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Jüdisch-liberale Zeitung · 1934-03-27 · 25 (27.3.1934) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
14 (1934)
Issue
25 (27.3.1934)
Date
1934-03-27
Page
– (sequence 3)
Language
German
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4. Jahrgang Nummer 25 3üölfcli-lllieca(e 3el(ttttg Beilage 27 März 1934 Kleine Bilder vom Schachturnier der Jüdischen Schachvereinigung Aus der Welt der Hatzadah Zug um Zug Das lautlose täte Dr. M. W. Frankfurt a. M., im März. Die Frankfurter wissen nicht viel von ihnen. Schachspieler sind nun einmal eine exklusive Gesellschaft und von Natur leise; Es liegt ihnen nicht, von sich zu reden oder von sich reden zu machen; vielleicht, weil sie über dem Schachbrett und seinen Zügen das Reden für eine überflüssige Art der Verständigung einschätzen lernten. Seit drei Wochen spielen sie in der Frankfurter Jüdischen Schachvereinigung ihr erstes Turnier. Ganz unter kich. Aber mit allen Spannungen, in großer Hingabe an die Sache und mit stillen Erfolgen, die nur sie zu werten verstehen. * Im April 1933 fingen die deutschen Schachvereine an, ihre jüdischen Mitglieder, darunter Männer wie Lasker, auszuschließen. Schon im Mal hatten sich viele von den Ausgeschlossenen zueinander gefunden. In Frankfurt spielten sie droben im Cafe Falk am Eschenheimer Turm, und als der Herbst kam, waren es da soviele geworden, daß sie sich zum Verein zusammentun konnten, als Jüdische Schachvereinigung Frankfurt am Main. Könner unter ihnen und bekannte Namen; vor allem aber, — und darauf kommt es ihnen an! — Nachwuchs. Sie wollen, das edle Spiel pflegen, sie wollen der Jugend Gelegenheit geben, es zu lernen, sich in ihm zu vervollkommnen. Jetzt, im März, sind sie soweit, daß sie ihr erstes Turnier spielen. Nicht um irgend . eines Ehrgeizes willen. Sie sind ia ganz unter sich. Es geht vielmehr darum, unter den 24 Teilnehmern, 23 Herren und einer Dame, die in drei' Klassen spielen, die Spielstärke klassenmäßig festzustellen, damit bei späteren Spielkämpfen, etwa mit Schachvereinen anderejüdischer Gemeinschaften, klar feststeht, wie man die Bretter zu besetzen hat Und außerdem macht es ihnen Freude. * Drunten das Cafe ist angefüllt mit den üblichen Geräuschen von Stühlerücken, Geschirrgeklapper, schwirrenden Stimmen Aber schon auf der Treppe nach oben scheint die Lautlosigkeit auf den Kommenden zu sinken; die dort in den paar Zimmern gebietet: es ist so still, daß selbst das leise Klappern von Schachfiguren, die in ihr Kästchen weggepackt werden, wie aufdringlicher Lärm gerügt wird, das haucnleise selbstvergessene Vor-sich-Hinpfeifen eines tief versunkenen Spielers scharfes- Zischen hervorruft. Dann und da ein ein Flüstern, das kaum merkliche Aufsetzen einer Kaffeetasse nebeneinem' Spielen (Das ist charakteristisch — nur Kaffeetassen stehen neben den Tischen, Alkohol scheint unbeliebt zu sein' —). Ober den gesenkten Köpfen, den Händen in der erstarrten Gebärde des Nachdenkens, wölkt der blaue Tabakrauch, und die Aschenbecher stehen fast gleichberechtigt neben den Schachdecken, die gleichmäßig, mit den gleichen vorschriftsmäßigen Figuren bestellt, da allein, dort je zwei auf einem Tisch ausgebreitet sind. Das Turnier ist im Gang. Schweigend fassen die Spieler nach Rössel oder Turm, einer oder der andere notiert sich den getanen Zug sofort auf dem . Block, rechnend, überblickend... Im Nebenzimmer sitzen ein paar von den Favoriten, die ihre Partieen-für diesen Abend zu Ende gespielt haben. Sie haben die Köpfe über einem Schachbrett und ziehen eine interessante Turnierpartie noch einmal nach. Sie; spielen sie jetzt „analytisch“. Praeger erzählt mir, er gehe in einen Kampf mit einem schweren Gegner ohne Bedenken, sicher und gleichmütig, während ihn der schwächere Gegner nervös mache. (Es verliert sich leichter gegen den Stärkeren!) Silberberg, der in der ersten Klasse spielt, bezeichnet sich selbst als- Spitzenspieler der zweiten Klasse, der 'in diesem Turnier nur als Aushilfe in die erste gegangen sei — aber er hat m seinen drei Partieen .schon sehr gilt abgeschintten, weil, er unbekümmert heranging, wie er memt. Loeh steht unter dem Eindruck seines eben erspielten Siegs, Professor Mannheimer, der bekannteste der hier genannten ersten Klasse, sitzt nebenan und „analysiert“, während die Herren St ad eck er und Spinat noch die letzte Partie und damit die erste Klassen-Runde des Abends zu Ende spielen. Sie sitzen in einer Ecke, dunkle junge Köpfe, ritit dem eigenartig gespannten und tief versonnenen Ausdruck, der alle Gesichter im Kaum einander ähnlich sehen läßt. Sie haben alle hohen Stirnen und zurückliegende Augen; ^jele Brillenträger; sehr viele schöne Hände... * Sie spielen. Es ist jene stille Besessenheit um sie, die den rechten Spieler Essen, Trinken und Schlafen vergessen läßt.. Sie spielen das geistvolle, vornehme Spiel, in dem es keine Zwiespalte und keine Streitereien geben kann. Zug um Zug. Was. getan ist, ist hier unwiderruflich, ob es klug war oder falsch. Man hat für seine Züge einzustehen. Sie spielen um die Ehre, in ihrer jungen Schachvereinigung der Beste oder einer der Besten zu sein.. An diesem dritten Turnierabend, dem noch sieben folgen werden, ist die Tabelle noch wenig beschrieben, sind alle Chancen noch offen. Die Spannung im Raum wird noch steigen. Freude am Sieg wird da sein wie heute anständig getragene Niederlage — und alles in allem die Bewährung in der .selbstgeschaffenen jüdischen Gemeinschaft. - Qxoße dbeut&cfre üßer da» (Judentum Friedrich Hebbel befand sich einst mit L.A. Frankl auf dem Israelitischen Friedhof in-Wien, um der Frau des Schriftstellers Mosenthal die letzte Ehre zu -erweisen. Als er dort den Kantor die hebräischen' Gebete rezitieren hörte, sagte er: „Ich-höre heute zum ersten Male die Laute der Bibel in der Ursprache. Es ist wunderbar, eine Sprache aus Jahrtausenden an das Ohr schlagen zu . hören. Weil sie an ihrer Sprache festhalten, sind die Juden eyvig. Kein Volk der Erde hat ein •Dokument aufzuweisen, wie es das Alte Testament ist. Di-e Juden können noch reden wie Mose sprach, mit denselben Worten und Wendungen. Mir ist, als verstände ich mehr die vom Prediger in der Ursprache. vorgetragenen Bibelverse, als die, welche er deutsch vorträgt.“ Friedrich Hebbel. Josefs Sarg Es heißt: „Und Mose nahm die Gebeine Josefs mitsich.