Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 14 (1934)
- Issue
- 27-28 (6.4.1934)
- Date
- 1934-04-06
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Es wird gemeldet: Im hohen Alter von SS Jahren starh die Gattin des ehemaligen bekannten Volkswirtschaftlers und Abgeordneten IJr. Max Hirsch, des Begründers der Deutschen Gewerkvereine Hirsch-Dunker und der Humboldt-Hochschule. Die Verstorbene war eine weit über die Berliner jüdischen Kreise hinaus bekannte und gesch.it/te Persönlichkeit. Die österreichische Regierung, hat den weltberühmten jüdischen Geiger Bronislav Hubermann als Leiter _der Mcisterschulc für Violine au der Wiener Akademie für Musik und darstellende Kunst gewonnen. Der in wissenschaftlichen Kreisen iiullerst geschätzte Hamburger Unitersifätsprofessor Dr. Rudolph Sa I oihon ist vor wenigen Tagen aus seinem Amt geschieden. Seine weitgehende Tätigkeit — ' er gründete u. a. das Hamburger Seminar für Osteuropäische Geschichte — war für die Entwicklung der historischen Wissenschaft von aullerardentlicher Bedeutung. In einem Artikel im „Völkischen Beobachter" wird festgestellt, daß der in den letzten Monaten von Behörden und Verbänden geforderte Ariernachweis den Standesämtern ein großes Mail' von Mehrarbeit gebracht habe. Dann heißt es: „Hier wird das Gesetz noch mit seiner ganzen Wucht eir.grejfen müssen, um vor allem für immer die Möglichkeit der .Mischehe zu beseitigen und der Verbastürdierung des Volkes einen unüberreunbaren Hemmschuh vorzulegen. Arierparagraph für alle Eheschließenden! — Das bleibt die Forderung unserer ' - Auf einer Kundgebung der NS.-Hago in Cadolzburg führte der erste Bürgermeister Eichner-Zimdorf, dem Fürther Anzeiger zufolge aus, Cadolzburg könne stolz sein, keine' Juden zu besitzen, und es dürfe nie mehr einem solchen Einlaß bieten. l>er vor kurzem in Stettin im Alter von QU Jahren verstorbene Senior der deutschen Reeder, Konsul Wilhelm Kunst mann, hat an allen jüdischen Angelegenheiten stets lebhaft Anteil genommen. Auf seine Verdienste um den Handelsverkehr auf der Ostsee würde auch im deutschen' Rundfunk anläßlich seines Todes hingewiesen. Im Londoner Zentralgebäude der jüdischen Verbände wurde die Anglo-jüdische Konferenz eröffnet, auf der die zweite große Sammelaktion der englischen Judenheit zugunsten deutscher Juden begonnen wurde. Lord Reading hielt eine Rede, in der er einen Überblick über die die derzeitige Lage der deutschen Judenheit bedingenden wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse gab und die Notwendigkeit finanzieller Unterstützung der Bestrebungen zum Neuaufbau jüdischer Existenzen begründete. Der Londoner jüdische Dramaturg und Regisseur Jose Lcvy wurde auf Grund der Verdienste, die er sich um das französische Drama ervforben hat, vor einigen Tagen zum Ritter der Ehrenlegion ernannt. In einem Vortrag, den Stadtrat Hauptmann vor den Leipziger Stadtverordneten über die Auswirkungen der jiatioualsozialistischen Theaterpolitik in Leipzig hielt, äußerte er, es gelte die gesamte Einwohnerschaft in die Theaterbesucher einzugliedern, nachdem die Vorbedingungen für die neue Theaterkultur geschaffen seien. Es seien dabei schon bedeutende Erfolge erzielt. Obwohl im Anrecht 27 jüdische Besucher ausgefallen seien, sei der Ausfall inzwischen ausgeglichen worden. In Belgrad hat sich der Ausschuß zur Errichtung eines Denkmals für König Peter konstituiert, der den Groß'-' rabbiner von Jugoslawien, Dr. Isak-Alkalay zuin, Ehrenpräsidenten gewählt hat. Wie aus Bukarest gemeldet wird, gab die Jugendgruppe der Union rumänischer Juden in einer öffentlichen Kundgebung das