allgemein verständlich über ein volkstümliches Thema, plaudert,' eine Tänzerin tanzt . . . und zwischendurch gewissermaßen al^ Belohnung ein wenig Kabarett gemixt wird. Jedenfalls sind bei solchen „Heimabenden“ alle mir erdenklichen Möglichkeiten für eine Hausfrau unserer Tage geboten. Bitte, gedenket der notleidenden Künstler! Wer ein Dach und ein Herz besitzt, kann und muß helfen! Zum Tode des Gründers der Metropolitan-Opera Finanzmann und Mäzen Otto H. Kahns Karriere Ein. ungewöhnlicher Mann war dieser Otto-Hermann Kahn, der vor ein paar Tagen in New York zu Grab getragen wurde. Er war ein starker Mann, stark im Wollen und im Vollbringen; er strebte aus der Enge in-die Weite, er hatte den vorausschauenden Blick, hatte die Fähigkeit, den psychologischen Moment zu erfassen. Seine Art war großzügig, sein Wesen sicher und bestimmt, und mit dem scharfen, klaren Verstand paarte sich ein weiches, gütiges Herz. Aber Otto H. Kahn hatte auch einen gemütlichen, manchmal seiner selbst spottenden Witz. Als' er sich hei dem Klavierlehrer eines seiner Söhne nach dessen Fortschritten erkundigte und die Antwort erhielt, Technik und Empfindung ließen nichts zu wünschen übrig, dagegen hapere es noch mit dem Takt, denn der Knabe spiele häufig statt der Achtelnoten Sechzehntel, meinte Kahn lächelnd: „Gar nicht so dumm von dem Jungen! Wenn er mit Sechzehnteln auskommt . . .“ Man soll aus diesem Scherz nicht etwa den Schluß ziehen, daß Otto H. Kahn auf musikälischem Gebiet nicht zu Haus gewesen sei. Im Gegenteil, er war von allen Künsten, namentlich der Musik, aufs engste verbunden, und wenn er zum Besuch seines Schwagers, des verstorbenen Direktors Deutsch von der A.E.G., und seiner Schwester nach Berlin kam, fanden ihm zu Ehren in dem gastlichen Haus musikalische Veranstaltungen unter Mitwirkung erster Künstler statt. Zudem hatte er einen hervorragenden Musiker, Professor.Dr. Ro- ’bert Kahn, als Bruder,, und er .selbst verfolgte mit Aufmerksamkeit und feinstem Verständnis und Geschmack alle Strömungen und Entwicklungen auf dem Gebiet der Musik. Es lag in dieser Linie, daß er auf den Gedanken'kam, New York eine Opernbühne zu schenken, derengleichcn die Welt bis dahin nicht kannte. So. entstand das Metropolitan Opera House, in dem die berühmtesten Sänger aller Nationen' auftraten, und in. dem jedes Opernwerk in der Sprache seines Ursprungslandes dargestellt wurde. Otto H. Kahn war von der Begründung der Metropolitan an der Vorsitzende des Verwaltungsrats, mul er nahm, ein immer freigiebiger Mäzen, nicht nur auf die finanzielle Gestaltung des' Instituts entscheidenden Einfluß, sondern er war auch richtunggebend bei der Berufung von Künstlern und der 'Spielplanbildung. Seine Liebe zur Musik äußerte sich ferner in seiner, fördernden Teilnahme an der Schaffung der .Philhar monischen Gese 11 se haft in New York, deren kluger, umsichtiger Vizepräsident er war, und die, dank seiner Initiative, alle Dirigenten .von internationalem Ruf als Gaste sah.' Große pekuniäre Verluste, die er erlitt, nötigten' ihn vor etwa anderthalb Jahren, seine Ämter un Vcrivaltimgsrat der Metropolitan und bei der Philharmonischen Gesellschaft niederzulegen — in beiden Gremien ist bis auf den heutigen-Tag kein vollgültiger Ersatz für ihn gefunden BI-GU-SCHUHE 1 Größte Auswahl bei billigsten Preisen I durch Vermeidung hoher Ladenmieten L Wilmersdorfer Sir. 52 (Hoflokal), Zweiggesch.'Kutfürstcnd.