Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 14 (1934)
- Issue
- 22 (16.3.1934)
- Date
- 1934-03-16
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2613366-2613519-2613539--4801-2616529- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Ein Jesultenpater schreibt Ik-r bekannte Jesuitenpater Peter-L i p p u r t hat in der äiigroeheiien' katholischen ' Monatsschrift „Stimmen der Zeit" einen Aufsatz „Der religiöse Mensch der tiefen wart“ veröffentlicht, auf den hier hingeuiesen zu werden verdient. Denn Lippert spricht in diesem Aufsatz öfter (icdankeu aus, die jüdischer H a 11 u n g durchaus entsprechen. Beachtenswert ist z. B., wie Lippert anschaulich macht, was für den religiösen Menschen charakteristisch ist, worin sein Wesen yu erblicken ist. „Wenn inan von einem religiösen Menschen feilet, denkt man wohl zunächst au einen frommen Menschen oder an einen Menschen, der oft in das Gotteshaus geht, der viel betet, der sich mit religiösen Studien beschäftigt. Aber das alles kann noch nicht das Wesen bedeuten; das sind Anzeichen, im besten Falle, aber sie können auch täuschen.. Das Wesen des religiösen Menschen liegt in jedem Fall in einem ganz besonderen, lebendigen und innigen persönlichen Verhältnis zu Gott, alsoin einer eigenartigen Haltung seiner Seele, in einer Gesamthaltung, die nicht bloll sein Denken, sondern auch sein Wollen, nicht bloll seine Begriffe, sondern auch seine Erlebnisse, nicht nur seinen Kopf, sondern auch seine Hände bestimmt, in einer inneren Haltung zu Gott, die seineil Lebensinhalt bedeutet." - -Kennzeichnend für den religiösen Menschen der Gegenwart ist nach Jesuitenpater Lippert eine entschiedene innere Ablösung vom Ungöttlichen, eine starke, fast leidenschaftliche Bereitschaft für das Absolute. „Alles enthüllt sich als Gewordenes, das keine unbedingte Geltung hat." Auch von den Dingen, die dem Göttlichen sehr nahe stellen, gilt dies, von religiösen Einrichtungen, Gebräuchen, indem das Göttliche nirgends in reiner Ausprägung zuerkennen ist. „Wo immer wir die Hand der Kirche ergreifen, wo wir uns. au ihre Brust werfen wollen, um Gott zu umfangen, da umarmen wir imitier wieder Menschliches, Gewordenes, Geschichtliches, Zeitgeschichtliches.“- Andererseits, meint Lippert, ist der religiöse Mensch der Gegenwärt von der Erscheinung der Welt erfüllt. Es entspricht der jüdischen, das. diesseitige Leben bejahenden, Betrachtungsweise, wenn Lippert in diesem Zusammenhänge u religiösen Menschen der Gegenwart sagt: „Die Welt . .1—i...:. . Injjj verneinen, nicht — selten erfüllt werden, so steht sie uns doch als Forderung, als Wert aller Werte, deutlich vor Augen. „Wir sehnen uns heute nach keinem anderen Tvpus von Menschentum so sehr wie nach dem li'ebcntlrn’ Menschen. In ihm allein sehen wir dun Boten Gottes, wenn je einer kommen sollte. Nicht im Helden und nicht im Weisen, sondern im Liebenden. Ohne den Ausweis der Liebe könnte keine Botschaft von Gott uns glaubwürdig erscheinen.