Gelöbnis ab, den Kampffür d i e v ö 11 i g e Gleichberechtigung .der Juden in Rumänien fortzuführen. Nach einer Meldung aus Athen hat der neuernannte Minister für Volkswohlfahrt, Michael Kyrkos, anläßlich seines Amtsantritts die Erklärung abgegeben, daß er sich für die Herstellung eines guten Einvernehmens zwischen der jüdischen und n i chtjüdischen Bevölkerung einsetzen wolle. In Hamburg beging der älteste lebende deutsche Schachmeister, Bankier Martin Bier, seinen 80. Geburtstag. Martin Bier hatte im Jahre 187Q in Leipzig zum ersten Mal den. Titel „Deutscher Schachmeister“ errungen. anstelle des Gemeinderats die „Wiener Bürgerschaft“ treten, die aus 64 Mitgliedern besteht. DieMitglieder werden nach berufsständischem Aufbau der Bevölkerung entnommen. Zwölf von ihnen werden aus den Kreisen der kulturellen Gemeinschaften berufen, darunter drei Vertreter der römisch-katholischen Kirche, ein Vertreter der evangelischen Kirche, e i n Vertreter der israelitischen Religionsgesell- Ob es sich um die Berufung eines geistlichen Vertreters der israelitischen Religionsgesellschäft handelt oder um die eines Laienvertreters der Kultusgemeinde ist nach dem Wortlaut der Verordnung noch nicht klar. MEINHART MAUR früher Deutsches Theater spricht am Sonnabend, den 8. April 20 Uhr, im Logenhaus, Kleisfsfr. 10 (Gartensaal)' Pessach-Ausklang: Kunstabend PROGRAMM Bibel:*1 Durchzug durch das Rote Jtfeer (Verdeutscht Jesaja (Verdeutschung Martin Luther, SchluBverse i Legende, in deutsche Fassung gebracht von Walther J. L Perez: Pessach-Spaziergang. J. ZangwUI:* Humi „Der König der Schnorrer“. Jakob Wassermann; A Zweig.- Kreditverein für Ha ■ Abendkass'e zum Liberaler Verein für die Allgelegenheiten der jüdischen Gemeinde zu Berlin E.*V. ln Brauiisberg in Ostpreußen fand die Verlobung von Fräulein Rita Margot Schachmann mit Herrn Jakob Muntres aus Königsberg statt. In der Bockenheimer Landstraße in Frankfurt a. M. begingen Herr Heinrich Gut und Frau Henny, geb. G o 1 d s c h m i d t, ihre Hochzeit. mühl vollendete am 28. März sein 70. Lebensjahr. Frau Regina Rosentbal, geb. Löwenstein, begeht am 6. April in Roth, Unterlahnkreis ihren SO. Geburtstag. Letzte Nachrichten Ist die Titelführung zulässig? „Rechtsanwalt a. D“ Die „Deutsche Justiz“, das amtliche Organ des Reichsjustizministers, des Preußischen und des Bayerischen Juslizministers, veröffentlicht in Nr. 13 einen Artikel von Ministerialrat K uni sch, in dem die Frage erörtert wird, ob auf Grund des Gesetzes über die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft ausgeschiedene Rechtsanwälte sich „Rechtsanwalt a. D.“ -oder „früherer Rechtsanwalt“ nennen dürfen. Die Unzulässigkeit dieser Titelführung bei Rechtsanwälten, die aus politischen Gründen ausgeschieden wurden, steht für den Verfasser von vornherein fest. Aber auch den auf Grund ihrer nichtarischen Abstammung ausgeschiedenen Rechtsanwälten kommt nach Ansicht von Ministerialrat Kunisch die B e i b e h a 11 u n g des'früheren Titels nicht zu. Dies sei daraus zu schließen, daß das Gesetz über die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft eine dem 8.4 des Berufsbeamtengesetzes entsprechende Bestimmung über Weiterführung des Titels nicht enthält.. _ - Daß hier eine Absicht des Gesetzgebers Vorgelegen habe, gehe auch daraus hervor, daß das S c h r i'f 11 e i t e r g c s e t z. ausgeschiedcnen Nichtariern ausdrücklich gestattet, die Be7 Zeichnung „Schriftleiter“ mit dem Zusatz ,,a. D.