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Jüdisch-liberale Zeitung · 1934-03-20 · 23 (20.3.1934) · page 2

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
14 (1934)
Issue
23 (20.3.1934)
Date
1934-03-20
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Kinder entscheidend zu beeinflußen, sodaß die Jugend selbst ihr Schicksal in die Hand nehmen muß. Und sie tut cs. Mutig, mit Energie, ohne Resignation. Ein erfreulicher.Beweis dafür ist die Gründung des Kreises deutschjüdischer Selbsthilfe „Land- und Handwerk“, der unter maßgeblicher Mitwirkung des Bundes deutsch-jüdischer Jugend ins Leben gerufen wurde, und dessen Aufgabe es sein soll, jüdische Existenzen in Deutschland zu schaffen und erhalten zu helfen. Wenn man hört, daß Vierzehnjährige, die jetzt zur Schulentlassung kommen,' viele, viele Stunden lang, . oft bis Mitternacht, in den Wartezimmern -der jüdischen Berufsberatungsstellen sitzen, um sich sachverständige Hilfe zu holen und sich den Menschen anzuvertrauen, die sie •nicht nur beruflich beraten, um sie einer gesunden Berufsstruktur einzugliedern, sondern ihnen auch durch pädagogische Beeinflußung. den Weg ins neue Leben erleichtern, — so braucht man um die Zukunft der jüdischen Jugend nicht bange zu sein. Ebenso wie in der nichtjüdischen Jugend, hier ganz im Sinn der nationalsozialistischen Regierung, ist auch unter der jungen jüdischen Generation ein erfreulich starker Drang zu den handwerklichen Berufen vorhanden. Aber eines muß in diesem Zusammenhang' einmal gesagt werden. Die Folgen der großen Ansammlung der Juden in akademischen, künstlerischen und kaufmännischen Berufen haben wir alle zu spüren bekommen. Trotzdem wäre es nun ebenso verkehrt, bei der gesamten Wirtschaftsstruktur alle-jugendlichen Bauschlosser, Tischler, Optiker werden zu lassen, sie um jeden Preis einem sogenannten Schwcrbcruf zuführen zu wollen, ohne eigentliche Liebe und Neigung. Auch bei neuer Verteilung muß . es in den kaufmännischen Berufen einen kräftig zupackenden Nachwuchs geben. Und wenn ein Kind künstlerische Begabung verrät, so besteht durchaus kein Grund, sie nicht zu fördern, unter der Voraussetzung'allerdings, daß eine künstlerische Existenz auch wirtschaftlich fundiert werden kann. Wesentlich bei der ganzen Frage ist, daß ein gesundes Verhältnis der berufstätigen Gattungen und Gruppen zueinander zustande-komint, und daß nicht von neuem eine anormale Berufsschichtung entsteht, die neue Gefahrenmomente in sich birgt. ■ Es ist wiederholt darauf hingewiesen worden, daß das Schicksal der jetzt dem Berufsleben zustrebeuden jüdischen Jugend nicht zuletzt abhängig ist von den wirtschaftlichen Existenzmöglichkeiten. Es wird davon abhängen, ob und wieweit unsere Jugend die Möglichkeiten zu handwerklicher Ausbildung und Ausübung sowie' zur landwirtschaftlichen Siedlung in Deutschland erhält. Es ist bekannt, daß anstelle von freien Innungen und Zwangsinnungen in Zukuft nur noch Pflichtinnungen bestehen werden. In einem Rundschreiben des Deutschen Handwerks- und Gewerbekammertages vom 6. Dezember v.J. an die Deutsche Handwerks- und Gewerbekammer über die Zulassung jüdischer Jugendlicher' zum Handwerk wurden grundsätzliche Ausführungen' gemacht, aus denen hervorgeht, daß im Reichswirtschaftsministerium über die neue berufsständische Ordnung im Handwerk die Festlegung irgend welcher Vorschriften, die nichtarische tjandwerker von der Lehrlingsausbildung, von der Zulassung zu den Prüfungen des Handwerks, vpn der Zugehörigkeit zu den kommenden Pflichtinnungen, sowie von der Lehrlingsanleitung usw. ausschließen, abgelehnt worden ist. In den nächsten Tagen dürfte das Reichsgesetz über den Neuaufbau