-226 worden. Otto H. Kahn ... . „M i r a k e 1“-Gastspiel Max ’ R er überhaupt bemüht war; deu auch, der na "n har dt: lindem Krieg das Die Liebe / hen Kiii__ a zu schaffen. auch Bürger der bereinigten Staaten ■' . “"•■"- dt konnte er nie vcr-._ geworden war: das Land s gesseu. Otto H. Kahn stammte a... .... _ Vater im. Bankgewerbe tätig gewesen war. Am 21. Februar 1867 wurde diesem sein Sohn Otto geboren, der in Mannheim das Gymnasium besuchte und seiner Militärpflicht als Ein- .. jahng-Freiwilliger - genügte. Dann -ging er, 21 Jahre alt, zur weiteren Ausbildung nach London, wo er zunächst in: dem Bankhaus seines Verwandten Sir Edgar S p e y e r darauf als stellvertretender Leiter bei der Londoner Zweignieder- '?ss™g der Deutschen Bank wirkte. 1893 folgte er einem Ruf des New-Yorker Bankhauses Speyer & Co., dem er Zwei Otto H. Kahns. Durch di in die väterliche Firma & Co., aufgenommen, -- Teilhaber Gattin, das Bankhaus Kuhn, Löh z„ auigenommen, und seine Intelligenz und Tüchtigkeit ilfen ihm bald zu. einer führenden Stellung in Wallstreet. Vor allem erkannte er als einer der ersten die Bedeutung Edward H. Harrimans für die Entwicklung des Eisenbahnwesens in den Staaten; er trat in enge Beziehungen zu ihm, deren Frucht manche aufsehenerregende Transaktion war. Ais er schlicßlicii die Great Central Railway unter die Kontrolle seiner Firma gebracht hatte, beherrschte er damit das gesamte Verkehrswesen, auf dem Schienenstrang bis nach Chicago. - . Neben vielen anderen Ehrenämtern bekleidete Otto H. Kahn auch das eines Vizepräsidenten der English speaking Union, und außer hohen Ordensauszeichnungen (Kommandeur der Ehrenlegion und der Belgischen Krone, Großoffizier der Krone von Italien, Offizier des Ordens S. Maurizio c Lazaro usw.) war' ihm' das .Ehrendoktorat verschiedener amerikanischer Universitäten verliehen worden, für die er stets eine offene Hand gehabt hatte. Oanz besonders groß war auch seine Wohltätigkeit auf jüdischem Gebiet. Er hatte bei Lebzeiten für ein gutes Gedenken nach seinem Tod gesorgt, der ihn unerwartet plötzlich — während er beim Lunch saß — ereilte. R.W. tfteain, H<tfa\<ttt,Hino Bühne u. Brettl loachimsthaler Str. 13 J J 1 Bismarck 6979 - 8<° Künsll. LeiL Heinz Fass 8<° Nur noch-Donnerstag, Sonnabend, Sonntag uoiiHom. neues Programm Senaa<lan«-aaa»splal Hella, die Seherin Geheimkunst in hüchsterVollendling Jeden Donnerst.- n. Sonntag 4 Uhr Nachm.-Vorste!lg.vb. halben heb. Reserviert für Kabarett der Komiker Kurfttntendanai tu J7, 7»Z1 Tigtich 9.15 Uhr Sonntag 4 U.: Nachmittags-Voratellunf Dienstag. Donnerstag u. Sonnabend 4 Uhr Nachmittage der Hausfrau A KAFFEE KURFÜRSTENDAMM ■ YY Knrtflntendamm 70,1 AvA Ectc IVilmcrsdorfer Stncu I Das Hau der gaten Gesellschaft. EntkL Küche. TSgLKonreet. Billard, n.Spiel jAIe TAN ZtSTIMMlING Wo können wir mu not amüsieren! „Caf4 Trianon“ Inh. Bornstein Bayerischer Platz 1, Tel, B 6 0835 MltgJ. d. jfld. Gemeinde Täglich nachmittags und abends TANZ * Eintritt frei 1 Tasse Kalter 46 Pt. SsmsL u. Sonnt. Abend 1 Kännch.Ksf!ee62Pl. 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