Mannheim
Compact Memory

Jüdisch-liberale Zeitung · 1934-03-02 · 18 (2.3.1934) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
14 (1934)
Issue
18 (2.3.1934)
Date
1934-03-02
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2613366-2613519-2613535--4770-2616502
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Hutturbpiecet Iflenbelssoljns Elias „Elias' -.4 ii/jührung am 6. März in der Neuen Synagoge Berlin, Oranienburger Slra/lr Noch niemals ist ein Stück von mir bei der ersten Aufführung so vortrefflich gegangen und von den Musikern und den Zuhörern so begeistert angenommen worden, als dies Oratorium“, so. schrieb Felix Mendelssohn aus England, wo 1846 sein „Elias“ auf dem Musikfest in Birmingham uraufgeführt wurde. Nicht weniger als acht Stücke mullten wiederholt werden. Der Erfolg ist dem Werke bis heute treu geblieben; es kann gelegentlich von den Programmen verschwinden, wird aber immer wieder von neuem hervorgeholt. Das Oratorium umfaßt zwei Teile; der erste gliedert "sich deutlich in vier Szenen, in die Schilderung des vergeblichen Bittens -des Volkes um Regen, in die Szene zwischen Elias und der Witwe, in den Streit mit den Baalspriestem auf-dem Karmel; das letzte Bild schließt an das erste an* bringt mit der -Sendung^von Regenwolken die Erlösung vom Fluch; der auf dem Volke lastete. Der zweite Teil bringt zunächst die Aufwiegelung des Volkes, das von der Königin gegen Elias gehetzt wird, seine Vertreibung und Flucht in die Wüste. Hier erleben wir den dramatischen Höhepunkt dieses Teils: der Herr erscheint dem Propheten. Am Schluß die Rückkehr des Elias und seine Himmelfahrt. Mendelssohns Musik reicht weit über das bloße Schönklingen hinaus, wird zur Charakteristik der Leidenschaften, wird zum Ausdruck der bebenden_Angst einer Mutter, die um das Leben ihres Kindes bangt, zum feierlichen Hymnus, wenn sie von der Barmherzigkeit Gottes kündet, zur ergreifenden Klage, wenn Elias fühlt, daß er nicht besser als seine Väter sei. Freilich überläßt sich Mendelssohn niemals hemmungslos seinen Empfindungen; bei aller Vielfalt der Bilder blejbt er Meister und Beherrscher der Form. Deswegen ist sein Oratorium zu einem klassischen Werk gestaltet, nicht wegen vereinzelter musikalischer Anklänge an die großen, klassischen Oratorien. Aber trotz ihrer Symmetrie werden die Melodien zum Spiegelbild eines ungeheuren dramatischen Geschehens, trotz der "Regelmäßigkeit und Schlichtheit der Anlage leben in, der Musik die Affekte des menschlichen Herzens. Mendelssohn hat das 1838, also acht Jahre vor der Vollendung des Werkes, selber ausgesprochen: „Ich hatte mir beim Elias einen rechten . . . Propheten gedacht, - wie wir ihn heutzutage etwa wieder brauchen könnten, stark, eifrig, wohl bös’ und zornig und finster, im Gegensatz zum Hofgesindel , . . Es ist mir darum recht um das Dramatische zu tun/“ Wenn die Baaispriester den falschen Gott anrufen, zuerst in hymnischer Beschwörung, dann in steigender Erregung, wenn sie schließlich in wildem Schrei zu dem Götzen rufen, der stumm bleibt und. der wahre) Prophet Elias statt jeder. Antwort zu dem Gott Abrahams, Isaaks und Israels betet, dann sind wir auch heute von der •lebensvollen Kraft dieser Worte und Töne erschüttert. Ein Jahr nach der Vollendung und Uraufführung des Elias ist Mendelssohn gestorben; als er sein Werk schrieb, war er der Hast des Lebens überdrüssig; die Briefe bezeugen es. Aber in diesem Oratorium ist noch einmal alle