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Jüdisch-liberale Zeitung · 1934-03-27 · 25 (27.3.1934) · page 2

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
14 (1934)
Issue
25 (27.3.1934)
Date
1934-03-27
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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der rauh und scharf war; viele Blüten vom Baum unseres deutsch-jüdischen Seins sind ihm zum Opfer gefallen, manche darunter, die uns die liebsten und schönsten zu sein schienen. Daß aber die Wiederkehr des ersten April grade in diesem Jahr mit dem Osterfest zusammenfällt, zwingt uns, im Hoffen die Verbindung zu ziehen zu den Worten aus dem Oster- _ Spaziergang des ,.Faust“: „Vom Eise befreit sind Ström und Bäche Durch des Frühlings-holden, belebenden Blick...“ Wenn wir unseren Schmerz um das Geschehene früchtbar gestalten, wenn wir verstehen, was das Pessachfest uns zu sagen hat, dann wird auch für uns das gelten. Auch uns gehört die Frühlingssonne, auch für uns grünt es in den Wäldern, noch sind wir 5 deutsche Juden und nichts als dies. Vielleicht, nein wahrscheinlich sind die Aussichten unserer nächsten . Zukunft nicht rosig, der. Weg, den wir zu gehen haben, wird steinig und schmal sein. Aber wir dürfen hoffen, dürfen den neuen Glauben des Frühlings auch in unser Leben hineinstrahlen lassen. Es ist nicht ganz leicht, heute auf die baldige Erfüllung unseres tiefsten Wunsches zu hoffen, aber die Besonderheit dieses Tages, der Schmerz-und Hoffnung in sich trägt," der : uns letzte Verbindungen in allem Geschehen zeigt, läßt uns voll Zuversicht das Kommende erwarten. Dies" allerdings ist sicher: daß wir nur die Zukunft uns gestalten können, deren wir uns in allem Sein als würdig erweisen. Hans Saniter. * Die Reichsvertretung der deutschen Juden hat jetzt Schlichtungsstelle errichtet -Wie erinnerlich, war auf der ersten Beiratssitzung der Rcichsvertretung der deutschen Juden, die am 11. Februar in Berlin stattfand, eine Art Burgfrieden zwischen den einzelnen jüdischen Richtungen beschlossen worden. Im Verfolg dieser Aktion hat die Reichsvertretung nunmehr eine Schlichtungsstelle geschaffen, mit einer Schlichtungsordnung, die ihr ein Mittel in die Hand gibt, gegen Ausartung innerjüdischer Auseinandersetzungen vorzugehen undjüdische Solidarität bei solchen Konflikten zu wahren. Wenn diese Schlichtungsstelle, nämlich der Präsidialaiisschul) der Reichsvertretung, nunmehr darüber zu entscheiden hat, ob eine jüdische Stelle oder eine Person die Pflicht zur jüdischen Solidarität verletzt hat, so bedeutet das eine Erneuerung der Zuchtgewalt int deutschen Judentum, die die Gesamtheit schützen soll gegen Schädigung durch Einzelne. Die doppelte Funktion der Schlichtungsstellc wird sich etwa folgendermaßen äullern: Die Schlichtungsstelle wird tätig auf Antrag etwa einer Gemeinde, einer jüdischen Organisation, einer sonstigen Institution. Das allgemeine Interesse 5 kann aber erfordern, daß, auch wenn der Betreffende einen “.Antrag nicht stellt, von Seiten der Reichsvertretung ein Verfahren vor der Schlichtungsstelle in Gang gebracht wird. Es ist jedoch, nicht daran gedacht, jedem Einzelnen die Möglichkeit zu Einzelve'rfahren zu geben,' weil dadurch die Schlichtungsstelle möglicherweise außerordentlich überlastet würde. Die Aufgabe der Schlichtungsstelle ist nicht beschränkt auf derartige Fälle, in denen der Vorwurf der Verletzung der Pflicht zur jüdischen Solidarität erhoben wird. Es kommen vielmehr (läufig Schwierigkeiten zwischen Organisationen und sonstigen jüdischen Stellen vor, an deren Schlichtung ein allgemeibes Interesse besteht, ohne daß cs notwendig oder auch nur zweckmäßig ist, einen Spruch in Form eines Verdikts zu fällen; z. B. infolge