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Jüdisch-liberale Zeitung · 1934-03-20 · 23 (20.3.1934) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
14 (1934)
Issue
23 (20.3.1934)
Date
1934-03-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Beilage 20. März 1934 4. Jahrgang Nummer 23 3ttölfrtHlftetale 3eUttng Mißverständnis an der Alster »Jerusalem“ Das folgende reizende Geschiclitchen hat sieh in H a m - bürg zugetragen. Einer scharmanten, allbeliebten Großmama, Meisterin im Bridge, passierte es aneinem der vergangenen Winterabende, beim Nachhausegehen, daß sie ausrutschte und sich das Bein brach. Hilfsbereite’nahmen, sich ihrer an, und man brachte sie im Krankenwagen nach dem katholischen Krankenhatise ’ Die Schwestern waren sehr freundlich und erfüllten der Patientin auch sofort den Wunsch nach einem Telefon, um — zunächst — ihren noch völlig ahnungslosen Kindern das Vorgefallene melden zu können. Beide Töchter und deren Männer sind nicht zu Hause; hei dem einen Ehepaar kömmt die etwa 13jährige Tochter, etwas schläfrig, da sie schon zu Bett lag, an den Apparat. „Also denk’ dir nur, mein Süßes, was deiner schlemihligen Oma:passiert ist . . .“ (Folgt kurze Schilderung.) „. . . Also sag’ es den Eltern, und daß sie sich ja nicht aufregen sollen, ich liege hier in „Jerusalem“, bin sehr gut aufgehoben, und es geht mir auch ganz ordentlich . . .“ ' Klopfenden Herzens ‘erwartet die kleine Deem die Rückkehr der Eltern und berichtet, aber nur die Tatsache des Beinbruchs. Dann winkt-sie — zartfühlend! — dem Vater, dem das wispernde Kind heimlich Folgendes zuräunt: „Weißt du, das mit dem Bein ist ja nicht so schlimm, aber etwas Schreckliches ist dabei,-nämlich ich glaube, Oma ist verrückt geworden! Sie-meint, sie läge in — Jerusalem.“ Und als der Vater, der sofort («greift, beruhigend abwinkt, meint das Kind: „Ja, bestimmt, ganz deutlich hat sie immer wieder versichert, und ich soll es Euch ausdrücklich sagen, es gefiele ihr dort sehr gut, alle wären nett zu ihr und lauter solch Zeug. Denk’ nur, die Arme!“ Em zeitgemäßes Mißverständnis! Der Rabbi und die Prinzessin Im Anschluß an die kürzlich veröffentlichte Anekdote von Rabbi Josua ben Chananja und dem Dieb wird uns von einem Leser der „"Jüdisch-liberalen Zeitung“ noch ein amüsantes Erlebnis Josuas.mitgeteilt, das für die Schlagfertigkeit des Gelehrten und seine Gewandtheit im gesellschaftlichen Veikehr spricht, die ihm selbst an den Höfen des Trajan und Hadrian Beliebtheit verschaffte. Josua war nicht nur bitterarm, er war auch abschreckend häßlich, so daß einst eine Prinzessin bei seinem Anblick in den Ruf ausbrach: „Schade, daß so viel Weisheit in einem so häßlichen Gefäß aufbewahrt wird.“ „Worin bewahrt dein Kaiserlicher Vater seinen Wein auf?“ fragte er die Erstaunte. „ln irdenen Gefäßen.“ „Das wundert mich“, gab Rabbi Josua zur Antwort. „Seinem Rang entsprechend, müßte dein Vater zu diesem kurzer Zeit sauer. Der Kaiser erfuhr von seiner Tochter, daß Rabbi Josua auf den seltsamen Gedanken gebracht c.a „...i ... stellte ihn deswegen zur Rede. Josua — rmit, daß er mit seiner Bemerkung nur ' eine Lektion für ihre ihn verletzende Äußerung entschuldigte der Prin/essii.. habe erteilen wollen. Darauf der Kaiser: „Es gibt aber doch auch schöne 'Menschen, die durch große Gelehrsamkeit ausgezeichnet sind.