Größe, Schönheit und Inspirationskraft seines begnadeten Schöpfertums in einem unsterblichen Werk gebannt. Ludwig Altmann. Einem 80 jährigen Künstler Daß auch das Wort vondem Mimen, dem nur die Mitwelt Kränze flicht, Ausnahmen kennt, zeigte sich soeben in schöner Weise bei dem in Dresden gefeierten 80. Geburtstage des vor jetzt 25 Jahren von der Bühne äbgegangenen Kassler Heldentenors Sigmund Weltlinger. Aufrecht und doch bescheiden als Mensch und Jude erhielt dieser hervorragende Künstler auch von Nichtglaubensgenossen teilweise aus ternen Ländern herzliche Beweise liebevoller Dankbarkeit für sein unvergeßliches Wirken. Einen Nachhall davon erlebten die den Tag Mitfeiernden durch die gleichermaßen Rührung wie Bewunderung auslösende Überraschung, daß der Jubilar selbst trotz seines hohen Alters noch einmal seine machtvolle! Stimme aufleuchten ließ — ein gesegnetes Naturwunder! Weltlinger war gebürtiger Mähre; er gehörte in den 80er Jahren der glanzvollen Ära Pollini in Hamburg an, wo eh seine als jugendliche Künstlerin bereits gefeierte Gattin Therese Pollack kennen lernte, die ihm noch heute als Lehrmeisterin beruflich treu verbunden ist. In Kassel hat dann dieser seltene Mann, dem man schon als Kind eine bedeutende Laufbahn prophezeite, als erste Kraft besonders Wagnergestalten 19 Jahre lang aufs eindrucksvollste verkörpert. Dr. R. —b. Ein neuer mufikalifdjer Freifagsabenbgoffesbienjf Am letzten Freitagabend fand in der Berliner Synagoge Rykestraße eine neue musikalische Liturgie von Jakob Dymont (eines Schülers von Hugo Kaan) ihre erstmalige . gottesdienstliche Verwendung. Damit ist in der Berliner Gemeinde zum dritten Mal — nach den Werken von Schalit und Kopf — ein Vorstoß zur Erneuerung unserer Synagogenmusik unternommen worden. Mancher wird vielleicht erstaunt fragen: bedarf es denn einer solchen Reform? Demgegenüber ist festzustellen, daß unsere Gottesdienste in musikalischer Hinsicht — was die Kompositionen a'nlangt — leider oft ein geradezu erschreckend tiefes Niveau zeigen. Es herrscht großenteils ein durchaus veralteter und unerträglich gewordener Liedertafelstil, und was das" Schlimmste ist: es besteht oft ein bedenkliches Mißverhältnis zwischen der Größe und Erhabenheit der Texte und der Flachheit und Banalität der dazugehörigen Musik. Um der Sache willen und nicht zuletzt in Anbetracht der Anziehungskraft ’ unserer Gottesdienste namentlich auf die sucht — und es auch, bereits in einigen Punkten erreicht hat — abseits stehende Kreise dem Judentum wieder zuzuführen. .' Der Oberrabbiner der Gemeinde ist wohlwollend und äußerst verständnisvoll. Er hat seit mehr als zwanzig Jahren bereits in Predigten und Ansprachen immer wieder darauf hingewiesen, daß man jede religiöse Bewegung unterstützen müsse, wenn sie nur dazu diene, Verlorene wieder lieranzuholcn. Entwurzelte wieder zu festigen. Er war mir in diesen letzten Wochen eine starke moralische Stütze, was ich dankbar anerkennen möchte. Unter den Helen Zionisten aller Schattierungen trat ich "aut eine besonders geistig interessierte Gruppe hochgesinnter ernsthaft Suchender, die da sagen: Palästina bedeutet uns Heimstätte und Aufbauland für Vertriebene und Heimatlose. Wir aber sind Österreicher! Wir haben unser Vaterland hier in Österreich! Aber ’ neben dieser kulturellen Heimstätte ^suchen wir auch eine religiöse Heimstatt, die uns .verlören* gegangen ist. Ein Teil dieser Männer und Frauen ist dem orthodoxen Judentum entfremdet oder