von Differenzen, die durch Meinungsverschiedenheiten über Abgrenzung der Arbeitsgebiete, oder durch Beanstandung von Werbungsmethoden entstehen. In -diesem Fall stellt die Schlichtungsstelle fest, ob die beanstandete Maßnahme erfolgen darf oder nicht, eventuell auch wUsHwsitiv zu geschehen hat. Wir wollen hoffen, daß es nun nicht gleich zu einer Flut von Verfahren kommt, sondern daß schon das Vorhandensein der Sclilichtungsstelle genügt, sich erzieherisch auf die Gesamtheit auszuwirken. Aussprache in der Erneueningsbewegung Unser Schicksal wird in Deutschland entschieden Die Emeuerungsbewegung der jüdischen Deutschen hatte, wie bereits in der letzten Nummer unseres Blattes kurz berichtet, zu einem Ausspracheabend eingeladen.. In seiner den Abend einleitenden Ansprache, umriß der Vorsitzende Bruno Woj’d'a zunächst kurz die Ziele def Erneuerungsbewegung. Nach einem Appell an die Versammlung, an der Beseitigung der Arbeitslosigkeit soweit wie möglich mitzuwirken, kam Wovda auf die Judenfrage zu sprechen. Wenn dieses Problem auch noch zu Tegeln sei, so dürfe man doch nicht immer über die Schwere der Zeiten klagen, es sei vielmehr erfor- - derlich, au den entscheidenden Aufgaben mitzuwirken, damit spätere Generationen einmal sagen können, daß wir unseren ' Mann gestanden hätten, bei der Mitarbeit der Eingliederung, der Juden in das deutsche Kultur- und Wirtschaftsleben. Hier niitzuwirken sei eigentlich Aufgabe aller Organisa- tionen. Das- Bestreben jedoch, sich auf einer mittleren Linie zu einigen, könne auf die Dauer nicht befriedigen. Eine Notgemeinschafr, wenn es sich um Hilfe, gemeinsames Rechtsuchen und um Schutzmaßnahmen handle, sei etwas sehr Schönes, sie sei aber nicht geboten da, wo es sich um Eingliederung in das Staatslcben drehe. Da könnten die Dinge nicht verschleiert werden. Wovda ging dann über zu der Frage: Was wird aus den jüdischen Gemeinden? Sie hätten die Verpflichtung, ihre Mitglieder nicht nur im jüdischen, sonderir als Deutsche auch im deutschen Kulturkreis zuunterweisen. Was Palästina angehe, so habe cs ohne Frage zur Beseitigung von wirtschaftlichen Schwierigkeiten bei- . getragen. Man müsse jedoch in Betracht ziehen, daß trotz der großen zionistischen Propaganda in diesem Lande nicht einmal .so viel Juden wohnten wie in Berlin. Was die Propaganda betreffe, so werde in Berlin von Palästina mehr gesprochen als von den eigenen Sorgen. Es entspann sich dann eine lebhafte Debatte, in der Wilhelm Marcus zugab, daß die jüdische Öffentlichkeit sehr vorsichtig an die Bewegung herangegangen sei. „Unser .Schicksal“, so führte Wilhelm Marcus aus, „wird in Deutschlandentschieden. Es fehlt der innere Schwung in unseren Kreisen, der Mut, sich öffentlich zu dem zu bekennen, was man für richtig erkannt hat. Die Entscheidung liegt darin: Wollen wir als deutsche Juden hierbleiben oder erstreben wir -Palästina. Entscheiden wir uns für deutsches Es wird gemeldet: Die Tagespresse veröffentlicht Mitteilungen über ein vom Reichskabinett verabschiedetes Gesetz zur Änderung des Gesetzes über die Wiederherstellung des Berufsbeamtentums. Während einzelne im ursprünglichen Gesetz bestimmte Fristen verlängert werden, wurde die Frist zur Entfernung auf Grund des Arierparagraphen nicht verlängert. Die Maßnahmen, die sich gegen Parteibüch-Beamte, Nichtarier oder politisch unzuverlässige Beamte richten, gelten als abgeschlossen. Wie aus London gemeldet wird, tritt heute dort unter dem Vorsitz Anthony de Rothschilds eine große anglojüdische Konferenz zusammen, auf der der Beginn einer zweiten großen Sammelaktion der englischen Judenheit für das Hilfswerk zugunsten deutscher Juden proklamiert werden soll. * Auf dem Neuen Israelitischen Friedhof in München wurde