“ Lippert spricht hier Gedanken aus, auf die immer wieder in den biblischen und n a c h b i b 1 i s c h e n Quellenschriften des Judentums sehr eindringlich hingewiesen wird. Als etwas Charakteristisches für den religiösen Menschen der Gegenwart führt Lippert seine unbedingte Ehrlichkeit und Sachlichkeit an. „Das Wort Gott fließt ihm gar nicht leicht von den Lippen, weil er fühlt, daß er nicht genug erfüllt ist von Gott, weil er spürt, daß noch nicht alles echt in ihm ist; es sind da immer noch leere und hohle Kämme."; Einen durchaus jüdischen Gedanken formuliert Lippert in diesem Zusammenhänge, wenn er von dem religiösen Menschen sagt: „Er Will nur schaffen, indem er andere erschafft, aufbaut und erbaut." Immer muß er als ganzer und als Ganzes sich hingehender Mensch in seinen Wirkungsbereich eintreten. Eine wirklich lebendige echte und bleibende Wirkung gehl auf geistigem Gebiet nur von Persönlichkeiten aus, nicht von Einrichtungen und Apparaten. Unser Dasein und Soscin, unsere Substanz ist entscheidend, nicht äußerliche Werke. Von den Unzulänglichkeiten der Welt ist unabhängig Die neue Aufgabe, die der religiöse Mensch der Gegenwart zu erfüllen hat, so führt Lippert am Schlüsse seines Aufsatzes aus, ist eine Aufgabe von ganz anderer Art als früher. Es handelt sich nicht mehr wie bisher darum, den Kosmos zu erforschen, sondern zu erschaffen, den Kosmos der menschlichen Beziehungen, den Kosmos des sozialen Lebens. Die .Menschen, die so wirken, sind auch eigentlich die religiösen Menschen, die ein Reich Gottes bauen. Auch liier spricht der Jesuitenpater Gedanken aus, die auch für'die Lächelnde Weisheit Der Fremde Gegebenheit, lassen; nicht verleugnen, Hiebt Umstürzen', ja nicht einmal fliehen kann. Jede Art von Weltverneinung, Weltverachtung, mit seiner Weltflucht oder Welthaß müßte notwendig mit Krankheit Weherfahrt oder mit Unfruchtbarkeit gestraft werden." „Dem religiösen der ihn um Menschen ist daher die Welt eine Aufgabe, er muß in ihr ihm zu es etwas leisten.“ „Er fühlt sich als einen dienenden Menschen, der für etwas anderes da ist als für sein eigenes Beilagen oder für seinen eigenen persönlichen Nutzen oder auch .nur für seine persönliche Geltung." Als ein Merkmal der moderlosmi hen (.hananja, m der hadnamschen Zeit der der jüdischen Gesamtheit, war ein Mann, der umfassenden Gelehrsamkeit große Klugheit und ihcit vereinigte. Einst kain ein Fremder zu ihm, Unterkunft bat. Er nahm ihn freundlich auf, gab mm zu essen und zu trinken und ließ ihm in einer Dachkammer ein NaciiUiuartier bereiten. Als der Fremde sieb niedergelegt batte, ließ Rabbi Josua die Leiter, die zu der Kammer hiiiaufführte, entfernen. In der Nacht stand der Fremde auf, raffte alles, was er fand und was des Mitiielunens wert war, zusammen und wollte sich mit seiner Diebesbeute entfernen. Da jedoch die Leiter weggeschafft war, stürzte er ab und erlitt schwere Verletzungen. 1 „Darauf warst du wohl nicht vorbereitet“, meinte' Josua bell Chananja, als er den Dieb in dieser Verfassung am andern Morgen vorfand. „Nein,"’ erwiderte der, „ich konnte ja nicht wissen, daß es hier Sitte ist, den Fremden die Leiter wegzunehmen, wenn sie schlafen gegangen sind.