“ „Allerdings,“ antwortete Josua ben Chananja, „aber e hall In den Berliner Berufsberatungsstellen Hochbetrieb Mit Schluß des Winterhalbjahrs verlassen etwa -1000 -junge Menschen die Schule — Schüler und Schülerinnen der Volks- und der höheren Schulen. Sie alle wollen jetzt «len schwerwiegenden Schritt ins Berufsleben, tun, heute mit bangerem Herzen als. ehemals. fn den Berufsberatungsstellen herrscht jetzt naturgemäß Hochbetrieb. Denn sie, die Hand in Hand mit den Arbeitsnachweisen, arbeiten, sind am besten in der Lage, gemeinsam mit Eltern, Schulleitern und Ärzten, die Fähigkeiten und Eignungen der jungen Menschen für einen Beruf zu untersuchen. Nicht immer kann es in der heutigen Zeit nach den Wünschen von Kindern und Eltern gehen, obgleich diese Wünsche selbstverständlich so weit wie möglich berücksichtigt werden. Es ist daher allen Eltern anzuraten, bevor sie Schritte tun, ihre schulentlassenen Kinder in einem Beruf unterzubringen oder sic dafür vorzubereiten, dieses berufenste Amt aufzusuchen, das die gründlichsten Erfahrungen besitzt und dank seiner Verbindungen die besten Wege für,jeden Einzelnen anzugeben und herauszufinden vermag. Natürlich spielen bei der Berufswahl auch die Verhältnisse, in denen die Eltern leben, eine große Rolle, aber sie sollten dennoch nicht ausschlaggebend sein. Handelt es sich doch um einen Schritt, der Bedeutung für das ganze Leben eines Werdenden hat, und nach Möglichkeit sollte man ihm Irrwege und Umwege^crsparen, ^lhn nicht^ erst internen sich später-als' durch sorgsame Beobachtung aller Momente’ vermeiden kann. Die Beratungsstellen sind auch über die Aussichten und Aufnahmefähigkeit der einzelnen Berufe unterrichtet. Wie mir gesagt w.urde, wird man ziemlich alle Kinder unterbringen -können, sei es in Lehrstellen oder Vorbereitungs- Stätten für einen Beruf. Es besteht das Bestreben, das ja mitden Wünschen der Jugend übereinstimmt, alle handwerklichen Fähigkeiten 'auszubilden und damit eine der besten Grundlagen fürdas Vorwärtskommen im Leben zu schaffen; für diejenigen, die sich landwirtschaftlicher Tätigkeit zuwenden wollen, haben wir Lehrgüter, wo die jungen Menschen Aufnahme finden, um in der Praxis gründliche Schulung zu erhalten. Der Wunsch vieler junger Mädchen, in der Hauswirtschaft tätig zu sein, ist aus mehr als einem Grunde zu begrüßen. Sie bildet vor allem die Grundlage vieler weiblicher Berufe; die Arbeit ist abwechslungsreich und, wenn allzu schwere Hausarbeit im Hinblick auf den in der Entwicklung begriffenen jungen Körper vermieden wird, durclt- Kcnntnisse . .., ._ ...„ und die Stellung, die der Gclullm ciugcrnumt wird. tu manchen Fällen müssen die Schulentlassenen, vor allem die Mädchen, sofort Geld verdienen, und dann werden sie meist in industriellen Betrieben iintergebracht. Zu warnen ist aber davor, sic in' gesundheitsschädigenden Betrieben arbeiten zu lassen. Unbedenklich sind alle-Arten der Schneiderei, des Wäscheiuihens, wenn sie in gut gelüfteten Raumen und nicht übermäßig lange ausgeiibt werden. Handfertigkeit ist für die Frau-, was das Handwerk für den Mann bedeutet: die Basis für. eine zukünftige selbständige Existenz. Auch bei uns wird es Abiturienten — männliche wie weibliche — gehen, die gezwungen sind, sieb praktischen Berufen zuzuwriidcu. Vielleicht ist