unter großer Beteiligung der Syndikus der Israelitischen Kultusgemeinde München und des Verbandes der bayerischen israelitischen Gemeinden, Rechtsanwalt Martin Flaschner, beigesetzt. Die Gedächtnisrede hielt Rabbiner Dr. Baerwald. Auch Obertslandesgerichtsrat a. D. Dri Neumeyer hielt im Namen der Israelitischen Kultusgemeinde dem Verstorbenen einen warmen- Nachruf. * Wie aus Straßburg gemeldet wird, hat das dortige jüdische Hilfskomitee die Hilfsmaßnahmen für Auswanderer erheblich eingeschränkt. Das jüdische Heim wurde geschlossen. Die meisten Auswanderer konnten eine Aufenthaltsgenehmigung für das Elsaß nicht mehr erhalten. * In Warschau ist der ehemalige ukrainische Minister für jüdische Angelegenheiten, Moses Silberfarb, der in den letzten 13 Jahren als Führer des Verbandes ORT zur Förderung der Landwirtschaft und des Handwerks unter den Juden in Warschau ansässig war, im Alter von 58 Jahren gestorben. Nach dem Vordringen des Kommunismus hatte er sich aus dem politischen Leben zurückgezogen und widmete sich ausschließlich sozialer und kultureller Tätigkeit. * Nach einer Privatmeldung aus Posen hat in der dortigen Sy n a go g e anläßlich des Namenstages des Marschalls Pilsudski ein Festgottesdienst stattgefunden. * Nach einer Meldung der „Deutschen Zahnärztlichen' Wochenschrift“ aus Jamaika hat die dortige Ärztevereinigung gegen die Niederlassung vonjüdischenÄrzten aus Deutsc hland Einspruch erhoben. Die ansässigen Ärzte hatten ursprünglich nichts gegen die Niederlassung der Fremden einzuwenden. ■r ■ * ■ Eine Deputation des belgischen Judentums, bestehend aus dem Grand Rabbin von Belgien, Dr. Joseph Wiener, und dem Vorstand des jüdischen Konsistoriums wurde vom König Leopold III.. von Belgien empfangen. Die Deputation beglückwünschte den jungen König zu seiner Thronbesteigung. Der König erklärte, er sei. erfreut über diese Loyalitätskundgebung der jüdischen Bevölkerung Belgiens. ■ * Nach langen Verhandlungen der Kriegsopferabteilung des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten mit der Nationalsozialistischen Kriegsopferversorgung und der Alliance- und Stuttgarter Lebensversicherungsbank A.-G. ist zwischen diesem Institut und der Nationalsozialistischen Kriegsopferversorgung eine Abmachung zustande gekommen, der auch der R.j.F. beigetreten ist. Dadurch wird die Sicherung der Sterbe g e 1 d an s p rü ch e jüdischer Kriegsopfer ermöglicht. Judentum, dann müssen wir überall unseren Standpunkt eindeutig zum Ausdruck bringen. Wir" müssen auch unsere Jugend so erziehen, daß sie in Deutschland bleibt.“ Im Verlauf der Debatte, an der sich u. a. die Herren Dr. F1 eisch er, Dr. Caro und Dr. Peyser beteiligten, ergriff auch George G o e t z das Wort, um eine Reihe von Fragen zu dem aktuellen Problem über die Neuformierung der Gemeindekörperschaften aufzuwerfen. Über die Aufbauarbeit in den jüdischen Gemeinden Heinrich Stern in Breslau Breslau. Die Versammlungdes rel igiös - liberalen Vereins der hiesigen Synagogengemeinde, die im überfüllten Saal der Lessing-Loge" stattfand, hatte ihre besondere Bedeutung dadurch, daß als Redner der Vorsitzende der Berliner Repräsentantenversammlung sowie der Vereinigung für das religiös-liberale Judentum, Rechtsanwalt Heinrich Stern, als Redner gewonnen war. Der unentwegte Vorkämpfer der religiös-liberalen Richtung innerhalb der deutschen Juden hatte sich als Thema „Unsere Aufbauarbeit in den jüdischen Gemeinde n“ gewählt. Er wandte sich gegen die in letzter Zeit vielfach aufgestellte Behauptung, die Emanzipation hätte für die deutschen Juden zu einem Leerlauf oder gar zur Entartung ihrer jüdischen Daseinsformen geführt. Das deutsche Judentum könne im Gegenteil mit Stolz auf seine segensreiche Wirksamkeit