“ „Tja,“ lächelte Josua, „das geschieht auch nur dann, wenn man Fremden deinesgleichen Unterkunft gewährt." Ein Leser regt an: Schafft Schulbüchervermittlungsstellen Nur noch wenige Tage, und das alte Schuljahr ist zu Ende. Der Beginn des neuen steht vor der Türe, Damit' erhebt sich für die Eltern mittelschulaltriger Kinder wieder die bange Frage, welcher Schule sie ihre Kinder zuführen sollen. Zumal in diesem Jahre ist die Entscheidung besonders schwierig. Doch hierzu Stellung zu nehmen, ist nicht die Absicht dieser Zeilen. Dies sei Berufeneren überlassen. Mein Vorschlag bezweckt unbemittelten Eltern von M i 11 e I s c b ü I c'r n die Last der Beschaffung der Schulbücher zu nehmen oder doch wenigstens zu erleichtern. Denn welchem Berufe sich unsere Jugend infolge der notwendigen Umschichtung auch künftig zmvenden wird, der Arbeiter der Faust und der Stirn, der Landwirt, der Handwerker wie der Kaufmann brauchen ein gutes Maß aUgemeiner Kenntnisse, wenn sie.den Lebenskampf, zumal als Juden, aufnehmen und bestehen wollen. Diese Kenntnisse ihren Kindern zu vermitteln, muh allen Eltern, auch den unbemittelten, möglich sein. Bei meiner Anregung gebe ich von der Annahme aus, daß in jedem Hause, das Mittelschüler birgt, mit Ablauf des Schuljahres eine Reihe von-Schulbüchern frei und nicht mehr benötigt werden. Viele Eltern sind sicher gern bereit, einen Teil dieser Bücher armen Kindern unentgeltlich zu überlassen. . Ebensovielen armen Eltern würde dadurch eine drückende Sorge genommen. Es handelt sieh also nur darum, eine Stelle zu schaffen, welche zwischen Spender uiiu Nehmer in taktvoller Weise die Mittlerrolle übernimmt. Innerhalb der jüdischen Organisationen der größeren Gemeinden eine solche Stelle zufinden oder zu schaffen, scheint mir nicht schwierig. Ich denke dabei in erster Linie an die vielen jüdischen G e m c i u d e b i b 1 i o t h e k e n oder J 11 geil d b ii it d e, die wohl gern diese Aufgabe übernehmen, werden. Finden sich dann noch mildtätige Herzen, die durch Geldspenden es ermöglichen, beschädigte Bücher instand zu setzen und fehlende neu zu beschaffen, so ist der Zweck dieses Vorschlages restlos 'erreicht. . - Cu — Staatslotterie Ziehung 1. Klasse 20.-21.: April Vs Vi 'k V i Doppel Lose 3 6' 12 24 48 Mark Koppel, £U.-Ässrrl*Berlin W 8 Berlin: Schänebenj.HtmpJsItl Schweizer Spezialitäten Gebä,ck Schokolade i' Wolf I W 50, Budapesterstr. 13 Adalbert Deichsel Zuschneider Botnbek ausder Fa.: Stawropulos Moldauer b/w. Moldauer ft Co., Unter den Linden bat sich unter der Firma Hans DombeH, Herrenschneider .li Uarlmossa 05S6, Mail-Schneiderei Wäscheverleih v Billigste Preise VLieDermann, nurs^m t. Privatwäsche zi Markisen-Kilz W 57. Winterfeldtstr. 13 B 7 Pallas 8055 W 15, Hohenzollerndatnm 10 A. Sander J 2 Oliva 4724 Wilhelm Buchwald Fleischermelster W02 Scllillstr. ]0 -B SBarl«.317-. - allerf. Fleischti. Wurstwaren Stempel - Albrecht Berlin C2 (am Rathaus) nur Hoher Steinvveg 15 I Fassaden-Abputz u. Anstrich j Treppenflure, Wohn- und OeechUfterfiume I E. Madel, Malermeister, Charlottenburg I Suarezstr. SS Telef. C 4 Wilhelm 1975 | Neu eröffnet! sämtlJf'Storl. Waren Lieferung tr. Eigene Konditorei u. PrallnentaDr. Spezialitäten inPragcru.WieiterBackwar. Wagenknedit Olivaer Platz 9' J 1 Bismarck -VWl Da? dlFiE!Tt z'k 1 IN Inhaber: Carl Dletze IN - 8erlinC2, Hoher Steinweg 15 Fernsprecher:. E 1 Berolina '"£5° zollspedltlon B. NO 55. Gu NO 55, Gubitzstraße 46 Stadt-, und Auslandsumzüge Zollabfertigung usw. Hansa 243 lede Art Haarersatz In künstlerischer Ausführung. Dauerwellen firöBte