hat jedes Verhältnis zum Religiösen verloren. Sie kommen zu uns, um Erfüllung ihrer religiösen Bedürfnisse zu suchen und hoffentlich zu finden. Unsere Vereinigung, die bisher einzelne Vorträge und Veranstaltungen abgehalten hat, hat nun ein festumrissenes Programm: Alle 14 Tage finden Feierstunden' in einem Privathause (bisher im gastlichen Hause Ostwald) statt. Hier sollen die Mitglieder und Freunde unserer Gruppe hirigeführt werden zu' Sinn- und. Inhalt, zur Erfüllung" dessen, was uns allen religiös-liberales Judentum bedeutet. Die Bibel, das große, unbekannte. Buch soll und wird auch in diesem Kreise den Juden, dem Volke des Buches, wieder das' werden, was sie unseren Vätern und Vorvätern gewesen ist. Eine Bibelvorlesung. (möglichst. die Sidrah oder tlaftjrah) steht im Mittelpunkt jeder Feierstunde^ Ihr schließt sich eine Bibelauslegung an oderr eine Betrachtung, ein Referat oder ein Vortrag. Einige Male habe1 ich diese Ansprachen gehalten, ln tief religiöser Weise sprach ferner, von sittlichem Ernst beseelt, Dr. Zuckermann, ein junger Rabbiner vom Hebrew Union College in Cincinnati, der sich studienhalber längere Zeit in Wien aufhält. Es haben sich Persönlichkeiten wie die bekannte Kunsthistorikern und Kulturphilosophin Dr. Helene Kander zur Verfügung gestellt, ferner Ernst Lissaucr, der durch Rezitationen aus seinen biblischen Dramen und Gedichten, aus seinen jüdischen Legenden zur Erhöhung der Feierstunden beitragen wird, eine junge Theologie-Studentin u. a. m. Die Veranstaltungeirsiud jeweils von guten musikalischen Darbietungen umrahmt, z. T.. aus der klassischen deutschen Musikliteratur (Bach, Händel, Beethoven u. a.), z. T. aus der altjüdischen. Oftmals werden Stücke aus der Liturgie der Berliner Jüdischen Heforingcracinde gewählt. Das österreichische Streichquartett, eine begabte Klavierkünstlcrin, sowie gute Sänger stellen sich freudig zur Verfügung. Zu unserem großen Bedauern wurde unserem bisherigen, geistigen Mentor, der es verstanden hat, die Hörer zu erbauen, zu belehren und zu begeistern, von dem Vorstand der Gemeinde untersagt, weiterhin Vorträge in unserer Vereinigung zu halten oder an den Veranstaltungen teilzunehmen, mit der Begründung: der Vorstand der Wiener. "Gemeinde könne es ihrem Inspektor des Religionsunterrichtes nicht gestatten, einer, wenn auch religiösen,, so doch fortschrittlich gesinnten Gruppe seine- Kraft zur Verfügung zu stellen. Diese Entscheidung widerspricht-’zwar gewissen Paragraphen, die jedem KuRüsbeamten freie Ausübung seiner’ religiösen Betätigung gestatten. Aber wir müssen uns bescheiden und somit leider auf diese für uns so wertvolle Kraft' verzichten. Dennoch wird unsere Arbeit in Wien weitergehen! Selbst die augenblicklich so schwierige allgemeine Lage hat die Wiener Freunde nicht abgehalten, am 17. Februar ihre angesagte Feierstunde abzuhalten. Daß der Wunsch bestand, trotz aller Schwierigkeiten zusammenzukommen, beweist, daß aus der losen Vereinigung bereits eine Gemeinschaft von Menschen geworden ist,-die das Bedürfnis haben, gerade in dieser schweren Zeit sich zu religiöser Erbauung zu versammeln. Wenn wir in diesem Sinne in Wien weitefarbeiten, wie wir es beabsichtigen, so wird die Schar der Gesinnungsfreunde auch weiter wachsen, wie das seit Jahresbeginn von Feierstunde zu Feierstunde bereits geschah. Wir treiben bewußt keine Propaganda von und nach außen, sondern wir gestalten unsere Zusammenkünfte derart, daß immer weitere