für die jüdische Wissenschaft sowie für die seelische und soziale Gesundung des Gesamtjudentums iiimveisen. Die Liebe des deutschen Juden zu deutschem Land und Volk dränge nicht nach einem Lippenbekenntnis, sie sei erhärtet und bewiesen durch die Geschichte von mehr als einem Jahrtausend. Ein großer Teil der jetzt Ausgewanderten sehne sich nach der deutschen Heimat zurück, selbst viele derjenigen, die im Ausland eine neue Existenz gefunden hätten. Wenn auch vermutlich in Zukunft der materielle Lebensstandard der deutschen Juden absinken werde, so müsse der seelische und ethische unter allen Umständen um so mehr steigen. Der deutsche Jude müsse zurückfinden zu den Quellen, aus denen die jüdischen Generationen durch die Jahrtausende Mut, Kraft und Erhebung geschöpft hätten: zu den jüdischen Werten, zu einer einfachen innerlichen Frömmigkeit, zu einem starken Glauben an die geistig-sittlichen Aufgaben des Judentums. In den Dienst dieser Arheit müsse auch die jüdische Schule gestellt werden, die die beste Helferin zu neuem und gesundem jüdischen Leben sei. Die Ausführungen Heinrichs Sterns wurden von der Versammlung mit stärkstem Beifall aufgenommen. Die Veranstaltung war von musikalischen Darbietungen umrahmt. Der Vorsitzende des veranstaltenden Vereins, Philipp Lachs, konnte die sehr beifällig aufgenommene Mitteilung machen, daß zum 1. April eine jüdische Schule mit religiösliberalem Charakter in Breslau errichtet werde. Konzerte im Reich Violinahend in Karlsruhe. Frau St e i ge r- B e t za k- Frankfurt gab hier einen Violin-Abend. Aut das Rondo Brillant von Schubert folgte die g-moll Sonate von Bach für Violine allein und dann die beiden Romanzen vpn Beethoven. Die Künstlerin zeigte in diesen Stücken, daß sie über eine hervorragende Technik verfügt, welche die großen Schwierigkeiten mühelos überwindet. Im zweiten Teil ides Programms entwickelte die Geigerin in den Chassidischen Stimmungen von Bloch Wärme und Empfindungen. Den Schluß bildete das Perpetuum mobile von Paganini und als Zugabe der Rosmarin Walzer von Kreisler. Am Flügel waltete Kapellmeister Stern seines Amtes mit gewohnter Meisterschaft. Dr. K. im Rahmen der Frankfurter Veranstaltungen der Gesellschaft für jüdische Volksbildung konzertierte der Jüdische Kammerchor, der unter der Leitung Dr. Nathan Ehrenreichs zu einem der fruchtbarsten künstlerischen Institutionen im jüdischen Leben Sütjjyestdeutschlands geworden ist. Knapp ein halbes Jahr nach seiner Gründung ist der jüdische. Kammerchor zu einer Madrigalvereinigung geworden, der innerhalb der deutsch-jüdischen Bestrebungen dieser Art kaum eine Leistung zur "Seite gestellt werden kann. Mit ausgezeichneter Disziplin, fein nuancierend, jedoch immer unmittelbar musikalisch, ungekünstelt und frisch, befriedigt der Ehrenreichsche Chor auch die verwöhnten Ansprüche eines im intensiven Frankfurter Musikleben geschulten Publikums. Das Programm brachte neben schwierigen Stücken aus dem 16. Jahrhundert einige palästinensische Hirtenweisen, von Brandmann aufge- -zeichnet, Volksweisen ohne Worte („Nigunim“) in der Bearbeitung von Herbert Fromm und mit wundervoller, blühender Frische Chöre von Mendelssohn-Bartholdv. Zur Bereiche- . rung trug das Händelsche Kammerkonzert für Bratsche und Klavier bei, beidem Alice Rosenbaum am Flügel und Theo ■ Rälner als Bratschist ihre vornehme, feine Musikalität erneut bewiesen. Ein Kaddisch von Alexander Weprik das zwar an die Ausführenden sehr hohe Anforderungen stellte, vermochte nicht die ungeteilte Zustimmung zu finden, wie alle übrigen Darbietungen. Der starke Besuch des Konzerts bewies die Aufgeschlossenheit des Frankfurter Publikums für Werie klassischer Musik. —-r. Synagogenkonzert in Hannover. Das Konzert