“ oder „i. R." zu führen. Es kommt, heißt es in dem Artikel von Ministerialrat.Kunisch, weiter hinzu, daß der Titel „Rechtsanwalt a. IX“ oder ähnliche'auf die frühere Rechtsamvalteigenschaft bezügliche Bezeichnungen in den allermeisten Fällen von solchen früheren Rechtsanwälten auf Firmenschildern oder bei Anmeldungen zum Telefonbuch geführt werden, die auch weiterhin sich als Rechtsbeistände oder dergl. der Bearbeitung von Rechtsaiigelegenlieiteii anderer widmen oder widmen wollen. Praktisch würde es also darauf hinaus laufen, daß derartige sicli weiter als Reclitsheistände oder der tätigende früliere nichtarische Rechtsanwälte bei dieser aüsübung geradezu gefördert würden, wenn mau ihnen gestatten wollte, den Titel „Rechtsanwalt“ — sei es auch mit Zusätzen, die auf dir Ausscheiden aus der Rechtsanwaltschaft hinweiseii — zu führen. Die Betreffenden führen diese Bezeichnung nur, um das Publikum auf Ihre besondere Sachkenntnis liinzuweisen, um sicli also besonders vertrauenswürdig hinzustcllcii, vielleicht auch in der Hoffnung, daß in wird. Es kann nicht zweifelhaft sein, daß dieser von den früheren nichtariseheii Rechtsanwälten beabsichtigte Erfolg auch eintritt. nichtariseheii Reel gen unterliegen, kein Anlaß vor. Ausschlaggehend dürfte jedoc über die Zulassung zur Rechtsan sein. Die ganz k' - lehr den Standesvorschriften eilt nicht mehr unterworfen shalb, da sie nunmehr k c ien und Standesbimdiilieh die Tendenz des Gesetzes nvaltschaft vom 7. 4. 1933 htslehens mit fremdrassigeu s der deutschen Rechtspflege ■weck würde aber nur sehr I STAATSLOTTERIE Ziehung der I. Klasse 20. und 21. April Kriofsky/Är' Berlin SW 19 An der Jerusalemer Kirche 1, Ecke Lindenstraße I der Form von Rechtsbeist „Rechtsanwalt“ — wenn auch mit Zusätzen — eine besondere Förderung zuteil werden ließe. Nichtarische Rechtsanwälte, welche trotzdem weiter den Titel „Rechtsanwalt“, -sei es auch mit den erwähnten Zusätzen, führen, machen sich also gemäß § 360 Ziff. 8 StGB, strafbar. Ob darüber hinaus eine Strafbarkeit ehemaliger Rechtsanwälte, die sich'ihr früheres Amt, ohne zugelassen zu sein, anmaßen, gemäß 8 132 StGB, in Frage kommt, ist Tatfrage.- Es ist im Einzeifall zu prüfen, ob die ”- Setzungen des 8 132 vorliegen, was :- aus möglich sein kann. Unterredung zwischen Dollfuß und dem Präsidenten der Wiener Jüdischen Kultusgemeinde Die jüdische Situation in Oesterreich Wien. Über einen Empfang des Präsidenten der Israelitischen K u I tu s g e in e i n d e, Dr. Desider Friedmann beim Bundeskanzler Dr. Dollfuß wird ein amtliches Communiquc herausgegeben, aus dessen Fassung zu erkennen ist, daß die Information über den kulturpolitischen Teil der künftigen österreichischen Verfassung nicht den ausschließlichen Gegenstand der einstündigeu Unterredung gebildet haben kann. Es ist als sicher anzunehmen, daß der Vertreter der österreichischen Judenschaft die Gelegenheit benützte, mit dem Chef der Regierung auch die jüdische Situation in Österreich eingehend zu besprechen und auf diejenigen Tatsachen hinzuweisen, die in letzter Zeit vielfach Anlaß zu Beschwerden gegeben haben. Daß in der neuen Verfassung keine Änderung der staatsbürgerlichen Stel I «ng der Juden vörgenommen werden kann, steht bei der eindeutigen, durch den Friedensvertrag geschaffenen Rechtslage außer jedem Zweifel. Zu unterstreichen ist nur, daß nach Artikel 62 des Friedensvertrages nicht nur kein Gesetz und keine Verordnung, sondern auch keinerlei amtliche Handlung mit den Grundsätzen der Gleichberechtigung in Wjderspruch stehen darf. Es muß das besondere Augenmerk der verantwortlichen jüdischen Faktoren darauf gerichtet sein, daß die verfassungsmäßigen; Grundsätze der gleichen Behandlung aller Religionen und der Gleichheit aller Staatsbürger nicht nur eine