Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 14 (1934)
- Issue
- 19 (6.3.1934)
- Date
- 1934-03-06
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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wird gern dabei behilflich sein! Auch das reizvolle neue Berliner Volksstück Georg Hirschfeld’s, das die ^Volksbühne noch im Dezember 1932 annehmen wollte, — würde allen Freude bereiten. Leicht spielbar sind des jüdischen Dichters Karl Rößler (Verfasserder 5 Frankfurter) „Der verlorene Söhn“, das wertvolle Judenstück des ehemaligen Frankfurter Dramaturgen Arthur Sakheim „Der Zaddik“ und das „Rothschild“-Drama von Saßmann. Vier wunderschöne Märchenstücke jüdischer Dichter kenne ich, deren Inszenierung frei- _ -lieh Mühe machen würde. Julius Bab’s „Das Blut“, Hans Chlumberg’s (dessen „Wunder um Verdun“; ein internationaler Erfojg war) „Das Blaue vom Himmel“ und Leo Sternberg’s „Gaphna“ und „Die Junggräfin“. Ein durchaus nicht judenfreundlicher, sehr bekannter Literaturprofessor schrieb in' seiner Literaturgeschichte über die beiden letzten Stücke des rheinischen Lyrikers (dessen biblische Novelle kürz- — lieh der „Morgen“ veröffentlichte): „sie seien ebenso kerndeutsch wie liebenswert“. Wie deutsch, wie Iokälhistorisch-anheimelnd sind viele Stücke jüdischer Dichter! Ernst Lissau er hat . seih „Yorck“-Drama schon dreimal umgearbeitet und mit jeder Fassung wurde es knapper und wirkungsvoller. Wie aktuell ist dieses patriotische Führer- Stück! ‘Übrigens machte das „Moses“-Drama, das ich diesen Dichter kürzlich vorlesen hörte, einen tiefen . Eindruck auf mich. Gerne würde ich einmal Georg Hermann’s „Potsdamer Hochzeit“ (aus der Zeit : Friedrichs des Großen) und die Königin-Luise-Stücke Ludwig Berger’s (Goldbergers), die im Deutschen Künstlertheater so sehr gefielen, Wiedersehen! Des ausgezeichneten Germanisten Leo Greiner (ein Jude!) Trauerspiele sind aus den Aufführungen des Deutschen Theaters auch noch in guter Erinnerung. . _ „Blut und Boden“,,— jüdische Dichter können damit aufwarten! An Moritz Goldsteins Bauern-- drama „Gabe Gottes“ (Berliner Staatstheater-Erfolg), ' die lustigen, sehr unterhaltsamen und ' behaglichen Bauernstücke von Viktor Fleischer (z. B. „alte Freunde“; wirkliche Bauern, keine „Bauern im Frack“!) und die verschiedenen famosen Volksstücke von Jakob Julius David denke ich gerade! Sehr sprachschön und sehr deutsch sind Rudolf Borchardts Legenden „Krippenspiel“ lind „Verkündigung“, überraschend aktuell Schlesingers (Slings) Japan-Komödie „Pong Ma-Jong“. Hofmannsthals „Turm“ ist in Berlin noch unbekannt Besondere Förderung verdienten die ganz Jungen. Heinz Liepmann’s „Kolumbus“ ist ebenso talentvoll wie bühnenwirksam. Hans Friedrich Blunck, der Präsident der deutschen Dichterakademie, lobte und empfahl das Stück nach der Hamburger Uraufführung in wärmster Weise! Scharf umrissen und einprägsam ist „Beweis für Kleber“ -von der jungen Pfälzer Lyrikerin Marta Saalfeld, sehr witzig und eine brillante Unterhaltung Robert Neumanns „Hochstapler-Komödie“, recht nett das Judenstück Heinrich Eduard Jacobs „Beaumarchais und Sonnenfels“. Werner Ackermanns geistreiche Komödie „Lotterie!’ würde sicher gefallen! Für eine Matinee schlage ich Lola Landau’s tiefsinniges Mysterienspiel „Die Wette mit dem Tod“ vor. Unübersehbar zahlreich sind die literarisch-wertvollen Unterhaltungsstücke jüdischer Lustspieldichter. Von Hans Meisel, Rehfisch, Bruno Frank, Fellinger, Erich Korn, Lothar Schmidt (Goldschmidt), Kornfeld, Federn, Mongre (Pseudonym für einen jüdischen Mathematikprofessor), Küchler, Pulver und von den österreichischen Autoren Federn, Wertheimer, Auern-- heimer, Salten, Zifferer, Molnar, Sil .Vara (Pseudonym für M. Silberer), Zinn, Dörmann gibt es teils alte, teils neue Komödien, die noch nicht verstaubt, leicht aufführbar und bestimmt bühnenwirksam sind. Von ausländischen jüdischen Dichtern haben Welterfolge errungen die französisch-jüdischen Satiriker Donnay, Capus und Tristan Bernard, der Engländer Zangwill, die Dänen H. Nathansen und Peter Nansen, der Russe Tschirikoff, der Holländer Heijermanns, der Amerikaner" Scheffauer, die letzteren sechs gerade mit Judenstücken! Sehr fein istdie Judentragödie des nichtjüdischen Dichters Wilhelm von Scholz „Der Jude von Konstanz“. Unter den vielen hundert jiddischen Stücken gibt, es einige wirkliche Perlen, die, natürlich hochdeutsch gespielt, allgemeines Interesse finden würden! Ich denke dabei nicht an die „Schlager“, die wie Glaß’ „Pottasch und Perlmutter“ oder Nicolsohns „2 mal Hochzeit“, das, Land der Herrnfelds mit der Seele suchend, nur amüsieren, sondern an die feineren, poetischen, religiös-orientierten Werke wie Perez’ „Die goldene Kette“, Anski’s (des Dybuk-Verfassers) „Pest“,- David Pinski’s „Eisik Scheffel“ (desselben Verfassers „Der Schatz“ in Max_Reinhardts Kammerspielen und Martin Bubeischer Übersetzung sehr fesselnd!), Scholem Alechem’s „Milchhandler“ und R. Stern’s „Die Gottlosen“. Ich könnte meine Aufzählungen noch lange fortsetzen, möchte aber nicht langweilen. Es genügt. Also, verehrter Herr Doktor Singer, es täte mir leid, wenn ich Ihnen hiermit zu einer Verlegenheit verholten hätte, nämlich zu dem berühmten embarras de richesse. Freuen würde es mich aber, wenn ich einige brauchbare Tips gegeben hätte. Ich weiß, daß Bessermachen viel schwerer als Kritisieren ist, allein ich denke, daß die Situation nicht so trost- und ratlos ist, wie sie der Dramatutgenpessimismus zu sehen glaubt. Ich bitte Sie sehr, mir Ihr Wohlwollen weiter zu erhalten, und verbleibe in alter, guter und dankbarer Gesinnung Ihr Ludwig Davidsohn. NB. Diese meine Antwort wurde, wie ich durch Zeugen beweisen kann, „im Nu“ sofort nach Lesen Ihres Briefes van mir geschrieben; besonderer ’Umstände halber, an denen ich keine Schuld trage, konnte ich sie aber erst jetzt der Redaktion übergeben. L. D. Bund der Kultur Manchmal schläft selbst der alte Vater Homer.“ Die ganze Debatte zwischen unseren geschätzten Freun- . den , Dr. Singer und Dr. Davidsolm ist durch ein einziges Wörtchen verursacht, das die Redaktion gerade unseres Blattes nicht hätte durchgehen lassen dürfen. Dr. Davidsohn schrieb, er wisse „im Nu mehr als ein Dutzend moderner jüdischer Dramatiker aufzuzählen, die-in ihren Werken jüdische, uns näherliegende Themen behandeln“. Näherliegende Themen — vielleicht; aber warum dürfen es nur . jüdische sein? Hier liegt das Kernproblem für die Aufgabe des r „Kulturbundes deutscher Juden“ und aller ähnlich gerichteten Organisationen im Reich. Welchen Standpunkt unsere Redaktion in dieser Frage einnimmt, das ergibt sich aus ihrer ganzen Grundhaltung, aus vielen Artikeln aus der Anfangszeit des . Kulturbundes, und nicht zufällig stand hier einmal cm Protest gegen die klappernde Manier, mit der beflissene Leute Judenstücke und Judenrollen in Oper und Schauspiel herzählcn. Das geht nicht, dazu-wurden unsere Kulturbünde nicht gegründet, und mit dem sogenannten „Judenstück“ hat es auch eine andere Bewandtnis, als diejenigen glauben, die den Kulturbund zu einer Propagandazentrale für die zionistische Partei degradieren möchten und von deren Ph'rascngeklingel manchmal sehr tüchtige Söhne Davids benebelt werden. Aus