Natürlichkeit. Haarfärb.in all.Nuancen.Schönheitspflege. HÖhcnsonnenbestrahluncer FranzDaniQer,Dap"'-°“s-irar Büromöbel gebraucht (.Eigene Alfred Loewenberg, Berlin SW 68. Undenitraue 71 - 72 I ElltransporteI I billigst B 7 Pallas 33111 Georg Deuringer Berlin-\ViImersd.,Wegenerstr.3 I Ukland-Drogerie u.Parfumirie\ Inh. Otto Langsdorf! liefert jede Menge frei Haus W 15, Kurfürstendamm 212 | Ecke Uhlandstr. Tel. J! Bismarck 5(592] Mode-Werkstatt Gretel Sanft Fertig und nach Maß | Krafft- Zigarren | Friedrich Kuntze S Rassebunde aller Arten, günstige Preise Tierhaus Skalitzer Str. 24 a CI Steinpl.163. Werkstatt: Bleibtreiistr. 3 Holzhausbau nur Ewald Splinter B. Chyiinski Feinste Herrenu. Damenmoden Seydelst. 28 .t e. Merkur *0-' Bin. W15, Kurfürstendamm 45 J / Bismarck 3644 DEKORATIONEN’ — KKÄXXE pSMifl-! I Wilh.!■ nur Kan | Charlottenburg. ^Maß-Schneiderei Wilh. Bahr Kantstraße 18H Darmbad, Gymnacolon und Massage-Institut, Deutsch- Sdnved. Mass. u. Heilgymnastik IW. Kope, Kurfürstend.lOO I Fcrnrul J 7 Hochmeister 6U70 Drogerie a.Uliiientiei’gpialz nur Wittenbergplatz 3a Drogen« Parfümerie Seifen« Fofoartikel Altpapier-Vernichtung nur Dei Richard Karo Hemden-Pfennig ~ Herrenutäsciie fih auchvon mitgebrachten Speisehaus des Westens Konftstr. 129 Erstklassige lind reichhaltige Gedecke schon ob 0,59 Hk. Kein Bediemingsgcld. keinTrinkzwang .»Triumph1 Schulireparatur, nur HatldarDBit Ludwigkirchstr. 9 Rumänisch. Salon Biusen^ctüinderhieidcuen KaUee-Gedccke. M Salon Edelstein Herren u.Damen-Sd,nrid;r.. BERLINER HAUS- U. GRUNDSTÜCKS- Steuerberatung VERWALTUNG Hausverwaltung I BERLIN-WILMERSDORF. Kaiserallee 48 h t wnm. tcoa Besonders sachverständige Bearbeitung Palästina. - Südafrika und alle Länder der Welt — Möbellagerung 1 M --ur Anklamer tUraße 51. D 4 Humboldt 700 Wäscherei - Plätterei Helmut Hänsel nur Brauner Weg 2 -'ZcitLVin. Preise Rapid-Entf leckere! schnell. gut und biilifthölt ab. Robert Heil Feinbäckerei - Konditorei Olivaerplatz FasanenstraBe—Bayrischer Platz Prahst S Goschnick BERNH. A RENS TEIN Feine Maßschneiderei Berlin NW 21, nur Rathenower Str. 24 hpt. Reparatur-Werkstatt A. KUNZE Martin Lutherstr.*80, Ecke Rosenheimerstr. SCHREIBMAS CHINEN | sämtl. Systeme Spangen b e r g I Potsdamer Str. 9S OTTO ERDMANN Damen-u. Herren-Salon 7 Dönhoff 3012 Uf äcrhm>aisPez- FcineHciren- WQdillCIISI u. Damenwäsche Waler Dankworth Bln.-Wilmersdorf, Regensburgerstr. 21 Hausu. -Pfundwäsche Gardinenspannerei. Abholung. Zust. ,rai M-m$ B 4 Bavaria 20% Spez. Oberhemden, Kragen und feine Wäsche, Gardinenspannerei Annahme samt. Hausu. Leibwäsche Zeitgemäße || faienbi am Ctuio || AutovermietungdcsWestens H 7 Wilmersdorf 8076 Eieg. Privatwagen für Stadt «. Krise (Mercedes, l’tu-bml, M'iijlnclu p'tne Auto-Spritzlackiererei Georg Binder Halensee, Katbarinenstraße 26 Tel. J 7 6305 Lieferung nur erstkl. Arbeiten bei billigster Berechnung Auto - Lieht u. -Starter, W,. Station II. BnttrritJienst. Aitsßhnmyri, DUO Fetzer sälosiei-ufEÜtromsu! Berlin W 30. Hollendorfstr. 21a - Vergaser - Werkstatt für amerikanische — deutsche — französische Apparate. - Einregulierung. - Reparatur... Offizieller . Stromberg-Service. - Solei-Dienst W. Runkalj'Berlln-Halensea Eisenzahnstr. 49, E. Westfälischeste *