Kreise :— bitten, zu uns kommen zu dürfen! Auf diesem Wege werden hoffentlich nun auch in Wien bisher religiös Schlummernde zu neuem Glauben erweckt und mit wahrer Religiosität erfüllt werden. Und wenn auch unsere Arbeit durch all die Hindernisse nur langsam fortschreiten kann: Es ist zu hoffen, daß mit der Zeit das religiös-fortschrittliche Judentum, gut fundiert und aufgebaut, seinen Teil zu Bestand und Erhaltung des gesamten Wiener Judentums beitragen wird! . * Budapest Nicht weniger positiv, wenn auch wesentlich anders, vollzog sich die äußere Entwicklung in Budapest. Auch hier reichen die ersten Besuche, die Miß Atontagu und ich machten, anderthalb Jahre zurück. Schon damals fanden wir eine Schar interessierter und verständnisvoller Menschen, die den Willen zu religiöser Betätigung in fortschrittlichem Sinne hatten. Unter Führung der gleichen Männer wie zu Beginn der Arbeit und unter Heranziehung von weiteren einflußreichen und einsichtsvollen Kreisen ist nun im Januar dieses ahres, nach einigen äußerst harmonischen Zusammenünften und Vorträgen eine Vereinigung in Budapest begründet worden, die anzuregen und ins Leben zu rufen ich die Freude hatte. An der Spitze steht ein Rabbinersolm,’ Dr. Ernst Namen v i, der Enkel von Rabbiner Keyserling, der, von Tradition und Ehrfurcht getragen, sveiß, daß cs gilt, edles Altes zu erhalten, aber in neuen Formen darzubringen, in Formen, die jene, die da suchen und irren, wieder ihren Gott finden lehren. Ihm stehen Männer zur Seite wie Professor Karl Goldzieher, der Sohn des allbekannten Gelehrten Ignaz Goldzieher. Es steht neben .ihm, geführt von Dr. Neugröschel, die Jugend. Und wenn der Vorstand der Gemeinde die Bestrebungen auch nicht aktiv fördert: eine Reihe von Mitgliedern des Vorstandes und Persönlichkeiten, die. ihnen nahestehen, bekunden ihre Sympathie. Auch hier •sollen regelmäßige Feierstunden (natürlich in der Landes-, spräche), in ähnlichem Aufbau wie in Wien, wieder zu lebendigem Judentum hinführen. An den Feiertagen werden Gottesdienste im Privathause jene sammeln, die bisher keine Synagoge besuchten.' ■ Hier in Budapest, wie in den verschiedenen anderen Ländern, macht sich der Mangel an guten kurzgefaßten Schriften und Broschüren bemerkbar, die neben den richtunggebenden umfangreichen Büchern unserer Führer in leicht faßliche- Form Sinn und Wesen dessen wiedergeben, was wir wollen und erstreben. * * * Überall bejahen heute Menschen freudig ihr Judentum, die noch vor kurzem irrend und suchend oftmals der Taufe nahe waren, die nicht mehr wußten, warum sie sich Juden nennen, warum sie Juden genannt werden — warum sie leiden! Auch ihnen, uns allen, ist wieder bedeutungsvoll undwesentlich geworden, was unsere Ahnen die Leiden der Zeiten überstehen ließ, was uns durch die Jahrhunderte trug. Als gläubige Juden, geeint durch unsere große ehrwürdige Vergangenheit, fühlen wir uns unsern Glaubensbrüdem allen verbunden, ob wir auch ganz verschiedene Wege zu dem einen großen Ziele einschlagcn. Wenn wir in diesen Wochen von der Wüstenwanderung unserer Väter lesen, wenn wir erfahren, wie sie den Weg der Mühsal auf sich nahmen und tapfer schritten,, so drängt sich uns heute ein Bild aus dieser Zeit besonders auf: In einzelnen Zelten lagerten sie! Mit blauen, weißen, roten und schwarzen Fahnen war jedes Zelt geschmückt!. In den Zelten wohnten Menschen verschiedenster Auffassungen und Meinungen. Aber alle lagerten sie — gegenüber dem hei 1 igen