des Handwerks, -das einen Aufbau auf weite Sicht einleitel, veröffentlicht werden. Wir hoffen, daß die angekündigten Durchführungsbestimmungen den gleichen Standpunkt einnehmen werden, -sodaß bei einem organischen Prozeß der Umformung unserer jüdischen Kinder ihre berufliche Zukunft, wenn auch in engerem Rahmen, gesichert ist. E. Tu. Anläßlich des bevorstehenden Beginns der unter Führung des Reichskanzlers stehenden Frühjahrsoffensive zur Gewinnung von Arbeitsplätzen in Deutschland richtet die Berliner Jüdische Gemeinde an die jüdischen Arbeitgeber den eindringlichen Appell, an dieser Großaktion mitzuwirken und'durch Einstellung jüdischer Arbeitsloser ihr Teil zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit zur Förderung der wirtschaftlichen Entwicklung Deutschlands beizutrngeu. Der Appell wird nicht ungehört bleiben, und auch der jüdischen Jugend,, die jetzt die Schule verläßt, auf dem Weg zur schaffenden Arbeit die Hilfe bringen, die sie braucht-und die sie verdient. . (Siehe auch den Artikel „Hochbetrieb“ in dieser Nummer.). .1 -:- Keine jüdischen Betriebsführer in Mittelfranken? '. Nürnberg. Der „Fränkische Kurier“ veröffentlicht .unter der Überschrift „Bildung der Vertrauensräte“ eine Mitteilung, die in offenkundigem Widerspruch zu der anläßlich des Erlasses der zweiten Durchführungsverordnung zum „Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit“ durch den Reichsarbeits- ' minister amtlich erfolgten Feststellung steht, wonach die Vorschriften über den Führer des Betriebs bereits im Gesetz selbst getroffen wurden. Dabei sei von der Aufstellung besonderer Voraussetzungen, auch hinsichtlich der Staats- ' angehörigkeit und der Rassenzugehörigkeit, abgesehen worden, so daß demnach auch nichtarische Unternehmer Führer des Betriebs sein können. ' Die betreffende Notiz im „Fränkischen Kurier“ lautet: „Die Gauleitung der NSBO. der Deutschen Arbeitsfront in Mitteltranken erläßt folgende Erklärung: „Wir geben bekannt, daß im Bereich des Gaues Alittelfranken Juden als B et ri eb sri ü li r e r nicht in Frage kommen. Jüdische Geschäftsinhaber haben einen arischen Vertreter zu benennen.“ Eine Rede des Treuhänders der Arbeit Wie grüßt der deutsche Jude? ‘ Aut einer „Feierabend-Kundgebung“ der Osram-Belegschaft, die vor einiger Zeit iin Berliner Sportpalast stattfarid, spracli u. a. aucli der Treuhänder der Arbeit, Johannes Engel. In seinen Ausführungen erwähnte er — wie wir den „Osram-Nachrichten“ entnehmen — auch diejenigen, „die ins Ausland geflüchtet sind: Sozialdemokratische Größen und daneben noch eine Portion Juden. Aus Palästina kommen jetzt dauernd die lautesten Klagen, die Nach- . richten über die Keilereien zwischen den Arabern und Juden hören gar nicht auf. Die Araber wollen die Juden nicht haben. Es sind aber doch schon so viele Juden näclt dem Land ihrer Väter zurückgewandert, vor allein Wissenschaftler, Ärzte und Rechtsanwälte, daß in Palästina, hauptsächlich in Jerusalem, auf zwei Patienten jetzt schon ein Arzt kommt. Der Jude hat aucli diese Stellen in Deutschland vor allen Dingen innegehabt, die Medizin und die Juristerei hat er doch gewissermaßen als Monopolstellung besessen. Uns ist es viel lieber, wenn wir die jüdischen Rechtsanwälte und die jüdischen Mediziner nicht mehr haben. Einige bleiben ja noch hier; zum Teil sind sie als Arbeitnehmer geblieben, zum Teil sind sie auch noch geldlich an den Betrieben beteiligt. Aber auf jeden Fall können wir dem Judentum eins sagen: Den Einfluß, den es einmal gehabt hat, wird es, solange ein Nationalsozialist lebt, nicht wieder bekommen. (Beifall!) Wenn nun hier und da in den einzelnen Betrieben noch so ein paar Juden stecken, dann dürfen wir nicht so ängstlich und so tattrig sein und meinen, daß die paar Juden, die noch darin sind, uns unseren Staat untergraben. Das können sie erstens nicht, und zweitens würden wir schon.zu sehr aufpassen.