welchem Anlaß, zu welchem Zweck sind eigentlich unsere Kulturbünde geschaffen? Zunächst doch, weil die politischen Ereignisse unsere Künstler ebenso wie Angehörige anderer Berufe um ihren Erwerb zu bringen drohten —: die Künstlerhilfe ist eine Abteilung der allgemeinen jüdischen Wirtschaftshilfe. Und doch kann gerade Künstlerhilfe -nicht rein wirtschaftlich sein; es genügt, nicht, den Künstler zu „versorgen“, ihn vielleicht sogar „anderweitig unterzubringen“; nicht nur der Künstler, auch seine Kunst soll, muß erhalten bleiben! Seine Kunst; die aber ist die deutsche und europäische Kunst, . sie gehört in der Musik Mozart, Beethoven, Verdi, Puccini, ■ Bizet, im Schauspiel Shakespeare, Lessing, Goethe, Kleist, Moliere, Ibsen — um hier in völlig-willkürlicher Auswahl und ' Folge nur wenige Namen zu nennen. Und dieser Kunst gehört auch unser Publikum. Es ist deutsche Kunst —; die Kunst des deutschen Kulturkreises, „international“ nicht mehr und in keinem andern Sinne, als Kunst dies stets , ist; kein Theater . der Welt bringt nur Werke von Schöpfern der eigenen Nation, und in den -Kunstgattungen außerhalb des Theaters ist es . nicht anders. Und — man kann sich felsenfest darauf verlassen — am allerwenigsten das Zionistische Staatstheater in - . Tel-Awiiv .würde darauf verzichten, Mozart und Goethe zu spielen; warum also sollen unsere jüdischen Kulturbünde in Dcütschlaiid nur jüdische Aütoren bringen oder nur jüdische Themen behandeln? Damit sind wir bei dem zweiten Punkt, den es hier zu besprechen gilt. Was heißt überhaupt „jüdisches Programm“, was versteht man unter jüdischen Themen,. Judenstücken, JudeiiroIIeri? Wir wollen versuchen, die Sache zu ergründen. Da ist zunächst das „biblische' Stück“. Aber wie verschieden sind hier die Stücke! 'Zunächst solche^ die nichts anderes wollen, als eine biblische Erzählung dramatisieren. Sie zerfallen in zwei Abteilungen: in Werke von Juden und in Werke von Christen;! „Die Tochter Jeplita“ von Richard Huldschiner gehört zur ersten, das soeben gespielte Stück „Esther“ von Grillparzer zur zweiten Kategorie. „Jaa- _ köbs Traum“ von Beer-Hofmann will schon mehr als nur das biblische Epos dramatisc r wiedergeben; es will zugleich das wahre Wesen des Judentums enthüllen und das Schicksal der Juden begründen. Das oder ähnliches wollen auch die. .— :ns „Hinter Mauern“ oder en als Beispiele genannt, lie Spitze der . Dramen, die und wir sehen daran, daß Nichtjuden wie von Juden modernen Juder.stü . , Werke ostiüdischer Dichter Lessings „Nathan“ gehört : jüdische Problematik behänd. . es auch jüdische Problemstückf —■‘-f, ganz wie bei den bibl sehen Dramen. Kehren v ihnen zurück, so zeigt sich noch ein andrer Typ: Hebbel hat -.mit seiner „Judith“ und mit „Herodes und Mariamne“ durchaus nur seine eigenen dichterischen Visionen gestalten wollen; . ira Gegensatz zu Otto Ludwigs (also auch eines Nichtjuderi) „Makkabäer“-Drama ist bei; Hebbel alles „Biblische" und „Jüdische“ nur^ Einkleidung und Hintergrund. Dann wieder gibt es Stücke, in denen nur mehr oder minder zufällig eine Judenrolle vorkommt: der gänzlich a-jüdische „Kaufmann von Venedig“ mit seinem Juden Shylock ist hier in erster Linie zu nennen. Neben jüdischen Problemstücken stehen reine Milieustücke: an „Die fünf Frankfurter“ und Werke Georg Hermanns sei hier erinnert. Und dann ist die große Reihe der Werke zu nennen, die, selber völlig a-jüdisch, jüdische Autoren haben —: daß Schnitzler Jude war, verführte unsern Paracelsus-Rezensenten zu seiner Bemerkung von den näherliegenden jüdischen Themen oder Autoren, denn: daß -Shakespeare oder Ibsen „schon mal gespielt worden sind“, wird doch wohl kein Grund sein, sie abzulehnen? Sonst wollen wir doch auch gleich den ganzen Mozart und den ganzen Beethoven streichen. Was dem Schauspiel recht ist, muß wohl der Oper billig sein! Ebenso auch dem Konzert, und widürfen dann nur noch synagogale und chassidische Melodien sowie Werke jüdischer Komponisten aufführen, wobei sich — siehe Mendelssohn und andere — sehr eigenartige Konflikte ergeben können, ob man unter „jüdisch“ den Stamm oder den Glauben meint. Wir hier meinen in diesem Falle gar nichts; wir kennen keine „jüdische Kunst“;- wir sehen,, daß mit dem einen Wort „jüdisches Thema*"— wie oben gezeigt — siebenundzwanzig verschiedene Gattungen von Theaterstücken gemeint sein können, und wir wollen deshalb kein „Jüdisches Theater“, sondern wir wollen — oder vielmehr wir müssen, weil die äußeren Verhältnisse dazu führten: das deutsche Theater für Juden. Kein Mensch kann diese Bemerkungen so verstehen, als seien wir nun etwa gegen jüdische Stücke, Themen, Autoren! O nein. Wir sind ausschließlich gegen die Einseitigkeit; die ist in Djngen der^Kunst immer vom Obel. Wenn wir sagen, wir wollen das deutsche Theater für Juden, so mag. daran -erinnert werden, daß bis vor kurzem ja auch Stücke jüdischen Inhalts und von jüdischen Autoren in den allgemeinen deutschen Theatern gespielt worden sind und daß auch heute, nachdem, der herrschenden Staatsidee folgend, zwar jüdische Themen und Verfasser. verschwinden mußten, keineswegs alles „Nichtdeutsche" ausgemerzt wird, nicht Shakespeare, nicht Ibsen, nicht Moliere, nicht Puccini, Bizet oder Chopin! Niemand von uns wird erwarten, daß wir ausgesprochen judengegnerische Werke oder Autoren bringen; aber einseitig „jüdische“ Kunstpflege würde den Kulturbund — entgegen seinem Namen — außerhalb der Kultur stellen. Im übrigen wird es sich ganz von selbst ergeben, daß das „Jüdische“ in unserm Kulturbund-Repertoire nicht zu kurz kommt. Denn der Zusammenhang mit dem Leben der jüdischen Gemeinschaft, und das heißt: mit dem jüdisch-religiös— Leben wird immer enger. Wir haben.uns früher im Thea nie als Juden gefühlt. In der Kunst schwanden die konfessionellen Grenzen. So sehr wir uns erhoben fühlten, wenn wir am Jomkippur inmitten einer Gemeinde von Glaubensgenossen standen, so sehr fühlten andererseits. viele unter uns sich degradiert, als sie — für uns Juden: ohne Grund! — plötzlich zu „Figaros Hochzeit** in ein besonderes Theater für Juden gehen mußten. „Figaros Hochzeit — mir für Juden!“, das konnte schlechterdings niemand verstehen, und recht haben die, die uns sagen, daß solch ein . „Deutsches Theater für Juden** keiner inneren Notwendigkeit entspricht. Wir — und auch die Gründer des Kulturbundes — haben nie einen Hehl daraus gemacht, daß es die äußeren Umstände sind, die uns zu solchen Gründungen veranlaßten. Aber nun fügt es die Tatkraft der an der Spitze stehenden Persönlichkeiten und das große Können der Künstler, daß aus der Tugend wird. Gerade Grillparzers Esther ist bestimmt - Judenstück-: wir aber feierten ein jüdisches Purimfest, —ie es Generationen vor uns nicht beschießen gewesen! Das erk selbst ein Meisterwerk der Weltliteratur; denn wo sonst ...idet sich solche Einheitlichkeit in Komposition und Gestaltung, die völlig vergessen macht, daß es nur ein Fragment “M Und die Hörer, die Zuschauer wurden zur Gemeinde-bei „...ser kongenialen Inszenierung (Fritz Jeflner), bei diesen Bühnenbildern (Heinz Condetl), bei dieser wunderfeinen Esther (Leni Steinberg) und angesichts der wahren Kabinettsleistungen gerade des Antisemiten-Ehepaares Haman (Max Lion) und seiner Frau Zares (von Gerda Klein-Weißmann gespielt, die wir künftig nur noch in ganz großen Rollen sehen mochten und nie wieder als Halbstatistin!); Fritz Wisten als König Ahasverus steht nur durch Zufall am Ende dieser Namensaufzählung, wie auch die Namen der übrigen Mitwirkenden nur aus Raummangel hier fehlen. Sie alle machten uns fühlbar: wir sind, jetzt im „Kulturbund“ eine Gemeinde geworden, wir wollen es bleiben. Wir werden freudig in die kommenden Ibsen- und Offenbach-Aufführungen gehen, und wir sind vereint als Genossen echter Kunstpflege. Denn wir dienen der Kunst und wir bleiben gute Juden. Werden nicht auch andere jüdische Feste das Kulturbund- Repertoire beeinflussen? Ebenso bedeutsame Anlässe im :ben unserer Gemeinschaft, und werden wir nicht den unter is lebenden, jüdischen Dramatikern ebenso eine Wirkensstätte schaffen wie den Schauspielern, Sängern, Musikern? Wir werden es, und kein Zweifel kann darüber bestehen, daß solcher Gemeindegeist auch in andern Städten und Landschaften von den jüdischen Kulturbünden ausgehen wird, wenn sie — statt krampfhafter jüdischer Milieu-Darstellung, die auch das Unkünstlerischste noch mitnimmt, wofern es nur „jüdisch“ ist — wirkliche Pflegestätten der Kultur sind! Die Kultur, die wir pflegen, ist, wir sagten es schon, die allgemeine unserer deutschen Umwelt. Es ist mit der Kultur, mit der K-unst'nicht anders als mit der Religion, mit.„unserer“ Bibel. Der Engländer Shakespeare wurde durch Schlegel ein deutscher Dichter, die Bibel durch Luther ein deutsches Buch. Nicht mir durch Luther (den wir hier lediglich als Sprachschöpfer würdigen; als christlicher Reformator steht er außerhalb unseres Urteilsbereichs) und nicht nur durch Schlegel: vorher mußten Bibel und Shakespeare selber da sein! Und nun liegt es uns völlig fern, Bibel und Shakespeare-Drama dem Werte nach in eine Reihe zu stellen. Aber alle allgemeinen Kulturwerte: haben dies an sich: sie sind national und supranational zugleich (nicht international in dem üblichen Sinne dieses Wortes). Darum konnte Bismarck am 18. August 1S93 zu den Mitgliedern des Barmer Gesangvereins sprechen: „Wir wären kaum in gleich enger Verbindung mit Wien geblieben, wenn nicht Haydn, Mozart, Beethoven dort gelebt und ein gemeinsames Band der Kunst zwischen dem Niederrhein und Wien geschaffen hätten.“ Es ist der gleiche Gedanke, den Goethe 1821 in seinen „Theaterreden“ aussprach: „Die Kunst versöhnt der Sitten Widerstreit, In ihren Kreisen waltet Einigkeit.“ Das ist es, warum wir kein Ghetto-Theater wollen, sondern ein deutsches Theater für Juden; In ihm haben wir die wahre' Einheit unseres Geistes: die Verbindung mit den allgemein-menschlichen und ethischen Werten des Judentums, und die bleibende Verwurzelung mit der Kultur, in der .wir leben und in der auch unsere Kinder leben werden, weil' sie die Kultur ist. Das „gemeinsame Band der Kunst“, von dem Bismarck sprach, wird auch an uns deutschen Juden seine heilvolle Wirkung tun. St. Josefs-Hallanstalt Nur für Minner Berlln-Welssensee, Gartenstr. 1-5 Fernsprecher: E6 Weißensee 4066. Alle Arten von Gemüts-und Geisteskrankheiten. Moderne Th erapi e. Entziehungen. Herrliche Parkanlagen. Chefarzt; Dr. A. Weninger ■ Bei allen Krankenkassen zugelassen. U n t e r r i ch t Betty Hoffmann Musiklehrerin (Staat!. anerkannt) . . Vollständige Ausbildung in Gesang, Klavier, Lautenspiel, Lieder zur Laute Sprechz. Montag und Donnerstag i~i C'ECHTSCHULE J Dipl.-FechtmeisterinBieBeiiedkt Berlin W 30, Au jsbuirgerItrJMi,B5? 6415 Akrobatik-Schule geführt vom weltbekannten WiD» Rappelt "Hofmeister 3193