ein großer -IL.i dieser jungen Menschen heute damit einverstanden; denn uz Aussichten, zu Verdienst zu gelangen, sind dadurch mr sie .zweifellos günstiger. Es ist heute ja überall, nicht mir in unserer Gemeinschaft, festzustellen, daß die noch vor wenigen Jährig bemerkbare^ liherschatzung der geistigen Berufe . Denkweise Platz ge nacht hat, die den Realitäten des Lebens gerechter wird. Handel, Handwerk und Bodenhewirtseliaftung bieten immerhin bessere Zukunftsallssichten. Es hat sich übrigens schon, in der verhältnismäßig kurzen Zeit, - seit wir Bcrufsiimgeschichtete haben, erwiesen, daß di: ehemaligen Abiturienten für praktische Berufe durchaus geeignet sind, daß sie sich schnell hineingefunden h.aluas, und daß die neue Tätigkeit sic befriedigt. So darf man auch den Abiturienten von Bill das Prognostikou stellen, daß sie auf dem wetten Felde praktischer Berufsarbeit Möglichkeiten finden werden, sich allmählich nicht mir eine auskömmliche Existenz, sondern auch eine befriedigende Tätigkeit zu e Schulentlassi it also die Zukunft keines- litty IlirschIM, wegs ti Die „Arbeitsgemeinschaft jüdischer Wissenschaftler” veranstaltete einen Vortragsabend, bei dem der Anthropologe Salins über „Das W an d ü run gs p rob 1 ein der Juden“ sprach. Kulturgemeinschaft sei nicht identisch mit biologischer Gemeinschaft. Der Vortragende zeigte dann die starke Differenzierung, die das Judentum in anthropologischer': Beziehung därstclle. Dafür gebe, es zwei Möglichkeiten der „ Beweisführung. Einmal sei es das historische Schleksal ’ des Judentums, das von seinen frühesten Anfängen her, über den : rein stammesmüßigen Zusammenhang hinaus, teils durch aktive Mission. (durch seine Bibel),'teils durch A-ssiinilieruntf von .Restbeständen völkischer Einheiten (Phönizier) sieb ausgebreilct, habe. Schon ain Ende des Altertums stehe neben dem jüdischen Volke ein über den gesamten Mittebueerkreis verbreitetes Judentum; das sich ähnlich wie das Cliristentmn später im Bereiche des Römischen Reiches ausbreite. Die heutige Struktur.der Juden beruhe auf einer Differenzierung dieser Diaspora-Judciihcit über das ganze Gebiet Europas, Vorderasiens und Nordafrikas und schließlich Amerikas. Aus exakten Untersuchungen au einem möglichst vielseitigen Ma- Ziehimgl.KL20.il. 21. April Gesamtgewinne in 5 Klassen über 66 Millionen UM Hauptgewinne RM 1000000 300000 100000 SdimaMin Ncac KftnlOMr. 91 Fostscheck-Könlo: Berlin 31150 kG&ÜCKSGOTT'B« Krafft- Zigarren Friedrich Kumze Straße 6a Berlin SO 36, Maatauffebt». Tel. F 8, 6467 NI.Kramarski, T^T,r,'.r , Mitglied des jüdischen Handwerkervereins . j Berlin W 87, Winterteldtslr. 24. Tel.: B 7 Pallas 3297 Willy Hers—Harzlicht £ Hauptgeschäft: Nikolslnu^enti " Oegrilndet 1830 J 2 ** Stottionator ffögac 3ofep6 Kitts. Sa$Mt1Unb..l*..(S. BetL-Sjntn] W15, ffeagerplafj 4 a waadiaral Hauewald Charlottenburg, Schillerslr. 103 an der LelbnlzalraUe Plätterei,Oord.-SpannerelfPfuedwSsche. z4. KÖTTER Atelier feiner Herrenmoden immer noch W35, Potsdamer Str. 98a Hochbahn Bülowstr. Bl Kurfürst 3174 Badeeinrichtungen, Waschtische,Spültische, san. Anlag. Kart Krüger " -5. Kantstr. 84 Erich LiGbiChtkUmpnar«! H. Steuermann in o. ilsß, Repsralurei;en billigst. freie AI Traqglonz nlfcriU Schneiderei Med. Meyer. 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