Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 14 (1934)
- Issue
- 19 (6.3.1934)
- Date
- 1934-03-06
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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4. Jahrgang Nummer 19 JttölfdHiftetflle 3eifung Beilage 6. März 1934 Reformsynagoge deutscher luden in ^Jerusalem? Aus Jerusalem meldet die J.T.A.: „Doar Hajom“ teilt mit, daß eine Gruppe' deutscher Juden die Errichtung eines Reformtempels in Jerusalem nach dem Muster der Reformsynagogen in Westeuropa, und Amerika plant. Der Regierung wurden die Statuten des Reformtempels zur Bestätigung überreicht. Man erwartet eine heftige Opposition der orthodoxen Judenschaft gegen diesen Plan. Derartige Nachrichten über die Gründung liberaler Synagogen in Palästina sind in den letzten Jahren mehrfach durch die Blätter gegangen. Bisher haben sie sich stets als unrichtig erwiesen. Nichts- . destoweniger meinen wir,- daß der religiöse Fortschritt in keinem Lande der Welt und auch in Palästina nicht aufzuhalten sein wird. Deshalb ist die „heftige Opposition“ der Orthodoxie ganz unangebracht. Gerade die heute so zahlreich nach Palästina einwandemden Juden aus Europa sind zum weitaus größten Teil bestimmt nicht orthodox und werden — dies, vor allem — auf keine Weise für eine orthodoxe Religion zu gewinnen sein; sie werden sich sogar eher durch orthodoxe Formen von aller Religion abgestoßen fühlen. Will man sie überhaupt zu religiöser Betätigung führen, so kann es nur in religiös-liberaler Denkart und mit modernen Formen geschehen. Der ' „World Union for Progressive Judaistn“ erwächst hier eine Aufgabe, die sie mit größter Energie in Angriff nehmen sollte. — Dieser Hinweis hat mit Zionismus nichts zu tun. Aber es ist nicht einzusehen, warum die Organisation, deren Aufgabe es ist, in allen Ländern der Erde das jüdischreligiöse Leben zu erneuern, gerade Palästina der' Orthodoxie und damit dem Absterben jüdischer Religiosität überlassen sollte. Wohlgemerkt: die in Palästina lebenden orthodoxen Juden will niemand bekehren; aber daß die dorthin kommenden liberalen und — darüber hinaus — unreligiösen Juden religiös betreut werden müssen, daran sollte ein Zweifel nicht möglich sein. Der innerzionistische Streit! die offiziellen zionis/iset lands offensichtlich antizionistische Politik, zur immer strengeren Drosselung der jüdischen Palästina- Einwanderung haben dazu geführt, daß die Revisionisten sich bei Instanzen außerenglischer Mächte sowie auch des .Völkerbundes über England beschwerten. Alle diese Sch ritte," "Vor allem die bekannte anti-englische „Petitionsbewegung“ sind ' im Widerspruch zu den ausdrücklichen Weisungen der Zionistischen Weltorganisation erfolgt, die ihrerseits „schärfsten Protest“ gegen aas revisionistische Vorgehen eingelegt hat. Die innerzionistische Einigkeit ist dadurch nicht größer geworden, und neuerdings vernimmt man von Wunderdingen, zu kompliziert, um sie gleich beim ersten Lesen zu verstehen, aber doch bedeutsam genug, um sie der jüdischen Leserschaft zur Kenntnis zu bringen. Der Hergang ist folgender:. Die Jugendorganisation des Revisionismus, der bekannte „Brith Trumpeldor“, soll in einem vertraulichen Rundschreiben . an seine Mitglieder den Vorschlag gemacht haben,-keine Einwanderungszertifikate von der offiziellen Zionistischen Exekutive anzunehmen, sondern zu veranlassen, daß die Mitglieder des Brith Trumpeldor von palästinensischen Unternehmen unmittelbar als Arbeiter für ihre Betriebe angefordert werden. Daraufhin hat dann die Zionistische Exekutive ihrerseits die Anerkennung der revisionistischen Hachscharah und die Zuteilung von 'Einwanderungszertifikaten an Revisionisten abgelehnt. Nach Zug und Gegenzug in diesem 'Schachspiel waren jetzt wieder 'die Revisionisten „dran“. Und richtig kommt aus Paris, wo die „Exekutive der Weltimion der Zionisten-Revisionisten" ihren Sitz hat, die Nachricht, daß die Revisionisten einen Beschluß gefaßt haben, init dem sie gleich ganze Arbeit leisten! Sie haben nämlich den völligen Boykott der beiden zionistischen Aufbaufonds Keren Kajemeth und Keren HajessoiL Beschlossen! Außerdem beabsichtigt die revisionistische Exekutive gegen die zionistische Exekutive vor dem k'.imrr.