Berge! ■junge Generation ist hier Wandel dringend vonnöten. So verdient denn jeder Schritt auf diesem Wege stärkste Beachtung. Dymonts Liturgie sichert dem Gottesdient die musikalische Einheitlichkeit. Mittels chromatischer Stimmführungen sowie mittels einer- Harmonik, die auf den Skalen der traditionellen östlichen Melodien basiert, wird eine neue Klanglichkeit erreicht, deren Herbheit der Größe der Texte durchaus gerechter wird als die sentimentale Weichheit vieler bisheriger Vertonungen. Das Melodiegut selbst ist durchaus traditionell; ■ in dem großartigen einleitenden „Ma towu“ sind die im Osten gebräuchlichen schönen musikalischen .Akzente des Hoheliedes verwendet. Dank einer unermüdlichen Probenarbeit war die Wiedergabe der anspruchsvollen Sätze durch Oberkantor Ahlbeck sowie durch den verstärkten Chor unter Leitung von Burchard eine recht würdige. Rabbiner Dr. M. Swarsenski unterstrich in seiner Ansprache die Bedeutung des Ereignisses’ und behandelte anschließend das Verhältnis von Religion und Musik. — Hatte schon die Hauptprobe am Mittwoch reichen Zuspruch besonders seitens der Kantoren, Chorleiter jind Organisten erfahren, so wies der Gottesdienst selbst einen außergewöhnlich starken Besuch auf. Es steht zu hoffen, daß diesem Unternehmen Dymonts bald weitere folgen werden — auch in Italien sind ähnliche Bestrebungen im Gange — und daß die synagogale Musik recht bald die Erneuerung finden werde, deren sie so sehr bedarf. F. Kulfurabenb in Kolberg . Es ist eine Tat des deutschen Judentums, die Kultur- " Veranstaltungen geschaffen und bis in die kleinsten Provinzgemeinden getragen zu haben. Gewiß sind diese nicht gleich den Großgemeinden in der Lage, sich große Konzertvefanstültungen mit hervorragenden jüdischen Musikern von Weltruf zu leisten. Aber da selbst eine Veranstaltung in bescheidenem Rahmen die Möglichkeit verschafft, die Gemeinden zu sammeln und über die Not des Alltags zu erheben, so freuen wir uns, in Hinterpommern Menschen zu besitzen, die durchaus in der ■ Lage sind, uns mit künstlerischen Darbietungen die Sorgen der Zeit, wenigstens auf Stunden, vergessen zu machen. Es sind dies die Herren Oberkantor Wcrblowski (Stolp) und Prediger E. Lewin (Köslin), die an einem der letzten Sonntage nach Kolberg-kamen, um auf Veranlassung des Deütschjüdischen Jugendbundes einen Kulturabend zu geben. Herr Prediger Lewin sprach einleitend über jüdische Dichtung und rezitierte mit tiefem Verständnis una großer Wirkung Novellen von Perez, Schalom Asch, Morris Rosenfeld und Scholem Alechem. Sodann sang Herr Oberkantor Werblowski mit wohldurchgebildeter Stimme und schöner Atemtechnik hebräische Gesänge von Lewandowski, KirSchner und Komitzer und riß die Zuhörer "mit dem Vortrage des Arioso ■ von Händel und des Hallelujah von Hummel hin. Die Reihenfolge dieser Gesänge durchbrach Herr Lewin'durch einige Violinvorträge von Chopin, Sammartini und Schubert. Seine Technik und sein beseeltes Spiel gefielen außerordentlich. Den tiefsten Eiindruck vermittelte er durch den Vortrag des Kolnidre. Wir danken den beiden Herren, die sich wie immer völlig selbstlos in den Dienst dieser Sache gestellt haben, herzlichste für die schönen Stunden, die sie uns bereiteten, und hoffen, sie bald wieder in Kolberg begrüßen zu können. E—h. Bunter Äbenb ber Berliner jübifdjen Winferljilfe Wieder einmal gab die Winterhilfe der Jüdischen' Gemeinde am vergangenen Sonntag im Schubertsaal in der Bülowstrafic ihren Hilfsbedürftigen einige frohe Stunden. Der Leiter der Winterhilfe der Gemeinde, Gandersheim, sprach einleitend zu den ca. 700 Zuhörern, daß das deutsche Judentum seinen Lebensraum nur in Deutschland finden könne; Aber hierzu sei jüdischer Lebensmut und Optimis.