“ Wir können dem nur hinzufiigen, daß diese Juden weder den Wunsch noch den Willen haben, den Staat zu untergraben. Wenn sie in den Betrieben geblieben sind, so wollen sie darin, wie alle anderen im Betrieb, mitarbeiten. Im weiteren Verlauf seiner Rede ging Engel auch auf die Frage der Anwendung des deutschen Grußes ein. Er meinte, daß die Juden gar nicht recht wüßten, wie sie sich benehmen sollten. „Wenden sie den deutschen Gruß durcli Handhochheben an, oder sagen sie ,Heil Hitler!', so nimmt man ihnen das übel. Da fragt es sich, wie man es nun machen soll. Jetzt wird es ihnen gezeigt werden. Anschließend an die Verfügung des Reichsinnenmüiisters, der diese Grußpflicht für die verschiedenen Instanzen, für die Reichs-, Staats- -und Gemeindebehörden und auch, für die Betriebe geregelt hat, werde ich in meinem Bezirk östlich' der Elbe als Treuhänder eine Regelung herausgeben, wi e die Juden zu grüßen haben. Es geht nicht: man kann einem Nationalsozialistennicht zumuten, mit anzuhören, wenn irgendein Jude hereinkommt und unseren Kampfgruß . ,Heil!‘ oder ,Heil Hitler!1.anwendet. (Bravp!) Ich möchte sagen, daß sich das mit einem nationalsozialistischen Gewissen nie und nimmer vereinigen läßt. Es muß hier vielmehr eine Regelung dahingehend geschaffen werden: Die Deutschen unter sich wenden den deutschen Gruß an; die Juden rechnen aber nicht zu den deutschen Volksgenossen, folglich sollen sie auch den deutschen Gruß nicht anwenden. (Bravo!) Es bleibt ihnen überlassen, wie sie grüßen. Sie können'meinetwegen den'altbürgerlichen Gruß von früher anwenden, ,Guten Tag!1 oder .Guten Morgen!1. Was der andere Volksgenosse darauf erwidert, das bleibt ihm selbst überlassen. Ich glaube, daß wir damit hier eine Klarheit bekommen werden. Wenn ein jüdischer Arbeitnehmer in . ein Büro oder einen Fabriksaal kommt und seinen ,Guten Tag!' oder .Guten Morgen!1 sagt, dann können Sie genau so antworten, Sie können aber auch mit ,Heil!‘ antworten, das ist ganz gleich. Aber, wie gesagt, eins ist unvereinbar: daß die Juden hereinkommen und ,Heil!‘ sagen. Ich bitte, auch im Osrambetrieb — es sind ja nicht mehr viel Juden darin — sicli nacli dieser Anweisung zu richten; denn wir legen Wert darauf, daß im Betrieb Frieden herrscht. Dieser kann aber dadurch gestört werden, wenn die Nationalsozialisten, die jahrelang unter dem Kampfruf ,Heil Hitler!“ standen, diesen Gruß nunmehr auch von ihren früheren Feinden, von den Feinden der Völker überhaupt, von den Juden, angewandt sehen. Es muß und soll auch hier eine Klarheit herrschen. Ich glaube, wir kommen auf diese Weise ganz gut auseinander. Wir Nationalsozialisten müssen auch in dieser Hinsicht großzügig sein. Was stört mich das schon, wenn ein Nichtarier mir .Guten Tag!1 oder .Guten Aforgen!1 sagt; wenn er gar nichts sagt und’s Alaitl hält, ist mir’s recht; wenn er .Guten Tag!1 sagt — na ja, dann sagt er .Guten Tag!1!“ ' ' Daß wir Juden nicht mit ,Heil Hitler!1 grüßen dürfen, ist eigentlich selbstverständlich. Wenn aber manche Juden diesen Gruß angewendet haben, so geschah das in den meisten Fällen wohl in der Absicht, nur den Gruß mit dem entsprechenden Gegengruß zu erwidern. Es . ist erfreulich, wenn die von dem Treuhänder der Arbeit, Johannes Engel, angekündigte Regelung hier endgültig Klarheit schafft. Jüdische Abstammung kein Grund zur Verweigerung einer Schankkonzession Jüdischer Wirt und jüdische Gäste Karlsruhe. Der 'Badische Verwaltungsgcrichtshof in . Karlsruhe hat in einer Entscheidung vom Z. Februar 1934 (Akt.