des neugebildeten Streichorchesters . und des gleichfalls neugegründeten gemischten Chors bedeutete ein Ereignis für unsere Gemeinde. In kaum mehr als drei Monaten hatte Kapellmeister Julius Paperle ein Liebhaberorchester erstehen lassen und zu einem Klangkörper von Qualität herangebildet. So konnte das Orchester dem das Gotteshaus bis zum letzten Platz füllenden Publikum mit einem durchaus anspruchsvollen Programm und ausgezeichneten Leistungen aufwarten. Auch der Chor zeigte, daß er es dank der straffen Disziplin unseres bewährten Synagogenchor-Dirigenten John Mandelbrod in der Pflege reinen und tonschönen a capella Gesanges bereits, erstaunlich weit gebracht hat. In hebräischen mit Mandelbrod gemeinsam komponierten Liedern konnte der stimmgewaltige Oberkantor A11 e r erneut seine hohe Gesangskultur offenbaren. Als Solöpianist trat Mandelbrod erfolgreich mit der virtuosen Wiedergabe der Mondscheinsonate von Beethoven hervor. O.B. Kulturkreis Halle. Nach einem instruktiven Vortrag von Professor Dr. Emst Wertheimer-Halle über „Rassenfremdheit als biologisches Prinzip“ gab es einen „Bunten Abend“ mit Berlinern Künstlern, wie Frida Weber-Fleßburg, Stella Hay,-Max Kuttner und Harry Hauptmann. Jeder gab . sein Bestes. Die Darbietungen würden, eingeleitet von einem Prolog, den Elly Adler-Halle sprach. — Nicht unerwähnt bleibe ein Konzertabend, zu dem der Kunstkreis des Jüdischen Jugendbündes und der Jüdischen Chorgemeinschaft (Leitung: Sofie Loewe und Leo Schönbach) zu Gunsten eines Fonds für Künstlerhilfe eingeladen hatte. Einheimische Kräfte boten ein ebenso reichhaltiges wie künstlerisches Programm. Der Abend wurde zu Gunsten des Israelitischen Frauenvereins wiederholt und brachte auch da nach jeder Richtung hin einen vollen Erfolg. Elly Reicher im Jüdischen Kulturbund Rhein-Ruhr. Elly R e i c he r,' die Tochter des unvergeßlichen Schauspielers Emanuel. Reicher, hatte als Auftakt ihres schönen Rezitationsabends in K ö 1 n ein Kapitel aus der Bibel gewählt. Sie las Absaloms Abfall und Tod aus dem 2. Buch Samuel und gestaltete aus Stimme und Gebärde ein Stück Altes Testament, das außerordentlich wirksam war. Die Zuhörer standen im Bann des Gebotenen. Sehr stark kam. auch die Begabung der Künstlerin in Dialogszenen und in ausgezeichnet interpretierten Morgenstern-Gedichten zum Ausdruck. Ein erfreulicher Abend: Rezitation, wie sie sein soll, um dem modernen Menschen erträglich zu sein — gehalten in der Form und inhaltlich hinführend zu den Werten der Vergangenheit, die keiner Diskussion mehr bedürfen. O. St. In der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums behandelte Dr. Chanoch'A1 b e c k im Rahmen der öffentlichen Vorlesungen den Talmud. Der Talmud ist die schriftliche Fixierung der Diskussionen, die in den großen rabbinischen Schulen Palästinas und Babylons geführt wurden; er trägt durchaus enzyklopädischen Charakter, umfaßt also alle Gebiete des damaligen Wissens, Der protokollartige Charakter bringt es mit sich, daß die verschiedenartigsten Äußerungen, auch weniger bedeutsame und mitunter-auch weniger wertvolle, Aufnahme gefunden haben. Ohne Würdigung dieser grundsätzlichen Züge ist ein Verständnis des Talmuds nicht möglich. Dr. Albeck gab auch Beispiele des aggadischen (erzählenden) Teiles des Talmuds." In der letzten Vorlesung der Reihe sprach Rabbiner Dr. Wiener über „König David und seine Zeit“, Keine Gestalt sei tiefer ins Bewußtsein des Volkes eingedrungen als die seine. Dr. Wiener entwarf ein fesselndes Bild von der historischen Wirksamkeit dieses Mannes und erklärte die Verehrung Davids im Volke, die ungeheure Anziehungskraft, die von dieser menschlichen Gestalt ausgehe. f.

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