- mus nötig, der nur durch freudige Lebensbejahung und Zusammenstehen aller Kräfte in der Gemeinde gewonnen werden könne. Hierzu sollen auch die Abende der seelischen Winterhilfe verhelfen. — Bruno Sommerfeld konferierte den Abend. Seine geistvoll-drastische Ansage fand, freudige Aufnahme. Max Koninsky vom „Kulturbund“ zeigte sich diesmal von der heiteren Seite und brachte außer zwei netten Satvren eine Humoreske „Die Weinspende für den Rabbi“, die den Anwesenden viel Spaß machte. Die Tänzerin Irmingard Willner, diesmal in klassischen Tänzen, zeigte, daß klassische Tänze immer noch den stärksten Eindruck zu hinterlassen vermögen. Karja Schapiro und Hans Horsten trugen das Duett „Wer uns getraut*“ vor, -mit dem sie viel Erfolg hatten. Karja Schapiro sang mit schöner Koloräturstimme „Mattinata“ imd „Trinkspruch“. Sie erntete reichen Beifall. Und nun Martin Kellner, dessen humoristische Vorträge wahre Lachsalven auslösten. Auch Martha Frost mit ihrem schönen Mezzosopran zog die Hörer in ihren Bann. Sie trug Carmen-Arien und Volkslieder in verschiedenen Sprachen vor. Es wäre zu begrüßen, Martha Frost öfter öffentlich zu hören. Zum Schluß kam Ballan, bekannt mit seinem „Karlchen“, der das Publikum durch immer neue witzige Einfälle erfreute. — Grete Friedmann unterstützte wirksam die Darbietungen 'durch ihre dem jeweiligen Charakter angepaßte Begleitung. — Das anwesende Publikum unterhielt sich bestens. Julius Waller. Chortconzert des „Liederkranz“ Mannheim mit Paula Lindberg-Berlin Die Leitung des hiesigen „Liederkranz“ die sich stets erfolgreich bemüht, ihren zahlreichen Hörern musikalisch Wertvolles zu bieten, veranstaltete diesmal ein Chorkonzert, das in doppelter Hinsicht reizvoll war. Hörte man doch in ihm bei dieser Gelegenheit Chöre des bereits vor einem Jahre einstudierten, damals infolge der Zeitumstände nicht zur.Aufführung gekommenen Händelschen Oratoriums „Samson“, und als Solistin des Abends Paula Lindberg (Berlin). Während den Auftakt des Konzertes zwei klanglich una vor allem rhythmisch - prägnant gebrachte Chöre der Philister aus dem „Samson“ unter Max Sinzheimers straffer Führung bildeten, hörte man dann drei Arien durch Paula Lindberg (Berlin). Frau Lindberg, die ja eine geborene Pfälzerin ist, begann mit Händels „Vater des Alls“. Und so schlicht int Ausdruck sie auch Mendelssohn-Bartholdys „Sei stille dem Herrn“ sang, der Höhepunkt dieser ersten Sänge war Mozarts „Halleluja“. Wie Frau Lindberg dies außerordentlich anforderungsreiche „Halleluja“ dank ihres reichen technischen Könnens, ihrer Atemführung wie ihrer sanglichen Kultur bewältigte, das zeugte ebenso für die Reife ihrer Künstlerschaft wie die Art ihres Vortrags: so mozartisch stilvoll war er, so reich an seelischen Nuancen. Mit ihr als Solistin, wurden die zwei Chöre der Israeliten aus dem „Samsor.“ zum chorischen Gipfelpunkt des Abends. Zwischen diesen Chören, denen Joseph Oesterreicher ein liebevoller Begleiter am Flügel war, bot Paula Lindberg ■ ■ Lesezirkel ausländischer Zeitungen y,en. . p.(a.g _ zylch Basel London . Paris Manchester Unix Scheitel, Schoneberg, Beiziger Straße S, G 1 Stephan 8663

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.