-Z. 186/33) eine Entschließung des Bezirksamts Mannheim vom 17. August 1933 aufgehoben, in der einem jüdischen Schankwirt die Erlaubnis zum Betrieb einer Schank- Wirtschaft verweigert worden war, weil er als Jude zur Führung einer Wirtschaft grundsätzlich nicht geeignet erscheine. Der Badische Verwaltungsgeriehtshof hat sich im Gegensatz zu dieser Entschließung des Bezirksrates auf den Standpunkt gestellt, daß die des Schutzes der deutschen Gesetzgebung überhaupt würdigen Juden in Deutschland diesen Schlitz des Gesetz es 'genießen und gerade auf dem Gebiete der freien Wirtschaft und des Gewerbes nicht anders hchandelt werden dürfen als nach Maßgabe des geltenden Rechts. Der Verwaltungsgeriehtshof sagt weiter, der Umstand, daß das fragliche Lokal fast ausschließlich von Juden besucht werde, lasse einen Schluß auf eine mangelnde Zuverlässigkeit des Gastwirts — als Wirt gerade eines solchen Lokals — nicht zu. Der Umstand, daß fast ausschließlich Juden in dem Lokal verkehrten, könne nicht zu der Folgerung führen, daß der Wirt nicht auch Jude sein dürfe, denn damit würde in der Praxis der Erfolg eintreten, daß Nichtarier schlechthin von dem Schankgewerbe ausgeschlossen wären. Bei der heutigen Einstellung des deutschen Volkes würden arische Gäste zu einem jüdischen Wirt kaum in genügender Zahl kommen. Solange die Gesetzgebung ein Verbot der Erlaubnis-, erteilung für das Wirtsgewerbe an Nichtarier nicht ausspreche, sei es aus Rechtsgründen nicht möglich, einen Juden lediglich wegen seiner Abstammung von diesem Gewerbe ausznschließen. Deutscher und jüdischer Viehmarkt Nürnberg. Auf der Jahreshauptversammlung, die die Zwaiigsinmmg für das Metzgergewerbe in Nürnberg dieser Tage abhielt, erklärte, einem Bericht der „Bayerischen Volkszeitung‘‘, Nürnberg, zufolge, der Pfleger des Vieh- und Schlachthofes, Stadtrat Haberkem, daß er den Antrag gestellt habe, vom 1. April ab den Vieh markt in zwei Abteilungen, in eine deutsche und eine jüdische, abzuteilcn. Es werde dann leicht sein, die Metzger festzustellen, die immer noch beim jüdischen Händler kaufen, denn es sei leider eine betrübliche Tatsache, daß heute noch 65 Prozent des Marktauftriebs aus jüdischen Anlieferungen stammen.. Es habe alsdann auch der nationale Viehhandel Gelegenheit zu' beweisen, daß er in der Lage sei, seine Aufgabe im neuen Staat zu erfüllen und daß es auch ohne Juden gehe. Als Badegäste unerwünscht Frankfurt a. M. Wie der „Frankfurter Zeitung“ gemeldet wird, hat der Gemeinderat des Nordseebades Westerland einmütig zum Ausdruck gebracht, daß Juden als Badegäste in Westerland nicht erwünscht seien. Dresden. Das Sächsische .Innenministerium hat dem Landesverband der sächsischen israelitischen Religionsgemeinden mitgeteilt, daß es gegen die Stellungnahme des Rates der Stadt Plauen und der Kreishauptmannschaft Zwickau, der zufolge Juden vom Besuch der städtischen Badeanstalten zu ihrem eigenen Schutze ausgeschlossen sind, nichts einzuwenden habe. Ein jüdischer Thronkandidat Unter dieser Überschrift berichtet die „Deutsche Allgemeine Zeitung“ über die sonderbaren Ansprüche eines Kairoer Juden; „Vor dem Staatsanwalt in Kairo erschien vor einigen Tagen ein alter Atann mit langem, weißem Bart namens Jakob Saleli und forderte eine amtliche Bestätigung seiner Rechte auf den Thron der Juden. Er sagte, er kämpfe schon seit vielen Jahren um den Thron seiner Ahnen, erklärte aber nicht näher, wer diese Ahnen seien. Das letzte eigentliche Königshaus der Juden war das Haus Davids. König Zedekia hat als'letztes regierendes Alitglied dieses Hauses 5S0 v. Chr. den Versuch gemacht, die