-ltgericht der zionistischen Weltorganisation Klage •erlangen, daß der .Beschluß über d?e Zertifikate ilung als illegal erklärt werde. . - Ein bißchen verwickelt, das Ganze! Aber man sieht, so glatt, wie sie immer behaupten, geht es auch hei den isten nicht mit der Lösung der Judenfrage; im Gegenteil neu sie sich untereinander sehr wenig einig zu sein, wie iie eigentlich lösen wollen. Bemerkenswert ist für uns :n an diesem Vorgang u. a. die Offenherzigkeit, der Keren Haft und behandelt __ Aufbaufonds“ bezeichne! Jahrelang hat man den Nichtzionisten yorerzanit, er sei ein „neutraler“ Fonds, und hat sie so zu immer erneuten Geldspenden veranlaßt; jetzt ist im Zom unbedachterweise wieder einmal die Wahrheit verraten worden. Iin übrigen interessiert uns Antizionisten das alles nur als Zuschauer —: daß. schön oder imposant sei, was uns das Intrigenspiel der zionistischen Parteien zu schauen gibt; können wir nicht behaupten. Wir werden auf unserem Weg zu unserem Ziele bleiberi! Entjudungsprozeß in Sowjet-Rußland Hebraismen sollen aus dem Jiddischen entfernt werden Aus Moskau wird der „J.T. A.“ gemeldet: Von den „Arbeiterkorrespondenten“ (Arbkors) einer Reihe jiddischer Fabrikzeitungen wird die Forderung nach Ausmerzung der Hebraismen aus der jiddischen 'Sprache erhoben. Die Zeitung „Der Odessaer Arbeiter“ ist bereits "dazu übergegangen, die hebräischen Ausdrücke durch russische Lehnwörter zu ersetzen. Auch die großen jiddischen Tageszeitungen befassen sich mit dieser von den Arbeiterkorrespondenten aufgeworfenen Frage. „Stern“ gibt zu, -daß viele Hebraismen mit „jüdisch-religiösen Gebräuchen und nationalistischen Vorstellungen“ verknüpft seien, doch hätten die Zeitungen einen Kampf gegen zwei Seiten zu führen, einerseits gegen die nationalistische Gefahr und andererseits gegen diejenigen, die glauben, die jiddische Sprache, Schule und Kultur seien tot oder dem Tode geweihi. Man krwohl nicht alle Hebraismen in der jiddischen Sprache behren und müsse sich dagegen verwahren,,daß die jiddische Sprache in einen Jargon, in ein unorganisches Gemengs-' von Sprachen und Mundarten umgewandelt werde. D Zeitung fordert das Kiewer Institut für jiddisch-proletarische ■:KuItur auf, eine Konferenz der jiddischen Zeitungen, Fachgelehrten und Arbeiterkorrespondenten aus der gesamten Sowjetunion einzuberufen, aut der dieses Problem geklär* werden solle. Es ist bemerkenswert, daß die Arbeiterkorrespondenten neben der Entfernung der hebräischen Ausdrückt auch die der deutschen Worte verlangt haben, die bekanntlich in der jiddischen Sprache _mit besonderer Treue konserviert Ohne uns auf die Erörterung der Frage einlassen wollen, wieweit den Hebraismen der jiddischen Sprache e religionerhaltende Kraft zuzuschreiben ist, geben wir diq vorstehende Notiz deshalb wieder, weil sic ein Schulbeispiel für. die objektive Unrichtigkeit der oft behaupteten jüdischkommunistischen Bundesgenossenschaft ist. Selten hat man so deutlich erkennen können, daß der Kommunismus das Judentum bekämpft. Daß sich die Aktion auch gegen die Germanismen der jiddischen Sprache richtet, scheint uns wieder einmal die „Gleichschaltung des Schicksals“ von Deutschtum und Judentum aufzudecken. Die Entwicklungen in Österreich Direktor von HJCEM zum Studium der Lage der jüdischen Bevölkerung eingetroffen Der Direktor der HIAS-JCA-EM1GDIRECT Dr. James Bernstein, der sich gegenwärtig in .Europa aufhält, ist in Wien eingetroffen, um sich über die Lage der in Österreich lebenden jüdischen Auswanderer, die Situation der österreichischen Judenschaft uml die .damit zusammenhängenden Emigrptioiistragen zu informieren. Starhemberg über die Judenfrage Keine Bekämpfung ‘ national gesinnter- Juden 'er Führer der österreichischen Heimwehr Fürst iiiherg äußerte,sich dem Wiener Vertreter des Buda- „Ujs/ag* gegenüber über verschiedene aktuelle Fragen, „er Losung durch die tleiimvehr harren, lieber die Judenfrage sagte Starhemherg: „Die Judenfrage ist nicht mit Gewalt zu lösen. Die Juden, die auf nationaler Grundlage stehen und den inter- 'nlgen, kommen überhaupt nicht der Juden frage sprich ‘ ’ solche Juden denken nicht national sind Ich Bürgern s Staat bilde erhole deshalb, es gibt keine Jtidcnfrage, von unseren braven, national gesinnten jüdischen pm.