theoretische Deklaration bleiben, sondern in allen Zweigen der öffentlichen Verwaltung sowie - des gesamten staatlichen und Wirtschaftliehen Lebens ohne jeden Vorbehalt und ohne jede Einschränkung gehandhabt werden. Wie der ITA mitgeteilt wird, liegt die bedeutsamste Änderung, welche die neue Verfassung auf kulturpolitischem Gebiet bringt, darin, daß allen Religionsgesellschaften öffentlich-rechtliche Stellung eingeräumt wird. Hierdurcli wird sich die Möglichkeit zur Bildung einer autonomen repräsentativen Vertretung der österreichischen Judenheit bieten. Wien. Nach einer sqeben veröffentlichten Verordnung über die 0 b e r g a n g s v e r f a s s u n g der Stadt Wien wird Sprachforscher Professor Caro gestorben Frankfurt a. M. Das wissenschaftliche Frankfurt hat einen schweren Verlust zu beklagen. Im Alter von 71 Jahren ist Professor Dr. Josef Caro, der weit über seine Lehrtätigkeit in Frankfurt hinaus in der wissenschaftlichen Welt großes Ansehen als Sprachforscher, genoß, einem Herzschlag erlegen. Seine besondere Neigung galt der englischen Literaturgeschichte. Bernard Shaw und anderen englischen Dichtern sind viele seiner Essays gewidmet. Auch , die jüdische Literaturgeschichte verdankt ihm manchen wertvollen Beitrag. Auf dem Gebiet der hebräischen Grammatik galt Professor Caro als Kapazität. Wie bekannt wird, hat er ein größeres Werk, eine poetische mittelenglische Bearbeitung von Genesis und Exodus hinterlassen, das jetzt der Veröffentlichung harrt. Seine weitere Betätigung galt Anstalten und Stiftungen, so als langjähriger Kurator dem Waisenhaus und der Dr. Weilschen Stiftung zur Förderung der Schulentlassenen. Die Judenfrage an den rumänischen Hochschulen Bukarest. Die Bestrebungen, das jüdische Element an den rumänischen Hochschulen, die bekanntlich ohnehin seit Jahren durch einseitige Handhabung der Aufnahmevorschrifteil eine Art von verhülltem Numerus clausus eingeführt haben, noch weiter zurückzudrängen, sind auch auf dem Kongreß der Christlichen Studentenschaft Rumäniens zutage getreten, der jetzt in Herkulesbad abgehalten wurde. Es wurde eine Resolution angenommen, in der von'neuem die Einführung des Numerus, clausus „zum Schutz der nationalen Kultur“ verlangt wurde. Einzelne Stüdentengruppen hatten weitergehende Anträge gestellt, in denen die Einführung des Numerus clausus auch auf -außerakademischen Gebieten gefordert worden war. Pessachspende der Londoner Juden London. Die Londoner Federation of Jewish Relief Orgar.isations hat als Pessachhilfe für arme Juden in Osteuropa, besonders in Rußland, eine größere Spende aufgebracht. Es wurden von ihr 7500 Pfund dem genannten Zweck zugeführt. Oberkomminar James MacDonald auf dem Wege nach London New York. Der Oberkommissar für Emigrantenfürsorge, James Q. MacDonald, hat die Rückreise nach Europa allgetreten. Er geht zunächst nach London, um an der Campagne des Central. Britisli Fund zugunsten der deutschen. Juden teilzunehmen. Von dort begibt er sich in die Zentren verschiedener Länder, wo aus Deutschland Ausgewanderte leben, und kehrt dann nach London zurück, um an der am 2. Mai beginnenden Session des Verwaltungsrates des Emig r a n t e n h tl f s w e r k s tcilzunehmen. Herausgeber: Hanns Loewenstein, Bcrlin-Charlottenburg 4. Häuptschriftleiter und verantwortlich für den gesamten redaktionellen Text: Dr.'Eugen Tannenbaum, Berlin- Wilmersdorf; Leitung der Anzeigenabteilung und verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Georg Michaelsohn, Berlin-Charlottenbürg. DA 5000 III 34. — Druck: Sonnen-; druckerei GmbH (Felix Wolf), Berlin-Charlottenburg 4, Weimarer Straße 18.