Unabhängigkeit der Juden von den Babyloniern wieder licr;' zustellen. Der Versuch mißlang, und die Juden wurden in die babylonische Gefangenschaft geführt. Als 539 der Perserkönig Cvrus ihnen die Rückkehr gestattete, befand sich unter ihnen aucli Seriibabei, ein Nachkomme Zedekias. Das Haus Davids war damit aber noch nicht erloschen, und die Patriarchen der ersten nachchristlichen Jahrhunderte waren als rechtmäßige Nachkommen dieses Hauses anerkannt. Zur Zeit Christi war die jüdische Königswürde auf Herodes und seine Nachkommen übergegangen. Der erste Herodes war ein ldumäer aus Palästina und zum jüdischen -Glauben übergetreten.11 . ' Ehescheidung wegen verweigerten „Rosch HaschanafT-Geldes Budapest. Die Frau eines Kaufmanns batte von diesem 20 Pengö verlangt, um zum jüdischen Neujahr den Tisch festlicher bereiten zu können. Da der vermögende Kaufmann das Geld verweigerte, erbat die Frau den Betrag von ihrem Vater, verbrachte die Feiertage noch mit dem Gatten, zog dann aber zu ihren Eltern und kehrte auch auf mehrmalige Aufforderung des Mannes nicht mehr zu ihm zurück'. Nun klagte der Gatte wegen treulosen Verlassens und verlangte die Scheidung aus dem Verschulden der Frau. Die Kurie hat das Verlangen abgewiesen. In der Begründung heißt es, daß der Ehemann seine Frau am festlichen Begehen d e r F ei e rt a g e n i cht hindern dürfe und daß daher die Frau das Haus mit Recht verlassen habe. Die Vorenthalturig des für die Feiertage erbetenen Betrages sei mit der Stellung'eines Familienoberhauptes unvereinbar, .weshalb die Ehe aus. dem Verschulden des Mannes zu lösen war. Zehn Jahre Gesellschaft für jüdische Famiiienforschung Die Gesellschaft für jüdische Familienforschung kann im Mai dieses Jahres auf ihr zehnjähriges Bestehen zurückblickCn. Die Gesellschaft, die von dem vor kurzem wiedergewählten Ersten Vorsitzenden Dr. A. Czellitzer gegründet wurde, hat in der jüdischen Öffentlichkeit insbesondere nach den Entwicklungen der letzten Zeit durch ihr sozusagen zeitgemäßes Arbeitsgebiet erhöhtes Interesse gefunden. Die Ereignisse des letzten Jahres haben breite, dem Judentum fast entfremdete Schichten zu einem früher ungeahnten Wiedererwachen des Familiensinns geführt, und damit zur Beschäftigung mit der Familiengeschichte und der Familienforschung. . Mehrere hundert Stammtafeln, Familienchroniken und Aufzeichnungen befinden sich bereits im Archiv der Gesellschaft. Es ist jedoch ihr_ Bestreben, möglichst lückenlos alles zu sammeln, was in jüdischen Familien vorhanden ist. Wie Dr. Czellitzer bei der letzten Generalversammlung hervorhob, sei man heute zur Erkenntnis gelangt, daß für die Erhaltung des Judentums genaueres Wissen um die Vorfahren wesentlich sei, und daß solches Wissen, vor allem bei der Jugend, zur Stärkung eines Selbstbewußtseins führe, das von Arroganz ebensoweit entfernt sei wie von der Wurzellosigkeit desjenigen, der nicht mehr wisse, woher sein Blut stamme. Die Handesausschüsse der jüdischen - Jugend Der Reich saus schuß der jüdischen Jugendverbände hat bisher folgende Landesauschüsse gegründet: Landesausschuß Pommern: Vorsitz:, Dr. Erich Mosbach, Stettin, Lindenstr. 30; Landesausschuß Rhein-Ruhr: Vorsitz: Dr. Julius Herzfeld, Essen, Hansähaus; LandesausschuB Bayern : Vorsitz: Dr. Hans Teutsch, Nürnberg, Treustr. 7; LandesausschuB Württemberg: Vorsitz: Dr. Alfred Einstein, Stuttgart, Alittnachtbau; LandesausschuB Baden: Vorsitz: Dr. Siegwart Wertheimer, Karlsruhe, Kronenstr. 15; Landesausschuß Hessen und Hessen-Nassau: Vorsitz: Hans Gochsheimer, Frankfurt/Al., Kettenhofweg 128. Weitere Landesausschüsse sind in Bildung begriffen.

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