-lu.-n, die ja auch keine Belastung für den erschicdcncii Äußerungen des Fürsten Starhemherg, i den letzten Tagen einem--Mitarbeiter des „Petit gegenüber erklärt hat, der österreichische Staat aritar, korporativ und christlich sein, Österreich Juden nicht \nistnerzen, aber ihre Vorherrschaft «heu m jüdischen Kreisen zu mancherlei Bedenken „eben. Es wird als peinlich empfunden, daß ein Mann von der Bedeutung lies Fürsten Starhemherg, der, wenn auch nicht Mitglied der Regierung, so doch auf die Richtung der österreichischen Politik einen wesentlichen Ein- " ' u‘ “ Notwendigkeit spricht, eine Vorherrschaft .—■ -.- existiert hat. Um so stärker macht sich das Bedürfnis nach-einer Erklärung der österreichischen Regierung geltend, in der sie autoritär und eindeutig bekunden würde, nach welchen gesetzlichen Prinzipien siesich die Behandlung der Judenfrage denkt. Gemäß der Verfassung und den internationalen Verträgen ist die' österreichische Regierung verpflichtet, die Juden als gleichberechtigte Staatsbürger zu behandeln, und ihnen außerdem Rechte-einen kulturellen Minderheit zu gewähren. . Wieder zwei luden in Italien zu Senatoren ernannt Die soeben veröffentlichte Liste neuernannter Senatoren enthält wieder die Namen von zwei Juden. Die beiden neuen-' jüdischen Senatoren sind Alfredo Felici, ein hervorragender Rechtsanwalt, und Giorgio Falck, ein sehr bedeutender Industrieller. , . Im Dezember v.-J. wurde zum ersten Mal seit Einführung der faschistischen Staatsform ein Jude, der Turiner Industrielle Isaiah Levy, in den italienischen Senat entsandt. Berlin. (H e 1 d en ged e n k f e i e r in der Prinzreg en t e n st r a ß e.) In der Synagoge Prinzregrntenstraße fand am 23. Februar im Anschluß an den Freitagabradgottes- . dienst eine Heidengedenkfeier statt. Die Synagoge war derart überfüllt, daß viele Andächtige keinen Platz mehr fanden. .Die Militärvereine nahmen korporativ, mit . Fahnen, teil. .Nach dem üblichen Freitagabendgottesdienst leitete der erste Satz aus dem. Deutschen Requiem -von Brahms die Feier ein. Die Fahnendeputationen nahmen auf der Vorbeterempore Aufstellung. Der Prediger Dr: Rudolf Seligsohn wies in seiner Ansprache auf die unlösbare Verbundenheit „der deutschen Juden mit dem deutschen Vaterlande hin, für das sie immer die gleichen Opfer wie die übrigen Mitbürger gebracht-haben, . und ließ die Predigt in ein Gebet für die Gefallenen-und das Vaterland. ausklingen. Oberkantor Wilhelm Friedmann trug das El mole rachamrm vor geöffneter Lade vor. (Jemeinaamei Kaddischgebet beschloß die würdige Feier, die wieder den Beweis erbracht hat, daß die Neuformung der gottesdienstlichen Feiern, wie sie in der Synagoge Prmzregratenstraße seit deren Eröffnung gepflegt wird, dem Bedürfnis der weitesten Kreise entspricht. haben, an einem Gottesdienst teilzunehmra, Gelegenheit geben sollen, den Wochenbeginn im Gotteshaus zu erleben. Der Gottesdienst soll die übliche Habdäläliturgie unter Mitwirkung des Chors uiid eine Ansprache enthalten. Weitere Ankündigungen erfolgen demnächst. FiuidSröm "un“ FlehtnwadelbSder Drogerien Hersteller H. C. Baensch, Berlin BarnUierstr. 12 FS 1TC4 1 „C HAKLOT T“ 1 NEUZEITLICHE 1 BILDNISKUNST * 1 PORTRÄT # TANZ MODEN 1 HEIMAUFNAHMEN | W 5a MARBWOERSTR. 11 Atelier f. vornehme Herren-u.DamenDeKieidu|Q KETTENBEIL / Bestts Tafelobst DeUkatessea. orienL Spezialitäten, PalisUM- Wdne liefert frei Haus ualBBCla-Bnrtsa mb. j. Lewmii Berlin W 50. Passauer Straße 5 Hohenzollerndamm 2 Chtni. Reinigung, Ri beeJ-Innahne . 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