“ Hier kann man sehen, wie lieb unserem Lehrer Mose das Gottesgebet war; das übrige Israel war. damit beschäftigt, sein Erobertes mitzunehmen, er aber war um die Erfüllung des Gebotes bemüht. Und woher wußte unser Lehrer Mose, wo Josef begraben war? Aus jenem Geschlecht war noch Seriell, "Tochter Aschers, am Lehen; zu ihr ging Mose und fragte sie:. „Weißt du vielleicht,-wo Josef begraben ist?" Sie antwortete ihm: „ln einem metallenen Sarg haben ihn die Ägypter getan, und den haben sie dann in den Nil gesenkt, damit seine Wasser gesegnet seien; dazu haben die Schriftkundigen noch zum Pharao gesagH-willst du, daß dieses Volk nie von hier weggehe, dann sorge dafür, daß Josefs Gebeine wohlverwahrt seien; findet es sie nicht, kann es nie .von hier fort “ Mose ging und stellte sieh an das Ufer des Nils; er rief: „Josef, Josef, gekommen ist die Stunde, da der Heilige, geloht sei er, Israel erlöst, und gekommen ist die Stunde,. da dcii Schwu.- erfüllt Werden soll, mit dem ilu Israel einst beschworen hast. Die Gegenwart Gottes ivaftet auf dich, Israel wartet auf dich, die Wolken der Herrlichkeit warten auf dich. Zeigst du dich jetzt — gut dann, wenn nicht, sind wir deines Schwures ledig.“ Alsbald tauchte der Sarg Josefs empor mul schwamm aus den Tiefen herauf gleich einem Schilfrohr. Mose holte ihn und nahm ilür mit sich. - Und all die Jahre von Israels Wanderung durch die Wüste zogen die Lade mit Josefs Gebeinen und die-iiciligc Lade der Gegenwart Gottes nebeneinander vor Israel her. I )ie Vorübergehenden fragten: Was ist’s-mit diesen beiden Laden? Sie erhielten die Antwort: ln der einen ist der große Tute, in der anderen die Gegenwart Gottes. Fragte einer: Und was hat der Tote für ein Recht neben der Gegenwart Gottes?, so erhielt er die Antwort: „Er hat verwirklicht all das, was auf den-Tafeln der Gegenwart Gottes als Gebot verzeichnet ist." Faule Fisch . . . Es heißt:; ,,Ei ,war, als Pharao Israel fortschtckte.'.* Vorher aber hatte er gesagt: „Ich werde Israel nicht-; fort-, schicken.“ Womit kann man aas vergleichen? Ein König sprach zu seinem Knecht: „Och auf den Markt und hole mir einen Fisch.“ Der Erachte ihm einen Fisch, aber er roch. Sagte der König zu Ihm: „Was Ist dir Heber: Entweder du' ißt den Fisch, oder du ersetzt mir, was er gekostet hat, oder du läßt dir eine Tracht Prügel;geben?" b Der Knecht sagte: „Gut, ich esse ihn.“ Kaum hatte er etwas davon gegessen, wurde ihm übcW und er sprach: „Dann schon lieber Prügel.“ Er hatte einige Hiebe bekommen, da hielt er es schon nicht mehr aus und schrie: „Nein, ich bezahle lieber.“ Also: hatte er den faulen Fisch gegessen und seine Prügel weg, und mußte doch sein Geld noch zahlen. So hatte Pharao Israel in Ägypten über Gebühr ge- ' knechtet. Der Heilige, gelobt sei er, hatte ihm gesagt: „Laß ' Israel riehen,“ er hatte geantwortet: „Ich kenne Gott nicht.“ Gott brachte die zehn Plagen über ihn, er ließ sie nicht ziehen, da sagte der Heilige, gelobt sei er, bei deinem Leben, du wirst ihnen den vorenthaltenen Lohn geben müssen; so heißt es dennauch:: „Und Gott gab dem Volke Gunst-in den Augen Ägyptens. Als er die Plagen gespürt hatte, und ihnen den Löhn gegeben' hatte, mußte er sie ziehen lassen.“ M. D. Ziehung 1.10.20. u. 21. April Pirtlalslolli Gesamtgewinne in 5 Klassen ober 66 Millionen UM Hauptgewinne RM 1000000 300000 100000 O.0. w.; 1/0 1/4 Vi Dippel Lei zu 3.— 8.— 24.- 48.- RM Porto and Liste 30 Pt extra SäwoßSMiii Nene HönlgStr. 91 Posteoheck-Konto: Berlin 31130 TeL-AteOLÜCKSOOTT,Berlin Radio Hilfe West Charlottenb, Kantstr. 1281 rnhard Schmidt, Schneidermeister larlottenburg Droysenstrape3 »Fertigung eleganter Herrenkleidung ch bei StoFFzugabe. Erstklassige Verheilung! Solide Preise*. 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